Die Kosten der Nachfolge Christi

Jesus Christus zahlte einen hohen Preis, um unser Erlöser zu sein. Er opferte sich für uns. Was sind die Kosten für uns, wenn wir ihm nachfolgen wollen? Er ermahnt uns, diese Kosten zu überschlagen!

Von Robin Webber

Kennen Sie die Geschichte vom Huhn, das der Kuh den Vorschlag machte, sie sollten zusammen dem Bauern sein Frühstück zubereiten? Die Kuh war sofort einverstanden, worauf das Huhn sagte: „Ich stelle ein paar Eier zur Verfügung und du lieferst ihm die Wurst.“

Der Gesichtsausdruck der Kuh verfinsterte sich, als ihr die Tragweite dieser Vorgehensweise bewusst wurde. Mit großer Traurigkeit stellte sie fest: „Dein Beitrag zum Frühstück ist eine Gefälligkeit, aber für mich bedeutet es die totale Selbstaufgabe.“ Und aus dem Frühstück für den Bauern wurde nichts.

Diese humorvolle Geschichte dient als Einleitung für ein unvergleichbar ernsthafteres Thema: die Tragweite der Aufforderung Jesu Christi „Folgt mir nach!“ (Johannes 10,27). Wir erkennen den Ernst seiner Aufforderung durch drei kurze Gespräche, die Jesus mit potenziellen Jüngern hatte. Zunächst machten sie den Eindruck, als würden sie Jesu Worten Folge leisten wollen. Doch wie die Kuh überlegten sie es sich anders, als ihnen der volle Umfang der Nachfolge Jesu bewusst wurde.

Wir finden die drei Wortwechsel im Lukasevangelium. Sie finden zu einem wichtigen Zeitpunkt im Wirken Jesu statt. Lukas 9, Vers 51 beschreibt, wie Jesus sich vornahm, nach Jerusalem zu reisen. Er hatte nicht mehr viel Zeit, um den Auftrag zu vollenden, den ihm sein himmlischer Vater gegeben hatte. Es wäre deshalb besser, weniger Jünger zu haben als viele, die ihm ihre Treue beteuerten, nur um dann bei der ersten großen Herausforderung einen Rückzieher zu machen. Für die letzten Monate seines irdischen Wirkens wollte er Jünger bei sich haben, die sich ihm total hingaben.

Was kostet es uns, wenn wir Jesu Jünger sein wollen? Es kostet unser eigenes Ich!

Ausreden für die wichtigste Einladung

Lukas hielt das Geschehen fest: „Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege“ (Verse 57-58).

Es war Jesu Gewohnheit, wenn immer es um die Kosten seiner Nachfolge ging, eine brutale Offenheit an den Tag zu legen. Wer der Aufforderung „Folgt mir nach!“ nachkommen wollte, musste sein Leben Christus übergeben für einen persönlichen Weg mit Gott, der nur Gott bekannt war. Für den Mann, mit dem Jesus diesen Austausch hatte, erfolgte die Berufung in diesem Augenblick. Jesus lud ihn ein. Aber der Mann wird in den Evangelien kein zweites Mal erwähnt.

Als Nächstes lud Jesus einen zweiten potenziellen Jünger zur Nachfolge ein. Darauf antwortete der Angesprochene: „Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.“ Jesus sagte ihm: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“ (Verse 59-60). Jesus scheint hier ungewöhnlich scharf zu reagieren, war er doch sonst mitfühlend und barmherzig. Wie sollen wir seine Antwort verstehen?

Manche sehen die Worte des Mannes dahin gehend, dass der Zeitpunkt seiner Berufung für ihn ungünstig war. Er hatte einen alten Vater, den er versorgen musste. Nach dessen Tod wäre er aber bereit, Jesus nachzufolgen.

Jesu unverblümte Reaktion diente der Klarstellung, dass die Entscheidung für (oder gegen) die Berufung jetzt erfolgen muss. Wir entscheiden uns heute, nicht erst morgen. Wir haben bislang zwei potenzielle Jünger gesehen: Der eine wurde von seiner Angst vor der Zukunft überwältigt und der andere machte sich Sorgen wegen seiner momentanen Situation.

Es gibt noch einen weiteren potenziellen Jünger und eine weitere Dimension des Lebens zu überlegen. In Vers 61 lesen wir: „Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind.“ Mit anderen Worten: „Ich bin noch nicht so weit. Der Zeitpunkt der Einladung passt mir nicht, denn ich habe einige persönliche Angelegenheiten zu erledigen und ich möchte mich in gebührender Weise von meinen Angehörigen und Freunden verabschieden. Erst danach bin ich bereit.“

Doch Jesus antwortete: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Vers 62). Jesus scheint sich auf das damals gut bekannte Beispiel des Propheten Elisa zu beziehen, der beim Pflügen war, als er von seinem Vorgänger Elia berufen wurde. Elisa hat sich recht schnell von seinen Eltern verabschiedet, seine zwölf Rinder geschlachtet und ihr Fleisch mit den Jochen der Rinder gebraten. Dann verteilte er das Fleisch und ging hin, um Elia zu dienen (1. Könige 19,19-21).

Jesus kann aber auch Lots Frau im Sinn gehabt haben, die Gottes Angebot der physischen Errettung missachtete, indem sie auf das zurückblickte, was sie verlassen sollte (1. Mose 19,15-17. 26).

Auf jeden Fall wollte Christus den Mann wachrütteln bzw. ihn davon abbringen, an seinem jetzigen Leben festzuhalten. Stattdessen bot Christus ihm eine ewige Zukunft im Reich Gottes an.

Welche persönlichen Lektionen können wir von unserem fiktiven Bauernfrühstück und der Interaktion zwischen Jesus und den drei potenziellen Jüngern lernen? Befassen wir uns nun mit zwei wesentlichen Punkten.

Bei der Nachfolge Christi geht es um das Ganze

Als Erstes gilt es zu verstehen, dass die Nachfolge Christi unsererseits keine halbe Sache sein kann. Sie erfordert den Einsatz unseres ganzen Wesens. Wir überlassen Gott unser ganzes Leben – nicht nur die Bereiche, die uns bequem sind – und sagen ihm, dass wir ihm von nun an gehören. Das bedeutet jede Minute unseres Lebens ab jetzt und für alle Ewigkeit.

Manche Christen meinen, dass sie, obwohl sie bestimmte Bereiche ihrer bisherigen Lebensführung sozusagen für sich zurückbehalten, aufrichtig bereut haben und es mit Gott ehrlich meinen. Andere haben in der Tat bereut, fühlen sich aber aufgrund der neuen Herausforderungen, denen sie als Christen gegenüberstehen, unsicher. Sie fragen sich, ob sie wirklich in der Lage sein werden, ihr Leben hundertprozentig in Gottes Hände zu legen.

Jesu Aufforderung lautet: „Folgt mir nach!“ Zur Zeit Jesu bedeutete Jüngerschaft nicht allein die Vermittlung von Erkenntnis durch den Lehrer – den Rabbi – an seine Jünger bzw. Schüler. Ebenso wichtig war die Nachahmung der Lebensführung des Rabbis, bis der Jünger selbst genauso lebte wie sein Lehrer. Die Nachfolge Christi bedeutet, dass wir genauso leben, wie es unser Herr und Meister Jesus Christus tat.

Jesus ist unser perfektes Vorbild in dieser Hinsicht. Er bezeugte seine Opferbereitschaft, indem er, als das Wort, Fleisch wurde und unter den Menschen wohnte (Johannes 1,1-3. 14). Was opferte Jesus, indem er das tat? Die Antwort finden wir im Philipperbrief, Kapitel 2:

„Geht so miteinander um, wie Christus es euch vorgelebt hat. Obwohl er Gott war, bestand er nicht auf seinen göttlichen Rechten. Er legte seine mächtige Kraft und Herrlichkeit ab; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, indem er wie ein Verbrecher am Kreuz starb. Deshalb hat Gott ihn in den Himmel gehoben und ihm einen Namen gegeben, der höher ist als alle anderen Namen“ (Verse 5-9; „Neues Leben“-Übersetzung).

Unser himmlischer Vater und sein Sohn wollen uns etwas Besonderes schenken: das ewige Leben. Damit sie uns das ewige Leben schenken können, war das Wort bereit, sein Leben für uns zu opfern. Er ist der treue Hirte, der bei den Schafen bleibt und sein Leben für sie lässt (Johannes 10,15).

Ein Jünger Jesu Christi zu sein bedeutet also, dass wir uns selbst für Gott aufgeben in dem Glauben, dass er uns für den Eingang in sein ewiges Reich vorbereiten wird. Christus nachzufolgen muss die oberste Priorität in unserem Leben sein. Die totale Hingabe gegenüber Gott ist für einen Jünger Jesu keine Option, sondern eine Bedingung. Das sind die Kosten, die wir überschlagen müssen, wenn wir Jesu Jünger sein wollen (Lukas 14,25-33).

Unsere totale Opferbereitschaft ist also eine Grundvoraussetzung für die Nachfolge Christi. Und Christus erwartet nichts von uns, wozu er nicht selbst willens war bzw. was er nicht bereits tat. Er entäußerte sich seiner Herrlichkeit als das Wort und gab uns damit ein Beispiel des Verzichts auf unser früheres Leben. Wer sich von seiner Vergangenheit nicht verabschieden kann, trägt unnötigen Ballast auf seinem Weg mit Gott, der ihn von der Zukunft abhalten kann, die Gott für ihn vorgesehen hat.

Opferbereitschaft ist mehr als nur ein einmaliges Erlebnis

Der zweite Punkt ist, dass das Christsein mehr als nur ein einmaliges Ereignis ist. Sind wir zur Nachfolge Christi berufen, setzt sich unsere Opferbereitschaft für den Rest unseres Lebens fort. Im Laufe der Jahre formt uns Gott wie Ton in den Händen eines Töpfers, damit wir ihm immer ähnlicher werden. Er lehrt uns kontinuierlich durch unsere Erfahrungen, und der Prozess gestaltet sich für jeden Jünger Christi auf individuelle Weise: Jeder lernt die Lektionen, die für ihn wichtig sind.

Manchmal sind wir versucht zu sagen: „Herr, das reicht schon, bitte keine weiteren Lektionen!“ Doch Gott weiß immer am besten, was wir brauchen. Für die drei Männer im Lukasevangelium war Opferbereitschaft anscheinend ein Fremdwort. Wir sollen hingegen immer offen sein für Gottes Gestaltung unseres christlichen Charakters.

Warum ist das so wichtig? In Offenbarung 3, Vers 20 sagt der auferstandene Christus: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ Begreifen Sie das? Jesus klopft sozusagen an der Tür unseres Herzens, damit er seine Arbeit mit uns – dass wir ihm immer ähnlicher werden – in positiver Weise zu Ende führt.

Was kostet es uns, wenn wir Jesus nachfolgen wollen? Es kostet uns unser Leben! Die Kosten sind jedoch viel höher, wenn wir Christus und seine Einladung zur Nachfolge ablehnen.

Die Geschichte eines christlichen Missionars zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Indien dient als Beispiel. Sadhu Sundar Singh war mit einem Begleiter im Himalaja unterwegs, als sie einen unterkühlten Mann, im Schnee liegend, entdeckten. Singh wollte anhalten und dem Mann helfen, aber sein Begleiter war dagegen. Er meinte, sie würden selbst im Gebirge sterben, denn der Mann wäre für sie eine nicht zu verkraftende Belastung.

Doch Singh, so die Erzählung, konnte es nicht verantworten, den Mann seinem sicheren Tod zu überlassen. Als Singh sich darauf vorbereitete, den Mann huckepack zu nehmen, verabschiedete sich sein Begleiter und ging allein weiter. Unter großer Anstrengung ging Singh mit dem Mann los. Allmählich übertrug sich die Körperwärme Singhs auf den Mann und er erlangte das Bewusstsein wieder. Bald konnte er wieder gehen, und sie gingen Seite an Seite weiter. Einige Zeit später entdeckten sie Singhs Begleiter, der alleine weitergezogen war. Er lag erfroren im Schnee.

Manche stellen die Wahrhaftigkeit dieser Geschichte in Frage. Wir wissen nicht genau, ob alles wirklich so geschehen ist. Dennoch enthält sie eine wichtige Lektion für uns.

Der Missionar Singh war willens, sein Leben zugunsten einer anderen Person zu riskieren und wurde dadurch mit dem Überleben belohnt. Sein Begleiter wollte sein Leben bewahren und hat es verloren. Die Geschichte spiegelt Jesu Worte in Matthäus 10, Vers 39 wider: „Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“ Wir „finden“ unser Leben im ultimativen Sinne durch den Eingang in das ewige Reich Gottes.

Zusammenfassend müssen alle wahren Nachfolger Jesu Christi bereit sein, 1.) über das Hier und Jetzt hinauszuschauen und 2.) persönliche Ziele und Vorteile anders zu priorisieren, indem sie ihr ganzes Wesen Gott überlassen.

Haben Sie die Kosten der Nachfolge Christi überschlagen? Halten Sie einen Bereich in Ihrem Leben für sich selbst zurück? Bedenken Sie, dass die Nachfolge Christi alles kostet – es kostet Sie Ihr Leben! Jesus hat nie gesagt, dass es einfach sein wird, aber er verspricht uns, dass es sich lohnen wird!

– GN September-Oktober 2014 PDF-Datei dieser Ausgabe

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