Das erste Jahr Ihres Kindes:
Was kommt auf Sie zu?
Sind Sie frischgebackene Eltern? Welche
Überraschungen hält das nächste Jahr für
Sie und Ihr Kind bereit? Wie legen Sie die Grundlage für
den zukünftigen Erfolg der Familie?
Von Nancy Capo
Elke schlief mitten in der Nacht während des Stillens
auf dem Fußboden ein. Sie wachte später in ihrem
eigenen Bett auf und war sich nicht sicher, ob sie das Baby
tatsächlich gestillt hatte.
Sara hüpfte drei Monate lang jeden Abend auf ihrem
Geburtsball herum, während sie ihren neugeborenen Sohn an
ihre Brust drückte – es war das einzige, was gegen
sein von Koliken verursachtes Schreien half.
Julia und Dirk sahen einander an und begannen sofort wortlos
und spontan mit dem Spiel „Stein, Papier, Schere“
um zu bestimmen, wer ihrem zuvor an Verstopfung leidenden Sohn
die Windeln würde wechseln müssen.
Ein Neugeborenes stellt nichts weniger als ein Abenteuer
dar, das viele frischgebackene Eltern als „die besten und
schwersten Tage unseres Lebens“ beschreiben.
Die drei größten Herausforderungen im ersten Jahr
eines Babys drehen sich um Schreien, Schlafen und Stillen.
Bei der Informationsbeschaffung für diesen Artikel habe
ich eine Reihe von Experten befragt – mindestens ein
Dutzend Eltern aus unserem Jahrgang, die Kinder hatten, die
jünger als ein Jahr alt waren. Die meisten
bestätigten, dass Schreien, Schlafen und Stillen ganz oben
auf ihrer Liste standen und dass die Elternschaft im ersten
Jahr sie wesentlich mehr forderte, als sie jemals erwartet
hatten.
Julia sagt: „Ich habe immer gehört, dass das
erste Ehejahr das schwierigste Jahr einer Ehe sein soll. Ich
denke aber, dass das vielmehr das erste Lebensjahr des Kindes
ist. Was für ein Jahr! Ich hatte keine Ahnung.“
Ich bin mir nicht sicher, ob irgendetwas Sie wirklich auf
die Realität des ersten Jahrs des Elternseins vorbereiten
kann – jedes Kind ist anders, so dass dies selbst
für dieselben Eltern jedes Mal eine andere Reise bedeuten
kann. Wenn ich Ihnen aber eine Weisheit für dieses erste
Jahr vermitteln könnte, dann wäre es die folgende:
Was Sie im ersten Jahr machen, legt für die kommenden
Jahre die Grundlage für ein erfolgreiches Elternsein und
eine erfolgreiche Ehe.
Zielgerichtete Kindererziehung
Es kann wirklich schwierig sein, das große Ganze im
Blick zu haben, wenn zu Ihrem hormonellen Auf und Ab auch noch
extremer Schlafmangel hinzukommt. Aber das gehört mit zum
Elternsein dazu. Während Sie Ihr erstes Jahr als Eltern
durchleben, ist es wichtig, dass Sie sich die Frage stellen:
„Wie wünsche ich mir mein Kind in zwei, fünf,
zehn oder 20 Jahren? Wie soll meine Ehe zu diesem Zeitpunkt
aussehen?“
Das Ziel der Kindererziehung ist es, unsere Kinder darauf
vorzubereiten, erst verantwortungsbewusst in die Welt der
Erwachsenen und am Ende dann in Gottes Reich mit einer reifen,
gottgefälligen Perspektive einzutreten („Erzieht sie
in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ – Epheser
6,4). Gott hat eine Aufgabe für Ihr Kind vorgesehen. Ihre
Aufgabe ist es wiederum, ihn oder sie zu erziehen und
anzuleiten und seine oder ihre Talente und Begabungen zu
nähren und zu fördern.
Es ist zwar eine Zeitlang „Ihr“ Kind, aber es
ist für Mama und Papa wichtig, sich auf das zu
konzentrieren, was Gott – der Schöpfer und himmlische
Vater Ihres Kindes – im Hinblick auf sein ewiges Leben
vorhat. Das erfordert Respekt für Ihr Kind, während
Sie gleichzeitig Autorität und Führung ausüben
müssen. Alles, was Sie sagen oder tun – oder eben zu
sagen oder tun vernachlässigen –, wird Ihr Kind in
einer gewissen Weise belehren und die Sicht Ihres Kindes
davon, wie Gott (sein letztendlicher Vater) wirklich ist,
beeinflussen.
Wenn Ihr Kind Sie anblickt, sieht er oder sie dann einen
Abglanz Gottes? Lernt Ihr Kind durch Sie, dass Gott
zuverlässig, beständig, geduldig, unendlich liebevoll
ist, Respekt verdient und immer zugänglich ist?
Als Team zusammenarbeiten
Das Gehirn hat, beginnend im achten Schwangerschaftsmonat,
in den ersten Lebensjahren die höchste Wachstumsrate.
Während dieser Zeit sind die Kinder wie kleine
Schwämme, die Informationen durch all ihre fünf
Sinne, Gemütslagen und Beziehungen aufsaugen. Marie, eine
elterliche Expertin, riet mir: „Nehmen Sie sich die Zeit,
Ihr Baby zu belehren. Babys liegen oft herum und benehmen sich
häufig so, als wüssten sie nicht, was in ihrem
unmittelbaren Umfeld vorgeht, aber sie sind schlauer, als wir
meinen.“
Auf dem Büchermarkt herrscht kein Mangel an
Informationen und praktischen Hinweisen und verschiedenen
Lösungsansätzen zu Problemen mit Stillen und
Brustverweigerung, mit Koliken, Windeln, Babyschlafzeiten,
Einschlafritualen, Trennungsangst usw. Die praktischen
Herausforderungen der Kinderbetreuung dominieren weitgehend
– und manchmal auch auf frustrierende Weise – das
Leben frischgebackener Eltern. Vieles an diesen Informationen
erscheint widersprüchlich. Es ist wichtig, dass beide
Eltern diese Fragen gemeinsam miteinander besprechen und sich
auf einen Teamansatz einigen.
Die gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit ist
unbedingt notwendig. Jesus und sein himmlischer Vater stimmen
völlig darin überein, wie die geistlichen Kinder in
der Familie Gottes aufgezogen werden sollten, und es ist von
entscheidender Bedeutung, dass auch Mama und Papa als eine
Einheit zusammenarbeiten.
Wenn Eltern in der Kindererziehung unterschiedlicher
Meinung sind, wem folgt das Kind dann? Keinem von beiden
– stattdessen wird es lernen, die beiden Eltern
gegeneinander auszuspielen, oder das Kind wird lernen
Autorität gering zu schätzen und zu verachten
(selbst „liebevolle“ Autorität), weil
das Ganze zu verwirrend und widersprüchlich ist.
Eltern sollten lernen, es in diesem ersten Jahr richtig zu
machen – weil es sonst später viel schwieriger
werden wird. Das erste Jahr ist die Zeit, um gute Gewohnheiten
bei der Kindererziehung zu entwickeln.
Familienzuwachs hat Auswirkungen auf Ihre Ehe
Wenn die Zeit der harten Arbeit bei der Kindererziehung
vorbei ist, was bleibt den Eltern dann? Werden Sie eine starke
Ehe haben, in der die Bindung durch den erfolgreichen Aufbau
einer Familie noch enger geworden ist? Wird sich Ihre
Freundschaft vertieft haben, mit Erinnerungen an Freude und
Lachen?
Werden Sie eine Basis an Teamarbeit haben, auf der sie die
nächste Phase Ihres gemeinsamen Lebens – jetzt
wieder nur Sie beide – aufbauen können? Elke
führt sich immer wieder vor Augen, „wie wichtig meine
Beziehung zu meinem Ehemann ist, er muss an erster Stelle
stehen . . . Er wird in 18 Jahren hier bei mir sein,
mein Kind aber nicht“.
Denken wir einmal praktisch. Die Ehe kann einen Schlag
versetzt bekommen, wenn aus dem „Paarleben“ ein
„Familienleben“ wird. Es scheint dann nur noch
wenig Zeit oder Energie füreinander übrig zu bleiben.
Weil die Bedürfnisse des Babys in dem Sinne Priorität
haben, dass es sofortige, spontane Aufmerksamkeit
benötigt, werden die Bedürfnisse des Paares oft auf
„später“ verschoben.
Wie kann ein Paar da eine enge Beziehung aufrechterhalten?
Die Lösungen, die diese Elternpaare vorschlagen, zeigen
ihre nachhaltige Hingabe an ihre Kinder, während die
Bedürfnisse des Paares doch eine Priorität bleiben,
die liebevoll und mit Reife integriert wird, während sie
ihre Familie gemeinsam aufbauen.
Monika vermittelt diese Einsicht: „Wir mussten bewusst
daran denken, uns immer mit Liebe zu behandeln, selbst nach nur
vier Stunden Schlaf. So etwas fällt nicht leicht. Aber das
hat uns als Familie überhaupt erst zusammengebracht, und
das wird uns auch zusammenhalten.“
Peter merkt an: „Silvia und ich waren ständig
emotional erschöpft.“ Sie raten dazu, sich ein
unterstützendes Netzwerk innerhalb der Familie, im engen
Freundeskreis und der Kirchengemeinde aufzubauen, so dass das
Paar regelmäßig auch alleine ausgehen kann. Für
manche sind „Familienaktivitäten“ die Antwort
– besonders in den frühen Monaten, wenn Mütter
und Babys buchstäblich praktisch untrennbare
„Busenfreunde“ sind und es im Grunde nur Stress
verursachen würde, die Mutter vom Baby wegzuholen.
Eine regelmäßige, frühe Zeit beim
Schlafengehen der Kinder ist für viele Paare so etwas wie
ein Lebensretter gewesen, wo man gemeinsam daran arbeitete, die
Kinder um 20.00 Uhr ins Bett zu bringen, um dann auf der Couch
oder im Schlafzimmer etwas Zeit miteinander zu verbringen. Aber
trotz allem ist die Erschöpfung ein wichtiger Faktor
während dieses ersten Jahres. Vor allem die Väter
müssen besonders geduldig und verständnisvoll sein.
Papa mag die Kinder zwar um 20.00 Uhr endlich ins Bett gebracht
haben, nur um dann festzustellen, dass Mama um 20.05 Uhr
bereits eingeschlafen ist. Und das ist kein Witz!
Ratschläge von anderen
Als frischgebackene Eltern stellen Sie wahrscheinlich fest,
dass andere Ihnen Ratschläge erteilen wollen. Bärbels
Vorschlag: „Hören Sie sich einfach all den
ungebetenen Rat an, den Sie ertragen können, und
verarbeiten Sie ihn dann später mit Ihrem Ehemann. Das ist
gut für die Gefühle aller (aber es ist schwieriger,
als es klingt, wenn Ihr Körper während dieser Zeit
von Hormonen überflutet wird) und Sie können sogar
einige wertvolle Einsichten daraus entnehmen, wenn Sie sich
dazu entschließen, das Ganze später noch einmal
wirklich zu durchdenken.“
Die meisten Fragen müssen in Wirklichkeit von Ihnen
gemeinsam mit Ihrem Ehepartner entschieden werden. Halten Sie
aber die Augen, Ohren und Ihr Herz offen für die Weisheit,
die aus den Nachforschungen und Erfahrungen anderer Eltern
erwachsen kann.
Ihr Baby in seinem ersten Jahr zu betreuen ist eines der
intensivsten Erlebnisse Ihres Lebens – ja, auf intensive
Weise stressvoll. Aber die Augenblicke reinster Freude scheinen
diesen Stress verschwinden zu lassen, wenn Sie diese jeweils
ergreifen und in Ihrem Herzen festhalten. Sie werden Ihrem Kind
beim Schlafen zusehen und nicht in der Lage sein, sich
wegzureißen – immer noch ein wenig länger
zuschauen wollen. Sie werden Ihr Baby stillen und seine
süßen Seufzer der Zufriedenheit bei jedem Atemzug
hören. Sie werden Ihren Finger in seine Handfläche
legen und seine Finger werden Ihren mit einem erstaunlich
festen Griff umschließen.
Beruhigende Wiegenlieder zu singen, im Wohnzimmer mit dem
Baby zu tanzen oder es um Mitternacht, während alles still
ist, im Arm zu wiegen – das sind Momente, die Sie
später wertschätzen werden. Ihre größten
Freuden werden seine jüngsten Fähigkeiten sein
– sein erstes Lächeln, sein erstes Lachen, sein
erster Zahn, sein erstes Wort, sein erster Schritt.
Dieses Jahr beschert Ihnen viele neue Erfahrungen –
und am wichtigsten sind dabei Ihre ersten Schritte zum Aufbau
der Ehe und Familie, die Gott für Sie beabsichtigt
hat.
– GN September-Oktober 2007

Gute Nachrichten
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