Die ständige Gegenwart des „Ich-bin“

Der Gott, der schon immer existiert hat und immer existieren wird, ist den Menschen – besonders den Berufenen – ganz nah. Sie sind ihm wichtig und er steht vor der Tür Ihres Lebens und klopft an! Hören Sie sein Anklopfen?

Von Robin Webber

In dem Monumentalfilm Die Zehn Gebote des mehrfach ausgezeichneten Regisseurs Cecille B. DeMille spielte Charlton Heston die Hauptrolle als Mose. Vielleicht erinnern Sie sich an die Szene, in der Mose vor dem brennenden Busch die Gegenwart Gottes spürte und seine Stimme hörte.

Mose fragte Gott, was er den Israeliten sagen sollte, wenn sie ihn nach dem Namen des Gottes ihrer Väter fragen sollten. Gottes Antwort lautete: „Ich bin, der ich bin . . . So sollst du zu den Israeliten sagen: Der ,Ich bin‘ hat mich zu euch gesandt“ (2. Mose 3,13-14; Menge-Bibel). Der hebräische Urtext könnte auch mit „Ich werde sein, was ich sein werde“ übersetzt werden.

Enthalten in Gottes Antwort ist das hebräische Tetragramm JHWH, der Name Gottes, für den es keine präzise Übersetzung gibt. Dieser Begriff enthält die Bedeutung „ich bin“ bzw. „ich war, bin und werde sein“, wodurch die ewige Existenz Gottes zum Ausdruck kommt – sinngemäß: der Ewige. Der Name JHWH, dessen Aussprache heute nicht genau bekannt ist, wird in der Lutherbibel und in anderen Übersetzungen mit „Herr“ (in Kapitälchen) wiedergegeben, wie beispielsweise in 2. Mose 3, Vers 15.

Der Gott Israels, der Mose die bevorstehende Errettung seines Volkes aus der Knechtschaft ankündigt (vgl. dazu 2. Mose 3,7-10), gibt ihm sozusagen seine Visitenkarte, mit der er sich als der Ewige identifiziert – als derjenige, der immer da ist.

Ca. 1500 Jahre später offenbarte sich Jesus Christus gegenüber seinen Landsleuten als derjenige, der mit Mose gesprochen hatte, als er ihnen sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich“ (Johannes 8,58; alle Hervorhebungen durch uns). Darüber hinaus wurde das Wesen, das Mose und die Israeliten durch die Wüste führte, der Fels genannt (vgl. dazu 5. Mose 32,3-4. 15. 18).

Der Apostel Paulus wusste, wer dieser Fels war: „Dieser Fels war Christus“ (1. Korinther 10,4; Zürcher Bibel).

Das heißt, dass derjenige, der in Menschengestalt als Jesus auf die Erde kam, auch derjenige war, der als Gott mit Israel interagierte. Der „Ich-bin“, der den Israeliten den Weg durch die Wüste zum Gelobten Land wies, ist derselbe, der als Jesus uns zur Nachfolge auffordert (Johannes 10,27), damit er uns in unser Gelobtes Land bringen kann – das ewige Reich Gottes.

Mitten unter seinen Nachfolgern

Manchmal verlieren wir die Tatsache der Identität und das Wirken Jesu Christi aus den Augen. Dann fragen wir enttäuscht: „Gott, wo bist du, wenn ich dich wirklich brauche, gerade jetzt?“ Doch Gott sagt uns, dass er immer bei uns sein wird: „Der Herr hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen“ (Hebräer 13,5).

Von Zeit zu Zeit müssen wir daran erinnert werden, wer Gott wirklich ist. Er ist allgegenwärtig, allmächtig und allwissend, aber vor allem ist er Liebe. In der Tat gibt uns der Apostel Johannes die einfachste Definition der Wesensart Gottes: „Gott ist die Liebe“ (1. Johannes 4,8. 16). Johannes durfte den auferstandenen Jesus in einer Vision sehen. Er wurde dadurch in der Überzeugung mächtig gestärkt, dass Christus – der „Ich-bin“ – in der Lage ist, uns zu helfen, ganz gleich, wie unser momentaner Zustand ist.

Als Johannes die Vision gegen Ende des ersten Jahrhunderts sehen durfte, verfolgte das Römische Reich die Gemeinde. In schweren Zeiten kann man dazu neigen, sich Jesus als weit entfernt vorzustellen, den man nur durch ständige beschwichtigende Ehrerbietung auf sich aufmerksam machen kann.

Jesus ermutigte Johannes mit der Beschreibung seiner Gegenwart in der Gemeinde als deren lebendiges Haupt, wie es auch der Apostel Paulus beschreibt: „Und alles hat er [Gott, der Vater] unter seine [Jesu] Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Epheser 1,22-23).

Johannes beschrieb die Aufforderung zur Niederschrift der Vision, die er sehen durfte: „Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch“ (Offenbarung 1,10-11).

Als Nächstes erwähnt er sieben Gemeinden in Kleinasien, die die Kirche in allen Zeitaltern repräsentieren: „Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich . . . Die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden“ (Offenbarung 1,12-13. 20).

Die Symbolik ist bemerkenswert. Der auferstandene Jesus Christus hat sich nicht von seinen Nachfolgern entfernt, sondern ist mitten unter ihnen und weiß genau, was sie durchmachen. Jesus hatte eine wichtige Botschaft für Johannes und die sieben Gemeinden, die auch uns heute gilt: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle [bzw. des Grabes]“ (Verse 17-18).

Das zeigt uns die immerwährende Präsenz des verherrlichten Herrn Jesus, der, ob als Mann aus Nazareth oder der glorifizierte Sohn Gottes, immer der „Ich-bin“ ist. Er tut kund, dass er das Leben und den Tod als Mensch erfahren hat und nunmehr ewig lebt.

Und er sagt uns: „Fürchtet euch nicht!“ Er ist heute bei uns, genauso wie er damals in Babylon mit Daniels drei Freunden Schadrach, Meschach und Abed-Nego „inmitten“ des Feuerofens war, als sie sich der Anbetung von Nebukadnezars Götzenbild verwehrten (Daniel 3,16-18). Selbst König Nebukadnezar erkannte eine vierte Gestalt in den Flammen, die so aussah, „als wäre er ein Sohn der Götter“ (Daniel 3,25).

Manchmal rufen wir Gott in unserer persönlichen Krise an, als würde er sich außerhalb unserer Erlebniswelt befinden. Stattdessen sollen wir erkennen, dass er in der Krise bei uns ist und genau weiß, wie es uns ergeht. Unser himmlischer Vater möchte, dass alle, die er selbst beruft (Johannes 6,44. 75), die andauernde Gegenwart seines Sohnes in ihrem Leben anerkennen und schätzen.

Unser Kreuz annehmen

Jesus sagte nie, dass wir als seine Nachfolger ein leichtes Spiel haben würden, aber er sagte, dass sich die Nachfolge lohnen wird. Von Anfang an war Jesus hinsichtlich der Verpflichtung, die er verlangte, immer offen und ehrlich mit allen, die er zur Nachfolge aufrief: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein . . . Jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27. 30).

Damit war der symbolische Tod gemeint – der Verzicht auf ein Leben ohne Gott. Jesus lebte uns den Verzicht durch seinen Tod am Kreuz als Sühneopfer für die Sünden der gesamten Menschheit vor.

Wir sollen seinen Fußstapfen folgen und als lebendiges Opfer bereit sein, die Anfechtungen und Entbehrungen auf uns zu nehmen, die die Nachfolge Christi mit sich bringt: „Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr um schlechter Taten willen geschlagen werdet und es geduldig ertragt? Aber wenn ihr um guter Taten willen leidet und es ertragt, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen“ (1. Petrus 2,20-21).

Die Realität des christlichen Lebens ist, dass wir erst unser Kreuz tragen müssen, bevor wir eine Krone tragen dürfen.

Die Frage ist nur, ob wir die Last des Kreuzes der Gerechtigkeit wegen annehmen oder ob wir aufgrund eigener Sturheit, Dummheit oder Rebellion schwer belastet sind. Jeder muss diese Frage selbst beantworten, denn unsere Entscheidungen ziehen Konsequenzen nach sich.

Auf jeden Fall möchte Gott in unserem Leben präsent sein. Er möchte, dass wir das auch wissen und spüren. Ist das nicht der Fall, so stellt sich die Frage, was uns daran hindert, den Trost seiner Gegenwart zu erleben. Durch den Propheten Jesaja erfahren wir, dass nicht bereute Sünden ein Grund sein können:

„Siehe, des Herrn Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, sodass er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet“ (Jesaja 59,1-2).

Die Hektik des modernen Alltags kann auch ein Grund sein: zu viel Lärm, zu viel Verkehr, zu viel Arbeit, zu viele Gedanken, die uns zu viel beschäftigen. Gott sagt nicht ohne Grund: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“ (Psalm 46,11).

Der Apostel Paulus schrieb von der „Einfalt . . . gegenüber Christus“ (2. Korinther 11,3). Wir erleben diese Einfalt, wenn wir vom Alltag Pause machen und uns die Zeit nehmen, unser Leben aufs Neue an unserem Schöpfer auszurichten.

Klopft nicht nur an, sondern seid offen, wenn angeklopft wird

Richten wir unser Augenmerk zum Schluss auf das „doppelte Anklopfen“ in der Heiligen Schrift. Sie kennen wahrscheinlich Jesu Ermahnung in Matthäus 7, Vers 7: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Wir sollen sozusagen bei Gott anklopfen, aber es geschieht dann, wenn wir es wollen.

In Offenbarung 3, Vers 20 sagt uns Jesus: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, so werde ich bei ihm eintreten und das Mahl mit ihm halten und er mit mir“ (Menge-Bibel). Jesus klopft also auch an! Er möchte an unserem Leben teilhaben. Das kann er aber nur, wenn wir uns nicht von der zunehmend gottlosen Kultur, die unser ständiges Umfeld ist, ablenken lassen.

Das Anklopfen ist daher keine Einbahnstraße, aber es ist auch keine gleichmäßige zweibahnige Straße. Was ist der Unterschied? Im Gegensatz zu uns klopft Jesus kontinuierlich an. Er ist der „Ich-bin“, „derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8). Er ist immer für uns da und tröstet alle, die seine Aufforderung „Folgt mir nach!“ beherzigen, mit dieser Verheißung: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20).

Hören Sie nun das Klopfen an der Tür Ihres Herzens? Es ist an der Zeit, Jesus Eintritt zu gewähren!

– GN September-Oktober 2017 PDF-Datei dieser Ausgabe

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