Kann man an die Bibel und an die Evolution glauben?

Manche christlichen Konfessionen sind dazu übergegangen, die Evolutionstheorie Darwins als Erklärung für unsere Existenz zu akzeptieren. Aber lässt sich Darwins Theorie mit der Bibel vereinbaren?

Von John Ross Schroeder

Sind wir die Söhne und Töchter von Adam und Eva oder hat Gott die Kräfte der Evolution genutzt, um unsere Entstehung als Menschen zu steuern? Die Weisheit dieser Welt, vor allem in Europa, spricht sich zunehmend für die Vorstellung aus, dass wir beides akzeptieren können – die Lehren der Bibel und die Evolutionstheorie. Sind diese aber wirklich miteinander vereinbar?

Clive Cookson schrieb etwa in der Financial Times: „Der Vatikan, der in der Vergangenheit oft in dieser Frage zwiespältig erschien, hat sich in letzter Zeit besonders bemüht, die Vereinbarkeit der Evolutionswissenschaft mit der Bibel zu bestätigen“ (23. Dezember 2005; alle Hervorhebungen durch uns).

Viele Geistliche glauben an die Evolution

Die sogenannte „Clergy Letter Project“-Bewegung, der 10 000 ordinierte Pfarrer und Priester in den USA beigetreten sind, stellt dazu fest: „Wir glauben, dass die Evolutionstheorie eine grundlegende wissenschaftliche Wahrheit ist, eine Wahrheit, die sich durch strenge Überprüfung bewährt hat und auf der ein wesentlicher Teil unseres menschlichen Wissens und unserer Errungenschaften basieren. Diese Wahrheit abzulehnen oder als ,eine Theorie unter vielen‘ abzutun gleicht einer absichtlichen Hinwendung zu wissenschaftlicher Ignoranz, die an unsere Kinder weitergereicht wird“ (ebenda).

Die volle Erkenntnis, wie sehr das Konzept der Evolution eine zunehmende Anzahl von Menschen in seinem Griff hat, die von sich behaupten, an Gott und, wie man daher annehmen sollte, auch an sein Wort zu glauben, kann einen nur in Erstaunen versetzen. Gerade weil sich gleichzeitig auch eine wachsende Anzahl von fähigen Wissenschaftlern zu offenen Kritikern des Darwinismus entwickelt.

Unter ihnen ist der australische Arzt und Molekularbiologe Michael Denton, der selbst Agnostiker ist. Für Denton ist die Evolutionstheorie „immer noch, genauso wie zu Darwins Zeiten, eine Hypothese voller Spekulationen, völlig ohne direkte konkrete Beweise und davon weit entfernt, dieses selbstverständliche Axiom zu sein, als das die aggressiveren ihrer Verfechter sie uns gerne darstellen würden“ (Evolution: A Theory in Crisis, 1986, Seite 77).

Selbst einige, die das Konzept des „Intelligent Design“ unterstützen, halten es irgendwie auch mit dem Darwinismus für vereinbar. Der Economist formuliert das folgendermaßen: „Wenn aber Gott einen Plan für die Welt und alle in ihr hat, . . . dann ist es viel leichter, sich eine Evolution, die unter göttlicher Führung ablief, vorzustellen, als eine Evolution, die das Ergebnis von zufälligen Mutationen und dem Überleben des Stärkeren ist.“

Viele glauben, dass Gott den evolutionären Prozess der natürlichen Auswahl dazu benutzt hat, seinen letztendlichen Zweck für die menschliche Familie zu erreichen. Sogar der bekannte Paläontologe und Agnostiker Stephen Jay Gould sah sich genötigt zu sagen: „Entweder ist die Hälfte meiner Kollegen extrem dumm, oder die Wissenschaft des Darwinismus ist völlig vereinbar mit religiösen Glaubensgrundsätzen – und gleichermaßen vereinbar mit dem Atheismus“ („Impeaching a Self-Appointed Judge“, zitiert in Dawkin’s God, 2005, Seite 80).

Dieser Ansatz – wo man glaubt, dass ein göttliches Wesen den Evolutionsprozess steuerte – wird theistische Evolution genannt. Aber hat Gott nach dem, was wir in der Bibel lesen, jemals auf diese Weise gearbeitet? Der Titel dieses Artikels lautet: „Kann man an die Bibel und an die Evolution glauben?“ Er hätte aber auch genauso gut heißen können: „Kann man beiden glauben, Gott und der Evolutionstheorie?“

Wer hat einen Menschen aus dem Staub erschaffen?

Da viele heute gar nicht wissen, was die Bibel tatsächlich zu diesem Thema zu sagen hat, lassen Sie uns hier die übereinstimmende biblische Position klar darstellen. Der Bericht über die Erschaffung des Menschen beginnt im ersten Kapitel der Bibel: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht“ (1. Mose 1,26).

Hier zieht die Schrift eine klare Trennlinie zwischen dem Menschen und dem Tierreich. Vorhergehende Abschnitte zeigen, dass die Säugetiere, Vögel und Fische eindeutig nicht nach dem Ebenbild Gottes erschaffen wurden (Verse 20-25). Nur der Mensch allein hat an dieser ungeheuren Auszeichnung Anteil – und das aufgrund seiner großen Bestimmung. (Mehr über die Bestimmung des Menschen erfahren Sie in unserer kostenlosen Broschüre Das Geheimnis Ihrer Existenz.)

Gott kündigt zuerst seine Absicht an, Menschen zu schaffen, und dann tut er es: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib“ (1. Mose 1,27).

Im zweiten Kapitel werden dann weitere Details offenbart: „Da nahm Gott, der Herr, Staub von der Erde, formte daraus den Menschen [Adam] und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen“ (1. Mose 2,7; Gute Nachricht Bibel).

Der biblische Bericht steht in krassem Gegensatz zu denjenigen, die glauben, dass die Evolution die Menschheit aus Staub entwickelt hat. Im Grunde läuft dieser Glaube auf Abgötterei hinaus, da die Evolution an die Stelle von Gott gesetzt wird.

Der Bericht fährt dann mit der Erschaffung von Eva fort: „Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist“ (1. Mose 2,21-23).

Dieser Bericht zeigt, dass Sex von Gott geschaffen wurde, nicht von der Evolution, wie so viele Wissenschaftler zu behaupten scheinen. „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“ (1. Mose 2,24).

Die Psalmen bestätigen die Schöpfung

Andere Bücher der Bibel, wie die Psalmen, bestätigen den Bericht von 1. Mose über die Erschaffung des Menschen. Nehmen wir zum Beispiel das menschliche Auge. Wir können uns fragen: Wer entwarf das erste Auge? Wie könnte das Auge jemals das Produkt von zufälligen Mutationen sein? Wie hätten auch ganze Zeitalter von allmählichen, schrittweisen Veränderungen ein Auge hervorbringen können? Ein so erstaunlich komplexes Organ, das alle seine aufeinander abgestimmten Teile zum Funktionieren benötigt?

Der Psalmist schreibt Gott dieses Verdienst zu: „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“ (Psalm 94,9). Was hatte König David über seine eigene Herkunft zu sagen? „Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl“ (Psalm 139,14; Elberfelder Bibel). Er führte seine Existenz direkt auf Gott zurück und fuhr dann fort zu beschreiben, wie sein Schöpfer all seine Gebeine schon kannte, als er sich noch im Mutterleib befand (Verse 15-16).

David stellte die entscheidende Frage: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? . . . Denn du hast ihn wenig geringer gemacht als Engel“ (Psalm 8,5-6; Elberfelder Bibel). Er fährt mit der Beschreibung fort, wie Gott dem Menschen die Herrschaft über die ganze Erde gegeben hat, Flora und Fauna eingeschlossen (Verse 7-9). Der Kolumnist Mark Steyn hat im britischen Spectator geschrieben, dass diese wichtige Bibelstelle „zutreffend das zentrale Merkmal unserer Welt wiedergibt – unsere Herrschaft über so praktisch alles andere da draußen“.

Er fügte hinzu, dass der Verfasser dieses Psalms „das Wesentliche unserer Realität besser dargestellt hat als der durchschnittliche Genetiker“ („O Come, All Ye Faithless“, 17. Dezember 2005).

Jesus Christus und Paulus glaubten an die Erschaffung des Menschen

Sehen Sie, was Jesus Christus selbst gesagt hat: „Von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau“ (Markus 10,6). Dann, in der synoptischen Erzählung bei Matthäus, stellt Christus die Frage: „Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau?“ (Matthäus 19,4). Jesu Frage betont, wie bedeutsam es ist, dass wir die Bibel lesen und ihr glauben – und an dieser Stelle betont er besonders den Schöpfungsbericht in den frühen Kapiteln von 1. Mose.

Als sich der Apostel Paulus der unverhohlenen Götzenanbetung der Philosophen von Athen auf dem Areopag neben der Athener Akropolis entgegenstellte, sagte er ihnen, dass „das ist der Gott, der die Welt und alles, was in ihr ist, geschaffen hat. Dieser [ist] Herr des Himmels und der Erde . . . er hat den einen Menschen geschaffen, von dem alle Völker auf der ganzen Erde abstammen“ (Apostelgeschichte 17,24. 26; „Hoffnung für alle“-Übersetzung). Alle Generationen von Menschen stammen von einem Mann ab – und dieser Mann wurde Adam genannt.

Paulus fügt hinzu: „Wie geschrieben steht [in 1. Mose]: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einem lebendigen Wesen“ (1. Korinther 15,45). Paulus verstand auch die Reihenfolge, in welcher der erste Mann und die erste Frau geschaffen wurden. „Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva“ (1. Timotheus 2,13). Und, so überraschend es auch klingen mag, er schrieb auch: „Denn Adam, der erste Mensch, wurde nicht aus einer Frau erschaffen, aber Eva, die erste Frau, wurde aus dem Mann erschaffen. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann“ (1. Korinther 11,8-9; „Hoffnung für alle“-Übersetzung).

Da alle Nachkommen von Adam und Eva von einer Frau geboren wurden (Vers 12), hätte Paulus diesen Abschnitt nicht schreiben können, wenn er nicht dem biblischen Bericht in 1. Mose entsprechenden Glauben geschenkt hätte.

Die offensichtlichen Schlussfolgerungen

Es ist einfach nicht möglich, die Bibel in ein Buch umzugestalten, das auch irgendwie die Evolutionstheorie unterstützt. Wenn wir den Mut haben, den Schöpfungsbericht in seiner wörtlichen Bedeutung zu akzeptieren, dann wird es unmöglich, an eine theistische Evolution zu glauben. Beide, das Alte und das Neue Testament, bestätigen übereinstimmend den Bericht über die göttliche Erschaffung von Adam und Eva.

Was wir jetzt logischerweise zu tun haben, ist, die Beweise für die Autorität und Echtheit der Bibel zusammen mit den Beweisen für die Existenz Gottes zu prüfen und diese mit der Glaubwürdigkeit der Evolutionstheorie zu vergleichen.

Dazu bieten wir Ihnen unsere kostenlosen Broschüren Die Bibel – Wahrheit oder Legende? und Gibt es einen Gott? an. Auf Anfrage senden wir sie Ihnen gerne zu.

– GN November-Dezember 2018 PDF-Datei dieser Ausgabe

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