Wer „den Leib des Herrn nicht achtet“

Der Apostel Paulus fordert uns auf, das Passah in würdiger Weise zu begehen.

Von Helmut Fraund

Dem Vorbild Jesu Christi folgend halten seine Nachfolger jedes Jahr das Passah und gedenken damit des Opfers Jesu für unsere Sünden. Drei grundlegende Handlungen bestimmen die Passahfeier:

die Fußwaschung, mit der wir unsere Bereitschaft zum Dienen gegenüber anderen Gliedern des Leibes Christi ausdrücken;

das Essen des Brotes, das den gebrochenen Leib Christi darstellt;

das Trinken des Weins, der das vergossene Blut Christi darstellt, womit wir als reumütige Christen von unseren Sünden erlöst werden.

In Johannes 6, Vers 51 nannte sich Jesus das Brot des Lebens: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“ Darüber hinaus betonte Jesus, daß wir, um das ewige Leben zu haben, sein Fleisch essen und sein Blut trinken müssen (Verse 53-56).

Wenn wir beim Passah den Wein als Symbol des Blutes Jesu trinken, bekennen wir unsere persönliche Verantwortung für den Opfertod Jesu. Dieser Opfertod – dieses Blut – versöhnt uns mit Gott. Aber damit ist nicht alles im Leben eines Christen getan. Sind wir mit Gott versöhnt, so müssen wir uns vom Fleisch Jesu „nähren“, womit ein kontinuierlicher Prozeß gemeint ist.

Das Passah „unwürdig“ halten

In seinem ersten Brief an die Korinther behandelt der Apostel Paulus das Passah. Dabei betont er die Notwendigkeit einer Selbstprüfung, damit man das Passah nicht unwürdig hält: „Wer nun unwürdig von dem Brot ißt oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. Denn wer so ißt und trinkt, daß er den Leib des Herrn nicht achtet, der ißt und trinkt sich selber zum Gericht“ (1. Korinther 11,27-29).

Das Brechen des ungesäuerten Brotes beim Passah veranschaulicht einen wichtigen Aspekt des Leidens Jesu. Zunächst gilt es zu klären, wie Jesu Leib „gebrochen“ wurde. Der Tod der beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden, leiteten römische Soldaten mit dem Brechen ihrer Beine ein (Johannes 19,31-32). Jesu Tod hingegen war das Resultat einer tödlichen Wunde, als ein römischer Soldat ihm eine Speerspitze unter die Rippen stieß und Jesus daran verblutete (Verse 33-34; vgl. dazu Sacharja 12,10). Jesu Knochen wurden nicht gebrochen (2. Mose 12,46; Psalm 34,21).

Jesu Leib wurde nicht durch das Brechen von Knochen, sondern durch das Aufreißen seiner Haut gebrochen. Vor Jesu Kreuzigung ließ Pontius Pilatus ihn geißeln (Johannes 19,1), eine schreckliche Strafe, die die Römer den „halben Tod“ nannten. Vorher hatten römische Soldaten Jesus wiederholt geschlagen. Nach dieser Behandlung wies sein Körper zahllose Striemen, Blutergüsse und offene Wunden auf, so daß er kaum noch zu erkennen war (Jesaja 52,14). Danach wurde er ans Kreuz genagelt.

Der Prophet Jesaja nennt uns den Grund für diese grausame Behandlung: „Wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres Ungehorsams geschlagen. Die Strafe für unsere Schuld traf ihn und wir sind gerettet. Er wurde verwundet und wir sind heil geworden“ (Jesaja 53,5; Gute Nachricht Bibel, alle Hervorhebungen durch uns).

Mit unseren Sünden tragen wir die Verantwortung für Jesu schreckliches Leiden – das Brechen seines Leibes. Diese Einsicht spiegelt sich in den Worten des Verbrechers wider, der mit Jesus gekreuzigt wurde: „Einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan“ (Lukas 23,39-41).

Vor Gott sind wir alle Übeltäter (Römer 3,23). Dank der Gnade Gottes müssen wir jedoch nicht „empfangen, was unsere Taten verdienen“, denn Jesus hat es für uns empfangen. Er wurde geplagt und geschlagen. Das Brechen seines Leibes stellte das Leiden der gesamten Menschheit dar, welches durch Sünde – die Übertretung des Gesetzes Gottes (1. Johannes 3,4) – hervorgerufen wurde. Es gab unzählige Kriege und Gewaltverbrechen. Weil Milliarden von Menschen den wahren Gott der Bibel nicht kennenlernen wollten, führten sie ein freudloses Leben, ohne Kenntnis der herrlichen Bestimmung des menschlichen Daseins. Das kumulative, durch Sünde hervorgerufene Leiden aller Menschen wurde unserem Retter Jesus Christus auferlegt.

Richten wir uns selbst

In bezug auf das Passah ruft uns Paulus dazu auf, uns selbst zu richten (1. Korinther 11,31). Wir achten den Leib des Herrn, wenn wir unsere Schuld bekennen und wissen, daß wir mit unseren Sünden einen Teil der Verantwortung für Jesu Leiden tragen. Wie der Zöllner erkennen wir, daß wir auf die Gnade Gottes angewiesen sind: „Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig“ (Lukas 18,13).

Das Bewußtsein der Vergebung bzw. der Befreiung von der Last der Sünde soll uns motivieren, Gott zu lieben (Lukas 7,47-48). Wie lieben wir Gott? Indem wir seine Gebote halten: „Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer“ (1. Johannes 5,3).

Den Leib des Herrn zu achten bedeutet die Verpflichtung und die Verantwortung, nunmehr ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen: „Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib. Damit sind wir für die Sünden tot und können nun für das Gute leben“ (1. Petrus 2,24; Gute Nachricht Bibel).

Bald halten Jesu Nachfolger das jährliche Gedenken an seinen Tod. Haben wir uns entsprechend vorbereitet – „gerichtet“? Es gilt, den Leib Jesu in würdiger Weise zu achten. Erneuen wir also unseren Vorsatz, die Ursache für den gebrochenen Leib Jesu – die Sünde – aus unserem Leben auszumerzen! Wir wollen zum Leben eingehen, halten wir deshalb die Gebote Gottes (Matthäus 19,17)!

– INTERN April 2005 PDF-Datei dieser Ausgabe

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