Das Millennium: die unsterbliche Vision

Was sagt die Bibel wirklich über das Millennium, die 1000jährige Herrschaft Jesu Christi? Ist es nur Phantasie, oder eine Verheißung, auf die man bauen kann?

Von Darris McNeely

Vor 31 Jahren überraschte US-Präsident Richard Nixon die Welt mit seinem Staatsbesuch in Peking. An seinen Gastgeber Mao Tse-tung gewandt meinte Nixon: „Mit seinen Schriften hat der Vorsitzende eine Nation bewegt und die Welt verändert.“ Die Antwort des Großen Vorsitzenden war realistischer: „Ich habe sie nicht verändert, sondern nur einige Orte in der Nähe von Peking.“ Die Selbsteinschätzung Maos ist ein interessanter Kommentar über die bleibende Wirkung seiner Ideen und Reformen in dem bevölkerungsreichsten Land unserer Welt.

Wie Mao haben andere vor ihm die Vorstellung einer utopischen Welt gehabt. Keine Regierung oder Philosophie hat die ideale Welt geschaffen, nach der sich die Menschen sehnen. Diese Welt wird es eines Tages geben, aber nicht durch eine politische Bewegung oder menschliche Bemühungen. Es ist die in der Bibel prophezeite 1000jährige Herrschaft Jesu Christi auf der Erde. Wir nennen sie das Millennium. Gottes Verheißung eines millennialischen Reiches birgt Hoffnung für alle Menschen.

Die Zukunft offenbart

In der Offenbarung wird die Herrschaft Jesu und der von den Toten auferstandenen Heiligen vorausgesagt:

„Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und ihnen wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre ... Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre“ (Offenbarung 20,4. 6; alle Hervorhebungen durch uns).

Diese Verse fassen die vielen Vorhersagen der Bibel zusammen, und sie definieren den Zeitraum der tausend Jahre, daher die Bezeichnung „Millennium“.

Das millennialische Zeitalter war die Hoffnung der Propheten Israels. Jesaja, der zur Zeit des Niedergangs Israels wirkte, gab ein klares Bild dieser Zukunft. Er prophezeite die Wiedervereinigung ganz Israels unter einem Führer, Jesus:

„Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn ... Und es wird geschehen zu der Zeit, daß das Reis aus der Wurzel Isais ... zusammenbringen [wird] die Verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde“ (Jesaja 11,1-2. 10. 12).

Andere Propheten sagten Christi Herrschaft voraus

Nachdem das Haus Juda in die Gefangenschaft verschleppt wurde, sagte der Prophet Daniel das Etablieren eines dauerhaften Reiches voraus, das alle menschlichen Regierungen ersetzen wird: „Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben“ (Daniel 2,44).

In einer weiteren Vision sah Daniel wieder das verheißene Reich Gottes, das die ganze Welt umfassen wird: „Und ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum so, daß es nicht zerstört wird ... Und das Reich und die Herrschaft und die Größe der Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen“ (Daniel 7,14. 27; Elberfelder Bibel).

Zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft offenbarte Gott dem jüdischen Propheten Daniel die Verheißung eines kommenden Weltreichs, an dessen Spitze ein göttlicher Führer stehen wird. Die Bedeutung der Prophezeiung ist klar, und die Juden zur Zeit Jesu erwarteten deshalb einen Messias, der das Reich für Israel wiederherstellen sollte (Apostelgeschichte 1,6). Die Erfüllung der Prophezeiung Daniels liegt aber noch in der Zukunft.

Jesus und das Reich Gottes

Ca. 550 Jahre nach der Zeit Daniels offenbarte der Engel Gabriel der Mutter Jesu, Maria, daß ihr Sohn der König dieses prophezeiten Reichs sein wird: „Er [Jesus] wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lukas 1,33).

Darüber hinaus sagte Jesus seinen Jüngern, daß auch sie Anteil an diesem Reich haben werden – nach der Auferstehung von den Toten: „Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels“ (Matthäus 19,28).

Vor 2000 Jahren war die Zeit nicht reif für das Reich Gottes. Am Tag seines Todes bestätigte Jesus dies gegenüber dem römischen Statthalter Pontius Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt“ (Johannes 18,36). Jesu Reich wird nicht in der Zeit „dieser gegenwärtigen, bösen Welt“ etabliert, sondern erst in der Welt von morgen (Galater 1,4).

In den Jahrzehnten nach Jesu Himmelfahrt predigten die ersten Christen die Botschaft vom Reich Gottes mit großem Eifer. Das verheißene Kommen dieses Reiches war die Hoffnung dieser Christen, für die sie sogar zu sterben bereit waren.

Verfolgung und Ketzerei

Gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. geriet die Kirche in Bedrängnis und die Wahrheit Gottes wurde durch ketzerische Ideen verwässert. Das Römische Reich tötete viele Christen, darunter auch Kirchenführer. In dieser Zeit geriet die Lehre Jesu über ein buchstäbliches Reich Gottes auf der Erde unter Beschuß. Die wachsenden Zweifel an dem prophezeiten Reich Gottes wurden durch falsche Vorhersagen über die Rückkehr Jesu genährt, obwohl Jesus selbst gerade davor gewarnt hatte (Matthäus 24,36. 44; 25,13; Apostelgeschichte 1,6-7). Montanus, ein selbsternannter Prophet des 3. Jahrhunderts n. Chr., gewann beispielsweise eine Gefolgschaft durch seine falsche Vorhersage der unmittelbar bevorstehenden Rückkehr Jesu.

Origenes, der alexandrinische Philosoph des 3. Jahrhunderts, gelangte zu einem ganz anderen Schluß in bezug auf das Reich Gottes. Sein Augenmerk galt nicht „dem Erscheinen des Reiches in dieser Welt, sondern in der Seele des Gläubigen, eine bedeutende Verlagerung des Interesses von dem traditionellen zum metaphysischen bzw. geistlichen [Standpunkt]“ (Encyclopaedia Britannica, 15. Ausgabe, Stichwort „Millennialism“).

Durch den Einfluß von Origenes und anderen Denkern wurde die Erwartung des Reiches Gottes als buchstäbliches, zukünftiges Reich durch die Vorstellung eines geistlichen Reiches ersetzt, das unterschiedlich interpretiert wurde. Die Bibelstellen, in denen das Reich Gottes erwähnt wird, sollten demnach als Sinnbilder bzw. Allegorie und nicht wörtlich verstanden werden.

Festhalten an der Wahrheit

Trotz dieser Ketzerei hielten immer noch viele an dem Glauben an ein Reich Gottes auf der Erde fest. „Der Bischof Papias von Hierapolis, Jünger des Apostels Johannes, trat als Advokat des Millennialismus auf. Er behauptete, seine Lehre von Zeitgenossen der Apostel empfangen zu haben, und Irenaeus berichtet, daß der andere Presbyter, der den Jünger Johannes gesehen und gehört hatte, den Glauben an das Millennium von ihm als Teil der Lehre des Herrn gelernt hatte. Nach Eusebius (Kirchengeschichte, III, 39) behauptete Papias in seinem Buch, daß tausend Jahre einer sichtbaren, herrlichen, irdischen Herrschaft Christi der Auferstehung der Toten folgen wird. Nach Irenaeus lehrte er, daß auch die Heiligen eine Fülle an irdischen Freuden genießen werden“ (Catholic Encyclopedia, Ausgabe 1914, Stichwort „Millennium“).

Bis zum 5. Jahrhundert war die wahre Lehre vom Reich Gottes weitgehend von der Lehre des Augustinus, des einflußreichen katholischen Theologen, verdrängt worden. Er lehrte, daß die Kirche das Reich Gottes auf der Erde sei und daß Gott bereits über Satan gesiegt habe. „Das Millennium war zu einem geistlichen Zustand geworden, in den die Kirche zu Pfingsten, zur Zeit des Empfangs des heiligen Geistes durch Jesu Jünger nicht lange nach seiner Auferstehung, eingetreten war und den der einzelne Christ durch mystische Kommunion mit Gott bereits genießen konnte“ (Encyclopaedia Britannica, Stichwort „Millennialism“).

Die Meinung des Augustinus wurde zur offiziellen Lehre der Kirche. Der biblische Glaube an ein buchstäbliches Reich Gottes auf der Erde wurde in den Untergrund verdrängt und blieb ca. 1000 Jahre lang, bis nach der protestantischen Reformation, weitgehend unbekannt. Interessanterweise bezeichnet man diese 1000jährige Epoche als das finstere Mittelalter.

In der Zeit, in der die wahre Lehre über das Reich Gottes unterdrückt wurde, war es, als hätte man den Fortschritt der europäischen Zivilisation auf allen Fronten gestoppt. Der Historiker William Manchester beschreibt diese Epoche als ein „Bild des ununterbrochenen Krieges, der Korruption, Gesetzlosigkeit, der Bessessenheit von seltsamen Mythen und einer fast undurchdringlichen Gedankenlosigkeit“ (A World Lit Only by Fire, Little, Brown and Co., Boston, 1992, Seite 3).

Bei näherer Betrachtung offenbart dieses „mittelalterliche Millennium“ eine Epoche, in der die Autorität der Kirche wie ein triumphales Reich auftrat. Manchester fährt fort: „Als Artistokratien aus dem barbarischen Schlamm entstanden, führten Könige und Prinzen ihre Legitimität auf göttliche Autorität zurück, und Gutsherren wurden in den Adel erhoben, indem sie die ganze Nacht vor christlichen Altaren beteten. Beliebtheitssüchtige Hoheiten führten Kreuzzüge in das Heilige Land.

In der Fastenzeit Fleisch zu essen wurde zu einem Todesverbrechen, ein Sakrileg bedeutete eine Haftstrafe, die Kirche wurde zum wohlhabendsten Grundbesitzer auf dem Kontinent, und das Leben eines jeden Europäers, von der Taufe bis zur Ehe und Beerdigung, wurde von Päpsten, Kardinälen, Prälaten, Erzbischöfen, Bischöfen und dem Priester im Dorf bestimmt. Die Geistlichkeit, so glaubte man, gab auch eine entscheidende Stimme bei der Festlegung des Bestimmungsorts für das Leben nach dem Tode ab“ (Manchester, Seite 11).

In dieser Zeit „war nichts von wirklicher Bedeutung verschlechtert oder verbessert worden. Abgesehen von der Einführung von Wassermühlen im 9. Jahrhundert und Windmühlen im späten 12. Jahrhundert hatte es keine bedeutenden Erfindungen gegeben.

Es gab keine neuen aufrüttelnden Ideen, und keine neuen Gebiete außerhalb Europas waren entdeckt worden. Alles war so geblieben, wie es sich der älteste Europäer in Erinnerung rufen konnte“ (Manchester, Seite 26-27).

Anbruch einer neuen Welt

Die Bibel offenbart, daß Jesus Christus bei seiner Rückkehr eine völlig neue Weltordnung einführen wird. Die Gesellschaft, die durch das Aufrichten des Reiches Gottes auf der Erde geschaffen wird, wird eine ganz andere als alles andere sein, was der Mensch bisher kannte. In jeder Generation wird die Familie im Vordergrund stehen, was eine eng verknüpfte Gesellschaft schaffen wird.

Die Nationen werden Gottes Weg kennenlernen wollen, und Angst wird keinen Platz in den internationalen Beziehungen der Welt von morgen haben. Endlose Kriege werden aufhören, und man wird nicht mehr lernen, wie man Krieg führt (Micha 4,1-5). Nichts wird Jesus Christus daran hindern, das Reich Gottes zu etablieren und Frieden für alle Menschen zu schaffen.

Die wahre Lehre über das Millennium finden wir immer wieder in der Heiligen Schrift. In dem allerletzten Buch der Bibel zeigt Jesus, der wahre Autor der Offenbarung (Offenbarung 1,1), daß er tausend Jahre mit auferstandenen Christen herrschen wird. Nehmen wir Jesus beim Wort? Glauben wir ihm wirklich?

Ideen und Philosophien übten einen mächtigen Einfluß in der Geschichte des Menschen aus. Sie lösten Revolutionen aus und führten zum Sturz von Dynastien. So wurde Mao Tse-tung zum Gebieter des bevölkerungsreichsten Landes unserer Erde, doch nach seinem eigenen Geständnis änderte er nicht sehr viel.

Die millennialische Herrschaft Jesu, die vor langer Zeit vorausgesagt wurde, ist eine unsterbliche Vision, die unsere Welt vollständig verwandeln wird. Möge dieses neue Zeitalter bald anbrechen!

– INTERN Oktober 2003 PDF-Datei dieser Ausgabe

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