Grundlagen der biblischen Prophetie

Für viele Christen sind die Prophezeiungen der Bibel ein Rätsel, für das sie keine Lösung haben. Wie kann man diesen wichtigen Aspekt der Bibel verstehen?

Von Roger Foster

Wollen Sie die Prophezeiungen der Bibel besser verstehen? Mit Hilfe einiger Grundlagen der biblischen Prophetie können Sie das Rätsel der Prophetie lösen. Diese Grundlagen ermöglichen uns ein Verständnis, sodass die diversen Nuancen der Prophetie nicht aussehen wie lose, unzusammenhängende Teile eines unlösbaren Puzzlespiels.

Mehr als die Hälfte der heutigen Konfessionschristen hat bei ihrem Versuch, die biblische Prophetie zu verstehen, eine schwere Ausgangslange. Nach Umfragen glaubt eine Mehrheit dieser Menschen nicht an die verheißene Wiederkehr Jesu Christi. Eine wichtige Grundlage der biblischen Prophetie ist jedoch die Vorhersage, dass Jesus wiederkehren wird. Die Prophezeiungen der Bibel erläutern die Notwendigkeit seiner Wiederkehr als Kernstück von Gottes Plan für die Menschen.

Die Apostel bezogen sich oft auf von Jesus bereits erfüllte Prophezeiungen, um zu beweisen, dass er der verheißene Messias ist. Von vielen wird jedoch übersehen, dass diese Apostel auch über Jesu zweites Kommen sprachen. Daher hat der erste wichtige Schlüssel zum Verständnis der biblischen Prophezeiung mit der Erkenntnis zu tun, dass sich fast alle Prophezeiungen auf das Eingreifen Jesu – des Messias – in das Weltgeschehen beziehen. (Die Wörter Messias und Christus entstammen der hebräischen bzw. griechischen Sprache. Beide Wörter bedeuten „der Gesalbte“.)

Obwohl er nicht in jeder Prophezeiung unmittelbar erwähnt wird, ist der Messias doch der gemeinsame Nenner aller Prophezeiungen. Tatsächlich wurden viele Prophezeiungen deshalb gegeben, um den Auftrag des Messias zu offenbaren.

Nach seiner Auferstehung erklärte Jesus diese Tatsache gegenüber seinen Jüngern: „Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden“ (Lukas 24,44-45; alle Hervorhebungen durch uns).

Ohne das Wissen um die Rolle Jesu Christi in diesen Prophezeiungen konnten seine Jünger sie nicht richtig verstehen. Die meisten noch nicht erfüllten Prophezeiungen weisen mittelbar oder unmittelbar auf das Wirken von Jesus dem Messias hin.

Dualität in der Bibel

Jesu verheißene Erscheinung auf der Erde weist auf eine wichtige Grundlage der biblischen Prophetie hin: Manche Prophezeiungen der Bibel erfahren mehr als eine Erfüllung. Wir nennen dieses Prinzip „Dualität“. Ein Beispiel dafür ist das erste Kommen Christi als Sühneopfer für unsere Sünden und sein zweites Kommen als herrschender König der Könige.

Themen dieser Art mit einem Doppelbezug kommen in der Heiligen Schrift oft vor. Zum Beispiel beschrieb der Apostel Paulus die Dualität Adams: „Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einem lebendigen Wesen, und der letzte Adam [Jesus Christus] zum Geist, der lebendig macht“ (1. Korinther 15,45).

In einem weiteren Beispiel der Dualität stellte Paulus fest, die physische Beschneidung sei ein Zeichen des göttlichen Bundes mit den Nachkommen Abrahams, während Gott die geistliche Beschneidung als ein bekehrtes Herz definiert, der Schlüssel zur Beziehung des Christen mit Gott (Römer 2,27-28). Paulus beschrieb die geistlich Beschnittenen – die Gemeinde statt einer physischen Nation – als „das Israel Gottes“ (Galater 6,16).

Auch Jesus erwähnte den Aspekt der Dualität bei bestimmten Prophezeiungen. Ein Beispiel einer Prophezeiung mit einer dualen Anwendung ist Jesu „Ölbergprophezeiung“ (Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21). Sie wird so genannt, weil Jesus diese prophetischen Worte während eines Aufenthalts auf dem Ölberg mit Blick auf Jerusalem sprach. Viele der in dieser Prophezeiung beschriebenen Umstände erfüllten sich in der Zeit unmittelbar vor der römischen Belagerung und der anschließenden Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. Jesus macht aber deutlich, dass es kurz vor seiner Rückkehr ähnliche Umstände geben wird.

In dieser Prophezeiung erwähnte Jesus ein „Gräuelbild der Verwüstung“ (Matthäus 24,15), das auch der alttestamentliche Prophet Daniel voraussagte. Daniels Prophezeiung wurde 167 v. Chr. durch Antiochus Epiphanes erfüllt, doch sagte Jesus ein ähnliches Ereignis für die Zukunft voraus.

Das Prinzip der prophetischen Dualität lehrt uns die Notwendigkeit, Prophezeiungen genau zu untersuchen, um zu sehen, ob sie nach einer „ersten“ Erfüllung nur zum Teil wahr wurden. Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, keine Dualität in Prophezeiungen hineinzulesen, die eine Auslegung dieser Art nicht rechtfertigen. Bei unserem Bemühen, biblische Prophezeiungen zu verstehen, müssen wir also große Sorgfalt walten lassen, wenn es um die Beantwortung der Frage geht, ob die Dualität bei einer Prophezeiung eine Rolle spielt.

Das Reich Gottes

Als Jesus auf Erden predigte, stand das Reich Gottes im Mittelpunkt seiner prophetischen Botschaft: „Und es begab sich danach, dass er durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes“ (Lukas 8,1).

Auch nach seiner Auferstehung von den Toten redete Jesus mit seinen Jüngern vom Reich Gottes: „Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes“ (Apostelgeschichte 1,3).

Das Reich Gottes als Mittelpunkt der Botschaft Christi ist ein Hauptmotiv der Prophezeiung. Viele biblische Prophezeiungen beschreiben die noch in der Zukunft liegende Errichtung eines buchstäblichen Reiches Gottes auf Erden, in dem Gott seine Herrschaft über die Menschen etablieren wird. Dazu der Prophet Daniel: „Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich . . . wird ewig bleiben“ (Daniel 2,44).

In einer Vision sah Daniel, wie Jesus die Macht über diese zukünftige Weltregierung erhält: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende“ (Daniel 7,13-14).

Der Apostel Johannes hielt fest, dass, wenn die letzte der sieben prophetischen Posaunen erschallt, eine triumphale Nachricht verkündet wird: „Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Offenbarung 11,15). Jesus wies jeden Christen an, für das Kommen dieses Reiches zu beten: „Dein Reich komme“ (Lukas 11,2).

Die Rückkehr Jesu Christi zur Erde, um das Reich Gottes aufzurichten, bedeutet das Ende aller von Menschen geführten Regierungen und den Anfang eines Prozesses, an dessen Ende die Lösung der vielen heutigen lebensbedrohlichen Probleme stehen wird. Diese begeisternde Botschaft der Hoffnung ist ein Hauptmotiv in den Schriften der biblischen Propheten.

Die Versöhnung der Menschen mit Gott

Die Prophezeiungen der Bibel dienen auch dem Zweck, alle Menschen zur Reue aufzurufen und ihnen die Vergebung durch Jesu Christi Leiden und Tod zugänglich zu machen. Dazu sagte Jesus selbst: „So steht’s geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem, und seid dafür Zeugen“ (Lukas 24,46-48).

Durch den Propheten Jesaja offenbart Gott, warum sich der Mensch nicht selbst Gott nähert: „Weil dies Volk mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist“ (Jesaja 29,13). Gott beschreibt das Herz seines Volkes als „steinernes Herz“, eine unbeugsame Geisteshaltung gegenüber Gott und seiner Unterweisung. Diese „Hartherzigkeit“ verleitet den Menschen zu einem Leben der Selbstsucht, des Neides und des Hasses. Diese Art Geisteshaltung führt die Menschheit immer näher an den Rand der Selbstzerstörung.

Die Prophezeiungen der Bibel zeigen hingegen, wie Gott das Problem der menschlichen Natur lösen wird: „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun“ (Hesekiel 36,26-27).

Die biblische Prophetie erläutert das Vorhaben Gottes, diesen Sinneswandel zu erreichen, den die Bibel die Reue und die Erneuerung des Sinnes nennt. Dieser Weg wird allen Menschen als Lösung für das grundlegende Problem der menschlichen Natur angeboten. In der bisherigen Menschheitsgeschichte waren es verhältnismäßig wenige Menschen, die bereuten und ihre Herzen durch die Kraft des heiligen Geistes verändern ließen. Der restlichen Menschheit steht die Gelegenheit zur Reue und zum Sinneswandel, der die Reue begleitet, erst bevor.

In den Jahrhunderten seit der Niederschrift der Prophezeiung über das neue Herz und den neuen Sinn, den Gott den Menschen geben will, ist die menschliche Natur grundsätzlich unverändert geblieben (Römer 8,7). Die für die Zeit vor der Rückkehr Christi prophezeiten Ereignisse müssen vor dem Hintergrund dieser Tatsache gesehen werden.

Die Bibel vergleicht Gottes Beziehung mit der Menschheit mit dem Verhältnis eines Vaters zu seinen Kindern. Kinder gehorchen ihrem Vater nicht immer. Gelegentlich haben Kinder eine rebellische Einstellung gegenüber ihren Eltern und treffen Entscheidungen, mit denen sie sie enttäuschen oder gar verärgern. Trotzdem lieben Eltern ihre Kinder. Dieser Vergleich kann uns helfen, die Perspektive einer Vater-Kind-Beziehung in den Prophezeiungen der Bibel zu berücksichtigen.

Die Bestimmung des Menschen

Bei der Erschaffung des Menschen übertrug Gott Adam die Herrschaft über die irdische Schöpfung: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht“ (1. Mose 1,27-28).

Es mag erstaunlich anmuten, aber es ist der Wille Gottes, seine gesamte Schöpfung der Herrschaft seiner Geschöpfe zu unterstellen. Gott hat nämlich vor, die Herrschaft des Menschen beträchtlich zu erweitern: „Was ist der Mensch, dass du [Gott] seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn eine kleine Zeit niedriger sein lassen als die Engel; mit Preis und Ehre hast du ihn gekrönt; alles hast du unter seine Füße getan. Wenn er ihm alles unter die Füße getan hat, so hat er nichts ausgenommen, was ihm nicht untertan wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles untertan ist“ (Hebräer 2,6-8).

Es kommt die Zeit, wo Jesus seine Autorität mit allen, die Gottes unsterbliche Kinder werden, teilen wird: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron“ (Offenbarung 3,21). Unser himmlischer Vater sagt uns: „Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein“ (Offenbarung 21,7). Diese Zukunft verspricht Gott einem jeden Menschen, der sich ihm unterordnet.

Das Zeitalter Satans

Ein weiterer Schlüssel zum Verständnis der biblischen Prophezeiung hat mit dem Einfluss von Satan dem Teufel zu tun. Sein Einfluss auf die Welt ist so groß, dass Paulus ihn den „Gott dieser Welt“ nannte (2. Korinther 4,4). Satans Einfluss zu begreifen hilft uns daher, die Prophezeiung zu verstehen.

Satan beeinflusst den Verlauf menschlicher Angelegenheiten auf mächtige Weise. Seine größte Verführung überhaupt ist wohl das Leugnen seiner Existenz in unserer modernen Welt.

Der jetzigen Zeit, in der „der Gott dieser Welt“ wirkt, wird in der Bibel die „zukünftige“ Welt (Epheser 1,21; Matthäus 12,32) gegenübergestellt, in der Satan keinen Einfluss mehr haben wird. Heute haben Christen „nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Epheser 6,12). Der Apostel Johannes sagt uns, dass Satan „die ganze Welt verführt“ (Offenbarung 12,9) und dass die ganze Welt „im Argen“ liegt (1. Johannes 5,19).

Vor der Erschaffung von Himmel und Erde schuf Gott die Engel. Ein führender Engelfürst traf die Entscheidung, zum Widersacher Gottes zu werden. Wir nennen ihn heute „Satan“, was im Hebräischen die Bedeutung „Widersacher“ hat. Offenbarung 12, Vers 4 deutet an, dass Satan ein Drittel der Engel zur Rebellion gegen Gott führte. Die Engel, die sich Satan anschlossen, sind Dämonen und „den bösen Geistern unter dem Himmel“ zuzurechnen, vor denen Paulus uns warnt (Epheser 6,12).

In „der zukünftigen Welt“ (Markus 10,30; Lukas 18,30) wird es den Einfluss Satans nicht mehr geben. In einer Vision durfte der Apostel Johannes die symbolische Gefangennahme Satans sehen: „Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn . . . und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte“ (Offenbarung 20,1-3).

Ohne den Einfluss des Teufels wird die Welt unter der Herrschaft Christi Frieden haben: „… auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit“ (Jesaja 9,6).

Ursache und Wirkung

Ein weiteres grundlegendes Prinzip bei biblischen Prophezeiungen ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Dieses Prinzip liegt oft einer Zukunftsvoraussage zugrunde. Die Auswirkungen der menschlichen Natur lassen sich meist voraussagen, besonders für Gott, der den Menschen erschuf und genau weiß, wie wir denken.

Daher kann Gott allgemeine Trends und die daraus resultierenden Auswirkungen voraussagen – gegründet auf das Prinzip von Ursache und Wirkung. Anders ausgedrückt: Gott lässt die Menschen das ernten, was sie säen (Galater 6,7-8). Gott erlaubt das, weil es unserem längerfristigen Wohlergehen dient.

Viele Probleme, die Menschen bekommen, sind das Ergebnis ihrer eigenen Sünden und Verfehlungen. Der Prophet Jeremia drückte dies sehr treffend aus: „Deine eigene Bosheit züchtigt dich, und deine Treulosigkeiten strafen dich“ (Jeremia 2,19; Elberfelder Bibel). Ab und zu lenkt Gott die Konsequenzen menschlichen Fehlverhaltens, um sein Vorhaben durchzusetzen.

Es gibt auch Fälle, in denen Gott auf dramatische Weise in das Weltgeschehen eingreift, um den Verlauf der Geschichte zu verändern. Seine Taten, einschließlich der Strafen für Einzelpersonen oder ganze Nationen, sind Instrumente, die er zur Verfolgung eines großen übergeordneten Ziels einsetzt.

Als Gott dem alten Israel sein Gesetz gab, erläuterte er dieses Prinzip von Ursache und Wirkung. In 3. Mose 26 und 5. Mose 28 zeigt Gott Beispiele der Segnungen auf, die er den Menschen zuteil werden lässt, die ihm gehorchen. Außerdem listet er die verheerenden Konsequenzen auf, die der Ablehnung seines Weges folgen. Es wäre gut, beide Kapitel zu kennen. Sie vermitteln ein besseres Verständnis des Prinzips Ursache und Wirkung im Hinblick auf biblische Prophezeiung, und man erhält ein Muster für spätere prophetische Aussagen Gottes gegenüber dem Volk Israel und anderen Völkern.

Mit anderen Worten: Israels Zukunft hing von seinen eigenen Entscheidungen ab. Die Entscheidung für die Anerkennung Gottes und den Gehorsam gegenüber seinem Gesetz sollte Gottes Segen und Schutz nach sich ziehen. Gott und sein Gesetz zu missachten sollte die Konsequenzen auslösen, die alle Gott verachtenden Menschen erleiden.

Hinter diesem Muster steht eine wichtige Erkenntnis: Ob mittel- oder langfristig, Gottes Reaktion richtet sich nach dem Verhalten der Menschen. Die Menschen aller Nationen bestimmen ihre eigene Zukunft nach ihrem Verhalten gegenüber Gott und seiner Unterweisung. Dazu König David: „Versunken sind die Nationen in die Grube, die sie gemacht; in dem Netz, das sie versteckt haben, hat sich ihr eigener Fuß gefangen“ (Psalm 19,16; Elberfelder Bibel).

Gottes Handlungsweise gegenüber den Menschen basiert auf dem Prinzip Ursache und Wirkung – Segen für Gehorsam, Strafe für Ungehorsam.

Kontext der Prophezeiung

Wir können biblische Prophezeiungen ohne ein bestimmtes Hintergrundwissen über Zeit und Kultur, in der ein bestimmter Prophet Gottes gelebt hat, nicht richtig verstehen. Prophetische Bücher wie z. B. Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel enthalten viele geschichtliche Details, zu denen auch eine Analyse der zeitgenössischen Zustände gehört. Sie enthalten Belehrung, Zurechtweisung, Warnungen und Aufrufe zur Reue. Sie legen Optionen dar und beschreiben dabei gelegentlich in sehr bildhafter Sprache die möglichen Konsequenzen.

Prophezeiung und Geschichte sind unzertrennlich. Zusammen zeigen sie die breit angelegten Perspektiven der Bibel auf. Die Welt aus biblischer Sicht setzt ein Verständnis der Geschichte aus der göttlichen Perspektive und Einblicke auf den Einfluss Gottes auf das Weltgeschehen voraus. Dabei erkennen wir, dass Gott in menschliche Angelegenheiten eingreifen kann, um sein Vorhaben zu fördern. Wichtig ist, dass wir Gottes Sichtweise für dieses Eingreifen verstehen, denn sie lässt die Prophezeiung in einem übergeordneten Kontext erscheinen.

Ohne diesen übergeordneten Kontext können biblische Prophezeiungen missverstanden und falsch ausgelegt werden. Deshalb gab es in den vergangenen Jahrhunderten oft irrationale, „wilde“ Interpretationen der biblischen Prophezeiung.

Mit Hilfe der in diesem Artikel dargelegten Grundlagen der Prophetie können wir die Prophezeiungen der Bibel besser verstehen.

– INTERN Juli-August 2015 PDF-Datei dieser Ausgabe

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