Das Ende der Welt
Lektionen aus Pompeji
Vor langer Zeit war Pompeji eine lebendige,
blühende Stadt. Innerhalb weniger Stunden blieb nur ein
schwelender Ascheberg zurück. Was können wir aus
dieser tragischen Geschichte lernen?
Von Scott Ashley
Immer wieder hatte es Warnsignale gegeben. Bäche und
Brunnen versiegten ganz plötzlich, besonders in der
Nähe des Vesuvs. Einige der Bauern führten die
Trockenheit auf das späte Augustwetter zurück. Sie
erkannten nicht, daß das Wasser knapp unterhalb der
Erdoberfläche durch die ständig ansteigende Hitze
verdampfte.
In der majestätischen Bucht von Neapel hatte das Meer
seltsamerweise an einigen Stellen zu kochen angefangen. Durch
die Hitze des Untergrunds stiegen riesige Luftblasen an die
Meeresoberfläche. Die Fischer wunderten sich über
diesen Anblick, konnten sich die Ursache aber nicht
erklären.
Hier und da fing die Erde sogar zu rumpeln und zu zittern
an. Von Zeit zu Zeit schien der Vesuv zu stöhnen und zu
ächzen.
Eigenartigerweise verließen immer mehr Tiere –
Hunde, Katzen, Mäuse und Ratten – die Stadt. Etwas
Seltsames war im Gange. Die Bewohner Pompejis fragten sich, was
dies alles zu bedeuten hatte.
Niemand erkannte, daß ein tödliches Monster bald
erwachen sollte.
Eine Stadt auf einen Felsen gebaut
Einige Jahrhunderte früher hatten sich die ersten
Siedler darüber gefreut, so eine herrliche Gegend für
eine Stadt gefunden zu haben. In der Bucht von Neapel gab es
große Fischschwärme. Der Boden war sehr fruchtbar
und versprach reiche Ernten, besonders wenn man das warme Klima
hinzurechnete.
Der Fluß Sarno sorgte für ausreichende Mengen an
frischem Trinkwasser. Ein Hafen diente als Anlaufpunkt für
Schiffe und machte Pompeji zum Handelszentrum.
Doch die ersten Siedler bemerkten nicht, daß sie ihre
Häuser auf einem Plateau aus prähistorischer
vulkanischer Lava errichtet hatten.
Ein Wohlstand, der sich auf alte Katastrophen
gründete
Während der nächsten Jahrhunderte weitete sich die
Stadt über die ganze Ebene aus. Mit der Zeit wechselte die
Vorherrschaft von den Griechen über die Etrusker zu den
Samniten und fiel dann im vierten Jahrhundert v. Chr. unter die
Herrschaft Roms.
Nach einem Aufstand gegen Rom im Jahr 90 v. Chr. wurde
Pompeji zur Kolonie des wachsenden Römischen Reiches und
seine Bewohner zu römischen Bürgern. Die Gegend
erblühte sowohl zum kommerziellen und landwirtschaftlichen
Mittelpunkt als auch zur Urlaubsregion.
Pompeji war berühmt für seine eben gepflasterten
Straßen, sein Amphitheater, das 20 000 Besuchern Platz
bot, zwei große Theater, herrliche Weinberge und
Gärten, ein riesiges Forum und viele mehrstöckige
Gebäude.
Ein Wasserturm versorgte 43 öffentliche Springbrunnen
durch ein System von Bleirohren mit frischem Wasser, das
wiederum von einem neuen Aquädukt kam, das sich über
ca. 30 km bis hin zu einem Bergsee erstreckte. Wie in vielen
anderen römischen Städten erholten sich die
Bürger in verschiedenen großen, öffentlichen
Bädern. Reich geschmückt besaßen die Thermen
Schwitzräume, Kalt- und Heißwasserbecken und ein
großes Schwimmbecken.
Ein Großteil des Reichtums dieser Stadt gründete
sich auf den fruchtbaren Boden dieser Gegend. In einem Jahr
konnten drei Getreideernten eingebracht werden. Berühmt
war Pompeji auch für seine Weinberge und Olivenbäume.
Saftige Weiden außerhalb der Stadt ernährten
große Schafherden und förderten die
Wollindustrie.
Doch die Einwohner von Pompeji wußten nicht, daß
der fruchtbare Boden, von dem ihr Reichtum abhing, auf die
vergangenen Vulkanausbrüche des Vesuvs
zurückzuführen war.
Der Genuß des guten Lebens
Es lebte sich gut in Pompeji. Für viele war das Leben
sogar sehr luxuriös. Der große römische Redner
Cicero hatte eine Villa in Pompeji; der Schwiegervater von
Julius Cäsar besaß eine in der Nachbarstadt
Herculaneum. Einige Villen waren so groß, daß sie
einen ganzen Häuserblock einnahmen. Oft besaßen sie
einen Innenhof, in dem es nicht selten einen Teich und manchmal
einen Springbrunnen gab.
Dort konnten sich die reichen Pompejaner an heißen
Sommertagen entspannen. Wunderschöne Gärten umgaben
sie, in denen sich elegante Statuen und herrliche
Mosaikböden befanden. Die Innenräume der Villen waren
mit farbenprächtigen Fresken dekoriert, die verschiedene
Aspekte des Alltags, der Geschichte, Mythologie und des
religiösen Glaubens der Einwohner wiedergaben.
Der Reichtum und die gute Lage der Stadt zogen viele
Besucher aus dem ganzen Römischen Reich an. Pompeji war
eine kosmopolitische Stadt, die von den Einflüssen
verschiedener Kulturen und Religionen geprägt war. Die
Menschen konnten ihren Glauben in vielen Tempeln ausüben,
die den Göttern Jupiter, Juno, Mars, Venus, Isis, Minerva
und anderen gewidmet waren.
Die Mauern des Amphitheaters sind mit Graffiti
geschmückt und bezeugen, daß erfolgreiche
Gladiatoren zu den großen Stars dieser Zeit
gehörten: „Celadus ist der Herzschmerz aller
Mädchen.“ „Severus – 55 Kämpfe
– hat schon wieder gewonnen.“ „Der
ungeschlagene Hermiscus war hier.“ „Crescens, der
Netzfischer, besitzt die Herzen aller Mädchen.“
Andere Inschriften forderten die Bürger auf, ihre Stimme
für diesen oder jenen Kandidaten abzugeben.
Pompeji lag sicher hinter seiner massiven Stadtmauer, welche
an einigen Stellen 6 m dick und mehr als 9 m hoch war.
Die Mauer bestand aus robusten Basaltsteinen, mit denen auch die
Straßen gepflastert waren. Die Erbauer von Pompeji
wußten nicht, daß Basalt getrocknete Lava aus
vergangenen Vulkanausbrüchen war, die diese Gegend
früher heimgesucht hatten.
Pompeji war so wohlhabend, daß es sich leisten konnte,
Hilfsangebote von Rom auszuschlagen, als viele Gebäude bei
einem großen Erdbeben im Jahr 62 n. Chr. erhebliche
Schäden erlitten. Die Nachbarstadt Herculaneum wurde bei
diesem Erdbeben vollständig zerstört. Doch die
Bürger Pompejis waren zuversichtlich, diesen und andere
Rückschläge allein bewältigen zu
können.
Selbst als Pompeji über einige Jahre hinweg immer
wieder von kleineren Erdbeben heimgesucht wurde, machten sich
die Menschen wenig Sorgen. Sie brachten diese Ereignisse ganz
sicherlich nicht mit dem Vesuv in Verbindung, der für sie
immer ein friedlicher Berg gewesen war.
So blieb die wachsende Gefahr unerkannt: Nur zehn Kilometer
entfernt bildeten sich unvorstellbare Kräfte unterhalb des
Vesuvs, als der Vulkan langsam von seinem langen Schlaf
erwachte.
Die Hölle kommt zur Erde
Im August 79 n. Chr. nahmen die Erdbeben zu. Dann, am 24.
August – ironischerweise einen Tag nach dem Fest
Vulcanalia, das den römischen Feuergott Vulcanus ehrte
– verwandelte sich die Welt von Pompeji ganz
plötzlich.
An diesem Tag im August herrschte reges Treiben in
Pompeji. Gegen Mittag, als tausende Pompejaner ihren
alltäglichen Beschäftigungen wie dem Fischen, der
Landwirtschaft, dem Kaufen und Verkaufen und dem Essen und
Trinken nachgingen, wurden sie von einem ohrenbetäubenden
Donnern aufgeschreckt. Das Ende ihrer Welt brach über sie
herein.
Die Spitze des Vesuvs verschwand in einer riesigen
Explosion. Staub, rotglühender Bimsstein, Asche und
Flammen wurden mehr als 20 km in die Luft geschleudert.
Männer, Frauen und Kinder fingen zu schreien an, als sich
der helle Tag plötzlich verdunkelte und nur noch von
heftigen Blitzen und brennenden Steinen, die mitten unter der
äußerst verängstigten Bevölkerung
aufschlugen, erleuchtet wurde.
Sehr schnell wurde die Stadt von einer atemraubenden
Ascheschicht bedeckt. In Panik geratene Menschen eilten, um
Familienmitglieder zu finden und zu fliehen. Andere, vom
brennenden Ascheregen völlig verängstigt, rannten in
die Häuser und verschlossen Türen und Fenster.
Irgendwann kam die Dämmerung, doch kaum jemand bemerkte
den Unterschied. Denn zu diesem Zeitpunkt bedeckte bereits eine
hohe Aschedecke ganz Pompeji. Einige Nachzügler
zündeten Fackeln an und kämpften sich durch die
Asche, in der Hoffnung, Sicherheit am Hafen oder auf den
Straßen, die aus der Stadt herausführten, zu finden
– wenn sie sie noch finden konnten.
Als es Nacht wurde, begannen die Dächer zu knacken und
unter dem Gewicht der Asche zusammenzubrechen. Einige Menschen
versuchten, aus den Fenstern im zweiten Stock ihrer Häuser
zu klettern, als sie erkannten, daß sie ersticken oder
von der ansteigenden Aschedecke am lebendigen Leib begraben
werden würden. Andere schlugen Löcher durch die
Dächer und Wände ihrer Häuser, um dem Tod zu
entkommen. Einige versteckten sich, wo immer sie sich sicher
wähnten.
In einem Haus kletterte ein angebundener Hund höher und
höher, während der Ascheberg immer weiter anstieg.
Als seine Leine ihn am Weiterklettern hinderte, erstickte er,
weil der Ascheregen seine Nase und seinen Mund verstopfte.
Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch Tote und diejenigen, die
auch noch sterben würden, in der Stadt.
Die ganze Nacht über fiel der Ascheregen weiter.
Dreimal kam eine Lawine aus Felsbrocken, heißer Asche und
giftigem Gas den Berg herunter und machte nur ganz knapp vor
der Stadt halt. Trotzdem bedeckten etwa zwei Meter Bimsstein
und Asche Pompeji, als die Morgendämmerung anbrach.
Der letzte Schlag
Am frühen Morgen verabreichte der Vesuv der
tödlich verwundeten Stadt seinen letzten Schlag. In
weniger als einer Stunde verschluckten drei weitere
glühend heiße Lavaströme und ein Ascheregen die
Stadt. Die ersten zwei Lawinen erstickten Pompeji mit weiteren
60 cm Asche und Geröll. Die dritte Lawine schlug mit so
einer Kraft zu, daß alles, was noch stand, davongetragen
wurde.
Jetzt starb jeder und alles, was bisher noch überlebt
hatte. Ein paar Pompejaner – Ehemänner und
Ehefrauen, Eltern und Kinder, Freunde – versuchten sich
gegenseitig zu trösten, während sie starben. Ihre
Umarmungen sollten für immer „einzementiert“
werden.
An diesem Tag und am nächsten bedeckten noch mindestens
zwei weitere Lavaströme die Stadt und begruben alles noch
tiefer unter sich. Als der Vesuv – jetzt nur noch ein
Stumpf von einem Berg – endlich Ruhe gab, starrten die
Überlebenden der Nachbarstädte auf eine graue, von
Asche bedeckte Landschaft, die wie die Mondoberfläche
aussah.
Verschwunden waren die saftigen Felder und Weiden, die
Bäume und selbst der Fluß. Ein paar
zertrümmerte Bäume ragten aus der glühenden
Asche hervor. Die blühende Stadt Pompeji gab es nicht
mehr. Sie hatte sich in einen Friedhof verwandelt.
Einige Überlebende suchten später unter dem
Schutt- und Aschehaufen, welcher einmal ihre Stadt gewesen war,
nach ihren begrabenen Häusern. Als die Lava und Asche
abgekühlt waren, gruben sie Tunnel, um nach
Wertgegenständen zu suchen. Eine Person schien sich an
eine biblische Geschichte zu erinnern und kritzelte
„Sodom und Gomorra“ an eine Wand.
Die meisten Überlebenden allerdings verließen die
Stadt für immer. Mit der Zeit geriet die Lage Pompejis in
Vergessenheit. Die Menschen vergaßen sogar den Namen
Pompejis und nannten den darüber entstandenen Hügel
„la cività“: die Stadt. Irgendwann gab es
keinen mehr, der sich daran erinnerte, daß es dort je
eine Stadt gegeben hatte. Über die nachfolgenden
Jahrhunderte hinweg brach der Vesuv immer wieder aus und
bedeckte den kalten, grauen Sarg der Stadt mit weiteren
Ascheschichten.
Darunter blieb die Stadt begraben, sechs Meter unter der
Erde – eine Stadt aus dem ersten Jahrhundert, eingefroren
in der Zeit, die erst 17 Jahrhunderte später
wiederentdeckt werden sollte.
Eine ernüchternde Forschungsquelle
Pompeji hat sich für Historiker und Archäologen
als reichhaltige Schatzkammer erwiesen. Bei den verschiedenen
Ausgrabungen seit dem 18. Jahrhundert erhielten sie einen
detaillierten Einblick in eine antike Welt, die am 24. August
des Jahres 79 n. Chr. ein plötzliches und gewaltsames
Ende genommen hatte.
Viele Millionen Besucher sind inzwischen durch die
ausgegrabenen Straßen gewandelt, um die reiche Kunst zu
bewundern und in die Häuser, Geschäfte und
Werkstätten zu schauen, die 2000 Jahre später immer
noch erhalten sind.
Man kann nicht anders, als diesen Ort tief bewegt zu
verlassen. Pompeji erinnert an so viele Dinge: die
Zerbrechlichkeit und die Vergänglichkeit unserer Existenz,
daran, wie so viele Städte und Zivilisationen verschwinden
konnten und wie schnell auch unser Leben zu Ende sein kann.
Pompeji erinnert auch an die Torheit des Menschen, einer
unerfreulichen Realität nicht ins Auge zu schauen und
Warnsignale zu ignorieren, bis es zu spät ist.
Reiche und Arme, freie Bürger und Sklaven, Junge und
Alte – alle traf dasselbe Schicksal in Pompeji. Die
einzigen, die sich retten konnten, waren diejenigen, die die
zunehmende Gefahr rechtzeitig erkannten. Diejenigen, die zu
lange gewartet, die die Ernsthaftigkeit ihrer Lage verleugnet,
oder die darauf gehofft hatten, daß sich die Situation
bald ändern würde, für sie wurde die Stadt zum
Grab.
Werden wir die Lektion ignorieren?
Beinhaltet die Katastrophe, die Pompeji befiel, eine Lektion
für uns heute?
Sie sollte es! Die Geschichte Pompejis läßt sich
nicht aus unserem Gedächtnis verdrängen und
vermittelt uns ein leichtes Gefühl des Unbehagens. Unsere
Zeit gleicht in vielen Dingen der Zeit Pompejis. Das Leben ist
gut; wir leben in der wohlhabendsten Zeit der
Menschheitsgeschichte. Die Technologie hat uns viel gegeben und
das Leben bequem gemacht.
Könnte sich dies je ändern? Ihre Bibel sagt,
daß es sich ändern kann – und auch wird.
Wir leben in einer Welt, in der auch Sünde und
materielles Vergnügen dominieren. Die drei Worte
„Sodom und Gomorra“ eines Bürgers aus dem
alten Pompeji sagen mehr über die Stadt aus als viele
Bücher, die darüber geschrieben wurden.
Wenn man Pompeji besucht, muß man nicht lange suchen,
um das moralische Klima dieser Stadt zu erkennen. Mehrere
Dutzend Häuser konnten aufgrund ihrer detaillierten
Wandmalereien als Bordelle identifiziert werden. Selbst in
Privathäusern wurden Wandgemälde und Mosaiken, die
sexuelle Aktivitäten wiedergeben, gefunden, und viele
alltägliche Haushaltsgegenstände wie Lampen, Geschirr
und Vasen stellten sexuelle Motive dar.
Neueste Ausgrabungen eines öffentlichen Bades weisen
darauf hin, daß eine ganze Etage zur Prostitution genutzt
wurde. Übergroße Darstellungen von
Geschlechtsorganen wurden in Mauern gefunden, und in einem Fall
wurde so ein Bild gleich mit in die Straße
eingepflastert.
Die Bibel berichtet von sexueller Freizügigkeit in den
antiken Städten Sodom und Gomorra (1. Mose 19,1-13),
die der Schöpfer des Universums durch Feuer zerstörte
(Vers 24). Ihre Verderbtheit war so groß, daß sie
zum Inbegriff für Sünde wurden. Unsere Städte
heute unterscheiden sich diesbezüglich kaum von Sodom und
Pompeji, wie es der Apostel Paulus für die Zeit vor Jesu
Wiederkehr vorhersagte.
„Das sollst du aber wissen, daß in den letzten
Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen
werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch,
hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam,
undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich,
verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind, Verräter,
unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als
Gott“ (2. Timotheus 3,1-4; alle Hervorhebungen
durch uns).
Obwohl Paulus von unserer Zeit sprach, hätte er auch
Pompeji beschreiben können. Und wie damals in Pompeji wird
auch für unsere Gesellschaft ein Tag der Abrechnung
kommen. Eine biblische Prophezeiung nach der anderen sagt eine
Zeit globaler Unruhen voraus, wie sie der Mensch noch nie
erlebt hat (Jeremia 30,7; Daniel 12,1).
Jesus Christus sagt über diese Zeit: „Denn es
wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie
nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht
wieder werden wird“ (Matthäus 24,21).
Können wir dies überhaupt begreifen? Was bedeutet es,
eine Zeit des Terrors und der Unruhen, des Chaos und der
Katastrophen zu haben, wie es sie in der Geschichte der
Menschheit noch nie gegeben hat?
Denken wir am Anfang dieses neuen Jahres zurück an die
Nachrichten, die die Schlagzeilen des letzten Jahres
dominierten: schreckliche Naturkatastrophen, Krieg,
Terrorismus, Korruption, blutige Bürgerkriege, Hungersnot,
Seuchen und gescheiterte Friedensbemühungen. Lesen Sie
Matthäus 24 und machen Sie sich ihre eigene Checkliste von
den Worten Jesu.
Wie ein Dieb in der Nacht
Der Apostel Paulus sprach eine Warnung aus, die heute viel
aktueller ist, als zu seiner Zeit: „Von den Zeiten und
Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch
zu schreiben; denn ihr selbst wißt genau, daß der
Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie
sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr –, dann
wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen
eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen. Ihr
aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis,
daß der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr
alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind
nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So laßt uns
nun nicht schlafen wie die andern, sondern laßt uns
wachen und nüchtern sein“ (1. Thessalonicher
5,1-6).
„Schnelles Verderben“ nimmt eine ganz andere
Bedeutung an, wenn man durch die Straßen von Pompeji
wandert. Bei den Ausgrabungen lagen die Überreste einer
Mittagsmahlzeit vor mehr als 2000 Jahren noch auf den Tischen.
In Kochtöpfen fand man Fleischknochen. In einem Ofen lagen
die Überreste eines Schweins, das beim Eintreten der
Katastrophe gerade geröstet wurde. Brot, Eier, Fische,
Nüsse und Datteln lagen, durch die Asche konserviert, auf
den Tischen, bis sie zum Erstaunen der Archäologen
entdeckt wurden.
Der Anblick der in Gips gegossenen Menschen, die dem
Unglück nicht entkommen konnten, läßt den
Besucher von Pompeji erschaudern. Ihre Körper, in der
erkaltenden Lavaglut einzementiert, sind irgendwann zu Staub
zerfallen und hinterließen leere Körperformen.
Archäologen füllten diese leeren Formen fast 2000
Jahre später mit Gips aus. Die Gipsfiguren zeugen heute
von dem Moment, als der Tod die Bürger von Pompeji
ereilte.
Werden wir wie die Bürger von Pompeji das Zittern und
Donnern ignorieren, bis es zu spät ist? Oder werden wir
statt dessen die Warnung Jesu Christi im Lukasevangelium 21,
Vers 36 annehmen? „So seid allezeit wach und betet,
daß ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was
geschehen soll, und zu stehen vor dem
Menschensohn.“
– GN Januar-Februar 2006

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