Archäologie und Juda: Exil nach Babylon

In den Jahrhunderten nach der Aufteilung des Königtums Israel verhielt sich das Haus Juda nicht viel anders als sein nördlicher Nachbar, das Haus Israel. Das gleiche Schicksal ereilte Juda wie Israel.

Von Mario Seiglie

In dieser Artikelreihe untersucht die Zeitschrift Gute Nachrichten archäologische Funde, die die geschichtlichen Berichte der Bibel bestätigen und erklären. Einige Artikel zuvor behandelten wir die Zeit des geteilten Reiches Israel, nachdem die Israeliten sich nach dem Tode Salomos in die Königreiche Israel und Juda aufgeteilt hatten. Zwei Artikel beschrieben die Geschichte des nördlichen Reiches Israel, und die letzte Folge enthielt die Schilderung der ersten Jahre des südlichen Reiches Juda.

Um 710 v. Chr. befand sich Juda in einer gefährlichen Lage. Ein Jahrzehnt zuvor waren Judas Verwandte aus dem Nordreich von Assyrien erobert worden. Die Assyrer besiedelten das Land neu mit dem eigenen Volk aus den entferntesten Teilen des assyrischen Reiches.

Das Gebiet Judas war zum größten Teil durch die assyrischen Armeen zerstört. Nur ein großes Wunder hatte die Bewohner Jerusalems vor dem gleichen Schicksal wie ihre nördlichen Verwandten gerettet.

In der Zwischenzeit begannen weitere Veränderungen die Region zu beunruhigen. Eine neue Weltmacht, Babylon, stieg im Osten auf. Konnte das kleine, geschwächte Königreich Juda seine schwierige Position zwischen den mächtigen und kriegerischen Völkern Assyrien, Babylon und Ägypten behaupten?

Die erstaunliche Geschichte von Judas Überleben ist eines der Themen des Alten Testamentes.

Hiskias fataler Fehler

Bald nach der wundersamen Befreiung Jerusalems von den Assyrern erkrankte Judas König Hiskia schwer. Nachdem Gott Hiskia geheilt hatte, entsandte ein babylonischer Prinz Repräsentanten mit einer Botschaft und einem Glückwunschgeschenk zu dem Monarchen. „Zu dieser Zeit sandte Merodach-Baladan, der Sohn Baladans, der König von Babel, Brief und Geschenke an Hiskia; denn er hatte gehört, dass Hiskia krank gewesen war“ (2. Könige 20,12).

Die Antwort Hiskias auf das, was er naiv als nachbarlichen Akt der Güte und Versöhnung auffasste, sollte sich am Ende als teuer erweisen. Der Prophet Jesaja sagte nämlich den Untergang Judas voraus: „Hiskia aber freute sich über die Boten [babylonische Botschafter] und zeigte ihnen das ganze Schatzhaus, Silber, Gold, Spezerei und das beste Öl und das Zeughaus und alles, was an Schätzen vorhanden war. Es war nichts in seinem Hause und in seiner ganzen Herrschaft, was ihnen Hiskia nicht gezeigt hätte. Da kam der Prophet Jesaja zum König Hiskia und sprach zu ihm: Was haben diese Leute gesagt? Und woher sind sie zu dir gekommen?

Hiskia sprach: Sie sind aus fernen Landen zu mir gekommen, aus Babel . . . Da sprach Jesaja zu Hiskia: Höre des Herrn Wort: Siehe, es kommt die Zeit, dass alles nach Babel weggeführt werden wird, was in deinem Hause ist und was deine Väter gesammelt haben bis auf diesen Tag, und es wird nichts übrig gelassen werden“ (Vers 13-17).

Obwohl Hiskia sich als König gerecht und treu erwies, versuchte er törichterweise seine Besucher mit dem Wohlstand und den Waffen des Königreiches zu beeindrucken. Nach dem biblischen Bericht zog sich der Gott Judas von diesem Zeitpunkt an von Hiskia zurück, um „ihn zu prüfen, damit er alles erkannte, was in seinem Herzen war“ (2. Chronik 32,31; Elberfelder Bibel).

Hiskias gedankenlose Prahlerei vor den Vertretern einer zukünftigen ausländischen Großmacht schuf eine der Voraussetzungen für eine spätere babylonische Eroberung Judas und seiner reichen Hauptstadt Jerusalem.

Hiskias Sohn Manasse als Vasall der Assyrer

Nach dem Tod Hiskias erbte sein Sohn Manasse den Thron Judas. Es dauerte nicht lange, bis sich der junge König von dem gerechten Beispiel seines Vaters abwandte und sich als ungerechter Herrscher entpuppte. „Manasse war zwölf Jahre alt, als er König wurde; und er regierte fünfundfünfzig Jahre zu Jerusalem und tat, was dem Herrn missfiel“ (2. Chronik 33,1-2).

„Aber Manasse verführte Juda und die Bewohner von Jerusalem, mehr Böses zu tun als die Nationen, die der Herr . . . ausgetilgt hatte. Und der Herr redete zu Manasse und zu seinem Volk; aber sie achteten nicht darauf. Da ließ der Herr die Heerobersten des Königs von Assur über sie kommen. Und sie nahmen Manasse gefangen und banden ihn mit ehernen [eisernen] Fesseln und führten ihn nach Babel“ (Verse 9-11; Elberfelder Bibel; Hervorhebung durch uns).

Zwei assyrische Berichte bestätigen die Unterwerfung Manasses unter die Assyrer. „Der Name ,Menase, König von Juda‘ erscheint auf den Tonprismen des Asarhaddon . . . und des Assurbanipal“, als einer von 22 Herrschern, die Assyrien Anerkennung gezollt hatten (The New Bible Dictionary, 1996, Seite 724).

Die biblische Erzählung, die beschreibt, wie der König Manasse mit „ehernen Fesseln“ (Vers 11) abgeführt wurde, bezieht sich auf Nasenringe, die dazu gebraucht wurden, um Gefangene an Stricken abzuführen. Es war eine schmerzhafte und demütigende Bestrafung für diejenigen, die sich den mächtigen Königen Assyriens widersetzten.

Mächtige Hauptstadt eines mächtigen Reiches

Das assyrische Reich mit Ninive als Hauptstadt schien in dieser Zeit unbesiegbar zu sein. James Muir beschreibt dieses Reich zur Zeit des Propheten Nahum (668 v. Chr.) sehr genau:

„Die Ausdehnung Assyriens im westlichen Asien könnte mit einem Tintenfisch verglichen werden, dessen Fangarme vom Persischen Golf bis zum Nil reichten, und dessen Kopf Ninive war. Zu dieser Zeit wurde Ninive für eine der schönsten Städte der Welt gehalten. Drei seiner Könige hatten die Stadt erst kurze Zeit zuvor mit dem Reichtum ihrer Eroberungen geschmückt und großartige Paläste gebaut. Sie bestanden aus Backsteinen, und an den Wänden der Paläste befanden sich kunstvoll angefertigte Bronzereliefs, die ihre großen Siege darstellten. Die großen Mauern, die die Stadt umgaben, maßen fünf Kilometer im Umfang“ (Archaeology and the Scriptures, 1965, Seite 182-183).

Trotz der Größe Ninives sagte Nahum nicht nur die Zerstörung dieser Stadt voraus, sondern auch, dass sie nie wieder aufgebaut werden sollte. „Siehe, ich will an dich, spricht der Herr Zebaoth; ich will dir den Saum deines Gewandes aufdecken über dein Angesicht und will den Völkern deine Blöße und den Königreichen deine Schande zeigen. Ich will Unrat auf dich werfen und dich schänden und ein Schauspiel aus dir machen, dass alle, die dich sehen, vor dir fliehen und sagen sollen: Ninive ist verwüstet“ (Nahum 3,5-7).

Nach seiner Zerstörung 612 v. Chr. verschwand diese mächtige Metropole der antiken Welt. „Ninive verschwand so schnell“, berichtet ein Historiker, „dass, als der griechische General Xenophon und seine zehntausend Soldaten auf seinem berühmten Erkundungszug des persischen Reiches über die Stätte marschierte, er die Ruinen Ninives unter seinen Füßen nicht erkannte. Als Ninive in Brand gesetzt wurde, verbrannte alles, und was übrig geblieben war, wurde mit der Zeit zu einem künstlichen Grashügel“ (Arnold Brackman, The Luck of Nineveh, 1978, Seite 21).

Der griechische Schriftsteller Lukian von Samosata (120-180 n. Chr.) klagte: „Ninive ist spurlos untergegangen, und niemand weiß mehr, wo es einmal gestanden hat“ (Magnus Magnusson, Archaeology and the Bible, Simon & Schuster, New York, 1977, Seite 175).

Wegen der völligen Unauffindbarkeit sichtbarer Überreste äußerten Forscher im 19. Jahrhundert Zweifel daran, dass Ninive oder sonstige Teile eines assyrischen Reiches jemals existiert und über andere Völker geherrscht hätten. Die ausschließliche Geschichtsquelle des letzten Jahrhunderts, die die einstige Existenz des assyrischen Reiches bezeugte, war die Bibel.

Dies änderte sich aber schlagartig, als „um die Mitte des 19. Jahrhunderts . . . Austen Henry Layard und Paul Emile Botta im nördlichen Irak die Überreste dreier assyrischer Städte [darunter auch Ninive] und Beweise für den riesigen Militärapparat, der einmal das Gebiet zwischen Tigris und Nil überrollt hatte, entdeckten. Dank der Archäologie wurde das assyrische Reich und seine überwältigende Macht schlagartig sichtbar“ (Magnusson, Seite 175).

Die Skeptiker hatten nichts mehr zu sagen. Die Ausgrabungen von Ninive und anderen Städten der Gegend brachten eine atemberaubende Fülle von historischen Beweisen einschließlich „Zehntausender Tontafeln mit einer riesigen Menge an Informationen“ zutage (The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Abingdon Press, Nashville, 1962, Band 1, „Assyria and Babylon“, Seite 275).

Obwohl seine Prophezeiung zu seiner Zeit als fast unmöglich erschien, traf Nahums erstaunliche Vorhersage über Ninive genau so ein, wie er es vorausgesagt hatte. Nach zahlreichen Ausgrabungen an dieser historischen Stätte schmücken heute viele Schätze aus den dortigen Ruinen die Galerien großer Museen in den verschiedensten Ländern.

Ein Schreiber hinterlässt einen Eindruck

Nach dem Niedergang Assyriens übernahm Babylon die Vorherrschaft in diesem Gebiet. Mit dem Aufstieg des Königs Nebukadnezar (605-562 v. Chr.) waren die Tage des Reiches Juda gezählt. Trotzdem sandte Gott treue Boten, um die Führenden der Nation zu warnen und zur Anbetung des einzig wahren Gottes zurückzukehren, bevor es zu spät war.

Nehemia sagte später: „Und du hattest viele Jahre Geduld mit ihnen und warntest sie durch deinen Geist in deinen Propheten, aber sie nahmen’s nicht zu Ohren. Darum hast du sie gegeben in die Hand der Völker in den Ländern“ (Nehemia 9,30).

Einer dieser Propheten war Jeremia, der miterlebte, wie die Babylonier Jerusalem bedrohten. Sein treuer Schreiber Baruch schrieb einige von Jeremias Prophezeiungen nieder. „Da rief Jeremia Baruch, den Sohn Nerijas. Und Baruch schrieb auf eine Schriftrolle alle Worte des Herrn, die er zu Jeremia geredet hatte, wie Jeremia sie ihm sagte“ (Jeremia 36,4). Vor einigen Jahren fanden Archäologen eine Toninschrift aus der Zeit Jeremias, die heute Teil einer privaten Sammlung in England ist. Die Inschrift trug nicht nur Baruchs Namen, sondern auch allem Anschein nach seinen Fingerabdruck!

Tsvi Schneider, der 1991 als Bibliothekar des Institutes für Archäologie an der Hebräischen Universität arbeitete, schrieb über das Siegel mit Baruchs Namen:

„Der erste und bekannteste biblische Name, der auf einer Bulle [ein Tonklumpen mit einem Siegelabdruck] gefunden wurde, ist Baruch, der Sohn Nerijas. Baruch war ein Schreiber, loyaler Freund und politischer Verbündeter des Propheten Jeremia.

Die Inschrift besteht aus folgenden drei Zeilen: ,Besitz des Berekhyahu / Sohn des Neriyahu / dem Schreiber‘. Die Bulle gibt Baruchs vollständigen Namen wieder . . . Baruch, Sohn des Nerijas, der dem Siegelabdruck nach ein Schreiber war. Vier Abhandlungen im Buch Jeremia erwähnen Baruch, den Schreiber, Sohn des Nerijas“ (Biblical Archaeological Review, Juli-August 1991, Seite 27).

1982 wurden bei Ausgrabungen in Jerusalem 51 Tonsiegel in einem Versteck gefunden. Sie wurden zur Versiegelung von Papyrus- und Pergamentrollen verwendet. Eines der Siegel trug den Namen von „Gemarjahu [Gemarja], Sohn des Schafan“, der als Schreiber am Hof des jüdischen Königs Jojakim diente und in Jeremia 36, Verse 10-12 bzw. 25-26 namentlich genannt wird.

Der Bibliothekar Tsvi Schneider erklärt, dass die Namen von zwei weiteren Personen aus der Zeit Jeremias, darunter auch Baruchs Bruder, auf anderen Tonbullen und Siegeln erscheinen. „Interessant ist, dass Kapitel 36 des Buches Jeremia auch den Namen einer weiteren Person enthält, deren Siegelabdruck in noch erhaltenen Bullen gefunden wurde: ‚Yerahme’el, Sohn des Königs‘.“

Ferner wurde auch das Siegel von Baruchs Bruder Seraja gefunden. Serajas Name erscheint einige Male in Jeremia 51 (Verse 59-64). „Dieses Siegel besteht aus zwei Zeilen: ,Besitz von Seriahu / Neriyah‘ . . . Seraja war der Bruder Baruchs, Jeremias Schreiber. Seraja und Baruch waren Söhne Nerijas und Enkel Machsejas (Jeremia 32,12; 51,59)“ (Biblical Archaeological Review, Juli-August 1991, Seite 30).

Diese erstaunlichen Entdeckungen sind der Nachweis, dass diese vier Personen, deren Namen im Buch Jeremia vorkommen, wirklich als Menschen zur beschriebenen Zeit in Jerusalem gelebt haben. Diese geschilderten Funde der Archäologie sind nur wenige von vielen, die die Existenz von bestimmten Personen bestätigen, die in der Bibel erwähnt werden.

Der Fall Jerusalems

Der biblische Bericht von der Eroberung Jerusalems wird auch von babylonischen Aufzeichnungen bestätigt. Lassen Sie uns erst die biblische Abhandlung lesen: „Und der Herr, der Gott ihrer Väter, ließ immer wieder gegen sie reden durch seine Boten; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung. Aber sie verspotteten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verhöhnten seine Propheten, bis der Grimm des Herrn über sein Volk wuchs und es kein Vergeben mehr gab. Da führte er gegen sie heran den König der Chaldäer [Babylonier] . . .

Und sie verbrannten das Haus Gottes [den Tempel] und rissen die Mauer Jerusalems ein, und alle ihre Burgtürme brannten sie mit Feuer aus, sodass alle ihre kostbaren Geräte zunichte wurden. Und er führte weg nach Babel alle, die das Schwert übrig gelassen hatte, und sie wurden seine und seiner Söhne Knechte, bis das Königtum der Perser zur Herrschaft kam, damit erfüllt würde das Wort des Herrn durch den Mund Jeremias“ (2. Chronik 36,15-17. 19-21).

Jerusalem wurde eigentlich zweimal erobert, beim ersten Mal aber nicht zerstört. Später, im Jahre 587 v. Chr., fiel Jerusalem ein zweites Mal, als nach der Beschreibung der Bibel die Zerstörung erfolgte. Die Stadt wurde mit Fackeln angezündet, ihre Paläste und der Tempel verbrannt und ihre Mauern zerstört. Die Bibel beschreibt beide Niederlagen wahrheitsgetreu, enthält jedoch keine Angaben über deren erste Erstürmung.

1887 gelang die Entschlüsselung verschiedener babylonischer Tafeln. Die Archäologen nennen sie Die Babylonischen Chroniken. Sie beinhalten die Daten der Regierungszeiten vieler babylonischer Könige. Weitere Zusammenstellungen, die 1956 entschlüsselt werden konnten, beinhalten Angaben über die Regierungszeit und Aktivitäten Nebukadnezars. Leider fehlt ein Nachweis, der die Jahre 594-557 v. Chr. bezeugen könnte. Bis auf diese einzige Lücke dokumentieren die Auflistungen seine Herrschaft.

Der Archaeological Commentary on the Bible erklärt die Bedeutung der Feststellungen von 1956: „Bis 1956 war das Datum der ersten Eroberung Jerusalems durch die Babylonier nicht bekannt. In diesem Jahr gelang es jedoch, verschiedene Keilschriften auf Tontafeln zu entschlüsseln, die das genaue Jahr der ersten Eroberung angaben – 597 v. Chr.“ (1979, Seite 143-144).

Babylonisches Exil

Ebenso wie die Assyrer verschleppten auch die Babylonier besiegte Völker. Das diente der besseren Kontrolle der eingenommenen Gebiete. So wie ihr Brudervolk im nördlichen Königreich Israel durch die Assyrer mehr als ein Jahrhundert zuvor in Gefangenschaft geraten war, erfolgte jetzt die Einnahme der Bewohner Judas durch Babylon.

Die Situation schien hoffnungslos. Juda war zerstört, und die Babylonier hatten gewaltsam die meisten seiner Einwohner verschleppt. Trotz ihrer Situation ermutigte Gott das Volk durch seine Propheten, die Hoffnung nicht aufzugeben, eines Tages in ihre Heimat zurückzukehren. Er sandte nicht nur Propheten nach Juda, sondern auch nach Babylon. Männer wie Daniel und Hesekiel, die beide in Babylon lebten, sprachen von der zukünftigen Wiederherstellung des Reiches Juda.

Gott sprach seinem Volk durch Jeremia Hoffnung zu: „So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: An alle Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel gefangen weggeführt habe: Baut Häuser und wohnt darin!

Pflanzt Gärten und esst ihre Früchte! Nehmt Frauen und zeugt Söhne und Töchter! . . . damit ihr euch dort vermehrt und nicht vermindert! Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch gefangen weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn! Denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden haben . . . Erst wenn siebzig Jahre für Babel voll sind, werde ich mich euer annehmen und mein gutes Wort, euch an diesen Ort zurückzubringen, an euch erfüllen“ (Jeremia 29,4-10; Elberfelder Bibel).

Nach diesen ermutigenden Worten gediehen die im Exil lebenden als Gemeinschaft in Babylon. Sie waren so erfolgreich, dass die Mehrheit sich nach den 70 vorhergesagten Jahren des Exils dafür entschied, in Babylon zu bleiben. Diese Umstände förderten das Wachstum zweier großer jüdischer Enklaven in diesem Teil der Welt, eine in Babylon und die andere in Jerusalem.

Archäologische Zeugnisse demonstrieren die günstigen Bedingungen, die Gott dem Volk Juda in Babylon versprochen hatte. „Der Assyriologe E. F. Weidner macht sich nach 1933 an die Durchsicht der Tafeln und Scherben in den Kellerräumen des Kaiser-Friedrich-Museums . . . Unter dem stumpfsinnigen Verwaltungskram findet Weidner mit einem Male unbezahlbar kostbare Notizen des antiken Amtsschimmels. In vier verschiedenen Quittungen über Lebensmittelausgaben, u. a. ist auch ein herrliches Sesamöl aufgeführt, stößt er auf einen vertrauten biblischen Namen: ,Ja’-u-kinu‘ . . . Das ist Jojachin!

Ein Irrtum ist ausgeschlossen, denn Jojachin wird mit seinem vollen Rang ,König des (Landes) Juda‘ bezeichnet . . . Jojachin, abgesetzter König von Juda, hat samt seiner Familie und Gefolge im Palast Nebukadnezars in Babylon gelebt, so darf nach der Entdeckung von Weidner geschlussfolgert, der biblische Bericht im 2. Buch der Könige ergänzt werden: ,Und sein Unterhalt, ein beständiger Unterhalt, wurde ihm vom König von Babel gegeben, soviel er täglich nötig hatte, bis zum Tag seines Todes, alle Tage seines Lebens‘ (Jeremia 52,34; Elberfelder Bibel)“ (Werner Keller, Und die Bibel hat doch recht, 1955, Seite 277-278).

Die Bank Murashu & Söhne

Die Kaufleute unter der Bevölkerung Judas, die nach Babylon als ein geschlagenes Volk durch die Gefangenschaft gekommen waren, erhielten von den ebenso fleißigen Babyloniern ein beachtliches Maß an Freiheit. Die Historikerin Petra Eisele erklärt:

„Obwohl nicht viel über das Leben der im Exil lebenden Juden in Babylon bekannt ist, weiß man doch so viel, dass ihre missliche Lage nicht so schlecht war, wie ihre Sklaverei zur Zeit Moses in Ägypten. Sie lebten in Babylon nicht wie Gefangene oder Sklaven sondern als ,halbfreies‘ Volk . . .

Nachdem die Perser Babylon im Jahr 539 v. Chr. eroberten und den Juden das Recht gaben, in ihre Heimat zurückzukehren, nahm nur eine Minderheit dieser angeblich ,armen Gefangenen‘ dieses großzügige Angebot an. Viele wollten die Bequemlichkeiten und Reichtümer, die sie in diesem ,fremden‘ Land erworben hatten, nicht aufgeben und nicht die ungewisse Zukunft auf sich nehmen, die sie in ihrem ,Heimatland‘ vorfinden würden.

Handelsdokumente auf Tontafeln aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. zeigen, dass sich selbst nach dem Ende des Exils die babylonischen Banken immer noch fest in den Händen der Juden befanden. Die Firma Murashu & Söhne eines jüdischen Bankkaufmanns hatte sich stark im Immobiliengeschäft ausgebreitet. Das Hauptquartier dieses Unternehmens befand sich in der Nähe von Nippur und besaß ungefähr 200 Filialen im ganzen Land!“ (Babylon, Auszug aus Editorial EDAF, 1980, Seite 70).

Die aufstrebenden Zentren in Babylon und Jerusalem halfen dem jüdischen Volk, die Eroberungszüge der Perser, Griechen und Römer besser zu überleben. Einige Jahrhunderte später, zur neutestamentlichen Zeit, waren sie in Israel immer noch fest etabliert. Allen offensichtlichen Widerständen zum Trotz erfüllte sich Gottes Verheißung, dass die Bevölkerung Judas nicht in ihrer babylonischen Gefangenschaft bleiben sollte.

In zukünftigen Artikeln setzen wir unsere Reihe über Bibel und Archäologie fort. Wir werden sehen, wie die Archäologie viele Aussagen der Bibel über die Zeit nach dem Ende des Königreiches Juda bestätigt.

– GN März-April 2015 PDF-Datei dieser Ausgabe

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