Breitet sich Gottes Natur in uns aus?

Mit dem Auflegen der Hände nach der Taufe „pflanzt“ Gott seine Natur in uns. Unsere Aufgabe ist es, die göttliche Natur in allen Bereichen unserer Lebensführung wirken und gedeihen zu lassen!

Von Robin Webber

Einen eigenen Gemüsegarten zu haben ist auf vielfältige Weise ein Segen. Man genießt nicht nur Frisches auf dem Tisch ohne Transportwege, sondern hat auch die wohltuende Wirkung der Arbeit im Garten: frische Luft, Sonnenschein, die Nähe der Natur. Der erfolgreiche Hobbygärtner hat gelernt, dass für den Erfolg im Garten Zeit und Mühe investiert werden müssen.

Der Anfänger hingegen macht manchmal einen Fehler, der auch bei neuen Christen, sinngemäß, vorkommen kann. Der Neuling sät die Saat oder setzt die Keimlinge und meint dann, seine Arbeit sei damit erledigt – weitere Pflege sei nicht notwendig. Wer so denkt, irrt sich, denn „vom Nichtstun kommt nichts“. Der Garten, der so entsteht, ist einer voller „Unkraut“: Löwenzahn, die Gemeine Waldrebe, die Kermesbeere, die Vogelmiere und andere unerwünschte Pflanzen, die dem Klima ideal angepasst sind und in der Tat keinerlei Pflege bedürfen. So ein Garten ist schön – schön wild, aber nicht fruchtbar!

Durch das Unkraut entsteht eine erhebliche Konkurrenz um Nährstoffe, Wasser und Platz. Es ist also kein Wunder, dass jeder Hobbygärtner in seinem kleinen Reich den unerwünschten Pflänzchen den Krieg angesagt hat. Und der Kampf gegen das Unkraut ist meist ein ständiges Auf und Ab, in dem der Gärtner scheinbar schnell den Sieg erringt, die Wildkräuter aber schon bald wieder sprießen und sein Einsatz wieder gefordert ist.

So gesehen sind Pflanzen und Säen im Garten lediglich ein erster Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Ernte, so wie die Taufe auch nur der Anfang für einen neuen Christen ist.

Gott beginnt sein Wirken in uns damit, dass er Christus in uns „ pflanzt“, wenn wir den heiligen Geist beim Auflegen der Hände nach der Taufe empfangen. Wir wissen auch, dass wir dank der Gnade Gottes die Errettung erfahren dürfen; wir können sie nicht durch eigene Werke verdienen. Deshalb stellt sich für Christen eine fundamentale Frage: Ist mit der Taufe alles getan, da Christus nunmehr in uns lebt? Müssen wir sonst nichts mehr tun?

Wie der Anfänger im Garten können wir einer falschen Vorstellung verfallen, die Gottes Wirken in uns behindert. Wir dürfen nicht denken, dass wir, indem wir unsere Sünden bereuten, Jesus Christus als unseren Erlöser annahmen und uns taufen ließen, alle Herausforderungen unseres christlichen Lebens bereits gemeistert haben – auch wenn Gott seine Saat in uns gesät hat.

Andererseits können wir uns, wie der neue Hobbygärtner, von dem ständigen Kampf gegen das Unkraut in unserem Leben überwältigt fühlen. Wir kommen uns in unserem „guten Kampf des Glaubens“ (1. Timotheus 6,12) allein gelassen vor und scheinen nie richtig voranzukommen.

Ein geistlicher Weckruf

In meinem Beitrag in der letzten Ausgabe von Gute Nachrichten erklärte ich, dass der heilige Geist kein Werkzeug ist, das wir erst bei Bedarf aus dem Werkzeugkasten holen sollen. Stattdessen ist er die fortwährende Präsenz unseres himmlischen Vaters und Jesu Christi in unserem Leben. Aus diesem Grund durfte Paulus feststellen: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20).

Die Realität ist die, dass Gott uns sozusagen „von innen heraus“ verändern will. Im Gegensatz dazu wollen viele Menschen eine Veränderung in ihrem Leben durch etwas Äußerliches herbeiführen – Alkohol, Drogen usw. Vergessen wir nicht, dass Eva im Garten Eden nach der verbotenen Frucht griff, um wie Gott zu sein.

Wozu hat Gott uns in diesem Leben berufen? Ich stelle nochmals die Frage: Ist mit der Taufe alles getan, da Christus nunmehr in uns lebt? Ganz bestimmt nicht! Unser Leben ist ganz sicher kein Leben der Ruhe und Untätigkeit im bequemen Sessel! Nein, es soll der Prozess einer dynamischen Partnerschaft mit Gott sein, bei der die Saat, die er in uns sät, wächst und gedeiht, bis sie unser ganzes Leben umfasst. In diesem Sinn freute sich der Apostel Paulus auf die Zeit, wenn Christus in den Gläubigen seiner Zeit „Gestalt annimmt“ (Galater 4,19; Einheitsübersetzung).

Woran klammern wir uns?

Das Ziel, das Gott mit uns verfolgt, ist klar. Es gibt keine Frage, dass er und Christus buchstäblich in uns wohnen, wenn wir unsere Berufung angenommen und den heiligen Geist empfangen haben (vgl. dazu Johannes 14,23). Klärungsbedarf gibt es nur hinsichtlich des Umfangs an symbolischem Unkraut, das wir in unserem Leben durch unsere Untätigkeit dulden.

Mit Unkraut sind Beziehungen und Situationen gemeint, bei denen die Frucht von Gottes Geist nicht voll zur Geltung kommt. Beispiele sind unsere Ehe, unsere Kindererziehung, der Umgang mit Verwandten, Arbeitskollegen und Nachbarn oder Dinge wie Alkohol, Glücksspiele, finanzielle Angelegenheiten usw. Es geht um all die Entscheidungen, die wir zu treffen haben und uns dabei vom Unkraut alter Schwächen und Gewohnheiten beeinflussen lassen.

Die Pflege eines Gartens ist nicht die einzige Metapher für unser Leben als Christen. Viele von uns haben einen Kellerraum oder eine Abstellkammer. In einigen Wohnungen und Häusern gibt es sogar ein unbenutztes Zimmer, das als Abstellkammer dient. Dort befinden sich die Dinge, die wir zurzeit nicht verwenden oder nach dem letzten Umzug noch nicht ausgepackt haben.

Manches befindet sich noch in Kartons, manches liegt lose gestapelt im Regal oder in vollgestopften Schubladen einer alten Kommode. Dieses Zimmer gehört nicht zu denen, die wir unseren Gästen zeigen wollen.

Dieses Szenario kann in mancher Hinsicht unserem Leben ähneln. Wir haben irgendwo eine Abstellkammer, in die wir niemandem Zutritt gewähren – auch Gott nicht. Dort lagern alte Gewohnheiten und Schwächen, die wir noch nicht überwunden haben. Doch Gott kennt uns und weiß genau, was sich alles in unserer geistlichen Abstellkammer befindet. Er möchte sein Wirken in unserem Leben so weit ausdehnen, bis es alle Aspekte unseres Daseins erfasst und unsere Abstellkammer aufgeräumt wird.

Der Apostel Paulus ist nicht der einzige neutestamentliche Autor, der Gottes Präsenz in unserem Leben anspricht. Petrus ergänzt die Aussagen des Paulus und redet davon, dass wir „Anteil an der göttlichen Natur“ bekommen sollen (2. Petrus 1,4).

Petrus hörte Jesu Aufforderung „Folgt mir nach!“ von Anfang seiner Berufung an (Matthäus 4,19) bis zu seinem letzten niedergeschriebenen Gespräch mit Jesus (Johannes 21,19). Es ist dieselbe Aufforderung – und Ermahnung –, die Jesus heute an einen jeden seiner Nachfolger richtet. Unsere Aufgabe ist es, die göttliche Natur in allen Bereichen unserer Lebensführung uneingeschränkt wirken und gedeihen zu lassen!

Wie schaffen wir Platz zur Ausbreitung der göttlichen Natur in uns?

Platz schaffen nach Gottes Blaupause

Petrus kannte Gottes Blaupause für die Nachfolge. Das erkennen wir an seiner Selbstbeschreibung in seinem zweiten Brief: „Simon Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi“ (2. Petrus 1,1). Er nannte sich nicht nur einen Apostel, sondern auch einen Knecht Jesu Christi.

Die allermeisten Christen verstehen die Bedeutung des Ausdrucks Apostel: jemand, der zum Predigen des Evangeliums ausgesandt wird. Beim Wort „Knecht“ übersehen wir jedoch die wahre Absicht des Urtextes, denn das griechische Wort doulos bedeutet Sklave.

Ein Sklave war ein gekaufter Diener und sein Leben gehörte nicht ihm, sondern seinem Besitzer. Seine Aufgabe bestand darin, seinem Herrn mit seinem ganzen Wesen in treuem Gehorsam zu dienen.

Petrus’ Selbstbeschreibung sollte auch unsere eigene sein, denn Paulus sagt uns, dass unser Leben nicht mehr unser eigenes ist: „Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden“ (1. Korinther 6,19-20; Einheitsübersetzung). Womit wurden wir erkauft? Gott hat uns „durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben“ (Apostelgeschichte 20,28; ebenda).

Als Gottes Sklaven dienen wir nicht mehr der Sünde, sondern der Gerechtigkeit: „Ihr wisst doch: Wenn ihr euch als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet, dann seid ihr Sklaven dessen, dem ihr gehorchen müsst; ihr seid entweder Sklaven der Sünde, die zum Tod führt, oder des Gehorsams, der zur Gerechtigkeit führt. Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde, seid jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden, an die ihr übergeben wurdet. Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seid zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden“ (Römer 6,16-18; ebenda).

Gott bürdet uns als seinen treuen Sklaven keine Last auf, die wir nicht tragen können (1. Korinther 10,13). Im Gegenteil: Von Anfang an steht er uns bei und hilft uns, damit wir ihn erkennen. Als Jesus seine Jünger fragte: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“, antwortete Petrus: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“ (Matthäus 16,15-16). Woher hatte Petrus diese Erkenntnis? „Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Vers 17).

Gottes Hilfe für unseren Weg mit ihm beschränkt sich nicht nur auf die Erkenntnis um sein Wesen. Er schenkt uns auch das Wissen um das „geistliche Unkraut“ in unserem Leben, das wir entfernen müssen, damit seine Natur sich in uns voll entfalten und ausbreiten kann. Das wusste schon König David vor ca. 3000 Jahren: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege“ (Psalm 139,23-24; alle Hervorhebungen durch uns).

Hat Gott uns auf etwas in unserem Leben hingewiesen, was nicht mit seinem Willen im Einklang ist, brauchen wir nicht zu verzagen oder uns allein gelassen zu fühlen. Er hilft uns auch bei der Überwindung von Schwächen und Fehlern: „Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen“ (Philipper 2,13).

Gott steht uns bei und segnet unser Bemühen, Jesu Aufforderung „Folgt mir nach!“ zu erfüllen. So breitet sich seine Natur in uns aus, sodass Jesus in uns immer mehr „Gestalt annimmt“!

– GN März-April 2017 PDF-Datei dieser Ausgabe

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