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Freundschaft – ein wahrer LebensschatzJesus Christus nannte seine Jünger Freunde. Freundschaft ist ein wichtiger Aspekt der Beziehung, die Gott zu uns haben möchte.Von Kenneth A. LillyWenn Sie das Wort Freund lesen oder selbst benutzen, woran denken Sie? Denken Sie an jemanden, den Sie nur gelegentlich sprechen, oder empfinden Sie tiefere Gefühle bei dem Wort Freund? Das Wort Freund wird in der englischen Sprache oft benutzt, um einen Bekannten zu beschreiben, jemanden, mit dem man einige Minuten im Gespräch verbringt. Ein Freund ist jedoch mehr als ein Bekannter. Ein wahrer Freund ist einer der Schätze des Lebens. Ein wahrer Freund ist ein Segen, den wir oft für selbstverständlich hinnehmen. Das ist eine Gefahr, denn man kann einen Freund wegen Nachlässigkeit oder gedankenloser Handlungen verlieren! Der Wert einer Freundschaft kann nicht mit Geld aufgewogen werden. Sie mögen in der Erde graben und einen Schatz finden, aber eine Freundschaft beginnt langsam und dann muß man daran arbeiten, um die Freundschaft zu erhalten. Ein guter Freund ist ein größerer Schatz als Silber und Gold, denn eine gute, solide Freundschaft wird die Jahre überdauern, auch wenn der Kontakt nur gelegentlich stattfindet. Ich habe einen solchen Freund. 1963 zog eine Familie in das Haus gegenüber von uns. Eines Tages arbeitete ich an meinem Auto und wurde dabei von Minute zu Minute frustrierter, als ich eine hohe, dünne Stimme hinter mir hörte: „Nachbar, ich bin kein schlechter Mechaniker. Wenn Sie meine Hilfe wollen, helfe ich Ihnen, aber wenn nicht, dann werde ich mich um meine eigenen Sachen kümmern und mich nicht mehr bei Ihnen einmischen.“ Ich drehte mich um und stellte fest, daß die quietschende Stimme einem Mann gehörte, der 1,90 m groß und ca. zwei Zentner schwer war. Sein fragender Blick war ernst. Als ich antwortete: „Ich könnte schon etwas Hilfe gebrauchen“, erhellte sich sein Gesicht, und er fragte: „Was scheint das Problem zu sein?“ Mit Alfreds Hilfe und seinem Wissen war das Auto schnell repariert. An jenem Tag war Alfred auf der Suche nach einem Freund, und er wurde fündig. Es entstand eine Freundschaft, die nunmehr fast 40 Jahre angedauert hat. Ich bekomme jetzt nicht so oft die Gelegenheit, Alfred zu sehen, aber ich weiß, daß die Entfernung zu Alfred nur so weit wie ein Anruf ist, und dasselbe gilt für Alfred – er weiß, daß ich per Telefon immer zu erreichen bin. Alfreds Worte „Ich werde Ihnen helfen, wenn Sie es wünschen, aber wenn nicht, dann gehe ich“ sind etwas, das die Menschen sehr früh lernen sollten. Dieses Prinzip ist unerläßlich für eine andauernde Freundschaft. Wenn jemand um Hilfe bittet, dann helfen Sie, wenn Sie es können, aber drängen Sie niemandem unerwünschte Hilfe auf. Angesichts der geistigen Verfassung, in der ich mich befand, als Alfred erschien, hätte ich ihm leicht sagen können, er solle lieber verschwinden, und damit hätte ich eine gute, solide Freundschaft im Keim erstickt. Freilich ist das zu beachtende Prinzip, daß wir jemanden, der uns seine Hilfe anbietet oder der selbst um Hilfe bittet, nicht schroff abweisen sollten. Ist es notwendig, Freunde zu haben? Brauchen wir sie? Oder genügt es, Mitglied der Kirche Gottes und Teil seines Werkes zu sein? Die offensichtliche Antwort ist, daß wir Freunde doch brauchen. Früher oder später werden wir alle einen Freund oder Freunde brauchen. Es wird Zeiten geben, in denen wir jemanden brauchen werden, dem wir uns anvertrauen können, der sich mit uns hinsetzt und uns Mitgefühl und Trost in unserer Trauer entgegenbringt, der uns ermutigt, wenn wir niedergeschlagen sind, der unsere Erfolge mit uns feiert und der mit uns glücklich ist, wenn wir es sind – jemand, der an unserem Wohlergehen aufrichtig interessiert ist. Zu unseren Freunden können (hoffentlich ist das auch der Fall) andere Mitglieder der Kirche gehören; jedoch mögen Sie gute, treue Freunde außerhalb der Kirche Gottes finden. Wie finden wir diese Freunde, und wie schließen wir Freundschaft mit ihnen? Gibt es ein Geheimnis oder einen magischen Griff, den wir anwenden, oder eine besondere Art Erkenntnis, die notwendig ist, um Freunde zu haben? Nein, jeder hat die Fähigkeit und die Ressourcen, um Freunde zu gewinnen. Gottes Wort beinhaltet unsere erste Anweisung in dieser Hinsicht: „Es gibt Allernächste, die bringen ins Verderben, und es gibt Freunde, die hangen fester an als ein Bruder“ (Sprüche 18,24). Wenn wir anderen Menschen mit weniger als einer freundlichen Einstellung gegenübertreten, können wir womöglich eine gute Freundschaft im Keim ersticken. Wenn wir mit verzogener Miene und schroffer Stimme anderen Menschen begegnen, mögen wir sie abweisen, denn in unserer Nähe werden sie nicht lange genug bleiben, um unsere Freunde zu werden. Wenn Sie neue Leute kennenlernen, seien Sie immer freundlich und offen, und gehen Sie auf andere ein. Weniger zu tun könnte Sie eine Freundschaft kosten. Das erste, was wir bezüglich der Freundschaft verstehen sollten, ist, daß das Schließen und Verlieren von Freundschaften nicht zufällig geschieht. Eine Freundschaft aufrechtzuerhalten erfordert Aufmerksamkeit, Geduld und Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Freund und umgekehrt. Eine Freundschaft kann nicht von nur einer Person aufrechterhalten werden, sondern sie muß von beiden Parteien gewollt, kultiviert und vorsichtig genährt werden. Wenn die Freundschaft nicht von beiden Parteien genährt wird, wird sie verwelken und sterben wie ein Pflanze, die man in die Sonne stellt und nicht gießt. Wenn Sie auf der Suche nach Freunden sind, erwarten Sie nicht, daß jemand vollkommen ist, es sei denn, daß Sie es auch sind. Versuchen Sie niemals, eine andere Person zu verändern, damit sie Ihren Vorstellungen entspricht. Lassen Sie andere sich selbst sein, und im Laufe der Zeit werden sich beide Parteien der Persönlichkeit des andern anpassen, wenn die Freundschaft gedeiht. Die Veränderung kommt dann natürlicherweise von selbst, statt erzwungen zu sein. Im Geist der Freundschaft sollen Sie andere sich selbst sein lassen. Nehmen Sie Gelegenheiten wahr, Zeit mit einer Person zu verbringen, deren Freundschaft Sie sich wünschen. Hören Sie zu und teilen Sie sich mit, und drücken Sie ein aufrichtiges Interesse am anderen und seinen Unternehmungen aus. Gehen Sie auf Andeutungen einer sich anbahnenden Freundschaft in entsprechender Weise ein, was eine positive Beziehung schafft. Das Resultat mag ein Freund sein wie dieser: „Es gibt Freunde, die hangen fester an als ein Bruder“ (Sprüche 18,24). Oder: „Ein Freund liebt allezeit“ (Sprüche 17,17). Auf jeden Fall werden Sie wenigstens jemanden haben, der mehr als eine flüchtige Bekanntschaft ist. Wie verhält sich ein Freund? Am allerwichtigsten: Ein Freund versucht nicht, Sie von dem wahren Gott abzuwenden: „Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Laß uns hingehen und andern Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter, von den Göttern der Völker, die um euch her sind, sie seien dir nah oder fern, von einem Ende der Erde bis ans andere, so willige nicht ein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen“ (5. Mose 13,7-9). Auf der anderen Seite sollen Sie nicht versuchen, einen Freund zu bekehren, außer durch Ihre christliche Verhaltensweise und Gesinnung. Seien Sie jedoch immer offen für Fragen, indem Sie offene und ehrliche Antworten hinsichtlich Ihrer Religion und Ihres Glaubens geben. Der Apostel Petrus ermahnt uns diesbezüglich: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist“ (1. Petrus 3,15). Ein Freund kränkt nicht und ist auch nicht schnell gekränkt. Wenn ein Freund einen Fehler begeht, ist sein Freund zum Vergeben schnell bereit. Ein altes chinesisches Sprichwort besagt: „Ein guter Freund vergibt seinem Freund, wenn er sich zum Narren gemacht hat.“ Ein Freund beansprucht etwas weniger Anerkennung, als ihm zusteht, und nimmt etwas mehr Schuld auf sich, als er verdient hat, womit er eine Kluft kittet, bevor sie sich öffnen kann. Ein Freund wird einige Ihrer Schwächen übersehen und Ihnen bei der Überwindung der Schwächen helfen, über die er nicht hinwegsehen kann. Wenn wir an Fehler denken, ist es gut zu bedenken, daß die Fehler anderer – wie die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Fahrzeugs – uns immer mehr ins Auge stechen als die eigenen Fehler. Wie verhält sich ein Freund gegenüber einem Freund? In derselben Weise, wie er es von seinem Freund erwartet! In der Bergpredigt meinte Jesus dazu: „Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“ (Lukas 6,31). Was genau ist denn ein Freund? Eine gute Beschreibung eines Freundes ist die folgende: Einen Freund zu sehen, wenn Sie betrübt und niedergeschlagen sind, ist wie ein Sonnenstrahl an einem kalten, trüben und tristen Tag; mit einem Freund verbringt man nicht einen Abend, sondern man investiert einen Abend in einen Freund; ein Freund sieht Sie gerne, ist gerne mit Ihnen zusammen und redet gerne mit Ihnen. Ein Freund leidet mit, wenn Sie leiden, und freut sich mit Ihnen, wenn Sie erfolgreich sind, ermutigt Sie, wenn Sie versagen, und bleibt Ihr Freund, nachdem er Erfolg und Wohlstand für sich selbst erreicht hat. Er nutzt Sie nie aus, noch beleidigt er sie. Eine geringe Beleidigung durch einen Freund tut mehr weh als ein richtiger Schlag von einem Feind. Ein Freund ist unbezahlbar. Ihn kann man nicht kaufen; er muß aber verdient werden. Wenn Sie einen Freund nur wegen Ihres Reichtums haben, dann haben Sie keinen Freund, sondern Ihr Reichtum hat einen Freund. Ein Freund des Reichtums ist ein angemieteter Freund und verschwindet, wenn der Mietvertrag abläuft. In den Sprüchen lesen wir: „Der Arme ist verhaßt auch seinem Nächsten; aber die Reichen haben viele Freunde“ (Sprüche 14,20). Wenn Sie an eine Freundschaft denken, vergessen Sie nicht, daß Sie nie mehr aus der Freundschaft erhalten können als das, was Sie selbst in die Freundschaft investieren. Eine wahre Freundschaft zweier Leute bedeutet, daß sie viel von einander erwarten, es aber nie verlangen. Eine gute Freundschaft wird im Laufe der Jahre reifer und zu einem starken Band werden. Einige Freunde sind sich so nahe, daß sie selbst Schmerzen empfinden, wenn der andere verletzt wird, oder Schmerzen hat in derselben Weise wie einige Männer Schmerzen empfinden, wenn ihre Frauen die Geburtswehen empfinden. Alte Freundschaften sind die besten, weil sie der Prüfung der Zeit standgehalten haben. Neue Freundschaften sind aufregend, weil sie neue Interessen und Themen mit sich bringen und den Horizont der Beteiligten erweitern. Neue Freunde mögen bald zu alten Freunden werden. Zum Thema Freundschaft meinte der erste Präsident der USA, George Washington: „Freundschaft ist eine von langsamem Wachstum gekennzeichnete Pflanzenart. Sie muß sich widerlichen Anschlägen unterziehen und diesen widerstehen, bevor man sie mit der Anrede alter Freund versehen darf.“ Die Bibel berichtet von der größten Freundschaft: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde“ (Johannes 15,13). Mit diesen Worten setzte Christus einen Maßstab für Freundschaft, dann setzte er ihn in die Tat um, indem er sein Leben für seine Freunde ließ. Seine Bereitschaft, sich seinen Jüngern mitzuteilen, bezeichnete Jesus als Zeichen dieser Freundschaft: „Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan“ (Johannes 15,15; alle Hervorhebungen durch uns). Jesus Christus nannte seine Jünger seine Freunde, weil sie bereit waren, seinen Willen zu tun: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete“ (Johannes 15,14). Damit unterstreicht Jesus, daß Freundschaft für Gott mehr als nur Lippenbekenntnisse umfaßt, sie schließt auch Handeln mit ein. Abraham, der nach der Bibel der Vater der Gläubigen ist, wurde aus diesem Grund Gottes Freund genannt: „Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, daß der Glaube ohne Werke nutzlos ist? Ist nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerecht geworden, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte? Da siehst du, daß der Glaube zusammengewirkt hat mit seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden. So ist die Schrift erfüllt, die da spricht: Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden, und er wurde ein Freund Gottes genannt“ (Jakobus 2,20-23). Gute Freunde sind eine Bereicherung unseres Lebens. Unser himmlischer Vater und Jesus Christus sind die wichtigsten Freunde, die wir haben können. Folgen wir ihrem Beispiel der Freundschaft in Tat und Treue!
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