
Zeit ist wie Geld. Wenn wir Geld verschwenden oder wegwerfen, ist es weg. Mit der Zeit sollten wir aber nicht so umgehen. Denn Zeit ist ein mindestens so kostbares und auch begrenztes Gut.
Von Jason Godfrey
Wir alle haben 24 Stunden am Tag, und doch kommt es uns manchmal so vor, als ob das nicht genug wäre. Vielleicht wünschen wir uns mehr Zeit und freuen uns deshalb auf den Ruhestand, in dem wir uns mehr Freizeit erhoffen. Falls Letzteres zutrifft, sollten Sie Ihre Meinung überdenken. Denn nach dem Eintritt in den Ruhestand können die Tage mit neuen Aufgaben so ausgefüllt sein, dass wir mehr zu tun haben als je zuvor. Es ist dann nicht ungewöhnlich, folgenden Satz zu hören: „Ich weiß gar nicht, wie ich früher Zeit zum Arbeiten gefunden habe.“
Aus unserer Sicht rast die Zeit. Die gute Nachricht ist hierbei jedoch: Wir haben den Einsatz der Zeit in unserer Hand. Daher können wir selbst bestimmen, wie wir einen Großteil unserer Zeit verbringen – im Guten wie im Schlechten.
In Epheser 5, Verse 15-16 rät uns der Apostel Paulus: „Lebt nicht wie Unwissende, sondern wie Menschen, die wissen, worauf es ankommt. Nutzt die Zeit; denn wir leben in einer bösen Welt“ (Gute Nachricht Bibel; alle Hervorhebungen durch uns).
Wie können wir ganz praktisch klug handeln und Chancen optimal nutzen? Betrachten wir einige wichtige Hinweise.
Zeitverschwendung durch Überengagement
Oft übersehen wir, dass wir tatsächlich Zeit ungünstig einsetzen, indem wir uns zu viele Aufgaben vornehmen. Unabhängig von unserer Tätigkeit sollten wir uns deshalb fragen, ob weniger nicht mehr sein wird. Zu viel Engagement kann dazu führen, dass wir Chancen verpassen.
Wenn wir zu beschäftigt sind, verpassen wir möglicherweise Gelegenheiten, wie wir unsere Zeit sinnvoller nutzen können. Denken wir an Marta, die Schwester von Maria aus Betanien. Sie konnte Jesus nicht zuhören, weil sie mit der Essenszubereitung beschäftigt war. Sie meinte es gut, wer sollte die Arbeit auch tun. Jedenfalls verhinderte es, dass sie sich zu den Füßen Jesu setzte konnte, um direkt von ihm zu lernen (Lukas 10,38-42).
Manchmal sollten wir uns auch fragen, ob unser Leben nicht zu überlastet ist. Haben wir genug Zeit für das Wesentliche? Das Wesentliche ist doch das von Gott verheißene Reich Gottes, worauf all unser Handeln ausgerichtet sein sollte. Diese Welt ist vergänglich und wird eines Tages untergehen. Wir müssen uns deshalb jetzt Zeit für das Wesentliche nehmen.
Zeitverschwendung durch Ablenkung
Nutzen wir die Zeit nicht sinnvoll, weil wir abgelenkt sind? In seinem Gleichnis vom Sämann erklärte Jesus, warum manche ihm nicht folgten. Über die dritte dieser Gruppen sagte er: „Und andere sind die, bei denen unter die Dornen gesät ist: die hören das Wort, und die Sorgen der Welt und der betrügerische Reichtum und die Begierden nach allem andern dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht“ (Markus 4,18-19).
Es ist leicht, zu viel Zeit in den sozialen Medien oder im Internet zu verbringen und dem zu folgen, was oft als „Clickbait“ oder Klickköder bezeichnet wird, also dem ständigen Wechsel von einer Meldung zur nächsten. Fernsehen kann sinnvoll genutzt werden, doch für viele wird es zur Zeitverschwendung. Selbst Zeitungen können eine ähnliche Ablenkung bieten.
Der Verfasser des Psalms 119 bat Gott: „Wende meine Augen ab, dass sie nicht sehen nach unnützer Lehre, und erquicke mich auf deinem Wege“ (Psalm 119,37). In diesem Fall bedeutet „unnütz“ nicht unbedingt „böse“, sondern eher „irreführend“. Meiden wir unnütze Lehre und bleiben wir stattdessen klug und konzentriert.
Zeitverschwendung durch mangelnde Prioritäten
Eine weitere Möglichkeit, eine Zeitverschwendung zu reduzieren, ist die Priorisierung unserer Aufgaben. Erstellen Sie gegebenenfalls eine Liste Ihrer Prioritäten und konzentrieren Sie sich dann auf Ihre wichtigsten Aufgaben. Oft verpassen wir wertvollen Zeitgewinn, nur weil wir dazu neigen, alles als gleich wichtig zu behandeln. Wir können Gutes tun, dabei aber das Beste verfehlen.
Israels König Salomo verfasste neben vielen Sprichwörtern im Buch Sprüche auch das Buch Prediger. In Prediger 3, Vers 1 schrieb er: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ In den folgenden sieben Versen dieses Kapitels nennt Salomo verschiedene Lebensbereiche, für die es jeweils eine „Zeit“ gibt.
Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass zwar alles seine Zeit hat, aber doch nicht alles gleichzeitig. So gilt es immer, wählerisch zu sein und unsere Zeit bewusst zu nutzen. Es gibt immer unterschiedliche Prioritäten und unsere Zeit ist begrenzt. Wir können sie weder anhalten noch zurückspulen oder wie in einem Spiel wieder von vorn beginnen.
Da Zeit ein so kostbares Gut ist, sollten wir uns bei allem, was wir tun, fragen: Ist dies der beste Einsatz meiner Zeit im Moment? Gibt es etwas anderes, das derzeit wichtiger ist?
In Prediger 3, Vers 4 heißt es beispielsweise, dass es eine Zeit zum Tanzen gibt. Doch wenn wir ständig tanzen, geht das dann auf Kosten des Schlafs oder der beruflichen Ausbildung? Tanzen mag ja schön sein, aber es wäre falsch, wenn dadurch wichtigere Aufgaben verdrängt würden.
Vielleicht denken wir, dass wir unsere ganze Zeit dem Bibelstudium widmen müssten, um alle Anweisungen Gottes an uns zu erfassen. Aber glauben Sie wirklich, dass man allein durch Bibellesen Christ werden kann?
Könnte jemand von uns ein Flugzeug fliegen lernen, indem er nur die Bedienungsanleitung liest? So wie das Fliegen Übung erfordert, so erfordert auch das Leben als Jünger Jesu Christi Übung. Wir müssen auch Zeit investieren, um das Gelernte anzuwenden.
An oberster Stelle unserer Prioritäten sollte die Pflege unserer Beziehung zu Gott durch Gebet, durch das Studium des Wortes Gottes sowie durch Meditation und Reflexion über das Gelesene stehen. König David schrieb: „Ich suche dich von ganzem Herzen; lass mich nicht abirren von deinen Geboten“ (Psalm 119,10).
Weitere wichtige Prioritäten sind Zeit für die Familie – sowohl für unsere Blutsverwandten als auch für unsere geistlichen Brüder und Schwestern in Christus – sowie für gute Freundschaften.
Raum für Verbesserungen
Ich hatte ja bereits das Tanzen erwähnt. Wie Salomo in Prediger 3 betont, hat auch das Tanzen seine richtige Zeit und ist an passender Stelle völlig in Ordnung – solange es nicht zulasten wichtigerer Dinge geht. Ich schaue zum Beispiel gern Motorradrennen. Nach einer stressigen Woche kann ich dabei wunderbar entspannen.
Ich könnte problemlos viel mehr Zeit mit dem Anschauen von Motorradrennen verbringen, aber das wäre unklug. Wir alle brauchen Zeit zum Abschalten, aber die Zeit dafür soll begrenzt sein. Ist sie einmal genutzt, ist sie für immer verloren.
Betrachten wir es mit der Zeit doch wie mit Geld! Geben wir Geld aus, erwarten wir dafür eine Gegenleistung, einen Wert. Wenn wir Geld verschwenden oder es aus dem Fenster werfen, ist es für immer verloren. Gehen wir mit unserer Zeit genauso um? Nutzen wir sie sinnvoll, um den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen? Oder lassen wir sie wie Sand durch die Finger rinnen – für immer verloren?
Ein weiterer Aspekt ist, alles, was uns begegnet, aus Gottes Perspektive zu betrachten. Deshalb ist es so wichtig, Zeit mit Gott im Gebet und beim Bibelstudium zu verbringen, damit wir anfangen, wie er zu denken. Mit der Zeit lernt man einen Menschen kennen – seine Vorlieben, seine Sorgen und seine Ansichten zu bestimmten Themen. Genauso ist es mit Gott.
Das gilt natürlich für unzählige Situationen. Wir sollen lernen, die von Gott geschenkte Weisheit im täglichen Leben anzuwenden. Wir sollten uns möglichst von unwichtigen Dingen abwenden und unser Leben so führen, wie Gott es von uns erwartet.
Unser Umgang mit Zeit und Zufriedenheit
Paulus sagte, er habe gelernt, in allem zufrieden zu sein: „Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut“ (Philipper 4,11-12). Ungeachtet der Umstände, in denen ich mich in meinem Leben befand, hatte ich immer ein Dach über dem Kopf und ausreichend zu essen. Ich weiß, dass Gott für mich sorgen wird. Wie ich meine Zeit nutze, muss ich hingegen selbst entscheiden.
Die neuesten und besten technischen Geräte zu besitzen, sofern es uns möglich ist, ist kein Problem. Es ist jedoch töricht, unsere ganze Zeit und Energie dafür aufzuwenden, um ständig nach den neuesten und besten Geräten zu streben.
Paulus hatte gelernt, Prioritäten zu setzen, sich zu konzentrieren und jede neue Gelegenheit als Geschenk Gottes anzunehmen. Er war zufrieden damit, zu dienen. Er war ein Beispiel für gelebte Weisheit und nutzte seine Zeit immer sinnvoll.
Als Jünger Jesu Christi sollte unser Hauptaugenmerk auf dem Reich Gottes liegen. Wir sollten dieses Ziel stets vor Augen haben. Fördert oder behindert unsere Zeiteinteilung dieses Ziel? Wir können unsere Zeit vergeuden oder sie sinnvoll nutzen. Werden wir am Ende unseres Lebens auf ein erfülltes Leben zurückblicken oder verpassten Gelegenheiten nachtrauern, weil wir Zeit verschwendet hatten?
Wie gesagt, betrachten Sie Zeit wie Geld. Wenn wir Geld verschwenden, ist es weg. Tun wir das Gleiche jedoch nicht mit unserer Zeit, sondern setzen wir sie weise für die notwendigen Handlungen ein. Wenn wir das tun, werden wir unsere Zeit sinnvoll nutzen und unsere Beziehung zu Gott gebührend pflegen. Deshalb: Was tun Sie die ganze Zeit?