Sind unsere Kinder berufen?

Sind die Kinder der Mitglieder der Kirche Gottes heute schon berufen? Die Antwort auf diese Frage hat einen Einfluss darauf, wie Eltern ihre Kinder sehen und was sie von ihnen erwarten können. Nicht weniger wichtig ist, dass die Antwort auch einen Einfluss darauf hat, wie die Kinder sich selbst sehen und welche Erwartungen sie im Laufe der Zeit ent­wickeln. Zumindest in der jüngeren Geschichte der Kirche hat es zu diesem Thema weit unter­schiedliche Meinungen gegeben. Einige sind der Überzeugung, dass die Jugend wegen ihres Kontakts zur Lebensweise Gottes und ihrer entsprechenden Erziehung tatsächlich berufen ist. Andere zweifeln jedoch die Verwendung des Begriffs „berufen“ an, weil sie sich fragen, ob dies dann bedeuten würde, dass die Jugendlichen, die heute nicht auf Gottes Angebot eingehen, damit auch ihre einzige Gelegenheit verwirken, jemals zu ihm zu kommen. Zudem fühlen sich viele Mitglieder mit erwachsenen Kindern, die nicht in der Kirche geblieben sind, schuldig und fragen sich, ob ihre Kinder treu geblieben wären, wenn sie bessere Unterweisung erhalten hätten. Andere glauben, dass Eltern in dieser Hinsicht eine neutrale Stellung innehaben und es allein Gottes Entscheidung ist, ob er die Kinder beruft.

Wenn Eltern nicht wissen, ob ihre Kinder heute berufen sind, dann wird das in ihren Gesprächen zum Ausdruck kommen, indem sie etwa sagen „Ich weiß nicht, ob Gott mein Kind berufen wird oder nicht“ oder „Da unsere Kinder heute noch nicht berufen sind, können wir nicht zu viel von ihnen erwarten“. Wenn Kinder solche Bemerkungen hören, dann können sie das Gefühl bekommen, dass es keine Rolle spielt, für welchen Weg sie sich entscheiden.

Wir benötigen eine biblisch fundierte Antwort auf diese Frage. Nur so können wir als Eltern und als Kirche wissen, welche Verantwortung wir haben, welche Erwartungen wir hegen und auf welche Art und Weise wir nach dem Willen Gottes mit unseren Kindern umgehen sollten.

Die Frage im größeren Kontext gesehen

Es ist wichtig, dass wir uns diese Frage zuerst im Zusammenhang mit Gottes Gesamtplan für die Menschheit ansehen. Als Gott die ersten Menschen erschaffen hatte, bot er ihnen den Zugang zum Baum des Lebens an. Dieser Baum symbolisierte den Zugang zu Gottes heiligem Geist und potentiell den Erhalt des ewigen Lebens (1. Mose 3,22; Offenbarung 22,14). Andere Schrift­stellen offenbaren, dass der heilige Geist göttliche Vernunft verleiht und gleichzeitig die Macht und die Essenz Gottes darstellt. Er ist auch das „Unterpfand“ (oder die Anzahlung) des ewigen Lebens (2. Timotheus 1,7; 2. Korinther 1,22; Epheser 1,13-14). Statt diesen Baum zu wählen, haben sich unsere Ureltern für das Symbol der menschlichen Selbstbestimmung entschieden, der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Als Folge wurden sie aus dem Garten Eden ver­trieben. Gott schnitt Adam, Eva und ihre Nachkommen von jedem weiteren Zugang zum Baum des Lebens ab (1. Mose 2-3).

Im Rahmen seines Plans, Satans Herrschaft über die Erde am Ende mit seiner eigenen Regierung zu ersetzen, hat Gott bestimmte Menschen „berufen“ und „auserwählt“, um sie auf Führungsaufgaben in seinem künftigen Reich vorzubereiten. Diejenigen, denen der heilige Geist gegeben wurde und die Gott treu geblieben sind, werden bei der Wiederkunft Christi ein ewiges, geistliches Leben erhalten.

Was bedeutet es, „berufen“ zu sein?

In Römer 8, Vers 30 lesen wir: „Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.“

Das griechische Wort, das hier mit „berufen“ übersetzt wird ist kaleo, „aus der Wurzel kal ab­geleitet . . . ‚rufen‘ und ‚schreien‘ . . . wird (a) mit einem persönlichen Objekt benutzt, ‚je­man­den rufen, einladen, vorladen‘, z. B. (Matthäus 20,8; 25,14); [dieser Begriff] wird insbesondere für den göttlichen Ruf benutzt, an den Segnungen der Erlösung teilzuhaben, z. B. (Römer 8,30; 1. Ko­­­rinther 1,9; 1. Thessalonicher 2,12; Hebräer 9,15)“ (W. E. Vine, Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words, (Grand Rapids, Michigan, Fleming H. Revell) 1981, Stichworte „Call, Called, Calling“).

Paulus beschreibt hier den Prozess oder die Aufeinanderfolge von Vorgängen, durch die Gott Menschen zum ewigen Leben führt. Gott hat von Anfang an bestimmt und geplant, dass er Menschen berufen würde, damit sie „gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes“ (Römer 8,29). Der letzte Schritt, der noch in der Zukunft liegt, besteht darin, so verherrlicht zu werden wie Christus es ist. Vers 30 sagt nicht, dass jeder, der berufen worden ist, gerecht gemacht und verherrlicht werden wird. Paulus erklärt an dieser Stelle vielmehr die aufeinanderfolgenden Schritte des Erlösungsprozesses – die Berufung durch Gott kommt vor der Rechtfertigung.

Petrus ermahnte die Heiligen, ihre „Berufung und Erwählung festzumachen“ (2. Petrus 1,10). Das hier verwendete Wort „Berufung“ entstammt einem ähnlichen griechischen Wort, klesis, was „eine ,Berufung‘ bedeutet. Es wird im Neuen Testament immer für die ,Berufung‘ benutzt, deren Ursprung, Wesen und Schicksal himmlisch sind (worin die Vorstellung einer Einladung enthalten ist); es wird besonders für Gottes Einladung an den Menschen verwendet, die Wohltaten des Heils anzunehmen“ (ebenda). Während diese Definition des Wortes das falsche Konzept des „in den Himmel kommen“ anzudeuten scheint, erkennt sie doch an, dass die Berufung himm­lisch ist, dass heißt, dass sie von Gott ausgeht. „Erwählung“ kommt von ekloge und bedeutet „eine ,Aussuchung, eine Selektion‘ . . . ,das, welches auserwählt worden ist‘ “ (ebenda).

Jesus sagt im Gleichnis von der Hochzeitsfeier: „Viele sind berufen, aber wenige sind aus­erwählt“ (Matthäus 22,14). Hier hat das Wort kletos die Bedeutung „berufen, eingeladen . . . [es wird] benutzt (a) ,für den Ruf des Evangeliums‘ (Matthäus 20,16; 22,14)“ (ebenda). „Auserwählt“ kommt von eklektos und „bedeutet wörtlich ,ausgesucht, erwählt‘ (ek, ,von‘, lego ,sammeln, aussuchen‘ und wird im Hinblick auf . . . (c) Gläubige (Juden oder Heiden) verwendet“ (ebenda). Eklektos wird im Neuen Testament zweiundzwanzigmal verwendet. In der Lutherbibel wird es fast durchweg mit „die Auserwählten“ übersetzt.

Christus verwendet in diesem Gleichnis die Begriffe „berufen“ und „einladen“ fast als wären sie gleichbedeutend, wenn es um die Einladung zu einer Hochzeit geht (Verse 1-14). Diese Vor­stellung einer Einladung ist von besonderer Bedeutung, denn in ihr schwingt der Gedanke mit, dass die Eingeladenen willkommen sind und ihre Anwesenheit gewünscht wird, dass sie aber die Wahl haben, wie sie auf die Einladung reagieren wollen. Gott beruft viele Menschen – oder lädt sie ein, wenn Sie so wollen. Die Reaktion eines jeden Einzelnen bestimmt, ob er auserwählt und damit Teil der Auserwählten werden wird. Das Gleichnis vom Sämann (Matthäus 13,3-9. 18-23) beschreibt die unterschiedlichen Reaktionen unter den vielen Berufenen. Einige geben Gottes Wahrheit keine Gelegenheit, Wurzeln zu fassen und lassen schnell wieder davon ab. Andere fangen an, sich darauf einzulassen, geben aber schnell wieder auf, wenn sie auf Widerstand stoßen. Wieder andere bringen zuerst Früchte, treffen dann aber später schlechte Entscheidungen und werden unfruchtbar. Einige jedoch tragen gute Früchte, die bis zum Ende Bestand haben.

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