Wie zählt man Pfingsten in diesem Jahr?

Muß man an einem der Tage der ungesäuerten Brote mit dem Zählen beginnen?

Von Jim Franks

Wie soll man die 50 Tage bis zum Pfingstfest zählen? Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Termin für Pfingsten hat es schon lange gegeben. Der jüdische Historiker des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, Josephus, beschrieb eine diesbezügliche Kontroverse zwischen den Pharisäern und Sadduzäern.

In diesem Jahr gibt es eine zusätzliche Frage in bezug auf den Pfingsttermin. Einige behaupten, daß die Vereinte Kirche Gottes, weil sie mit dem Zählen der 50 Tage bis Pfingsten am falschen Tag beginnt, das Pfingstfest eine Woche zu früh halten wird.

Das diesjährige Passah fällt auf den 23. April. Es wird am Abend vorher (Freitagabend, nach Sonnenuntergang) gehalten. Der erste Tag der ungesäuerten Brote wird am Sonntag gehalten, dem 24. April. Pfingsten wird 50 Tage später am Sonntag, dem 12. Juni gehalten.

Den 12. Juni als Termin für Pfingsten erhält man nur, wenn man mit dem ersten Sonntag nach dem Passah, der auch der erste Tag der ungesäuerten Brote ist, zu zählen beginnt. Einige meinen jedoch, daß wir unsere Zählung der 50 Tage bis Pfingsten erst mit dem nachfolgenden Sonntag beginnen sollten. Damit würde aber das Schwingopfer (3. Mose 23,11) nicht mehr während der Tage der ungesäuerten Brote geopfert, und der Termin für Pfingsten wäre nicht der 12. Juni, sondern der 19. Juni. Welche Zählweise ist nun richtig?

Ausgangspunkt für die Beantwortung der Frage ist ein wichtiges Prinzip in bezug auf die levitischen Ritualopfer in Verbindung mit dem Sabbat und den Jahresfesten. Die Bibel und die geschichtliche Überlieferung zeigen uns, daß es, sollte der Termin für das Passah ein Sabbat sein, kein Verbot gegen das vorgeschriebene Ritualopfer für das Passah gab. Im Alten Bund gab es an jedem Sabbat Tieropfer. Es gab auch besondere Opfer an einem jeden der jährlichen Festtage. Darüber hinaus ließen die Juden ihre Söhne am achten Tag beschneiden, auch wenn dieser achte Tag ein Sabbat oder hoher Festtag war. Vor dem Hintergrund dieser Fakten gab es kein biblisches Verbot gegen das Darbringen des Schwingopfers an einem jährlichen Festtag.

In solchen Jahren, in denen der Termin für das Passah ein wöchentlicher Sabbat ist und das Fest der Ungesäuerten Brote am Sonntag beginnt, entfernen die Gläubigen Gesäuertes aus ihren Wohnungen bereits vor Sonnenuntergang zu Beginn des 14. Nisan (am Freitagabend). Daher gibt es in diesen Jahren acht Tage ohne gesäuertes Brot, statt die üblichen sieben Tage. Mit der Zählung der 50 Tage bis Pfingsten beginnen wir am ersten Festtag (an einem Sonntag). Wir glauben, daß dies der richtige Tag ist.

Nach geschichtlicher Überlieferung war für die Pharisäer der 16. Nisan der richtige Tag, um mit der Zählung zu beginnen, und zwar ganz gleich, an welchem Wochentag sie das Passah hielten. Heute folgt die jüdische Gemeinde der pharisäischen Zählweise. Folglich ist ihr Termin für Pfingsten immer am 6. Siwan. Dagegen argumentierten die Sadduzäer, daß mit dem „Tage nach dem Sabbat“ (3. Mose 23,11) als Termin für das Schwingopfer der Sonntag während der Tage der ungesäuerten Brote gemeint war.

Demnach wäre der Wochentag für das Pfingstfest immer ein Sonntag, aber mit wechselndem Kalenderdatum. Einige glauben, daß in solchen Jahren, in denen der Termin für den ersten Tag der ungesäuerten Brote ein Sonntag war, die Sadduzäer den Anfang der Zählung eine ganze Woche auf den ersten Sonntag nach den Tagen der ungesäuerten Brote verschoben.

Andere meinen, daß die Sadduzäer immer den Sonntag während des Festes als Ausgangspunkt benutzten, auch wenn dieser Sonntag der erste Tag des Festes war. Letztere Sichtweise ist in diversen Kommentaren belegt: „Die Sadduzäer feierten es [Pfingsten] am 50. Tag (inklusive Zählweise) nach dem ersten Sonntag nach dem Passah (wobei sie den ,Sabbat‘ in 3. Mose 23,15 als wöchentlichen Sabbat verstanden); ihre Zählweise bestimmte die öffentlichen Feiern, solange der Tempel stand“ (New Bible Dictionary, Stichwort „Pentecost“). „Die Sadduzäer brachten das Schwingopfer am Sonntag in der Passahwoche dar ... Obwohl [das Buch der] Jubeljahre festhielt, daß das Schwingopfer am ersten Sonntag nach der Passahwoche dargebracht wurde, feierten es die Sadduzäer am Sonntag in der Passahwoche“ (J. B. Segal, The Hebrew Passover, 1963, Seite 248).

Diese Vorgehensweise bedingt, daß das Schwingopfer immer an einem Sonntag und immer während der Tage der ungesäuerten Brote geopfert wird. Folglich wird das Schwingopfer am ersten Tag der ungesäuerten Brote dargebracht, sofern dieser Tag ein Sonntag ist. Wir glauben, daß dies die richtige Zählweise der 50 Tage bis Pfingsten ist.

Josua 5 und das Schwingopfer

3. Mose 23, Vers 14 verbot den Verzehr der Frühlingsernte in Israel, bis das Schwingopfer dargebracht wurde: „Und ihr sollt von der neuen Ernte kein Brot noch geröstete oder frische Körner essen, bis zu dem Tag, da ihr eurem Gott seine Gabe bringt. Das soll eine ewige Ordnung sein bei euren Nachkommen, überall, wo ihr wohnt.“

In Josua 5, Verse 11-12 lesen wir, daß die Israeliten nach ihrem Einzug ins Land Kanaan am Tag nach dem Passah von der Frühlingsernte aßen. Sie „aßen vom Getreide des Landes am Tag nach dem Passah, nämlich ungesäuertes Brot und geröstete Körner. An eben diesem Tage hörte das Manna auf, weil sie jetzt vom Getreide des Landes aßen, so daß Israel vom nächsten Tag an kein Manna mehr hatte. Sie aßen schon von der Ernte des Landes Kanaan in diesem Jahr.“

Es gibt keine Beweise gegen die logische Annahme, daß die Israeliten am Tag nach dem Passah bereits von der neuen Ernte aßen. Diese Sichtweise läßt den Schluß zu, daß der Termin für das Passah im Jahr des Einzugs ins Gelobte Land auf einen wöchentlichen Sabbat fiel und daß das Schwingopfer und der erste Tag der Zählung für die 50 Tage bis Pfingsten am gleichen Tag waren – am Sonntag, dem ersten Tag der ungesäuerten Brote.

Der Wortlaut von 3. Mose 23, Vers 14 und Josua 5, Vers 11 ist auch bedeutsam. In diesen beiden Versen der Bibel ist der Wortlaut in ein paar kritischen Punkten identisch. Nach 3. Mose 23, Vers 14 sollten die Israeliten „kein Brot noch geröstete ... Körner“ essen. In Josua 5, Vers 11 heißt es, daß sie „ungesäuertes Brot und geröstete Körner“ aßen. Beide Aussagen scheinen ein klarer Bezug zu einem wichtigen Ereignis zu sein. In dem einen Fall wird uns gesagt, daß Israel weder Brot noch geröstete Körner essen durfte, bis das Schwingopfer dargebracht wurde. In dem anderen Fall wird uns gesagt, daß Israel am Tag nach dem Passah Brot und geröstete Körner gegessen hat. Der Mannaregen hörte an diesem Tag auf, so daß Israel von der neuen Ernte essen mußte!

Nach der Interpretation der Pharisäer fand das Essen von Getreide in Josua 5, Verse 11-12 am 16. Abib statt (am Tag nach dem ersten Festtag). Um zu diesem Schluß zu gelangen, interpretierten sie das Wort Passah in Vers 11 als Hinweis auf den ersten Festtag. Ohne diese Interpretation fehlt ein Tag zwischen dem Passah am 14. und dem Essen der Ernte des Landes am 16. Tag des Monats (nach ihrer Interpretation). Es gibt Überlieferungen, wonach die Pharisäer in dem 15. des Monats sowohl das Passah, das am Abend gehalten wurde, als auch den ersten Tag der ungesäuerten Brote sahen. So konnten sie folgern, daß der Tag nach dem Passah der 16. des Monats sei.

Die Bibel stellt jedoch klar fest, daß die Israeliten von der Ernte des Landes erst am Tag nach dem Passah aßen, der nach 3. Mose 23, Verse 5-6 nicht der 16., sondern der 15. Tag des ersten Monats war. In Josua 5, Vers 10 lesen wir: „Und als die Israeliten in Gilgal das Lager aufgeschlagen hatten, hielten sie Passah am vierzehnten Tage des Monats am Abend im Jordantal von Jericho.“ Der Termin, den die Bibel für das Passah vorschreibt, ist der 14. Tag des ersten Monats: „Am vierzehnten Tage des ersten Monats gegen Abend ist des Herrn Passah“ (3. Mose 23,5).

In den Versen 11 und 12 von Josua 5 geht es um den nachfolgenden Tag, der nur der erste Tag der ungesäuerten Brote sein kann, der 15. Tag des ersten Monats: „Und am fünfzehnten desselben Monats ist das Fest der ungesäuerten Brote für den Herrn; da sollt ihr sieben Tage ungesäuertes Brot essen“ (3. Mose 23,6).

Ein Vergleich dieser Bibelstellen ergibt diese Kette von Ereignissen:

Das Passah wird am 14. Abib in Gilgal gehalten: Da die Israeliten „vom Getreide des Landes am Tag nach dem Passah“ aßen, war der Tag des Passahs ein Sabbat. 3. Mose 23, Vers 14 verlangt, daß kein Getreide des Landes bis nach dem Darbringen des Schwingopfers gegessen wird. Da das Schwingopfer „am Tage nach dem Sabbat“ darzubringen war, ziehen wir aus Josua 5 den Schluß, daß der Termin für das Passah der wöchentliche Sabbat war.

Der Tag nach dem Passah war der 15. Tag des ersten Monats, ein Sonntag, der auch ein Jahressabbat war. Das Schwingopfer wird an einem Sonntag dargebracht. In Josua 5 müssen diese zwei Ereignisse am selben Tag stattgefunden haben: das Essen vom Getreide des Landes und das Darbringen des Schwingopfers. Daher ist der 15. Tag des Monats in Josua 5 sowohl der erste Tag der ungesäuerten Brote als auch der Sonntag des Schwingopfers. Damit haben wir, wenn das Passah auf den Sabbat fällt, den biblischen Präzedenzfall für den Beginn des Zählens der 50 Tage bis Pfingsten am ersten Tag statt erst nach den Tagen der ungesäuerten Brote.

Beweise im Neuen Testament

Im Neuen Testament finden wir keine Details über das Zählen von Pfingsten. In Lukas 6, Vers 1 finden wir den unklaren und kontroversen griechischen Begriff deuteroprotos. In einer Fußnote zu diesem Vers in der Elberfelder Bibel lesen wir: „Viele Handschriften haben hier: am zweitersten Sabbat (d. i. wahrscheinlich der auf den Sabbat der Passahwoche folgende Sabbat).“ An diesem Tag ging Jesus mit seinen Jüngern durch ein Kornfeld, „und seine Jünger rauften Ähren aus und zerrieben sie mit den Händen und aßen“.

Das Wort deuteroprotos kommt in der Bibel nur in diesem einen Vers vor. Einige Gelehrte meinen, daß wir damit einen Hinweis auf das Zählen von Sabbaten zwischen dem Passah und Pfingsten haben. Aufgrund unserer Unkenntnis der genauen Bedeutung dieses Wortes können wir jedoch keine definitiven Schlüsse ziehen.

Wir wissen aber, daß Jesus am Sonntag während der Tage der ungesäuerten Brote zu seinem Vater aufgefahren ist. Als Maria dem auferstandenen Christus am Sonntag während der Tage der ungesäuerten Brote begegnete, sagte Jesus: „Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Johannes 20,17). Im späteren Verlauf desselben Tages faßten sie ihn an den Füßen und beteten ihn an: „Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfaßten seine Füße und fielen vor ihm nieder“ (Matthäus 28,9).

Das alles fand am Sonntag während der Tage der ungesäuerten Brote statt. Jesu fuhr an einem Sonntag zu seinem himmlischen Vater auf und erfüllte damit das Schwingopfer. Daran erkennen wir, daß der Standpunkt der Pharisäer, wonach das Schwingopfer immer am Tag nach dem jährlichen Sabbat geopfert werden sollte, unrichtig war. Im Jahr der Kreuzigung Jesu fiel der erste Tag der ungesäuerten Brote auf einen Donnerstag. Nach der Interpretation der Pharisäer wäre das Schwingopfer am nächsten Tag, Freitag, dargebracht worden.

Zusammenfassung

Bei einer Berücksichtigung aller Bibelstellen finden wir keine Beweise für die Sichtweise, daß wir erst nach dem Fest der Ungesäuerten Brote mit dem Zählen der 50 Tage bis Pfingsten beginnen dürfen. Wir stimmen mit den Sadduzäern darin überein, daß mit dem Wort „Sabbat“ in 3. Mose 23, Vers 11 der wöchentliche und nicht der jährliche Sabbat gemeint ist. Wir stimmen auch darin überein, daß das Zählen immer an einem Sonntag beginnen und daß der Termin für diesen Sonntag immer während der Tage der ungesäuerten Brote sein soll.

Darüber hinaus lehnen wir die pharisäische und damit auch die heutige jüdische Tradition ab, wonach das Schwingopfer immer am 16. Tag des ersten Monats dargebracht wurde. Daraus ziehen wir den Schluß, daß in solchen Jahren, in denen das Passah auf den Sabbat fällt, das Zählen von Pfingsten am ersten Tag der ungesäuerten Brote beginnen soll. Dieser Tag ist der einzige Sonntag während der Tage der ungesäuerten Brote, und es gibt keinen biblischen Grund für die Annahme, daß in diesem Fall das Zählen erst eine Woche später, an einem Sonntag nach den Tagen der ungesäuerten Brote, beginnen soll. Als Erfüllung des Schwingopfers fuhr Jesus am Sonntag während der ungesäuerten Brote zu seinem himmlischen Vater auf. Damit wurde die geistliche Ernte der Erstlinge eingeleitet.

Der Termin für Pfingsten 2005 ist Sonntag, der 12. Juni, der 50. Tag nach dem „Tag nach dem Sabbat“, der in diesem Jahr der erste Tag der ungesäuerten Brote ist, Sonntag der 24. April.

– INTERN Februar 2005 PDF-Datei dieser Ausgabe

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