Warum lassen sich junge Christen scheiden?

Noch vor ein paar Jahren trug sie zur Hochzeit ein langes weißes Kleid und er einen festlichen Anzug, man stieß mit Sektgläsern an und alle Gäste feierten das glückliche Hochzeitspaar. Jetzt leben die beiden getrennt und werden sich wohl scheiden lassen. Niemand hielt dies für möglich – am wenigsten sie selbst.

Von Mitchell Moss

Es ist traurig, wenn eine Ehe in Schwierigkeiten gerät und es zur Trennung kommt. Besonders traurig ist der Trend, dass immer mehr junge Erwachsene, die mit den Lehren der Bibel aufgewachsen sind, ernsthafte Eheprobleme haben. Ich kenne einige, die sich scheiden ließen. Auch in Ihrem Bekanntenkreis wird dies der Fall sein.

Was passiert in solchen Situationen? Wenn zwei Menschen sich entscheiden, eins in einer Ehe zu werden, bedeutet das eine große Anpassung an eine neue Situation. Gibt es jedoch eine bestimmte Einstellung oder Erwartungshaltung unter der heutigen Generation der „Millennials“ – den Teenagern und Zwanzigern von heute –, die einer erfolgreichen Ehe schaden könnte?

Große Erwartungen und die große Lüge

Unsere moderne westliche Kultur lehrt uns, ein gutes Leben zu haben, nach den Sternen zu greifen und unsere Träume zu verwirklichen. Um am Ende des Lebens wirklich glücklich sein zu können, muss man auf ein erfülltes Leben zurückschauen können, in dem man alles ausprobiert hat, was gut erscheint, und in dem man alle Träume und Gelegenheiten voll ausgeschöpft hat. Mit anderen Worten, das große Lebensziel ist die Selbstverwirklichung in unseren eigenen Wünschen und Träumen. Alle Punkte auf der persönlichen Wunschliste sollen am Ende des Lebens abgehakt sein.

Meine Generation – die der Zwanziger, die heiraten – wuchs mit der Lüge auf, dass Selbstverwirklichung das höchste Ziel im Leben ist. Daraus resultiert, dass die Liebe allein dazu dient, uns das zu geben, was wir brauchen und uns wünschen. Daher gibt eine gute Ehe beiden, was sie brauchen.

Vielleicht erkennen wir noch nicht einmal, wie sehr unser Denken und unsere Werte davon beeinflusst sind. Uns wurde beigebracht, selbstbezogen unsere Ideale eines erfüllten Lebens zu verfolgen. Wir sagen uns: „Natürlich möchte Gott, dass ich glücklich bin.“ Und dabei schieben wir die Übernahme der Verantwortung noch ein bisschen länger vor uns her.

Dieser Glaube an die Selbstverwirklichung durchdringt unsere Generation so sehr, dass es fast so scheint, als ob er in unseren Adern fließt. Diese Version des Glücks hat aber einen Nachteil: Sie stuft die Ehe zu einem Teil von vielen Aspekten eines erfüllten Lebens herunter – sie ist nur ein Faktor von weiteren, die zur persönlichen Selbstverwirklichung beitragen.

Verlängerte Adoleszenz

Mit dem Anstieg und der Akzeptanz dieser Suche nach Selbstverwirklichung geht auch die wachsende Verzögerung der Reife einher – die Zeit der Adoleszenz dehnt sich immer weiter aus.

Nicht selten verschieben junge Menschen die Hochzeit heute bis nach dem 30. Geburtstag. Sie nutzen das Jahrzehnt davor, um möglichst viele Punkte auf ihrer Wunschliste zu erfüllen, bevor die Realität einsetzt und die Verantwortung sie herunterzieht. Diese Einstellung könnte wie folgt zusammengefasst werden: „Mit 22 Jahren zu heiraten ist, wie eine Party um 21.00 Uhr zu verlassen.“ Die „Party“ bedeutet in diesem Fall die Erfüllung der Selbstverwirklichung und romantischer bzw. sexueller Erfahrungen.

Zusammen genommen verflechten sich das Streben nach Selbstverwirklichung und die verlängerte Zeit der Adoleszenz zu einer Idee, dass man so viele Erfahrungen wie möglich sammeln sollte, solange man noch Single ist. Nur so kann man erkennen, was einem wichtig ist und wer man selbst ist. Somit hat man dann eine bessere Chance, „den einzig Richtigen“ fürs Leben zu finden.

Das soll eine Person sein, die einen glücklich machen wird und umgekehrt. Beide werden äußerst kompatibel sein. Die Chemie zwischen ihnen ist nicht zu leugnen. Ihre Liebe entsteht leicht und natürlich – so leicht, dass beide sich einfach nur verlieben müssen.

Den „Richtigen“ finden – oder nicht

Die Lüge von „dem einzig Richtigen“ entstand durch Plato und die griechische Mythologie. Sie macht die individuelle Entscheidung im Drama der Verabredungen zur Nebensache, um denjenigen zu finden, bei dem es einfach „klick“ macht. Es besteht die Gefahr, dass in dem Moment, wenn es Probleme gibt (die Liebe verläuft nicht so einfach, die Ansichten stimmen nicht perfekt überein, Wunschlisten oder Persönlichkeiten ändern sich oder was auch immer das Problem sein mag), beide Partner sich fragen: „Wenn unsere Ehe so schwierig ist, habe ich vielleicht nicht denjenigen geheiratet, der der richtige Partner für mich ist.“

Vielleicht trifft dann einer der beiden Partner einen anderen, der kompatibler erscheint – mit dem er bzw. sie sich mehr identifiziert und bei dem es dann besser „klickt“. Beim Kennenlernen schleicht sich dann das ungute Gefühl ein, die „falsche Person“ geheiratet zu haben.

Zuletzt hört man dann „Es hat nicht funktioniert“, als ob „es“ das Problem war. „Es“ ist nie das Problem, denn die Menschen, die an der Beziehung beteiligt sind, haben das Problem selbst geschaffen.

Wahre Liebe richtet sich nicht auf einen selbst

Bei der wahren Liebe geht es nicht um die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Wahre Liebe opfert das eigene Leben für den anderen. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse werden an zweite Stelle gesetzt (bzw. dritte, vierte bzw. noch weiter nach hinten).

In der Ehe gehen wir eine Verpflichtung mit unserem Schöpfergott und unserem Ehepartner ein. Ehepartner sollen „Erben der Gnade des Lebens“ (1. Petrus 3,7) sein. Mit anderen Worten: Wir sollen zusammenarbeiten und uns gegenseitig dabei helfen, unser großes Ziel im Leben zu erreichen: das Reich Gottes. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“, sagte Jesus Christus (Matthäus 6,33).

Wir sollen einander im gemeinsamen Leben ermutigen und zum Erfolg verhelfen. Gleichzeitig sollen wir in der Gnade und Erkenntnis wachsen, damit wir vor Jesus Christus bei seiner Rückkehr stehen können: „Seid allezeit wach und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn“ (Lukas 21,36). Um dies zu erreichen, stellen wir die Bedürfnisse des anderen vor die eigene Selbstverwirklichung.

Dazu muss man sein eigenes Leben zur Definition des Dienstes machen und für andere leben. Kindische Fehler müssen überwunden, Verantwortung übernommen und alberne Ablenkungen vermieden werden. Stattdessen sollten wir danach streben, die perfekte Liebe und das Beispiel Jesu Christi in unserem Leben nachzuahmen.

Ich möchte aber betonen, dass ich damit nicht sagen will, dass wir kein erfülltes Leben haben sollten, dass wir unsere Träume nicht wahr werden lassen sollten, dass wir nicht nach Selbstverwirklichung suchen sollten. Ich plädiere auch nicht dafür, dass wir nicht durch Freundschaften herausfinden sollten, mit welcher Art Person wir wohl am besten eine erfolgreiche Ehe führen könnten. Es ist nicht verkehrt, eine Liste von Zielen zu haben, die uns helfen, unser volles Potenzial mit den Talenten, die Gott uns gegeben hat, zu erreichen.

Keines der Dinge, die erwähnt wurden, sind, für sich allein genommen, gut oder schlecht. Zu wissen, wer man ist, und einen kompatiblen Partner zu finden, mit dem man sein Leben teilen kann, macht den christlichen Weg so viel leichter und erfüllender.

Ein wirklich erfülltes Leben finden

Aber ein wirklich erfülltes Leben zu finden bedeutet, am Ende zurückschauen und erkennen zu können, dass man die Zeit damit verbracht hat, Gott zu dienen bzw. die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume dem Willen Gottes und den Bedürfnissen seiner Familie untergeordnet zu haben. Das eigene Leben wird zum Dienst am Nächsten.

Wir leben nicht, um jeden Punkt auf unserer Wunschliste abzuhaken und am Ende des Lebens zurückschauen zu können und zu denken: „Was für ein tolles erfülltes Leben habe ich gelebt!“ Es ist nicht unsere Bestimmung, ein Leben zu leben, das uns persönlich völlig befriedigt, und dann zu sterben. Es geht auch nicht darum, die Person zu heiraten, die einen glücklich macht, bis sie es nicht mehr tut, und dann einen neuen Partner zu finden.

Wir leben, um dem liebevollen Charakter von Gott, dem Vater, und Jesus Christus ähnlicher zu werden. Wir sollen lernen, was wahre Liebe ist – eine nach außen gerichtete, dienstbereite Hingabe und Fürsorge. In der Ehe bedeutet das, unsere persönlichen Bedürfnisse, Wünsche und Träume an dritte Stelle zu stellen, nach Gott und unserem Ehegatten. Dazu gehört die schwierige Entscheidung, nicht das zu tun, was sich gut anfühlt, sondern stattdessen das zu tun, was richtig ist.

Wir leben, um zurückschauen und sagen zu können: „Wow, ich hätte mir nie träumen lassen, wie sehr Gott mich benutzt hat, um seinen Plan zu erfüllen!“ Möge diese Orientierung Sie in Ihrer Ehe und in Ihrem Leben leiten!

Liebe ist etwas, was wir tun

Vor einigen Jahren nahm der Songwriter und Countrymusic-Sänger Clint Black ein Lied mit dem einsichtsvollen Titel „Something That We Do“ [„Etwas, was wir tun“] auf. Der Liedtext spiegelte anscheinend seine Erfahrung mit seiner eigenen Frau wider, mit der er mehr als 30 Jahre verheiratet ist.

Liebe ist nicht etwas, was wir finden.

Liebe ist nicht etwas, was wir haben.

Liebe ist nicht etwas, worin wir uns befinden.

Liebe ist nicht etwas, worauf wir stoßen.

Im Anschluss an jede Zeile kam der Refrain, der ein biblisches Prinzip beinhaltet: Liebe ist etwas, was wir tun.

Mit anderen Worten: Wahre Liebe gründet sich auf die Entscheidung, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten. Wahre Liebe ist viel mehr als nur ein Gefühl. Wahre Liebe erfordert Mühe, Zeit, Opferbereitschaft und eine persönliche Verpflichtung. Wahre Liebe bedeutet Arbeit – manchmal viel Arbeit –, doch diese Arbeit lohnt sich wirklich!

– GN März-April 2014 PDF-Datei dieser Ausgabe

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