Jesu Botschaft an die Epheser:
Erlangt die erste Liebe wieder!
Jesu Ermahnung an die Epheser gilt allen Christen aller
Zeiten.
Von David Treybig
Viele Menschen meinen heute, daß die in der
Offenbarung enthaltenen Sendschreiben Jesu Christi an die
Gemeinden als Warnungen an damalige Christen lediglich
historischen Wert haben. Obwohl es stimmt, daß die
Sendschreiben an bestimmte Gemeinden gerichtet waren, enthalten
sie auch eine universelle Botschaft an Gottes Volk. Diese
zeitlose Botschaft ist in seiner Gültigkeit heute sehr
bemerkenswert.
Jesus wiederholte seine Mahnung „wer Ohren hat, der
höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ zum
Schluß der sieben Sendschreiben an die Gemeinden
(Offenbarung 2,7. 11. 17. 29;
3,6. 13. 22). Daran erkennen wir, daß wir alle
sieben Botschaften zu Herzen nehmen sollten, denn sie enthalten
Jesu geistlichen Rat für Christen in allen Zeitaltern. Bei
unseren Bemühungen, die Bedeutung der Worte Jesu zu
verstehen, ist es hilfreich, den Hintergrund der genannten
Städte zu untersuchen. Jesu Botschaften stehen in einem
Bezug zu den jeweiligen Städten und lassen uns geistliche
Schlußfolgerungen für die heutige Zeit ziehen. Dabei
fangen wir mit dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Ephesus
an.
Ephesus war eine große und wichtige Stadt an der
Westküste Kleinasiens. Das Nelson’s Illustrated
Bible Dictionary stellt dazu fest: „Mehrere Faktoren
trugen zur Prominenz der Stadt Ephesus bei. An erster Stelle
stand die Wirtschaft. An der Mündung des Flusses Cayster
gelegen war Ephesus der günstigste Hafen in der Provinz
Asien und das wichtigste Handelszentrum westlich von Tarsis.
Die Verschlammung des Flusses über die Jahrhunderte
führte dazu, daß die Ruinen der alten Stadt heute in
einem Sumpfgelände liegen, das zwischen acht bis elf
Kilometern von dem jetzigen Küstenverlauf entfernt
ist.
Darüber hinaus war die Größe der Stadt
bedeutend. Obwohl Pergamon zur Zeit der Römer die
Hauptstadt der Provinz Asien war, hatte Ephesus die meisten
Einwohner mit einer geschätzten Zahl von ca. 300 000.
Ein dritter Faktor war Kultur. Ephesus hatte ein Amphitheater,
das 25 000 Zuschauern Platz bot. Eine
Prozessionsstraße, ca. 35 m breit, verlief vom
Theater zum Hafen und hatte an beiden Enden ein beeindruckendes
Tor. An beiden Seiten der Straße gab es Säulen, die
jeweils in 15 m tiefen Reihen standen. Hinter den
Säulen gab es Bäder, Schulen und Prachtbauten.
Der vierte und wahrscheinlich bedeutendste Faktor für
die Prominenz der Stadt Ephesus war Religion. Der Tempel der
Artemis (oder Diana nach ihrem römischen Namen) in Ephesus
galt als eines der sieben Wunder der Antike. Als
Zwillingsschwester des Apollos und Tochter von Zeus war Artemis
u. a. als Mond- und Jagdgöttin sowie Schutzpatronin von
Mädchen bekannt. In ihrem Tempel zu Ephesus stand die
Skulptur der Artemis, die angeblich direkt von Zeus gekommen
sein soll (Apostelgeschichte 19,35).
Zur Zeit des Paulus wurde der Tempel von Artemis von 127
Säulen gestützt, je 60 m hoch. Die Epheser waren
sehr stolz auf dieses grandiose Bauwerk. Während der
römischen Herrschaft förderten die Epheser die
Anbetung der Artemis durch Münzprägungen mit der
Inschrift ,Diana von Ephesus‘.“
Gründung der Gemeinde
Die Gemeinde zu Ephesus wurde wahrscheinlich 50 n.
Chr. durch das Predigen von Paulus und dem Ehepaar Aquila
und Priszilla gegründet. Diese drei arbeiteten zusammen in
Korinth als Zeltmacher (Apostelgeschichte 18,1-3), während
Paulus zur gleichen Zeit in der örtlichen Synagoge lehrte.
Nach ihrem Aufenthalt in Korinth reisten sie nach Ephesus. Bei
ihrer Ankunft predigte Paulus in der dortigen Synagoge. Er
ließ Priszilla und Aquila in Ephesus zurück und fuhr
nach Jerusalem, um dort einen der Festtage Gottes zu halten.
Paulus versprach, bei Gelegenheit zurückzukehren (Verse
18-21, Schlachter-Übersetzung).
Nach seinem Besuch in Jerusalem reiste Paulus weiter nach
Galatien und Phyrgien (Vers 21 bzw. 23). In dieser Zeit kam ein
begabter Redner namens Apollos nach Ephesus. Obwohl er die
Heilige Schrift kannte, war ihm nur die Taufe von Johannes dem
Täufer bekannt (Vers 25). Priszilla und Aquila
„legten ihm den Weg Gottes genauer aus“ (Vers 26).
Die Zusammenarbeit zwischen Apollos, Priszilla und Aquila trug
Früchte.
Als der Apostel Paulus nach Ephesus zurückkehrte, fand
er viele Jünger vor, zu denen ein Dutzend junge
Männer gehörten (Apostelgeschichte 19, Verse 1- 7).
Er taufte diese Jünger und legte die Hände auf sie
zum Erhalt des heiligen Geistes (Verse 5-6). Für Paulus
begann damit ein längerer Aufenthalt in Ephesus.
Zunächst lehrte er drei Monate in der Synagoge und
anschließend redete er zwei Jahre lang
„täglich in der Schule des Tyrannus“.
Auf seinen Reisen war dies einer der längsten
Aufenthalte des Paulus in einer Stadt, und das Ergebnis war
beachtenswert: „Und das geschah zwei Jahre lang, so
daß alle, die in der Provinz Asien wohnten, das Wort des
Herrn hörten, Juden und Griechen“ (Vers 10).
Außerdem scheint Paulus den ersten Korintherbrief von
Ephesus aus geschrieben zu haben (1. Korinther 16,8).
Bemerkenswerte Ereignisse
Während des Aufenthaltes von Paulus in Ephesus fanden
mehrere bemerkenswerte Ereignisse statt, wie beispielsweise
besondere Heilungen: „Und Gott wirkte nicht geringe Taten
durch die Hände des Paulus. So hielten sie auch die
Schweißtücher und andere Tücher, die er auf
seiner Haut getragen hatte, über die Kranken, und die
Krankheiten wichen von ihnen, und die bösen Geister fuhren
aus“ (Apostelgeschichte 19,11-12).
Als „sieben Söhne eines jüdischen
Hohenpriesters mit Namen Skevas“ versuchten, Paulus
nachzuahmen, indem sie Dämonen austrieben, wurden sie von
einem Dämon überwältigt und derart zugerichtet,
„daß sie nackt und verwundet aus dem Haus
flohen“ (Vers 16). Was war das Resultat? „Das aber
wurde allen bekannt, die in Ephesus wohnten, Juden und
Griechen; und Furcht befiel sie alle, und der Name des Herrn
Jesus wurde hoch gelobt“ (Vers 17).
Dadurch kehrten viele in Ephesus von der Zauberei ab und
verbrannten ihre Bücher über diese schwarze Kunst.
Der Wert der verbrannten Bücher wurde mit
„fünfzigtausend Silbergroschen“ beziffert, und
„so breitete sich das Wort aus durch die Kraft des Herrn
und wurde mächtig“ (Verse 19-20).
Die Wahrheit Gottes hatte einen solchen Einfluß auf
die Gegend, daß die Goldschmiede von Ephesus, die
Nachbildungen des Tempels von Diana fertigten, deshalb um den
Fortbestand ihres Handwerks fürchteten (Verse 23-41).
Nachdem diese „nicht geringe Unruhe“ (Vers 23) sich
gelegt hatte, verließ Paulus Ephesus und reiste nach
Mazedonien (Apostelgeschichte 20,1). Paulus’ Lehre hatte
großen Erfolg in Ephesus. Dieser Erfolg war
wahrscheinlich auch die Grundlage für die Gründung
der anderen Gemeinden in Kleinasien.
Als Paulus die Gegend verließ, blieb Timotheus in
Ephesus, um die dortige Gemeinde zu betreuen. Paulus riet
Timotheus eindringlich, die Geschwister vor falschen Lehren zu
warnen (1. Timotheus 1,3; 2. Timotheus 4,3). Bei
einem kurzen Besuch in der Region, der sein letzter sein
sollte, kam Paulus mit den Ältesten aus Ephesus zusammen.
Ihnen sagte er: „Denn das weiß ich, daß nach
meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die
die Herde nicht verschonen werden. Auch aus eurer Mitte werden
Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die
Jünger an sich zu ziehen. Darum seid wachsam und denkt
daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht
abgelassen habe, einen jeden unter Tränen zu
ermahnen“ (Apostelgeschichte 20,29-31).
Christi Botschaft an die Epheser
Zahlreiche Traditionen besagen, daß auch der Apostel
Johannes gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus in
Ephesus lebte (Nelson’s Illustrated Bible
Dictionary, 1986, Stichwort „Ephesus“). Als
Jesus dem Johannes erschien und ihm die Vision gab, die wir in
dem letzten Buch der Bibel – in der Offenbarung –
finden, war Johannes auf der Insel Patmos westlich der
Küste Kleinasiens. Johannes muß überrascht
gewesen sein, als Jesus die Herausforderungen zutreffend
beschrieb, von denen die Gemeinde konfrontiert war, die
Johannes wahrscheinlich persönlich kannte.
Als erstes sagte Christus den Ephesern: „Ich kenne
deine Werke und deine Mühsal“ (Offenbarung 2,2).
Jesus wußte von dem kraftvollen Predigen des Evangeliums
in Kleinasien. Er kannte die große Wirkung der Wahrheit
auf die ganze Stadt Ephesus und wußte von dem Mitwirken
der ganzen Gemeinde beim Predigen des Evangeliums. Er lobte sie
mit den Worten: „[Du] hast Geduld und hast um meines
Namens willen die Last getragen und bist nicht müde
geworden“ (Vers 3).
Jesus lobte sie außerdem, weil sie falsche Lehrer
zurückgewiesen hatten: „Ich ... weiß,
daß du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast
die geprüft, die sagen, sie seien Apostel, und
sind’s nicht, und hast sie als Lügner
befunden“ (Vers 2). Die Epheser hatten offensichtlich die
Ermahnungen von Paulus und Timotheus bezüglich falscher
Lehrer beherzigt. Mit Erfolg begegneten sie dieser
Herausforderung und waren trotz dieses anstrengenden Prozesses
nicht müde geworden (Vers 3).
Als nächstes lesen wir eine wichtige Ermahnung, denn
Jesus hatte nicht nur Lob für die Epheser: „Aber ich
habe gegen dich, daß du die erste Liebe
verläßt. So denke nun daran, wovon du abgefallen
bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber
nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter
wegstoßen von seiner Stätte – wenn du nicht
Buße tust“ (Verse 4-5).
Sie hatten ihre anfängliche Begeisterung und den Eifer
für das Werk Gottes verloren. Im Laufe der Jahre war ihr
Enthusiasmus verblaßt. Jesus ermahnte sie, zur
„ersten Liebe“ zurückzukehren, damit sie nicht
ihre Stellung als Teil der Kirche Gottes verlören.
Nach dem Tadel lobte Jesus sie wieder, weil sie „die
Werke der Nikolaïten“ haßten. Wer waren diese
Nikolaïten? Der Expositor’s Bible Commentary of
the New Testament führt dazu aus: „Die enge
Verbindung des Namens mit den Bileamiten in Kapitel 2, Verse
14-15 deutet vielleicht eine Identität mit dieser Gruppe
oder Ähnlichkeit mit ihren Lehren an.“ Wie wir sehen
werden, schließen diejenigen, die dem Beispiel Bileams
folgen, Kompromisse mit der Weisung Gottes. Die Epheser lehnten
diese böse Denkweise ab.
Jesus beendet seine Botschaft an die Epheser mit folgenden
Worten: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen
geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes
ist.“ Wie sollen wir Jesu Worte an die Gemeinde zu
Ephesus auf uns beziehen? Wie wenden wir sie heute an?
Moderne Anwendung
Heutige Christen ähneln ihren geistlichen Vorfahren vor
1950 Jahren in Ephesus, indem sie falsche Lehren und das aus
ihnen hervorgegangene heutige Christentum ablehnen müssen.
Die Vereinte Kirche Gottes hingegen führt ihre Herkunft
auf die von Jesus Christus im ersten Jahrhundert
gegründete Kirche zurück und hält sich an
dieselben Lehren und Praktiken, die damals festgelegt wurden.
Alle Christen sind aufgerufen, den wahren Lehren Jesu, seiner
Apostel und der ersten Christen treu zu bleiben und diejenigen
zurückzuweisen, die diese Lehren ändern wollen.
Der wichtigste Aspekt der Botschaft an die Epheser für
Gottes Volk heute ist die Ermahnung, zur „ersten
Liebe“ zurückzukehren. Dieser Ausdruck –
„erste Liebe“ – bezieht sich auf unsere Liebe
zu Gott und seinen Berufenen und auf unseren Enthusiasmus
für das Werk, mit dem die Kirche Gottes beauftragt
ist.
Die erste Liebe zu verlassen bedeutet nicht, daß wir
gar keine Liebe mehr haben. Es bedeutet, daß wir nicht
mehr den Eifer in unserer Liebe haben, wie wir ihn einst
hatten.
Wenn wir geprüft werden und Anfechtungen erleiden, kann
Gleichgültigkeit das Resultat sein. Wir werden müde
und haben nicht mehr unsere gewohnte Energie. Wir können
uns mit der falschen Sichtweise täuschen, daß es
nicht länger nötig sei, das Evangelium zu predigen,
und daß wir nur bis zum Ende untätig ausharren
müßten. Doch Christus ruft uns auf: „So denke
nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue
die ersten Werke!“ (Offenbarung 2,5). Das bedeutet, wir
kehren zu unserer ersten Liebe zu Gott, seinen Kindern und
seinem Werk zurück. Um die Tragweite dieser Ermahnung
Christi besser zu verstehen, befassen wir uns nun mit den
Eigenschaften eines Christen, der in seiner „ersten
Liebe“ ist.
Die Bedeutung der „ersten Liebe“
Mit der „ersten Liebe“ ist nicht gemeint,
daß man lediglich das äußere Erscheinungsbild
eines Christen mit einem oberflächlichen Gehorsam wahrt.
Jesus erwartet, daß seine Nachfolger in Erwartung der
verheißenen Belohnung seine Lebensweise eifrig
praktizieren. Dazu schrieb der Apostel Johannes: „Und ein
jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie
auch jener rein ist“ (1. Johannes 3,3). Wie reinigt
man sich? Was sind die Eigenschaften eines Christen in seiner
ersten Liebe?
Eine der Eigenschaften von Christen in ihrer „ersten
Liebe“ zur Wahrheit Gottes ist ihre Begeisterung. Sie
schätzen ihre Berufung zur Nachfolge Jesu Christi als
„Schatz“ bzw. „kostbare Perle“
(Matthäus 13,44-46). Ist das immer noch unsere
Einschätzung unserer Berufung? Danken wir Gott in unseren
Gebeten heute in der gleichen Weise, wie wir es am Anfang
taten? Oder haben wir unseren Enthusiasmus verloren?
Eine weitere Eigenschaft der „ersten Liebe“ ist
eine demütige, gelehrige Geisteshaltung. Am Anfang unseres
Wandels mit Gott verbringen wir viele Stunden beim
Bibelstudium. Wir bitten unsere Lehrer, uns grundsätzliche
Konzepte der christlichen Lebensweise zu erklären.
Christus erklärte diese Geisteshaltung auf plastische
Weise, als er ein Kind zu sich bat und es mitten unter seine
Jünger stellte. Dabei ermahnte er sie: „Wahrlich,
ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die
Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun
sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der
Größte im Himmelreich“ (Matthäus
18,3-4).
Die Menschen lassen sich jedoch nicht immer belehren. Oft
wollen wir eigene Wege gehen, statt uns von anderen den Weg
zeigen zu lassen. In unserer modernen Gesellschaft ist es nicht
ungewöhnlich, wenn man eigene Lehren und Praktiken
erfindet, statt eine zuverlässige Quelle zu finden, wo
Gottes Wort treu gelehrt wird. Eine weitere Falle ist, wenn
Gottes Volk jahrelang treu geblieben ist und falsche Lehren
abgewiesen hat. Dann kann es sein, daß man meint, keine
Belehrung mehr zu brauchen. Im Gegensatz dazu haben wir das
demütige Vorbild des Apostels Paulus, der seine Arbeit von
anderen bewerten ließ.
Vierzehn Jahre nach seinem ersten Aufenthalt in Jerusalem
nach seiner Bekehrung besuchte Paulus Jerusalem nochmals, um
seine Arbeit von seinen Predigerkollegen bewerten zu lassen. Er
wollte sicher sein, daß sein Predigen in Ordnung war.
Dazu schrieb Paulus: „Danach, vierzehn Jahre später,
zog ich abermals hinauf nach Jerusalem ... besprach mich mit
ihnen über das Evangelium, das ich predige unter den
Heiden, besonders aber mit denen, die das Ansehen hatten, damit
ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre“
(Galater 2,1-2). Sind Sie immer noch willens, von den
Vorstehern in der Gemeinde, die Gott zu diesem Zweck eingesetzt
hat, belehrt zu werden (Epheser 4,11-12; Apostelgeschichte
20,28)?
Darüber hinaus zeichnet sich die „erste
Liebe“ durch die Bereitschaft aus, an kirchlichen
Aktivitäten teilzunehmen. In früheren Jahren
besuchten die Mitglieder der Kirche den Gottesdienst am Sabbat,
nahmen an Bibelstudien unter der Woche teil und machten auch
bei gesellschaftlichen Anlässen mit. Leider gibt es heute
einige, die lieber zu Hause bleiben. Freilich gibt es
gesundheitliche Gründe oder andere berechtigte
Situationen, die eine Teilnahme unmöglich machen. Es ist
aber traurig, wenn Menschen, die teilnehmen können, die
geistliche Isolation vorziehen.
Ein anderes Merkmal der „ersten Liebe“ ist
regelmäßiges Gebet und Bibelstudium. Als Gott uns
den Sinn für seine Wahrheit öffnete, sprachen wir oft
mit Gott im Gebet. Es schien, als wäre die Bibel lebendig
geworden. Wenn wir in einer gläubigen Familie aufgewachsen
waren, kann unsere Bekehrung ein tieferes Verständnis und
vermehrte Freude durch das Studium des Wortes Gottes bedeutet
haben. Ganz gleich, wie die Umstände in unserem Leben im
einzelnen ausgesehen haben, bereiteten uns Bibelstudium und
Gebet große Freude.
Am Anfang war unsere Beziehung zu Gott von einem einfachen
Glauben gekennzeichnet, der uns Kraft verlieh. Wir teilten Gott
unsere Probleme und Sorgen mit und erwarteten eine Antwort von
ihm. Ist dieser reine Glaube immer noch Teil unseres
Lebens?
Die Liebe zu den Geschwistern ist ein weiteres Merkmal der
neu Berufenen. In Johannes 13, Verse 34-35 sagte Jesus:
„Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch
untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr
einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, daß
ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander
habt.“
Am Anfang freuten wir uns über die Gemeinschaft mit
allen, und wir waren bereit, über die Fehler anderer
Menschen in der Kirche hinweg zu sehen. Je länger wir
jedoch Teil der Kirche sind, um so mehr Anlässe zum Zorn,
Nachtragen und Zynismus scheint es zu geben. Manche scheinen
diesbezüglich gerade heute schwer belastet zu sein.
Darunter sind einige, die keiner Organisation, keinem
Prediger und keinem Menschen vertrauen, der sie auf den Glauben
hin anzusprechen versucht. Leider schieben solche Menschen
menschliche Fehler auf Gott. Dabei übersehen sie,
daß alle Menschen fehlerhaft sind.
Der ehrbare, göttlich bemühte Mensch strebt nach
persönlicher Besserung. Wir alle müssen lernen zu
vergeben und uns vergeben zu lassen. Die Gemeinde ist deshalb
ein Zuhause für Menschen, die sich geistlich
verändern lassen und die Vollkommenheit als Gottes
perfekte Familie anstreben.
Noch eine weitere Eigenschaft von Menschen in ihrer
„ersten Liebe“ ist ihre Bereitschaft, anderen zu
dienen. Am Anfang freuten wir uns über Gelegenheiten zum
Dienen, und wir betrachteten es als Ehre, darum gebeten zu
werden. Ganz gleich, ob es um das Aushändigen von
Gesangbüchern, das Aufstellen bzw. Wegräumen von
Stühlen, das Zusammenstellen eines Blumenstraußes
oder ähnliches ging, wir freuten uns über unsere
Beteiligung. Wir lernten, daß Dienen wichtig ist –
für Gott und für unsere Mitmenschen.
Das Sendschreiben an die Gemeinde zu Ephesus betont
hauptsächlich das Festhalten an der ersten Liebe. Wenn wir
sie verloren haben, ermahnt uns Jesus, zu bereuen und sie
wiederzuerlangen. Christi Botschaft an die Epheser ist auch
ermutigend, denn es ist möglich, unsere erste Liebe
wiederzuerlangen. Christus erwartet nichts Unmögliches von
uns.
Um seine Worte in unserem Leben anzuwenden, sollen wir uns
selbst untersuchen, um festzustellen, ob wir immer noch die
gleiche Begeisterung beim Gebet, Bibelstudium, Dienen und der
Gemeinschaft mit anderen Gläubigen empfinden wie zur Zeit
unserer Berufung. Jesus sagt uns: „Wer überwindet,
dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im
Paradies Gottes ist“ (Offenbarung 2,7). Wir können
das tun, worin Adam und Eva versagten. Wir können vom Baum
des Lebens essen!
Die Sendschreiben Jesu Christi in Offenbarung 2 und 3
Die Sendschreiben in Offenbarung 2 und 3 an die sieben
Gemeinden enthalten eine Zusammenstellung interessanter
Beschreibungen für Jesus Christus. Jedes Sendschreiben
beginnt mit einer Erklärung über den Absender, und in
jedem Fall unterscheidet sich die Erklärung von den
anderen. Gemeinsamkeit haben sie alle in dem Bezug zu Jesus
Christus.
• In Offenbarung 2, Vers 1 in der Botschaft an Ephesus
beschreibt sich Jesus wie folgt: „Das sagt, der da
hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt
mitten unter den sieben goldenen Leuchtern.“ Damit
bezieht sich Jesus auf Offenbarung 1, Verse 10-20, wo Jesus,
der „Menschensohn“ (Vers 13), sich dem Johannes in
seinem verherrlichten Zustand offenbart.
• In Offenbarung 2, Vers 8 in der Botschaft an Smyrna
sagt Jesus: „Das sagt der Erste und der Letzte, der tot
war und ist lebendig geworden.“ Damit meinte er seinen
Tod und seine Auferstehung. Diese Ereignisse werden auch in
Offenbarung 1, Vers 18, in Epheser 1, Verse 19-20 bzw. Kapitel
4, Verse 8-10 und in Kolosser 1, Vers 18, 21-22 und Kapitel 2,
Vers 12 beschrieben.
• In Offenbarung 2, Vers 12 im Sendschreiben an
Pergamos erinnert uns Jesus, daß er „das scharfe,
zweischneidige Schwert“ hat. Mit diesen Worten wandte
sich Jesus in Kapitel 1, Vers 18 an Johannes. In Epheser 6,
Vers 17 und Hebräer 4, Verse 1-2 wird das Wort Gottes mit
einem Schwert verglichen. In Offenbarung 19, Vers 15 und 21
erfahren wir, wie Christus sein Schwert benutzen wird. Gottes
Wort wird die Grundlage des Gerichts und der Vernichtung
derjenigen sein, die Gottes Gesetz übertreten. In
Offenbarung 19, Vers 13 erfahren wir einen wichtigen Namen
für Jesus: das „Wort Gottes“.
• In Offenbarung 2, Vers 18 schreibt Jesus an Thyatira
als „der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen, und
seine Füße sind wie Golderz“. Diese
Beschreibung ähnelt seinen Worten in Offenbarung 1, Vers
14 und 15, wo hinzugefügt wird, daß er „der
Sohn Gottes“ ist. In Offenbarung 19, Vers 12 finden wir
eine ähnliche Beschreibung der Augen Jesu, und wir
erfahren in diesem Vers, daß Jesus einen Namen hat, den
außer ihm niemand kennt.
• In der Botschaft an Sardis in Offenbarung 3, Vers 1
ist Jesus derjenige, „der die sieben Geister Gottes hat
und die sieben Sterne“. Der Bezug ist zu Offenbarung 1,
Vers 20. Dort lesen wir, daß die sieben Sterne
„Engel der sieben Gemeinden“ sind. Damit werden wir
daran erinnert, daß Jesus das Haupt der Gemeinde ist
(Epheser 1,22; 5,23; Kolosser 1,18) und daß er den Engeln
vorsteht, die alle sieben Gemeinden repräsentieren.
• Gegenüber der Gemeinde zu Philadelphia
beschreibt sich Jesus in Offenbarung 3, Vers 7 wie folgt:
„Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den
Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt
zu, der zuschließt, und niemand tut auf.“ Damit
wird nicht nur Jesu absolute Kontrolle über den Verlauf
der Ereignisse, sondern auch seine Abstammung von David
dargestellt. In der Bibel wird Jesus mehrmals der „Sohn
Davids“ genannt (Matthäus 1,1; 9,27; 12,23; 15,22;
20,30; 21,9. 15; 22,42). In Offenbarung 5, Vers 5 wird er
„die Wurzel Davids“ und in Offenbarung 22, Vers 16
„das Geschlecht Davids“ genannt.
• In Offenbarung 3, Vers 14 in der Botschaft an
Laodizea lesen wir: „Das sagt, der Amen heißt, der
treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung
Gottes.“ Jesus führte den Willen seines Vaters treu
aus (Matthäus 26,39. 42; Johannes 5,30). Auch wir
müssen den Willen des Vaters tun, wenn wir in sein Reich
eingehen wollen (Matthäus 7,21). Jesus wird deshalb
„der Anfang der Schöpfung Gottes“ genannt,
weil er selbst der Schöpfer war und als erster von den
Toten zu geistlichem Leben auferstanden ist (Kolosser 1,
15. 18). Er ist „der Erstgeborene unter vielen
Brüdern“ (Römer 8,29), und seine Gemeinde ist
die „Gemeinde der Erstgeborenen“ (Hebräer
12,23).
– INTERN Januar 2002

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