Zwischen Altem und Neuem Testament:
Die Prophezeiungen Daniels werden wahr

In den vier Jahrhunderten zwischen dem Ende des Alten und dem Beginn des Neuen Testamentes gingen bedeutende Prophezeiungen in Erfüllung, die die Bühne für ein neues Zeitalter frei machten: das Kommen des Messias.

Von Mario Seiglie

Unsere Artikelserie hat bisher die alttestamentliche Zeit von 1. Mose bis zur Verbannung der Reiche Israel und Juda abgehandelt und archäologische Funde und geschichtliche Erzählungen beschrieben, die zur Erhellung und Bestätigung des biblischen Berichts beigetragen haben. Jetzt bringen wir weitere Beweise für die Zuverlässigkeit der biblischen Berichte, indem wir auf die Zeit zwischen den beiden Testamenten eingehen. Die Ereignisse, die im Alten Testament beschrieben sind, waren bereits abgeschlossen, wäh­rend die Geschehnisse, die in den vier Evan­gelien geschildert werden, noch nicht stattgefunden hatten.

In diesem 420 Jahre umspannenden Zeitraum wurde mit der Erfüllung mehrerer Schlüsselprophezeiungen die Zuverlässigkeit des Wortes Gottes bewiesen und die Bühne für ein weiteres prophezeites Ereignis, die Ankunft des Messias, bereitet.

Die Ära des Alten Testaments endet kurz nach den in Daniel, Esra, Nehemia und Ester dargestellten Geschehnissen. Doch die Vorhersagen Daniels werden auch noch während der Epoche zwischen dem Alten und Neuen Testament erfüllt. Im Buch Daniel sind Ereignisse vorhergesagt, von denen einige bereits vor vielen Jahrhunderten eintrafen, während die Erfüllung der anderen noch vor uns liegt.

Alexander der Große in der Prophetie

Gott offenbarte Daniel in einem Gesicht, dass das nach den Persern aufkommende Reich das griechische Imperium unter Alexander dem Großen sein würde. Gabriel, der Engel Gottes, erklärte Daniel: „Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, bedeutet die Könige von Medien und Persien. Der Ziegenbock aber ist der König von Griechenland. Das große Horn zwischen seinen Augen ist der erste König. Dass aber vier an seiner Stelle wuchsen, nachdem es zerbrochen war, bedeutet, dass vier Königreiche aus seinem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig wie er“ (Daniel 8,20-22).

Als Alexander der Große im Jahre 333 v. Chr. die Heere Darius III. in der Schlacht zu Issus besiegte, brach die persische Herrschaft jäh zusammen. Doch nur zehn Jahre später, wie in der in Daniel 8 enthaltenen Prophezeiung vorausgesagt, starb Alexander eines unerwarteten Todes.

Das griechische Reich wurde in vier Gebiete aufgeteilt, in dem jeweils einer der Generäle Alexanders herrschte. Das Volk Gottes war übernatürlich gerettet und befreit worden, nachdem, wie uns Josephus erzählt, Cyrus die Weissagungen über seinen Namen und seine Taten in der Bibel gesehen hatte. In den Schriften des Josephus finden wir Ähnliches über Alexander: Nachdem dieser die Prophezeiungen über seine eigenen Handlungen in der Bibel gelesen hatte, soll er Jerusalem verschont haben.

Als Alexander in den Nahen Osten einfiel, war es nur natürlich, dass fast jeder ihm Widerstand leistete. Wer das aber tat, wurde gnadenlos zertrampelt. So erlebten die Phönizier den Zorn Alexanders, als er ihre Stadt Tyrus völlig vernichtete. Es war zu erwarten, dass das gleiche Schicksal Jerusalem heimsuchen würde, denn es hatte die glücklosen Perser in ihrem verhängnisvollen Kampf gegen den mazedonischen Feldherrn bei Issus unterstützt.

Eine überraschende Konfrontation zu Jerusalem

Josephus beschreibt, wie die Truppen Alexanders die Stadt umzingelten und den Angriff vorbereiteten. Plötzlich öffnete sich das Stadttor, und der Hohepriester kam mit seinem Gefolge heraus. Josephus schreibt: „Denn Alexander, als er die Menge in weißen Kleidern, die Priester in feiner Leinwand und den Hohepriester in Purpur und Scharlach – mit der Mitra auf dem Haupt und dem goldenen Schild mit dem eingravierten Namen Gottes – aus der Ferne erblickte, näherte sich ganz allein, verehrte den Namen und salutierte dem Hohepriester zuerst . . . Die Könige von Syrien und die anderen waren fassungslos und meinten, Alexander sei von Sinnen. Parmenio aber ging ihm ohne Begleitung entgegen und fragte ihn, wie es kam, dass er, dem sonst jeder zu huldigen pflegte, den Hohepriester der Juden verehrte. Alexander erwiderte ihm, er verehre nicht den Hohepriester, sondern den Gott, der diesen mit seinem Priesteramt geehrt habe.

,Denn ich habe‘, sagte er, ,genau diesen Menschen in genau dieser Kleidung in einem Traum gesehen, als ich in Dios in Mazedonien verweilte. Er drängte mich, aufzubrechen und mutig das Meer dorthin zu überqueren, denn er werde mein Heer führen und mir die Herrschaft über die Perser verleihen. Jetzt, wo ich diese Person in diesem Gewand sehe und mich an diese Vision erinnere, glaube ich, dass mein Heer unter göttlicher Führung steht.‘

Als man ihm dann das Buch Daniel zeigte, in dem Daniel erklärt, es werde ein Grieche sein, der das Reich der Perser vernichtet, nahm er an, dass er selbst damit gemeint war. In seiner Genugtuung darüber fragte er sie, welche Gunst er ihnen erweisen dürfe, woraufhin der Hohepriester darum bat, dass sie in jedem siebten Jahr von der Tributzahlung befreit sein möchten. Alexander gewährte ihnen alles, worum sie ihn baten“ (Jüdische Altertümer, XI, viii, 5).

Antiochus IV. Epiphanes und der Gräuel der Verwüstung

So begann die 150-jährige Herrschaft der Griechen über Judäa. In Kapitel 11 hatte Daniel das Auf und Ab der Juden unter griechischer Herrschaft angekündigt. Nach dem Tod Alexanders wurde Judäa zunächst zum Reich des Generals Ptolemäus geschlagen, der von Ägypten aus regierte.

Unter seiner Herrschaft gab es auch für die Juden relativen Frieden. Doch wiederholt aufflackernde Kämpfe zwischen den Ptolemäern in Ägypten und den Seleukiden in Syrien um die ungeteilte Herrschaft über das griechische Imperium spitzten sich im Jahre 198 v. Chr. zu. In jenem Jahr erlitten die Ptolemäer eine Niederlage und Judäa geriet unter seleukidische Herrschaft.

Kurz danach kam ein Sprößling der seleukidischen Linie auf, der mehrere düstere Weissagungen Daniels erfüllen sollte. Wie uns die Historiker berichten, war es Antiochus IV., genannt „Epiphanes“, der den in Daniel 8 und 11 beschriebenen „Gräuel der Verwüstung“ aufstellte. Die Verhältnisse dieser Zeit werden in Daniel 8, Verse 8-13 beschrieben:

„Und der Ziegenbock [das griechische Reich] wurde sehr groß. Und als er am stärksten geworden war, zerbrach das große Horn [Alexander starb plötzlich auf der Höhe seiner Macht], und es wuchsen an seiner Stelle vier andere Hörner nach den vier Winden des Himmels hin [das Reich Alexanders wurde von seinen vier obersten Generälen zerteilt]“ (Vers 8). „Und aus einem von ihnen wuchs ein kleines Horn [Antiochus IV. Epiphanes]; das wurde sehr groß nach Süden [Ägypten], nach Osten [Mesopotamien] und nach dem herrlichen Land [Judäa] hin . . . Ja, es wuchs bis zum Fürsten des Heeres und nahm ihm das tägliche Opfer weg und verwüstete die Wohnung seines Heiligtums [den Tempel zu Jerusalem] . . . Ich hörte aber einen Heiligen reden . . . Wie lange gilt dies Gesicht vom täglichen Opfer und vom verwüstenden Frevel?“ (Verse 9-13).

Zu Antiochus Epiphanes erklärt das Bibellexikon The International Standard Bible Encyclopedia: „Seine Handlungen in und an Palästina werden in den beiden Büchern der Makkabäer beschrieben und in einer bemerkenswerten Prophezeiung in Daniel 11, Verse 21-35 vorausgesagt“ (Band 1, Seite 145, Stichwort „Antiochus IV Epiphanes“). Die Bücher der Makkabäer, die vor der Geburt Christi verfasst wurden, gehören zwar nicht zum traditionellen hebräischen Kanon, sind aber wertvolle geschichtliche Berichte.

Die grausame Herrschaft des Antiochus

Ein Überblick über die Geschichte der drei Jahre, in denen der „Gräuel der Verwüstung“ unter Antiochus Epiphanes bestehen blieb, findet sich in dem Bibelkommentar The Bible Knowledge Commentary: „Dieser Teil der Vision sah den Aufstieg eines Herrschers im griechischen Reich voraus, der das Volk und das Land Israel unterjochen, ihren Tempel entweihen, ihre Gottesdienste aussetzen und für sich die Autorität und die Anbetung in Anspruch nehmen würde, die Gott allein zustehen. Er hat in der Tat den Tempel entweiht und das tägliche Opfer abgeschafft.

Antiochus entsandte seinen General Apollonius – angeblich in friedlicher Mission – mit 22.000 Mann nach Jerusalem. Doch seine Truppen griffen Jerusalem am Sabbat an und erschlugen viele der Einwohner. Nachdem sie die Frauen und Kinder als Sklavinnen und Sklaven weggeführt hatten, brannten sie die Stadt nieder. Im Zuge seiner Bemühungen, den Judaismus auszurotten und die Juden zu hellenisieren, verbot Antiochus alle jüdischen Kulthandlungen (einschließlich der Feste und der Beschneidung) und ließ alle Thorarollen verbrennen. Dann stellte er den Gräuel der Verwüstung auf.

Dieser Tiefpunkt wurde am 16. Dezember, 167 v. Chr. erreicht, als Antiochus auf dem Brandopferaltar vor dem Tempel einen Zeusaltar errichtete und auf diesem ein Schwein opfern ließ. Er zwang die Juden, am 25. jedes Monats ein Schwein zu opfern, um des Geburtstags des griechischen Machthabers zu gedenken.

Antiochus stellte den Juden große Belohnungen in Aussicht, wenn sie sich nur vom Gott Israels abwenden und Zeus verehren würden. Viele in Israel ließen sich von seinen Versprechungen beeinflussen und beteten den falschen Gott an. Ein kleiner Rest aber blieb Gott treu und weigerte sich, an jenen gräulichen Praktiken teilzunehmen. Antiochus IV. starb geistig umnachtet in Persien im Jahre 163 v. Chr.“ (Logos Library System, 1997).

Die Genauigkeit, mit der Daniel diese Ereig­nisse etwa 300 Jahre im Voraus beschreibt, hat viele Bibelkritiker veranlasst, die Datierung seines Buches in die Zeit nach diesen Geschehnissen zu versetzen. Bezeichnend ist, dass verschiedene Skeptiker nicht gewagt haben, die inhaltliche Wahrhaftigkeit der Prophezeiungen Daniels anzuzweifeln. Aber weil sie nicht bereit sind, zuzugeben, dass seine Worte inspiriert sind, haben sie sein Buch als Betrug hingestellt.

Sie bestreiten, dass es im sechsten Jahr­hundert vor der Geburt Christi von Daniel geschrieben wurde, wie es eindeutig aus dem Inhalt hervorgeht. Nach ihren Aussagen wurde es von einem unbekannten Schriftsteller im zweiten Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben, als schon viele der darin angekündigten Ereignisse in ferner Vergangenheit lagen. Daher, so die Kritiker, sei es überhaupt nicht überraschend, dass der Inhalt des Buches den geschichtlichen Tatsachen genau entspricht.

Durch die Entdeckung der Schriftrollen vom Toten Meer im Jahre 1948 hat die herkömmliche Datierung des Buches Daniel neue Unterstützung erfahren. Diese Schriftrollen, auch Qumran-Rollen genannt, enthalten bis auf das Buch Ester Teile von jedem Buch des Alten Testaments.

Gleason Archer, Professor für Altes Testament und semitische Studien an der Trinity Evangelical Divinity School, schreibt: „Um die schlagkräftigen Beweise übernatürlicher Inspiration, vor denen das Buch Daniel förmlich strotzt, zu entkräften, mussten die rationalistischen Forscher eine spätere Epoche jüdischer Geschichte finden, bis zu der alle in dem Buch enthaltenen Prophezeiungen bereits in Erfüllung gegangen waren. Eine solche Epoche war die Zeit der Herrschaft des Antiochus Epiphanes (175-164 v. Chr.) . . . Aber mit der Fülle der Fakten, die uns die Schriftrollen vom Toten Meer liefern, sind wir in der Lage, diese Frage ein für allemal zu klären“ (Encyclopedia of Bible Difficulties, 1982, Seite 282).

Anhand dieser neuen sprachwissenschaftlichen Tatsachen beweist Archer die Richtigkeit der herkömmlichen Datierung des Buches Daniel (um 530 v. Chr.).

Ein weiterer Einwand der Kritiker ist die Behauptung, Daniel könne nicht der Verfasser des Buches sein, weil er in den ersten Kapiteln von sich selbst in der dritten Person spricht, als schreibe er über jemand anderen. Wie Gleason Archer im Bibellexikon The Expositor’s Bible Commentary schreibt, „war das bei antiken Autoren geschichtlicher Memoiren eine völlig übliche Praxis“ (Band 7, Seite 4). Außerdem hat Daniel in einigen Erzählungen auch die erste Person benutzt (siehe Daniel 7,15; 8,15; 9,2; 10,2).

Ferner ist die Identität der Kritiker Daniels von Bedeutung. Der erste, der ihn als Autor in Frage stellte, war der griechische Gelehrte und Historiker Porphyr (233 bis 304 n. Chr.). In der Geschichtsschreibung gilt er als Neoplatoniker, was bedeutet, dass er eher die Lehrmeinungen des griechischen Philosophen Platon als die der Bibel vertrat. „Porphyr ist als heftiger Gegner des Christentums und Verteidiger des Heidentums bekannt“ (Encyclopedia Britannica, 11. Ausgabe, Band 22, Seite 104, Artikel „Porphyry“).

Da Porphyr ein Feind des Christentums war, sind Zweifel an seiner Objektivität erlaubt. Seine Meinung zum Buch Daniel entbehrt jeglicher Grundlage und widerspricht dem Zeugnis Jesu Christi, der Daniel als Verfasser des Buches bezeichnete (Matthäus 24,15).

Die Juden geraten unter römische Herrschaft

Dank der heroischen Führung der Familie der Makkabäer gelang es den Juden im Jahre 164 v. Chr., das Joch ihrer syrischen Unterdrücker abzuschütteln. Ein Jahr­hundert lang durften sie Freiheit von fremder Herrschaft genießen. Doch im Jahre 63 v. Chr. eroberte der römische General Pompeius Judäa und gliederte es dem römischen Reich ein.

Nachdem die Römer einige Jahrzehnte später Herodes den Großen als König von Judäa eingesetzt hatten, sollten die Juden wieder viel leiden. Herodes regierte von 37-4 v. Chr. Seine letzten Jahre markieren den Übergang zur Ära des Neuen Testaments.

Wenn Sie mehr über die biblische Prophetie erfahren möchten – auch über die vielen Prophezeiungen Daniels, deren Erfüllung noch aussteht –, empfehlen wir Ihnen unsere kostenlosen Broschüren Die Bibel – Wahrheit oder Legende?, Biblische Prophezeiung: Ein Blick in Ihre Zukunft?, Amerika und Großbritannien: Was sagt die Bibel über Ihre Zukunft? und Krisenherd Nahost: Was sagt die Bibel über seine Zukunft?. Sie können sie als PDF-Datei im Internet herunterladen, oder auf Anfrage senden wir sie Ihnen gerne zu.

– GN März-April 2016 PDF-Datei dieser Ausgabe

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