„Ein Schnäppchen machte Amerika zur Supermacht. Die Geschichte hat es gut gemeint mit den Vereinigten Staaten.“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. April 2003 zum 200. Jahrestag des Louisiana-Landkaufs von 1803

Von Dan Preston und Paul Kieffer

Fragt man einen Amerikaner, was sein Land groß gemacht hat, dreht sich die Antwort wahrscheinlich um den Segen der Freiheit. Demokratische Wahlen, unveräußerliche Grundrechte, die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wo und wie man leben möchte – all das sind für ihn die tragenden Säulen amerikanischer Größe.

Fragt man dieselben Menschen jedoch, wie Amerika zu diesen Errungenschaften gekommen ist, wird die Antwort meist vage. Manche verweisen auf die reichen natürlichen Ressourcen – fruchtbare Böden, gewaltige Mineralvorkommen, endlose Wälder. Andere heben die geografischen Vorteile hervor: schiffbare Flüsse, geschützte Häfen und natürliche Grenzen, die eine vergleichsweise einfache Verteidigung des Landes ermöglichten.

Zweifellos haben diese Faktoren eine wichtige Rolle gespielt. Sie schufen die Voraussetzungen, dass visionäre Industrielle wie Vanderbilt, Carnegie und Rockefeller die physische Infrastruktur eines ganzen Kontinents aufbauen konnten. Doch erklärt das wirklich alles? War es am Ende nur eine glückliche Kombination aus Ressourcen, Geografie und Zeit – oder gab es noch etwas Tieferes, das Amerika zu dem gemacht hat, was es heute ist?

Historiker würden Ihnen vielleicht sagen, dass die übermäßige Besteuerung durch die Briten, die Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der anschließende Revolutionskrieg entscheidend für die Entstehung der Vereinigten Staaten waren. Das ist zweifellos richtig. Doch erklärt das wirklich die eigentliche Quelle der Freiheit und des beispiellosen Wohlstands, die Amerika zur mächtigsten Nation der Geschichte gemacht hat?

Der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, hätte darauf eine klare Antwort gehabt: Es waren weit mehr als nur glückliche Umstände, die Amerika zu dem gemacht hat, was es bereits vor über 150 Jahren war. Im März 1863 schrieb er:

„Wir sind die Empfänger der auserlesensten Fülle des Himmels gewesen. Wir haben viele Jahre in Frieden und Wohlstand gelebt. Wie kein anderes Volk zuvor sind wir an Zahl, Reichtum und Einfluss gewachsen ... Doch in der Eitelkeit und Falschheit unseres Herzens haben wir uns eingeredet, all diese Segnungen seien allein das Ergebnis unserer eigenen überlegenen Weisheit und Tugend.

Berauscht vom ununterbrochenen Erfolg, sind wir zu selbstgefällig geworden, um die Notwendigkeit der Erlösung und des gnädigen Schutzes noch zu erkennen ... Wir haben Gott vergessen. Wir haben die gnädige Hand vergessen, die uns in Frieden bewahrt, uns vermehrt, bereichert und gestärkt hat.“

Abraham Lincoln sah die Quelle jener „glücklichen Umstände“, die Amerika groß gemacht hatten, in Gott. Doch selbst er erkannte den wahren Ursprung dieser Segnungen nicht – denn nur sehr wenige Menschen kennen ihn.

Eine übersehene Verheißung der Antike

Die eigentliche Antwort auf die Frage nach Amerikas Größe reicht Jahrtausende vor seiner Gründung zurück. Die Geschichte beginnt in 1. Mose 12, Verse 1-3 mit einer göttlichen Aufforderung an den Patriarchen Abram.

„Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.

Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

So unwahrscheinlich es klingen mag: Amerikas Aufstieg zur Weltmacht hat seinen Ursprung in den Verheißungen, die Gott einst Abram gab – jenem Mann, dessen Name später in Abraham geändert wurde.

Obwohl die Bibel Amerika natürlich nicht beim Namen nennt, beschreibt sie doch mit großer Klarheit die Segnungen, die Abraham und seinen Nachkommen zuteilwerden sollten. Wer diese Verheißungen ernst nimmt und sie mit den „glücklichen Umständen“ des historischen Werdegangs der Vereinigten Staaten vergleicht, vermag eine verblüffende, geradezu überwältigende Verbindung zu erkennen.

Die Verheißung an Abraham wird weitergegeben

Der direkte Stammbaum Abrahams ist in der Bibel klar und unmissverständlich aufgezeichnet. Abraham hatte zwei Söhne – Ismael und Isaak. Doch nicht Ismael, sondern Isaak erhielt die Fortsetzung des Segens (1. Mose 26,24).

Von Isaak aus wurde dieser Segen an Jakob weitergegeben. Eigentlich hätte nach altem Recht der ältere Bruder Esau das Erstgeburtsrecht erhalten sollen. Gott jedoch hatte Rebekka bereits vor der Geburt der Zwillinge gesagt: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen“ (1. Mose 25,23). Und so geschah es auch. Die Bibel schildert ausführlich, wie der väterliche Segen schließlich auf Jakob überging (1. Mose 27,21-29; 28,3-4).

Obwohl Jakobs Leben von Täuschung, Flucht und inneren Kämpfen geprägt war, blieb Gott seinem Wort treu: Durch Jakob führte er die große Verheißung an Abraham unverbrüchlich fort.

„Und Gott erschien Jakob abermals, nachdem er aus Mesopotamien gekommen war, und segnete ihn und sprach zu ihm: Du heißt Jakob; aber du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel sollst du heißen. Und so nannte er ihn Israel. Und Gott sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Menge von Völkern sollen von dir kommen, und Könige sollen von dir abstammen, und das Land, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, will ich dir geben und will’s deinem Geschlecht nach dir geben“ (1. Mose 35,9-12).

Von dort aus gab Israel – früher Jakob – diese Segnungen an seine zwölf Söhne weiter. Den größten und wertvollsten Teil der materiellen Segnungen übertrug er jedoch einem einzelnen Sohn, Joseph – und damit konkret dessen beiden Söhnen Ephraim und Manasse.

„Israel streckte seine rechte Hand aus und legte sie auf Ephraims, des Jüngeren, Haupt und seine linke auf Manasses Haupt und kreuzte seine Arme, obwohl Manasse der Erstgeborene war. Und er segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak gewandelt sind, der Gott, der mein Hirte gewesen ist mein Leben lang bis auf diesen Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Übel, der segne die Knaben, dass durch sie mein und meiner Väter Abraham und Isaak Name fortlebe, dass sie wachsen und viel werden auf Erden“ (1. Mose 48,14-16).

Wo finden wir diese Segnungen heute?

Gottes besonderer Segen wird in den weiteren Geschichten der beiden Brüder Ephraim und Manasse lebendig und entfaltet sich dort auf eindrucksvolle Weise. „Josef wird wachsen, er wird wachsen wie ein Baum an der Quelle, dass die Zweige emporsteigen über die Mauer“ (1. Mose 49,22).

Um die heutigen Nachkommen von Ephraim und Manasse zu identifizieren, lohnt es sich, eine klare Frage zu stellen: Welche Völker der Erde verfügten seit der Gründung der USA über einen weitverbreiteten, außergewöhnlichen materiellen Wohlstand?

Materielle und finanzielle Segnungen waren jedoch nur ein Teil der biblischen Verheißungen. Ebenso wurden Stärke, Macht und weltweiter Einfluss angekündigt. In den Versen 23-24 heißt es: „Und wiewohl ihn die Schützen erzürnen und gegen ihn kämpfen und ihn verfolgen, so bleibt doch sein Bogen fest und seine Arme und Hände stark durch die Hände des Mächtigen in Jakob, durch ihn, den Hirten und Fels Israels.“

Ob man die britische Herrschaft nun bewundert oder verurteilt: Eines lässt sich nicht ernsthaft bestreiten: Das Britische Empire hat die moderne Welt wie kaum eine andere Macht geprägt. Trotz aller menschlichen Fehlbarkeit und der schrecklichen Gräueltaten, die auch unter britischer Flagge begangen wurden, sorgte Gott dafür, dass sein Segen sich dennoch ausbreitete.

Der Historiker Fritz Blackwell macht in seinem Artikel „Der britische Einfluss auf Indien, 1700–1900“ auf einen besonders aufschlussreichen Aspekt aufmerksam. Er schreibt zur Einführung der englischen Sprache als Amtssprache in Indien:

„Diese Entscheidung öffnete die Büchse der Pandora: Männer mit einer Ausbildung im englischen Recht erkannten die Möglichkeiten einer konstitutionellen Demokratie. Keine indische Sprache konnte die Mehrheit der Sprecher für sich beanspruchen, und Englisch bildete die Brücke, die die Kommunikation zwischen Gebildeten aus verschiedenen Teilen Indiens ermöglichte. Die Bedeutung dieser Entwicklung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.“

Weiter führt er aus: „Die Briten betrieben Rassismus und Ausbeutung, und sie ebneten gleichzeitig den Weg für die indische Demokratie und die Entstehung einer eigenen Nation“ (Education About Asia, Band 13, Nr. 2, Herbst 2008).

1. Mose 49, Vers 26 macht es besonders deutlich: Die reichen Segnungen Gottes sollten auf Josefs Haupt kommen. „Die Segnungen deines Vaters waren stärker als die Segnungen der ewigen Berge, die köstlichen Güter der ewigen Hügel. Mögen sie kommen auf das Haupt Josefs und auf den Scheitel des Geweihten unter seinen Brüdern!“

Joseph hebt sich damit klar von seinen Brüdern ab. Ihm wird der volle Segen „deines Vaters“ (Jakobs bzw. Israels) zugesprochen – jener Segen, der bereits von Abraham über Isaak zu Jakob gelangt war. Es handelt sich um ein kostbares, von Gott selbst gegebenes Familienerbe. Im Vergleich dazu fallen die Segnungen für die übrigen Brüder deutlich bescheidener aus.

Keinem anderen Stamm wurde auch nur annähernd so viel verheißen wie Josef – mit einer bedeutenden Ausnahme: dem Stamm Juda, aus dem der Messias, Jesus Christus, hervorgehen sollte (Verse 8-12). Obwohl dieser Segen für Juda von unermesslichem geistlichem Wert ist, zeigen sich die materiellen bzw. physischen Verheißungen an Josef bis heute besonders sichtbar in den englischsprachigen Nationen der Welt.

Steven M. Collins kommt in seinem Buch The “Lost” Ten Tribes of Israel…Found! zu demselben Schluss: „Die modernen Nationen, die von einem angelsächsischen Erbe abstammen, sind England, die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Australien und Neuseeland. Diese Nationen haben alle Prophezeiungen über die erstgeborenen Stämme Ephraim und Manasse vollkommen erfüllt“ (1992, Seite 383; alle Hervorhebungen durch uns).

Obwohl die Vereinigten Staaten heute klar die einflussreichere und mächtigere Nation als Großbritannien sind, ist ihre Stärke erst aus der vorangegangenen Expansion des Britischen Empire hervorgegangen. Genau dies entspricht der prophetischen Reihenfolge, die Jakob über seine beiden Enkel Ephraim und Manasse aussprach:

„So segnete er sie an jenem Tage und sprach: Wer in Israel jemanden segnen will, der sage: Gott mache dich wie Ephraim und Manasse! Und so setzte er Ephraim vor Manasse“ (1. Mose 48,20).

Daraus ergibt sich, dass Großbritannien der moderne Nachfahre Ephraims und die Vereinigten Staaten der Nachfahre Manasses sind. Neuere historische Erkenntnisse machen es wesentlich leichter, die enge Verbindung zwischen beiden Nationen nachzuvollziehen. Kritiker mögen diese Zuordnung zwar bestreiten – doch dürfte es ihnen schwerfallen, andere Völker zu nennen, die bis heute die von Abraham stammenden Erstgeburtssegen in vergleichbarem Maße innehaben.

Angesichts des heutigen Zustands Großbritanniens gerät beispielsweise allzu leicht in Vergessenheit, welche außergewöhnliche Größe dem Vereinigten Königreich durch die Erfüllung der abrahamitischen Verheißungen zuteilwurde. Im Jahr 1921 stand jeder vierte Mensch auf Erden unter britischer Herrschaft – in dem bis dahin größten Imperium der Geschichte. Das britische Territorium erstreckte sich damals über 35,5 Millionen Quadratkilometer auf allen Kontinenten, umfasste 24 Prozent der gesamten Erdoberfläche und war mehr als siebenmal größer als das antike Römische Reich zur Zeit seiner umfangreichsten Ausdehnung.

Gott verlangt Verantwortung

Die „Spider-Man“-Comicreihe hat den Satz „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ weltberühmt gemacht – doch das Prinzip selbst ist viel älter. Es findet sich bereits in der Bibel. Jesus Christus sagt: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“ (Lukas 12,48).

Einige Historiker meinen, dass die Vereinigten Staaten in mancher Hinsicht dieser Verantwortung gerecht wurden. Arthur M. Schlesinger Sr. brachte es in seinem einflussreichen Essay „Unsere zehn Beiträge zur Zivilisation“ auf den Punkt:

„Betrachtet man die Beiträge Amerikas zur Zivilisation als Ganzes, so zeigt sich, dass sie größtenteils methodischer oder verfahrenstechnischer Natur waren. Sie zielten darauf ab, die Menschen von politischen und religiösen Benachteiligungen, von Unwissenheit und Armut sowie von harter Arbeit zu befreien“ (The Atlantic, März 1959).

Allein in diesem Jahr haben die Vereinigten Staaten nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) über 1,8 Milliarden US-Dollar an humanitärer Hilfe weltweit bereitgestellt – fast doppelt so viel wie der zweitgrößte Geber.

Natürlich gibt es Kritiker, die einwenden, Amerikas Handeln auf der Weltbühne sei vor allem von eigennützigen Interessen geleitet gewesen. Einzelne Interventionen und Motive lassen sich zweifellos kritisch betrachten. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass kein anderes Land in der Geschichte so viel an finanzieller Hilfe und menschlichem Einsatz geleistet hat wie die USA. Dazu meinte Elon Musk in einem Interview:

„Es heißt oft: ‚Na ja, Amerika hat auch Schlimmes getan.‘ Natürlich hat Amerika Fehler gemacht und Schlimmes getan – das soll nicht geleugnet werden. Doch wer ein faires Urteil fällen will, muss die gesamte Bilanz betrachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten eine einmalige historische Chance: Sie besaßen als einziges Land Atomwaffen, waren militärisch unangefochten und hätten die Welt praktisch nach Belieben neu aufteilen können – ohne nennenswerte eigene Opfer.

Sie hätten sich praktisch alles nehmen können. Stattdessen taten sie etwas höchst Ungewöhnliches, beinahe Beispielloses in der Geschichte: Sie halfen beim Wiederaufbau ihrer ehemaligen Feinde. Sie trugen maßgeblich zum Wiederaufbau Europas und Japans bei und bewiesen damit ein Maß an Großmut, das in der Weltgeschichte seinesgleichen sucht. Besonders eindrucksvoll war die Berliner Luftbrücke – ein Akt reiner Menschlichkeit [als die Sowjets West-Berlin aushungern wollten]. Die USA haben in ihrer Geschichte bemerkenswerte Akte der Güte vollbracht. Das verdient ebenso Beachtung wie ihre Fehler.“

Die Vereinigten Staaten haben zwar militärisch weiterhin eine führende Position inne, doch bedauerlicherweise in vielen anderen Bereichen deutlich an Boden verloren. Genau wie beim Britischen Empire mehren sich die Anzeichen, dass die USA ihren Zenit bereits überschritten haben.

Warum ist das wichtig? Weil dieselbe göttliche Verheißung, die den Söhnen Josefs ihre einzigartige Überlegenheit geschenkt hat, uns auch lehrt, dass diese Segnungen wieder entzogen werden können – und sie werden es. So wie wir in der Heiligen Schrift die Wurzeln Amerikas erkennen, müssen wir auch akzeptieren, dass sie uns dessen Zukunft klar vor Augen stellt.

Gottes Erwartung an Israel

In Erfüllung seiner Zusagen an Abraham, Isaak und Jakob rief Gott das alte Israel als Nation ins Leben, um es zum Segen für alle Völker der Erde zu machen (1. Mose 12,3; 5. Mose 9,5). Von Beginn an erwartete Gott von den Israeliten, dass sie aufgrund der empfangenen Segnungen den benachbarten Völkern als leuchtendes Vorbild dienen sollten – ein heiliges Volk, das Gott anbetet und seinen Geboten gehorcht (5. Mose 4,6; 14,2).

Diese göttliche Berufung galt nicht nur dem alten Israel, sondern gilt auch heute noch für seine Nachkommen. Die Segnungen, die sie empfingen, beruhten nicht auf ihrer eigenen Gerechtigkeit, sondern allein auf der Treue Abrahams. Deshalb tragen besonders die Söhne Josefs – Ephraim und Manasse – bis heute die Verantwortung, ein „heiliges Volk“ zu sein und den anderen Völkern ein Beispiel der Gerechtigkeit zu geben.

Großbritannien hat diese Gelegenheit jedoch verspielt. Statt eine wahrhaft göttliche und ethische Zivilisation zu verbreiten, exportierte es eine Mischreligion aus biblischen und heidnischen Elementen – ganz ähnlich wie König Jerobeam es in Israel tat. Heute wird die Bibel in den britischen Medien und der Unterhaltungsindustrie regelmäßig verspottet. Die große Mehrheit der Bevölkerung zeigt keinerlei Interesse mehr an den Lehren der Heiligen Schrift.

Ähnlich ernüchternd ist die Entwicklung in den USA. Ihre Gründerväter hatten großen Respekt vor der Bibel, doch auch sie praktizierten weitgehend eine Jerobeam-ähnliche Mischreligion.

In den letzten Jahrzehnten hat ein großer Teil der Amerikaner die Bibel ebenso ignoriert wie die Briten. Das Ergebnis ist paradox: Die Vereinigten Staaten gehören zu den wohlhabendsten Nationen der Erde – und gleichzeitig zu den moralisch verkommensten.

Sie weisen eine der höchsten Kriminalitätsraten weltweit auf. Wie schon im alten Israel (Jeremia 5,7-9), nimmt die Unmoral in den USA und den Ländern des ehemaligen Britischen Reiches rapide zu. Zerbrochene Familien und vaterlose Haushalte gehören zum Alltag, während der materielle Wohlstand wuchs.

Millionenfache Abtreibungen, Epidemien von Geschlechtskrankheiten, die Flucht in Alkohol und Drogen, die Verherrlichung von Sex und Gewalt in der Unterhaltungsindustrie sowie das grassierende Analphabetentum in vielen Städten sind deutliche Zeichen einer Gesellschaft, die ihren eigenen Lüsten verfallen ist. Viele Metropolen sind zu Brutstätten von Bandengewalt, Armut und Angst geworden.

Habgier und Materialismus sind zur heimlichen Nationalreligion jener Länder geworden, die sich einst stolz als „christliche Nationen“ bezeichneten. Zu den schwersten Sünden des alten Israel gehörten der Götzendienst und der Bruch des Sabbats. Dadurch verließ das Volk den Weg der ständigen Unterweisung im Wort Gottes. Beachten Sie, was Gott durch den Propheten Hesekiel sprach, nachdem Israel in die Gefangenschaft geraten war:

„Ich gab ihnen auch meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen, damit sie erkannten, dass ich der Herr bin, der sie heiligt. Aber das Haus Israel war mir ungehorsam auch in der Wüste, und sie lebten nicht nach meinen Geboten und verachteten meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält, und sie entheiligten meine Sabbate sehr ... weil sie meine Gesetze verachtet und nicht nach meinen Geboten gelebt und meine Sabbate entheiligt hatten“ (Hesekiel 20,12-13. 16).

Dieser Sachverhalt hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. So wie Gott das alte Israel für seinen Ungehorsam gerichtet hat, wird er auch die heutigen Nachkommen Jakobs für ihren anhaltenden Abfall zur Rechenschaft ziehen.

Die Bestrafung und Wiederherstellung Jakobs

Im 6. Jahrhundert v. Chr., als Juda die bevorstehende Züchtigung Gottes durch die Babylonier drohte, sandte Gott den Propheten Jeremia. Jeremia richtete seine Botschaft nicht nur an Juda, sondern prophezeite auch dem Haus Israel eine noch ausstehende Bestrafung – obwohl diese Nachkommen Jakobs bereits über 130 Jahre zuvor in assyrische Gefangenschaft geraten waren. Daraus wird deutlich: Auch den heutigen Nachkommen Jakobs, vornehmlich den Söhnen Josefs, steht eine Zeit schweren Leidens bevor.

Betrachten wir die Lage, in der sie sich vor der Wiederkunft Jesu Christi befinden werden:

„Und dies sind die Worte, die der Herr redete über Israel und Juda. So spricht der Herr: Wir hören ein Geschrei des Schreckens; nur Furcht ist da und kein Friede ... Wehe, es ist ein gewaltiger Tag und seinesgleichen ist nicht gewesen, und es ist eine Zeit der Angst für Jakob; doch soll ihm daraus geholfen werden“ (Jeremia 30,4-7).

Die Nachkommen Jakobs, vornehmlich die Vereinigten Staaten und Großbritannien, stehen vor schweren Zeiten, und das nicht ohne Grund. „Alle deine Liebhaber [d. h. Verbündete, wie z. B. die Nato-Länder] vergessen dich, fragen nichts nach dir. Ich habe dich geschlagen wie einen Feind mit unbarmherziger Züchtigung um deiner großen Schuld und um deiner vielen Sünden willen“ (Jeremia 30,14).

Jeremia prophezeite eine zukünftige Knechtschaft für die Nachkommen Jakobs, aus der Gott sie befreien wird: „Denn es wird zugleich auch der Tag sein, sagt der Herr, der Herrscher der Welt, an dem ich das Joch von den Schultern der Nachkommen Jakobs nehmen und zerbrechen werde, ihre Fesseln werde ich zerreißen. Sie sollen nicht mehr Sklaven fremder Herren sein“ (Jeremia 30,8; Gute Nachricht Bibel).

Die Bezeichnung „Sklaven fremder Herren“ macht unmissverständlich deutlich, dass die Nachkommen Israels in Zukunft von feindlichen Nationen unterdrückt und beherrscht werden. Wenn die heutigen Nachkommen Israels ihre Sünden nicht bereuen und ihre göttliche Berufung nicht ernsthaft erfüllen, erwartet sie eine schreckliche Zeit der Bestrafung und Sklaverei.

Auch die Juden im heutigen Staat Israel werden einer tiefen Demütigung und Gefangenschaft unmittelbar vor der Wiederkunft Jesu nicht entgehen.

Die schwerste Demütigung für die USA und die anderen britischstämmigen Völker wird – den biblischen Prophezeiungen zufolge – im nationalen Zusammenbruch und in einer umfassenden Gefangenschaft der Nachkommen Israels gipfeln.

Trotz dieser unvorstellbaren Katastrophe verkünden die Propheten, dass der übrig gebliebene Rest der Stämme Israels zu einem Ansehen und einer Herrlichkeit gelangen wird, die alles Vorherige bei Weitem übertrifft. Dies wird nach der Wiederkunft Jesu Christi und der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden geschehen.

Wie einst in Ägypten wird Gott erneut mächtig eingreifen, um sein Volk zu retten: „Und der Herr wird zu der Zeit zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken, um den Rest seines Volkes loszukaufen, der übrig geblieben ist ... Er wird ein Zeichen aufrichten unter den Völkern, die Verjagten Israels zusammenbringen und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde“ (Jesaja 11,11-12).

Die Zurückkehrenden werden ein verwandeltes, demütiges Volk sein. Gott sprach vor ihrer Gefangenschaft zu Israel: „Wenn du in der Not bist und dich alle diese Dinge treffen, so wirst du in den letzten Tagen zu dem Herrn, deinem Gott, umkehren und seiner Stimme gehorsam sein; denn der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht verlassen, noch verderben; er wird auch des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat, nicht vergessen“ (5. Mose 4,30-31; Schlachter-Bibel).

Schließlich werden die Söhne Josefs mit ganz Israel das von Gott bestimmte Mustervolk für die ganze Welt werden – ein lebendiges Beispiel einer gerechten und gesegneten Lebensweise, dem die Völker der Erde nacheifern werden. Dann werden alle Völker bereit sein, die Wahrheit über Gottes Sabbat zu erfahren, dessen treue Einhaltung sie dem Allmächtigen näher bringen wird (Jesaja 66,23).

Gott lässt uns nicht im Dunkeln! Er offenbart uns klar, was den USA, Britannien und den britischstämmigen Völkern sowie dem Rest der Welt in der kommenden Zeit bevorsteht. Denn Gott hält sich an sein eigenes Wort: „Gott der Herr tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluss den Propheten, seinen Knechten“ (Amos 3,7).