Die Apokalyptischen Reiter:
Der fünfte Reiter greift ein
Für die meisten Bibelleser sind die
„Apokalyptischen Reiter“ die vier Reiter, die in
Offenbarung 6 vorkommen. Es gibt aber einen fünften
apokalyptischen Reiter, dessen Ritt die Wende bringt.
Von Darris McNeely und Paul Kieffer
Nur sechs Wochen nach der Invasion Iraks verkündete der
Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte,
US-Präsident George W. Bush, auf einem Flugzeugträger
vor der Küste Kaliforniens das Ende des Kampfes um das
Zweistromland. Einen Monat später schien die Zeit reif
für eine Lösung des Nahostkonflikts, als sich Bush
mit Israels Ariel Scharon, Jordaniens König Abdullah und
dem Premierminister der palästinensischen
Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, in Akaba traf.
Mit dem Beistand des Viererquartets bekundeten die
Nahost-Kontrahenten ihren Willen, den „Fahrplan für
den Frieden“ umzusetzen. Die Führer Israels und der
Palästinenser gaben sich die Hand, drückten ihr
Bedauern über das Leiden ihrer Völker aus und
bekräftigten ihren Wunsch nach friedlichen
Beziehungen.
Wenige Wochen nach diesem Treffen im Juni 2003 gingen die
Selbstmordattentate in Israel weiter. Bei einem Überfall
auf einen Bus im Berufsverkehr fanden siebzehn Israelis den
Tod. Die anschließenden Vergeltungsaktionen im
Gazastreifen brachten nicht nur den Führern radikaler
palästinensischer Organisationen, sondern auch Kindern,
die mit den Anschlägen in Israel gar nichts zu tun hatten,
den Tod. Darüber hinaus war bis Ende August 2003 die Zahl
der im Irak getöteten US-Soldaten seit der Verkündung
des Endes der Kampfhandlungen höher als in den Wochen der
Invasion.
Nun wartet die Welt nach dem Tod Jassir Arafats die weitere
Entwicklung im Nahostkonflikt ab, während andere besorgt
sind, ob nicht die Amerikaner ihr nächstes Eroberungsziel
in der Region beschlossen haben: Iran. In der Zeit, in der die
Aufmerksamkeit der Welt vordergründig dem Nahen Osten
gilt, toben aber auch anderswo Kriege, z. B. in
Afrika.
„Den Weg des Friedens kennen sie nicht“
Seit der frühesten Geschichte sehnt man sich den
Frieden herbei, den zu schaffen für die Menschen bislang
unmöglich gewesen ist und auch so bleiben wird. Immer
wieder wurde die Hoffnung auf den Frieden letztendlich
zerschlagen: In der Welt nichts Neues, könnte man mit
Berechtigung sagen.
Wie findet man den Weg zum Frieden? In den bisherigen
Artikeln dieser Reihe befaßten wir uns mit den vier
Apokalyptischen Reitern, die in Offenbarung 6 beschrieben
werden und deren Auftreten die ersten vier der sieben
prophetischen Siegel sind, die Jesus Christus öffnet. Ihr
Erscheinen gilt der Zerstörung und den Leiden, die durch
falsche Religion, Krieg, Hungersnot und Pestilenz
ausgelöst werden.
In seiner Prophezeiung auf dem Ölberg erklärte
Jesus, daß diese Siegel eine in der Menschheitsgeschichte
beispiellose Zeit der Wirren und der Trübsal
herbeiführen werden (Matthäus 24,7-8. 21). Es
sind Voraussagen, die einen dunklen Schatten auf die Zukunft
unserer Welt werfen. In Offenbarung 8 kommen weitere Plagen
hinzu, die die Vegetation (Vers 7) und die Weltmeere bzw.
Binnengewässer (Verse 8 und 10) heimsuchen, die ein
wesentlicher Teil des lebenserhaltenden Ökosystems der
Erde sind.
Die Zustände werden derart schlimm sein, daß sich
die Menschen den Tod als Ausweg wünschen, ihn aber nicht
finden werden (Offenbarung 9,6). Aus welchem Grund wird die
Erde so heimgesucht werden?
Gottes gerechtes Gericht
Um diese Frage zu beantworten, gilt es, ein Grundprinzip von
Gottes Gericht auf die Menschen zu verstehen. Gott freut sich
nicht über den Tod des Bösen. Statt dessen
wünscht er sich lieber die gerechte Lebensführung
seiner Menschenkinder, damit diese den Segen des Gehorsams
ernten können.
Wird das Maß der Auflehnung und des Ungehorsams jedoch
voll, kommt eine Zeit gerechten Gerichts, dessen Zweck immer
die Wiederherstellung besserer Zustände ist. Durch den
Propheten Hesekiel fragt Gott: „Meint ihr, ich hätte
Freude daran, wenn ein Mensch wegen seiner Vergehen sterben
muß?“ Seine Antwort auf die Frage ist eindeutig:
„Nein, ich freue mich, wenn er von seinem falschen Weg
umkehrt und am Leben bleibt!“ (Hesekiel 18,23; Gute
Nachricht Bibel, alle Hervorhebungen durch uns).
In der Offenbarung wird eine Zeit des göttlichen
Gerichts vorausgesagt, die letztendlich zu Frieden führen
wird. Nur so wird diese verfeindete, haßerfüllte
Welt zur Besinnung gebracht. Bevor die letzten Plagen
eintreten, die zu diesem positiven Ergebnis führen, wird
in der Vision der Offenbarung vor dem Thron Gottes ein Lied des
Moses und des Lammes (= Jesus) gesungen:
„Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr,
allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege,
du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht
fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein
bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor
dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar
geworden“ (Offenbarung 15,3-4).
Später fügt einer der Engel, der eine Schale
dieses Gerichts hält, hinzu: „Gerecht bist du, der
du bist und der du warst, du Heiliger, daß du dieses
Urteil gesprochen hast; denn sie haben das Blut der Heiligen
und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken
gegeben; sie sind’s wert“ (Offenbarung 16,5-6).
Diese Worte sind für heutige Menschen – viele
Konfessionschristen eingeschlossen –, denen das
Bewußtsein eines göttlichen Gerichts fehlt, eher
Ausdruck eines Rachefeldzugs als der Liebe des Schöpfers.
„Wie kann Gott seiner Schöpfung so etwas
antun?“, fragen sie.
Im Gegensatz zum Zeitgeist der Ablehnung Gottes wissen wahre
Christen, daß Gottes Urteil gerecht ist, wie der Engel
sagt: „Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind
wahrhaftig und gerecht“ (Offenbarung 16,7).
Der Ritt des fünften Reiters der Offenbarung
Anders als seine Vorgänger, stellt der fünfte
Reiter der Apokalypse, Jesus Christus, weder Krieg, Hungersnot,
Seuchen noch ein falsches Evangelium dar. Sein Auftreten ist
nicht das fünfte Siegel von Offenbarung 6, sondern er
kehrt, wie versprochen, als König der Könige und Herr
der Herren zurück. Mit dem ersten der vier Apokalyptischen
Reiter hat er dennoch eines gemeinsam: Er führt Krieg.
Der Krieg, den Jesus führt, ist anders als alle
bisherigen Kriege. Es wird der Krieg sein, der dem Krieg
wirklich „ein Ende setzt“. Wie wir in Offenbarung
19 erfahren, ist es ein gerechter Krieg: „Und ich sah den
Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der
darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er
richtet und kämpft mit Gerechtigkeit“ (Vers 11).
Wie der erste Reiter in Offenbarung 6 sitzt auch Jesus auf
einem weißen Pferd. In beiden Fällen ist dieses
Sinnbild des Reiters mit einem Siegeszug verknüpft. An
dieser Stelle hören aber die Gemeinsamkeiten auf. Anders
als der erste Reiter vertritt Jesus die Wahrheit; sein Name ist
das „Wort Gottes“ (Vers 13), und „aus seinem
Munde ging ein scharfes Schwert“ (Vers 15), das an
anderen Stellen in der Bibel das Wort Gottes darstellt (siehe
Hebräer 4,12).
Statt Jesus bei seiner Wiederkehr begeistert zu empfangen,
wird man ihn bekämpfen. Sein Hauptgegner wird das
babylonische politisch-religiöse System der Endzeit sein,
das einen bedeutenden Einfluß auf das moderne Christentum
ausüben wird (Offenbarung 17,12-14). In einer
Entscheidungsschlacht wird die Herrschaftsordnung Gottes die
Regierungen dieser Welt ablösen (Offenbarung 11,15).
Fortan werden die Nationen der Regierung vom Reich Gottes
unterstellt sein, unter der göttlichen Herrschaft Jesu
über die ganze Erde. Das Wirken der ersten vier
Apokalyptischen Reiter führt nur zu mehr Trübsal und
Umwälzungen hin; als fünfter Reiter führt Jesus
letztendlich Frieden und Ordnung überall auf der Welt
ein.
Der Krieg, der Frieden schafft
Die Weltherrschaft Jesu wird die Erfüllung aller
Prophezeiungen sein, die seine gerechte Herrschaft vorhersagen.
Die Beschreibung seiner Wiederkehr in Offenbarung 19, Vers 15
ergänzt den Gedanken, den der Prophet Jesaja vor 2600
Jahren niederschrieb: „Er wird nicht richten nach dem,
was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine
Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die
Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er
wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen
schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen
töten“ (Jesaja 11,3-4).
Jesu Wiederkehr in Macht und Herrlichkeit findet zur Zeit
eines großen Krieges statt, wenn sich die Nationen vor
Jerusalem zum allerletzten Kampf versammeln werden. Ihren
Armeen geht es um die menschliche Weltherrschaft, doch Gott hat
eine ganz neue Weltordnung im Sinn.
Der Apostel Johannes beschreibt, wie ein Engel, der im Glanz
der Sonne erscheint, den Vögeln des Himmels einen
ominösen Auftrag erteilt: „Kommt, versammelt euch zu
dem großen Mahl Gottes und eßt das Fleisch der
Könige und der Hauptleute und das Fleisch der Starken und
der Pferde und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller
Freien und Sklaven, der Kleinen und der Großen!“
(Offenbarung 19,17-18).
In Klartext: Wenn Jesus mit den gegen ihn
heranrückenden Kampfverbänden aufräumt, werden
Vögel die Leichen der Besiegten beseitigen. Diese
Beschreibung mag befremdend wirken, aber nur so wird dem
Kriegstreiben der Menschen Einhalt geboten.
Wenn eine riesige Ölquelle außer Kontrolle
brennt, kann man das Feuer oft nur dadurch löschen,
daß man einen Brandsatz an der Oberfläche der Quelle
zur Explosion bringt. Damit entzieht man dem Feuer jeglichen
Sauerstoff, der für das Weiterbrennen nötig
wäre. Der gerechte Krieg, mit dem Jesus den Widerstand
gegen seine Herrschaft brechen wird, ist wie eine Explosion,
die den Flammen des Kriegs ihre Nahrung raubt. Nur so wird die
Bühne für den Frieden bereitet, den die Herrschaft
Jesu im Reich Gottes herbeiführen wird.
Die Sehnsucht aller Nationen
Wonach sehnen sich die Nationen? Ist es nicht der Frieden?
Ist es nicht die Möglichkeit, ohne Kriegsgefahr eine
Familie zu gründen und selbst alt zu werden? Der Prophet
Micha beschreibt die Idylle, die sich alle Menschen sehnlichst
wünschen: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen
und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk
wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort
nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ (Micha 4,3).
Der römische Dichter Vergil beschrieb die Idylle einer
gerechten Welt, die durch eine vom Himmel entsandte
Menschengattung geschaffen würde: „Schon ein neues
Geschlecht entsteigt dem erhabenen Himmel. Sei nur dem
kommenden Knaben [hold], mit dem sich das eiserne Alter
schließet, und rings aufblüht ein goldenes
Geschlecht auf dem Erdkreis ... Jener wird
göttliches Leben empfangen und schauen mit Göttern
untermischt die Helden, und selbst erscheinen mit jenen, und in
Frieden beherrschen durch Vatertugend den Erdkreis“
(zitiert aus Vergils „Bucolica 4“).
Auch wenn die Pax Romana
verhältnismäßig lange andauerte, schuf das
Römische Reich kein „goldenes Zeitalter“
– es war eher ein eisernes Zeitalter. Das Schwert der
Legionäre schuf den römischen Frieden; durch Kriege,
aber keine gerechten. Kein Führer und kein Land haben es
jemals fertiggebracht, dauerhaften Frieden zu schaffen.
Das verworfene Paradies
Manchem Leser mag unsere Schilderung der Ablehnung, die
Jesus bei seiner Wiederkehr erfahren wird, befremdend sein.
Daß Jesus nicht mit Begeisterung empfangen wird –
auch nicht von den Weltreligionen –, dürfte den
bibelkundigen Leser nicht überraschen. Der wahren
Botschaft Jesu, in deren Mittelpunkt die neue Weltordnung
steht, die Jesus bei seiner Wiederkehr einführen wird,
schenkt man heute kaum Beachtung.
Warum lehren die großen Konfessionen heute nicht die
prophetische Botschaft der Bibel über die wunderbare
Zukunft, die Gott für uns Menschen vorgesehen hat? Ist das
irdische Paradies der Zukunft – sozusagen „der
Himmel auf Erden“ – in der Bibel so schwer zu
verstehen? Was ist der Grund, warum das heutige Christentum
dieses Thema weitgehend ignoriert?
Das Problem hat nicht damit zu tun, daß diese
Erkenntnis nicht zu entdecken wäre. Statt dessen geht es
um Erkenntnis, die das Christentum unserer Zeit verworfen hat.
Es geht nicht darum, daß man sie nur schwer verstehen
kann. Es geht eher darum, daß bekennende Christen heute
nicht mehr wissen, was der Kern der Botschaft Jesu Christi war.
Es ist eine Botschaft, die in den letzten 19 Jahrhunderten in
Vergessenheit geraten ist.
Was meinte Jesus, als er vom Reich Gottes predigte? Ist das
Christentum der heutigen Zeit das Reich Gottes auf Erden? Oder
ist das Reich Gottes nur in einer der großen Konfessionen
vertreten? Oder ist das Reich Gottes, wie einige meinen, allein
im Herzen gläubiger Menschen zu finden?
Diese verschiedenen Auslegungen über das Reich Gottes
sind weit verbreitet. Im Wörterbuch wird das Wort Reich
als Imperium oder Staat definiert. Ein Reich umfaßt daher
verschiedene Elemente: 1.) ein Staats- oder
Regierungsoberhaupt, 2.) Untertanen und 3.) ein
Hoheitsgebiet.
Wer ist das Staats- bzw. Regierungsoberhaupt des Reiches
Gottes? Jesus Christus wurde geboren, um ein König zu
sein: „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn
gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird
groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und
Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und
er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit,
und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lukas 1,31-33).
Am Tag seines Todes bestätigte Jesus diese Bestimmung
seines Lebens: „Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch
ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein
König“ (Johannes 18,37).
Ca. 60 Jahre nach Jesu Tod bestätigte der Apostel
Johannes, daß Jesus als König ein zweites Mal kommen
wird: „Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein
weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu
und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit
Gerechtigkeit ... und trägt einen Namen geschrieben
auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller
Könige und Herr aller Herren“ (Offenbarung 19,11.
16).
Wer sind die Untertanen im Reich Gottes? Dazu lesen wir in
Offenbarung 11, Verse 15-17: „Und der siebente Engel
blies seine Posaune; und es erhoben sich große Stimmen im
Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn
und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit
zu Ewigkeit. Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott
auf ihren Thronen saßen, fielen nieder auf ihr Angesicht
und beteten Gott an und sprachen: Wir danken dir, Herr,
allmächtiger Gott, der du bist und der du warst, daß
du an dich genommen hast deine große Macht und
herrschest!“
Jesus wird herrschen. Worüber wird er herrschen? In
einer Vision durfte der alttestamentliche Prophet Daniel die
Antwort auf diese Frage erfahren: „Ich sah in diesem
Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken
des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der
uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre
und Reich, daß ihm alle Völker und Leute aus so
vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist
ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende“
(Daniel 7,13-14). Das Reich Gottes ist für alle Menschen
bestimmt, ganz gleich welcher Nationalität sie sind oder
welche Hautfarbe sie haben.
Die Wirkung des ersten Reiters
Die zitierten Bibelstellen, die das Reich Gottes
beschreiben, sind mindestens seit fast 2000 Jahren Teil der
Heiligen Schrift. Man braucht keinen hohen
Intelligenzquotienten, um sie zu verstehen. Diverse Aspekte der
in diesen Versen beschriebenen Ereignisse sind in geistlichen
Liedern und auch in der weltlichen Literatur als Motive benutzt
worden. Man kann nicht behaupten, daß sie völlig
unbekannt seien oder nicht zu verstehen wären.
Biblische Gelehrte haben mehr als 300 Prophezeiungen zum
ersten Kommen Christi allein in den alttestamentlichen
Propheten wie Jesaja, Jeremia, Hesekiel usw. gefunden. Wie
können die Kirchen über diese mehr als 300
Prophezeiungen predigen, die Hunderten von Prophezeiungen
hingegen ignorieren, die Jesu zweites Kommen und das Etablieren
des Reiches Gottes auf Erden beschreiben?
Warum lehrt das heutige Christentum nicht das wahre
Evangelium Jesu über das kommende Reich Gottes, das bei
der Rückkehr Christi hier auf der Erde aufgerichtet wird?
Es scheint unglaublich zu sein, ist aber dennoch wahr: Das
ursprüngliche Evangelium Jesu vom kommenden Reich Gottes,
dem wahrhaftigen Paradies auf der Erde, wurde verfälscht!
Somit schließt sich der Kreis der Apokalyptischen Reiter
vollständig: Wir sind wieder beim ersten Reiter und seiner
Verführung!
Es dauerte nicht lange nach der Gründung der
neutestamentlichen Kirche, bis ein abgewandeltes Christentum
mit einem anderen Evangelium zu einer großen
religiösen Bewegung wurde. Dazu gehörte die Abkehr
von dem Reich Gottes, das Jesus bei seiner Rückkehr
errichten wird. Diese Abkehr war zum Teil eine Folge der
Annäherung zwischen dem römischen Staat und der
Kirche des späteren Christentums. Die Annäherung
zwischen Staat und Kirche bedeutete die Einstellung der
staatlichen Christenverfolgung.
Dabei gewann der Gedanke an die scheinbare Permanenz der
Kirche als Institution an Bedeutung. Es galt, die Institution
Kirche zu verteidigen. Der Kirchenlehrer Augustinus vertrat als
erster die Auffassung, die Kirche als empirisches Gebilde sei
das Reich Gottes, das bereits mit Jesu erstem Erscheinen auf
der Erde begonnen habe. Dazu schreibt die Schaff-Herzog
Encyclopedia of Religious Knowledge: „In einem
früheren Zeitalter wurde dieses Reich mit der Kirche
identifiziert. Die Römisch-Katholischen sahen darin die
sichtbare Kirche, die von einem sichtbaren Repräsentanten
Christi regiert wurde“ (Band II, New York, Seite
1246).
Mit dieser augustinischen Lehre wurde die Notwendigkeit
einer Rückkehr Christi zur Erde, wie in der Bibel klar
beschrieben, quasi aufgehoben. Dazu der Historiker Edward
Gibbon: „Als der große, stattliche Bau der
[römischen] Kirche fast fertig war, wurde ... die
Lehre über die Herrschaft Christi auf der Erde ...
als absurde Erfindung der Ketzer und Fanatiker verworfen“
(Verfall und Untergang des Römischen Reiches, Seite
234).
Ein dauerhafter Friede
Diejenigen, die lehren, das Reich Gottes sei schon hier bzw.
durch die Kirche präsent, können trotz bester
Absichten keine Antwort auf die brennende Frage geben: Wie kann
man den Weg zum gerechten, dauerhaften Frieden finden? Auf der
Suche danach werden noch viele Konferenzen abgehalten,
Verträge unterschrieben und Absichtserklärungen
gegeben werden. In der Tat wird es in Zukunft wie in der
Vergangenheit kurze Ruhephasen geben, die die Illusion des
Friedens erwecken.
Das einzige jedoch, was wahrhaft dauerhaften Frieden
schaffen kann, ist der Ritt des fünften Reiters der
Offenbarung, Jesus Christus. Ein wesentlicher Aspekt der
Symbolik dieses letzten Apokalyptischen Reiters hat mit der
Erkenntnis zu tun, daß das Reich Gottes noch nicht auf
dieser Erde existiert!
Ohne es zu wissen oder gar wahrhaben zu wollen, harrt die
Welt einer neuen Weltordnung, wie sie in Offenbarung 11, Vers
15 angekündigt wird: „Es sind die Reiche der Welt
unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird
regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Möge Gott den
Tag der Wiederkehr seines Sohnes schnell herbeiführen!
Welche Botschaft predigte Jesus Christus?
Welches Thema stand im Mittelpunkt der Botschaft Jesu
Christi? Manche Christen meinen, die Liebe sei die Botschaft
Jesu gewesen. Es stimmt: Jesus sprach oft über die Liebe:
die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. In den vier
Evangelien des Neuen Testamentes – Matthäus, Markus,
Lukas und Johannes – fordert Jesus seine Nachfolger mehr
als 30mal auf, Gott und ihre Mitmenschen zu lieben. Es ist
daher kein Wunder, daß die meisten Christen meinen, Liebe
sei das Hauptthema der Botschaft Jesu gewesen.
Entgegen dieser weit verbreiteten Meinung war Liebe aber
nicht das Hauptthema in den Reden Jesu Christi! Was sagte er
nämlich, als er anfing, öffentlich zu predigen?
„Nachdem aber Johannes gefangengesetzt war, kam Jesus
nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und
sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist
herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das
Evangelium!“ (Markus 1,14-15; alle Hervorhebungen durch
uns).
Das Reich Gottes als Motiv zieht sich wie ein roter Faden
durch die Reden und Gespräche Jesu Christi. Das
Bibellexikon Zondervan Pictorial Encyclopedia of the
Bible stellt dazu folgendes fest: „Das Wort
,Reich‘ kommt 55mal bei Matthäus, 20mal bei Markus,
46mal bei Lukas und 5mal bei Johannes vor. Berücksichtigt
man dabei die Benutzung dieses Wortes für weltliche
Königtümer und für die Parallelstellen mit
gleichem Inhalt, wird der Ausdruck ,Reich Gottes‘ mit
verwandten Ausdrücken wie ,Himmelreich‘, ,sein
Reich‘ ca. 80mal benutzt“ (Band III, Zondervan
Verlag, 1976, Seite 804). Mit anderen Worten: Jesus Christus
sprach dreimal so oft über das Reich Gottes wie
über die Liebe! „Diese Statistiken zeugen von der
großen Wichtigkeit des Konzepts in der Lehre
Jesu ... Es kann daher kaum angezweifelt werden, daß
der Ausdruck ,Reich Gottes‘ das Hauptthema seiner Lehre
darstellt“ (ebenda, Seite 804).
In Matthäus 19, Vers 16 wurde Jesus gefragt, was man
tun muß, um das ewige Leben zu erlangen: „Und
siehe, einer trat zu ihm und fragte: Meister, was soll ich
Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?“ Der
Fragesteller, ein reicher Mann, war mit Jesu Antwort nicht
zufrieden; er war anscheinend nicht willens, das zu tun, was
Jesus ihm antwortete. Daraufhin sagte Jesus: „Es ist
leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als
daß ein Reicher ins Reich Gottes komme“ (Vers
24).
Ewiges Leben zu haben bedeutet also, in das Reich Gottes zu
kommen. Jesus setzte das Erlangen des ewigen Lebens dem
Eintreten in das Reich Gottes gleich. Wer nicht in das Reich
Gottes kommt, erlangt folglich auch nicht das ewige Leben. Das
Reich Gottes war für Jesus so wichtig, daß er in der
Bergpredigt seine Nachfolger ermahnt hat, das Reich Gottes als
oberstes Lebensziel zu setzen: „Trachtet zuerst nach dem
Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das
alles zufallen“ (Matthäus 6,33). (Mehr Informationen
über das Reich Gottes finden Sie in unserer kostenlosen
Broschüre
Das Reich Gottes – eine gute Nachricht.)
Warum wissen viele Christen heute nicht, daß das Reich
Gottes das wichtigste Thema in den Predigten und Reden Jesu
Christi war? Der Prozeß des Vergessens fing bald nach der
Gründung der neutestamentlichen Kirche an. Ein
abgewandeltes Christentum mit einem anderen Evangelium wurde in
den Jahrhunderten nach dem Ableben der ersten
Christengeneration zu einer großen religiösen
Bewegung. Der Historiker Charles Guignebert kommentierte diese
Verwandlung folgendermaßen: „Untersucht man die
christliche Kirche zu Beginn des 4. Jahrhunderts, hat man
manche Schwierigkeit, in ihr die Gemeinde der apostolischen
Zeit wiederzuerkennen, ja, man wird sie gar nicht
wiedererkennen können“ (Charles Guignebert,
The Early History of Christianity, Seite 122,
Hervorhebung durch uns).
Gott inspirierte den Propheten Hosea zu schreiben:
„Mein Volk ist dahin, weil es ohne Erkenntnis ist.
Denn du hast die Erkenntnis verworfen; darum will ich dich
auch verwerfen“ (Hosea 4,6). In diesem Vers erkennen
wir ein wichtiges Prinzip. Gott verwirft uns, wenn wir keine
Bereitschaft aufbringen, seine Erkenntnis zu beherzigen. Das
ist sein Urteil über alle, die die klaren Aussagen der
Bibel über das Reich Gottes verwerfen – der
Mittelpunkt der Botschaft Jesu Christi.
– GN Januar-Februar 2005

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