Reißen wir uns geistlich zusammen!

Manchmal können wir uns vom Leben überfordert fühlen. Wir können dazu neigen, erforderliche Änderungen an uns aufzuschieben und anderen – sogar Gott – die Schuld zu geben. Dann müssen wir uns „geistlich zusammenreißen“ – unser geistliches Leben wieder in den Griff bekommen!

Von Robin Webber

Nach seinen eigenen Worten kam Jesus als Mensch auf die Erde, um uns „das Leben zu geben, Leben im Überfluss“ (Johannes 10,10; Gute Nachricht Bibel). Ich klammere mich gern an diese Aussage Jesu, verbunden mit seiner Einladung „Folgt mir nach!“ (Matthäus 4,19) – bis das Leben mir ordentlich Sand ins Getriebe wirft und ich zum Stillstand komme.

Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie sich „zusammenreißen“ sollen? Ich bin sicher, dass die meisten von uns irgendwann einmal entweder diesen stumpfen Rat gehört oder ihn selbst gegeben haben.

Wenn diese Aufforderung erfolgt, laufen die Dinge meist nicht, wie wir es uns vorgestellt haben. Aber unerwartete Herausforderungen gehören zum Leben dazu. Hier müssen wir eine wichtige Frage beantworten: Wie viel Raum geben wir unserem himmlischen Vater, um uns – auch in Notfällen – nach dem Bild Jesu Christi zu formen?

Wie können wir geistliche Durchbrüche erzielen, anstatt zu verzagen, wenn das Leben uns eine unangenehme Überraschung beschert? (Und das wird vorkommen!) Betrachten wir vier konkrete Schritte für diesen Fall, die uns helfen werden, unsere Nachfolge Jesu zu stärken.

1. Verschieben Sie notwendige Veränderungen nicht

Jetzt ist die Zeit, heute ist der Tag, um damit zu beginnen, alles Notwendige zu tun, um unsere Beziehung zu Gott zu verbessern.

Fragen Sie sich, wo Sie in diesem Augenblick mit Gott stehen. Denken Sie kurz darüber nach, was Ihrer Beziehung zu Gott förderlich oder hinderlich ist – ob es zeitlose, göttlich orientierte Werte oder aber selbstsüchtige Gefühle und Wünsche sind. Davon betroffen können Ihre Ehe, eine andere familiäre Beziehung, Ihr Job oder etwas anderes sein. Vielleicht gibt es ein Problem, das unmöglich zu lösen scheint – eine unüberwindliche geistliche Barriere liegt im Leben vor Ihnen. Wenn Sie meinen, dass Sie nicht wirklich damit umgehen können, ignorieren Sie es? Tun Sie das lieber nicht, denn jetzt ist die Zeit, heute ist der Tag, um damit zu beginnen, alles Notwendige zu tun, um unsere Beziehung zu Gott zu verbessern!

In Kalifornien, wo ich zu Hause bin, hört man manchmal das spanische Wort mañana – morgen. Morgen ist eines der hoffnungsvollsten Wörter im Wörterbuch, aber es kann auch sehr hinderlich sein. Es hat zwei Seiten. Manchmal ist es besser, ein Problem am nächsten Tag mit einer neuen Perspektive anzugehen. So ermöglichen wir eine weise Entscheidung, die nicht auf Eile, sondern auf Geduld und Einsicht beruht.

Aber manchmal geht man Nacht für Nacht ohne Ergebnisse ins Bett. Es kommt so nie zu einer Lösung, wie man unseren himmlischen Vater verherrlichen, wie man hier Jesus Christus nachfolgen und ein Segen für andere Menschen sein kann.

Was verschieben Sie?

Der Apostel Jakobus ermahnt uns: „Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –, und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun“ (Jakobus 4,13-15).

Reißen wir uns zusammen! Die Zeit vergeht! „Achtet also genau darauf, wie ihr lebt: nicht wie unwissende, sondern wie weise Menschen. Nutzt die Zeit, so gut ihr könnt, denn wir leben in einer schlimmen Zeit“, schrieb der Apostel Paulus (Epheser 5,15-16; „Hoffnung für alle“ -Übersetzung). Keiner kann die bereits vergangene Zeit zurückholen, aber wir können uns vornehmen, unser Leben in Zukunft mehr im Sinn unseres himmlischen Vaters zu führen.

2. Hören Sie auf, anderen die Schuld für Ihre Probleme zu geben

Befassen wir uns als Nächstes mit einem Beispiel aus dem Leben Davids, bevor er König wurde. In 1. Samuel 30, Vers 1 lesen wir: „Als nun David mit seinen Männern am dritten Tage nach Ziklag kam, waren die Amalekiter [Israels Feinde von alters her] eingefallen ins Südland und in Ziklag und hatten Ziklag eingenommen und mit Feuer verbrannt.“

Dies war ein verheerender Schlag für David und seine Männer. Ihre Familien waren gefangen genommen worden. Davids eigene Frauen wurden entführt. Wem wollte man die Schuld für diese Tragödie geben? „Und David geriet in große Bedrängnis, weil die Leute ihn steinigen wollten; denn die Seele des ganzen Volks war erbittert, ein jeder wegen seiner Söhne und Töchter“ (1. Samuel 30,6).

Dies ist ein klassischer Fall der Fehlersuche, die durch eine missliche Lage verursacht wurde. Wenn die Dinge nicht gut laufen, liegt es in der menschlichen Natur, um sich zu schlagen und andere zu beschuldigen. Unsere erste Reaktion ist meist nicht, die Verantwortung selbst zu übernehmen.

Seien wir ehrlich: Irgendwann wollten auch wir jemanden für unsere üble Lage gedanklich steinigen. Steine in Gedanken auf andere zu werfen ist ein Weg, wie wir uns besser fühlen und Schuldgefühle von uns fernhalten können. So machte es der erste Mensch Adam, der Gott die Schuld dafür gab, dass er seine Frau Eva gemacht hatte, und Eva, die wiederum allein der Schlange die Schuld geben wollte (1. Mose 3,9-13). Haben wir niemals den Spruch gehört, dass drei Finger an unserer Hand, wenn wir mit dem Zeigefinger auf andere deuten, auf uns weisen?

Natürlich kann man den ganzen Tag lang andere Leute beschuldigen, und einige tun es auch. Doch obwohl es nicht einfach ist, sich den eigenen Fehlern zu stellen und unsere Last Gott zu übergeben und loszulassen, ist es die einzige wirkliche Lösung. Gott wird uns jedoch nicht einfach unsere Frustration, Verletzungen und selbst geschaffenen Probleme wegnehmen. Wir müssen alles ihm anvertrauen und überlassen! Um das Leben geistlich in den Griff zu bekommen, müssen wir Gott über unsere Herzen und unser Leben herrschen lassen.

3. Hören Sie auf, Gott die Schuld zu geben

Sehr wahrscheinlich ist Gott manchmal das Ziel unserer „gedanklichen Steinigung“. Schließlich hat er in allem das Sagen, nicht wahr? Doch wenn wir Gott die Schuld geben, weisen wir ihm nicht nur Schuld zu, sondern implizieren auch, dass er sich nicht wirklich um uns kümmert. Gott die Schuld zu geben, ist geistlich sehr gefährlich. Es ignoriert Gottes große Fürsorge und nimmt uns jede persönliche Verantwortung ab. Aber wie praktisch für uns!

Solange wir nicht erkennen, dass wir uns von Natur aus dem Willen Gottes nicht unterordnen können und ablehnen, die eigene Schuld anzuerkennen, kann Gott nicht aktiv in uns arbeiten. Gott kann uns erst dann helfen, wenn wir bereit sind, Verantwortung für unser Leben zu übernehmen.

Im Leben Hiobs lief auch nicht alles planmäßig ab. Als eine Katastrophe die andere ablöste, wurde ihm das Leben unerträglich. „Und seine Frau sprach zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb“ (Hiob 2,9). Diese Aufforderung spiegelt eine verständliche Verzweiflung wider, aber es scheint, dass Hiobs Frau ihm und Gott die Schuld gegeben hat.

Hiob war jedoch ein Mann, der daran arbeitete, seine menschliche Natur zu überwinden: „Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die törichten Frauen reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10).

Dies ist ein lehrreiches Beispiel für uns. Wenn wir uns geistlich zusammenreißen wollen, müssen wir uns selbst direkt ins Gesicht schauen und erkennen, dass wir uns zuerst – und nicht erst später – untersuchen müssen. Geben wir nicht anderen die Schuld. Geben wir auch nicht Gott die Schuld. Der englische Dichter Robert Browning fasste es so zusammen: „Wer als Erstes mit sich selbst ringt, ist ein wertvoller Mensch.“

4. „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“

Vielleicht haben Sie manchmal das Gefühl, dass Gott taub für Ihre Gebete geworden ist. Deshalb ist es wichtig, ihn beständig im Gebet zu suchen. Wenn wir das tun und ihn um seine fürsorgliche Gnade bitten, hört er uns. Machen Sie es Gott möglich, Ihr Leben neu zu gestalten, geformt nach dem Vorbild Jesu Christi. Wie tun wir das? „So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,6-7).

„Aber“, wenden Sie vielleicht ein, „Sie wissen nicht, wie sehr ich die Sache für mich und andere vermasselt habe!“

Dieser Einwand ist falsch! Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir vollkommen sein müssen, bevor wir uns Gott nähern dürfen. Wie war es mit Simson, der Gott in seiner Not anrief, oder dem Schächer am Kreuz, dessen Einstellung Jesus lobte?

Wir kennen auch König Davids Reue vor Gott aus Psalm 51, nachdem der Prophet Natan ihn mit seinen schrecklichen Sünden konfrontiert hatte. Vollkommenheit ist keine Voraussetzung, um Gott um Hilfe zu bitten. Gott ist in allen Prüfungen und Phasen unseres Lebens bei uns.

David schrieb Psalm 23. Der Psalm ist nicht lediglich eine Anreihung salbungsvoller Worte. Es geht um diese unterschiedlichen Phasen des Lebens! Vers 1 beschreibt das Fundament, auf das wir bauen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Fazit: Gottes Fürsorge für uns ist vollkommen.

Der Psalm führt uns durch die grünen Weiden – die guten Zeiten. Er führt uns „zum Ruheplatz am Wasser“ (Vers 2; Einheitsübersetzung) – die friedlichen Zeiten. Es führt uns aber auch durch das finstere Tal – die dunklen und beunruhigenden Zeiten. Doch zum Schluss spiegelt der Psalm das wider, worüber wir gerade sprechen.

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang“, schrieb König David. Er bewahrte sein Vertrauen in Gott und riss sich auch in den schwierigsten Zeiten zusammen, um Gottes Rettungsseil nicht loszulassen.

Ihr Schöpfer weiß genau, wo Sie in diesem Augenblick sind, und er weiß deshalb auch, was Sie brauchen. In einem Psalm schrieb David: „Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel. Er macht meine Füße gleich den Hirschen und stellt mich auf meine Höhen“ (Psalm 18,33-34).

„Hirsch“ ist eine Übersetzung, die nicht ganz dem Sinn von Davids Gedanken entspricht. Es ist das Bild einer Bergziege oder eines Dickhornschafs auf einem hohen Felsen, das auf einem schmalen, unsicheren Felsvorsprung fest steht und nicht stürzt.

Als Nächstes schrieb David: „Er lehrt meine Hände streiten und meinen Arm den ehernen Bogen spannen“ (Psalm 18,35). Gott gibt uns die Fähigkeit, Meister des Glaubens und auch in schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein. Seine Liebe und Fürsorge sind es, die es uns ermöglichen, das Leben „geistlich in den Griff zu bekommen“ und mutig voranzuschreiten.

„Du gibst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stärkt mich, und deine Huld macht mich groß“ (Psalm 18,36). Gott wünscht Ihnen aufrichtig eine ewige Existenz mit ihm als Angehöriger seiner Familie. Dazu reicht er Ihnen seine Hand, damit Sie Ihr Leben geistlich wieder in den Griff bekommen, wenn es Ihnen eine unangenehme Überraschung beschert.

Heute, gerade jetzt, ist es nicht der Wille Gottes, neue Lebensumstände für uns zu schaffen. Wenn wir morgen früh aufwachen, wird die Welt wieder ähnlich sein wie heute. Aber Gott erschafft heute neue Menschen durch seinen Geist.

Das sind Männer und Frauen, die durch Gottes Gnade zu der Erkenntnis gelangen, die der Autor Victor Frankl, Überlebender des Holocaust, wie folgt zum Ausdruck gebracht hat: „Man kann nicht kontrollieren, was einem im Leben passiert, aber man kann immer kontrollieren, was man dabei empfindet und wie man darauf reagiert“ (Man’s Search for Meaning, 1946).

Und ich darf hinzufügen, dass Sie bei dem, was Ihnen im Leben passiert, nie allein sind! Gott „will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen“, versichert uns der Autor des Hebräerbriefs (Hebräer 13,5).

Wer der Aufforderung Jesu Christi „Folgt mir nach!“ nachkommen will, wird Zeiten erleben, in denen er sich „geistlich zusammenreißen“ muss, um nicht zu straucheln. Und dabei wird ihm sein himmlischer Vater stets zur Seite stehen!

– GN Juli-August 2019 PDF-Datei dieser Ausgabe

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