Der Krieg, der alle Kriege beenden sollte

Hundert Jahre nach der Waffenruhe am Ende des Ersten Weltkrieges leben wir in einer Welt, die von Streit zerrissen wird und häufig an der Schwelle eines noch schlimmeren Krieges zu stehen scheint.

Von Darris McNeely

Mein Vater war Soldat im Zweiten Weltkrieg. Als er nach Hause zurückkehrte, brachte er viele Andenken mit – alte Uniformen, Medaillen, Landkarten und unzählige Fotos. Nach außen unsichtbar brachte er aber auch sehr viele seelische Schmerzen mit nach Hause.

Ich erinnere mich daran, wie ich einmal die Bibel öffnete, die er von der Armee bekommen hatte. Zwischen Blättern aus Wachspapier fand ich gepresste Mohnblumen.

„Wo hast du die her?“, fragte ich ihn.

„Von flämischen Feldern“, sagte er. Und dann trug er das berühmte Gedicht vom Ersten Weltkrieg vor:

Auf flämischen Feldern weht der Mohn

durchsetzt von Kreuzen, unserem Lohn.

Beim Kanonendonner der Lerchen Ton,

verhallt, verstummt, vergeht im Hohn.

Ich war schockiert. Noch nie hatte ich ein Gedicht aus seinem Munde gehört. Dabei blieb es auch. Dass er sich dieses Gedicht eingeprägt hatte, war also sehr bedeutsam.

„Auf flämischen Feldern“ ist ein Gedicht, das unter die Haut geht. In ihm ermahnen die Toten die Lebenden, sie nicht zu vergessen:

Führt den Kampf weiter, die ihr noch lebt!

Wir Sterbenden reichen euch den Staffelstab.

Wenn nicht, dann wisst, dass wir, vermisst,

Euer Urteil sprechen

Im Gerichtsfeld der rot-schwarzen Blumen.

Für uns vielleicht unverständlich stacheln die Toten die Lebenden an, den Kampf weiterzuführen und indirekt die Todeszahlen noch zu vergrößern.

Während meiner Kindheit trugen die Kriegsveteranen in meiner Heimatstadt künstliche Mohnblumen an jedem 11. November. Eine solche Kunstblume, die ich vor einigen Jahren in Kanada kaufte, bewahre ich in meinem Büro auf. Sie erinnert mich an die Sinnlosigkeit und Tragik von Krieg, besonders vom Ersten Weltkrieg.

„Der lange europäische Krieg“

Das Gesamtopfer aller Kriegstoten der Geschichte sollte uns eine Mahnung sein, über die Ursachen und Folgen von Krieg nachzudenken.

Bisher war es üblich, vom Ersten und Zweiten Weltkrieg zu sprechen, wobei der Erste sich von 1914 bis 1918 und der Zweite sich von 1939 bis 1945 erstreckte. Von 1947 bis 1989 herrschte der sogenannte „Kalte Krieg“. Heute, mit größerem Abstand von den Ereignissen, gehen manche Geschichtsforscher dazu über, alle drei Konflikte als Teile eines „langen europäischen Krieges“ zu sehen, wie sie ihn nennen. Diese Sicht macht es leichter, die Bedeutung der Ereignisse von 1914 richtig zu begreifen.

Nach dieser Lesart dauerte der „lange europäische Krieg“ 75 Jahre: von 1914 bis 1989. Seine Folgen sind auch heute noch überall zu spüren. Obwohl vieles, wie gesagt, für diese neue Bezeichnung bzw. Betrachtungsweise spricht, werde ich in diesem Beitrag auch die alten Bezeichnungen benutzen.

Führen wir uns zunächst die hohen Opferzahlen der ersten Phase dieses „langen europäischen Krieges“, nämlich des Ersten Weltkrieges, des Krieges, der alle Kriege beenden sollte, vor Augen. Als endlich am 11. November 1918 um 11.11 Uhr die Waffen schwiegen, waren neun Millionen Soldaten tot.

Weitere 21 Millionen waren verwundet, in vielen Fällen fürs restliche Leben. Die Zivilisten, die durch Hunger oder Krankheit ums Leben kamen, konnte man nicht zählen. Dieser Krieg war 52 schreckliche Monate lang ein unersättlicher Menschenfresser. Fast jede Sekunde starb ein weiterer deutscher Soldat.

Der Waffenstillstand aber bedeutete längst nicht das Ende des Sterbens. In Russland brach ein Bürgerkrieg aus, der zur Entstehung einer kommunistischen Diktatur führte, unter deren Herrschaft im Laufe der nächsten zwanzig Jahre mehrere Zehnmillionen Menschen ums Leben kamen. Der Erste Weltkrieg begünstigte auch die Ausbreitung der Grippe von 1918 bis 1919, die zwischen zwanzig und fünfzig Millionen Opfer forderte.

Waffenstillstand ja, Frieden nein

Mit der Waffenruhe kehrte kein Weltfriede ein. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist das Buch von David Fromkin, A Peace to End All Peace (1989). Fromkin richtet seinen Blick auf den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und auf die Folgen des Ersten Weltkrieges für den Nahen Osten. Er beschäftigt sich besonders mit der Aufteilung der Region auf der Pariser Friedenskonferenz, die von den Siegermächten von 1919 bis 1922 abgehalten wurde.

Wenn man erfährt, wie Syrien, Jordanien und der Irak ins Leben gerufen wurden, kann man den heutigen Nahostkonflikt besser verstehen. Wie der Titel des Buches andeutet, führte der Erste Weltkrieg zu andauerndem Unfrieden, zumindest im Nahen Osten.

Über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren hinweg sorgte das Osmanische Reich im Nahen Osten für einen Scheinfrieden, indem es tief verwurzelte Rivalitäten zwischen verschiedenen Volksgruppen einfach unterdrückte. Trotz einer gemeinsamen Religion (Islam) und einer gemeinsamen Sprache (Arabisch) schwelte unter der Oberfläche ständiger Streit.

Als Siegermächte im Ersten Weltkrieg beendeten Großbritannien und seine Verbündeten die Herrschaft der Türken im Nahen Osten. Sie zogen Grenzlinien für neue Länder nach europäischem Muster, aber ohne die Zustimmung der betroffenen Völkerschaften und ohne ausreichende Kenntnis der völkischen und religiösen Spannungen, die dort herrschten.

Man muss sich nur die Grenzen des heutigen Jordanien ansehen. Es sind samt und sonders gerade Linien, zum Teil rechtwinklig zueinander angeordnet, die mit den geografischen und demografischen Verhältnissen nichts zu tun haben. Der Bürgerkrieg im heutigen Syrien legt beredtes Zeugnis ab für das Versagen der Diplomaten vor fast einem Jahrhundert.

Torheit der Grenzverläufe im Nahen Osten

Fromkin weist darauf hin, dass die europäischen Politiker davon ausgingen, eine Region, deren Kultur in religiösem Recht verwurzelt war, nach dem glaubensneutralen Muster europäischer Staaten neu gestalten zu können. Der Koran, das heilige Buch des Islam, ist die Quelle des Scharia-Rechts. Vor diesem Hintergrund glauben radikale Islamisten, dass die modernen demokratischen Staaten keine Rechtmäßigkeit besitzen.

Das gilt vor allem für ihre Haltung gegenüber Israel, dessen jüdische Einwohner sie ins Meer treiben wollen, aber es gilt auch für muslimische Staaten, deren Verfassung nicht auf der Scharia beruht. Das ist der Grund, warum es öfter Versuche gegeben hat, gemäßigte muslimische Regierungen zu stürzen. Der springende Punkt, so Fromkin, ist „die Frage, ob ein politisches System europäischer Herkunft, dessen Hauptmerkmal eine Aufteilung in unabhängige, glaubensneutrale Nationalstaaten ist, auf dem fremden Boden des Nahen Ostens überleben wird“ (Seite 563-564).

Bisher haben demokratische Verfassungen nach europäischem Muster kaum im Nahen Osten Wurzeln geschlagen. Sie sind allenfalls eine Fassade, hinter der sich tiefe völkische Gegensätze verstecken. Außerdem ist für viele Muslime eine demokratische Regierungsform einfach fremd. Fest steht, dass eine Demokratie nicht durch Waffengewalt erzwungen werden kann. Auch wenn sie in einer Verfassung verankert ist, muss sie auch im Denken der Bevölkerung Fuß fassen und sich in Diskussionen und Debatten über lange Zeiträume hinweg bewähren.

Seit dem Arabischen Frühling des Jahres 2011 wird der moderne Nahe Osten, der aus dem „langen europäischen Krieg“ hervorging, immer wieder von Konflikten erschüttert. So haben Aufstände und Bürgerkriege nicht nur zum Sturz von Regierungen, sondern auch zu riesigen Flüchtlingsströmen geführt, die nach Nord- und Westeuropa drängen. Die Verwerfungen und Belastungen, die aus diesem Zustrom von Menschen in Europa entstanden sind, gehen eindeutig auf das Konto der europäischen Diplomaten, die vor hundert Jahren im Nahen Osten künstliche, bestandsunfähige Staaten aus der Taufe hoben.

Die europäischen Führer zur Zeit des Ersten Weltkrieges hatten keinerlei Gespür für die Macht des islamischen Glaubens über das Denken und Fühlen der Menschen im Nahen Osten. Auch die Führer von heute zeigen wenig Verständnis für die Macht der Religion über den Durchschnittsmenschen und den Verlauf der Geschichte. Eine glaubensneutrale Politik und humanistisches Denken haben es nie vermocht, den Menschen Sinn und Hoffnung zu vermitteln, wie es die Religion getan hat.

Wie der Traum Alexanders des Großen, die Welt mit der griechischen Kultur zu infiltrieren, was zur Einbettung griechischen Gedankengutes in bestehende Kulturen und Ideologien wie in Babylon und Ägypten führte, so werden auch alle Versuche enden, eine wildfremde Kultur dem heutigen Nahen Osten aufzupfropfen. Aus der biblischen Prophetie wissen wir, dass die Politik im Nahen Osten und auch in der übrigen Welt von mächtigen, geistlichen Faktoren bestimmt wird, die von Menschen kaum wahrgenommen, geschweige denn begriffen werden (Offenbarung 16,13-14).

Der Erste Weltkrieg bescherte dem Nahen Osten tektonische Veränderungen, deren Erschütterungen noch heute zu spüren sind. Zum Schluss seines einsichtsvollen Buches zieht Fromkin das Fazit, dass die künstliche Aufteilung der Region nach dem Ersten Weltkrieg „heute durch Waffengewalt in Frage gestellt wird, und zwar jahrein, jahraus in den zertrümmerten Straßenzügen Beiruts, an den Ufern des langsam fließenden Tigris-Euphrats und an den Wassern des biblischen Jordanflusses“ (Seite 565).

Die Verdrängung Gottes aus der neuzeitlichen europäischen Kultur

Das ungehemmte Blutvergießen, das im Ersten Weltkrieg Millionen junger Männer in der Blüte ihres Lebens dahinraffte, verstärkte eine bereits bestehende Krise des Glaubens. Jahrhunderte der Aufklärung hatten zu einer Lockerung der geistlichen Bande geführt, mit denen die Religion die Menschen in ihrem Bann hielt.

Die Entfaltung von Wissenschaft und Technik hatte den Menschen zum Maß aller Dinge gemacht. Gott brauchte man nicht mehr, weder zur sittlichen Führung noch zur Hilfe in der Not. Die Evolutionstheorie des Charles Darwin ließ Zweifel aufkommen an der biblischen Überlieferung, nach der wir Menschen eigens von einem Schöpfer geschaffen wurden. Der Sozialismus des Karl Marx und die psychoanalytischen Studien Sigmund Freuds trugen weiter dazu bei, die Beziehungen zwischen den abendländischen Menschen von biblischen Vorstellungen und Normen zu befreien.

Der Erste Weltkrieg leistete dem Trend zum Atheismus und Nihilismus kräftigen Vorschub. Den Atheismus hat es aber schon im Zeitalter des Neuen Testaments gegeben. In seinem Brief an die Gemeinde zu Rom, geschrieben im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, beschrieb Paulus die damalige Welt als eine, die mit Gott nichts zu tun haben wollte. Denn obwohl die Existenz Gottes von der Natur eindeutig bezeugt wurde, wollten die Menschen von damals weder diese Tatsache anerkennen noch sich Gott in Dankbarkeit unterordnen.

Gott erlaubte den Menschen, sich im eigenen sittlichen Schmutz zu wälzen, Lügen zu glauben und die Frucht der Verleugnung der Schöpfertätigkeit Gottes zu ernten. Der Apostel Paulus beschreibt das Resultat dieser Entwicklung:

„Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, sodass sie keine Entschuldigung haben. Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert . . . Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist, voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht; Zuträger, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hochmütig, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unvernünftig, treulos, lieblos, unbarmherzig“ (Römer 1,20-21; 28-31; alle Hervorhebungen durch uns).

Der Erste Weltkrieg zerriss das Selbstbild und das Weltbild vieler Menschen. Vor seinem Ausbruch im August 1914 war die Welt voller Optimismus aufgrund vieler noch nie da gewesener Möglichkeiten. Es war ein goldenes Zeitalter der Globalisierung, in dem Waren und Dienstleistungen, Ideen und Kulturgüter auf weltweiter Ebene ausgetauscht und geteilt wurden. Aber nach dem Krieg, mit dem Verlust einer schönen Zeit und einer ganzen Generation, ließ man alle Hoffnung fahren. Man sah die Welt nunmehr mit anderen Augen.

Im Buch A World Undone: The Story of the Great War, 1914 to 1918 zeigt G. J. Meyer diese Sichtänderung anhand der lyrischen Dichtung, die vor und nach dem Krieg geschrieben wurde. In der Vorkriegszeit galt diese noch als wichtig. Gleichviel ob sie von guter oder schlechter Qualität war, sie gab in gemeinverständlicher Form die Gedanken und Wahrnehmungen der Menschen wieder. Bei den Redaktionen der Zeitungen gingen jeden Tag Hunderte von Gedichten zur Veröffentlichung ein.

Als die jungen Männer zu den Waffen gerufen wurden, drückten die Gedichte hochtrabende Gedanken zu Vaterlandsliebe und Kriegsherrlichkeit aus. Als aber bald der grassierende Tod, der Schlamm der Schützengräben, das Giftgas und der einfache Schrecken der modernen Kriegsführung bekannt wurden, änderte sich die Stimmung. Wie Meyer feststellt, „hielt die Literaturproduktion inne und schien sogar eine Zeit lang ganz tot zu sein. Aber dann erstand sie wieder, nur in ganz anderer Form als vorher“ (2006, Seite 544).

Diesen Wechsel sieht man an zwei Gedichten. Das erste wurde 1914 von einem jungen Engländer namens Rupert Brooke geschrieben und schwärmt vom Opfertod für das Vaterland:

Sollte ich fallen, denkt nur das von mir,

dass es ein Stück Boden in einem fremden Land gibt,

das immer und ewig zu England gehört.

Wenige Monate nach der Niederschrift dieser Zeilen starb Brooke auf einem Krankenhausschiff an einer Infektionskrankheit, die ihm eine Stechmücke übertragen hatte. Er war 27 Jahre alt. Ganz anders liest sich ein Gedicht, das in einem späteren Stadium des Krieges geschrieben wurde. Hier beschreibt der Dichter Wilfred Owen den Anblick eines sterbenden Kameraden, den man auf einen Feldwagen geworfen hat:

Könntest auch du in einem Albtraum

hinter dem Feldwagen herschreiten,

auf den wir ihn geschleudert haben,

und die brechenden Augen

in seinem baumelnden Teufelsgesichte sehen;

könntest auch du bei jedem Ruck vernehmen,

wie Blut aus den schäumenden Lungen herausspritzt,

dann würdest du, mein Freund, nicht mehr vor Kindern stehen,

die sich verzweifelt nach Ruhm und Heldentum sehnen,

und ihnen faselnd die alte Lüge erzählen:

Dulce et decorum est pro patria mori.

[Latein: „Süß und anständig ist es, für das Vaterland zu sterben.“]

Die Dichtung Owens war und ist für Kriegsgegner eine wichtige Quelle. Meyers Fazit: „Der Krieg hat alles, aber auch alles verändert: nicht nur Landesgrenzen, nicht nur Regierungen und das Schicksal von Völkern, sondern auch das Selbstbild und das Weltbild des Nachkriegsmenschen. Der Krieg wurde zu einer Zeitlücke, zu einer Unterbrechung, zu einer dauerhaften Trennung zwischen dem, was vorher, und dem, was nachher war“ (Seite 544).

Die tiefere Ebene des Krieges

Das Gedicht über die flämischen Felder, aus dem ich anfangs zitiert habe, sollte man nicht als Kriegsverherrlichung lesen, sondern als einen ernüchternden Weckruf, der auf den Wahnsinn von Krieg hinweist. Auch heute, hundert Jahre später, können wir noch nicht alle Folgen dieses Weltbrandes erfassen. Die Kriegsdämonen wurden entfesselt, vorübergehend gebunden, und dann in noch wilderem Ausmaß im Zweiten Weltkrieg wieder losgelassen. Jeden großen Konflikt, den die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat, kann man auf den Ersten Weltkrieg zurückführen.

Bei allen diesen Kriegen gilt es für uns zu verstehen, was sich auf einer tieferen Ebene, einer geistlichen Ebene, abgespielt hat.

In Psalm 2 wird eine Frage gestellt: „Warum toben die Heiden und murren die Völker so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!“

In dieser Frage ist gewissermaßen die ganze Weltgeschichte zusammengefasst. Wenn Königreiche, Völker und Staaten ihre Pläne schmieden, nehmen sie keine Rücksicht auf Gott. Die Kriege und Kriegsfolgen entspringen einem Geist, der sich Gott in Zorn und Feindschaft widersetzt, der überhaupt mit der Vorstellung eines höheren Wesens, das sittliche Maßstäbe setzt, nichts zu tun haben will.

Die Völker toben und rüsten sich zum Kampf gegeneinander. Ein Krieg nach dem anderen hat aus den Menschen Sklaven gemacht. Jesus Christus sprach davon, dass „Kriege und Kriegsgeschrei“ ein Zeichen sein würden seiner bevorstehenden Wiederkehr. In der Tat wird es einen neuen Weltkrieg geben, der alles Bisherige in den Schatten stellen wird. Er wird so schlimm sein, dass er ohne einen Eingriff Gottes zur Auslöschung der ganzen Menschheit führen würde:

„Es wird eine Schreckenszeit sein, wie die Welt sie noch nie erlebt hat und auch nie wieder erleben wird. Wenn diese Zeit der Not nicht abgekürzt würde, würde die gesamte Menschheit umkommen. Doch wegen der Auserwählten Gottes wird sie abgekürzt werden“ (Matthäus 24,21-22; „Neues Leben“-Übersetzung).

Bei der Beschäftigung mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist mir aufgefallen, wie leicht es gewesen wäre, ihn zu verhindern. Andere Völker schauten zu, als Deutschland aufrüstete und immer aggressiver wurde. Im schicksalhaften Sommer, kurz vor den Mobilisierungen, gab es krampfhafte Versuche, das inzwischen Unvermeidliche doch noch in letzter Minute abzuwenden, aber es war zu spät. Man fragt sich, warum niemand genug Rückgrat hatte, das Ganze aufzuhalten. Gab es dafür Gründe, die nicht offen zu Tage getreten sind?

Die Antwort finden wir in Offenbarung 16, wo von einem zukünftigen Krieg die Rede ist. In den chaotischen Verhältnissen am Ende dieses Zeitalters (siehe Daniel 12,1) werden Heere durch böse Geister aufgeboten: „Und der sechste Engel goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne. Und ich sah aus dem Rachen des Drachen [d. h. des Satans] und aus dem Rachen des Tieres [d. h. eines mächtigen Diktators] und aus dem Munde des falschen Propheten [d. h. eines mächtigen religiösen Führers, der sich fälschlicherweise als Vertreter Gottes ausgibt] drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen“ (Offenbarung 16,12-13).

Durch die ganze Weltgeschichte hindurch hat es Machthaber gegeben, die in ihren Worten und Taten Agenten von Dämonen waren und so im Auftrag Satans des Teufels gehandelt und gesprochen haben. (Satan ist zurzeit der wahre Gott dieser Welt, vgl. dazu 2. Korinther 4,4.) Davon liest man in den Geschichtsbüchern natürlich nichts. Keine Theorie der Weltpolitik nimmt davon Kenntnis. Dennoch ist diese Einsicht eine wesentliche Voraussetzung dafür, die Vergangenheit, die Gegenwart und besonders die Zukunft zu verstehen.

In diesem Sinn hörte ich vor Jahren die Geschichte über einen Mönch im Himalaja, der gegenüber einem Reisenden den Verlust seiner „Götter“ beklagte. Der Mönch soll erzählt haben: „Sie [seine ‚Götter‘] waren alle im Sommer des Jahres 1914 nach Europa gegangen und sind seither nie wiedergekommen.“

Wenn wir den „langen europäischen Krieg“ betrachten, erblicken wir hinter den Kulissen den größeren geistlichen Krieg? Denn wir haben es hier mit einer Beeinflussung der Menschen durch unsichtbare Geister zu tun, die die einen Menschen gegen die anderen hetzen. Wenn wir das nicht verstehen, bleibt uns verborgen, wie die Welt funktioniert. Diese Wahrheit, die uns die Bibel liefert, ermöglicht uns nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft zu verstehen.

Hier ein weiterer Ausschnitt aus der Endzeitprophezeiung im Buch der Offenbarung: „[Es] sind Geister von Teufeln, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes . . . Und er versammelte sie an einen Ort, der heißt auf hebräisch Harmagedon [das ist Megiddo im heutigen Israel]“ (Offenbarung 16,14-16).

Vorbereitung auf den Endkampf

Das traurigste Vermächtnis der Kriegsgeschichte der Menschheit ist die Erkenntnis, dass uns noch mehr Krieg bevorsteht. Denn die Völker haben noch nicht verstanden, was für eine grundlegende Änderung im Geist des Menschen nötig ist, wenn die Flammen des Zornes, des Misstrauens und des Hasses, die in Kriegshandlungen auflodern, erstickt werden sollen.

Der Ausschnitt aus dem Buch Offenbarung, den wir gerade gelesen haben, berichtet vom Endkampf, bei dem die Könige und Machthaber dieser Welt gemeinsame Sache gegen Gott und seinen Sohn machen werden. Dieser Kampf wird tatsächlich der Krieg sein, der alle Kriege beendet. Denn Gott wird sie „mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe [wird er] sie zerschmeißen“ (Psalm 2,9).

Bei meinen Recherchen für diesen Beitrag war der amerikanische Präsident, Donald Trump, auf einem zweitägigen Besuch zum diesjährigen NATO-Gipfel in Brüssel. Seine Forderung, dass die anderen NATO-Mitgliedsstaaten ihre Militärausgaben auf zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes erhöhen – wie schon lange vereinbart –, hat Schlagzeilen gemacht. Er findet es ungerecht, dass die Vereinigten Staaten, sowohl relativ als auch absolut, den höchsten Anteil des Staatsvermögens für die Verteidigung Europas ausgeben, während wohlhabende europäische Länder weniger dafür ausgeben und obendrein im Warenhandel mit Amerika hohe Überschüsse erzielen und ungleiche Zölle auf amerikanische Einfuhren erheben.

Wenn seine Haltung rein rechnerisch verständlich zu sein scheint, musste ich mich fragen, ob Trump und seine Berater eine blasse Ahnung von der europäischen Geschichte haben. Ein Aufruf an Europa, seine Rüstungsausgaben zu erhöhen, ist dazu geeignet, einem weiteren Krieg den Weg zu bahnen. Aus der Geschichte wissen wir, dass diejenigen Staaten wie die USA selbst, die sich gewaltige Waffenbestände zulegen, sie irgendwann einmal in einem Krieg einsetzen werden. Hier sehen wir wieder das Prinzip der ungewollten Folgen am Werk. In der Tat, Europa wird aufrüsten und eine führende Rolle im endzeitlichen Weltbrand spielen, der ohne Gottes Eingreifen zum Untergang allen irdischen Lebens führen würde!

Eine Weltmacht im Auftrag Satans

Offenbarung 13 informiert uns über das „Tier“ und den „falschen Propheten“, die von dämonischen Geistern zum Endkampf gegen den wiederkehrenden Christus verführt werden.

Der Ausdruck „das Tier“ wird in diesem Kapitel zunächst einmal für eine endzeitliche Weltmacht verwendet, deren treibende Kraft der Teufel ist (Offenbarung 13,4). Diese Weltmacht verführt die Menschen, Satan den Teufel anzubeten (Vers 4), widersetzt sich in allem Gott (Verse 5-6), verfolgt und überwindet Gottes treue Anhänger (Vers 7) und waltet über den Großteil der Erde (ebenfalls Vers 7).

Der diktatorische Führer dieser Weltmacht wird aber ebenfalls als „das Tier“ bezeichnet.

Im selben Kapitel wird aber auch ein „anderes Tier“ genannt. Dieses zweite Tier sieht aus wie ein Lamm, redet aber wie Satan, der Drache (Offenbarung 13,11). Es vollbringt Wunder und Zeichen, mit denen es einen Großteil der Welt verführt, sich dem ersten Tier zu ergeben. Es spannt die Macht dieses ersten Tieres ein, um alle ums Leben zu bringen, die sich querstellen (Offenbarung 13,15-17). Bei diesem zweiten Tier handelt es sich um eine falsche Religion und um ihren Führer.

Dieser Religionsführer wird auch als falscher Prophet dargestellt, der Wunder wirkt (Offenbarung 19,20). Er ist mit dem politischen Diktator verbündet und stellt die Macht der Religion in den Dienst ihrer gemeinsamen Interessen. In Offenbarung 17, Verse 1-6 wird dieses Bündnis durch das Bild einer Hure dargestellt, die auf einem Tier reitet. Das Tier (der weltliche Machthaber) und der falsche Prophet führen gemeinsam Regie über einen Verband von zehn „Königen“. Bei diesen Königen kann es sich um die Führer von einzelnen Staaten oder von Staatengruppen handeln. Gemeinsam bilden diese Staaten oder Staatengruppen die endzeitliche Weltmacht (Offenbarung 13,12-13).

Wenn wir alle Teile dieser Prophezeiungen zusammenfügen, sehen wir am Horizont die nächste Phase des alten europäischen Traums: die Vereinigung Europas unter einer gemeinsamen Regierung mit dem Ziel der Weltherrschaft, wie wir das mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg schon erlebt haben.

Diese Vereinigung Europas wird zu einem weiteren Weltkrieg führen – zu einem Krieg, der alles Bisherige in den Schatten stellt.

Gott wird uns vor uns selbst retten

Die Zeit der Not, die uns bevorsteht, wird nicht nur von Krieg gekennzeichnet sein, obwohl er eine große Rolle spielen und Milliarden Menschen dahinraffen wird (Offenbarung 6,4; 9,1-18). Auch Hungersnot (Offenbarung 6,5-6), Seuchen (Offenbarung 6,8) und Naturkatastrophen (Offenbarung 8,7-13) werden an der Tagesordnung sein.

Wenn die Armeen der Welt sich im Nahen Osten versammeln und das Schicksal der Menschheit auf Messers Schneide steht, wird aus unerwarteter Richtung Rettung kommen. Aber sie wird zunächst nicht willkommen sein.

Was dann passiert, wird in Offenbarung 19 geschildert: „Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst. Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war, und sein Name ist: Das Wort Gottes“ (Verse 11-13).

Das ist eine Beschreibung des wiederkehrenden Christus. Er kommt diesmal aber nicht, um sein Leben für die Sünden der Menschheit zu opfern, sondern als siegreicher König, der allem menschlichen Widerstand gegen seine Herrschaft ein Ende bereiten wird:

„Und ihm folgte das Heer des Himmels auf weißen Pferden, angetan mit weißem, reinem Leinen. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Völker schlage; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter, voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen, und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen und er rief mit großer Stimme allen Vögeln zu, die hoch am Himmel fliegen: Kommt, versammelt euch zu dem großen Mahl Gottes und esst das Fleisch der Könige und der Hauptleute und das Fleisch der Starken und der Pferde und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller Freien und Sklaven, der Kleinen und der Großen!

Und ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer. Und das Tier wurde ergriffen und mit ihm der falsche Prophet, der vor seinen Augen die Zeichen getan hatte, durch welche er die verführte, die das Zeichen des Tieres angenommen und das Bild des Tieres angebetet hatten. Lebendig wurden diese beiden in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte. Und die andern wurden erschlagen mit dem Schwert, das aus dem Munde dessen ging, der auf dem Pferd saß. Und alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch“ (Verse 14-21).

Endlich Weltfrieden

Nach der Vernichtung der großen menschlichen Armeen, die hier und in Hesekiel 38-39 beschrieben werden, wird sich Frieden über die ganze Erde ausbreiten. Eine herrliche Prophezeiung aus Jesaja 2, Verse 3-4 erklärt, wie alle Völker Gottes Wege, die zu Frieden führen, kennenlernen werden. Jerusalem, bisher mehr Zankapfel als Stadt des Friedens, wird die Quelle der heilsamen Lehre sein:

„Von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“

Leider war der Erste Weltkrieg keineswegs der Krieg, der alle Kriege beendete. Auch der Zweite Weltkrieg war es nicht. Die Welt wird noch mehr flämische Felder erleben, ehe wir dauerhaften Frieden erleben.

Wenn ich das Gedicht über die flämischen Felder umschreiben dürfte, so würde ich die Botschaft der Toten an die Lebenden so umformulieren: „Hört auf, mit dem Feind zu streiten! Legt die Waffen nieder! Macht eure Schwerter zu Pflugscharen und eure Spieße zu Sicheln! Lernt nicht mehr, Krieg zu führen, sondern Frieden zu schließen!“ Die Worte Jesajas wären für jeden gefallenen Soldaten eine passende Grabinschrift.

Ich frage mich oft, wie mein Vater das Gedicht über die flämischen Felder verstanden hat. Hat er es als Kämpfender oder als Kriegsgegner gelesen? Einige Jahre nach dessen Tod erzählte mir ein Onkel, dass beim Ausbruch des Korea-Krieges im Jahre 1950 die amerikanische Armee Soldaten hatte einberufen wollen, die schon im Zweiten Weltkrieg gedient hatten. Als er damals mit meinem Vater darüber sprach, soll mein Vater gesagt haben: „Wenn sie mich holen wollen, dann müssen sie mindestens drei starke Männer schicken, denn ich gehe nie wieder freiwillig hin.“ Er hatte schon genug Krieg erlebt, er war des Krieges satt.

Heute, hundert Jahre nach dem Ende des Krieges, der alle Kriege beenden sollte, sehnen wir uns nach dem Tag, an dem man anfängt, den Weg zum Frieden zu lernen. Können Sie sich das vorstellen? Wie tröstlich es ist, dass es wirklich geschehen wird und dass uns Gott erklärt, wie es kommen wird!

– GN November-Dezember 2018 PDF-Datei dieser Ausgabe

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