
Kommt der Christ direkt nach dem Tod in den Himmel, um dort ewig auf Gottes Antlitz zu starren? Oder gibt es die Auferstehung zum ewigen Leben im Reich Gottes?
Von Paul Kieffer
Das Christentum präsentiert sich heute bekanntlich nicht mehr als monolithischer Block, sondern als vielfältiges Spektrum aus Konfessionen und Glaubensgemeinschaften. Eine wesentliche Ursache dieser Zersplitterung liegt in grundlegend unterschiedlichen Lehren – auch dort, wo es um Leben, Tod und das Jenseits geht.
Woher rührt jedoch diese babylonische Sprach- und Meinungsverwirrung über das Schicksal nach dem Tod und den Lohn, der den Gläubigen erwartet? Warum halten so viele Christen an der Vorstellung einer unsterblichen Seele fest, die den Körper überdauert und – je nach Lehre – in den Himmel aufsteigt, ins Fegefeuer absteigt oder in der Hölle Qualen ewiglich erleidet?
Die biblischen Aussagen über das Wesen des Menschen, seinen Lebenssinn, seine eigentliche Bestimmung und den Weg, dieser Bestimmung zu entsprechen, sind von erstaunlicher Klarheit. Wer sich aus dem Nebel der vielen widersprüchlichen Lehren befreien will, muss nur das Wort Gottes selbst befragen. Dort steht unmissverständlich, was der Mensch ist und wozu er geschaffen wurde.
Ein weitverbreiteter Glaubenssatz
Als Kind wurde mir erzählt, wir seien von Geburt an unsterbliche Seelen, die Unsterblichkeit würde schon jetzt zu unserem Wesen gehören. Wer an Jesus Christus glaube, dem stehe dereinst der Himmel offen – so hieß es. So dachte ich, eines Tages werde auch ich, wie all die anderen gläubigen Christen, gleich nach dem Tod in den Himmel eingehen und dort ewiges Leben haben.
Später stieß ich zusätzlich zur Idee einer unsterblichen Seele auch auf den Glauben an die Auferstehung der Toten. Diese beiden Vorstellungen schienen mir von Anfang an nicht recht zusammenzupassen. Denn wenn tatsächlich ein unsterblicher Kern in mir steckt, der den Tod überdauert, weshalb würde es dann überhaupt noch eine Auferstehung brauchen? Wovon sollte ich dann „auferweckt“ werden?
Dann habe ich herausgefunden, wie man diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen versuchte: Nach dem Tod erhalten die Menschen sofort ihren Lohn oder ihre Strafe – die Gerechten gehen ins Paradies bzw. in den Himmel, die Bösen in die Hölle.
Dort verbleiben ihre Seelen bis zum Jüngsten Gericht. Erst dann, am Ende der Zeiten, werden die Seelen der Gerechten (im Himmel) und die der Verdammten (in der Hölle) wieder mit ihren auferweckten Leibern vereinigt.
Zweifellos faszinierend – aber stimmt das auch?
Als ich mich nach meinem Schulabschluss ernsthaft mit der Bibel auseinandersetzte und sie wirklich gründlich las, fiel mir auf: Sie ist in diesem Punkt erstaunlich einheitlich. Vom Alten bis zum Neuen Testament zieht sich eine klare, konsequente Linie durch: eine einzige, bestimmte Sicht darauf, was der Mensch eigentlich ist, wozu er geschaffen wurde und was nach dem Tod mit ihm geschieht.
Auferstehung – schon bei den alten Ägyptern?
Bevor wir uns der Bibel zuwenden, lohnt ein kurzer Blick in die Geschichte. In den Grabkammern der Pharaonen im Tal der Könige bei Luxor erzählen Hieroglyphen und Wandmalereien von einer Auferstehung – von einer Erweckung zu neuem Leben nach dem Tod.
Woher kannten die alten Ägypter diesen Gedanken an eine Auferstehung, ohne – aus biblischer Sicht – Zugang zur Offenbarung des Schöpfers?
Ein eindrucksvolles Beispiel ist Pharao Tutanchamun. Sein Grab ist das einzige, das nahezu unversehrt gefunden wurde und barg unvorstellbare Pracht. Seine Mumie und die reichen Grabbeigaben sind heute im Kairoer Museum (bzw. im neuen Grand Egyptian Museum) ausgestellt und ziehen seit Jahrzehnten Millionen von Besuchern an.
Warum trafen die Pharaonen derart aufwendige Vorkehrungen für ihr Begräbnis? Warum ließen sie ihre Leiber mumifizieren und mit reichen Gaben umgeben? Ganz einfach: Sie glaubten fest an ein Leben nach dem Tod – an eine Auferstehung, an ein Wiedererwachen in einer neuen Existenz. Die Grabbeigaben – Alltagsgegenstände, Luxusartikel, Speisen – sollten genau diesem zukünftigen Leben dienen.
Aber wie kamen die alten Ägypter, die doch als Heiden galten, zu dieser Vorstellung? Weder die Bibel noch die weltliche Geschichtsforschung liefern hier einen eindeutigen Anhaltspunkt.
Allerdings: Noah wusste von der Auferstehung – und seine Söhne Sem, Jafet und Ham wussten es ebenfalls. Da nun manche Mizrajim, den Sohn Hams, als Stammvater der Ägypter identifizieren (1. Mose 10), wird verständlich, wie diese Wahrheit in die ägyptische Kultur überliefert werden konnte.
Außerdem lebten die Patriarchen Abraham, Jakob und Joseph jahrelang in Ägypten. Abraham glaubte fest an die Auferstehung – wie Hebräer 11, Verse 19 und 35 zeigen.
Jakob und Joseph teilten diese Hoffnung ebenfalls. Joseph, der als Statthalter unter dem Pharao diente (oft mit Amenemhet III. in Verbindung gebracht), war besonders lange im Land und hatte hohen Einfluss.
Sie alle wussten: Gott wird die Toten auferwecken. Es liegt daher nahe, dass sie dieses Wissen – bewusst oder unbewusst – an die Ägypter weitergegeben haben könnten.
Der Glaube an die Unsterblichkeit in der Antike
Woher stammt nun diese völlig andere Lehre von der Unsterblichkeit der Seele – jene Vorstellung, die so stark vom biblischen Auferstehungsglauben abweicht? Der englische Historiker Edward Gibbon äußert sich in seinem Werk Der Untergang des Römischen Weltreiches dazu sehr pointiert:
„Die Schriften Ciceros schildern in den lebhaftesten Farben die Unwissenheit, die Irrtümer und die Ungewissheit der alten Philosophen in Betreff der Unsterblichkeit der Seele ... die Philosophen, welche in Platos Fußstapfen traten, [leiteten] einen sehr unverantwortlichen Schluss ab, indem sie nicht bloß die künftige Unsterblichkeit, sondern auch die vergangene Ewigkeit der menschlichen Seele behaupteten“ (Der Untergang des Römischen Weltreiches, Wien-Leipzig-Olten, Bernina, 1934, Seiten 409-410).
Gibbon zeigt dann, wie der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele zur „Wahrheit“ aufrückte:
„Die wichtige Wahrheit der Unsterblichkeit der Seele wurde sowohl mit mehr Eifer als mit mehr Erfolg in Indien, Assyrien, Ägypten und Gallien gelehrt ... Indessen sind wir verpflichtet, die geheimnisvollen Fügungen der Vorsehung zu preisen, wenn wir entdecken, dass die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele im mosaischen Gesetz ausgelassen ist“ (ebenda, Seite 411).
Wie stellten sich die Juden zu dieser neuen Doktrin? Gibbon sagt, die Sadduzäer „verwarfen frommerweise die Unsterblichkeit der Seele als eine Meinung, welche durch das göttliche Buch ... keine Bestätigung erhielt“ (ebenda, Seiten 411-412). Sie verwarfen allerdings auch eine Auferstehung der Toten, siehe Matthäus 22, Verse 23-32.
Jedoch „wurde die [Lehre von der] Unsterblichkeit der Seele die herrschende Ansicht der Synagoge unter der Regierung hasmonäischer Fürsten und Hohepriester ... Dieser Eifer [der Juden] vermehrte aber weder ihren Beweis noch ihre Wahrscheinlichkeit, es blieb daher noch immer notwendig, dass die Lehre des Lebens und der Unsterblichkeit, welche von der Natur eingeflößt, von der Vernunft gebilligt und von dem Aberglauben angenommen wurde, ihre Heiligung als göttliche Wahrheit durch die Macht und das [angebliche] Beispiel Christi erhalte“ (ebenda, Seite 412).
Aber: Jesus Christus hat diese Lehre von der Unsterblichkeit der Seele – weder in Worten noch in Taten – je vertreten oder bestätigt.
Doch wie sah es bei den Griechen aus? Anders als viele antike Völker – und im Gegensatz zum biblischen Auferstehungsglauben – kannten die Griechen keine leibliche Auferstehung. Stattdessen übernahmen sie (inspiriert vom babylonischen Denken) die Vorstellung einer unsterblichen Seele, die den Leib beim Tod verlässt und an einem anderen Ort weiter existiert.
Diese hellenistische Auffassung von der natürlichen Unsterblichkeit der Seele schlug später Wurzeln: nur in geringem Maße im Judentum der Spätzeit, dafür umso stärker im entstehenden Christentum.
Entscheidend ist jedoch: Der Gedanke einer natürlichen Unsterblichkeit des Menschen – oder genauer: seiner Seele – stammt nicht aus Gottes Wort und nicht von Gott selbst. Er hat seinen Ursprung direkt im Heidentum, vor allem in der griechischen Philosophie (Platon und seine Vorgänger). Das lässt sich in jedem seriösen Lexikon oder theologischen Nachschlagewerk nachlesen – unter Stichworten wie „Seele“, „Unsterblichkeit der Seele“, „Anthropologie“ oder „Jenseitsvorstellungen“.
Können „Seelen“ sterben?
Was sagt die Bibel nun über das Wesen des Menschen? Was widerfährt ihm nach dem Tod? Besitzt (oder ist) der Mensch eine unsterbliche Seele – oder lehrt die Schrift etwas grundlegend anderes?
Es heißt: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen [alte Lutherbibel: Seele]“ (1. Mose 2,7).
Das hebräische Wort nephesch, das in älteren Übersetzungen oft mit „Seele“ übersetzt wurde, bedeutet grundsätzlich „lebendiges Wesen“, „Atemwesen“ oder „Lebewesen“. Interessant ist vor allem: Das Wort nephesch wird in den hebräischen Schriften auch ganz selbstverständlich auf Tiere angewendet – einfach um ihr lebendiges, atmendes Dasein zu bezeichnen. Es steht also nicht für eine unsterbliche, immaterielle „Seele“, sondern für das organische Leben schlechthin – bei Mensch und Tier gleichermaßen.
Können Seelen sterben? „Die Seele [nephesch], die sündigt, soll sterben! ... Die Seele [nephesch], welche sündigt, die soll sterben!“ (Hesekiel 18,4. 20; Schlachter-Bibel, alle Hervorhebungen durch uns).
Die Seele kann also sterben. Wenn neutestamentliche Schreiber alttestamentliche Stellen zitieren, in denen nephesch („Seele“) vorkommt, benutzen sie die griechische Entsprechung, psyche, was, genau wie nephesch, „lebendes Wesen“ bedeutet.
So sagte Jesus über die Seele (psyche): „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele [psyche] nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem [Gott], der Leib und Seele [psyche] verderben kann in der Hölle [Gehenna, d. h. dem Feuersee]“ (Matthäus 10,28).
Der Mensch ist sterblich
Der Apostel Paulus ermahnt uns eindringlich: „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam“ (Römer 6,12). Achten wir aber auch auf die große Verheißung: Eben dieser sterbliche Leib wird nicht verloren sein – Gott wird ihn durch seinen in euch wohnenden Geist wieder lebendig machen (Römer 8,11).
Bei der Auferstehung wird „dies Sterbliche ... anziehen die Unsterblichkeit“ (1. Korinther 15,53). Die Leiber der Christen bezeichnet Paulus als „unser sterbliches Fleisch“ (2. Korinther 4,11), fügt aber hinzu, es kommt die Zeit, wenn „das Sterbliche verschlungen werde von dem [ewigen] Leben“ (2. Korinther 5,4).
Unter göttlicher Inspiration gab Paulus diese wunderbare Verheißung der Unsterblichkeit: „Ewiges Leben wird er denen geben, die mit Ausdauer Gutes tun und alles daransetzen, an Gottes unvergänglicher Herrlichkeit und Ehre teilzuhaben“ (Römer 2,7; „Hoffnung für alle“-Bibel).
Die Unsterblichkeit fällt uns nicht einfach zu – wir müssen ernsthaft danach trachten, damit Gott sie uns schenkt. Denn nur er allein „hat Unsterblichkeit“ (1. Timotheus 6,16) und kann sie auch vergeben. „Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit!“ (1. Timotheus 1,17).
Gottes Gnadengeschenk an uns, das ewige Leben, ist jetzt „offenbart ... durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium“ (2. Timotheus 1,10).
Haben die Toten noch Bewusstsein?
Da der Mensch sterblich ist – eine Tatsache, die wir täglich erleben –, stellt sich die zentrale Frage: Was geschieht nach dem Tod? Geht die Seele unmittelbar in den Himmel oder in die Hölle, lebt sie dort bewusst weiter – oder gibt es nach dem Tod gar kein Bewusstsein mehr, kein Denken, kein Fühlen, kein Wahrnehmen?
Israels König David schrieb dazu: „Verlasst euch nicht auf Leute, die Macht und Einfluss haben! Sie sind auch nur Menschen und können euch nicht helfen. Sie müssen sterben und zu Staub zerfallen und mit ihnen vergehen auch ihre Pläne“ (Psalm 146,3-4; Gute Nachricht Bibel).
Und Davids Sohn Salomo offenbarte Ähnliches: „Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit“ (Prediger 9,10). Das zeigt, dass mit dem Tode alles Denken aufhört.
Von der Schöpfung bis zur Offenbarung lehrt die Bibel durchgehend: Der Mensch ist sterblich und dem Tod unterworfen. Er „entschläft“ und ruht im Grab – in einem Zustand ohne Bewusstsein, ohne Wahrnehmung, Denken oder Handeln – bis Gott ihn in der Auferstehung wieder erweckt. (Siehe auch Psalm 6, Vers 6 und Psalm 115, Vers 17.)
Zwar berichtet die Bibel von mehreren Auferweckungen zu leiblichem Leben, doch nirgends wird erwähnt, dass die Erweckten sich an etwas aus der Zeit ihres Todes erinnert hätten. Nehmen wir Lazarus: Er lag bereits „vier Tage“ im Grab (Johannes 11,17), bevor Jesus ihn auferweckte. In dieser ganzen Zeit hatte er keinerlei Bewusstsein. Jesus selbst beschrieb seinen Zustand treffend: „Lazarus, unser Freund, schläft, aber ich gehe hin, ihn aufzuwecken“ (Johannes 11,11). Der Tod war für ihn wie ein tiefer, traumloser Schlaf.
Die Auferstehung im Alten Testament
Die zitierten Stellen aus den Psalmen und dem Buch Prediger schildern eindrücklich den Zustand der Toten: kein Bewusstsein, kein Lob Gottes, kein Tun mehr im Reich der Schatten. Doch was sagt das Alte Testament über die Auferstehung der Toten?
Es ist bemerkenswert, wie klar bereits mehrere alttestamentliche Propheten und Autoren von einer Auferstehung des Menschen zum Leben sprechen. Besonders eindrucksvoll äußert sich David in Psalm 16, Verse 9-10:
„Darum freut sich mein Herz, und meine Seele frohlockt; auch mein Fleisch wird sicher ruhen. Denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich überlassen und wirst nicht zulassen, dass dein Frommer die Verwesung sehe“ (Schlachter-Bibel).
In der Apostelgeschichte wird dieser Vers von Petrus und später von Paulus explizit messianisch auf Jesus Christus bezogen. Der „Fromme“ (oder „Heilige“) ist niemand anders als der Messias, der dem Tod nicht endgültig überlassen wird und dessen Leib die Verwesung nicht sieht – eine klare prophetische Ankündigung der Auferstehung Jesu.
Christi „Seele“ wurde nicht dem „Hades“ (dem Totenreich) überlassen, und sein Leib sah keine Verwesung (Apostelgeschichte 2,27. 31). Jesus wurde zu Beginn des Frühlings in einem Felsengrab bestattet, bei kühler Witterung und in einem trockenen, kühlen Grab. Dadurch setzte die körperliche Zersetzung (Verwesung) erst deutlich verzögert ein. Er ist nach drei Tagen und drei Nächten im Grab auferstanden – lange bevor sichtbare Fäulnis oder Auflösung des Leibes hätte beginnen können.
Tatsächlich ist die Auferstehung Jesu Christi – die David bereits prophetisch voraussagte – Sinnbild und Vorläufer jener Auferstehung, die Gott allen verheißt, die ihm im Glauben gehorsam sind. Paulus schreibt unter der Inspiration des heiligen Geistes:
„Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Römer 8,11).
Dieser Vers zeigt eindrucksvoll die enge Verbindung: Der gleiche Geist, der Jesus vom Tod auferweckte, wohnt in den Gläubigen und wird einst auch ihre sterblichen Leiber in unverweslicher Herrlichkeit auferwecken – genau wie bei Christus selbst.
David war bei Weitem nicht der Einzige im Alten Testament, der an eine Auferstehung von den Toten glaubte. Schon Jahrhunderte früher – weit vor Davids Zeit – bekannte ein leidender Diener Gottes, Hiob, seinen unerschütterlichen Glauben an eine zukünftige Auferweckung durch seinen lebendigen Erlöser. Inmitten tiefster Not und Verzweiflung ruft er aus:
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben. Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los, Gott schauen“ (Hiob 19,25-26; Schlachter-Bibel).
Hiob war sich dessen gewiss: Auch wenn sein Leib zerfällt und vergeht – eines Tages wird er auferstehen und seinen Erlöser von Angesicht zu Angesicht sehen. Dieser Glaube an die leibliche Auferstehung und das Schauen Gottes ist einer der frühesten und kraftvollsten Zeugnisse im Alten Testament – ein Vorbote der großen Hoffnung, die im Neuen Testament durch Christus erfüllt wird.
Auch der Prophet Jesaja glaubte an eine Auferstehung: „Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen. Wachet auf und rühmet, die ihr liegt unter der Erde! Denn ein Tau der Lichter ist dein Tau, und die Erde wird die Toten herausgeben“ (Jesaja 26,19).
Auch bei Hesekiel findet sich eine eindrucksvolle Prophezeiung, die dem ganzen Haus Israel eine Auferstehung zum Leben verheißt. Berühmt ist seine Vision vom weiten Tal, das voller trockener Totengebeine lag:
„Und er sprach zu mir: Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Gebeine, höret des Herrn Wort! So spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Siehe, ich will Odem in euch bringen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut und will euch Odem geben, dass ihr wieder lebendig werdet; und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin“ (Hesekiel 37,4-6).
Weiter spricht Gott durch Hesekiel: „So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels“ (Vers 12). Gott selbst erklärt hier das Bild: Die verdorrten Gebeine symbolisieren ein Volk in tiefer Hoffnungslosigkeit und „geistlichem Tod“ – zerstreut, entmutigt, scheinbar endgültig verloren. Doch er verheißt nicht nur nationale Wiederherstellung im Land, sondern eine echte Lebenswende durch seinen Geist: Er öffnet Gräber, holt sein Volk heraus und haucht ihm neues Leben ein.
Diese prophetische Zusage einer Auferstehung und Erneuerung Israels ist eines der kraftvollsten alttestamentlichen Bilder für Gottes souveräne Macht über Tod und Verzweiflung – und ein Vorbote der geistlichen und leiblichen Auferstehung, die im Neuen Testament durch Jesus Christus ihre Erfüllung findet.
Der Prophet Daniel blickte noch weiter voraus und sah sogar zwei unterschiedliche Auferstehungen: „Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande“ (Daniel 12,2).
Hier wird erstmals im Alten Testament deutlich unterschieden zwischen einer Auferstehung zum ewigen Leben und einer Auferstehung zum Gericht – ein entscheidender Hinweis auf die endzeitliche Auferstehung aller Menschen, auf die Jesus und die Apostel später eingehen (z. B. Johannes 5,28-29; Apostelgeschichte 24,15).
Am Ende der Vision wendet sich ein Engel direkt an Daniel und spricht ihm persönlich Trost und Gewissheit zu: „Du aber, Daniel, geh hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du auferstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage!“ (Daniel 12,13).
Hosea glaubte ebenfalls an die Auferstehung: „Aber ich will sie aus dem Totenreich erlösen und vom Tode erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein; Totenreich, ich will dir eine Pest sein“ (Hosea 13,14).
Das elfte Kapitel des Hebräerbriefes führt eine beeindruckende Wolke von Zeugen auf – gläubige Diener Gottes aus alttestamentlicher Zeit, die durch ihren Glauben Gott gehorsam waren. Viele von ihnen nahmen sogar schwere Qualen und einen grausamen Tod freiwillig auf sich,„auf dass sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten“ (Hebräer 11,35; Lutherbibel 2017).
Der Patriarch Abraham stand so fest im Glauben, dass er – als Gott ihn aufforderte, seinen Sohn Isaak als Opfer darzubringen – nicht einen Augenblick an der Möglichkeit einer Auferstehung Isaaks zweifelte. Der Hebräerbrief erklärt es eindrucksvoll:
„Durch den Glauben opferte Abraham den Isaak, als er versucht wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, als er schon die Verheißung empfangen hatte und ihm gesagt worden war: Was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden. Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken“ (Hebräer 11,17-19).
Abraham wusste genau, dass Gott ihm und seinen Nachkommen das Heilige Land als ewiges Besitztum verheißen hatte (1. Mose 13,15; 17,8). Doch dieses Versprechen konnte für Abraham persönlich nur durch eine Auferstehung erfüllt werden, denn er würde das Land nie in diesem Leben dauerhaft besitzen.
Deshalb schaute sein Glaube weit über das Irdische hinaus: „Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ (Hebräer 11,10). Abraham glaubte fest: Gott wird ihn auferwecken, damit er im neuen Jerusalem auf der neuen Erde wohnt – wo Tod, Leid, Geschrei und Schmerz nicht mehr sein werden (Offenbarung 21,4). Das war seine unerschütterliche Hoffnung.
Selbst Mose – was vielen Christen nicht bewusst ist – hat bereits in seinem Segenslied eine prophetische Andeutung der Verklärung und Auferstehung der Heiligen beim zweiten Kommen Christi gegeben, eine endgültige Vereinigung mit ihrem Herrn. In 5. Mose 33, Verse 2-3 heißt es:
„Der Herr ist vom Sinai gekommen und ist ihnen aufgeleuchtet von Seïr her. Er ist erschienen vom Berge Paran her und ist gezogen nach Meribat-Kadesch; in seiner Rechten ist ein feuriges Gesetz für sie. Wie hat er sein Volk so lieb! Alle Heiligen sind in deiner Hand. Sie werden sich [in der Zukunft] setzen zu deinen Füßen und werden lernen von deinen Worten.“
Die zitierte Prophezeiung bezieht sich auf das zweite Kommen Christi – auf jenen Augenblick, in dem viele Tausende von Heiligen (sowohl Israeliten als auch Menschen aus den Nationen) aus den Gräbern auferweckt werden. Als kollektive Braut werden sie dann mit Christus vereinigt. Er wird ihnen sein Gesetz anvertrauen, damit sie alle Völker darin unterweisen – in jener wunderbaren, utopischen Welt von morgen, dem kommenden Reich Gottes (siehe 1. Thessalonicher 4,13-18).
Die wahre Hoffnung aller Menschen
Zu Daniel 12, Vers 2 bemerkt die Encyclopaedia Britannica: „Es sei angemerkt, dass hier nicht von der Unsterblichkeit der Seele die Rede ist, sondern von der Auferstehung der Toten. Diese blieben tot – ‚schlafend im Staub der Erde‘ – bis zur Endzeit (wenn ‚dein Volk errettet werden wird‘). Dies bleibt im Judentum wie im Christentum die maßgebliche Hoffnung und Erwartung“ (Encyclopaedia Britannica, Stichwort „Eschatology“, 14. Auflage, 1973, Band VIII, Seite 696).
Man mag die Bibel noch so gründlich durchforschen, aber eine andere Lehre findet man nicht. Sie verkündet die Auferstehung der Toten – und nicht die Unsterblichkeit der Seele.
Nur Gott kann uns sagen, was nach dem Tod auf uns wartet, worin unsere höchste Bestimmung besteht und wie wir sie erreichen. Er hat uns seine Wahrheit in der Bibel offenbart und ausschließlich dort finden wir verlässliche Antworten auf die tiefsten Fragen unseres Daseins.
In einer Welt voller Unsicherheit gibt es für uns Menschen letztlich nur eine echte Hoffnung: die Auferstehung von den Toten. Die Bibel bezeugt durchgehend – von Paulus bis Petrus –, dass dies die einzige verlässliche Hoffnung ist (vgl. 1. Korinther 15,19; Apostelgeschichte 24,15; Titus 2,13).
Ohne sie wären wir „die elendesten von allen Menschen“ – mit ihr aber haben wir allen Grund zur Freude. Darauf dürfen wir uns verlassen!