Die Weltreiche der Bibel

Welche König- und Weltreiche werden in der Bibel erwähnt? Wir erklären in knapper Form, welche Rollen sie in der Vergangenheit gespielt haben – und in der Zukunft noch spielen werden!

Von Steven Britt

In der Bibel werden Aufstieg und Niedergang verschiedener König- und Weltreiche aus der Sicht der biblischen Länder Israel und Juda beschrieben. Im Laufe dieser Geschichte war Israel selbst keine Konstante, sondern erlebte Unterdrückung, Aufstieg, Zerstörung und Unterjochung. Das Besondere an der biblischen Überlieferung ist aber, dass es nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft geht. Diese Zukunft gipfelt in der Errichtung des Reiches Gottes nach der Wiederkehr Jesu Christi.

Ägypten

Ägypten ist eines der ältesten Weltreiche, die in der langen Geschichte menschlicher Zivilisationen vorkommen. Die Israeliten waren einige hundert Jahre lang Sklaven in Ägypten, ehe sie zu einer Nation wurden. Mit Hilfe verheerender Plagen befreite Gott die Israeliten zur Zeit Moses von den Ägyptern.

Trotz der riesigen Schäden, die es dadurch erlitt, blieb Ägypten eine führende Macht in dieser Region, wobei sein Einfluss über die Nachbarländer variierte. Wenn Ägypten stark war, ging das nicht an den Königreichen Israel und Juda spurlos vorüber. Die Beziehungen zwischen Israel und Juda mit Ägypten waren mal freundlich, mal feindlich, aber die Macht und der Reichtum Ägyptens sorgten oft für Konflikte zwischen Ägypten und den anderen Mächten und Vormächten in diesem Teil der Welt.

Israel und Juda

Die Vorfahren der Israeliten kamen als eine kleine Familie nach Ägypten. Aber in Ägypten wuchsen sie zu einer Volksgruppe von zwei bis drei Millionen Menschen an. Nach der Befreiung aus der Sklaverei bekam Israel gemäß der Verheißung Gottes an Abraham das Land Kanaan (1. Mose 12,7). Vierhundert Jahre nach dem Auszug aus Ägypten wurde Israel ein Königreich und eine führende Macht in diesem Gebiet.

Unter König David und seinem Sohn und Nachfolger Salomo erreichte Israel den Gipfel seiner Macht. Seine geografische Lage am Zusammentreffen dreier Kontinente – Europa, Afrika und Asien – war dabei ein bestimmender Faktor. Weil die wichtigsten Handelswege der damaligen Welt durch Israel führten, wurde das Land vor allem unter Salomo sehr wohlhabend.

Seinen Aufstieg verdankte Israel seinem Bund mit Gott, aber wegen der Übertretungen des Gesetzes Gottes verlor es nach der Herrschaft Salomos schnell an Einfluss und Reichtum. Nach dem Tod Salomos spaltete sich Israel in zwei Königreiche, eines im Norden und eines im Süden. Das nördliche Königreich wurde „Haus Israel“, das südliche „Haus Juda“ genannt. Das Haus Juda bestand aus den Stämmen Juda und Benjamin und einem Großteil des Stammes Levi und das Haus Israel aus den restlichen zehn Stämmen.

Während das Königreich Juda je nach Verhalten des jeweiligen Königs hin und her schwankte, fiel das Haus Israel schnell von Gott ab. Die beiden Königreiche führten nicht nur gegen die umliegenden Völker Krieg, sondern auch gegeneinander. Für das alles strafte sie Gott mit Überfall und Verschleppung durch die Assyrer und Babylonier.

Assyrien

Das Reich Assyrien, das in dem Gebiet nordöstlich von Israel lag und wo sich heute der Irak befindet, wurde zur Rute des Zornes Gottes gegen das Königreich Israel (Jesaja 10,5). Assyrien stand auf dem Höhepunkt seiner Macht, als es Israel auslöschte und sein Volk in die Verbannung führte. Nach allem, was wir aus geschichtlichen Quellen wissen, waren die Assyrer grausame, unerbittliche Eroberer.

Etwas später fielen die Assyrer in Juda ein und verschleppten viele von dessen Einwohnern. Als sie Jerusalem belagerten, wurden ihre Streitkräfte durch göttliches Eingreifen getötet. Danach wandte sich Assyrien gegen Ägypten und eroberte es, was sich durch spätere Weltreiche nördlich von Ägypten wiederholte.

Weil wichtige Handels- und Reisewege durch Israel führten, waren Israel und Juda nach der Teilung des salomonischen Reiches immer wieder Opfer von Beutezügen aus Nord und Süd.

Nach dem Zeugnis der Bibel war Gott die Macht hinter dem rasanten Aufstieg Assyriens, weil er es zur Bestrafung Israels verwenden wollte. Später erlitten aber auch die Assyrer ihr Gottesgericht, als einige ihrer Vasallen sich gegen sie auflehnten – vor allem die Chaldäer aus Babylon.

Babylon

Das südöstlich von Assyrien gelegene Reich Babylon war das nächste Strafinstrument Gottes, sowohl gegen Assyrien als auch gegen Juda.

Nachdem die assyrische Belagerung Jerusalems fehlgeschlagen war, hielt sich das Königreich Juda noch hundert Jahre, schenkte aber weiter Gott nur wenig Beachtung. Wegen seines Ungehorsams wurde es um 587 v. Chr. von König Nebukadnezar aus Babylon überfallen und in die Verbannung verschleppt.

Unter den Weggeführten Judas war ein Prophet namens Daniel. Durch diesen Daniel offenbarte Gott seinen Plan für verschiedene heidnische Königreiche und ihr Wirken über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren hinweg. In den Kapiteln 2 und 7 des Buches Daniel werden in bemerkenswerter Ausführlichkeit und Genauigkeit Aufstieg und Niedergang von Babylon, Persien, Griechenland und Rom beschrieben. Bei Rom ist von mehreren Wellen des Aufstiegs und Niedergangs die Rede. Der Höhepunkt dieser Voraussage ist die Verdrängung aller dieser weltlichen Mächte durch das weltbeherrschende Reich Gottes, das nach der Wiederkehr Christi auf der Erde errichtet werden soll.

Aspekte babylonischer Religion und Kultur blieben in allen nachfolgenden Reichen bestehen. Deswegen wird die letzte Auflage des Römischen Reiches, die in der Endzeit maßgebend sein wird, Babylon genannt (Offenbarung 17,3-6). Leider ist das heutige Christentum mit babylonischen Kultpraktiken durchsetzt.

Wie Assyrien vor ihm, überhob sich auch Babylon vor Gott und ging ebenfalls unter. In einer einzigen Nacht wurde es in einem Handstreich vom medo-persischen Reich erobert (Daniel 5,30-31).

Persien

Das persische Reich, das dort lag, wo sich heute der Iran befindet, zeichnete sich durch religiöse Toleranz aus. Während Gott Babylon verwendete, um sein Volk zu bestrafen, war Persien dazu ausersehen, den Juden Erleichterung zu verschaffen und ihnen innerhalb gewisser Grenzen zu erlauben, Gott nach ihren Traditionen anzubeten. Drei persische Könige erließen Dekrete, die den nach Babylon verbannten Juden die Erlaubnis gaben, nach Jerusalem zurückzukehren und ihren Tempel wiederaufzubauen.

Bei seiner Verwendung des persischen Reiches schaute Gott weit in die Zukunft. Um die messianischen Prophezeiungen durch Jesus Christus erfüllen zu können, musste das Volk Juda wieder im Land Israel angesiedelt werden. Das persische Reich bereitete den Weg für das Kommen des Messias. Die nachfolgenden Reiche, Griechenland und Rom, waren für die Verbreitung des Evangeliums Jesu Christi auf andere Weise wichtig.

Griechenland

Der mazedonische König Alexander der Große übernahm die Herrschaft über Griechenland. Im Laufe von nur zehn Jahren eroberte er mit unerhörter Geschwindigkeit das Reich der Perser. Während Babylon und Persien sich auf politische und wirtschaftliche Herrschaft über die von ihnen eroberten Völker beschränkt hatten, wollte Alexander mehr: Er wollte überall in seinem Reich griechische Kultur durchsetzen und Griechisch wurde zur gemeinsamen Sprache weit über Griechenland hinaus und bis ins römische Zeitalter hinein. Die allgemeine Kenntnis der griechischen Sprache begünstigte die Verbreitung des Evangeliums in Wort und Schrift.

Nach dem Tod Alexanders zerfiel sein Reich in vier Teile, wovon zwei eine große Rolle spielten. Die Seleukiden herrschten über Großsyrien, Assyrien, Babylon und Persien, während die Ptolemäer Ägypten führten. Die Herrschaft über das Heilige Land wechselte zwischen diesen beiden Mächten.

Die Herrschaft der Seleukiden zeichnete sich durch Grausamkeit und eklatante Missachtung des jüdischen Gottesdienstes im Tempel aus. Das ging unter dem König Antiochus Epiphanes so weit, dass es um 167 v. Chr. zu einem Aufstand der Juden kam. Es folgte eine kurze Phase der Selbstständigkeit, die aber bei Weitem nicht der von den Propheten vorhergesagten herrlichen Aussicht entsprach. Die Macht der Seleukiden bröckelte auch in ihrem übrigen Reich ab. Im Jahre 63 v. Chr. zogen die Römer als neue Herrscher in Jerusalem ein.

Rom

Rom entsprach dem vierten und letzten Tier in der Vision Daniels und war ganz anders als die anderen (Daniel 7,7). Wie das vierte Tier in der Vision Daniels schrecklicher als die anderen war, so war das Römische Reich militärisch schlagkräftiger und unwiderstehlicher als jedes Reich davor. Das lag nicht nur daran, dass die Römer überlegene Strategien und Taktiken verwendeten, sondern auch daran, dass sie Soldaten aus den eroberten Völkern mit dem Versprechen der römischen Staatsbürgerschaft anwarben. Mit dieser Staatsbürgerschaft gingen erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorteile einher.

Die militärische Übermacht Roms war auf zweifache Weise für die Verbreitung des Evangeliums förderlich. Die Römer bauten ein ausgedehntes Straßennetz, um die Beförderung ihrer Truppen in Krisengebiete zu begünstigen. Dadurch konnten Zivilisten wie Paulus und die anderen Apostel leichter als zuvor reisen. Die überwältigende Macht der römischen Streitkräfte sorgte auch für Ruhe in weiten Teilen des Reiches (bekannt als Pax Romana, d. h. römischer Friede), was die Voraussetzungen für Wachstum in der jungen christlichen Gemeinde schaffte.

Das Römische Reich endete weder mit dem Untergang des Westreiches im Jahre 476 n. Chr. noch mit dem Untergang des Ostreiches fast tausend Jahre später, noch mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches einige hundert Jahre danach. Nach der Prophezeiung Daniels sollte das Römische Reich zehn Mal wieder auferstehen. Bei den letzten sieben Auferstehungen würde die weltliche Macht mit einer verführerischen religiösen Macht gepaart sein. Die letzte Auferstehung des Römischen Reiches soll in der Zeit kurz vor der Wiederkehr Christi stattfinden. (Das deutsche Wort „Kaiser“ kommt ja aus dem Lateinischen „Caesar“.)

Das Bündnis Hitler-Mussolini war die bisher letzte Auferstehung des Römischen Reiches und die gegenwärtigen Bemühungen um ein vereintes Europa sind bedeutende Schritte auf dem Weg zu dessen letzter Auferstehung. Diese Kenntnis bildet den Hintergrund für unsere Sicht des Geschehens in Europa.

Die letzte Weltmacht

Am Ende der Vision in Daniel 2 zertrümmert ein Stein das Standbild, das die vier heidnischen Reiche darstellt, die in der Geschichte zwischen der Zeit Daniels und der Endzeit auftreten. Der Stein trifft das Standbild an den Füßen und Zehen, d. h. in seiner letzten Wiedererstehung. Was das bedeutet, erklärt Daniel so: „Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird“ (Daniel 2,44).

Der Höhepunkt der Prophezeiung Daniels ist die Errichtung des Reiches Gottes – eine Weltmacht, die immer und ewig Bestand haben wird. Der Stein, der das Standbild zertrümmert, ist kein anderer als Jesus Christus! Die Worte Jesu sollen uns eine Ermahnung sein: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15; Einheitsübersetzung).

– GN Januar-Februar 2019 PDF-Datei dieser Ausgabe

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