Schreiten wir mutig voran wie diejenigen, die als namenlose Helden des Glaubens einen wichtigen Beitrag zum Plan Gottes geleistet haben. Gott weiß genau, wer wir sind und wie wir ihm dienen.

Von Robin Webber

Regelmäßige Leser dieser Artikelreihe erinnern sich vielleicht daran, dass ich letztes Jahr eine persönliche Betrachtung des amerikanischen Dichters und Essayisten Walt Whitman behandelt habe. Vor über 150 Jahren, kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, traf er mit einem Gedicht den Nagel auf den Kopf, als er den menschlichen Kampf um einen sinnvollen Lebensinhalt beschrieb.

Das Gedicht entstand in einer Zeit großer Umbrüche und Veränderungen, als die industrielle Revolution den Alltag rasant veränderte. Der Eisenbahnverkehr setzte sich durch, die Städte im Osten der USA wuchsen explosionsartig und die Fabriken produzierten auf Hochtouren.

Whitman schrieb sein Gedicht „Oh ich! Oh Leben!“, um die stille Verzweiflung und den ernsthaften Kampf in seinem Inneren zu erforschen. Dabei stellte er sich die Frage, welchen Sinn das Leben nicht nur für ihn, sondern auch für andere in der Zukunft haben könnte.

Betrachten wir noch einmal sein inneres Flehen, das hier in Kurzform wiedergegeben wird, in unserer heutigen, hektischen Welt.

Sein Gedicht beginnt: „Oh ich! Oh Leben! Auf alle diese wiederkehrenden Fragen, auf diesen unendlichen Zug der Ungläubigen, auf die Städte, die voller Narren sind ...“ Und es endet: „Was soll das alles, oh ich, oh Leben? Antworte: Dass du hier bist, dass es Leben und Identität gibt, dass das mächtige Spiel weitergeht und du einen Vers beisteuern kannst“ (Grashalme, 1855).

König David hatte ähnliche Gedanken, und das fast 2800 Jahre zuvor. Überwältigt von der Unermesslichkeit des strahlenden Himmelslichts über ihm, schrieb er: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Psalm 8,4-5).

Sein Nachkomme, unser Erlöser, kam in eine von Frustration und Hoffnungslosigkeit geprägte Welt und antwortete auf Davids Frage: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes 10,10). Er forderte diejenigen, die als seine Jünger seinen Auftrag erfüllen sollten, auf: „Folgt mir nach!“ (Matthäus 4,19; alle Hervorhebungen durch uns). Bei der Entfaltung der kraftvollen Botschaft des Evangeliums sollten Jesu Jünger auch „ihren Vers beisteuern“.

Wo gehöre ich hin?

Selbst wenn Gottes Plan in unseren Herzen wirkt, fragen wir uns manchmal: Wo gehöre ich hin? Weiß überhaupt jemand, dass es mich gibt? Weiß jemand meinen Namen, geschweige denn, welchen Einfluss ich auf andere haben könnte? Beim Anblick der großen Namen der Bibel wie Mose, David, Rut, Ester, Petrus und Paulus könnten wir verzweifelt ausrufen: „Wer bin ich? Wer kennt überhaupt meinen Namen? Wie kann ich da nur ‚einen Vers‘ beisteuern?“ Solche Fragen und Selbstzweifel müssen wir angehen, damit wir alle vorankommen können.

Wir alle haben eine Aufgabe zu erfüllen. Wie ich kürzlich in dieser Reihe schrieb, sagte Shakespeare in seinem Bühnenstück Wie es euch gefällt: „Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab.“

Wir sollten jeden Morgen mit dem Bewusstsein ins Leben treten, dass Gott allen, die zu ihm gehören, seinen Namen aufprägt. Wie bereits erwähnt, sagte Gott zu Mose bezüglich der Priester, die das Volk segnen sollten: „Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne“ (4. Mose 6,27).

Das Johannesevangelium erinnert uns darüber hinaus an die Gewissheit, dass Jesus der gute Hirte ist: „Die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus ... Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Johannes 10,3. 11). In seinen letzten Augenblicken als Mensch betete Jesus: „Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt [damals wie heute], und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir“ (Johannes 17,11-12). Und ich möchte hinzufügen: Wir alle würden gern „einen Vers“ beisteuern!

Letztendlich weiß Gott am besten, wer wir sind, wo wir sind und was wir in seinem Dienst tun, wenn wir uns den Menschen, Aufgaben und Möglichkeiten zuwenden, denen wir täglich begegnen. Es ist nun einmal so, dass Jünger Christi manchmal vom Weg abkommen – fragen Sie nur Petrus! –, aber Gott verliert niemals seinen Blick oder seine Liebe zu uns. Jesus machte dies deutlich, als er sagte, dass kein einziger Sperling auf die Erde fällt, ohne dass Gott, der Vater, es bemerkt. Er fügte hinzu: „Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge“ (Matthäus 10,29-31).

Halten Sie an dieser Gewissheit fest, während wir Jesu Einladung „Folgt mir nach!“ (Johannes 21,19) weiter nachgehen.

Namensaufruf der treuen Namenlosen

Die Bibel berichtet von vielen Helden des Glaubens, die Gott in Zeiten großer Bedrängnis treu blieben und uns ein motivierendes Beispiel hinterlassen haben. Wir mögen vor einigen dieser „großen Namen“, die in der Vergangenheit von Gott benutzt wurden, Ehrfurcht empfinden.

Haben Sie schon einmal an all die Menschen gedacht, die nicht namentlich in der Heiligen Schrift erwähnt werden, aber „ihren Vers“ zur Ehre Gottes beigesteuert haben, indem sie in einem entscheidenden Augenblick ihren festen Glauben unter Beweis stellten?

Wissen wir, wie der kleine Junge heißt, der Jesus seine Brote und seine Fische gab und damit entscheidend zum Wunder der Speisung der 5000 beitrug? „Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?“ (Johannes 6,5-9).

Oder den Namen der Frau mit dem Blutfluss, die Jesu Gewand von hinten berührte und daraufhin geheilt wurde? „Und Jesus fragte: Wer hat mich berührt? Als es aber alle abstritten, sprach Petrus: Meister, das Volk drängt und drückt dich. Jesus aber sprach: Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist. Als aber die Frau sah, dass es nicht verborgen blieb, kam sie mit Zittern und fiel vor ihm nieder und verkündete vor allem Volk, warum sie ihn angerührt hatte und wie sie sogleich gesund geworden war. Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!“ (Lukas 8,45-58).

Kennen wir den Namen des Mannes, der als Einziger von den zehn vom Aussatz Geheilten zurückkehrte, um Jesus zu danken? „Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?“ (Lukas 17,15-17).

Und kennen wir den Namen des heidnischen Hauptmanns, der gläubig wurde und sich um das Wohl seines Dieners sorgte? Über ihn sagte Jesus in Lukas 7, Vers 9: „Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“

Lasst uns für einen Moment die Liste der sogenannten Namenlosen fortsetzen. Kennen wir den Namen des reuigen Diebes am Kreuz, der mit Jesus gekreuzigt wurde und dessen Unschuld er bezeugte? „Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan“ (Lukas 23,39-41).

Und kennen wir die Namen der Christen in Italien, die dem Apostel Paulus auf dem Weg zu seinem Prozess in Rom entgegenkamen und ihn unter vielleicht großer Gefahr für ihr eigenes Leben ermutigten? „Dort [in Puteoli] fanden wir Brüder und wurden von ihnen gebeten, sieben Tage dazubleiben. Und so kamen wir nach Rom. Dort hatten die Brüder von uns gehört und kamen uns entgegen bis Forum Appii und Tres-Tabernae. Als Paulus sie sah, dankte er Gott und gewann Zuversicht“ (Apostelgeschichte 28,14-15).

Es gibt auch die namenlosen Helden des Glaubens im Hebräerbrief: „Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiederbekommen. Andere aber sind gemartert worden und haben die Freilassung nicht angenommen, damit sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten. Andere haben Spott und Geißelung erlitten, dazu Fesseln und Gefängnis. Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erduldet. Sie, deren die Welt nicht wert war, sind umhergeirrt in Wüsten, auf Bergen, in Höhlen und Erdlöchern. Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen“ (Hebräer 11,35-39).

Worum geht es mir dabei? Mein Punkt ist folgender: All diese namenlosen Menschen ergriffen ihre Chance und trugen mit einem ermutigenden „eigenen Vers“ dazu bei, dass sich die kraftvolle und wachsende Geschichte von Gottes Reich weiterentwickelte. Was war ihr gemeinsamer Nenner? Ihre kollektive und doch individuelle Identität fand in Christus ihren festen Platz. Wir erleben solche Momente täglich, wenn wir unseren himmlischen Vater im Gebet darum bitten, in unser Leben zu treten und uns fest in den Fußstapfen Jesu zu verankern. So können wir versuchen, seinem Beispiel zu folgen und die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern.

Unsere bevorstehende Herausforderung wird nicht vor dem brennenden Busch auf dem Berg Sinai (2. Mose 3) stattfinden, noch werden wir „im finstern Tal“ mit einer Schleuder und fünf Steinen einem Riesen gegenüberstehen (1. Samuel 17). Wir werden auch nicht vor den Intellektuellen Athens auf dem Areopag sprechen und von ihnen bespöttelt werden (Apostelgeschichte 17).

Was immer die Situation sein mag, ist es unsere Aufgabe, die Herausforderung anzunehmen und einen positiven „Vers“ beizusteuern, indem wir das Beispiel unseres Herrn und Meisters nachahmen. Das tun wir, indem wir christliche Nächstenliebe gegenüber anderen praktizieren und uns weise verhalten, was immer wir im Leben durchmachen. Lassen wir uns von der Gnade Gottes überwältigen!

Zum Schluss möchte ich Sie eindringlich bitten, nicht länger frustriert zu jammern und dem Leben zuzusehen, wie es an Ihnen vorbeizieht. Greifen Sie stattdessen nach der Realität, dass Gott etwas in Ihnen und in uns allen bewirken möchte, wenn wir jeden Morgen auf die Bühne des Lebens treten.

Lassen Sie sich niemals von den Herausforderungen überwältigen, die vor Ihnen liegen. Lassen Sie sich stattdessen von Gottes Gnade überwältigen. Sie öffnet Ihnen die Augen des Herzens für die Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten, um in seiner Zeit, auf seine Weise und zu seiner Ehre einen Beitrag zur Verkündigung der göttlichen Lebensweise und des Evangeliums vom Reich Gottes zu leisten.

Epheser 2, Verse 8-10 soll uns daran erinnern, dass Gott sich entschieden hat, in uns zu wirken und unsere Liebe zu stärken, damit sie auch andere erreicht. Lasst uns diesen Vers gemeinsam lesen und darüber nachdenken:

„Eure Rettung ist wirklich reine Gnade, und ihr empfangt sie allein durch den Glauben. Ihr selbst habt nichts dazu getan, sie ist Gottes Geschenk. Ihr habt sie nicht durch irgendein Tun verdient; denn niemand soll sich mit irgendetwas rühmen können. Wir sind ganz und gar Gottes Werk. Durch Jesus Christus hat er uns so geschaffen, dass wir nun Gutes tun können. Er hat sogar unsere guten Taten im Voraus geschaffen, damit sie nun in unserem Leben Wirklichkeit werden“ (Gute Nachricht Bibel).

Bis zum nächsten Mal: Unterschätzen Sie niemals, was Gott aus Ihnen machen kann. Denken Sie immer daran: Es kommt nie auf die Größe der Aufgabe oder der Gelegenheit an, sondern auf die Größe unseres Herzens, seine Gegenwart in uns anzunehmen und im jeweiligen Moment zu handeln!