Die Zukunft Europas und Demografie

Die Zukunft Europas und Demografie © Raimond Spekking /CC BY-SA 4.0
Die Zentralmoschee in Köln: Setzen sich die heutigen Trends fort, wird sich innerhalb von fünfzehn Jahren der Anteil der Muslime an der europäischen Bevölkerung verdoppeln.

Welche Religion wird in Zukunft Europa dominieren? Die Frage scheint angesichts heutiger Zahlenverhältnisse fast absurd. Die demografische Entwicklung in Europa zeigt jedoch ein anderes Bild auf.

Von Paul Kieffer und Ewin Barnett

Wie wird das Europa der Zukunft aussehen – in 25, 50 oder mehr Jahren? Für die einen hat die Antwort auf die Frage hauptsächlich mit der weiteren Entwicklung in der Europäischen Union zu tun: Wie viele Länder treten der EU noch bei, wie schnell (wenn überhaupt) wird die vollständige politische Union erreicht? Für andere hingegen ist die demografische Entwicklung Europas in Zukunft genauso wichtig wie die politische Entwicklung der EU.

Die Demografie – die Untersuchung und Beschreibung von Zustand und zahlenmäßiger Veränderung einer Bevölkerung – zeichnet nämlich einen interessanten Trend in Europa auf. Das „herkömmliche Europa“ stirbt langsam aus. Das beste Fallbeispiel für diesen Trend ist die Bundesrepublik Deutschland selbst.

Ein Bevölkerungsschwund der Deutschen steht bevor

„Der Bevölkerungsrückgang kann nicht mehr rückgängig gemacht werden“, stellte Walter Rademacher vom Statistischen Bundesamt Anfang November 2006 fest (Agence France-Presse, 9. November 2006). Der Rückgang wird solche Ausmaße annehmen, dass er durch Einwanderung im heutigen Umfang nicht ausgeglichen wird. Statistiken zufolge, die im März 2006 veröffentlicht wurden, liegt die Geburtenrate in Deutschland derzeit bei 1,36 Babys pro Frau. Von dem gegenwärtigen Trend ausgehend sagen Demografen hierzulande eine Abnahme der in Deutschland geborenen Kinder um 50 Prozent für das Jahr 2050 voraus. „Die negative demografische Entwicklung Deutschlands nimmt an Geschwindigkeit noch zu“, war die Einschätzung von Hans Fleisch, Vorsitzender des privaten „Instituts für Bevölkerung und Entwicklung“ in Berlin.

Nach seiner Einschätzung hat in den vergangenen zwei Jahren der Bevölkerungsrückgang endgültig eingesetzt, wobei die seit ca. 30 Jahren ohnehin niedrige Geburtenrate nochmals gesunken sei. Der Rückgang ist besonders akut in den neuen Bundesländern. Dort liegt die Geburtenrate seit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 bei nur 0,77 Kindern pro Frau. Reiner Klingholz, Direktor des Berliner Instituts, fasste die Situation mit Humor zusammen: „Das war weltweit die niedrigste Geburtenrate mit Ausnahme des Vatikans“ (Die Welt, 15. März 2006). Die niedrige Geburtenrate im Osten Deutschlands wird dort bereits ab 2015 zu einer spürbaren Abnahme der Bevölkerung führen.

Wenn die heutigen Trends anhalten, wird bis 2050 die Bevölkerung Deutschlands um geschätzte zwölf Millionen Personen schrumpfen. Das wäre eine Abnahme von fünfzehn Prozent gegenüber der jetzigen Bevölkerungszahl von 82,3 Millionen. Die Lage in Deutschland mag am Akutesten sein, sie ist jedoch keineswegs die Ausnahme in Europa.

Die europäische Geburtenrate ist auf 1,45 Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter gefallen, weit unter dem Durchschnitt von 2,1 Kindern, den Demografen für die Erhaltung einer nationalen Bevölkerung für notwendig halten. Bei dieser Geburtenrate wird die Bevölkerung der Europäischen Union in den nächsten 40 Jahren um ca. fünf Prozent schrumpfen, und das bei einer geschätzten Anzahl von einer Million legaler Einwanderer jährlich.

Früher sah es anders aus

Die heutige demografische Situation in Europa ist das Resultat einer bemerkenswerten Umkehr in seiner demografischen Entwicklung, die bis vor ca. 100 Jahren angehalten hatte. Vor 300 Jahren lebten ungefähr 120 Millionen Menschen in Europa. Die nächsten 200 Jahre gab es eine wahrhaftige Bevölkerungsexplosion. Die industrielle Revolution mit ihrer Mechanisierung der Lebensmittelindustrie, verbesserten Hygiene und Medizin trug zur bemerkenswerten Reduzierung der Säuglings- und Kindersterblichkeit bei.

Bis 1914 war die Bevölkerung Europas auf 450 Millionen gestiegen, obwohl schätzungsweise 60 Millionen Europäer in diesem Zeitraum ausgewandert sind. Von 1780 bis 1910 verdreifachte sich die Bevölkerung Deutschlands, von 21 Millionen auf ca. 64 Millionen (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung). Vor Beginn des 20. Jahrhunderts verzeichnete man jedoch bereits eine fallende Tendenz bei den Geburtenraten in Europa, als sie sich stark nach unten korrigierten, besonders in der oberen Mittelklasse. Der Trend setzte sich im 20. Jahrhundert fort und beschleunigte sich noch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Verbesserte Bildungs- und Karrieremöglichkeiten und das mit ihnen einhergehende Hinauszögern der Eheschließung und Familiengründung, der Ausbau des Sozialstaats als Alternative zur finanziellen Absicherung durch die Großfamilie und veränderte Lebensstile waren alles Faktoren, die zur Senkung der Geburtenrate beitrugen.

Kinder sind heute für manche kein Segen mehr, sondern ein Hindernis beim beruflichen Vorankommen und dem Genuss eines „angenehmen“ Lebensstils. Interessanterweise fand der demografische Wandel der letzten 100 Jahre zeitgleich mit dem zunehmenden Infragestellen des christlichen Glaubens und christlicher Werte statt.

Die Anzahl der Europäer, die sich zum Christentum bekennen, ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts merklich zurückgegangen. 1900 sahen sich ca. 95 Prozent der Europäer als Christen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fiel dieser Prozentsatz auf 75 Prozent, mit einem besonders deutlichen Rückgang in den letzten 25 Jahren.

Beispielsweise ging der Anteil der Bevölkerung Belgiens, der sich als Christen bezeichnet, seit 1980 um 20 Prozent zurück, in den Niederlanden um 18 Prozent und in Frankreich um 16 Prozent. Darüber hinaus ist Europa der einzige Kontinent weltweit, der einen absoluten Rückgang von Katholiken verzeichnet. Die jährliche Anzahl von Säuglingstaufen auf den Philippinen übersteigt die Anzahl der Taufen in Frankreich, Italien, Polen und Spanien zusammengerechnet.

Bei näherer Betrachtung ergibt sich hinsichtlich der demografischen Entwicklung Europas ein stark differenziertes Bild. Die Anzahl der „herkömmlichen“ Europäer mag im Sinken begriffen sein, dafür gibt es jedoch eine Minderheit, die eines Tages – wenn die jetzigen Trends anhalten – keine Minderheit mehr sein wird.

Eine schnell wachsende islamische Minderheit

In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg erkannten westeuropäische Länder ihre Unfähigkeit, genügend Arbeitskräfte aus der einheimischen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen, um den Anforderungen einer schnell wachsenden Wirtschaft zu genügen. Ihre Lösung war die Anwerbung von Gastarbeitern aus anderen Ländern, um so genügend Arbeitskräfte zu haben. Manche dieser Gastarbeiter kamen aus Ländern, die bereits Mitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft waren (wie Italien) oder es später wurden (wie beispielsweise Portugal und Spanien). Als Bürger heutiger EU-Mitgliedsländer sind sie in einem Sinne keine Gastarbeiter mehr, denn die EU garantiert ihren Bürgern Bewegungsfreiheit innerhalb der Union und weitgehende Freiheit bei der Suche nach Arbeit.

Gastarbeiter islamischen Glaubens aus Ländern wie der Türkei, Algerien, Marokko, dem ehemaligen Jugoslawien usw. wurden auch als Gastarbeiter für Westeuropa angeworben. In Bezug auf einen längerfristigen Verbleib im Gastland ist der Ausdruck „Gastarbeiter“ aussagekräftig: Ein Gast soll nach Hause gehen, wenn sein Besuch zu Ende ist. Die Einwanderungs- und Aufenthaltsbestimmungen wurden jedoch gleichermaßen angewendet, ungeachtet des Herkunftslandes. Das Resultat ist, dass Millionen von Gastarbeitern heute in ihren Gastländern unbefristete Aufenthaltserlaubnisse besitzen. Daran wird sich, ohne eine Änderung des Ausländerrechts, auch nichts ändern. Viele dieser islamischen Gastarbeiter haben Europas liberale Bestimmungen über Familienzusammenführung genutzt, um ihre Ehefrauen und Kinder ins Gastland zu holen.

In vielen Fällen ist diese islamische Minderheit bereits in der dritten Generation in ihrem Gastland. Diese Minderheit lebt nicht nur hier – sie wächst, und zwar schnell! In den letzten 30 Jahren hat sich die Anzahl der in Europa lebenden Muslime verdreifacht. Ein Teil dieses Wachstums ist auf das bereits erwähnte Nachholen von Familienangehörigen zurückzuführen. Der größte Teil ist der hohen Geburtenrate unter der islamischen Minderheit zuzuschreiben. Ihre Geburtenrate ist derzeit ca. drei Mal so hoch wie die ihrer westeuropäischen Nachbarn.

Mit anderen Worten: Ohne das Wachstum der islamischen Minderheit in Europa würde die Bevölkerung Europas noch schneller schrumpfen. Derzeit stellen Muslime ca. fünf Prozent der Gesamtbevölkerung Europas. Setzen sich die heutigen Trends fort, wird sich innerhalb von fünfzehn Jahren der Anteil der Muslime an der europäischen Bevölkerung verdoppeln. Im gleichen Zeitraum wird die nichtmuslimische Bevölkerung Europas um ca. 3,5 Prozent zurückgehen. Die heute in Europa lebenden 50 Millionen Muslime werden in den nächsten 20 Jahren auf 100 Millionen anwachsen.

Europas traditionelle, nicht islamische Bevölkerung stirbt langsam aber sicher aus, während die islamische Minderheit in Europa eine Bevölkerungsexplosion erlebt. Setzt sich diese gegensätzliche Entwicklung unverändert fort, kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis die islamische Bevölkerung Europas zu einer beträchtlichen Minderheit der Gesamtbevölkerung Europas wird – und dann eines Tages sogar zur Mehrheit.

Statistiken und Trends belegen diese Prognose eindeutig. 2005 wurden beispielsweise in Frankreich mehr Kinder islamischer Eltern geboren als Kinder einer traditionellen französischen Herkunft. Nach Schätzungen des Brüsseler Journal wird bis 2025 jedes dritte in Europa geborene Kind islamische Eltern haben.

Bei diesen Prognosen lässt sich die Frage stellen, welche Religion in Zukunft die dominante in Europa sein wird. Kann es sein, dass wir die Antwort in einer antiken Quelle finden können?

Europas Zukunft in biblischer Prophetie

Man mag es nicht glauben, aber der alttestamentliche Prophet Daniel, der ca. 600 Jahre vor Jesu Geburt lebte, prophezeite die zukünftige Entwicklung Europas. Daniels prophetische Tätigkeit begann, als der babylonische König Nebukadnezar im zweiten Jahr seiner Herrschaft einen beunruhigenden Traum hatte. Träume waren in der babylonischen Kultur sehr wichtig. Nebukadnezar war überzeugt, dass sein Traum von großer Bedeutung war.

Der babylonische Herrscher bat seine eigenen Zauberkünstler, ihm den Traum und dessen Bedeutung zu erklären. Sie konnten es aber nicht, denn die Zauberer kannten ja nicht einmal den Traum des Königs. Daniel war jedoch in der Lage, die Einzelheiten von Nebukadnezars Traum zu erklären und gab so dem König einen erstaunlichen Vorausblick auf die Geschichte.

Der Traum ist daher kein trockenes, langweiliges Schriftwerk der Antike, denn er enthält großartige Nachrichten! Es sind Vorausmeldungen für uns heute, Meldungen über bevorstehende Ereignisse. Der Traum zeigt uns die Vision vom kommenden Reich Gottes auf der Erde und macht es möglich, dass wir das jetzige Weltgeschehen verstehen können.

In seinem Traum sah Nebukadnezar eine menschliche Gestalt. Diese Gestalt bestand aus vier unterschiedlichen Teilen. Jedes wurde durch ein anderes Metall versinnbildlicht: „Du, König, hattest einen Traum, und siehe, ein großes und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen. Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Kupfer, seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton“ (Daniel 2,31-33).

Wie die Geschichte uns zeigt, versinnbildlichte das Bildnis vier aufeinanderfolgende Regionalmächte im Nahen Osten, die die politische Bühne der zivilisierten Welt über Jahrhunderte hinweg bestimmten. Daniels Auslegung des Traums „präsentiert die vorbestimmte Nachfolge der Weltmächte, die den Nahen Osten bis zum endgültigen Sieg des Messias in den letzten Tagen beherrschen sollen“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 39 bzw. 46).

Daniel erklärte Nebukadnezar, dass sein babylonisches Reich durch den goldenen Kopf dargestellt wurde: „Du, König, bist ein König aller Könige ... Du bist das goldene Haupt“ (Daniel 2,37-38).

Die silbernen, bronzenen, eisernen und tönernen Komponenten des Bildnisses bzw. der Statue repräsentierten drei Regionalmächte, die dem babylonischen Reich folgen sollten (Vers 39-40). „Das silberne Reich war das medo-persische, das mit Kyrus dem Großen begann, als er 539 v. Chr. Babylon eroberte ... Dieses silberne Reich herrschte über zwei Jahrhunderte im Nahen und Mittleren Osten ...

Das bronzene Reich war das von Alexander dem Großen gegründete griechisch-mazedonische Reich ... Das bronzene Reich dauerte ca. 260 bis 300 Jahre, bevor es von dem vierten Reich ersetzt wurde ... Eisen steht für Härte und Rücksichtslosigkeit und beschreibt das Römische Reich, das seine weiteste Ausdehnung unter der Herrschaft Trajans erfuhr“ (ebenda, Band 7, Seite 47). Der römische Kaiser Trajan regierte 98 bis 117 n. Chr.

Die beiden eisernen Beine des Standbildes mögen das Ost- bzw. Westreich des Römischen Reiches darstellen, mit ihren Hauptstädten in Konstantinopel und Rom.

In seiner Wiedergabe des Traums beschrieb Daniel, was mit dem Standbild passierte: „Das sahst du [das Standbild], bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, dass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, so dass er die ganze Welt füllte“ (Daniel 2,34-35).

Das Standbild wurde an seinen Füßen getroffen. Die chronologische Reihenfolge der Reiche, die durch das Bildnis dargestellt werden, sollte von oben bis unten betrachtet werden. Oben Babylon, gefolgt von Persien, Griechenland und zum Schluss – unten – Rom. Die Füße und die Zehen – der letzte Teil des Bildnisses, von oben nach unten gesehen – sind also Teil des Römischen Reiches.

Welche Bedeutung hat der Stein, der das Bildnis zerschlug? In den Versen 44-45 lesen wir: „Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben, wie du ja gesehen hast, dass ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte“ (Hervorhebung durch uns).

Daniel prophezeite nicht nur die Reihenfolge der Regionalmächte, die den Nahen Osten ca. 1000 Jahre lang dominieren sollten, sondern auch, dass das Römische Reich dann existent sein wird, wenn Jesus sein Versprechen wahr macht und zur Erde zurückkehrt. Das ursprüngliche Römische Reich ging 476 n. Chr. unter. Daniels Interpretation lässt daher auf eine Fortsetzung bzw. Wiederbelebung dieses Reiches schließen, denn nur so kann die Prophezeiung erfüllt werden.

Mit den Königen, die an der Macht sind, wenn der Stein das Bildnis an seinen Füßen trifft (Daniel 2,44), sind die Zehen des Bildnisses gemeint (Verse 41-42). Es wird demnach zehn Könige oder Regierungen geben, die eine endzeitliche Wiederbelebung des Römischen Reiches darstellen werden.

Wo bleibt das letzte Reich?

Nebukadnezars Traum lässt einige Fragen offen, da er das vierte Weltreich – das Römische Reich – als zur Zeit der Wiederkehr Jesu existierend beschreibt. Jesus ist der Stein, der das Standbild an seinen Füßen trifft und es so zum Einsturz bringt (Daniel 2,44-45). Der Stein füllt die ganze Erde, womit die weltweite Herrschaft des Reiches Gottes, mit Jesus als dessen König, versinnbildlicht wird.

Nach Daniels Interpretation sind die Zehen des Standbildes „Könige“ (Daniel 2,44). Da die chronologische Reihenfolge von Nebukadnezars Standbild von oben nach unten zu sehen ist und der Stein, der Jesus darstellt, das Standbild an seinen Füßen trifft, sind die Zehen, von denen es zehn gibt, logischerweise der letzte Teil des Römischen Reiches. Geschichtsstudenten wissen jedoch, dass das Römische Reich 476 n. Chr. untergegangen ist, und Jesus ist bekanntlich damals nicht wiedergekehrt.

Wir können die Chronologie des vierten Weltreichs in Daniel 2 richtig verstehen, wenn uns bewusst ist, dass das Römische Reich nach seinem Untergang mehrmals wiederbelebt wurde. Das Westreich mit seiner Hauptstadt Rom ist zwar 476 n. Chr. untergegangen, das Ostreich bzw. das Byzantinische Reich, mit seiner Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul), existierte weiter nach der endgültigen Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. bis 1453. Der byzantinische Kaiser Justinian I. stellte 554 n. Chr. das Westreich wieder her. Das war das Muster in späteren Jahrhunderten für weitere Wiederbelebungen, die in die Geschichtsschreibung als „Heiliges Römisches Reich“ eingegangen sind. Karl der Große wurde 800 n. Chr. vom Papst zum Kaiser des römischen Reiches gekrönt, ebenso Otto der Große im Jahr 962.

Das Heilige Römische Reich bestand bis in die Zeit Napoleons. Heute längst vergessen ist die Ausrufung des Römischen Reiches durch den italienischen Diktator Benito Mussolini nach seiner Machtübernahme. Mit den Lateranverträgen 1929 wurde das Verhältnis zwischen Mussolinis Regierung und der katholischen Kirche geregelt, indem die Vatikanstadt als souveräner Staat, mit dem Papst als Staatsoberhaupt, anerkannt und die katholische Religion als offizielle Staatsreligion Italiens bestätigt wurde.

Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, enthält eine Prophezeiung über zehn Könige, die gemeinsam ihre Kraft und Autorität einem „Tier“ verleihen, das Jesus Christus bei seiner Wiederkehr zur Erde besiegen und zerstören wird. In Offenbarung 17, Verse 12-14 heißt es dazu:

„Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie für eine Stunde Macht empfangen zusammen mit dem Tier. Diese sind eines Sinnes und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. Die werden gegen das Lamm kämpfen, und das Lamm wird sie überwinden“ (alle Hervorhebungen durch uns).

Anscheinend sind die zehn Zehen von Nebukadnezars Standbild in Daniel 2 dasselbe wie die zehn Könige von Offenbarung 17. In Offenbarung 17 werden sie jedoch nicht durch Zehen, sondern durch „Hörner“ symbolisiert. Die zehn Hörner sind Teil eines Tieres, das nach der Beschreibung von Vers 3 „sieben Häupter und zehn Hörner“ hat.

Die zehn Hörner – die letzten zehn Könige, die gegen Jesus kämpfen werden – sind anscheinend auch eines der sieben Häupter. Jedes der sieben Häupter ist ein „Berg“, ein biblisches Sinnbild für ein Reich mit seinem König bzw. Oberhaupt (Offenbarung 17,9-10). Vers 10 macht klar, dass die Häupter in chronologischer Reihenfolge erscheinen. Das siebte Haupt bzw. Berg tritt als die zehn Könige auf, die durch zehn Hörner dargestellt werden (Vers 12).

Diese aufeinanderfolgenden „Berge“ werden von einem religiösen System dominiert, das die Bibel „das große Babylon“ nennt. Dieses „große Babylon“ ist die „große Hure, die an vielen Wassern sitzt, mit der die Könige auf Erden Hurerei getrieben haben; und die auf Erden wohnen, sind betrunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei“ (Offenbarung 17,1-2).

Die wahre Kirche Gottes hingegen wird in der Bibel als reine Jungfrau dargestellt, die auf ihre Vermählung mit Jesus wartet. Dazu lesen wir z. B. in Offenbarung 19, Verse 7-8 folgendes: „Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet. Und es wurde ihr gegeben, sich anzutun mit schönem reinem Leinen. Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen.“

Im Gegensatz dazu ist die „große Hure“ von Offenbarung 17 ein verführerisches religiöses System – das große Babylon –, das sich als die wahre Religion ausgibt. Wo ist dieses Babylon heute? In der Kirchentradition gibt es eine interessante Verknüpfung zwischen Babylon und Rom. Der Apostel Petrus selbst gab an, seinen ersten Apostelbrief von Babylon aus geschrieben zu haben (1. Petrus 5,13).

Für alle, die an einen Aufenthalt des Petrus in Rom glauben, muss daher die Stadt Babylon mit Rom in Verbindung gebracht werden: „Den historischen Belegen zufolge hielt sich Petrus in den letzten Jahren seines Lebens in Rom auf. Babylon mag also ein Deckname für Rom sein, den der Apostel [Petrus] benutzte, um die römische Gemeinde und sich selbst vor der neronischen Verfolgung zu schützen“ (Das Neue Testament erklärt und ausgelegt, Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart, 1992, Band 5, Seite 470, Kommentar zu 1. Petrus 5,13, Hervorhebung durch uns).

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Wie geht es weiter?

Wie wird das Europa der Zukunft aussehen? Der Mittelpunkt der letzten Wiederbelebung des Römischen Reiches wird, wie es beim ursprünglichen Reich und seinen späteren Wiederbelebungen der Fall war, in Europa sein. Die heutige Europäische Union kann als Vorläufer dieser letzten Wiederbelebung gesehen werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle heutigen EU-Mitgliedsländer Teil des letzten Römischen Reiches sein werden.

Die Länder, die sich entschließen, ihre Hoheit einer zentralen Autorität zu übertragen, werden Teil einer mächtigen, aber kurzlebigen Union sein, die von einer traditionellen Religion beeinflusst wird. Das Zentrum dieser Religion wird in dem modernen Erbe des antiken Babylons sein.

Der Islam ist nie die Religion des „Heiligen Römischen Reiches“ gewesen. Offenbarung 17 stellt die „große Hure“ anscheinend als einen kontinuierlichen vorherrschenden religiösen Einfluss auf das Tier dar. Demzufolge wird das Wachstum der islamischen Minderheit in Europa die traditionelle Religion des „Heiligen Römischen Reiches“ in ihrem Einfluss auf das Tier nicht beschneiden.

Welche Entwicklung könnte es vor dem Hintergrund der biblischen Prophezeiungen über eine letzte Wiederbelebung des Römischen Reiches und angesichts der schnell wachsenden islamischen Minderheit in Europa geben? Mehrere Szenarien sind plausibel:

Die Einwanderung aus islamischen Ländern könnte in der Zukunft beschränkt werden.

Die Aufenthaltsgenehmigung mancher – vielleicht sogar vieler – hier lebender islamischer Menschen, die keine EU-Bürger sind, könnte aufgehoben werden.

Die Entstehung der letzten Wiederbelebung des „Heiligen Römischen Reiches“ wird wohl früher geschehen, als manche sich das vorstellen: zu einer Zeit, in der die Europäer einer traditionellen europäischen Herkunft noch die Mehrheit in Europa sind.

Vor dem Hintergrund des heutigen liberalen Zeitgeists in Europa scheinen Einreisebeschränkungen für Muslime – oder die Ausweisung bereits hier lebender Muslime – zugegebenermaßen nicht realistisch zu sein. Die gewaltsame Reaktion in den Niederlanden nach dem Mord des niederländischen Filmregisseurs Theo van Gogh im November 2004 zeigt jedoch, was geschehen kann, wenn sich die einheimische Bevölkerung provoziert oder gar bedroht fühlt. Einreisebeschränkungen für islamische Ausländer würden auf jeden Fall die Beziehungen der Europäischen Union zur islamischen Welt belasten.

In diesem Zusammenhang ist die Frage offen, ob die Türkei zum Vollmitglied der EU wird. Die offiziellen Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, die im Herbst 2005 aufgenommen wurden, werden mindestens zehn, vielleicht sogar 20 Jahre dauern. Die Aufnahme der Türkei würde die frühere Kritik an der EU als „christlichem Verein“ verstummen lassen.

Das EU-Mitglied Türkei wäre bald das bevölkerungsreichste Land in der Union. Bis zum Jahr 2020 wird die Türkei mehr Einwohner haben als Deutschland mit seinen jetzigen 82 Millionen Einwohnern. Halten die heutigen Trends an, wird die Türkei lange vor dem Ende dieses Jahrhunderts die 100 Millionen Grenze überschreiten. Mit der Türkei als Vollmitglied der Europäischen Union würde sich der Anteil der muslimischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung Europas schlagartig nach oben verändern.

Vor seiner Wahl zum Papst bezeichnete Josef Kardinal Ratzinger die mögliche Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei als großen Fehler. Zurzeit gibt es keinen offiziellen Standpunkt der römisch-katholischen Kirche in dieser Frage, und Papst Benedikt XVI. hat dazu – auch nach seinem Besuch in der Türkei – keine öffentliche Stellungnahme abgegeben.

Die Behauptung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdogan, der Papst habe sich am ersten Tag seines Besuchs in der Türkei für die Aufnahme seines Landes in die EU ausgesprochen, wurde vom Vatikan nicht bestätigt. Gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur stellte Papst-Sprecher Federico Lombardi das Engagement seiner Kirche für die europäischen Ambitionen der Türkei sogar in Frage: „Der Vatikan hat nicht die Macht und nicht die besondere politische Aufgabe, in einer so fest umrissenen Angelegenheit wie einem EU-Beitritt zu intervenieren, und er strebt dies auch nicht an.“

An dem Tag, als Papst Benedikt XVI. den EU-Beitritt der Türkei befürwortet haben soll, beschrieb der vatikanische Rundfunksender den ersten Besuchstag seines Papstes in der Türkei mit folgendem Kommentar: „Erdogan, dem die EU den Stuhl vor die Tür zu setzen droht, hat die Gunst der Stunde genutzt, ausgerechnet den Papst als Kronzeugen für einen EU-Beitritt der Türkei heranzuziehen. Sollte Papst Benedikt tatsächlich seine Meinung zu dieser Frage geändert haben – oder hat der Politiker den Papst in diesem Punkt überrumpelt? Es wirkt schon etwas seltsam, dass jetzt ausgerechnet Papst Benedikt noch für einen EU-Beitritt der Türkei werben soll, wenn die EU selbst die Verhandlungen darüber wahrscheinlich auf Eis legt“ (Radio Vatikan, Sendung vom 28. November 2006; Hervorhebung durch uns).

Ganz gleich wie die zukünftigen Beziehungen zwischen Europa und der Türkei sein werden, zeigen die Prophezeiungen der Bibel – trotz der gegenwärtigen demografischen Entwicklung in Europa –, dass der vorherrschende religiöse Einfluss auf die letzte Wiederbelebung des Römischen Reiches kein islamischer sein wird. Der vorherrschende religiöse Einfluss wird derselbe sein, den die Bibel bei allen bisherigen Wiederbelebungen des vierten Reiches, das Nebukadnezar in seinem Traum gesehen hatte, vorhergesagt hat: „Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Gräuel auf Erden“ (Offenbarung 17,5).

– Gute Nachrichten Januar-Februar 2007 PDF-Datei dieser Ausgabe

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