Der hebräische Kalender –
eine
Zusammenfassung
Im Frühjahr 1996 hat der Ältestenrat ein
vorläufiges Studium vorbereitet und eine
Stellungnahme zum hebräischen Kalender
veröffentlicht. Zu dieser Zeit wurden alle
aufgefordert, Themenpapiere beim
Ältestenrat oder dem Ausschuss für
Lehrfragen einzureichen bzw. Fragen
einzusenden. Ca. 50 Abhandlungen wurden eingereicht,
in denen sowohl Fragen gestellt als auch Positionen zum Thema
bezogen wurden. Obwohl es darunter gemeinsame Punkte
und Fragen gab, gab es auch eine breite Palette von
unterschiedlichen Meinungen und Positionen. Dies
alles unterstrich den
Schwierigkeitsgrad des Themas und zeigte,
dass das Thema eines viel eingehenderen Studiums
bedurfte. Daraufhin beauftragte der Ältestenrat den
Ausschuss für Lehrfragen mit diesem Studium und bat
ihn, Bericht zu erstatten, mit dem Ziel, eine
Stellungnahme zu diesem Thema zu veröffentlichen.
Vorliegend ist das Resultat des kürzlich
abgeschlossenen Studiums.
Wir möchten damit beginnen, allen, die zu diesem
Projekt beigetragen haben, zu danken. Für die
mehrmalige Überprüfung der eingereichten Papiere und
des Quellenmaterials waren Hunderte von
Arbeitsstunden erforderlich. Allen Beteiligten wurde die
Komplexität dieses Themas wesentlich mehr bewusst.
Wir möchten darum bitten, die Resultate unseres Studiums
in dem Geist und der Einstellung anzunehmen, in denen
sie vorgelegt werden. Obwohl es nicht unsere Absicht ist,
jemanden bezüglich dieses Themas zu richten, hielten wir
es für wichtig, zu einem klaren Konsens zu kommen, um die
Einigkeit beim Halten der Festtage Gottes in
Übereinstimmung mit dem Wort Gottes zu
gewährleisten. Wir glauben, dass wir eine solche
Position erreicht haben.
Identifizierung der Fragen
Der natürlichste Ausgangspunkt ist dort, wo wir mit
unserer vorläufigen Aussage aufhörten –
bei der Identifizierung der zu klärenden Fragen.
Einerseits war dies der einfachste Teil des Projektes. Auf der
anderen Seite erwies sich die Herbeiführung
eines Konsenses bei der Beantwortung der Fragen als viel
schwieriger.
Es gibt keine „neuen“ Fragen zum
hebräischen Kalender. Herr Armstrong musste 1940 die
gleichen Fragen behandeln. Nach einem eingehenden Studium, bei
dem die Mitglieder der Gemeinde in Eugene, Oregon, mitwirkten,
kam er zu dem Schluss, dass der gegenwärtige
hebräische Kalender von der Kirche Gottes akzeptiert
werden sollte. Obwohl einige damals mit diesem Standpunkt nicht
einverstanden waren (und einige heute nicht einverstanden
sind), benutzte die Kirche Gottes als Ganzes seither den
hebräischen Kalender in konsequenter Weise, um die
Termine für das Halten der Festtage festzulegen.
Obwohl Herr Armstrong im Laufe der Jahre einige
Änderungen vornahm (Pfingsten am 6. Siwan,
Pfingsten am Montag, Pfingsten am Sonntag –
alle in verschiedenen Zeiten gehalten), unterstützte er
konsequent den hebräischen Kalender als
Grundlage für die Ermittlung der Termine der
Festtage. Der Termin für Pfingsten ist in
Wirklichkeit keine Kalenderfrage, obwohl dies einige
verwechselt haben. Alle Befürworter des Haltens
von Pfingsten benutzen den gleichen Kalender,
unterscheiden sich jedoch voneinander hinsichtlich
der Zählweise der notwendigen 50 Tage. Dabei wird die
Frage gestellt, warum die Juden Pfingsten am 6. Siwan
halten und die Kirche Gottes im allgemeinen dieses Datum
nicht angenommen hat. Die Einwendungen, die vorgelegt
wurden, sind, dass man, wenn man den hebräischen
Kalender akzeptiert, auch den 6. Siwan als Datum für
Pfingsten und den 15. Nisan für das Passah
akzeptieren sollte. Obwohl diese Fragen im Verlaufe der Jahre
behandelt wurden, ist keine der beiden Fragen eine Frage,
welchen Kalender man verwenden sollte, sondern eine Frage der
Auslegung der Bibel.
Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass die Kirche Gottes
im Verlauf der Jahrhunderte irgendetwas anderes
benutzte als den hebräischen Kalender. Das Halten des
neutestamentlichen Passahs am 14. Nisan
kann aus der Heiligen Schrift und aus der
Geschichtsschreibung bestätigt werden.
Anicetus, der ca. 155 n. Chr. Bischof von Rom war,
versuchte um das Jahr 160 n. Chr., das Halten des Passahs zu
verbieten, um die Beschuldigung eines
„judaisierten“ Christentums zu vermeiden.
Sein Gegner bei diesem Bemühen war Polycarp, der zu der
Zeit in Kleinasien lebte. Polycarp war ein Jünger des
Apostels Johannes und war im Römischen Reich des zweiten
Jahrhunderts gut bekannt. Polycarp berief sich
darauf, das Passah zu halten, weil es ihn vom Apostel Johannes
gelehrt wurde, der es von Jesus Christus gelernt hatte. An der
Tradition, das Passa am 14. Nisan zu halten, hielt
Polycarp fest. Ein interessantes Zitat bezüglich der
Passah-Kontroverse zur Zeit Polycarps stammt von dem
palästinensischen Historiker Epiphanius (315-403
n. Chr.):
Die Kontroverse entstand nach dem
Auszug der Bischöfe der Beschneidung [135 n. Chr.]
und dauert bis in unsere Zeit hinein an (Epiphanius, Adversus
haereses 70, 10, Patrologiae Graeca 42, 356 (zitiert in Samuele
Bacchiocchis God’s Festivals in Scripture and
History, Berrien Springs, Michigan: Biblical Perspectives,
1995, Seite 101).
Der Kirchenhistoriker Eusebius [265-340 n. Chr.) hielt diese
Kontroverse in seiner Ecclesiastical History
[Kirchengeschichte] fest.
Als der gesegnete Polycarp in der
Zeit des Anicetus nach Rom reiste, hatten sie eine kleine
Meinungsverschiedenheit unter sich – auch
bezüglich anderer Dinge –, versöhnten sich
aber wieder und stritten sich nicht wegen dieser Sache.
Denn weder konnte Anicetus den Polycarp davon
abbringen, das Passah zu halten, da er es mit
Johannes, dem Jünger des Herrn, und den anderen Aposteln,
mit denen er Gemeinschaft pflegte, immer gehalten hatte
… In der Tat benutzten die Bischöfe aus
Palästina, die wir gerade erwähnten –
Narcissus und Theophilus und Cassius mit ihnen, der Bischof der
Gemeinde zu Tyrus, und Clarus aus Ptolemais und die anderen,
die sich mit ihnen versammelt hatten, nachdem sie viele
Dinge besprochen hatten, bezüglich der ihnen durch die
apostolische Nachfolge übertragenen Tradition
betreffend über das Passah –, die Worte:
„Bemühen wir uns, Abschriften dieser Epistel an alle
Gemeinden zu schicken, damit wir denen, die sich leicht
verwirren lassen, keine Gelegenheit geben“ (The
Ecclesiastical History of Eusebius Pamphilus (Baker Book
House, Grand Rapids, Michigan, 1955, Seite 210-211).
Es gab fünfzehn judenchristliche Bischöfe, die der
Gemeinde zu Jerusalem bis 135 n. Chr. vorstanden. Sie
hielten das Passah am 14. Nisan in Übereinstimmung
mit der Apostolischen Verfassung, einem Dokument
aus der Zeit der ursprünglichen Apostel.
Epiphanius zeigt, dass das Passah in dieser Zeit nach dem
Kalender der Juden gehalten wurde. Obwohl die Juden heute das
Mahl am Abend zu Beginn des 15. Nisan essen, erkennen sie
an, dass die Passahlämmer am 14. Nisan geschlachtet
wurden.
Du sollst die Berechnung der Zeit
nicht ändern, sondern du sollst es zur gleichen Zeit
halten wie deine Geschwister, die von der Beschneidung sind.
Mit ihnen sollst du das Passah halten (Epiphanius,
Adversus haereses 70, 10, Patrologiae Graeca 42,
356; zitiert in Bacchiocchis God’s Festivals in
Scripture and History, Seite 101).
In dem obigen Zitat des Epiphanius gibt es den interessanten
Nebenaspekt der „Berechnung“. Obwohl
diese Erwähnung keine besondere Bedeutung haben mag, gibt
es einen sehr großen Unterschied zwischen der
Einrichtung eines Kalenders nach Berechnung und der
Einrichtung eines Kalenders nach Beobachtung. Eine der Fragen,
die behandelt werden muss, ist, ob der Kalender des
ersten Jahrhunderts nach Berechnung oder Beobachtung
festgelegt wurde. Welche „Berechnungen“
sind gemeint, und was „soll nicht geändert
werden“ in Bezug auf diese Berechnungen? Die
ursprüngliche Quelle dieser Aussagen ist
ein Dokument, das aus der Zeit der Apostel stammen
soll.
Diejenigen, die den hebräischen Kalender ablehnen,
bieten im großen und ganzen
Alternativlösungen an, die u. a. von dem
hebräischen Kalender ohne dessen Verschieberegeln bis
hin zu der Zusammenstellung von Alternativ-Kalendern
reichen, gegründet auf deren Interpretationen einer
breiten Palette von verschiedenem Material. Es ist
sicherlich eine faire Feststellung, dass es unter denen, die
die Gültigkeit des hebräischen Kalenders
ablehnen und eine andere Lösung anbieten, keinen Konsens
gibt.
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