Benutzten Jesus oder seine
Apostel den Namen Jahwe?

Gehören die exklusive Benutzung und die korrekten Aussprache von JHWH zur richtigen Ehrfurcht Gottes?

Von Ken Graham und Paul Kieffer

In einigen Kreisen wird behauptet, daß wir, wenn wir unseren himmlischen Vater anrufen, nur den Namen Jahwe benutzen sollen. „Jahwe“ ist „die in der alttestamentlichen Wissenschaft gebräuchliche Namensform“ für den Gottesnamen JHWH, „das sogenannte Tetragramm“ (zitiert aus dem Vorwort zur Elberfelder Studienbibel, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, 2001).

Alle wahren Christen verstehen, daß wir Gott mit Ehrfurcht anrufen sollen. Gehören die exklusive Benutzung und die richtige Aussprache von JHWH zu dieser Ehrfurcht?

Für alle, die die Nachfolge Jesu Christi angetreten haben, gibt es ein göttliches Beispiel, das wir zur Beantwortung dieser Frage heranziehen können: das Leben Jesu Christi. Wenn wir wissen, daß Jesus den Namen Jahwe oft – oder sogar nur gelegentlich – benutzte, begründet es damit unsere Benutzung dieses Namens heute.

Was ist aber, wenn wir wissen, daß Jesus diesen Namen nicht benutzte? Dann sieht die Sache ganz anders aus!

Lästerte Jesus den Namen Gottes?

Jesus predigte den Juden in Jerusalem, Judäa und Samaria in der Zeit des zweiten Tempels. Er lehrte öffentlich drei Jahre lang. Tausende von Juden hörten ihn predigen. Warum wurde Jesus nicht der Lästerung des Namens Gottes bezichtigt? Das wäre nämlich der Fall gewesen, wenn er zur Zeit des zweiten Tempels den Namen Jahwe in der jüdischen Gesellschaft ausgesprochen hätte.

Wie ausreichende geschichtliche Quellen zeigen, wurde zur Zeit Jesu der Name Gottes nicht ausgesprochen. Warum fürchteten sich die Juden, den Namen Gottes auszusprechen? Es scheint merkwürdig zu sein, aber nach ihrer Auslegung der Bibel hatten die Juden allen Grund, den Ausspruch des Namens zu meiden.

In 3. Mose 24 gibt es einen Abschnitt, in dem die Juden ein Verbot der Benutzung des Namens Jahwe zu erkennen glaubten: „Es ging aber der Sohn einer israelitischen Frau und eines ägyptischen Mannes mitten unter die Israeliten und zankte sich im Lager mit einem israelitischen Mann und lästerte den Namen des Herrn und fluchte. Da brachten sie ihn zu Mose ... Wer des Herrn Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen lästert, soll sterben“ (3. Mose 24,10-11. 16; Hervorhebung durch uns).

Das hebräische Wort nachav, das in diesen Versen mit „lästern“ übersetzt wurde, hat mehr als eine Bedeutung. Wie das Nachschlagewerk Davidson’s Lexicon zeigt, kann es „durchbohren“ oder „durchstechen“ bedeuten, wie z. B. in 2. Könige 18,21 bzw. Habakuk 3,14 („durchbohren“) oder 2. Könige 12, Vers 9 („hineinbohren“). Im übertragenen Sinne hat es die Bedeutung von scharfen oder stechenden Worten, woraus sich die Bedeutung „lästern“ ableitet.

Eine weitere Bedeutung jedoch, die im Alten Testament oft vorkommt, ist „klar“ bzw. „deutlich aussprechen“ (Davidson). In diesem Sinne kommt das Wort in 1. Chronik 12,32 bzw. 16,41 („namentlich bestimmt“), 2. Chronik 28,15 („mit Namen genannt“), 31,19 („namentlich bestellt“), Esra 8,20 („mit Namen aufgezeichnet“) sowie anderen Stellen vor. Es gibt also keinen Zweifel, daß das Wort nachav auch die Bedeutung hat, eine Sache klar beim Namen zu nennen.

Daran erkennen wir, daß nachav entweder „lästern“ oder „klar aussprechen“ (im Sinne eines Namens) bedeuten kann. Zur Zeit Nehemias fingen die Juden an, sich zu fragen, wie nachav in 3. Mose 24,11 und 16 zu verstehen war. Die traditionelle – und richtige – Interpretation war zwar „lästern“, aber nach seiner Verwendung in anderen Versen des Alten Testamentes könnte es auch „deutlich aussprechen“ bedeuten.

Nach letzterer Interpretation des Wortes nachav liest sich 3. Mose 24, Verse 10-11 wie folgt: „Es ging aber der Sohn einer israelitischen Frau und eines ägyptischen Mannes mitten unter die Israeliten und zankte sich im Lager mit einem israelitischen Mann und sprach den Namen des Herrn deutlich aus und fluchte“ Vers 16 liest sich dann folgendermaßen: „Wer des Herrn Namen deutlich ausspricht, der soll des Todes sterben“

Die Juden gelangten zu der Auffassung, daß sie ein viel besseres Fundament unter den Füßen hatten, wenn sie das Tetragramm überhaupt nicht aussprachen. Bald nach der Zeit Nehemias bürgerte sich diese Handhabung ein, denn für sie war der Name Gottes zu heilig, um ausgesprochen zu werden.

Die Benutzung von Jahwe und das Verbot des Namens

In der Zeit zwischen Mose und Jeremia wurde der Name JHWH ungehindert benutzt, denn man hatte keine Angst vor der klaren Aussprache des Namens. Die Lachisch-Briefe, die zur Zeit Jeremias geschrieben wurden, enthalten den Gottesnamen und beweisen, daß die Benutzung des Tetragramms alltäglich war. Kurz nach der babylonischen Gefangenschaft benutzte Esra den Namen Jahwe, als er den zurückgekehrten Juden am Posaunentag predigte (Nehemia 8,1-8).

Wie bereits erwähnt, änderte sich diese Haltung zur Zeit Nehemias. Nehemia selbst „meidet die Benutzung des Namens fast vollständig“ (Theology of the Old Testament, Seite 39). Man legte dem Volk nahe, den Namen Jahwe nicht mehr zu benutzen. Nur die Priester durften den Namen aussprechen, weil sie dem Volk bestimmte Segen aus dem Gesetz vorlasen: „Das Tetragramm, der Name Gottes mit vier Buchstaben, wurde nur von den Priestern im Tempel beim Segnen des Volkes vollständig ausgesprochen. In allen anderen Fällen wurde der Name mit ,Adonai‘ ausgesprochen“ (Hinweis an Abodah Zarah, Talmud von Soncino, Seite 90).

Später wurde die Benutzung des Namens allein dem Hohenpriester vorbehalten, und selbst er durfte ihn nur am Versöhnungstag aussprechen. Das Universal Jewish Encyclopedia führt dazu aus: „Die Rabbiner waren überzeugt, daß das Tetragramm der wahre Gottesname war. Zur Zeit des zweiten Tempels wurde JHWH nie ausgesprochen, außer vom Hohenpriester am Jom Kippur (Versöhnungstag)“ (Band 6, Seite 7). R. H. Charles, der die Apokryphen übersetzte (Oxford University Press), bestätigt, daß der Versöhnungstag „der einzige Anlaß war, bei dem der heilige Name ausgesprochen wurde“ (R. H. Charles, Pseudopigrapha, Oxford University Press, Seite 510).

Nach dem Talmud durfte Simon der Hohepriester (300-270 v. Chr.) in den Jahren seines Dienstes das Tetragramm am Versöhnungstag aussprechen. Jesus Sirach, der sein gleichnamiges Buch in den Apokryphen ca. 180 v. Chr. verfaßte, beschrieb Simon den Gerechten beim Segnen des Volks und beim Ausspruch des Namens Gottes: „Dann stieg er [Simon der Gerechte] herab und erhob seine Hände über die ganze Gemeinde Israels. Der Segen des Herrn war auf seinen Lippen, den Namen des Herrn nennen zu dürfen war sein Ruhm“ (Jesus Sirach 50,20-21; Einheitsübersetzung).

Die Benutzung des Gottesnamens am Versöhnungstag endete mit Simons Tod. Von diesem Zeitpunkt an verfügten die Priester, daß niemand – nicht einmal der Hohepriester – den Namen Jahwe aussprechen durfte. Spätere Geschichtsschreiber in der Zeit des Talmud hielten fest: „Der unaussprechliche Name konnte nur ausgesprochen werden, wenn es Anzeichen gab, daß das schechinah auf dem Heiligtum ruhte. Als Simon der Gerechte starb, mit vielen Hinweisen auf das Ausbleiben jener Herrlichkeit, wagten seine Brüder nicht die Aussprache des unaussprechlichen Namens“ (Hinweis an Yoma, 39b, Talmud von Soncino, Seite 186).

Die Jewish Encyclopedia bestätigt diese Entwicklung: „Nach dem Tod von Simon dem Gerechten ... hörten die Priester auf, den Namen JHWH auszusprechen. Von der Zeit an wurde das Aussprechen des Namens untersagt. ,Wer den Namen ausspricht, verzichtet auf seinen Teil in der zukünftigen Welt‘ (Sanhedrin, xi, 1). Es scheint, daß die Mehrheit der Priester in den letzten Tagen des Tempels [zur Zeit Jesu und der Apostel] unwürdig war, den Namen auszusprechen“ (Band 9, Seite 162-163).

Von dem Zeitpunkt des Todes von Simon dem Gerechten in 270 v. Chr. an durfte niemand, nicht einmal Priester im Tempel, den Namen JHWH aussprechen. Für Verstöße war die Todesstrafe vorgesehen (Sanhedrin, 56a, Talmud).

JHWH seit dem 3. Jahrhundert vor Christus

In jüdischen Schriften, die seit dem Tod von Simon dem Gerechten geschrieben wurden, spiegelt sich das Verbot gegen die Benutzung des Namens Jahwe wider. Die griechische Übersetzung des Alten Testamentes, die Septuaginta, die wahrscheinlich 280-270 v. Chr. übersetzt wurde, gibt den Sinn der fraglichen Verse in 3. Mose 24 wie folgt wieder:

„Der Sohn einer israelitischen Frau und eines ägyptischen Mannes ... nannte den Namen und fluchte ... Wer des Herrn Namen nennt, der soll des Todes sterben.“ Offensichtlich verstanden die Übersetzer der Septuaginta das Wort nachav im Sinne von „nennen“ bzw. „aussprechen“. Ihnen schien die andere Bedeutung, „lästern“, für diese Verse unangebracht.

100 Jahre nach dem Tod von Simon lehnte es der Autor des Buches Jesus Sirach (Apokryphen) ab, das Tetragramm in der hebräischen Fassung seines Buches zu benutzen. Statt dessen schrieb er drei „Tüpfelchen“ [’’’] als Ersatz für JHWH (R. H. Charles, Pseudopigrapha, Seite 510).

Auch in den Schriftrollen vom Toten Meer, die vom 2. Jahrhundert v. Chr. an geschrieben wurden, finden wir das Tetragramm nicht: „Der göttliche Name JHWH wurde in Qumran ausgelassen, weil man glaubte, daß der Name so ehrfurchtgebietend war, daß man ihn nicht aussprechen darf“ (The Meaning of the Qumran Scrolls for the Bible, Brownlee, Seite 83).

Obwohl die Essener sich von der jüdischen Gesellschaft getrennt hatten, war ihre Praktik beim Namen JHWH nicht anders als bei allen anderen Juden. Professor Brownlee, der an der Übersetzung der Schriftrollen vom Toten Meer mitgewirkt hat, sieht darin einen Beweis dafür, daß das Verbot der Benutzung von Jahwe seinen Ursprung nicht im Talmud hatte, sondern auf einen Zeitpunkt mindestens im 2. Jahrhundert v. Chr. zurückzuführen ist, als die ältesten Schriftrollen vom Toten Meer geschrieben wurden (ebenda, Seite 163-164).

Zur Zeit Jesu übersetzte Onkelos die ersten fünf Bücher des Alten Testamentes in Aramäisch, die Sprache, die damals in Palästina gesprochen wurde. Onkelos war ein Jünger des Gamaliel, der auch der Lehrer von Paulus war. Es kann sein, daß Paulus und Onkelos Bekannte waren. Auf jeden Fall lebte Onkelos zur Zeit der Apostel Jesu (McClintock and Strong Biblical Encyclopedia, Band 10, Seite 205).

In seinem aramäischen Pentateuch übersetzte Onkelos die fraglichen Verse in 3. Mose 24 wie folgt: „Der Sohn einer israelitischen Frau und eines ägyptischen Mannes ... verlieh dem Namen Ausdruck und fluchte ... Wer des Herrn Namen ausdrückt, der soll des Todes sterben.“ Für Onkelos bedeutete nachav ausschließlich „ausdrücken“ und nicht „lästern“. Interessant ist, daß Onkelos bei jedem Vorkommen des Namens Jahwe die Aussprachezeichen absichtlich veränderte, damit niemand auf die wahre Aussprache des Namens käme (The Targum of Onkelos and Jonathan, Etheridge, Band 2, Seite 7-10).

Wir haben außerdem das klare Zeugnis von Josephus, dem jüdischen Historiker des 1. Jahrhunderts n. Chr. „Da verkündete ihm [Mose] Gott seinen Namen, der früher noch keinem Menschen war kundgetan worden. Diesen Namen darf ich nicht aussprechen“ (Jüdische Altertümer, II, xii, 4; Hervorhebung durch uns).

Wenn Josephus, der aaronitischer Abstammung und deshalb Teil einer priesterlichen Familie war, die Benutzung des Namens ablehnte, werden auch „normale“ Juden in dieser Zeit den Namen nicht benutzt haben. Darüber hinaus berichteten Celsus und Irenaeus im 2. Jahrhundert n. Chr., daß die Juden einen anderen Namen oder zumindest eine andere Aussprache als Ersatz für JHWH benutzten (Theology of the Old Testament, Heinisch, Seite 40).

Wie diese und andere geschichtliche Quellen belegen, wurde zur Zeit Jesu der Name Gottes nicht ausgesprochen. In einer Gesellschaft, in der diese Sichtweise vorherrschte, wirkten Jesus Christus und seine Apostel.

Wie verhielt sich Jesus?

Am Ende seines Evangeliums stellte der Apostel Johannes klar, daß sein Bericht über das Leben und Wirken Jesu kein vollständiger Bericht aller Worte und Taten Jesu war: „Es sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem andern aufgeschrieben werden sollte, so würde, meine ich, die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären“ (Johannes 21,25). Das gleiche gilt für die anderen drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas.

Daraus ziehen wir den Schluß, daß Gott die Verfasser der vier Evangelien bei der Abfassung ihrer Berichte inspirierte, damit alles, was uns für die Kenntnis des Lebens Jesu und für eine Beziehung zu unserem himmlischen Vater und seinem Sohn wichtig ist, in den Evangelien enthalten ist. Was zeigen uns diese Berichte über Jesu Verhalten in bezug auf den Namen Jahwe?

Um die Geisteshaltung seiner Landsleute zu beschreiben, zitierte Jesus den Propheten Jesaja: „Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir“ (Matthäus 15,8; vgl. Jesaja 29,13). Bei ihrer Anbetung Gottes waren die Juden nicht mit dem Herzen dabei. In den Evangelien finden wir die Bergpredigt und viele andere Beispiele der Lehre Jesu, einschließlich Worte der Zurechtweisung, die Jesus besonders an die Pharisäer und Schriftgelehrten, die religiösen Führer, richtete (vgl. dazu Matthäus 23).

Aber in keinem einzigen Fall wies Jesus seine Landsleute für ihre Praktik zurecht, den Namen Jahwe nicht auszusprechen! Wäre die Benutzung des Namens Jahwe eine Voraussetzung bzw. Vorschrift für eine richtige Beziehung zu Gott, dann hätte sich Jesus mit seinem Schweigen zu diesem Thema eines schweren Versäumnisses schuldig gemacht.

Es stellt sich auch die Frage, die das eigentliche Thema dieses Artikels ist: Benutzte Jesus selbst den Namen? Die Evangelien enthalten Beispiele von Meinungsverschiedenheiten zwischen Jesus und den Pharisäern bzw. Schriftgelehrten. Die Evangelien berichten aber kein einziges Mal über einen Konflikt in bezug auf den Namen JHWH. Für die Pharisäer, Sadduzäer und Schriftgelehrten wäre es Lästerung gewesen, hätte Jesus den Namen Jahwe ausgesprochen. Das haben sie ihm jedoch kein einziges Mal vorgehalten.

Als die Hohenpriester Jesus töten wollten, waren sie auf falsche Zeugen angewiesen, um einen Grund für eine Anklage gegen Jesus zu haben: „Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, daß sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts. Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein“ (Markus 14,55-56). Die Aussagen der falschen Zeugen waren widersprüchlich, und eine Anklage wegen Gotteslästerung konnte nicht untermauert werden.

Schließlich erübrigten sich alle Zeugenaussagen, als sich Jesus als Sohn des Höchsten identifizierte: „Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört.“

Die Anklage der Gotteslästerung gründete sich auf Jesu Bekenntnis, der Sohn Gottes zu sein, und nicht darauf, Jesus hätte den Namen JHWH benutzt. Wäre es die Gewohnheit Jesu gewesen, den Gottesnamen Jahwe zu benutzen, hätten die Hohenpriester keine falschen Zeugen vorladen müssen. Das allein beweist, daß Jesus diesen Namen nicht benutzte.

Statt dessen wird er sich an den jüdischen Brauch seiner Zeit gehalten und Gott mit adonai („Herr“, griechisch kurios) bezeichnet haben. In dem Mustergebet der Bergpredigt wies Jesus seine Jünger an, Gott mit „Vater“, nicht Jahwe, anzureden (Matthäus 6,9). In dem wohl bewegendsten Gebet Jesu, im Garten Gethsemane kurz vor seiner Festnahme, redete er Gott ausschließlich mit „Vater“ an (Matthäus 26,39. 42. 44).

Es stimmt, daß wir keinen Beweis in der Bibel finden, wonach Jesus die überaus vorsichtige Haltung seiner Landsleute in bezug auf den Namen JHWH gutgeheißen hätte. Auf der anderen Seite gibt es ebenfalls keine Beweise dafür, daß sich Jesus dem Brauch seiner Landsleute widersetzt hat. Im Gegenteil: Die Notwendigkeit falscher Zeugen für die Anklageerhebung gegen Jesus beweist ja gerade, daß es nicht seine Gewohnheit war, noch hat er seine Nachfolger angewiesen, den Namen Jahwe zu benutzen. Schließlich betete Jesus seinen Vater im Geist an (Johannes 4,24) und nicht in hebräischen Silben oder in einer bestimmten Aussprache.

Müssen wir den Namen JHWH benutzen?

Diejenigen, die für die Benutzung des Namens JHWH plädieren, stehen im Widerspruch zu einer Interpretation von 3. Mose 24 und dem Brauch der Juden, der jahrhundertelang galt. Interessant ist, daß sich viele der Befürworter von JHWH auf die Juden und den Talmud berufen, obwohl ausgerechnet der Talmud, wie in diesem Artikel dargelegt, die gegenteilige Haltung der Juden in dieser Frage in der Zeit vor und nach Jesu Lebzeiten belegt.

Ist „Jahwe“ überhaupt die richtige Aussprache von JHWH? In der Zeit nach Simon dem Gerechten (270 v. Chr.) verloren die Juden die Kenntnis der Aussprache des Namens JHWH. Woher haben wir die heutige Aussprache Jahwe? Unter den Menschen, die auf der Aussprache Jahwe bestehen, gäbe es bestimmt einige, die unangenehm überrascht wären, wenn sie den Ursprung dieser Aussprache wüßten.

Die gängige Aussprache Jahwe leitet sich von den Samaritern ab! Im Gegensatz zu den Juden hatten die Samariter, deren „Bibel“ die ersten fünf Bücher des Alten Testamentes waren, keine Vorbehalte gegen die Benutzung des Namens JHWH. In ihrem eigenen Dialekt sprachen sie den Namen aus: „Die Aussprache des göttlichen Namens als Jahwe beruht auf der Tradition der Samariter, wie von Theodoretus (im 5. Jahrhundert n. Chr.) überliefert, aber auch nach Überlieferung von Klemens von Alexandria“ (Theology of the Old Testament, Heinisch, Seite 39).

Die heutige Aussprache von JHWH, die nach Meinung der Gelehrten der ursprünglichen Aussprache ähneln könnte, ist samaritischen – nicht jüdischen – Ursprungs! In dem theologischen Fachblatt Oudtestamentische Studien, herausgegeben vom Brill-Verlag in Leiden, den Niederlanden (Ausgabe 5, Seite 1-29), erschien ein ausgezeichneter Beitrag von Professor Eerdmanns mit dem Titel „Der Name Jahu“.

Zur Aussprache des Tetragramms schreibt Professor Eerdmanns folgendes: „Theodoretus schrieb, daß die Samariter den Namen Jabai (’Ιαβαι) benutzten. In der Abhandlung Quaestiones in Exodus benutzte er diesen Namen Jabe (’Ιαβ). [In Deutsch wird das ’Ι wie ein ,j‘ und das β in etwa wie ein ,w‘ ausgesprochen.] Diese Abschnitte veranlaßten Gelehrte dazu, die Vokale des samaritischen Jabe zwischen die ursprünglichen hebräischen Konsonanten zu setzen, woraus ,Jahwe‘ entsteht“ (Seite 2).

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte Professor Eerdmanns, warum die samaritische Aussprache nicht zuverlässig ist: „Esra ... führt eine neue Schreibweise ein, die ,Kantschrift‘, die für die Abschrift der heiligen Bücher vorgesehen war. Die damit abgewiesenen Samariter [Esra hatte ihre Religion abgelehnt] führten daraufhin ihr eigenes Alphabet für die Thora ein. Sie bauten ihren eigenen Tempel auf der Höhe Garizim und hatten ihre eigenen Priester. Bei jeder Gelegenheit widerstanden sie den Juden. Der Jerusalemer Sanhedrin kündigte die Ankunft der großen Feste mittels Leuchtbrände auf den Höhen an. Um den jüdischen Kalender durcheinanderzubringen, zündeten die Samariter Leuchtbrände zur falschen Zeit an, so daß der Sanhedrin Boten einsetzen mußte. Aufgrund ihrer allgemeinen ablehnenden Haltung können wir davon ausgehen, daß die Samariter auch ihre eigene Aussprache des heiligen Namens hatten. Aus diesem Grund sollte die samaritische Aussprache nicht als Hinweis auf die jüdische Aussprache gewertet werden ... In den anderen Ausführungen des Theodoretus erfahren wir, daß die jüdische Aussprache Jao [’Iaw] war“ (Seite 3).

Bei seinen Recherchen kam Professor Eerdmans zu dem Schluß: „Von diesen Abschnitten erfahren wir, daß dem Theodoretus bekannt war, daß die samaritische Aussprache anders war als die hebräische ... Die Aussagen anderer alter Autoren spricht ebenfalls gegen den neuen Begriff Jahwe, ganz gleich wie häufig es in Textbüchern und Predigten vorkommen mag“ (Seite 4-5).

Selbst die Gemeinschaft der „Zeugen Jehovas“ gibt offen zu, daß die ursprüngliche Aussprache von JHWH unbekannt ist: „Die Form ,Jehova‘ leitet sich vom ,Pugeo Fidei‘ des Jahres 1270 unserer Zeitrechnung ab ... Hebräische Gelehrte ziehen gewöhnlich ,Jahwe‘ als wahrscheinlichste Aussprache vor ... Es gibt jedoch keine Übereinstimmung unter Gelehrten zu diesem Thema; manche ziehen andere Aussprachen wie Jahuwe, Jahua oder Jehua vor ... Da die genaue Aussprache heute nicht zu ermitteln ist, scheint es keinen Grund zu geben, auf die gut bekannte Form ,Jehovah‘ zugunsten einer anderen vorgeschlagenen Aussprache zu verzichten“ (Aid To Bible Understanding, Watchtower Bible and Tract Society, 1969 bzw. 1971, Seite 885; Hervorhebung durch uns).

Eigentlich spielt die Diskussion über die richtige Aussprache von JHWH keine Rolle, da nicht nachgewiesen werden kann, daß Jesus oder seine Apostel diesen Namen benutzten oder zu benutzen geboten. Statt dessen nannten sie den allerhöchsten Gott „Vater“ und gaben uns darin ein Beispiel.

Der Apostel Paulus predigte den Heiden in der griechischen Sprache, und in keinem Fall inspirierte ihn der heilige Geist, in seinen in griechischer Sprache abgefaßten Briefen das hebräische Tetragramm zu verwenden. Dies ist um so bemerkenswerter, weil Paulus nach eigenen Angaben Hebräisch sprach.

Und der Name Jeschua?

In Apostelgeschichte 4 erfahren wir, daß unsere Rettung allein durch den Namen Jesus Christus möglich ist: „ Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apostelgeschichte 4,10-12; Hervorhebung durch uns).

In Vers 10 benutzte der Apostel Petrus die griechische Bezeichnung Iesous Christos für Jesus Christus. In der gleichen Weise, wie man behauptet, daß wir Gott nur unter dem Namen JHWH anrufen dürfen, behaupten zum Teil dieselben Leute, daß wir für Jesus nur die hebräische Bezeichnung benutzen dürfen: Jeschua (oder Jahoschua bzw. Jahschua). (Die Anhänger der hebräischen Namen für Gott und Jesus sind sich in der Frage der „richtigen“ Bezeichnung für Jesus nicht einig; deshalb gibt es mehrere Gruppen, die alle für sich die richtige Aussprache zu benutzen behaupten!)

In Apostelgeschichte 4, Vers 10 wird jedoch weder Jeschua noch Jahoschua noch Jahschua benutzt. Statt dessen erscheint Jesu Name in der griechischen Sprache. Wenn diese Wiedergabe seines Namens von Gott gewollt ist, können wir den Namen in andere Sprachen übertragen (z. B. „Jesus“ in Deutsch), ohne daß wir gegen den Willen Gottes verstoßen.

Die Sprache des Neuen Testamentes

Die Bücher des Alten Testamentes wurden fast alle in Hebräisch geschrieben. Die Bücher des Neuen Testamentes hingegen, mit Matthäus und dem Hebräerbrief als mögliche Ausnahmen, wurde alle in Griechisch abgefaßt. In seiner Kirchengeschichte schreibt Eusebius (4. Buch, 14. Kapitel): „Der Brief an die Hebräer ist das Werk des Paulus, und er wurde an die Hebräer in der hebräischen Sprache geschrieben; aber Lukas übersetzte ihn sorgsam und veröffentlichte ihn für die Griechen. Deshalb findet man die gleiche Ausdrucksweise in diesem Brief und in der Apostelgeschichte.“

Diese Geschichte erklärt, wie Paulus in dem Bemühen, die religiös empfindlichen Juden zu beeinflussen, seine Epistel an die Hebräer in der hebräischen Sprache verfaßte. Der Brief soll jedoch von Lukas übersetzt worden sein. Stimmt diese Überlieferung, so muß man daraus den Schluß ziehen, daß Gott die Bewahrung dieser Übersetzung für uns inspirierte, denn es gibt heute keinen überlieferten hebräischen Text des Briefes.

Darüber hinaus schrieb Eusebius folgendes über das Matthäusevangelium: „Unter den vier Evangelien, die als einzige unter dem Himmel in der Kirche Gottes zur Diskussion stehen, wurde das erste von Matthäus veröffentlicht, der einst ein Zöllner war, später aber zum Apostel Jesu Christi wurde, und es wurde für die Bekehrten aus dem Judentum vorbereitet und in der hebräischen Sprache veröffentlicht“ (6. Buch, 25. Kapitel). Wir können nicht beweisen, daß das Matthäusevangelium zuerst in Hebräisch abgefaßt wurde, aber ausschließen kann man diese Möglichkeit nicht.

Hieronymus berichtet, daß das Matthäusevangelium für die ganze Kirche in die griechische Sprache übersetzt wurde (Lives of Illustrious Men, 3. Kapitel). Stimmt dieser Bericht, so hätte Gott die Bewahrung der griechischen Übersetzung inspiriert, da wir – wie beim Hebräerbrief – kein hebräisches Original besitzen.

In seinem Buch The Books and the Parchments führt F. F. Bruce aus, daß die aramäische Version des Neuen Testamentes trotz gegenteiliger Behauptungen in Wirklichkeit eine Übersetzung aus dem griechischen Text ist. Als Beweis für die Feststellung von Bruce sei Markus 15, Vers 34 angeführt. Dort lesen wir: „Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Der mittlere Teil des Verses verdient besondere Aufmerksamkeit. Er beweist, daß Markus (dessen Evangelium wahrscheinlich das erste der vier Evangelien war) die Worte Jesu in Aramäisch (die Sprache, die er mit seinen Jüngern sprach), festhielt. Markus übersetzte diese Worte ins Griechische.

Wäre Aramäisch die Originalsprache des Neuen Testamentes gewesen, hätte es keine Notwendigkeit gegeben, ein aramäisches Zitat im Text zu übersetzen, denn die Aramäisch sprechenden Leser hätten den Text verstanden. Trotzdem kommt in der aramäischen Version dieses Verses die Anmerkung „das heißt übersetzt“ vor, eine genaue Wiedergabe des griechischen Textes! In wenigstens einem Dutzend Bibelstellen des Neuen Testamentes werden aramäische Wörter zitiert und wörtlich ins Griechische übersetzt. Dies ist einer von mehreren Beweisen, daß die heutige aramäische Version des Neuen Testamentes nicht der Originaltext sein kann.

Im Westen nichts Neues

Vor ca. 70 Jahren wurde der Gründer der Weltweiten Kirche Gottes, Herbert W. Armstrong, mit der Behauptung konfrontiert, man dürfe Gott und Jesus nur mit ihren „hebräischen“ Namen anreden. Mitte der 1930er Jahre lehrte Dr. John B. Briggs, daß die Bezeichnung „Christus“ heidnischen Ursprungs sei und daß man Jesus „Jeschua“ nennen sollte. Später gründete er zusammen mit einem Mann jüdischer Abstammung, Paul Penn, die „Kadesh Name Society“ in Detroit. Eingetragen wurde die Gruppe als „Assembly of YHVH“ [„Versammlung von JHWH“], später kam der Name „Jahwe Beth Israel“ hinzu.

1937 überzeugte die neue Gruppe den Ältesten C. O. Dodd von der „Church of God“ in Salem, West Virginia, daß nur die hebräischen Namen für Gott und Jesus zu benutzen wären. Herr Armstrong kannte Herrn Dodd, und kurz nach Herrn Dodds „Bekehrung“ zu der neuen Gruppe führten er und Herr Armstrong ein Telefongespräch über die neue „Lehre“. Herr Armstrong beschrieb das Gespräch mit eigenen Worten:

„So gut ich mich erinnern kann, sagte ich ihm: ,Herr Dodd, Sie wissen, wie alle Forschung zeigt, daß das Neue Testament ursprünglich in der griechischen Sprache abgefaßt wurde. Es wurde von dem lebendigen Wort Gottes, Jesus Christus, mittels des heiligen Geistes inspiriert. Unter der Inspiration des heiligen Geistes wurden die Namen für Jesus und Gott in der griechischen – nicht in der hebräischen – Sprache geschrieben. Darüber hinaus enthält das Neue Testament Zitate aus dem Alten Testament, und überall dort, wo diese Zitate Namen oder Titel für Gott enthalten, inspirierte der heilige Geist ihre Übersetzung in die griechische Sprache im Neuen Testament. Ich kann nicht ändern oder pervertieren, was der heilige Geist inspirierte. Und Sie?‘

Einen Augenblick lang war Herr Dodd verwirrt. Nach einer Denkpause sagte er: ,Nun, ich denke, daß das Neue Testament ursprünglich in der hebräischen Sprache inspiriert und geschrieben wurde. Die griechischen Manuskripte müssen nichtinspirierte und fehlerhafte Übersetzungen sein.‘

Ich erwiderte: ,Herr Dodd, ist Ihnen bewußt, was Sie damit sagen? Alle Fachleute sind sich darin einig, daß die einzigen Kopien der ursprünglichen Schriften [des Neuen Testamentes] in Griechisch sind – es gibt gar keine in Hebräisch. Sie behaupten als Argument, ohne jegliche Beweise, daß es keine Kopien der inspirierten Urschriften des Neuen Testamentes gibt und daß die einzigen Kopien fehlerhaft sind. Sind sie dort fehlerhaft, wo die Namen Jesus oder Gott vorkommen, wie können wir dann wissen, daß sie nicht auch an vielen anderen Stellen fehlerhaft sind? Dann haben wir kein zuverlässiges Wort Gottes für die Schriften des Neuen Testamentes, sondern nur nichtinspirierte Übersetzungen!‘

,Vielleicht waren die Übersetzungen doch inspiriert‘, meinte er.

,Wäre das der Fall‘, antwortete ich, ,dann inspirierte der heilige Geist die Übersetzungen, in denen die Namen Jesus und Gott in Griechisch erscheinen, nicht Hebräisch.‘

Jetzt war Herr Dodd wirklich verwirrt. Er hatte keine echte Antwort. Trotzdem blieb er bei seiner falschen Lehre“ (Herbert W. Armstrong, The Plain Truth About the „Sacred Name“).

Fazit: Wenn die Behauptung aufrichtiger, aber irregeleiteter Menschen stimmt, daß wir die hebräische Sprache benutzen müssen, wenn wir Gott oder Jesus nennen, gibt es zwei mögliche Konsequenzen: 1. Das Neue Testament muß ursprünglich in Hebräisch geschrieben worden sein, und von den ursprünglichen Schriften besitzen wir heute keine Kopien. Dies wäre sehr bemerkenswert, da wir für das Alte Testament Schriftzeugnisse haben, die ca. 200 Jahre vor der Geburt Jesu liegen; 2. Wir haben nur unzuverlässige, fehlerhafte Übersetzungen in Griechisch für die ursprünglichen Schriften des Neuen Testamentes.

Beide Möglichkeiten lassen Gott als unzuverlässig erscheinen, da er so nicht in der Lage wäre, sein Wort für uns in der Form zu bewahren, damit wir ihn in der „richtigen“ Weise ansprechen können. Trotz der Unhaltbarkeit dieser These (aus Glaubensgründen) gibt es einige, die behaupten, daß man bewußt den Namen JHWH aus allen ca. 5000 heute bekannten Manuskripten des griechischen Neuen Testamentes (ohne die mehr als 8000 Manuskripte des Neuen Testamentes in Lateinisch zu nennen!) entfernt hat. Im griechischen Neuen Testament kommt das Wort kurios („Herr“) 665mal und das Wort theos („Gott“) 1345mal vor, insgesamt wären das also mehr als 10 Millionen handschriftliche Änderungen allein in den griechischen Manuskripten – eine redaktionelle Aufgabe für Superman!

Übersetzungen sind erlaubt

Der logische Schluß aus alledem ist, daß Gott die Überlieferung des Neuen Testamentes in Griechisch inspirierte. Dazu gehört auch der Name Jesus in der griechischen Sprache: „Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus (Griechisch: Iesous) geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden“ (Matthäus 1,20-21).

Bereits zu Pfingsten, als die neutestamentliche Kirche gegründet wurde, zeigte sich, daß das Evangelium in anderen Sprachen verstanden werden sollte: „Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden“ (Apostelgeschichte 2,5-11).

In Athen predigte Paulus den Griechen in ihrer eigenen Sprache. Er leitete seine Predigt folgendermaßen ein: „Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott [theos]. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott [theos], der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind“ (Apostelgeschichte 17,23-24).

Es besteht kein Zweifel, daß die Inschrift auf dem Altar, den Paulus sah, das griechische Wort theos [= Gott] enthielt. Paulus benutzte dieses Wort, um den Athenern das Evangelium zu predigen. Mit keinem Wort klärte er sie – oder die anderen Griechen, in deren Städten er predigte – darüber auf, daß sie Gott unter seinem hebräischen Namen anzureden hatten.

Befürworter der Bezeichnung Jeschua behaupten, daß man das Wort „Christus“ nicht benutzen sollte. „Christus“ ist die deutsche Entsprechung von dem griechischen „Christos“ mit der Bedeutung „der Gesalbte“, genauso wie beim hebräischen Wort Messias. Wer dies behauptet, tappt in die gleiche Falle bezüglich der Sprache des Neuen Testamentes hinein und ist gezwungen, die inspirierte Abfassung des Neuen Testamentes in Griechisch zu verneinen. Statt dessen wurde „Christos“ benutzt, um den griechischen Lesern die hebräische Bezeichnung für Jesu Amt verständlich zu machen: „Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden – was übersetzt ist: Christus“ (Johannes 1,41; Elberfelder Bibel).

Die Behauptung ist außerdem nach Aussage des Neuen Testamentes unhaltbar. Wenn „Christos“ eine falsche Bezeichnung für Jesu Amt ist, dann muß erklärt werden, wie es dazu kam, daß Jesu Nachfolger „Christen“ genannt wurden (Apostelgeschichte 11,26). Wäre Jesus allein mit dem hebräischen „Messias“ bezeichnet worden, wären seine Nachfolger „Messianisten“ und nicht „Christen“ genannt worden.

Der wohl schlagendste Beweis, daß es nicht nötig ist, Jeschua statt Jesus zu sagen, stammt von Jesus selbst. Nur ein paar Tage vor seinem Tod warnte Jesus seine Jünger vor einer großen Verführung, die nach seinem Tod einsetzen sollte: „Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, daß euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen“ (Matthäus 24,4-5).

Stimmt diese Vorhersage Jesu? Sind die vielen verführt worden? Ja, das sind sie. Und was ist der Name, der ihnen gepredigt wurde? Jeschua, Jahoschua oder Jahschua? Nein! Statt dessen ist der Name Jesus (mit seiner Entsprechung in verschiedenen Sprachen) den Menschen gepredigt worden.

Dadurch wurden viele verführt. Jesus sagt nicht, daß ihnen ein falscher Name gepredigt wurde, noch sagte er dies für die Zukunft voraus. Statt dessen nennt er den Namen, den die falschen Prediger benutzen, seinen Namen!

Entweder gilt der Name Jesus, die deutsche Entsprechung des griechischen Iesous, oder wir können das Neue Testament als fehlerhaft ignorieren. Das gleiche Resultat gilt bei dem Namen Jahwe, den Jesus und seine Apostel nicht benutzten und der kein einziges Mal im Neuen Testament zu finden ist. Statt dessen betete Jesus zu seinem himmlischen Vater, und es ist dieses Beispiel, das er uns gibt und dem es zu folgen gilt.

Der heilige Geist Gottes, der die Überlieferung der Bücher des Neuen Testamentes in der griechischen Sprache inspirierte, sagt uns, daß der einzige Name, durch den wir gerettet werden können, der Name Jesus ist: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auferweckt hat; durch ihn steht dieser hier gesund vor euch. Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apostelgeschichte 4,10-12; Hervorhebung durch uns).

Der Geist Gottes inspirierte diesen Text nicht in Griechisch bis auf den Namen Jesus, der dann in Vers 10 in Hebräisch steht. Nein, das ist absolut nicht der Fall, und gegenteilige Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage. Der einzige Name, der uns Menschen gegeben ist, steht in der gleichen Sprache wie der restliche Text in dem zitierten Abschnitt. Wir sollen verstehen, daß es der Name ist, den wir in unseren Bibeln in der deutschen Sprache lesen: Jesus Christus von Nazareth!

– INTERN Dezember 2002 PDF-Datei dieser Ausgabe

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