Gottes Aufforderung zum Einsteigen in den geistlichen Waisenzug

Charles Braces Waisenzüge haben Tausenden von vernachlässigten Kindern ein neues Leben in einer liebevollen Familie ermöglicht. Gott lädt die Menschen ein, der geistlichen Sinnlosigkeit dieser Welt zu entkommen und sich auf eine großartige Zukunft vorzubereiten!

Von John LaBissoniere

Ziellos, heimatlos und ungeliebt. Das waren die Bedingungen für Tausende von Kindern, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf den Straßen New Yorks lebten.

Am 3. Oktober 1869 beschrieb die New York Times diese Kinder als „kleine Waisen bzw. Halbwaisen, Kinder, die von zu Hause rausgeworfen wurden oder die hier mit der Welle der Emigration gelandet [und] weggelaufen sind oder das Produkt von betrunkenen Eltern waren“ (zitiert von Leanne Rivlin und Lynne Manzo, „Homeless Children in New York City: A View From the 19th Century“, Children’s Environment Quarterly, 1987, Nr. 1, Seite 26).

Diese Situation gründete sich auf „eine Zeit der großen Finanzkrise, der Panik und Depression, die über die Nation hinwegschwappte und zu Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit führte“ (ebenda). Dazu kamen noch die großen Wellen der europäischen Immigranten.

Da viele dieser Menschen kein Geld für eine Reise ins Landesinnere hatten, blieben sie häufig in New York. Dort suchten sie Arbeit als ungelernte Hilfskräfte und lebten in überfüllten Mietshäusern, die nur selten mit sanitären Einrichtungen und einer ausreichenden Ventilation ausgestattet waren.

Unter diesen Bedingungen wanderten Tausende von Kindern durch die Straßen auf der Suche nach Nahrung und Obdach. „Viele verkauften Streichhölzer, Lumpen oder Tageszeitungen, um zu überleben. Um sich gegen die Straßengewalt zu schützen, schlossen sie sich in Banden zusammen. Die Polizei versuchte das wachsende Problem unter Kontrolle zu bringen und verhaftete vagabundierende Kinder . . . Sie schloss sie zusammen mit erwachsenen Kriminellen ein“ (The American Experience, www.pbs.org/wgbh/amex/orphan).

Charles Brace und sein Vorschlag

Diese Situation erlebte Charles Brace, ein junger Pastor, der 1853 von Connecticut nach New York zog. Schockiert von dem Anblick so vieler vernachlässigter Kinder in New York, schrieb er in seinen Memoiren: „Wenn ein Straßenkind in Lumpen und mit tränenverschmiertem Gesicht vor dir steht, dann kann man es nicht einfach vergessen. Man muss sich fragen, was man tun kann“ („The Dangerous Classes of New York and Twenty Years Work Among Them“, 1872).

Brace fand heraus, dass einige Kinder echte Waisen waren, während andere im Stich gelassen worden waren, weil ein Elternteil starb oder die Familie zu groß wurde, um sich um alle Kinder kümmern zu können. Wiederum andere waren vor Vernachlässigung, Trunkenheit der Eltern und Missbrauch davon gelaufen.

Die einzige Alternative für Straßenkinder war, sie in Armenhäuser oder überfüllte Waisenhäuser zu stecken. Brace argumentierte jedoch, dass durch eine solche Unterbringung die mentale und emotionale Entwicklung beeinträchtigt würde, indem die Abhängigkeit von der Wohlfahrt bestehen blieb. Er war der Meinung, dass Bildung, Arbeit und ein stabiles Familienleben wichtige Schlüssel seien, um Kindern dabei zu helfen, zu selbstständigen Bürgern heranzureifen.

Aufgrund seiner Analysen gründete Brace 1853 die „Children’s Aid Society“. Anfänglich konzentrierte er sich auf die Berufsausbildung und Arbeitsvermittlung. Allerdings erkannte er bald, dass es besser wäre, die Kinder „aus ihrer Umgebung zu bringen und sie zu liebevollen christlichen Familien im Landesinneren zu schicken“ (ebenda).

Brace glaubte daran, dass die Kinder eine Chance hätten, dem Leben voller Leid und Leere zu entfliehen, wenn man sie in eine gesunde, friedliche, familiäre Umgebung bringen könnte. Um den Umzug dieser jungen Menschen ermöglichen zu können, begann Brace, Geld und die notwendigen rechtlichen Papiere zu sammeln.

Der Anfang der Waisenzüge

Die Hilfsorganisation „Children’s Aid Society“ begann, die Kinder mit den sogenannten „Orphan Trains“ (Waisenzüge) zu Adoptivfamilien aufs Land zu schicken. Die Reisegruppen von 3 bis 35 Kindern wurden von mindestens zwei Erwachsenen begleitet.

Ein paar Wochen vor der Reise wurden führende Bürger in den Städten entlang der Eisenbahnstrecke kontaktiert. Viele meldeten sich, um im örtlichen Komitee mitzuwirken, welches potenzielle Adoptiveltern empfehlen sollte. Die Ankunftszeiten des Zuges wurden in der örtlichen Tageszeitung und im öffentlichen Amtsblatt bekannt gegeben.

Nach Ankunft des Zuges wurden die Kinder zur Aula oder zu anderen Plätzen gebracht, damit die potenziellen Familien sie begrüßen konnten. Zuvor mussten die Adoptiveltern schwören, dass sie für die Kinder als Mitglieder ihres Haushalts mit Unterkunft, Kleidung und Bildung in einer moralisch intakten Umgebung sorgen würden. Nach Übereinkunft des örtlichen Komitees und der vermittelnden Reprä­sentanten verließen die Kinder die Gruppe und gingen in ihr neues Zuhause.

Das Waisenzugprogramm lief aber nicht ohne Hindernisse und Rückschläge ab. Einigen Kindern fiel es schwer, sich ihrer neuen Umgebung anzupassen. Sie mussten in andere Familien gebracht werden. Trotzdem wurden viele von ihren neuen Eltern wirklich geliebt und konnten ein normales Leben führen. Die „Children’s Aid Society“ brachte in 75 Jahren, von 1854 bis 1929, zwischen 120 000 bis 200 000 Kinder mit dem Waisenzugprogramm in neue Familien, überall in den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada.

Der geistliche Zustand unserer Welt

Was können Sie und ich von dieser faszinierenden Geschichte lernen? Die schlimmen Zustände der Straßenkinder von New York könnten mit dem geistlichen Zustand der Bewohner unserer Erde verglichen werden. Obwohl viele Menschen dies nicht erkennen, existieren sie dennoch in einem katastrophalen Zustand der geistlichen Armut, Ziellosigkeit und Ignoranz (Hosea 4,6; Lukas 9,25; Römer 10,3). Es ist wichtig zu verstehen, wie es zu dieser Situation kam.

Vor langer Zeit überredete der Erzengel Luzifer ein Drittel der Engel, ihm in einem gewaltsamen Aufstand gegen ihren Schöpfer zu folgen (Jesaja 14,13). Gott beendete den versuchten Aufstand schnell, indem er die rebellischen Engel, jetzt Dämonen, zurück auf die Erde warf (Offenbarung 12,9; Jesaja 14,12).

Der rebellische Erzengel wurde als Satan bekannt, was Feind oder Widersacher bedeutet – ein Ankläger. Er war nicht nur Gott sehr feindlich gesinnt, sondern auch allen Menschen. In der Tat wurde die Menschheit seit der Schöpfung von Adam und Eva von diesem bösen Wesen, das die Bibel als den „Gott dieser Welt“ identifiziert (2. Korinther 4,4), beherrscht und brutalisiert.

Satan ist ein äußerst mächtiges, aber unsichtbares Geistwesen, das „die ganze Welt verführt“ (Offenbarung 12,9). Er versteckt heimlich seine rachsüchtigen Ziele, indem er sich als „ein Engel des Lichts“ präsentiert (2. Korinther 11,14). Um sein listiges Werk ausführen zu können, beeinflusst er Führungspersonen, seine Lügenmärchen unwissentlich zu fördern. Dies schließt auch religiöse Amtsträger ein, die treuherzig Doktrinen lehren, die der biblischen Lehre völlig widersprechen. „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi“ (2. Korinther 11,13).

Die Bürger dieser Welt sind tatsächlich die Sklaven des Teufels. Unglaublicherweise haben sie keine Ahnung davon (Römer 6,16). Blind und vertrauensselig nehmen sie die Falschheit Satans an und fallen achtlos auf seine lasterhaften Verführungen und Handlungen herein (Johannes 8,44).

Sie tun dies, weil sie meinen, das Richtige zu tun (Sprüche 14,12). Satans korrupte Einstellung und sein Verhalten durchdringen die gesamte Gesellschaft (Johannes 5,19).

Satans Einfluss und die Konsequenzen

Man ist allerdings nicht ohne Schuld, wenn man der Führung des Teufels gedankenlos folgt. Es liegt in der menschlichen Natur, Gott gegenüber ungehorsam zu sein und das eigene Ich in den Vordergrund zu stellen. Diese rebellische Neigung ist nicht nur ein Problem einiger weniger, sondern von allen Menschen.

„So heißt es auch in den Heiligen Schriften: Kein Mensch kann vor Gott als gerecht bestehen; kein Mensch hat Einsicht und fragt nach Gottes Willen. Alle haben den rechten Weg verlassen; verdorben sind sie alle, ausnahmslos. Niemand ist da, der Gutes tut, nicht einer“ (Römer 3,10-12; Gute Nachricht Bibel). Die ichbezogene Natur des Menschen macht jeden zur leichtgläubigen Zielscheibe der Lügen und Verzerrungen des Teufels.

Welche Konsequenzen hat Satans Einfluss auf unser Leben? So wie die vielen Straßenkinder ein kaputtes und zielloses Leben führten, schwimmt die ganze Menschheit geistlich hilflos vor sich hin (1. Timotheus 6,5). Außerdem hat Satan die Menschen erfolgreich gegen ihren Schöpfer und andere ausgespielt (Römer 1,30). Ist es also ein Wunder, dass wir in allen Ecken der Erde Konflikte, Leid und Böses finden?

Gott beruft einige zum Einsteigen in seinen „geistlichen Waisenzug“

Was bedeutet all das für Sie? Der Schöpfergott öffnet Ihnen vielleicht gerade die Augen für den traurigen geistlichen Zustand, der Sie gefangen hält. Auch wenn es schwer zu akzeptieren ist: Sie sind ein Teil von dem schamlosen System des Teufels gewesen – und Sie sind es immer noch, wenn Sie noch nicht zur echten Reue und Bekehrung durch Jesus Christus gefunden haben. Es gibt aber eine großartige Nachricht!

Sie brauchen nicht in Satans Fesseln zu bleiben (2. Petrus 1,4). Der Schöpfergott bietet Ihnen einen Fluchtweg in ein neues Zuhause und eine helle, erfolgreiche Zukunft an (2. Timotheus 1,9; 1. Petrus 2,9). Die Kinder, die in den Waisenzug einstiegen, bekamen die Chance, Teil einer neuen Familie zu werden. Gleichfalls kann es sein, dass Gott Sie beruft, in seinen „geistlichen Waisenzug“ einzusteigen, um ein neues gerechtes Leben in Gottes Kirche und Familie zu beginnen (Römer 8,16. 21; 1. Johannes 3,1).

Alton Lou Clement war acht Jahre alt, als er mit dem Waisenzug reiste. Als er zur Nailing Familie im unbekannten Texas kam, gefiel es ihm nicht und er wollte sogar ausreißen. Doch schon bald gewöhnte er sich an sein neues Zuhause. Später erklärte er: „Ich fand dort eine Gemütlichkeit, die ich nie zuvor gekannt hatte.“ Er lernte seine neue Familie so sehr zu schätzen, dass er seinen Namen später freiwillig in Lee Nailing änderte.

Auf ähnliche Weise bietet Gott die Chance auf ein neues geistliches Zuhause, wenn er eine Person in seine Kirche beruft. Er bietet die Chance, den Weg des Lebens zu finden. Vielleicht beruft Gott Sie gerade jetzt in diesem Moment. Wenn dem so ist, dann sollen Sie durch Reue, Taufe und die Annahme Jesu Christi als Ihren Erlöser sein Kind werden, seinen Familiennamen annehmen und in Harmonie mit ihm wachsen, bis Sie ihm ähnlich geworden sind (2. Korinther 6,18; Psalm 82,6; Epheser 3,15; Lukas 13,29; 1. Johannes 3,1-3).

Christus wird Sie nicht verwaist lassen

Auch wenn wir ab und zu während unserer christlichen Reise stolpern werden, müssen wir immer danach streben, mit der Kraft Gottes die Neigung der menschlichen Natur zu überwinden (Römer 3,9). Wir müssen uns ändern, um die Einstellung Christi widerzuspiegeln (Epheser 4,15). Wir sollen im Glauben wachsen und wissen, dass Christus uns nie verwaist oder im Stich lassen wird: „Lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen“ (Hebräer 13,5; vgl. dazu 1. Timotheus 6,12; Johannes 14,18).

Charles Brace und sein Waisenzugprogramm halfen Tausenden von verstoßenen, orientierungslosen Kindern ein neues Leben bei stabilen Familien zu finden. Auf ähnliche Weise beruft Gott heute einige Menschen aus der Welt der geistlichen Dunkelheit heraus in seine Kirche, damit sie sich auf eine herrliche Zukunft als Angehörige seiner Familie vorbereiten. Gott ist auf der Suche nach Menschen, die mit seinem geistlichen Waisenzug mitfahren wollen. Dieser Zug wurde am Bahnsteig bereitgestellt, um eine Reise zu beginnen, die zum schönsten, erfüllendsten Leben führt, das man sich vorstellen kann! Der Zug ist noch nicht abgefahren. Sind Sie zum Einsteigen bereit?

– GN November-Dezember 2014 PDF-Datei dieser Ausgabe

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