Die Botschaft an Smyrna:
Verfolgung und Trübsal ertragen!
Gott in Prüfungen treu zu bleiben ist auch heute
eine wichtige Eigenschaft.
Von David Treybig
Die Botschaft Jesu Christi an die Gemeinde zu Smyrna in der
Offenbarung ist die zweite dieser zeitlosen Ermahnungen an die
Mitglieder seiner Kirche. Der Hintergrund für diese
Botschaft ist die Stadt Smyrna des ersten Jahrhunderts
n. Chr., die in der elektronischen Ausgabe von New
Unger’s Bible Dictionary wie folgt beschrieben wird:
„Eine reiche und gedeihliche Stadt in Ionien, 60 km
nördlich von Ephesus an der Mündung des kleinen
Flusses Meles. In der Antike war sie eine der feinsten
Städte Asiens und wurde ,die Liebliche – die Krone
Ioniens – der Kleinod Asiens‘ genannt. Heute ist
sie die wichtigste Stadt im Südwesten der Türkei mit
einer Bevölkerungszahl von über anderthalb
Millionen.“
Ein anderes Nachschlagewerk fügt hinzu: „Smyrnas
hervorragender natürlicher Hafen machte die Stadt zu einem
wichtigen Handelszentrum. Trotz der intensiven Konkurrenz von
den nahegelegenen Städten Ephesus und Pergamon nannte sich
Smyrna ,die erste Stadt Asiens‘. Bereits 195 v. Chr.
wurde Smyrna wegen seiner Treue zu Rom mit der Errichtung eines
dem Kaiser Tiberius gewidmeten Tempels geehrt. So wurde die
Stadt zum Zentrum der kultischen Kaiseranbetung – eine
fanatische ,Religion‘, die später unter Kaisern wie
Nero (54-68 n. Chr.) und Domitian (81-96 n. Chr.) zur
strengen Verfolgung der frühen Kirche führte“
(Nelson’s Illustrated Bible Dictionary,
elektronische Ausgabe, Stichwort „Smyrna“).
Gerade das Merkmal – die Verehrung des Kaisers
–, mit dem die Stadt die Gunst der römischen
Führung erlangte, war wahrscheinlich der Auslöser der
Verfolgung der Gemeinde Gottes in Smyrna. Obwohl die Apostel
Respekt gegenüber menschlichen Regierungen und
Autoritäten lehrten (Römer 13,1-7; 1. Petrus
2,11-17), kann es sein, daß die Gläubigen zu Smyrna,
wie Paulus, beschuldigt wurden, den Frieden in ihrer Stadt mit
ihrem christlichen Glauben zu stören (Apostelgeschichte
17,6).
Angesichts dieser Situation sagte Christus der Gemeinde zu
Smyrna: „Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut
– du bist aber reich – und die Lästerung von
denen, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht,
sondern sind die Synagoge des Satans. Fürchte dich nicht
vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von
euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und
ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an
den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“
(Offenbarung 2,9-10).
Die Entschlossenheit, in Prüfungen und Verfolgungen
Gott treu zu bleiben, war für die Gläubigen zu Smyrna
sehr wichtig, und diese Lektion ist für Gottes Volk heute
nach wie vor wichtig. Wir dürfen die Ermahnung Jesu
Christi nicht ignorieren: „Wer Ohren hat, der höre,
was der Geist den Gemeinden sagt!“ (Vers 11). Daher ist
es für uns wichtig, einige der in der Botschaft an die
Gemeinde zu Smyrna enthaltenen biblischen Prinzipien zu
verstehen. Diese können uns helfen, mit den
Schwierigkeiten unserer Zeit besser fertig zu werden. Wir
untersuchen zunächst einen Teil der Geschichte und der
Ermahnungen des Neuen Testamentes zu diesem Thema.
Quelle der geistlichen Perspektive
In den Prüfungen und Problemen, die wir erleben, neigen
wir dazu, nur die menschliche Seite zu sehen. Die Bibel
hingegen offenbart eine verborgene Quelle geistlicher
Verfolgung – ein unsichtbares Geistwesen mit dem Namen
Satan, unser Widersacher (1. Petrus 5,8). Der Apostel
Paulus führt dazu aus: „Denn wir haben nicht mit
Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen
und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die
in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern
unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung
Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und
alles überwinden und das Feld behalten könnt“
(Epheser 6,12-13; alle Hervorhebungen durch uns).
In dem Gleichnis vom Sämann lehrte uns Jesus, daß
ein Teil der Samen auf gutes Land fiel und Frucht
hervorbrachte, während anderer Samen auf unfruchtbaren
Boden fiel, wo kein Wachstum möglich war (Matthäus
13,3-9. 18-23).
Als Jesus „den Bösen“ erwähnte, der
das gepredigte Wort hinwegreißt, meinte er damit Satan,
der das geistliche Verständnis der Menschen zu verhindern
bemüht ist. Jesus beschrieb auch andere Menschen, die
nicht sehr lange in der Wahrheit bleiben, weil sie wegen
Trübsal oder Verfolgung stolpern. Andere hingegen
überwinden die Verführung Satans und seine
Bemühungen, sie von der Wahrheit abzubringen. Trotz
Verfolgung halten sie an der Lehre Jesu Christi fest. Sehen wir
uns ein inspirierendes Beispiel dieser Standhaftigkeit an.
Das Beispiel des Stephanus
Kurz nach der Gründung der neutestamentlichen Kirche in
Apostelgeschichte 2 setzten die Apostel sieben Männer als
Diakone ein. Unter ihnen war auch Stephanus (Apostelgeschichte
6,1-6). Dieser Mann war „voll Gnade und Kraft, tat Wunder
und große Zeichen unter dem Volk“ (Vers 8).
Anscheinend war Satan sehr erbost, weil sich das Wort Gottes
ausbreitete (Vers 7). Satan scheint eine andere Synagoge
beeinflußt zu haben, eine tödliche Verfolgung gegen
Stephanus einzuleiten. Der Teufel freute sich wahrscheinlich
darauf, Stephanus’ Glauben zu zerstören und das
Wachstum der Kirche Gottes zum Stillstand zu bringen.
Einige „von der Synagoge der Libertiner und der
Kyrenäer und der Alexandriner“ erhoben falsche
Anklage gegen Stephanus (Verse 9-14). Fast sieben Jahrzehnte
später sagte Jesus den Christen in Smyrna: „Ich
kenne ... die Lästerung von denen, die sagen, sie seien
Juden, und sind’s nicht, sondern sind die Synagoge des
Satans“ (Offenbarung 2,9). Ironischerweise können
ausgerechnet die Menschen, die sich als göttlich bzw.
christlich ausgeben, als ein satanisches Werkzeug der
Verfolgung gebraucht werden.
Gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts erlebte
die Gemeinde zu Smyrna die gleiche Art Verfolgung, die
Stephanus widerfuhr. Sie wurde von Menschen verfolgt, die
fälschlicherweise behaupteten, Juden zu sein (so wurden
die ersten Christen bezeichnet, siehe Römer 2,28-29). Wir
fahren nun mit der Geschichte des Stephanus fort.
Trotz der gegen ihn erhobenen, lebensbedrohlichen
Beschuldigungen gab Stephanus nicht nach. Statt nach einem
lebensrettenden Kompromiß zu suchen, schien Stephanus in
seiner Entschlossenheit fester zu werden, Gott zu gehorchen und
ihm ein treuer Zeuge zu sein. Die Bibel beschreibt das
Erscheinungsbild des Stephanus bei dem Verhör
folgendermaßen: „Und alle, die im Rat saßen,
blickten auf ihn und sahen sein Angesicht wie eines
Engels“ (Apostelgeschichte 6,15). Es ist offensichtlich,
daß Gott Stephanus stärkte.
In seiner Verteidigungsrede behandelte Stephanus die
Geschichte Israels. Seine Rede gipfelte in einer kraftvollen
Verurteilung der Israeliten aufgrund ihrer Auflehnung gegen die
Gesetze Gottes (Apostelgeschichte 7,51-53).
Der Hohe Rat war sehr erbost, als Stephanus ausrief:
„Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn
zur Rechten Gottes stehen“ (Vers 55). Wie Stephanus es
beschrieben hatte, behandelten ihn die Obersten unter den Juden
genauso, wie ihre Väter mit den Propheten Gottes
umgegangen waren.
Gott gab ihm die Kraft, diese schwere Prüfung zu
ertragen, und in ähnlicher Weise verlieh er der Gemeinde
zu Smyrna „zehn Tage“ lang die Kraft, ihre
Trübsal zu ertragen. Mit den „zehn Tagen“ war
der Zeitraum gemeint, in dem die Gemeinde starke
Bedrängnis erleben sollte.
Der gleiche Trost und die Kraft, die Gott den Gläubigen
damals gab, steht heute allen Menschen zur Verfügung, die
Gott ruft und die seine Lebensweise gewissenhaft praktizieren.
In diesem Sinne schrieb der Apostel Paulus in 1. Korinther
10, Vers 13: „Bisher hat euch nur menschliche Versuchung
getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen
läßt über eure Kraft, sondern macht, daß
die Versuchung so ein Ende nimmt, daß ihr’s
ertragen könnt.“ Gott verspricht, uns in unserer
Trübsal zu helfen. Entweder nimmt er uns die Prüfung,
oder er gibt uns die geistliche Kraft, die wir brauchen, um sie
ertragen zu können.
Nach der Bekehrung kommen die Prüfungen
In dem Gleichnis vom Sämann erklärte Jesus,
daß es oft Verfolgung gibt, wenn sich Menschen Gott
zuwenden. Das bewahrheitete sich im Leben des Apostels Paulus.
In der Zeit vor seiner Bekehrung beteiligte sich Paulus an der
Verfolgung von Stephanus und der jungen Gemeinde
(Apostelgeschichte 7,58; 8,1. 3).
Als Paulus nach Damaskus unterwegs war, um seine
Christenverfolgung fortzusetzen, erschien Gott ihm in einer
Vision. Paulus wurde vorübergehend blind und aß und
trank drei Tage lang nichts. Als Hananias seine Hände auf
Paulus legte, konnte er wieder sehen. Er wurde getauft und
empfing den heiligen Geist (Apostelgeschichte 9,1-18). Mit
seiner Taufe änderte sich sein Leben schlagartig.
Paulus war nicht länger der Verfolger, sondern wurde
nun zum Verfolgten. Seine Verfolgung wurde durch sein Zeugnis
für Jesus Christus ausgelöst: „Saulus aber
gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die
in Damaskus wohnten, und bewies, daß Jesus der Christus
ist. Nach mehreren Tagen aber hielten die Juden Rat und
beschlossen, ihn zu töten“ (Verse 22-23).
Die Realität ist doch die, daß das Volk Gottes in
seiner ganzen Geschichte Prüfungen und Verfolgungen
ausgesetzt gewesen ist. Sie gehören zum Christsein. Paulus
erklärt dazu: „Alle aber auch, die
gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden
verfolgt werden“ (2. Timotheus 3,12; Elberfelder
Bibel). Es sind aber nicht nur Christen, die geprüft
werden. In Offenbarung 3, Vers 10 erfahren wir, daß es
eine „Stunde der Versuchung“ geben wird, die
„über den ganzen Weltkreis“ kommen wird,
„zu versuchen, die auf Erden wohnen“. Obwohl
Prüfungen unangenehm sind, dienen sie der Festigung
unseres Glaubens (1. Petrus 1,6-7). Gott sagt uns,
daß er uns in jeder Prüfung jederzeit beisteht
(Römer 8,35-39; 2. Korinther 1,4). Befassen wir uns
als nächstes mit einigen der Schwierigkeiten, die Gottes
Volk heute erlebt.
Der Einfluß der Familie
Vorausgesetzt, daß wir in den geistlichen Grundwerten
mit unserer Familie Übereinstimmung haben, kann sie eine
große Stütze für unsere christliche
Lebensführung sein. Wenn die Grundwerte unterschiedlich
und sogar gegensätzlich sind, können wir dem Druck
ausgesetzt sein, Kompromisse mit der Wahrheit Gottes zu
schließen. Jesus ging auf diese unangenehme Situation
ein, als er sagte:
„Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin,
Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen,
Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen,
den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit
ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer
Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen
Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich,
der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt
als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz
auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht
wert“ (Matthäus 10,34-38, siehe auch Micha
7,5-7).
Wenn wir uns zu Gott bekehren, erwartet er von uns,
daß wir ihm die höchste Priorität
einräumen und uns auch entsprechend verhalten. Wir sollen
diejenigen nicht angreifen, die uns verfolgen. In der
Bergpredigt sagte Jesus: „Ich aber sage euch: Liebt eure
Feinde und bittet für die, die euch verfolgen“
(Matthäus 5,44).
Wenn unsere leibliche Familie andere Werte hat, können
wir Trost darin finden, daß Gott uns eine geistliche
Ersatzfamilie schenken kann (Matthäus 12,47-50).
Der Reiz des Reichtums
Im Gleichnis vom Sämann sagte Jesus, daß der
„betrügerische Reichtum“ einige Hörer des
Wortes unfruchtbar bleiben ließ (Matthäus 13,22).
Der Reiz des Reichtums oder eines großen Gehalts kann
eine Versuchung sein, die zum Ungehorsam gegenüber Gott
führt. Der Apostel Paulus warnt uns davor:
„Denn die reich werden wollen, die fallen in
Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und
schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen
in Verderben und Verdammnis. Denn Geldgier ist eine Wurzel
alles Übels; danach hat einige gelüstet, und sie sind
vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.
Aber du, Gottesmensch, fliehe das! Jage aber nach der
Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe,
der Geduld, der Sanftmut!“ (1. Timotheus
6,9-11).
Diese Ermahnung bezüglich Geldgier kann uns über
unsere Arbeitsstelle nachdenken lassen. Die Gesellschaft heute
hat im allgemeinen keine Ahnung von Gottes Sabbat am siebten
Tag der Woche. Viele Arbeitgeber verlangen von ihren
Angestellten, an diesem Tag zu arbeiten, obwohl Gott das
Gegenteil gebietet (2. Mose 20,9-11).
Es kann schon vorkommen, daß man mit einem
höheren Gehalt bzw. einer Beförderung versucht wird,
wenn man am Sabbat arbeitet. Angesichts solcher Reize sind wir
gut beraten, an die Worte Christi zu denken: „Ihr sollt
euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten
und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten
noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und
stehlen“ (Matthäus 6,19-20).
Die Welt
Eine weitere mögliche Versuchung für Christen ist
die Gesellschaft, in der wir leben. Die Welt hat andere Werte
als Gott. Deshalb schrieb der Apostel Jakobus: „Ihr
Abtrünnigen, wißt ihr nicht, daß Freundschaft
mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein
will, der wird Gottes Feind sein“ (Jakobus 4,4). Die Welt
übt eine große Anziehungskraft aus. Das Resultat ist
tragisch, wenn man ihr nachgibt, statt Gott treu zu sein und
ihm zu gehorchen.
In diesem Sinne schrieb Paulus: „Zieht nicht am
fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die
Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? ... Was hat
der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? Wir aber sind der
Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott spricht: Ich will
unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie
sollen mein Volk sein. Darum geht aus von ihnen und sondert
euch ab, spricht der Herr; und rührt nichts Unreines an,
so will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt
meine Söhne und Töchter sein, spricht der
allmächtige Herr“ (2. Korinther 6,14-18).
In Vision erlebte der Apostel Johannes den Zeitpunkt, an dem
Jesus Christus auf diese Erde zurückkehrt und das Reich
Gottes errichtet. In dieser Endzeit ergeht die gleiche Warnung
an Gottes Volk: „Und ich hörte eine andre Stimme vom
Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß
ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von
ihren Plagen!“ (Offenbarung 18,4). Gottes Volk hat keine
andere Wahl: Es muß der Gesellschaft und ihrem
ungöttlichen Einfluß widerstehen.
Gottes Ermahnung an sein Volk muß vor dem Hintergrund
des in Kapitel 17 und 18 geschilderten göttlichen
Gerichtes über die „Mutter der Hurerei“ und
das „scharlachrote Tier“, das sie reitet
(Offenbarung 17,3. 5), gesehen werden. In
alttestamentlichen Prophezeiungen bedeutet Hurerei
Götzendienst bzw. Abgötterei (Jesaja 1,21; Hesekiel
16,15). Jesaja verspottet Babylon, indem er es
„Jungfrau“ nennt (Jesaja 47,1).
Das in Offenbarung 17 beschriebene Tier, das die Frau
reitet, existiert durch die Zeiten bis zum zweiten Kommen
Christi. Seine zehn Hörner sprießen ihm erst in den
letzten Tagen. Sie symbolisieren zehn Herrscher, die kurz vor
dem Ende der jetzigen Zivilisation, kurz vor dem Eingreifen des
Messias, politische Macht empfangen.
Die Apokalypse sagt uns, daß diese Hörner gegen
den wiederkehrenden Christus kämpfen werden. Johannes
schreibt dazu: „Und die zehn Hörner, die du gesehen
hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht
empfangen haben; aber wie Könige werden sie für eine
Stunde Macht empfangen zusammen mit dem Tier ... Die werden
gegen das Lamm kämpfen, und das Lamm wird sie
überwinden“ (Offenbarung 17,12-14).
Was bedeuten dann die „sieben Häupter“
(Offenbarung 17,3)? Johannes sagt es uns in Vers 9: „Die
sieben Häupter sind sieben Berge, auf denen die Frau
sitzt“ Die sieben Häupter entsprechen sieben
aufeinanderfolgenden Königen, die über mächtige
Reiche gebieten (Verse 9-10). Auf diesen „sitzt“
die Frau – sie lenkt und manipuliert sie. Das letzte
„Haupt“ – der letzte König, das letzte
Reich – ist noch nicht erschienen. „wenn er kommt,
muß er eine kleine Zeit bleiben“ (Vers 10).
Die zehn Hörner bzw. Könige verbünden sich zu
einem Imperium unter einem Superdiktator, dem letzten, siebten
Haupt des „Tieres“. Sie haben „ihr Reich noch
nicht empfangen“, werden aber „für eine Stunde
Macht empfangen zusammen mit dem Tier“ (Offenbarung
17,12). Das heißt, der siebte Kopf wird ebenfalls
„das Tier“ genannt, so wie das gesamte System wie
ein Tier ist.
Babylon verfolgt die Heiligen
In einer Prophezeiung über die Zeit unmittelbar vor der
Wiederkehr Jesu Christi beschreibt Daniel eine religiöse
Instanz, „die Heiligen des Höchsten vernichten
wird“ (Daniel 7,25). Damit ist niemand anderes gemeint
als die „Frau“ aus Offenbarung 17. Der
wiederkehrende Christus vernichtet die Macht der Frau zusammen
mit der des letzten „Horns“, der letzten
Wiedergeburt des betreffenden Imperiums (Daniel
7,23. 26-27).
Die „Frau“ ist also laut Bibel „die
große Stadt, die die Herrschaft hat über die
Könige auf Erden“ (Offenbarung 17,18). Die
Offenbarung nennt sie eine „Hure“, die Gewalt hat
über „Völker und Scharen und Nationen und
Sprachen“ (Offenbarung 17,15). Sie kann Zwang
ausüben. Die Hure ist die wirkliche Macht „hinter
dem Thron“. Die Gewalt selbst übt „das
Tier“ aus. Es stellt die politisch-militärische
Präsenz dar. Doch die Frau „sitzt auf“ dem
Tier. Sie lenkt sein Handeln, formt seine Weltanschauung und
Ideale. Somit versinnbildlicht sie eine falsche religiöse
Ideologie und philosophische Lehre.
Was der Apostel Johannes hier schildert, ist also eine
mächtige Organisation, die bestimmte religiöse,
soziale und politische Gesetze vertritt und durchsetzt. Sie ist
die treibende Kraft hinter der menschlichen Gesellschaft. Doch
es ist, wie die Offenbarung uns gezeigt hat, ein verderbtes
System. Aus diesem Grund kommt der Messias, um es zu
stürzen.
Johannes hört einen Engel rufen: „Sie ist
gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die Große, und ist
eine Behausung der Teufel geworden und ein Gefängnis aller
unreinen Geister“ (Offenbarung 18,2). Die Stadt namens
„Babylon“ steht symbolisch für das
gottfeindliche System, das die Menschheit seit langem geistlich
versklavt.
„Das große Babylon“ wird in Kapitel 18 als
Wirtschaftsmarkt von großer Ausdehnung und Macht
dargestellt. Er ist die Quelle von Reichtum, die Voraussetzung
zur Weltherrschaft. Die Offenbarung zeigt uns: Babylon ist
unermeßlich reich. Eindrucksvoll ist die Liste seiner
Ein- und Ausfuhrgüter (Offenbarung 18,11-15). Die
Händler von Babylon werfen Staub auf ihre Köpfe,
klagen und rufen: „Weh, weh, du große Stadt, von
deren Überfluß reich geworden sind alle, die Schiffe
auf dem Meer hatten“ (Offenbarung 18,19).
Das große Babylon hatte Welthandel und Weltwohlstand
gefördert, vielleicht die Welt auch in falscher Sicherheit
gewiegt. Doch Gott richtet nun dieses System und zerstört
es. „Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte,
daß er die große Hure verurteilt hat, die die Erde
mit ihrer Hurerei verdorben hat“ (Offenbarung 19,2). Aus
diesem Grund ermahnt Jesus alle Christen der Endzeit, aus
diesem teuflischen System herauszukommen, auch wenn wahre
Christen deshalb verfolgt werden.
Christi Ermutigung für uns
Vor seiner Kreuzigung teilte Jesus seinen Jüngern mit,
welche Prüfung ihnen bevorstünden. In Johannes 15,
Verse 18-20 lesen wir: „Wenn euch die Welt haßt, so
wißt, daß sie mich vor euch gehaßt hat.
Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre
lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch
aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt.
Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist
nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt,
so werden sie euch auch verfolgen“ Er beendete sein
Gespräch mit den Jüngern mit den Worten: „Das
habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In
der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt
überwunden“ (Johannes 16,33).
In seiner Botschaft an die Gemeinde zu Smyrna richtete Jesus
ähnliche Worte der Ermutigung an die dortigen Christen. Er
ermahnte sie – und auch uns heute –, daß
Christen sich in Verfolgungen und Prüfungen behaupten
müssen. Überwinden wir, so verspricht Jesus uns
„die Krone des Lebens“; es soll uns „kein
Leid geschehen von dem zweiten Tod“ (Offenbarung
2,10-11).
– INTERN Februar 2002

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