Der Nahostkonflikt:
Rückblick und Vorausschau
Als israelische Truppen im Sommer 2006 in den
Südlibanon einrückten, fragte das amerikanische
Nachrichtenmagazin Time: „Was macht diesen Konflikt so
unlösbar? Warum gibt es so viel Hass?“
Von John Ross Schroeder
Ihr Leben wurde von der Konferenz, zu der sich die Vertreter
von 50 Staaten und Organisationen Ende November 2007 im
amerikanischen Annapolis trafen, wahrscheinlich kaum
berührt. Die Diplomaten aus dem Nahen Osten –
darunter auch der saudische Außenminister und der
Vize-Außenminister Syriens – folgten der Einladung
von George W. Bush. Dem amerikanischen Präsidenten gelang
es, Israel und die Palästinenser zur Wiederaufnahme von
Friedensverhandlungen zu bewegen.
Ihr Leben wird jedoch eines Tages von Ereignissen in Israel
und dem Nahen Osten in entscheidender Weise beeinflusst werden.
Selbst wenn Sie nicht genau wissen, wo der Libanon, Gaza oder
Israel auf einer Weltkarte zu finden sind, und Sie keinerlei
Interesse an aktuellen Nachrichten wie über die
Annapolis-Konferenz haben sollten. Ihre Zukunft wird trotzdem
von Ereignissen in dieser von Konflikten geplagten Region
bestimmt werden.
Der jüngste in einer Reihe von Waffengängen
zwischen Israel und seinen Nachbarn wurde 2006 ausgelöst,
als Hamas-Kämpfer die Grenze zwischen Israel und Gaza
untertunnelten, einen Vorposten angriffen und einen
israelischen Soldaten entführten. Das Ganze ereignete
sich, nachdem Hamas nach dem israelischen Abzug aus Gaza
bereits fast ein Jahr lang Raketen auf Südisrael hatte
niederregnen lassen.
Die Krise weitete sich auf den Libanon aus, als
Hisbollah-Kämpfer Raketenangriffe und einen
grenzüberschreitenden Überfall durchführten.
Dabei töteten sie acht israelische Soldaten und
entführten zwei weitere. Als Israel Vergeltung übte,
begann Hisbollah ein wildes Raketenfeuer, das Haifa, Tiberias
und andere Städte im Norden des Landes traf.
Als sich die libanesische Krise zu erhitzen begann, gab es
auch die üblichen Aufrufe zu einem Waffenstillstand. Bald
darauf erfolgte dann auch eine Verurteilung Israels. Der
spanische Premierminister José Luis Rodríguez
Zapatero rügte die israelischen Gegenangriffe auf Gaza und
den Libanon (El Pais, 15. Juli 2006). Auch andere
europäische Nationen waren wütend auf Israel, genauso
wie sie es in den frühen 1980er Jahren gewesen waren, als
Israel zum ersten Mal als Reaktion auf Terrorangriffe in den
Libanon einmarschierte.
Eine Basis für Angriffe auf Nordisrael
Die Geschichte klärt uns darüber auf, was im
Libanon vor mehr als 35 Jahren seinen Anfang genommen hat. Im
Winter des Jahres 1969 trafen die libanesischen Behörden
und PLO-Führer Jassir Arafat eine Vereinbarung, die es
seinen Anhängern ermöglichte, ihren bewaffneten Kampf
gegen Israel im Libanon fortzuführen. (Der Libanon hat
diese Vereinbarung erst 1987 wieder aufgekündigt.) Nach
ihrer blutigen Vertreibung aus Jordanien verlegte die PLO dann
ihr Hauptquartier auf libanesischen Boden, von wo aus sie ihre
Angriffe auf Israel weiterführte.
Acht Jahre später drangen israelische Streitkräfte
in den Libanon ein. Vorher waren bei einem Angriff durch
PLO-Kämpfer 37 israelische Zivilisten getötet worden.
Ende 1982 tötete ein schiitischer
Selbstmordattentäter 141 Israelis in ihrem
Militärhauptquartier im südlibanesischen
Tyros.
Der britische Historiker Martin Gilbert fasst die Ereignisse
des Krieges von 1982-83 folgendermaßen zusammen:
„Die Kosten des Libanonkrieges waren für alle
Beteiligten hoch. In seinem Verlauf wurden schätzungsweise
6000 PLO-Truppen getötet sowie 460 libanesische
Zivilisten, 600 syrische Truppen und 368 israelische
Soldaten“ (Israel: A History, 1998, Seite
512).
Im Mai 2000 zog sich Israel dann vollständig von
libanesischem Territorium zurück. In dem Machtvakuum, das
aus diesem Rückzug aus dem Südlibanon entstand,
errichtete dann die vom Iran unterstützte Hisbollah
– arabisch für „Partei Gottes“ –
praktisch einen Staat im Staat entlang der Nordgrenze
Israels.
Ob es nun früher die PLO war oder heute die Hisbollah
ist: Der Libanon hat laufend zugelassen – oder sich als
zu schwach erwiesen, es zu verhindern –, dass bewaffnete
Überfälle und Raketenangriffe auf Nordisrael
stattfanden.
Israel, das mit ansehen musste, wie ein Arsenal von
über 10 000 Raketen gegen das Land angehäuft
wurde, hat 2006 anscheinend entschieden, dass hier die Grenze
des Erträglichen erreicht worden ist. Die israelische
Regierung hat entsprechend hart zurückgeschlagen. Der
Staat Israel, der ständig ums nackte Überleben
kämpfen muss, sah sich danach in einen sehr schwierigen
Krieg gegen eine berüchtigte, gut bewaffnete Terrorgruppe
verstrickt, die sich unter der Zivilbevölkerung versteckt
hatte.
Die Hisbollah hat, obwohl schwer angeschlagen durch Israel,
etwas erreicht, das keiner muslimischen Kampftruppe seit mehr
als einer Generation gelungen ist. Die Organisation hat einen
Angriff der mächtigen israelischen Militärmacht
überlebt. Als Folge haben sich die politischen Ambitionen
von den traditionellen arabischen Mächten auf radikale
Terrororganisationen wie Hisbollah und Hamas verlagert, deren
Hauptförderer der Iran ist.
Wird sich die Geschichte wiederholen?
Auf dem Höhepunkt der Kämpfe im Libanon
fasste die israelische Außenministerin Zipi Liwni
gegenüber dem Nachrichtenmagazin Newsweek das
Potential der Lage im Libanon folgendermaßen zusammen:
„Hisbollah ist eine Bedrohung für die Region und die
internationale Gemeinschaft. Sie stellt den
verlängerten Arm des Iran dar, der eine offene
Frontlinie mit Israel aufrechterhalten will, um die Region zu
destabilisieren. In den UN-Resolutionen 1559 und 1680 wurde
betont, dass die libanesische Regierung ihre
Souveränität über das gesamte (Staatsgebiet des)
Libanon auszudehnen hat und alle Milizen, einschließlich
der Hisbollah, aufzulösen seien“ (31. Juli
2006, Hervorhebung durch uns).
Die Hisbollah hat nach dem früheren israelischen Abzug
nicht nur die Waffen nicht abgegeben, sie hat das Ende der
Kampfhandlungen dazu genutzt, um mit Hilfe des Irans und
Syriens ein massives Waffenarsenal aufzubauen. Dazu
gehörten moderne russische Panzerabwehrraketen, deren
Einsatz sich für die israelischen Panzerfahrzeuge als
verheerend erwies.
Aus praktischer Sicht war der Libanon durch die Jahre des
Bürgerkrieges und der Besatzung stark geschwächt.
Deshalb ist heute eine Entwaffnung der Hisbollah ohne
israelische Hilfe, eine Zusammenarbeit mit Syrien und Iran und
eine verlässliche, schwer bewaffnete Friedenstruppe
undenkbar.
Wird eine internationale Friedenstruppe im Südlibanon
oder anderswo in der Region – etwa in Gaza –
wirklich einen dauerhaften Frieden in der Gegend sicherstellen?
Seit Jahren hat die UN Truppen im Südlibanon gehabt. Sie
waren bei Ausbruch der Kampfhandlungen im Sommer 2006 mit 2000
Soldaten immer noch vor Ort, zeigten sich jedoch gegenüber
der Hisbollah als völlig machtlos. Bei den Kämpfen
mit israelischen Truppen haben Hisbollah-Guerillas zynisch
UN-Außenposten als Schutzschilde benutzt, während
sie Raketen Richtung Israel abfeuerten.
Ein Artikel der Londoner Sunday Times kam zu dem
Schluss, dass „es wenig in der Geschichte der letzten
dreißig Jahre gibt, was nahelegt, dass eine
,Stabilisierungstruppe‘ oder eine Pufferzone einen
dauerhaften Frieden bewirken können“ (6. August
2006). Der Artikel erschien, noch bevor die
Hisbollahkämpfer ihre Weigerung bekanntgaben, sich
entwaffnen zu lassen. Genau diese Forderung enthalten jedoch
die UN-Resolutionen, die zu dem Waffenstillstand geführt
haben.
Die wachsende Gefahr durch den Iran
Eine Lektion macht der kurze Krieg des Jahres 2006 deutlich.
Der Westen täte gut daran, dem Iran Beachtung zu schenken.
Leon de Winter schrieb in einem Sonderbeitrag für The
Wall Street Journal: „Es ist offensichtlich, dass die
iranische Theokratie ihr Augenmerk weit über ihre eigenen
Grenzen hinaus richtet. Die Rhetorik des iranischen Regimes war
seit Jahren unmissverständlich. Wie es auch im Deutschland
der 1930er Jahre der Fall war, spielt der Antisemitismus in der
Politik des modernen Irans eine entscheidende Rolle.
Falls sich der Iran durchsetzt, werden seine Atomwaffen von
Menschen kontrolliert werden, die glauben, sie hätten die
Aufgabe, das Ende aller Tage zu beschleunigen – eine
Vorstellung, die Hitlers apokalyptischen Visionen nicht
unähnlich ist. Eine iranische Bombe bedroht die Existenz
der gesamten westlichen Zivilisation“ (7. März
2006).
Die Hauptziele sind natürlich Israel und die USA
– wobei sich letztere zumindest zurzeit noch
außerhalb der Reichweite iranischer Raketen befinden.
Israel hat da weniger Glück. Auf einer Konferenz zum Thema
„Die Welt ohne Zionismus“ sagte Irans
Präsident Mahmud Ahmadineschad im Oktober 2005:
„Jeder, der Israel anerkennt, wird im Feuer des Zorns der
islamischen Nation verbrennen, [während] jeder islamische
Führer, der das zionistische Regime anerkennt, damit die
Kapitulation und die Niederlage der islamischen Welt eingesteht
. . . Wie der Imam [Ajatollah Khomeini] sagte: Israel
muss von der Landkarte getilgt werden“ (28. Oktober
2005).
Die Kämpfer der Hisbollah werden schon seit langem vom
Iran finanziert, trainiert und bewaffnet. Der
Hisbollahführer Hassan Narallah ließ am
9. April 2000 die gleiche grundsätzliche Meinung
widerhallen, als er sagte: „Die Juden haben die Legende
von den Gräueltaten der Nazis erfunden. Jeder, der den
Koran und die Schriften der monotheistischen Religionen liest,
kann sehen, was sie den Propheten angetan haben und welche
Wahnsinnstaten und welche Gemetzel die Juden im Laufe der
Geschichte veranstaltet haben . . .
Für jeden, der diese Texte liest, ist eine Koexistenz
mit ihnen, ein Frieden mit ihnen, nicht vorstellbar, oder auch
nur eine Akzeptanz ihrer Präsenz. Und das nicht nur im
Palästina des Jahres 1948, sondern auch nicht in einem
kleinen Dorf in Palästina. Weil sie ein Krebsgeschwür
sind, das sich jeden Augenblick wieder weiter ausbreiten
kann.“
Zwei Jahre später sagte er in einem Kommentar für
den libanesischen Daily Star: „Wenn sie [die
Juden] sich alle in Israel versammeln, dann wird uns das den
Aufwand ersparen, sie weltweit verfolgen zu müssen“
(zitiert von Michael Rubin, „Eradication First, Before
Diplomacy“, 17. Juli 2006)
Über die Jahre haben islamische Führer viele
Aussagen darüber gemacht, den Staat Israel auslöschen
zu wollen. Am 26. Mai 1967, kurz vor Ausbruch des
Sechstagekrieges, verkündete Ägyptens Präsident
Gamal Abdel Nasser: „Unser grundsätzliches Ziel ist
die Vernichtung Israels“ (zitiert in Martin Gilbert,
Challenge to Civilization, 1999, Seite 366).
Eine Gefahr für die Weltwirtschaft?
Beim Nahostkonflikt geht es um mehr als Frieden und
Stabilität für die eigene Region. In seiner neuen
Aufgabe als Sonderbeauftragter für den Nahen Osten
bemüht sich der ehemalige britische Premierminister Tony
Blair um eine friedliche Lösung des Konflikts. Blair
„bereitet es Schmerzen, die Flammen und die
Zerstörung im Nahen Osten mitansehen zu müssen.
Das Blutvergießen und das Elend, das wir täglich auf
unseren Fernsehschirmen zu sehen bekommen, sind eine
eindringliche tägliche Erinnerung an den Hass und die
Aggression, die in unserer Welt existieren“ (Hervorhebung
durch uns). Wie tragisch und wahr!
Die Zerstörung im Nahen Osten bedroht jedoch mehr als
die Binnenwirtschaft der betroffenen Länder. Eine
beständige Sorge der Vergangenheit und der Gegenwart war
und ist die Tatsache, dass instabile Nationen wie der Iran und
der Irak auf vielen Milliarden Barrel Öl sitzen, der
Lebensader der Weltwirtschaft. Die Mehrheit der nachgewiesenen
Ölreserven befindet sich schließlich am Persischen
Golf.
Das heute fast vergessene Ölembargo der OPEC im
Jahr 1973 zeigte, wie verwundbar Europa und die ganze
Weltwirtschaft sind. Warum wurde der Ölboykott damals
verhängt? Um die Länder zu „bestrafen“,
die in den Augen der von arabischen Ländern dominierten
OPEC Israel beim Jom-Kippur-Krieg direkt oder indirekt
unterstützt hatten.
In den letzten drei Jahren wurden die Europäer
wiederholt an ihre unveränderte Abhängigkeit von
Energieeinfuhren erinnert, die in der Zukunft zunehmen wird.
Der hohe Ölpreis, das anhaltende Potential für
politische Instabilität am Persischen Golf und die Launen
der russischen Gazprom gegenüber ihren Kunden mahnen die
EU zur Schaffung einer koordinierten Energiepolitik und zur
Sicherung ihres Energiebedarfs.
Ist es vor diesem Hintergrund vorstellbar, dass
wirtschaftliche Interessen die Europäer zu einem
stärkeren Engagement im Nahen Osten bewegen könnten?
Wird man ihnen eines Tages die gleiche Motivation unterstellen,
die manche als den wahren Beweggrund für Amerikas
Eingreifen im Irak sehen?
Was offenbaren die Prophezeiungen der Bibel?
Was auch immer der genaue Anlass sein mag, die Bibel zeigt,
dass die Welt am Ende einen Frontalzusammenstoß zwischen
einem vereinten Europa und dem Nahen Osten erleben wird.
Schließlich wird auch Israel selbst von dieser
europäischen Supermacht (dem „König des
Nordens“) unterworfen werden. Aufgrund einer Provokation
durch den „König des Südens“
(höchstwahrscheinlich der Anführer einer islamischen
Gruppe arabischer Staaten) wird der König des Nordens in
das Heilige Land einfallen, so wie es in Daniel 11, Verse 40-45
vorhergesagt worden ist.
Diplomaten, Weltpolitiker und sogar Theologen verstehen die
Botschaft der Bibel nicht wirklich. In einer langen
Prophezeiung kurz vor seinem Tod sagte Jesus Christus voraus,
dass Jerusalem zur Endzeit von Armeen umringt sein würde.
Das wird das Signal dafür sein, „dass seine
Verwüstung nahe herbeigekommen ist“ (Lukas 21,20).
In den kommenden Jahren wird die Aufmerksamkeit der Welt
zunehmend auf den Nahen Osten gerichtet sein. Der letzte
Flächenbrand in dieser Region wird aber erst nach der
Wiederkehr Jesu Christi, dem König aller Könige und
Herrn aller Herren, gelöscht werden (Offenbarung
19,11-21).
Der Versuch, in diesem Zeitalter der menschlichen
Missherrschaft dem Nahen Osten wahren Frieden zu bringen, ist
zwar ein lobenswertes, aber doch gefährliches und
unmögliches Unterfangen. Alle Friedenstruppen, die in den
Nahen Osten entsandt werden, sollen auf der Hut sein! Man kann
so leicht, aber dann unerbitterlich in den wirbelnden Strudel
aus hartnäckigen, unüberbrückbaren Spaltungen
und tief verwurzelten Feindseligkeiten hineingezogen
werden.
Dr. Albert Sabin, der Entwickler des oralen
Polio-Impfstoffes, der so viel Leiden verhindert hat, sagte
einmal: „Ich halte weiterhin Ausschau nach einem bisher
noch unvorhergesehen Ereignis, das den gegenwärtigen
Fortschritt der Beziehungen zwischen den Großmächten
verändern wird . . . eine Veränderung, die
absolut notwendig ist, wenn wir keine Katastrophe erleben
wollen.“
Das Ereignis wird sich als die Wiederkehr des Messias
erweisen. Dann wird es heißen: „Es sind die Reiche
der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er
wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Offenbarung
11,15). Die Veränderungen, die er uns bringen wird, sind
größer als alles, was wir jemals erlebt haben oder
uns gar vorstellen können.
Der Schöpfer der Menschheit wird eingreifen, um uns vor
der völligen Vernichtung zu retten (Matthäus
24,21-22). Die Stätte von Jesu Eingreifen wird Jerusalem
sein (Sacharja 14,4; Apostelgeschichte 1,11-12). Diese
Ereignisse, die uns zeitliche Bezugspunkte setzen, werden eine
neue Welt ankündigen, in der Israel und die anderen
Nationen zum Gehorsam gegenüber ihrem Schöpfer finden
werden (Jesaja 19,21-25).
Wo immer Sie auch leben mögen, Sie sollten auf wichtige
Ereignisse im Nahen Osten achten. Das Jahr 1996 markierte eine
etwa dreitausendjährige Zeitspanne seit der Ausrufung
Jerusalems als Hauptstadt von König David. Wie David vor
so langer Zeit gesagt hat: „Erbittet für Jerusalem
Frieden!“ (Psalm 122,6; Einheitsübersetzung). Der
Messias, der Friedensfürst, wird auf diese Erde
zurückkehren und Jerusalem, dem gesamten Nahen Osten und
letztendlich der gesamten Welt wahren Frieden bringen. Das
ist sein Auftrag!
Eine groß angelegte europäische Intervention im
Nahen Osten
Nach Meinung von Judy Dempsey, einer Kolumnistin für
die International Herald Tribune, hat Kanzlerin Angela
Merkel den Mitgliedern ihres Kabinetts gesagt, dass Deutschland
einen Einsatz der NATO als Friedenstruppe im Libanon nicht
unterstützen würde, weil ein solcher „zu sehr
mit den USA identifiziert werden würde“
(1. August 2006).
Deutschland reagierte zunächst auch distanziert auf den
Vorschlag einer EU-Friedenstruppe. Tatsächlich hat, als
Ganzes gesehen, „Europa nicht die Courage für solch
eine Truppe, trotz seiner starken wirtschaftlichen und
politischen Verbindungen zu der Region . . . Die
Länder der EU werden nicht gewillt sein, sich
militärisch und politisch mitten ins Getümmel zu
stürzen“ (ebenda).
Die Europäer waren über eine interne islamische
Reaktion auf eine EU-Truppe oder sogar eine NATO-Truppe
besorgt. Der Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach meinte dazu,
dass es „mindestens 900 Anhänger der Hisbollah und
300 der Hamas in unserem Land gibt. Wir sind [deshalb] sehr
vorsichtig.“
Die Prophezeiungen der Bibel zeigen, dass die Zeit kommt,
wenn der „König des Nordens“ – der
Führer einer europäischen Supermacht – im Nahen
Osten eingreifen wird. Er wird eine Militärstreitmacht in
den Nahen Osten entsenden. Zurzeit überlassen die
europäischen Demokratien lieber der UN die Regelung der
Dinge im Nahostkonflikt.
Doch die Bibel sagt voraus, dass sich ein Teil Europas
freiwillig der Diktatur unterstellen wird. Die Bibel bezeichnet
das Haupt jener künftigen Regierung sowie auch die
Regierung selbst als „das Tier“. Die Prophezeiungen
sagen eine siebte und letzte Wiedergeburt des alten
Römischen Reiches in Europa voraus. Es wird ein
Staatenbund von zehn Nationen oder Gruppen von Nationen sein,
die von einem Diktator und einem charismatischen
religiösen Führer, den die Bibel „den falschen
Propheten“ nennt, regiert werden wird (Offenbarung
17,12-13; 19,20). Diese kommende europäische Macht wird im
vermeintlichen Ernstfall nicht zögern, mit Entschiedenheit
im Nahen Osten einzugreifen.
Eine zukünftige Errettung Judas
In der Einleitung zu The Illustrated Atlas of Jewish
Civilization liest man, dass „Juden nicht länger
von ihren Mitjuden abgeschnitten sind, wie sie es vor über
einem Jahrhundert noch waren, damals in weit entfernten
Ländern. Heute bilden Flugreisen, Fernsehen und das
Telefon sowie die computerbasierte Kommunikation einen
Schutzschild für die Juden. Eine Erniedrigung oder
eine Gefahr für die Gemeinde kann innerhalb von Stunden
bekannt und innerhalb von Tagen bekämpft werden“
(2003, Seite 7; Hervorhebungen durch uns).
Dennoch sollte der Staat Israel nicht allzu sehr auf sein
militärisches Können und seinen wirtschaftlichen
Erfolg vertrauen. Wie das biblische Sprichwort sagt: „Das
Pferd wird gerüstet für den Tag der Schlacht, aber
die Rettung ist Sache des Herrn“ (Sprüche 21,31;
Elberfelder Bibel). Der britische Journalist Clifford Longley
schrieb: „Israels Existenz ist unsicher. Es ist
weitgehend ohne Freunde im Nahen Osten, wo Antisemitismus weit
verbreitet ist, und hat sich von Anfang an im
Belagerungszustand befunden“ (The Tablet,
22. Juli 2006).
Wie der Konflikt mit der Hisbollah erneut gezeigt hat, haben
sich ziemlich mächtige regionale Kräfte gegen den
Staat Israel aufgestellt. Die Voraussagen der Bibel mögen
auf manche alarmierend wirken. Israels Zukunft im Nahen Osten
sieht in der Tat vor Gottes Eingreifen düster aus.
Abschnitte in den Evangelien und den hebräischen Propheten
offenbaren, dass Jerusalem von Armeen umlagert und von
heidnischen Nationen zertreten werden wird (Lukas 21,20-24;
Sacharja 14,2). Aber die Errettung wird kommen!
Die Bibel verheißt göttliche Errettung
Viele biblische Prophezeiungen verheißen eine
Errettung der jüdischen Nation durch den Messias. Kein
Teil des Alten Testaments widmet dieser verheißenen
Errettung mehr Aufmerksamkeit als die „kleinen
Propheten“. (Der Begriff „klein“ hat nichts
mit ihrer Bedeutung zu tun, sondern unterscheidet lediglich
diese zwölf relativ kurzen prophetischen Bücher von
den drei „großen Propheten“ – Jesaja,
Jeremia und Hesekiel.) Wir wollen uns dazu diese
Verheißungen in vier der „kleinen Propheten“
ansehen: Joel, Amos, Zefanja, Sacharja.
Vers 4 von Joel 3 vermittelt uns den übergeordneten
Kontext, was die Weltereignisse der Endzeit anbelangt:
„Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut
verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche
Tag des Herrn kommt.“ Das ist eine Zeit extremer
weltweiter Schwierigkeiten. Dann verheißen die darauf
folgenden Abschnitte göttliche Errettung: „Und es
soll geschehen: wer des Herrn Namen anrufen wird, der soll
errettet werden. Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird
Errettung sein, wie der Herr verheißen hat, und bei den
Entronnenen, die der Herr berufen wird“ (Joel 3,5).
Das nächste Kapitel vermittelt weitergehende Details:
„Denn siehe, in jenen Tagen und zur selben Zeit [einer
Zeit großer weltweiter Umbrüche], da ich das
Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, will ich alle
Heiden zusammenbringen und will sie ins Tal Joschafat
hinabführen und will dort mit ihnen rechten wegen meines
Volks und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Heiden
zerstreut und sich in mein Land geteilt haben“ (Joel
4,1-2).
Der letzte Vers im Buch Amos gibt uns noch eine weitere
Perspektive für die in der Bibel prophezeite Endzeit:
„Denn ich will sie [Israel] in ihr Land pflanzen, dass
sie nicht mehr aus ihrem Land ausgerottet werden, das ich ihnen
gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott“ (Amos
9,15).
Dieser Abschnitt handelt vom Messias, der später im
Neuen Testament klar als Jesus Christus von Nazareth
identifiziert wird.
Sacharjas ermutigende Prophezeiungen
Das Buch Sacharja befasst sich dann genauer als alle anderen
zwölf Bücher der „kleinen Propheten“ mit
der zukünftigen Errettung der jüdischen Nation. Wir
beginnen in Kapitel 8: „So spricht der Herr Zebaoth: Ich
eifere für Zion mit großem Eifer und eifere um
seinetwillen in großem Zorn. So spricht der Herr: Ich
kehre wieder auf den Zion zurück und will zu Jerusalem
wohnen, dass Jerusalem eine Stadt der Treue heißen
soll und der Berg des Herrn Zebaoth ein heiliger Berg“
(Sacharja 8,2-3; Hervorhebung durch uns). Diese Prophezeiung
hat mit der Wiederkehr des Gesalbten, des wahren Messias zu
tun: Jesus Christus.
„So spricht der Herr Zebaoth: Es sollen hinfort wieder
sitzen auf den Plätzen Jerusalems alte Männer und
Frauen, jeder mit seinem Stock in der Hand vor hohem Alter, und
die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und
Mädchen, die dort spielen [ohne Furcht vor
Terrorangriffen]“ (Sacharja 8,4-5).
Weiter heißt es in Kapitel 9: „Und ich will mich
selbst als Wache um mein Haus lagern, so dass keiner dort hin-
und herziehe und nicht mehr der Treiber [Unterdrücker]
über sie komme; denn ich sehe nun darauf mit meinen
Augen“ (Sacharja 9,8).
In Kapitel 12 geht die Geschichte weiter: „Und der
Herr wird zuerst die Hütten Judas erretten . . .
Zu der Zeit wird der Herr die Bürger Jerusalems beschirmen
. . . Und zu der Zeit werde ich darauf bedacht sein,
alle Heiden zu vertilgen, die gegen Jerusalem gezogen sind.
Aber über das Haus David und über die Bürger
Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des
Gebets“ (Sacharja 12,7-10).
Das letzte Kapitel im Buch Sacharja beschreibt dann die
Einführung der Herrschaft Jesu Christi: „Denn ich
werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem. Und die
Stadt wird erobert . . . Und der Herr wird ausziehen
und kämpfen gegen diese Heiden . . . Und seine
Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberg,
der vor Jerusalem liegt nach Osten hin“ (Sacharja
14,2-4).
Auf lange Sicht wird allen eine wunderbare Zukunft
vorausgesagt, sogar den ehemaligen Feinden Israels: „Und
alle, die übrig geblieben sind von allen Heiden, die gegen
Jerusalem zogen, werden jährlich heraufkommen, um
anzubeten den König, den Herrn Zebaoth, und um das
Laubhüttenfest zu halten“ (Sacharja 14,16). Dieses
jährliche Fest versinnbildlicht die göttliche
Herrschaft des Reiches Gottes auf Erden und all den Wohlstand
und die Fülle, die Christi eintausendjährige
Herrschaft der Menschheit bringen wird.
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– GN Januar-Februar 2008

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