Das rote Seil: Erinnerung an das Passa
Was können Christen zum Passa
durch Rahabs Beispiel
des Glaubens lernen?
Von Graemme Marshall
Zum Frühlingsbeginn verließen zwei Männer
das Lager Israels, um eine gefährliche Aufgabe zu
erfüllen. Sie sollten in fremdes Gebiet eindringen und
Militäreinrichtungen ausspähen. Sie wurden fast
erwischt und entkamen nur, indem sie eine Stadtmauer
hinabseilten.
Ein „rotes Seil“, das die beiden Männer
zurückließen, dient als Symbol für Christen.
Die Farbe rot ist Teil der Symbolik beim Heilsprozeß und
hat zum Passa besondere Bedeutung für Christen.
Die Männer waren Spione, die Josua ausgesandt hatte, um
das Gelobte Land zu erkunden, besonders um Jericho (Josua 2,1).
Sie hatten anscheinend vor den Einheimischen keine Angst, und
vielleicht waren ihre Kleider und ihre Sprache nicht sehr
auffallend. Zum Übernachten kehrten sie in Rahabs
„Gasthaus“ ein.
Die Bibel berichtet jedoch, daß sie entdeckt wurden.
Der König wollte sie festsetzen und wies Rahab an, sie
auszuliefern. Es ist seltsam, daß der König keine
bewaffneten Soldaten zu Rahab sandte. Vielleicht ist das ein
Hinweis darauf, daß Rahab eine einflußreiche Person
der Stadt war.
Ein Zufallstreffen?
War die Begegnung zwischen den Spionen und Rahab nur ein
Zufall? Im Gespräch mit ihr erfuhren die Männer,
daß sie über Israel sehr gut informiert war. Sie
schien die Kosten zu überschlagen für den Fall,
daß sie ihre polytheistische Sichtweise aufgäbe.
Ihre Verwandten schienen der gleichen Meinung zu sein. Kann es
sein, daß Gott die Spione zu ihr führte, genauso wie
er den heidnischen Hauptmann Kornelius zu Petrus führte?
Wollte Gott sie zum Glauben Israels berufen? Die Erzählung
in Josua sagt es nicht genau, aber in zwei Stellen wird sie
für ihren Glauben gelobt: Hebräer 11,30-31 und
Jakobus 2,25.
In ihrem Glauben kümmert sich Rahab mehr um das Leben
der Spione als um die Wahrheit gegenüber dem König.
Durch ihre Täuschung eilten die Suchtrupps an die Furten
des Jordan-Flusses. Rahab versteckte die israelitischen Spione
unter Flachsstengeln, die auf ihrem Dach zum Trocknen ausgelegt
waren. In Josua 2, Verse 9-10 bekennt Rahab ihren neuen
Glauben: „Ich weiß, daß der HERR euch das
Land gegeben hat; denn ein Schrecken vor euch ist über uns
gefallen, und alle Bewohner des Landes sind vor euch feige
geworden. Denn wir haben gehört, wie der HERR das Wasser
im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus
Ägypten zogt, und was ihr den beiden Königen der
Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordans getan habt, wie
ihr an ihnen den Bann vollstreckt habt.“
Rahabs Worte sind erstaunlich. Der Sieg über die beiden
Könige war vor nicht allzu langer Zeit passiert, aber der
Auszug aus Ägypten lag um 40 Jahre zurück. Wie alt
war Rahab? Wie hatte sie davon erfahren? Daran erkennt man, wie
vertraut die Völker in und um Kanaan mit Israels Werdegang
waren.
Rahab glaubte, daß Gott bei den Israeliten war.
Bemerkenswert ist auch, daß ihre Familie ebenfalls diesen
Glauben zu haben schien und der Aufforderung der Spione folgte,
in dem Haus Rahabs zu bleiben. Rahab bekennt: „Der HERR,
euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden“
(Vers 11).
Das rote Seil
Wenden wir uns nun dem bemerkenswerten Sinnbild des roten
Seils zu. Als Gegenleistung für ihren Schutz durch Rahab
versprachen die beiden Späher, Rahab vor dem
israelitischen Angriff zu schonen. Dafür gab es zwei
Bedingungen. Sie und ihre Familienangehörigen mußten
beim Angriff im Haus bleiben, und Rahab sollte das Haus durch
ein rotes Seil am Fenster kennzeichnen.
Nachdem die beiden Bedingungen akzeptiert wurden, ließ
Rahab die Spione mittels des an ihrem Fenster befestigten Seil
die Mauer hinabklettern. Mit dem Seil im Fenster war das Haus
der Vorstoßtruppe der israelischen Kämpfer
erkenntlich (Verse 18-19).
Die beiden Spione berichteten Josua über alles, und
Josua akzeptierte die Zusicherung des Schutzes für Rahab
und ihre Familie. Beim Vorstoß der Israeliten auf Jericho
ließ Gott sie wissen, daß er die Stadtmauern zum
Einsturz bringen wollte (Josua 6). Vielleicht fragte sich
Josua, ob Gott damit die ganze Mauer meinte, oder nur einen
Teil der Mauer, um damit den angreifenden Israeliten Zugang zur
Stadt zu verschaffen. Mit Erstaunen stellten die Israeliten
fest, daß nur der Teil der Mauer stehengeblieben war, wo
das rote Seil an Rahabs Fenster befestigt war. Die Lektion des
Glaubens und des Vertrauens galt nicht nur Rahab und ihrer
Familie, sondern auch Josua und den Israeliten.
Das Blut des Lammes
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem roten Seil Rahabs
und dem Passa? „Rotes“ Blut von den geschlachteten
Passalämmern wurde an die Türpfosten der Häuser
der Israeliten in Ägypten gestrichen, um sie vor dem
Todesengel zu schützen (2. Mose 12,13).
So wie das Blut an den Türpfosten an jenem Passa die
Rettung der Israeliten ermöglichte, so rettete das rote
Seil Rahab und ihre Familie vor der Vernichtung. Wie das Blut
des Lammes in Ägypten, sonderte das rote Seil Rahabs
Familie zur Errettung am Tag des Verderbens aus. Dadurch lebte
sie ihren Glauben, und Gott sah über die vergangenen Jahre
der Sünde in ihrem Leben hinweg (Apostelgeschichte
17,30-31). Später wurde sie zur Vorfahrin Davids und Jesu
Christi (Matthäus 1,1. 5-6).
Das Blut beim ersten Passa, welches die Rettung der
erstgeborenen Israeliten ermöglichte, läßt sich
mit dem roten Seil Rahabs vergleichen, das den israelitischen
Spähern das Leben rettete. Im übertragenen Sinn
ermöglicht das vergossene Blut Jesu Christi die Errettung
der ganzen Menschheit vor der Strafe ihrer Sünden.
In dieser Symbolik bedeutet die Einnahme des Weins jedes
Jahr beim Passa die Erneuerung der Errettung für alle, die
im Glauben am Passa teilnehmen. Damit feiern Christen ihre
Befreiung von der Knechtschaft der Sünde. Trotz unserer
menschlichen Schwächen sieht Gott uns als gereinigt
– als ungesäuert (1. Korinther 5,7).
Mit dieser Zuversicht bleiben wir auf dem Weg in Richtung
unseres Gelobten Landes, des Reiches Gottes.
– INTERN März 2003

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