Drei Gärten und der Weg in die Zukunft

Unsere Ureltern mussten den Garten Eden verlassen und verloren damit den Zugang zum ewigen Leben. Eine spätere Erfahrung in einem anderen Garten machte diesen Zugang aufs Neue möglich.

Von Robin Webber

In meinem letzten Beitrag in dieser Rubrik ging es um zwei Gärten, die die biblische Botschaft wie ein Rahmen umschließen. Der Garten Eden in 1. Mose, Kapitel 1 und die Stadt Gottes vom Himmel zum Schluss der Offenbarung sind von grundlegender Bedeutung, wenn es darum geht, die Bestimmung zu verstehen, die Gott für die Menschen vorgesehen hat.

Gottes Offenbarung in 1. Mose 1, Vers 26 – „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“ – war lediglich der Anfang eines schöpferischen Vorgangs. Gott will zwar „viele Menschen als seine Kinder annehmen und sie in sein herrliches Reich führen“ (Hebräer 2,10; „Hoffnung für alle“-Übersetzung), aber dafür ist das Beschreiten eines Weges notwendig, den jeder für sich mit Gott zurücklegen muss.

Solange wir leben, ist dieser Prozess nicht abgeschlossen – weder für uns als Einzelne noch für die Menschheit als Ganzes! Gottes Absichtserklärung in 1. Mose, Kapitel 1 umfasst viel mehr als nur den kurzen Satz, den wir in Vers 26 lesen.

Die beiden Gärten am Anfang und Ende der Bibel haben drei gemeinsame Attribute: die Gegenwart Gottes, der Baum des Lebens und die Gegenwart von Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden. Es gibt aber auch Unterschiede, denn im Garten in Offenbarung 22 fehlen einige Dinge, die zur Erfahrung im Garten Eden gehörten. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, müssen wir uns mit dem dritten Garten befassen, der zeitlich zwischen den beiden anderen Gärten liegt.

Das, was in diesem dritten Garten geschah, ist das Bindeglied, das die drei Gärten der Heiligen Schrift verbindet. In diesem Garten begegnen wir dem „Sprecher“ Gottes in Menschengestalt – Jesus von Nazareth –, der als das Wort mit Adam und Eva im Garten Eden interagierte (Johannes 1,1-4. 14). Mit der Aufforderung „Folgt mir nach!“ ruft Jesus uns zu sich in den Garten, wo er eine der entscheidendsten Szenen seiner menschlichen Existenz erlebte. Hier sprach er den Satz, der für unsere Bestimmung unabdingbar war: „Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Lukas 22,42).

Ein Garten mit geschichtsträchtiger Aussicht

Die Heilige Schrift ermöglicht uns das Betreten dieses Gartens am letzten Abend im menschlichen Leben Jesu. Bevor Jesus in diesen Garten ging, hatte er seinen Jüngern die Symbole von Brot und Wein als Hinweis auf sein bevorstehendes Opfer gegeben. Einer der Jünger, Judas, hatte sich aber zuvor zum Verrat an Jesus entschlossen.

Nun rückte die Zeit immer näher, zu der Jesus als Opferlamm Gottes für die Sünden der ganzen Welt dargebracht werden sollte (Johannes 1,29). Jesus suchte deshalb eine ruhige Stelle außerhalb der Stadtmauer Jerusalems, um sein Herz vor seinem himmlischen Vater auszuschütten und seine Bereitschaft zur Erfüllung des Willens seines Vaters zu bekräftigen.

Jesus ging in den Garten Gethsemane („Olivenpresse“ auf Hebräisch), der ihm und seinen Jüngern als Treffpunkt bekannt war (Johannes 18,2). Der Garten lag einige hundert Meter von der Stadt im Kidron-Tal entfernt, am Fuß des Ölbergs. Man kann sich gut vorstellen, dass Jesus und seine Jünger diesen schattigen Platz bei ihrem häufigen Weg von Betanien auf der anderen Seite des Ölbergs zum Tempel in Jerusalem genossen.

Von diesem Garten aus konnte Jesus auf die Seite des Tempelbergs hinaufschauen, wo so viele Opfer dargebracht worden waren. Auf der anderen Seite konnte er, nach Osten schauend, den Ölberg sehen. Von dort aus sollte einige Wochen später seine Himmelfahrt erfolgen (Apostelgeschichte 1,9-12), und eines Tages seine Rückkehr zur Erde, um die Menschheit vor der Selbstzerstörung zu bewahren (Sacharja 14,3-4; Matthäus 24,22).

In diesen Garten, zwischen der traditionellen Opferstätte und der Stelle der glorreichen Wiederkehr Christi, kam Jesus in der kühlen Nachtluft, um überaus kostbare Zeit mit dem Wesen zu verbringen, mit dem er die unendliche Ewigkeit zuvor geteilt hatte.

Vor dem nächsten Sonnenuntergang starb er, an einen Balken genagelt, für alle Menschen. In der Tat war die Stunde gekommen! Für Jesus gab es noch eine letzte, alles überragende Aufgabe zu erfüllen, die allen, die die Aufforderung „Folgt mir nach!“ beherzigen, als Beispiel dienen sollte: Bevor man eine Krone trägt, muss man ein Kreuz tragen (Lukas 14,27).

Die Frucht des falschen Baums ist immer noch eine Verlockung

Jesu Entschlossenheit, den Willen seines Vaters zu tun, steht im starken Kontrast zu der Entscheidung, die im ersten Garten getroffen wurde. Adam und seine Frau Eva wiesen Gottes Gnade ab, indem sie seine Anweisung missachteten. Sie mussten den Garten Eden und die Gegenwart Gottes verlassen, weil sie ihren eigenen Willen an die Stelle des Willens ihres Schöpfers setzten.

Eva war von dem Baum verzaubert, dessen Frucht „gut zu essen“ und „eine Lust für die Augen“ war, „weil er klug machte“ (1. Mose 3,6). Sie hörte sich die Worte der Schlange zu lange an und verweilte dort so lange, bis es zu spät war. Sie fiel auf ihre Lüge herein, dass die Missachtung der expliziten Anweisung Gottes ohne Folgen bleiben würde.

Sie schluckte die Täuschung, dass sie „keineswegs des Todes“ sterben würde, sondern stattdessen „wie Gott“ sein und wissen würde, „was gut und böse ist“ (Verse 4-5). Für sie war die Frucht des Baums leider wörtlich eine todsichere Sache, und ihr Mann folgte ihr nur ein Bissen später.

Tausende von Jahren später inspirierte der Geist Gottes den Apostel Johannes zur Festlegung eines Maßstabs zur Beurteilung der Frucht dieses Baums. Wir finden ihn in 1. Johannes 2, Verse 15-17, mit Beifügung der entsprechenden Zitate aus 1. Mose 3, Verse 5-6 in eckigen Klammern:

„Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust [,gut zu essen‘] und der Augen Lust [,eine Lust für die Augen‘] und hoffärtiges Leben [,ihr werdet sein wie Gott‘], ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“

Anstatt vom Baum des Lebens zu essen, ergab sich das erste menschliche Ehepaar der Verlockung vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse (1. Mose 2,9). Der Garten Eden existiert heute nicht mehr, aber die tief hängende und daher leicht zu greifende Frucht vom selben Baum ist nach wie vor eine leider viel zu starke Verlockung für die Nachkommen unserer Ureltern. Greifen auch wir immer noch nach seiner Frucht?

Opferbereitschaft gilt ein Leben lang

Als „der letzte Adam“ (vgl. dazu 1. Korinther 15,45) traf Jesus eine andere Entscheidung im Garten Gethsemane. Er opferte sich dem Willen seines Vaters vorbehaltlos. Seine Bereitschaft dazu war kein einmaliges Ereignis in seinem Leben, sondern eine Lebensweise, die er uns beispielhaft vorlebte. Das Eingangstor zu diesem Garten wurde nicht erst an diesem Abend aufgeschlossen, sondern ein paar Jahre zuvor in der Hitze der judäischen Wüste.

In jener Wüste versuchte der Teufel (die Schlange) unseren Heiland mit der Frucht des verbotenen Baums (vgl. dazu Matthäus 4,1-11). Satan nutzte Jesu Hunger nach 40 Tagen des Fastens, indem er an „des Fleisches Lust“ appellierte und ihn aufforderte, Steine in Brot zu verwandeln.

Der Teufel verlockte Jesus auch mit „hoffärtigem Leben“, indem er ihn dazu drängte, von der „Zinne des Tempels“ zu springen, um zu beweisen, dass er Gottes Sohn war. Und zuletzt wollte Satan Jesu Sicht mit „der Augen Lust“ trüben, als er ihm eine quasi virtuelle Darstellung der Königreiche der Welt mit ihrer Herrlichkeit zeigte.

Bei allen drei Versuchungen verknüpfte Satan seine Aufforderung mit einer „wenn-Frage“: „Wenn du Gottes Sohn bist . . .“ Geschwächt durch das Fasten siegte Jesus über den Teufel in einer unwirtlichen Umgebung und gab zum Schluss der Herausforderung durch Satan die Parole für den Weg heraus, die ihn letztendlich zum Tod am Kreuz in Golgatha führte: „Es steht geschrieben: Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen“ (Matthäus 4,10).

Jesu Vorsatz, seinen Gott anzubeten und ihm allein zu dienen, bestätigte sich erneut am Abend vor seinem Tod in dem Garten außerhalb der Stadt Jerusalem. Obwohl er zunächst anfing „zu trauern und zu zagen“ (Matthäus 26,37), siegte er über die menschliche Angst vor dem Tod, um die Worte des Propheten Jesaja erfüllen zu können:

„Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn“ (Jesaja 53,5-6).

Zu Beginn seines irdischen Wirkens hatte Jesus gesagt, dass „der Menschensohn erhöht werden“ muss (Johannes 3,14) – ein Hinweis auf seinen Tod durch Kreuzigung. Im Garten Gethsemane „wusste Jesus alles, was ihm begegnen sollte“ (Johannes 18,4). Ihm war die Demütigung und Agonie von gekreuzigten Verbrechern bestimmt nicht unbekannt. Es wundert daher nicht, dass er in dieser Stunde „betrübt bis an den Tod“ war (Matthäus 26,38).

Die Bitte eines Sohns an seinen Vater

Das Bewusstsein seines bevorstehenden Leidens und Todes ließ Jesus seinen Vater in diesem Garten dreimal anflehen (Matthäus 26,39-44), denn er war der einzige, der ihn in den letzten Stunden seines Lebens trösten und stärken konnte. Jesus „betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge“ (Markus 14,35), und aus menschlicher Sicht war dies Jesu völliger Ernst!

Aber gleich im nächsten Atemzug sprach Jesus seinen himmlischen Vater mit „Abba“ an – „lieber Vati“. Die Beziehung Jesu zu Gott war nicht vordergründig die eines Untertans zu einem allmächtigen Herrscher, sondern die eines Sohns zu einem liebevollen Vater, der ihm in dieser schweren Stunde nahe stand. Jesus fuhr fort im Gebet: „Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“ (Markus 14,36).

In dem Garten, der zeitlich zwischen den beiden anderen Gärten zu Beginn und zum Schluss der Bibel liegt, wählt Jesus wieder konsequent den Baum des Lebens. Er sorgte damit dafür, dass der verbotene Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen niemals im Garten Gottes in Offenbarung 22 Wurzeln schlagen kann.

Wenige Stunden später starb „der zweite Adam“. Im Gegensatz zum ersten Adam, dessen Tat die Menschen vom Baum des Lebens trennte, bedeutete der Tod Jesu den erneuten Zugang zu diesem Baum. Jesus ist in der Tat „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14,6).

Wir dürfen Jesus beim Wort nehmen. Er sagte: „Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“ (Johannes 14,2). Wo führt er uns hin, wenn wir seine Aufforderung „Folgt mir nach!“ beherzigen? In den dritten und letzten Garten der Bibel, die Stadt Gottes, die im 22. Kapitel der Offenbarung beschrieben wird.

– GN Januar-Februar 2018 PDF-Datei dieser Ausgabe

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