Der Lebenszyklus von Weltreichen:
Eine Lektion für Amerika?
Historiker erkennen, dass Großmächte einen
Zyklus aus Wachstum, Stabilität, Reife und Niedergang
durchlaufen. Wo steht Amerika in diesem Zyklus? Was können
wir aus der Geschichte vergangener Reiche über die Zukunft
Amerikas lernen?
Von Eric Snow
Der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel
(1770-1831) wusste, dass Menschen keine besseren Entscheidungen
im Hinblick auf die Zukunft treffen, nur weil sie etwas
über die Vergangenheit lernen. Er hat einmal zynisch
angemerkt: „Was die Erfahrung aber und die Geschichte
lehren, ist dieses, dass Völker und Regierungen niemals
etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus
derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt
haben.“
In den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion 1991 schien Amerika die Welt als ein großer
Gigant zu überragen – wirtschaftlich, kulturell und
militärisch. Aber heute, ein Jahrzehnt nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001, finden sich
seine Streitkräfte in Auseinandersetzungen in
Afghanistan, dem Irak und anderen Weltregionen wieder.
Und als ob das nicht schlimm genug wäre, hat die
weltweite Wirtschaftskrise dem Land mit hoher Arbeitslosigkeit,
einer enormen Staatsverschuldung, wachsender Inflation und
sinkenden privaten Immobilien- bzw. Vermögenswerten schwer
zugesetzt. Andere Herausforderungen stehen bevor, die aus der
zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Integration der
Europäischen Union, Russlands zunehmender Stärke und
Selbstbewusstsein und Chinas schnellem wirtschaftlichen,
industriellem und militärischem Wachstum erwachsen
werden.
Geht Amerika den Weg vergangener Weltreiche?
Amerikas gegenwärtige Alleinstellung als Supermacht
wird zweifellos zunehmend in Frage gestellt. Könnte sie
verloren gehen? Könnte Amerika, auch wenn sich das Land
zurzeit noch an eine allgemeine Vormachtstellung klammert,
trotzdem einen Niedergang erleben und zu Fall kommen?
Ist das nicht anderen großen Reichen der Vergangenheit
wie denen Roms, Persiens, Babylons und Ägyptens
widerfahren? Ist Amerikas Zukunft sicherer, als es deren
Zukunft einst war?
Der hochdekorierte britische General und Historiker Sir John
Bagot Glubb (1897-1987), der als Glubb Pascha bekannt wurde,
schrieb über die zusammengebrochenen Reiche der
Vergangenheit. In seinem 1978 erschienenen Buch The Fate of
Empires and the Search for Survival beschreibt er ein
gemeinsames Muster, das die Geschichte einiger der gefallen
Reiche kennzeichnet. Sie durchliefen einen Zyklus aus
unterschiedlichen Stadien, als sie ihren Anfang nahmen, sich
ausbreiteten, reiften, einen Niedergang erlebten und
zusammenbrachen.
Trifft dieses Muster auf das heutige Amerika zu? Sind die
USA in die letzten Stadien dieses Zyklus eingetreten? Falls dem
so ist, sollten die Amerikaner den gegenwärtigen Stand
ihrer Kultur kritisch hinterfragen, um zu sehen, was getan
werden kann, um ein ähnlich düsteres Schicksal zu
vermeiden?
Wenn wir die Geschichte besser kennen, können wir uns
ein besseres Bild von der wahrscheinlichen Zukunft unserer
jeweiligen Nation machen. Wie der große britische
Premierminister und renommierte Historiker Winston Churchill
beobachtet hat: „Je weiter zurück Sie schauen
können, desto weiter werden Sie wahrscheinlich nach vorne
blicken können.“
Sieben Entwicklungsstadien im Lebenszyklus von
Großmächten
Glubb Pascha lernte, dass unterschiedliche Reiche
ähnliche kulturelle Veränderungen durchlebten,
während sie im Rahmen einer Reihe von Stadien, die sich
teilweise überschneiden konnten, einen Lebenszyklus
durchliefen. Er verallgemeinerte, dass Reiche sieben
Entwicklungsstadien haben, und identifizierte diese
aufeinanderfolgenden Zeitalter entsprechend:
1. Das Zeitalter des Ausbruchs (oder der Pioniere).
2. Das Zeitalter der Eroberungen.
3. Das Zeitalter des Handels.
4. Das Zeitalter des Wohlstands.
5. Das Zeitalter des Intellekts.
6. Das Zeitalter der Dekadenz.
7. Das Zeitalter des Niedergangs und des Zusammenbruchs.
Jedes Stadium fördert ein Weiterschreiten zum
nächsten, indem sich die Werte der Menschen im Laufe der
Zeit verändern. Militärische, politische,
ökonomische und religiöse Entwicklungen beeinflussen
die Bevölkerung eines Reiches und bewirken, dass diese
sich im Laufe der Zeit verändert.
Wir wollen uns diese Stadien nun in größerem
Detail ansehen.
Der Aufstieg von Weltreichen
In den ersten beiden Stadien oder Zeitaltern treiben die auf
Abenteuerlust und Männlichkeit basierenden Werte des
Kriegers bzw. Soldaten ein Reich dazu, an Macht zuzunehmen,
indem es das Land anderer erobert.
Später, während der nachfolgenden Zeitalter des
Handels und Wohlstands, übernehmen Geschäftsleute und
Kaufleute – die normalerweise materiellen Erfolg
schätzen und nur ungern Risiken eingehen – die Macht
auf den höchsten Ebenen der Gesellschaft. Ihre
Gesellschaften spielen die Werte des Soldaten herunter.
Gemäß Glubb tun sie das normalerweise nicht
„aus Gewissensmotiven, sondern aufgrund einer
Schwächung des Pflichtbewusstseins bei den
Staatsbürgern und der Zunahme an Egoismus, der sich in dem
Verlangen nach Wohlstand und Bequemlichkeit
ausdrückt“.
Während dieser mittleren Stadien hören die Reiche
damit auf, weiteres Land zu erobern und beginnen stattdessen
Mauern zu bauen. Sie gehen von der Offensive in die Defensive
über. Historische Beispiele schließen die Mauer, die
der römische Kaiser Hadrian in der Nähe der
schottischen Grenze errichten ließ, die Chinesische
Mauer, die dazu errichtet wurde, ein Eindringen bestimmter
Nomadenstämme zu verhindern und selbst die
französische Maginot-Linie entlang der deutschen Grenze
mit ein.
Eroberungen und (später) durch die Einheit des Reiches
begünstigte Geschäftsinvestitionen erzeugen den
Reichtum, der dann zum Zeitalter des Intellekts führt.
Sogar das brutale Mongolenreich, das den Großteil Asiens
unter seine Herrschaft brachte, ermutigte den Karawanenhandel
entlang Eurasiens berühmter Seidenstraße.
Während des fünften Stadiums wandten die Führer
des Reiches hohe finanzielle Mittel für den Aufbau von
Bildungseinrichtungen auf, die unseren modernen
Universitäten und höheren Schulen vergleichbar
sind.
Der Samen des Niedergangs wird gesät
Während des Zeitalters des Intellekts bringen die
Schulen möglicherweise skeptische Intellektuelle hervor,
die die Werte und religiösen Glaubenssätze der
früheren Führer ihres Reiches ablehnen. Zum Beispiel
übernahmen die mittelalterlichen muslimischen Philosophen
Avicenna und Averroes viel von der griechischen Philosophie der
Antike. Ihr orthodoxer Glaube ließ dadurch nach.
Gelehrte stehen möglicherweise auch den Schulen vor, in
denen u. a. Fächer gelehrt werden, die sich entweder
hauptsächlich mit finanziellem Erfolg befassen oder
einfach unpraktisch sind. Beispielsweise haben die Schüler
in der frühen römischen Republik eine Grunderziehung
in Charakterentwicklung und Tugendhaftigkeit erhalten. Im
späteren Römischen Reich wurde hingegen Rhetorik
unterrichtet, obwohl die Fähigkeit, eine Versammlung auf
emotionale Weise zu beeinflussen, von keinem praktischen oder
politischen Nutzen mehr war.
Die zersetzende Wirkung von materiellem Erfolg ermutigt die
Oberschicht und die gewöhnlichen Leute, die
selbstbewussten, selbstdisziplinierten Werte zu verwerfen, die
zur Schaffung des Reiches mit beigetragen haben. Am Ende bricht
das Reich dann zusammen.
Vielleicht ist es, wie im Fall Roms, eine von außen
kommende Macht wie die sogenannten Barbaren, die das Reich zu
Fall bringt. Oder vielleicht erledigt eine dynamische interne
Kraft wie die prokapitalistischen Reformer in der Sowjetunion
stattdessen diese Aufgabe.
Die Zunahme an Wohlstand und Komfort kann
charakterliche Werte wie Selbstaufopferung und Disziplin,
die zur Schaffung eines bestimmten Reiches geführt haben,
offensichtlich unterminieren. Dann wird das Reich, das von dem
moralischen Verfall betroffen ist, zunehmend schwächer und
verwundbar gegenüber zerstörerischen inneren oder
äußeren Kräften.
Es ist also keine Überraschung, dass der Gott der Bibel
die alten Israeliten ausdrücklich vor der Gefahr der
materiellen Zufriedenheit gewarnt hat. Nach dem Einzug ins
Gelobte Land sollten sie bei ihrer Anbetung Gottes nicht
nachlässig werden (5. Mose 8,11-20; 31,20). Er war
mit dieser menschlichen Tendenz vertraut.
Erkennungsmerkmale einer Gesellschaft: ihre Helden
Sind die USA in die späteren Phasen des Lebenszyklus
eines Reiches eingetreten? Es stimmt, sie sind erst seit etwas
mehr als zwei Jahrhunderten unabhängig von
Großbritannien. Es ist im Vergleich mit den Ländern
in Europa oder Asien ein junges Land. Aber hat das heutige
Amerika die gleichen Werte bzw. die gleiche kulturelle
Entwicklung wie die Reiche der Vergangenheit – wie etwa
Rom –, bevor sie zu Fall kamen?
Wer sind zum Beispiel die Helden der Nation? Was sagen uns
die von einem Volk gewählten Helden über das Volk
selbst? Im heutigen Amerika sind die am meisten bewunderten
Menschen (über die ständig geklatscht wird)
Prominente wie Sportler, Popsänger und Schauspieler.
Wie Glubb darlegt, verändern sich die Helden des Volkes
im Laufe der Zeit parallel zu der Veränderung von dessen
Werten. Soldaten, Erbauer, Pioniere und Forscher werden in den
anfänglichen Stadien im Lebenszyklus eines Reiches
bewundert. Danach sind es während des Zeitalters von
Handel und Wohlstand erfolgreiche Unternehmer und
Entrepreneure.
Zum Beispiel wollten die Amerikaner der Mittelklasse zum
Ausgang des 19. Jahrhunderts, dass ihre Kinder Werte wie
Klugheit, Sparsamkeit und Voraussicht lernten, wie man sie in
den Geschichten des Autors Horatio Alger findet, dessen Helden
beispielhafte Leben führten und sich bemühten, auch
im Angesicht von Not und Armut erfolgreich zu sein.
Intellektuelle genießen ebenso während des
Zeitalters des Intellekts zunehmenden Respekt.
Während der letzten Stadien der Dekadenz und des
Niedergangs hat die Bevölkerung eines Reiches oft die
größte Bewunderung für Sportler, Musiker und
Schauspieler und versucht sie nachzuahmen – ohne
Rücksicht darauf, wie korrupt das Privatleben dieser
Prominenten auch sein mag.
Erstaunlicherweise beschwerten sich laut Glubb Pascha die
Schriftsteller im Bagdad des 10. Jahrhunderts während des
Niedergangs des muslimischen Abbasidischen Reiches
darüber, dass die Sänger von Liebesliedern einen
schlechten Einfluss auf die jungen Menschen hatten! Anscheinend
stimmt das alte Sprichwort: Je mehr sich die Dinge ändern,
umso gleicher bleiben sie (oder vielleicht, desto gleicher
werden sie erneut).
Weil die Menschen eine emotionale Bindung zu der Musik
entwickeln, die sie lieben, bewundern sie Sänger und
wollen diese nachahmen. Dabei ist es unvermeidlich, dass die
oft geistlich dekadente Botschaft der Liedtexte – wie
Kraftausdrücke, unverblümte sexuelle Bezüge, die
Verherrlichung von Unmoral und sogar satanische
Anspielungen – die Fans beeinflussen. Zudem hat auch die
unmoralische Lebensweise vieler Musiker, die manchmal
Drogenkonsum und wahllosen Sex mit vielen Partnern mit
einschließt, auch einen Einfluss auf die
Gesellschaft.
Was sind einige der Anzeichen des Niedergangs?
Was sind einige der gemeinsamen Merkmale der Kultur
eines Reiches in der Phase des Niedergangs? Glubb beschreibt
die Entwicklung folgendermaßen:
1. Zügellose sexuelle Unmoral, eine Abneigung
gegenüber der Ehe zugunsten eines
„Zusammenlebens“ und eine erhöhte
Scheidungsrate tragen alle zur Unterminierung der
Stabilität der Familie bei. Das geschah innerhalb der
Oberschicht der späten Römischen Republik und des
frühen Reiches. Der römische Philosoph Seneca des 1.
Jahrhunderts n. Chr. hat sich einmal über die
römischen Frauen der Oberschicht beschwert: „Sie
lassen sich scheiden, um erneut zu heiraten. Sie heiraten, um
sich scheiden zu lassen.“
Die Größe der Familie wird bewusst begrenzt: Die
Geburtenrate nimmt ab, während die Anzahl der Abtreibungen
und der Kindstötungen zunimmt. Der Historiker W. H.
McNeill hat den „biologischen Selbstmord der
römischen Oberschicht“ als einen der Gründe
für Roms Niedergang bezeichnet. Homosexualität wird
öffentlich akzeptabel und breitet sich aus, wie das bei
den alten Griechen der Fall war, bevor Rom sie eroberte.
2. Viele ausländische Einwanderer lassen sich in der
Hauptstadt des Reiches und anderen größeren
Städten nieder. Die Mischung aus ethnischen Gruppen,
die an diesen kosmopolitischen Orten auf engem Raum miteinander
leben, führt unweigerlich zu Konflikten.
Aufgrund ihrer prominenten Platzierung innerhalb des Reiches
übersteigt der Einfluss der Einwanderer bei Weitem ihren
prozentualen Anteil an der Bevölkerung. Hier führt
Vielfalt schlechthin zu Uneinigkeit.
Wir sehen das heute in dem wachsenden Konflikt in
europäischen Ländern wie Frankreich und den
Niederlanden, wo eine große Anzahl von Immigranten
gewaltsame kulturelle Auseinandersetzungen schürt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor Kurzem mit ihrer
Feststellung Schlagzeilen gemacht, dass die multikulturelle
Gesellschaft „völlig versagt“ habe und die
Immigranten mehr tun müssten, um sich in die Gesellschaft
zu integrieren.
3. Sowohl unverantwortliche Vergnügungssucht als
auch Pessimismus nehmen in der Bevölkerung und unter
ihren Führern zu. Der Geist, der in 1. Korinther
15, Vers 32 beschrieben wird, breitet sich in der Gesellschaft
aus: „Lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir
tot!“
Während die Menschen sich zynisch davon abwenden,
Lösungen für die Probleme des Lebens zu finden,
steigen sie aus der geordneten Gesellschaft aus. Sie wenden
sich sinnloser Unterhaltung, Schwelgereien, Drogen und Alkohol
zu.
Die erstaunlich korrupten und üppigen Feiern der
antiken römischen Elite sind da ein einschlägiger
Fall. Der römische Kaiser Nero hat zum Beispiel allein
für Blumen bei einigen Gelagen eine Summe nach heutigem
Wert von mehr als 300 000 Euro ausgegeben.
4. Die Regierung stellt umfangreiche Sozialhilfe
für die Armen zur Verfügung. Im Fall der Stadt
Rom, die im Jahr 170 n. Chr. vielleicht etwa 1,2 Millionen
Einwohner hatte, haben von der Regierung zur Verfügung
gestellte „Brot und Spiele“ (Nahrung und
Unterhaltung) dazu beigetragen, die Massen zufriedenzustellen.
Von den Einwohnern Roms, die keine Sklaven waren, lebte etwa
die Hälfte zeitweise während des Jahres von der
Wohlfahrt.
Es ist sicher richtig, dass den Armen zu helfen ein
wichtiger Ausdruck christlichen Mitgefühls ist (Markus
14,7). Aber eine solche Hilfe kann auch zu Faulheit und
Abhängigkeit führen (2. Thessalonicher 3,10-12).
Solche Probleme kommen besonders dann vor, wenn die Armen davon
überzeugt sind, dass die Unterstützung durch den
Staat ein beständiges Recht ist und damit einen Anspruch
darstellt.
Ist Amerika auf einer absteigenden kulturellen und
geistlichen Spirale?
Ist es angesichts dieser Indikatoren des kulturellen und
moralischen Niedergangs früherer Reiche vernünftig zu
leugnen, dass die USA in die Stadien der Dekadenz und des
Niedergangs eingetreten sind?
Es stimmt, dass die Flutwelle des sozialen und kulturellen
Verfalls, die in den 1960ern in Amerika ausgelöst wurde,
in den letzten Jahren etwas verebbt ist. Die Rate der
Abtreibungen, Scheidungen, unehelichen Geburten,
Drogenmissbrauch, Abhängigkeit von der Sozialhilfe und
Gewaltverbrechen hat abgenommen oder ist viel langsamer
angestiegen.
Zudem haben einige Indikatoren des Niedergangs gute und
nicht nur schlechte Auswirkungen. Zum Beispiel kann
Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung positiv
sein. Wenn es sich um fachlich erfahrene bzw. gebildete
Immigranten handelt, dann nützt das Amerika in der Regel
wirtschaftlich, wobei es für die Heimatländer der
Immigranten einen Verlust bedeutet. In ihrer Geschichte haben
die USA eine große Zahl von Einwanderern mit offenen
Armen aufgenommen.
Nichtsdestoweniger hat die gegenwärtige Flut an
Immigranten, legal oder illegal, die gleiche Wirkung wie die
Welle, die um 1900 an Amerikas Küsten angekommen ist.
Heute sind sie aber viel eher dazu geeignet, eine spaltende
Kraft zu sein. Warum? Anders als vor einhundert Jahren hat sich
die amerikanische intellektuelle Elite im Großen und
Ganzen dem Multikulturalismus (der fördert, dass
Immigranten ihre eigene Kultur beibehalten) verschrieben und
damit die Assimilation (die Übernahme der bestehenden
nationalen Leitkultur) als Ideal abgelehnt.
Der Multikulturalismus ist heute die Ideologie, die einer
potenziell letztendlichen politischen Balkanisierung zugrunde
liegt, wo die Gesellschaft entlang ethnischer und kultureller
Grenzen gespalten ist. (Als Beleg hierfür kann das 1991
erschienene Buch The Disuniting of America des
Historikers Arthur Schlesinger dienen.) Ein Mangel an
kultureller Einheit führt in einer freien Gesellschaft wie
der der USA unweigerlich zu Konflikten.
Wie sollten wir auf die historischen Einsichten in Sir John
Glubb Paschas Buch The Fate of Empires and the Search for
Survival, die auf Amerika, Großbritannien und andere
englischsprachige Nationen zutreffen, reagieren? Wir sollten
nicht glauben, dass Amerika das Schicksal anderer großer
Reiche, die in der Vergangenheit einen Niedergang und Fall
erlebt haben, wird vermeiden können.
Die Geschichte Amerikas enthält noch eine
zusätzliche Dimension, denn es war Gott, der Amerika seine
Landmasse und Ressourcen, seinen Reichtum und Status als
Großmacht gegeben hat. Gott hat aber die Macht, dies
alles wieder wegzunehmen. Die Prophezeiungen der Bibel
offenbaren, dass Gott genau das tun wird. Wir wollen Ihnen
dabei helfen zu erkennen, wie die Prophezeiungen, die vor
langer Zeit niedergeschrieben wurden, heute vor unseren Augen
Gestalt annehmen!
Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserer
kostenlosen Broschüre Amerika
und Großbritannien: Was sagt die Bibel über ihre
Zukunft?, die Sie bei uns bestellen oder im Internet als
PDF-Datei
herunterladen können.
Israel und Juda im Alten Testament:
Eine Lektion für unsere Zeit
In der Zeit des Alten Testaments hat Gott hauptsächlich
mit den Nachkommen Abrahams gewirkt. Die Bibel befasst sich mit
Abrahams Nachkommen durch seinen Enkel Jakob. Von ihm stammen
die Israeliten ab. (Israel war der Name, den Gott Jakob gegeben
hat, nachdem sich dieser in Gottes Augen bewährt hatte.)
Jakobs Nachkommen sollten aufgrund der Verheißungen
Gottes an Abraham viele nationale Segnungen erhalten.
Die Bücher des Alten Testaments beschreiben, wie die
Israeliten zu einer mächtigen Nation werden, mit der Gott
einen Bund eingeht. Der Kern dieses Bundes wird in 5. Mose 28
beschrieben, wo Gott ihnen verheißt, dass er sie
fortwährend segnen wird, wenn sie ihm gehorsam sind. Die
Strafe für die Verletzung dieses Bundes würde darin
bestehen, dass sie viele Flüche erleiden und zuletzt als
Nation in Gefangenschaft geführt werden würden.
Im Gelobten Land erlebten sie eine Reihe von
Höhenflügen und Niederlagen. Ca. 300 Jahre lang
wurden sie von Richtern geführt. Während der Amtszeit
von Samuel, einem der letzten Richter, forderte das Volk Israel
einen König. Daraufhin gab ihnen Gott eine Monarchie,
warnte sie aber auch davor, dass sie dadurch
regierungsamtlichen Missbräuchen durch menschliche
Könige ausgesetzt sein würden (1. Samuel
8,10-18). Ihr erster König war Saul, danach folgten David,
Salomo und Rehabeam.
Rehabeam begann seine Regierungszeit mit der Absicht, ein
besonders strenger Herrscher zu sein (1. Könige
12,11). Das führte zur Teilung Israels und zum Entstehen
von zwei getrennten Königreichen. Das größere
der beiden, im Norden gelegen, behielt den Namen Israel bei und
bestand aus zehn Stämmen. Das kleinere im Süden, mit
Jerusalem als Hauptstadt, wurde Juda genannt und bestand aus
zwei Stämmen. Auf diese Weise begann eine lange Geschichte
von Intrigen, Rebellion und häufiger Gewalt in den beiden
getrennten Nationen.
Israels Sünden und sein Niedergang
Die Menschen im nördlichen Königreich Israel waren
besonders schamlos bei ihren Übertretungen gegenüber
dem ursprünglichen Bund, den Gott mit ihren Vorvätern
geschlossen hatte. Sie nahmen die Bräuche heidnischer
Nationen an, einschließlich des Kindesopfers, eine
der abscheulichen Sünden der Kanaaniter, die zuvor das
Land in Besitz hatten. Sie übernahmen ebenso den
kanaanitischen Brauch der rituellen Unzucht – die
Verbindung aus Sex und Götzenanbetung. Die Sexualmoral
sank auf neue Tiefen (Amos 2,7).
Charles Feinberg fasst die Zustände während der
späteren Geschichte Israels folgendermaßen zusammen:
„Die Zeit von Jerobeam II. war von großem Reichtum
geprägt. Das nördliche Königreich war in der Tat
reicher als jemals zuvor. Unter diesem König hatte Israel
seine höchste Macht erreicht. Der Zeitabschnitt war von
großem Reichtum, Luxus, Überheblichkeit, physischer
Sicherheit, Unterdrückung der Armen, moralischem Zerfall
und formeller Religiosität geprägt. Der moralische
Niedergang und die geistliche Zersetzung nahmen erschreckende
Ausmaße an“ (The Minor Prophets, 1952, Seite
86).
Gott sandte Israel viele Propheten, um die Einwohner zur
Umkehr aufzufordern. Das Ergebnis war immer das Gleiche
– keine längerfristige Reue. Schließlich
verlor Gott gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr.
die Geduld. Er ließ es zu, dass sie durch die Assyrer in
Gefangenschaft geführt wurden (2. Könige
17,5-6). Danach blieben sie verstreut und gingen in die
Geschichte als die zehn verlorenen Stämme Israels ein.
Juda folgt in Israels Fußtapfen
Der Niedergang des südlichen Königreiches Juda
erfolgte nicht so schnell wie der von Israel, aber seine
Einwohner verfielen oft ebenfalls in Rebellion und
Götzendienst. Sie lernten nichts von Israels verheerender
Bestrafung und fuhren mit ihren Sünden fort.
Das Volk Juda hatte den Bund, den ihre Vorfahren mit Gott
geschlossen hatten, zum Gespött gemacht. Die Folge war,
wie auch zuvor bei den nördlichen Stämmen, dass Gott
es zuließ, dass ihre Nation zerstört wurde. Viele
der Einwohner wurden von den Babyloniern getötet, und der
Rest wurde als Gefangene nach Babylon verschleppt
(2. Chronik 36,17-20).
Gilt ihr Beispiel auch für die heutige Zeit?
Was kann Amerika von der Geschichte Israels und Judas
lernen? Es kann lernen, dass es Gott ist, der Nationen
Segnungen gibt, und dass Gott auch derjenige ist, der sie
wieder wegnehmen kann. Gott ist bereits dabei, die Segnungen,
die er den USA gegeben hat, zu entziehen. Er tut dies, weil
Amerika göttliche Werte abgelehnt hat. Die Nation ist ihm
gegenüber ungehorsam und ignoriert ihn. Sie zieht
stattdessen die falschen Götter Geld, Sex und
Säkularisierung vor.
Die meisten, die glauben, sie würden der Bibel und
Jesus Christus folgen, haben, ohne es zu wissen, eine
korrumpierende Mischung aus christlichen und heidnischen
Traditionen angenommen. Jesus hat ein ernüchterndes Urteil
über Religionen gefällt, die vorgeben, der Bibel zu
folgen, sie aber nicht wirklich annehmen und befolgen:
„Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche
Lehren, die nichts sind als Menschengebote“ (Markus
7,7).
– GN September-Oktober 2011

Gute Nachrichten
Postfach 301509
D-53195 Bonn
|
| Telefon: |
(0228) 9 45 46 36 |
| Fax: |
(0228) 9 45 46 37 |
| E-Mail: |
info@gutenachrichten.org |