Jesus, der Herr über den Sabbat

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.“

Von Paul Kieffer

Es gibt nur einen einzigen Namen, der uns Menschen gegeben ist, durch den wir gerettet werden können: Jesus Christus (Apostelgeschichte 4,12). Jesus ist also der Schlüssel zum Heil. Alle wahren christlichen Lehren, Glaubensauffassungen und Praktiken betonen seine Funktion als unseren Erlöser. Ein gutes Beispiel dafür ist der wöchentliche Ruhetag, Gottes Sabbat, am siebten Tag der Woche.

Schon bei der Schöpfung gab Gott dem siebten Tag eine besondere Bedeutung. „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte“ (1. Mose 2,2-3).

Natürlich musste Gott nicht im physischen Sinne ausruhen. Anders als der Mensch ist er nicht an Raum und Zeit gebunden. Er braucht weder Schlaf noch Erholung (Psalm 121,4). Weshalb also das Ausruhen am siebten Tag im Schöpfungsbericht?

Die Encyclopedia of the Bible stellt dazu fest: „Die Stellung des Sabbats im biblischen Schöpfungsbericht legt den Schluss nahe, dass er eine jener alttestamentlichen Satzungen ist, die für alle Menschen und nicht nur für Israel gedacht waren. Die Einbeziehung des Sabbats in die Zehn Gebote unterstreicht diese wichtige Wahrheit. Der Dekalog nimmt im alttestamentlichen Gesetz eine Sonderstellung ein. Als einzige aller Weissagungen Gottes wurde er von Gott mit hörbarer Stimme gesprochen, mit seinem Finger geschrieben und in die Bundeslade der Stiftshütte, ins Herz der israelitischen Anbetungsstätte, gelegt. Auch das Neue Testament bestätigt den starken Eindruck, dass der Dekalog als Ganzes Prinzipien verkörpert, die für alle Menschen an allen Orten ewig gültig sind. Gottes Gebot verlangt, dass der Mensch regelmäßig einmal in der Woche von seiner Arbeit ausruht“ (Stichwort „Sabbat“, Band 2, Marshall Pickering, London, 1988, Seite 1874).

Zum Abschluss der Schöpfungswoche hat Gott also den siebten Tag als Ruhetag für die ganze Menschheit eingesetzt. Ca. 4000 Jahre später bestätigte Jesus dies: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht“ (Markus 2,27).

Dass Jesus die Gültigkeit des Sabbats für alle Menschen bestätigte, ist keine Überraschung für diejenigen, die Jesu Funktion in der Zeit vor seiner Menschwerdung kennen. Jesus war nämlich das Wort (Johannes 1,1-2. 14). Über seine schöpferische Tätigkeit berichtet uns der Apostel Johannes: „Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist“ (Johannes 1,3). Mit anderen Worten: Jesus als das Wort war derjenige, der in 1. Mose 2 den siebten Tag der Woche als Ruhetag aussonderte.

Wie bei anderen Gesetzen, die vor dem Alten Bund in Kraft waren, wurde auch der Sabbat als das vierte der zehn Gebote formalisiert, als Gott dem Volk Israel den Dekalog am Berg Sinai gab: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes“ (2. Mose 20,8-10; siehe auch 5. Mose 5,12-15).

Zusätzlich diente ein besonderer Sabbatbund als Zeichen für Israels ausgesonderte Stellung als das Volk Gottes (2. Mose 31,13).

Der Sabbat wird zur Last

Traurigerweise war das Volk Israel nicht in der Lage, Gott treu zu sein. Die Sünden des Volkes, darunter auch die Missachtung des Sabbats, führten dazu, dass Israel in Knechtschaft geriet und aus dem Gelobten Land verschleppt wurde (Hesekiel 22,8. 13-16. 26). Beide Häuser Israels – die zehn Stämme im Norden (als das „Haus Israel“ bekannt) und die Juden im Süden – gerieten in Gefangenschaft.

Die zehn Stämme des Nordreichs galten hinfort als die „verlorenen zehn Stämme“. Sie verloren sozusagen ihre Identität, weil sie den Sabbat als wöchentlichen Ruhetag gleich nach der Trennung von König Salomos Nachfolger aufgegeben hatten. Sie waren also nicht mehr durch den Sabbat als das Volk Gottes ausgesondert.

Bei den Juden war es aber anders. Der Sabbat wurde zum zentralen Merkmal des Judentums. Als einige der Juden später in ihre alte Heimat zurückkehren durften, bemühten sie sich um eine besonders strenge Gesetzestreue. Sie hatten erkannt, dass ihr Ungehorsam gegenüber dem Gesetz Gottes den Niedergang ihrer Nation ausgelöst hatte.

Führende Gestalten wie Nehemia bestraften jene, die die neue Reinheit des Gottesdienstes gering schätzten: „Was ist das für eine böse Sache, die ihr da tut, und entheiligt den Sabbattag? Taten das nicht auch eure Väter, und unser Gott brachte all das Unheil über uns?“ (Nehemia 13,17-18).

Zur Zeit Jesu waren die Pharisäer zur dominierenden Gruppierung unter den Juden geworden. Ihre Auffassung von Gesetzestreue wurde allmählich zur erstickend engen Auflistung von Verboten. Ihre strenge Gesetzesauslegung führte dazu, dass Dutzende von Traditionen das Halten des siebten Tages ergänzten. Die zusätzlichen Bestimmungen sollten verhindern, dass die Juden auch nur in die Nähe einer Sabbatentheiligung kamen.

So entstand ein Katalog von 39 Arten von Arbeit, die am Sabbat nicht erlaubt waren. Dazu gehörten beispielsweise Säen, Pflügen, Ernten, Garbenbinden, Dreschen, Worfeln, Reinigen, Mahlen, Sieben, Kneten, Backen usw. Jede dieser Hauptverfügungen wurde weiter untersucht und ausgearbeitet, wobei es letztendlich Hunderte von Dingen waren, die ein gewissenhafter, gesetzestreuer Jude am Sabbat nicht tun durfte.

An dem Beispiel des Verbotes, einen Knoten zu knüpfen, wird dies ersichtlich. Da das Verbot zu allgemein gehalten war, hielt man es notwendig, die Arten von Knoten festzulegen, die erlaubt bzw. nicht erlaubt waren. Das Resultat war, dass nur solche Knoten zulässig waren, die mit einer Hand aufgebunden werden konnten.

Am Sabbat Schuhe mit Nägeln zu tragen war verboten, da nach der Ansicht der Autoritäten der Zusatz von Nägeln bedeutete, eine unnötige Last zu tragen. Selbst durch Gras zu gehen war nicht erlaubt, weil einige der Gräser gebogen und geknickt werden könnten, was Dreschen bedeutete, wiederum eine der verbotenen Kategorien von Arbeit.

Jesus und der Sabbat

Gott hatte dem Menschen den Sabbat zum Ausruhen und zur religiösen Besinnung, ferner als Symbol („Schatten“) des kommenden messianischen Reiches gegeben. Doch die Juden machten den Tag zu einer drückenden Zwangsjacke, bar jeglicher Freude. In diese belastende, allzu scharfe religiöse Atmosphäre kam Jesus Christus.

Als derjenige, der mit seinem Beispiel den siebten Tag als Zeit der Ruhe ausgesondert hatte, pflegte Jesus „nach seiner Gewohnheit“ am Sabbat in die Synagoge zu gehen (Lukas 4,16), also an den in der jüdischen Kultur des ersten Jahrhunderts n. Chr. selbstverständlichen Ort für die an diesem Tag angeordnete „heilige Versammlung“ (3. Mose 23,3).

Als Mensch zeigte Jesus – wieder mit seinem Beispiel –, wie der Sabbat zu halten ist. Dabei verwarf er die einengenden Traditionen, mit denen der Sabbat zur Last geworden war. Doch das Sabbatgebot selbst hat er mit keinem Wort bzw. keiner Handlung aufgehoben.

Nicht zufällig leitet bei Matthäus die Aufforderung Jesu, die Menschen sollten sein leichtes Joch auf sich nehmen (Matthäus 11,28-34), direkt zur Konfrontation im Kornfeld über, bei der sich Jesus zum „Herr[n] über den Sabbat“ erklärt (Matthäus 12,8). Als die Jünger dort Ähren ausrauften, um sie zu essen, verletzten sie eine traditionelle Sabbatvorschrift der jüdischen Lehrer. Doch Jesus erlaubte es und verurteilte damit die unbiblische Rituallast, die man an den Sabbat geheftet hatte.

Es waren nicht kleinliche Verbote, die im Mittelpunkt des Evangeliums standen, das Jesus predigte. Er brachte eine geistliche Ruhe, die im Vergleich zu den drückenden, sinnlosen Traditionen der Pharisäer und Schriftgelehrten ein „sanftes Joch“ war. Für seine Nachfolger sollte eine Gerechtigkeit gelten, die nicht aus Werken, sondern aus dem Glauben an Christus kommt.

Die meisten Auseinandersetzungen um den Sabbat, die Jesus mit den Pharisäern und Schriftgelehrten hatte, entzündeten sich an seinen Heilungen. Bei der Heilung eines Kranken des Sabbatbruchs beschuldigt (Johannes 5,1-9), verkündete Jesus: „Mein Vater wirkt bis auf diesen Tag, und ich wirke auch“ (Vers 17).

Derjenige, der den siebten Tag durch Ruhen aussonderte, wirkte am Sabbat? Was meinte Jesus damit?

Von Beruf war Jesus Zimmermann. Doch von der Zeit an, da er nach Galiläa kam und „das Evangelium Gottes“ predigte und das Reich Gottes als „herbeigekommen“ bezeichnete (vgl. dazu Markus 1,14-15), nahm er das Werk auf, wozu er als Gott im Fleisch auf die Erde gekommen war – die Verkündigung der Botschaft vom Reich Gottes.

Jesu Werk als „Apostel und Hohepriester, den wir bekennen“ (Hebräer 3,1), dient letztendlich der Errettung der Welt zu der Zeit, die Gott dafür vorgesehen hat. Dies ist auch das Werk all seiner Nachfolger. Dieses Werk endete nicht mit Sonnenuntergang am sechsten Schöpfungstag, sondern setzte sich am siebten Tag fort, symbolisiert durch die Sabbatruhe. Gott „arbeitet“ kontinuierlich an seinem großen Plan für die Menschen, sie zu Angehörigen seiner Familie zu machen.

Das Werk der Kirche Gottes, deren Haupt und Eckstein Jesus ist, hat seinen Mittelpunkt in demselben ungeheuren Vorhaben. Möglich gemacht wird unsere Errettung und Aufnahme in die Familie Gottes durch den Einsatz unseres Heilands. Wir predigen heute das gleiche Evangelium, das Jesus predigte. Es ist das Evangelium vom Reich Gottes, das als weltumspannende Weltregierung der Welt eine gesegnete geistliche Ruhe bringen wird, die die Menschen so dringend brauchen. Diese Ruhe ist durch das Halten des Sabbats versinnbildlicht.

Jesus erfüllte das Gesetz, genau wie er angekündigt hatte (Matthäus 5,17). Er stellte den befreienden geistlichen Sinn des Sabbats in den Vordergrund, indem er Hungrige speiste (Matthäus 12,1-8), Blinden die Augen auftat (Johannes 9,1-14), Krüppel heilte (Lukas 13,10-17) und den Bedrückten Befreiung verkündete (Lukas 4,16-21). Alle diese Dinge werden in vollem Umfang stattfinden, wenn die Sabbatruhe durch das Etablieren des Reiches Gottes auf Erden in Erfüllung geht.

Anstatt den Sabbat als Tag der Befreiung zu feiern, hatten die Gesetzlichen, die das Gesetz anbeteten, aus ihm eine erdrückende Last gemacht. Ihnen warf Jesus vor: „Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen“ (Matthäus 23,4).

Als Herr über den Sabbat lehrt Jesus, dass das Gesetz kein Selbstzweck ist, sondern einem höheren Zweck dient. Es soll der Heilserlangung des Menschen durch Jesus Christus den Boden bereiten. Jesus zeigt, dass die Bedürfnisse des Menschen – und geistliche Erlösung ist wohl unser Hauptbedürfnis – Vorrang haben vor stumpfer, ritueller Gesetzlichkeit. Damit zeigt er auch, dass das Erweisen von Barmherzigkeit am Sabbat erlaubt und ganz in Ordnung ist.

Das Zeugnis des Neuen Testaments

Als das Wort Gottes (Johannes 1,1-3. 14) und das Haupt der Kirche inspirierte der „Herr über den Sabbat“, Jesus Christus, die Verfasser des Neuen Testaments bei ihrer Arbeit. Es ist daher keine Überraschung, dass die Autoren der Evangelien, in denen das Leben und Wirken Jesu beschrieben werden, das Halten des Sabbats nicht kritisieren. Und die Autoren der anderen Bücher des Neuen Testaments tun es auch nicht.

Ja, Jesus hat die ritualistische Gesetzlichkeit, die man dem Sabbat hinzugefügt hatte, aufgehoben. Und Paulus mahnt die Christen, sie sollten darauf achten, dass der Sabbat und alle anderen Feiertage und Anbetungsvorschriften sie zu Christus führten. Christus ist der eigentliche Inhalt sämtlicher Formen und Praktiken der Anbetung.

Mit keinem Werk – auch nicht das Halten des Sabbats – können wir, so Paulus, das Heil verdienen. Es kommt allein als Gnadengeschenk von Gott durch den Glauben an Jesus.

Doch als Gläubige sind wir „sein [Gottes] Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Epheser 2,10).

Von Sünde und Tod befreit durch Jesus Christus, sind wir von der Verpflichtung zu guten Werken keineswegs befreit. Wir zeigen unsere Liebe, Dankbarkeit und Verehrung, indem wir Jesus unser Leben widmen und seinem Beispiel folgen. Wir sollen leben, wie er gelebt hat (und heute wieder leben würde, wäre er Mensch). Zu seinen Lebenspraktiken hat ganz gewiss die Einhaltung des Sabbats gehört, den Gott „zuvor bereitet hat“, und zwar schon bei der Erschaffung der Welt.

Der von Christus geleitete Autor des Hebräerbriefs zeichnet in Kapitel 4 ein inspirierendes Bild der Sabbatruhe, in die wir durch den Glauben an Jesus Christus eingehen. Vers 1 mahnt uns: „So lasst uns nun mit Furcht [Sorgfalt] darauf achten, dass keiner von euch etwa zurückbleibe, solange die Verheißung noch besteht, dass wir zu einer Ruhe kommen.“

„Es ist also noch eine [Sabbat]Ruhe vorhanden für das Volk Gottes“, sagt uns Vers 9 bzw. 10. „Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken wie Gott von den seinen.“

Die „vom Sabbat symbolisch verkörperte Ruhe“, schreibt Wilfrid Stott, „wird gesehen als Herzensruhe durch Christus, die sich jetzt teilweise und im später kommenden Leben voll verwirklichen soll“ (Stichwort „Sabbat, Tag des Herrn“, New International Dictionary of New Testament Theology, Seite 410-11).

In Hebräer 4, Vers 11 lesen wir: „So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen.“

Im vierten Kapitel des Hebräerbriefs werden Christen zu einer besseren Ruhe aufgerufen, als Israel sie je erfuhr. Die wahre Ruhe des Gottesvolkes, als Vorläufer im Sabbat abgebildet, ist die ewige Ruhe des Reiches Gottes, in die wir durch Glauben an Jesus Christus eingehen (Verse 2, 6, 14, 16).

Der Sabbat ist für Christen ein Symbol für unsere innere Ruhe in der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die wir dank des Einsatzes Jesu Christi genießen. Durch den Glauben lassen wir ab von den Werken des Fleisches und wenden uns hin zum Gottgehorsam. Der Sabbat erinnert an die ursprüngliche Schöpfungswoche. Das Halten des Sabbats in der neutestamentlichen Kirche erinnert uns an Gottes geistliches Schöpfungswerk, das er jetzt in uns vollbringt und zu dessen Abschluss wir ewiges Leben erhalten werden.

Zu diesem Werk gehört, dass Gott uns in der Liebe formt und wir alles zu seiner Ehre tun (1. Korinther 10,31). Zu ihm gehört auch, dass wir uns als Gemeinde bemühen, andere hinzuführen zum Glauben an Jesus Christus, den Spender der in Matthäus 11, Vers 28 verheißenen vollkommenen Ruhe:

„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28, Elberfelder Bibel). Welch schönere, welch trostreichere Verheißung gibt es für Menschen, die niedergedrückt sind von den Kämpfen dieses Lebens, besonders von der todbringenden Last der Sünde?

Diese Einladung, von Jesus Christus selbst, verspricht, was wir alle am dringendsten brauchen – ein Ausruhen von der Schlechtigkeit der Welt, Erlösung von der Todesstrafe, die unsere Sünden uns eingetragen haben, und Vereinigung mit dem, von dem wahrer Frieden und alle guten Dinge fließen.

Nirgendwo in den Evangelien, auch nicht in Jesu Sabbatkonflikten mit den Juden, finden wir, dass Jesus den Sabbat als zentralen Teil der christlichen Gottesverehrung aufhebt oder verurteilt.

Jesus selbst hat an dem Tag die Bibel ausgelegt, hat Gemeinschaft gepflegt mit Menschen, die Gott zu erkennen suchten, hat barmherzige Werke als Vorausschau auf sein Wirken im Reich Gottes getan und die geistliche Ruhe verkündet, die dem Menschen durch Glauben an Gott offensteht.

Als Herr über den Sabbat hat er die oberste Gewalt über den siebten Tag und über den Kosmos überhaupt. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“, so sein Zeugnis gegenüber seinen Jüngern (Matthäus 28,18). Jesu Beispiel zeigte, dass der Sabbat ein Tag der körperlichen Erholung und der geistlichen Erneuerung sein soll. Er soll eine willkommene, erfrischende Ruhe von unserer wöchentlichen Arbeit sein, eine Zeit, in der wir an unsere gewöhnlichen täglichen Sorgen und Nöte nicht zu denken brauchen.

Dank der Berufung durch den Vater und dem Wirken Jesu erhält der Christ die gesegnetste Ruhe, die es gibt. Wir beten unseren Erlöser an und versinnbildlichen diese geistliche Ruhe und die kommende Ruhe im Reich Gottes in einer unserer zentralen Glaubensbekundungen, dem Halten des Sabbats.

Durch das Halten des Sabbats richten wir den Blick auf den Schöpfer. Wir unterwerfen uns Gott als oberstem Herrn der Schöpfung. Woche für Woche richten wir den Blick auf die kommende vollkommene Ruhe, die Gott uns im Reich Gottes schenken will.

Die Symbolik des Sabbats

Der Sabbat dient uns nicht nur als Tag der körperlichen Erholung. Er hat auch eine symbolische Funktion im Hinblick auf das Vorhaben Gottes mit den Menschen.

Der Sabbat erinnert uns an die Schöpfung. Als Abschluss seines Werkes schuf Gott den Sabbat. An ihm ruhte er, nicht weil er es nötig hatte, sondern zum Wohl der Menschheit. Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, sagt Jesus. Der Sabbat versinnbildlicht etwas, das unter allen Geschöpfen Gottes nur dem Menschen offensteht – Gemeinschaft mit Gott und ewiges Leben.

Die Schöpfungswoche dient als Muster für das Volk Gottes. Das war Gottes Plan von Anfang an, noch ehe die Sünde ins Spiel kam. Sechs Tage sollten der physischen Arbeit, der siebte heiligen Zwecken vorbehalten bleiben.

Wir brauchen jede Woche einen Tag, der dem Gottesdienst und der Pflege unserer Beziehung zu Gott gewidmet ist. Das Neue Testament offenbart auch, dass Christus der Schöpfer und Herr über den Sabbat ist.

Allwöchentlich lenkt der von physischer Arbeit freie Tag unseren Blick darauf, dass das Leben nicht nur aus unserer physischen Existenz besteht, der von Nahrung, Kleidung und Obdach abhängt. Wir müssen Zeit zur besonderen Beziehung zu Christus haben.

Der Sabbat symbolisiert das fortdauernde Schöpfungswerk Gottes in uns. Gott hat uns zu einem besonderen Zweck geschaffen. Das Heil ist Neuerschaffung, Erneuerung, Neugeburt, ein neuer Anfang. Christus bleibt Schöpfer, und wir sind sein Werk – eine neue Kreatur.

Der Sabbat lädt uns ein, die Zerstreuungen der Welt hintanzustellen und die geistliche Speise zu uns zu nehmen, die wir brauchen – Jesus, das Brot des ewigen Lebens. Liebe, Glaube und Hoffnung füllen den Sabbat und Freude darüber, was Gott in unserem Leben tut.

Der Sabbat weist auf die Zeit in der Zukunft hin, wenn unsere Neuerschaffung vollendet sein wird. Wir sind immer noch Fleisch und Blut und haben das Ziel unserer Bestimmung noch nicht erreicht. Dereinst werden wir ewiges Geistleben erlangen.

Vor unserer Berufung unterlagen wir völlig den physischen Fesseln dieses Lebens. Heute haben wir eine Teilbefreiung erreicht, die wir dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir an einem Tag der Woche unsere physischen Sorgen ablegen. Eines Tages werden wir diese Sorgen völlig ablegen können. Diese frohe Erwartung drückt sich durch das Halten des Sabbats aus. Dann wird jeder Tag Sabbat sein, gewidmet der Gemeinschaft mit Gott.

Warum halten wir den Sabbat?

Die Vereinte Kirche Gottes hält den biblischen Sabbat am siebten Tag der Woche aus folgenden Gründen:

• Gott heiligte den Sabbat bei der Schöpfung, indem er von seiner Arbeit ruhte. Die Stellung des Sabbats im Schöpfungsbericht zeigt, dass er für alle Menschen gedacht ist.

• In den Zehn Geboten ist das Halten des Sabbats vorgeschrieben. Als Teil des großen Moralgesetzes Gottes trat der Sabbat nicht wie physische Rituale (Beschneidung, Tieropfer, Waschungen usw.) mit Jesu Tod außer Kraft.

• Jesus Christus hat den Sabbat durch sein persönliches Verhalten bestätigt. Darüber hinaus er hat gesagt: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen“ (Markus 2,27). Damit trennt er die grundsätzliche Notwendigkeit, dass der Mensch am Sabbat ruht, von sinnlosen Ritualen und menschlichen Traditionen.

• Die Apostel haben nach Jesu Tod und Auferstehung den Sabbat weiter gehalten.

• Nirgendwo erklären Jesus oder die Apostel den Sabbat für aufgehoben oder gebieten, dass zu Ehren Jesu ein anderer Tag gehalten werden soll.

• Der Sabbat am siebten Tag der Woche verweist auf die Vollendung des Heilsplans Gottes für die Menschheit und unser Eingehen in die Gottesruhe (siehe Hebräer 4).

• Der Sabbat bietet allwöchentlich eine willkommene Ruhepause von der körperlichen Arbeit. Ferner gibt er uns Zeit zur Andacht, zum Bibelstudium und Meditieren, zur Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und zur Vorfreude auf die geistliche Ruhe, in deren Genuss die ganze Welt bei der Wiederkehr Christi kommen wird.

• Der Sabbat verweist auf das Heilswerk, das Christus für uns ausführt, und feiert ihn als Schöpfer, Erlöser, Herrn und Spender der geistlichen Ruhe, die alle Menschen so dringend brauchen.

Christen verehren und preisen Gott und Christus durch die Sabbatfeier. Unsere Achtung vor diesem Tag und unsere Freude an ihm sind schriftgemäß.

Gott selbst hat an diesem Tag geruht; sein Sabbatgebot verlangt das auch von uns. Der Prophet Jesaja rief Israel auf, den Sabbat zu heiligen und ihn mit Freude, ja mit „Lust“ zu feiern. Es war kein Tag, an dem man normalen Geschäften nachgehen oder tun und lassen konnte, was einem gefiel (Jesaja 58,13-14).

Jesus Christus rückte für seine Gläubigen die geistliche Bedeutung des Sabbats in den Vordergrund und zeigte durch sein persönliches Verhalten, dass der Tag ideal ist für Nächstenliebe und für die Verkündigung der guten Nachricht, des Evangeliums vom Reich Gottes.

Keinesfalls dürfen wir für den Sabbat eine umfassende Liste mit Geboten und Verboten aufstellen, sonst gehen wir in die gleiche Falle wie die Juden des ersten Jahrhunderts n. Chr. Auch glauben wir nicht, unsere Befolgung des Sabbatgebots verdiene uns Gottes Gunst. Wir nehmen vielmehr den Tag freudig als Gelegenheit wahr, in Demut den Gott anzubeten, der uns errettet.

Der Sabbat ist für den Christen ein echter Segen. Wir feiern ihn auf eine Weise, die seinem Sinn gerecht wird.

Der Sabbat ist ein Tag der physischen und geistlichen Ruhe und Erholung. Er ist ein Tag, der uns Gott näher bringt durch Bibelstudium, Gebet und Meditation. Er ist ein Tag, den Berufs- und Alltagsstress hinter sich zu lassen und die Familienbande zu stärken. Er ist ein Tag, Gott zu preisen und von Gottes Diener im Gottesdienst unterwiesen zu werden und Gemeinschaft zu pflegen mit anderen Gläubigen.

Der Sabbat ist auch ein Tag für tätige Nächstenliebe, etwa Kranken und anderen Notleidenden gegenüber. Er ist ein Tag, an dem unser Glaube gestärkt wird, damit wir jederzeit das Evangelium mit anderen teilen können – durch unser persönliches Vorbild und unsere Anteilnahme am Nächsten.

So ist der Sabbat ein festlicher Tag im wahrsten Sinne. Gott hat ihn aus den Werktagen herausgehoben – ein Tag von sieben –, damit wir einmal in der Woche Abstand gewinnen von unserer alltäglichen physischen Arbeit.

Der Sabbat gestattet uns, über den Sinn des Lebens nachzudenken – den Sinn, der im Trubel des Alltagslebens allzu häufig in Vergessenheit gerät. Die allwöchentliche Ruhe gibt Gelegenheit, in Dankbarkeit unseres liebevollen Schöpfers zu gedenken und uns geborgen zu fühlen in der Erkenntnis der bevorstehenden Ruhe, die durch das Reich Gottes realisiert wird.

Wenn andere den Sabbat nicht halten

Manchmal werden Fragen gestellt zu Menschen, die den Sabbat oder die biblischen Festtage nicht halten und stattdessen Weihnachten bzw. Ostern feiern oder sonstige nichtbiblische Lehren und Praktiken vertreten. Die Frage lautet: „Wenn diese Menschen es aufrichtig meinen, wird Gott sie verdammen? Müssen sie unbedingt den Sabbat halten, heidnische Feste meiden und nichtbiblische Lehren und Praktiken ablegen, um Gott zu gefallen?“

Die Antwort auf die Frage hat nicht nur mit Aufrichtigkeit zu tun, sondern vielmehr mit der Berufung bzw. der Erkenntnis. Wer Gott anbeten will, soll ihn „im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4,24). Seine Anbetung soll also mit den Aussagen der Heiligen Schrift übereinstimmen. Nur diejenigen, die Gott, der Vater, beruft, können zu Jesus Christus kommen und durch ihn die Wahrheit erfahren (Johannes 4,24; 17,17).

Es ist überaus wichtig, dass wir alle Wahrheit, die wir kennen, auch praktizieren. Jede Wahrheit der Bibel hat ihre Bedeutung, wenn auch nicht jede Wahrheit lebensentscheidende Bedeutung hat. Jede Wahrheit bereichert, erleuchtet, befreit.

Jesus lehrte: Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert (Lukas 12,48). Größeres Verständnis göttlicher Wahrheit bringt größere Verantwortung. Manchem hat das die Aussage entlockt: „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gelernt!“

Dass der heilige Geist jeden einzelnen Christen in die Wahrheit führt (Johannes 16,13), hat zur Folge, dass Christen ein unterschiedlich tiefes biblisches Verständnis haben. Gott erwartet von uns, dass wir in dem Licht wandeln, das uns jeweils gegeben ist. Niemand kennt schon restlos alle Wahrheiten. Doch nie dürfen wir bewusst in Ablehnung der bereits erkannten Wahrheit wandeln!

Gott „will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2,4; Elberfelder Bibel). Auch diese Bibelstelle deutet auf einen Lernprozess hin. Zwar gibt es Menschen, die „immer auf neue Lehren aus sind und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können“ (2. Timotheus 3,7). Andererseits brauchen alle Christen, früher wie heute, Zeit zum Wachstum in ihrem Verständnis des offenbarten Willens Gottes.

Dass zwischen Wissen und Handeln keine Lücke klaffen darf, lesen wir in Hebräer 10, Vers 26: „Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein andres Opfer mehr für die Sünden.“ Es ist geistlich gefährlich, ein größeres Licht gegen ein kleineres einzutauschen. Markus 4, Vers 25 erklärt: „Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, dem wird man auch das nehmen, was er hat.“

Es gibt noch weitere gute Gründe, die Wahrheit nicht zu verkaufen (Sprüche 23,23). Die praktische Seite ist, dass wir bereits im jetzigen Leben, nicht erst im kommenden, die Segnungen Gottes erleben dürfen. Seine Segnungen kommen aber immer auf dem Wege des Gehorsams. Nicht nur die Minimalanforderungen der Schrift sollten wir zu erfüllen suchen, sondern uns immer bemühen, in unserer Lebensführung Gott im größtmöglichen Umfang gehorsam zu sein.

Wir gehorchen unserem Herrn Jesus Christus, weil er der Herr ist, nicht weil unser Gehorsam uns rettet. (Sonst würden wir unser Heil „verdienen“, anstatt es als Gottes Gabe zu empfangen.) Wir sollen das Rechte tun, weil es recht ist, nicht weil es uns erfolgreich macht.

Unerlässlich für jeden Gläubigen ist die fortgesetzte Selbstprüfung. Was motiviert uns? Was könnte uns zur Preisgabe bereits gewonnener Erkenntnisse bewegen? Warum würde irgendjemand eine Perle der Wahrheit aus Gottes Wort aufgeben wollen?

Der Sabbat ist ein Geschenk Gottes an den Menschen (Markus 2,27), ebenso die biblischen Festtage und auch alle anderen inspirierten Lehren, die Gott uns zu unserem Wohle geschenkt hat. Weigern wir uns, von unserem Freund Geschenke anzunehmen, so kann das die Beziehung nur belasten und uns um Segnungen bringen. Warum sollten wir das tun?

– INTERN Juli 2011 PDF-Datei dieser Ausgabe

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