Freiheit oder Sklaverei?

Freiheit oder Sklaverei? © Wikimedia
Unterdrückung, Gefangenschaft und Sklaverei, die den Verstand und das Verhalten anderer gefangen halten, brauchen nicht Sie selbst im Griff zu halten.

Entdecken Sie, wie wir von der geistlichen Sklaverei befreit werden können.

Von Howard Davis

Der Kampf um die Freiheit ist ein weitverbreitetes Thema in der Literatur, Musik und in Filmen. Der Zeichentrickfilm Der Prinz von Ägypten stellt die Geschichte von Mose und dessen Bemühungen dar, die Israeliten von der Sklaverei in Ägypten zu befreien. Der Film wurde zum Kassenschlager.

Die Geschichte von Mose und dem Auszug der Israeliten aus Ägypten ist aber nicht die einzige biblische Geschichte über die Befreiung von der Sklaverei. So seltsam es sich auch anhören mag, spielt sich gerade in diesem Augenblick eine noch größere biblische Geschichte über die Befreiung von der Knechtschaft ab.

Lassen Sie uns in die Zeit der dramatischen Erzählung des Exodus zurückkehren, um den in der Bibel beschriebenen Kampf gegen Unterdrückung zu verstehen und um zu entdecken, wie die Menschheit den Weg aus der Sklaverei in die Freiheit finden wird.

Ein Drama für alle Zeiten

Es ist kein Wunder, daß selbst in Hollywood immer wieder biblische Geschichten wie die Geschichte über den Auszug Israels aus Ägypten neu verfilmt werden. Freiheit, Unterdrückung und die Auswirkungen bestimmter Entscheidungen sind große, zeitlose Themen.

Warum sind die Ursachen und Eigenschaften des Exodus für Filmproduzenten so attraktiv? Vielleicht ist es das Umfeld: Die Israeliten waren Sklaven in einem Reich voller Monumente von einer solchen Pracht, daß sie heute immer noch von dem Können der antiken Bauherren zeugen und uns beeindrucken.

Der große Bösewicht in einer Darbietung mit Tausenden von Akteuren ist ein größenwahnsinniger Führer, der sich einbildete, er sei so mächtig wie irgendein Gott. Dieser Pharao glaubte, daß ihm das Recht zusteht, ein Volk zu versklaven, auf dessen Rücken er einige der Prachtmonumente seines Reiches bauen ließ.

Ungeachtet ihrer Leiden behandelt dieser Despot die Israeliten wie Lasttiere, die benutzt und weggeworfen werden können. Der ägyptische Monarch verkündet ein Gesetz, daß alle männlichen Babys getötet werden müssen, um so das Erstarken der Israeliten zu verhindern.

Die Bibel beschreibt Israels Weg in die Freiheit. Gott setzte Mose als Führer Israels ein. Durch Mose und einen zukünftigen Propheten, der eine ähnliche Aufgabe wie Mose erfüllen wird (5. Mose 18,15. 18), offenbarte Gott für alle Zeiten die Natur der göttlichen Gnade und Liebe und das letztendliche Schicksal der Sklaverei.

Konfrontation über Freiheit

Aus einem brennenden Busch heraus sprach Gott zu Mose: „Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, daß ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande“ (2. Mose 3,7-8).

Zu dieser Zeit kannten die Ägypter den ewigen Gott Israels nicht. Deshalb wählte Gott Mose und seinen Bruder Aaron, um seine Gesandten zu sein: „Und ich will mit deinem und seinem Munde sein und euch lehren, was ihr tun sollt“ (2. Mose 4,15).

Mose und Aaron traten mit einer Forderung Gottes vor den eigensinnigen Herrscher Ägyptens: „So spricht der Herr, der Gott Israels: Laß mein Volk ziehen, daß es mir ein Fest halte in der Wüste“ (2. Mose 5,1).

Pharaos Antwort war beispielhaft für die nur zu bekannte Einstellung von Menschen, die keine höhere Macht über sich akzeptieren wollen: „Wer ist der Herr, daß ich ihm gehorchen müsse und Israel ziehen lasse? Ich weiß nichts von dem Herrn, will auch Israel nicht ziehen lassen“ (Vers 2).

Pharao berief sich auf sein angeblich göttliches Recht als Herrscher. Allein sein Wort war das Gesetz. Kein Wort, Befehl oder Gesetz des Gottes Israel würde seine Handlungen beeinflussen. Der ägyptische König war niemandem als sich selbst verantwortlich.

Die Knechtschaft der Arroganz

Im Laufe der Geschichte ist es immer wieder vorgekommen, daß Staatsoberhäupter eine Arroganz an den Tag gelegt haben, mit der sie sich über die Gebote Gottes oder das Wohl ihres Volkes hinweggesetzt haben.

In der Bibel gibt es andere Beispiele der egoistischen Obsessionen von Menschen, welche der Geschichte über die Befreiung Israels ähneln. Tyrannen verharren nicht selten auf ihrem Standpunkt, wenn sie von Gott gezüchtigt werden oder wenn ihre Mitmenschen sie herausfordern, ihre oppressive Vorgehensweise zu ändern.

Der Mensch hat die Tendenz, gegen Gott zu rebellieren, wenn er ihn mit seiner Autorität provoziert. „Die Gesinnung des Fleisches [ist] Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht“ (Römer 8,7; Elberfelder Bibel).

Der Pharao reagierte auf die Aufforderung, Israel aus Ägypten ziehen zu lassen, mit weiteren Unterdrückungsmaßnahmen. Er entzog den Sklaven das Stroh, das sie zum Ziegelmachen brauchten. Er befahl den ägyptischen Aufsehern: „Man drücke die Leute mit Arbeit, daß sie zu schaffen haben und sich nicht um falsche Reden kümmern“ (2. Mose 5,9).

„Und die Aufseher aus den Reihen der Israeliten, die die Vögte des Pharao über sie gesetzt hatten, wurden geschlagen“ (Vers 14). Die Israeliten konnten die erhöhten Anforderungen des ägyptischen Herrschers aber nicht erfüllen. So wurde ihre Situation immer schlimmer, bis Gott dem israelischen Albtraum ein Ende setzte.

Gott gegen die Götter

Gott griff mit zehn übernatürlichen Plagen ein, um sein Mißfallen über Pharaos Unterdrückung, Gefangenschaft und Sklaverei Israels zu zeigen. Durch ein Wunder nach dem anderen demonstrierte Gott seine Macht über die angeblichen Götter Ägyptens: der Nil, die Frösche, das Vieh und die Insekten. Selbst die Sonne, Symbol des Gottmenschen Pharao, verschwand in einer Dunkelheit, die so dicht war, daß sie „gefühlt“ werden konnte (2. Mose 10,21).

Manchmal schien der Pharao zu schwanken. Nachdem Heuschrecken die Ernte und alle Felder vernichtet hatten, rief er Mose zu sich: „Ich habe mich versündigt an dem Herrn, eurem Gott, und an euch. Vergebt mir meine Sünde nur noch diesmal und bittet den Herrn, euren Gott, daß er doch diesen Tod von mir wegnehme“ (Verse 16-17).

Der Sinneswandel des Pharaos hielt aber nicht lange an. Seine an seinem Selbst orientierte Arroganz ließ ihn alles verachten, was sich der Macht Ägyptens widersetzte. Immer wieder verhärtete sich sein Herz.

Mit der zehnten und letzten Plage trennte Gott sein Volk endgültig von Ägypten durch das Opferblut der Lämmer, welches an die Türrahmen der israelitischen Häuser gestrichen wurde. Durch dieses Zeichen wurden die Israeliten von dem Tod verschont, der die Erstgeborenen Ägyptens traf (2. Mose 12,13). Israels Errettung versinnbildlichte die langfristige Lösung, mit der Gefangenschaft, Unterdrückung und Sklaverei ein Ende gesetzt werden: „Denn auch wir haben ein Passahlamm, das ist Christus, der geopfert ist“ (1. Korinther 5,7).

Ägypten fiel nicht unter den Schutz des Passahblutes. Selbst der Thronerbe, der erstgeborene Sohn des Pharaos, starb – zusammen mit vielen anderen Erstgeborenen Ägyptens – wegen der Arroganz und Tyrannei seines Vaters.

Außerhalb Ägyptens – aber immer noch Sklaven

Gott führte die Israeliten durch das Rote Meer und errettete sie aus der Knechtschaft in Ägypten, indem er die Armee des Pharaos zerstörte (2. Mose 14). Nach der Durchquerung des Roten Meeres begann Israel einen 40 Jahre andauernden Fußmarsch, in dessen Verlauf das größte Hindernis zur wirklichen Freiheit offenbart wurde.

Nur wenige Wochen nachdem sie Ägypten verlassen hatten, weigerten sich die Israeliten, eine Beziehung zu Gott einzugehen, indem sie den Weg zu wahrer Freiheit ablehnten. Sie verweigerten nämlich den Gehorsam gegenüber seinem Bund, der darauf basiert, nach dem Gesetz der Liebe zu leben.

Später inspirierte Jesus seinen Jünger Johannes zu schreiben: „Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer“ (1. Johannes 5,3).

Als die Kinder Israels den Gehorsam gegenüber dem königlichen Gesetz der Liebe – ausgedrückt durch Gottes Gebote – ablehnten, „wandten [sie] sich in ihrem Herzen wieder Ägypten zu“ (Apostelgeschichte 7,39). Das tragische Beispiel des alten Israels zeigt das grundsätzliche Problem der menschlichen Natur. Es lehrt uns eine der wichtigsten Lehren der Geschichte.

Obwohl Gott den Israeliten Freiheit und Schutz gab, haben sie nie die Lust, Selbstsüchtigkeit und geistliche Blindheit verloren, die ihren Verstand in Ägypten versklavt hatten. Israel bestand darauf, seine eigenen Götter zu wählen und seine eigenen Regeln zu schreiben – eine selbstzerstörerische Tendenz, die die Menschheit seit jeher geplagt hat.

Israel versklavte sich selbst, als es Gottes Herrschaft und seinen Lebensweg ablehnte. In den nachfolgenden 800 Jahren ihrer Geschichte beteten die Israeliten sogar „das Heer des Himmels“ [Sterne bzw. Sternenbilder] an, wovor Gott sie gewarnt hatte.

Die Konsequenz für diesen Ungehorsam war die Gefangenschaft in Babylon (Apostelgeschichte 7,42-43). Im Jahr 586 v. Chr. erfolgte die endgültige Gefangennahme der letzten Israeliten – das Haus Juda –, als sie nach Babylon verschleppt wurden. Durch ihre freie Entscheidung hatten sie den göttlichen Weg der Freiheit konsequent verworfen.

Eine Lehre für uns

Ist die Geschichte über den Auszug aus Ägypten heute noch relevant? Ob Sie es glauben oder nicht, das 20. Jahrhundert war barbarischer als die Zeit, in der Mose lebte. Es wurden Millionen von Menschen ermordet – Juden, Armenier, Slawen, Kambodschaner, Russen, Ugander, Ruander und Chinesen – ein Zeichen, daß Barbarei und Brutalität immer noch vorhanden sind und praktiziert werden. Das Leiden dieser Menschen ist genauso echt wie der biblische Bericht über die Knechtschaft Israels in Ägypten.

Der heutige Mensch ist stolz auf seine Bildung. Gegenüber der Religion der Ägypter mit ihren Symbolen und ihrem Aberglauben sehen wir uns heute als aufgeklärt. Die meisten von uns beten heute nicht mehr Flüsse, Tiere, Insekten, Sterne oder Planeten an. Statt dessen finden sich unsere Götter – die Objekte unserer Liebe und Verehrung – im Materialismus, Geld und in sinnlichen Freuden. Der menschliche Verstand und unsere Kultur werden dadurch genauso versklavt wie durch irgendeinen Gott der Antike.

Christus, Mose und Freiheit

Als der Zeichentrickfilm Der Prinz von Ägypten erschien, war das öffentliche Interesse an Mose, dem Erretter des alten Israels, sehr groß. Das US-Magazin Time fragte auf seiner Titelseite: „Wer war Mose?“ Während sich die Gelehrten darüber streiten, erklärt die Bibel deutlich den Wert des zeitlosen Beispiels und der Arbeit von Mose.

Jesus Christus und Mose hatten die gleichen Ideale und Perspektiven; sie traten beide für Gottes Lebensweg ein. Jesus selbst verkörpert den göttlichen Weg. Er bietet uns an, in uns zu leben (Galater 2,20; Johannes 14,23), damit wir nach dem göttlichen Gesetz leben können, das uns den wirklichen Weg in die Freiheit zeigt (Johannes 8,31-32). Dies ist der Charakter Jesu Christi, zu dem sich jeder Mensch bekehren muß.

Obwohl die christliche Bekehrung unter Mose noch nicht möglich war, gebrauchte Gott Mose, um ein für alle Mal richtiges Verhalten zu definieren.

Der Apostel Jakobus bezeichnete das Gesetz Gottes, die Zehn Gebote, als den Weg zur Freiheit. Es ist „das vollkommene Gesetz der Freiheit“ (Jakobus 1,25). Paulus fügt hinzu: „So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut“ (Römer 7,12).

Paulus weist aber auch auf das grundlegende Problem hin, das ein unbekehrtes Herz hat, wenn es von Gottes Lebensregeln herausgefordert wird. „Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft“ (Romans 7,14). Gottes Gesetz ist geistlich, sowie Gott, der Vater, und Jesus Christus es sind (Johannes 4,24; 1. Korinther 15,45). Der Mensch ist aber nicht von Natur aus geistlich.

Die Menschheit ist nie in der Lage gewesen, auf Gottes Weg der Freiheit ganz zu bleiben, weil unsere menschliche Natur und unsere Sünden uns gefangengehalten haben (Römer 7,21-23). Versklavt ist die Menschheit dem Tod geweiht, genauso wie die Ägypter. Der Teufel, der „die ganze Welt verführt“, hält uns gefangen (Offenbarung 12,9).

Wir sind zwar keine Sklaven in Ägypten, aber unsere Begierde und unsere nach innen gerichtete Motivation sind wie ein selbstauferlegtes Gefängnis: „Wißt ihr nicht: wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müßt ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?“ (Römer 6,16).

Der Weg zur Freiheit

Christus erklärte, daß die Lebensweise, die Gott Israel unter Mose gab, der Weg ist, den jeder leben sollte. Einem jungen Mann, der fragte, wie man ins ewige Leben eintreten könnte, antwortete er: „Halte die Gebote.“ Er zählte einige der Zehn Gebote auf, um deutlich zu machen, was er damit meinte (Matthäus 19,17-19).

Gottes Lebensweg wird uns ermöglicht, weil Christus in uns wohnen kann. Nach Reue und der Taufe können wir so von der Sünde befreit werden. Gottes Gesetz ist dann „in uns erfüllt ..., die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist“ (Römer 8,4).

Viele haben sich im Laufe der Geschichte als Sieger über die Unterdrückung erwiesen. Der Kampf der Menschheit, sich von Unterdrückung zu befreien, ist in der Bibel ein großes Thema. Der Auszug aus Ägypten ist vielleicht das meistgefeierte Ereignis der Geschichte. Vielen Menschen gefällt diese Geschichte, weil sie das Leid und die Unterdrückung leid sind. Auch sie wollen frei sein.

Unterdrückung, Gefangenschaft und Sklaverei, die den Verstand und das Verhalten anderer gefangenhalten, brauchen aber nicht Sie selbst im Griff halten. Gott ruft seine Kinder aus dem Griff dieser gefährlichen und bösen Welt heraus. „Geht hinaus aus ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und nichts empfangt von ihren Plagen!“ (Offenbarung 18,4).

So wie Mose Israel aus Ägypten führte, wird Christus – unser Passahlamm – kommen, um die Menschheit zu erretten und das Reich Gottes auf Erden zu errichten. Und selbst heute befreit er diejenigen von den Fesseln der Sünde, die seiner Berufung zur wahren Reue folgen.

Dies ist die wunderbare Nachricht, die Jesus Christus brachte. Er kam „nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,14-15).

Was werden Sie jetzt tun?

– INTERN März 2005 PDF-Datei dieser Ausgabe

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