„Den Sabbat halten? Ich bin doch kein Jude!“

Viele Menschen verbinden den Sabbat einzig und allein mit den Juden. Demnach gilt der Sabbat nur für die Juden; wer kein Jude ist, kann den Sabbat ignorieren.

Von Paul Kieffer

Letztes Jahr um diese Zeit starb ein geschätzter Glaubensbruder bzw. ein Freund, den ich 38 Jahre gekannt hatte. Vom Alter her hätte er mein Vater sein können. Im Gegensatz zu mir war er bei seiner Berufung zum wahren biblischen Glauben bereits mittleren Alters und hatte viele Freunde und Bekannte, teils durch sein Geschäft in einem vornehmen Ortsteil von Bonn.

Die durch seine Berufung bedingte Umstellung in seiner persönlichen Lebensführung hatte zur Folge, dass er einige seiner Bekannten nicht mehr so oft sah. Er hörte z. B. auf, die Messe am Sonntag zu besuchen, und es gab andere Aktivitäten, die ebenfalls nicht länger auf seinem Terminkalender standen.

Bei unserem letzten Treffen erzählte mir mein Freund von einem Erlebnis, das er in den letzten ca. zehn Jahren seines Lebens mehrmals hatte. Er ging jeden Tag spazieren, und dabei kam es ab und zu vor, dass er einem seiner früheren Bekannten, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, begegnete.

Bei der letzten Begegnung dieser Art wollte ein alter Bekannter wissen, was mein Freund in all den Jahren gemacht hatte. Mein Freund war dafür bekannt, seine Glaubensüberzeugung freimütig zu bekunden, und so berichtete er von dem Wandel in seinem Leben, der vor so vielen Jahren stattgefunden hatte.

In der ihm eigenen Art fragte mein Freund dann seinen Gesprächspartner: „Kennen Sie die Zehn Gebote?“ Der alte Bekannte meinte sie zu kennen, woraufhin mein Freund nachhakte: „Und wie sieht es mit vierten Gebot aus, also mit Halten des Sabbats?“ Die Antwort kam prompt und mit einem gewissen Nachdruck: „Den Sabbat halten? Ich bin doch kein Jude!“

Die Reaktion dieses Mannes spiegelt die Denkweise vieler Menschen im deutschsprachigen Raum wider, auch unter Christen. Der Sabbat, so meinen sie, sei als Teil des Alten Bundes nur den Juden gegeben worden. Folglich könnten diejenigen, die keine Juden sind, den Sabbat ignorieren.

In den letzten 38 Jahren seines Lebens war mein Freund anderer Meinung! Das Halten des Sabbats war ein wichtiger Aspekt bei der Neuorientierung seiner Lebensführung, als er zum wahren Glauben berufen wurde.

Untersuchen wir nun, welche dieser beiden Meinungen sich durch die Bibel bestätigen lässt: die meines Freundes oder die seines Bekannten.

Seit wann gibt es den Sabbat?

Wenn der Sabbat nur den Juden gegeben wurde, könnte man logischerweise davon ausgehen, dass der Sabbat erst „ins Leben“ gerufen wurde, als es die Juden gab. Stimmt das?

Keineswegs! Als Jesus Christus auf die Vorhaltungen der Pharisäer reagierte, nachdem seine Jünger am Sabbat Ähren in einem Kornfeld gerauft und die Körner gegessen hatten, sagte er: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat“ (Markus 2,27-28; alle Hervorhebungen durch uns).

Der Sabbat wurde also „gemacht“, d. h. als Ruhetag ausgesondert und in Kraft gesetzt. Jesu Worte implizieren eine chronologische Reihenfolge: erst gab es den Menschen, und danach den Sabbat. Das vierte der Zehn Gebote, das einen wöchentlichen Ruhetag anordnet, bestätigt diese Chronologie und damit auch die Einsetzung des Sabbats bei der Schöpfung:

„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn“ (2. Mose 20,8-11).

Die „sechs Tage“ werden in 1. Mose, Kapitel 1 beschrieben, und die Erschaffung von Mann und Frau erfolgte am sechsten bzw. letzten dieser sechs Tage (vgl. 1. Mose 1,26-31). Der nächste Tag war der erste Sabbat in der Menschheitsgeschichte: „So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte“ (1. Mose 2,1-3).

Wenn wir den Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel mit dem Wortlaut des Sabbatgebots und Jesu Feststellung in Markus 2, wonach der Sabbat für den Menschen gemacht wurde, miteinander vergleichen, erkennen wir, dass Gott den Sabbat als besonderen Segen für die Menschen vorgesehen hat.

Aber welche Menschen sind gemeint? Nur die Juden? Wie kann das der Fall sein, da es die ersten Juden erst mehr als 2000 Jahre später gab? (Die Juden sind die Nachkommen von Jakobs Sohn Juda. Juda war Abrahams Urenkel.) In Markus 2 hatte Jesus die Schöpfung im Sinn, als er sagte, dass der Sabbat für den Menschen gemacht worden ist. Der Sabbat ist folglich für Adam und Eva und all ihre Nachkommenschaft gemacht worden!

Jesu Kommentar zum Zweck des Sabbats ist absolut autoritativ, denn er war derjenige, der im Auftrag von Gott, dem Vater, die in 1. Mose beschriebene Schöpfung – einschließlich der Einsetzung des Sabbats – durchführte! Im Hebräerbrief lesen wir dazu Folgendes: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat“ (Hebräer 1,1-2).

Als derjenige, der durch sein „Ruhen“ den siebten Tag als Sabbat aussonderte, wusste Jesus, dass der Sabbat nicht nur für die Juden, sondern für alle Menschen gemacht wurde.

Israel ist mehr als die Juden

Gott schloss einen Bund – eine Vereinbarung, die wir den Alten Bund nennen – mit dem Volk Israel. Um Gottes besonderes Volk zu sein und von ihm gesegnet zu werden, verpflichteten sich die Israeliten, Gott zu gehorchen: „Werdet ihr [die Israeliten] nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein“ (2. Mose 19,5-6).

Im Prinzip gelten diese Rahmenbedingungen auch heute für diejenigen, die zum „Israel Gottes“ (vgl. Galater 6,16) gehören wollen: Um „das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums“ zu sein (1. Petrus 2,9), verpflichten sich Christen, Gottes Gebote zu halten und seinen Willen zu tun (1. Johannes 5,3; Römer 12,1-2).

Wie bereits erwähnt, meinen manche Menschen im deutschsprachigen Raum, dass der Sabbat als Teil des Alten Bundes nur den Juden gegeben worden sei. Folglich könnten diejenigen, die keine Juden sind, den Sabbat ignorieren.

Diese Sichtweise ist aus zwei Gründen falsch. Zum einen war der Sabbat, wie wir gesehen haben, von der Schöpfung an nicht nur für die Juden, sondern für alle Menschen vorgesehen.

Zum anderen zeugt die Sichtweise von der allgemeinen Unkenntnis der Bibel bzw. biblischer Zusammenhänge, die man heute unter bekennenden Christen antrifft. Man meint, dass mit dem Volk „Israel“ – mit dem Gott den Alten Bund schloss – die Juden gemeint sind. Fragen Sie heute jemanden, wer Israel ist, dann lautet die Antwort fast ausnahmslos: „Das sind die Juden.“

Heute nehmen viele fälschlicherweise an, die Juden machten das gesamte Israel der Antike aus, was aber keineswegs der Fall ist. Die meisten Christen verstehen nicht, dass die heutigen Juden nur einen kleinen Prozentsatz der Nachkommen des alten Volkes Israel darstellen. Jakob (bzw. Israel) hatte zwölf Söhne. Jeder von ihnen wurde zum Vater eines Clans oder eines Stammes.

Juda war einer dieser zwölf Söhne und ist der Vorfahre der heutigen Juden. Die Juden machen also nur einen kleinen Teil der Nachkommen von ganz Israel aus. Von diesem Anteil stellen die heute in Israel lebenden Juden eigentlich nur eine Minderheit aller Juden dar.

Die Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs – die zwölf Stämme Israels – sind das Volk Israel. Mehr als 400 Jahre nach dem Einzug Israels ins Gelobte Land kam es zu einer Aufteilung des Volkes. Das „Haus Israel“ wurde fünf Jahre nach König Salomos Tod gegründet, als zehn der zwölf Stämme Israels gegen Salomos Sohn Rehabeam rebellierten.

Rehabeam blieben die übrigen zwei Stämme Israels treu: Juda und Benjamin. Hinzu kam ein beträchtlicher Teil des priesterlichen Stammes Levi. Diese Stämme bildeten das „Haus Juda“ im Süden des Heiligen Landes.

Die zehn Stämme des Nordreichs, das „Haus Israel“, existierten weitere 200 Jahre als eigene Nation, bevor sie von den Assyrern in Gefangenschaft verschleppt wurden. Diese nördlichen Stämme, die in der Bibel nie Juden genannt wurden, waren historisch und politisch deutlich getrennt von den Juden, ihren südlichen Brüdern, die das Königreich Juda bildeten, woraus der Name „Jude“ abgeleitet wurde.

Die nördliche Koalition von Stämmen, das Königreich oder Haus Israel, war schon eine vom Haus Juda getrennte unabhängige Nation geworden, noch bevor das Wort Jude erstmalig in der biblischen Schilderung erscheint. So ist es eine Tatsache, dass dieser Begriff in der Bibel das erste Mal zu finden ist, als sich Israel mit den Juden im Krieg befand (2. Könige 16,5-6; Elberfelder Bibel und Schlachter-Bibel; in der Lutherbibel wurde der Name mit „Judäer“ übersetzt).

Die Bibel beschreibt die Gefangennahme vom Haus Israel wie folgt: „Da wurde der Herr sehr zornig über Israel und tat es von seinem Angesicht weg, sodass nichts übrig blieb als der Stamm Juda allein“ (2. Könige 17,17-18).

Ca. 130 Jahre später geriet auch das Südreich, das Haus Juda – die Juden –, in Gefangenschaft.

Sind alle Israeliten Juden? Nein! Die Juden – die Bürger und Nachkommen des Königreichs Juda – gehören zwar zu den Israeliten, aber nicht alle Israeliten sind Juden.

Die Juden behielten ihre Identität, weil sie den Sabbat hielten. Was geschah aber mit dem „Haus Israel“ – den zehn Stämmen des Nordens – nach ihrer Verschleppung nach Assyrien?

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass diese israelitischen Stämme untergegangen sind. Daher wird oft von den „zehn verlorenen Stämmen“ gesprochen. Die vorherrschende Meinung in der Gelehrtenwelt ist, dass sie entweder von heidnischen Völkern aufgesogen wurden oder einfach ausgestorben sind. Im Gegensatz zu den Juden hatten die Bürger der zehn Stämme des Nordreichs nach der Trennung vom restlichen Israel den Sabbat nicht mehr gehalten; folglich verloren sie ihre völkische Identität.

Doch nach den Prophezeiungen der Bibel kommt die Zeit, wenn Gott ganz Israel wieder in das Gelobte Land zurückbringen wird – alle zwölf Stämme, d. h. auch die „zehn verlorenen Stämme“. Dann werden alle Nachkommen des alten Israels – weit mehr als nur die Juden – als eine Nation wiedervereinigt. So prophezeite Hesekiel:

„So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will die Israeliten herausholen aus den Heiden, wohin sie gezogen sind, und will sie von überall her sammeln und wieder in ihr Land bringen und will ein einziges Volk aus ihnen machen im Land auf den Bergen Israels, und sie sollen allesamt einen König haben und sollen nicht mehr zwei Völker sein und nicht mehr geteilt in zwei Königreiche“ (Hesekiel 37,19-22).

Seit wann gilt das Ruhetagsgebot?

Als Teil des Alten Bundes war das Volk Israel – alle zwölf Stämme, nicht nur die Juden – verpflichtet, den Sabbat zu halten. Obwohl die Meinung falsch ist, dass nur die Juden den Sabbat als Teil des Alten Bundes halten sollten, verknüpfen einige diese falsche Meinung mit dem Argument, dass es das Sabbatgebot erst mit dem Inkrafttreten des Alten Bundes gab.

In 2. Mose 19 finden wir die Bedingungen des Alten Bundes, wobei die Zehn Gebote, die Gott selbst verkündete, sozusagen das Grundgesetz des Alten Bundes waren (2. Mose 20). In Kapitel 24 stimmte das Volk Israel dem Bund zu: „Mose kam und sagte dem Volk alle Worte des Herrn und alle Rechtsordnungen. Da antwortete alles Volk wie aus einem Munde: Alle Worte, die der Herr gesagt hat, wollen wir tun“ (Vers 3).

Hätte es das Sabbatgebot erst mit der „Ratifikation“ des Bundes durch das Volk Israel gegeben, hätte es erst ab 2. Mose, Kapitel 24 Gesetzeskraft erhalten.

Wir stellen aber fest, dass der Sabbat bereits vor dem Bundesschluss verbindlich war und von Gott als „Gesetz“ bezeichnet wird! 2. Mose 16 beschreibt das Wunder des Mannas, das Gott den Israeliten als tägliches Brot schenkte, nachdem sie sich vorher über zu wenig Nahrung beschwert hatten.

Gott benutzte das Manna, um den Sabbat als „Prüfgebot“ zu betonen, mit dem er herausfinden wollte, ob Israel sein Gesetz halten wollte (2. Mose 16,4). Gott wies das Volk an, täglich dieses Brot vom Himmel zu sammeln. Am sechsten Tag sollten sie zweimal so viel wie sonst sammeln, denn am Sabbat gab es kein Manna (Verse 15-26).

Trotzdem zogen einige Israeliten am siebten Tag auf der Suche nach Manna los. Damit widersetzten sie sich den Anweisungen Gottes, und natürlich fanden sie kein Manna (Vers 27). Gott wies die Ungehorsamen zurecht: „Wie lange weigert ihr euch, meine Gebote und Weisungen zu halten?“ (Vers 28).

Noch hatte Gott nicht die Einhaltung des Sabbats als eines der Zehn Gebote verkündet, und dennoch redet er vom Sabbat im Sinne eines Gesetzes! Als Gott anfing, mit dem alten Israel zu arbeiten, formulierte und verkündete er sein Gesetz nicht zum ersten Mal. Er wiederholte es für eine Gruppe von Menschen, die mehrere Generationen lang Sklaven in Ägypten gewesen waren (2. Mose 12,41). Nach dem langen Aufenthalt in Ägypten konnten sich die Israeliten nicht an Gottes Gesetz erinnern. Deshalb gehorchten sie ihm auch nicht.

An dieser Stelle mag man fragen, wie der Sabbat bereits in 2. Mose 16 verbindlich sein kann, ohne vorher als Gesetz verkündet worden zu sein. Die Gültigkeit von Gottes Gesetzen hängt nicht davon ab, dass sie als solche bereits „offiziell“ verkündet worden sind.

Nach Jesu Worten ist ein unnützer Knecht jemand, der nur das tut, was ihm befohlen wurde (Lukas 17,7-10). Der „unnütze Knecht“ will nur das tun, was Gott ausdrücklich geboten hat. In seiner Bibelauslegung geht der „unnütze Knecht“ davon aus, dass kein Gesetz existiert bzw. rechtskräftig ist, ohne dass es in der Bibel bereits ausdrücklich erwähnt worden ist.

In 1. Mose 4, Vers 7 warnt Gott Kain vor der Sünde. Sünde ist laut Bibel die Übertretung des Gesetzes (1. Johannes 3,4; Schlachter-Bibel), folglich muss es zu diesem Zeitpunkt bereits ein Gesetz gegeben haben, denn ohne Gesetz gibt es keine Sünde. Doch in den vorhergehenden Versen war noch kein Gesetz erwähnt worden.

Dass Gott das Halten seines Sabbats als rechtskräftiges Gesetz in 2. Mose 16 bezeichnet, bestätigt dessen Gültigkeit als Gesetz von der Schöpfung an. Schließlich wurde der Sabbat für den Menschen gemacht!

Wer setzte den Sonntag als Ruhetag ein?

Wie bereits erwähnt, meinte der Bekannte meines Freundes, der Sabbat sei nur für die Juden. Viele bekennende Christen hätten auf die Frage meines Freundes mit der Feststellung reagiert, dass nicht der Sabbat, sondern der Sonntag der christliche Ruhetag sei.

Die biblische Schöpfungsgeschichte stellt klar, wer den Sabbat als Ruhetag einsetzte. Es war Gott! Wer setzte den Sonntag als Ruhetag ein?

Der römische Kaiser Konstantin, der die Sonne anbetete, war der erste römische Kaiser, der sich zum Christentum bekannte. Doch das Christentum, von dem sich Konstantin überzeugen ließ, war anders als das, das Jesus, seine Apostel und die ersten Christen praktiziert hatten. Mit seinem Hass auf die Juden und solche Bräuche, die er für jüdisch hielt, beschleunigte Konstantin den Wandel im Christentum seiner Zeit.

Beispielsweise verbot das Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) das Halten des biblischen Passahs. Konstantin gab dazu Folgendes bekannt: „Zunächst schien es unwürdig zu sein, jenes hochheilige Fest nach dem Gebrauch der Juden zu feiern, die ihre Hände durch ihr gottloses Verbrechen befleckt haben und darum mit Recht als Menschen, auf denen Blutschuld lastet, mit Blindheit des Geistes geschlagen sind . . . Nichts soll uns also gemein sein mit dem verhassten Volke der Juden“ (Eusebius, Das Leben Konstantins, Buch III, Kapitel 18, Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 9, München, 1913).

Konstantin wollte sein Reich durch eine Vereinheitlichung von religiösen Praktiken stärken. Deshalb erließ er die ersten Gesetze, die den Sonntag zum offiziellen Ruhetag erhoben. Sein im Jahr 321 n. Chr. verkündetes Gesetz lautete: „Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen“ (Corpus juris Civills, II Codex Justinianus, III, 12, 2).

365 n. Chr. verkündete das Konzil von Laodizea Folgendes: „Die Christen dürfen nicht nach Judenart am Sabbat müßig sein, sondern sollen an diesem Tage arbeiten. Sie mögen dem Herrentag den Vorzug geben und als Christen ruhen, falls sie es können. Werden sie aber als Judaisierende erfunden, so seien sie von Christus ausgeschlossen“ (Konzil von Laodizea, Kanones, 29).

Diejenigen, die den wahren biblischen Sabbat halten wollten, wurden damit in den Untergrund getrieben. Die allermeisten, die sich zum Christentum bekannten, hielten nunmehr den Sonntag als Ruhetag.

Obwohl die protestantische Reformation einige Veränderungen mit sich brachte, behielt man den Brauch der Sonntagsheiligung bei, die auf die römische Kirche zurückzuführen war. Die römische Kirche behauptete, selbst die Autorität für die Verlegung des Ruhetags von Samstag auf Sonntag zu besitzen.

Protestantische Kirchen hingegen rechtfertigen ihre Sonntagsheiligung mit dem Argument, die Heiligung des Sabbats sei im Neuen Testament durch den Sonntag, den sie in ihrer Begründung den ersten Tag der Woche nennen, ersetzt worden. So feiert man die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche, obwohl Jesus nicht am ersten Tag der Woche auferstanden ist.

Doch die meisten katholischen und einige protestantische Theologen räumen ein, dass es für die Heiligung des Sonntags keine biblische Grundlage gibt. Der katholische Pädagoge Kardinal James Gibbons, der im 19. und frühen 20. Jahrhundert Erzbischof von Baltimore war, sprach dieses Thema sehr direkt an: „Ist nicht jeder Christ verpflichtet, den Sonntag zu heiligen? Ist nicht die Beobachtung dieses Gesetzes eine der ersten unter unseren heiligen Pflichten? Aber ihr möget die Bibel lesen von der Genesis bis zur geheimen Offenbarung und ihr werdet nicht ein einziges Wort finden, welches die Heilighaltung des Sonntags anordnet. Die Schriften fordern die religiöse Beobachtung des Sabbats, eines Tages, den wir nicht mehr heiligen“ (Der Glaube unserer Väter, Verlag Denziger Brothers, 1879, übersetzt vom Bistum Basel).

Welche Kirche trägt die Verantwortung dafür, dass ca. 300 Jahre nach der ersten Christengeneration der biblische Sabbat verdrängt und der Sonntag zum konfessionellen Ruhetag wurde? Es war die römisch-katholische Kirche!

Dass der Sabbat nur für die Juden sein soll, wie der Bekannte meines Freundes meinte, spiegelt die Denkweise wider, die seit dem 4. Jahrhundert im konfessionellen Christentum verankert ist. Im Gegensatz dazu sagte Jesus: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht.“

Warum halten wir den Sabbat?

Die Vereinte Kirche Gottes hält den biblischen Sabbat am siebten Tag der Woche aus folgenden Gründen:

• Gott heiligte den Sabbat bei der Schöpfung, indem er von seiner Arbeit ruhte. Die Stellung des Sabbats im Schöpfungsbericht zeigt, dass er für alle Menschen gedacht ist.

• In den Zehn Geboten ist das Halten des Sabbats vorgeschrieben. Als Teil des großen Moralgesetzes Gottes trat der Sabbat nicht wie physische Rituale (Beschneidung, Tieropfer, Waschungen usw.) mit Jesu Tod außer Kraft.

• Jesus Christus hat den Sabbat durch sein persönliches Verhalten bestätigt. Darüber hinaus hat er gesagt: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen“ (Markus 2,27). Damit trennt er die grundsätzliche Notwendigkeit, dass der Mensch am Sabbat ruht, von sinnlosen Ritualen und menschlichen Traditionen.

• Die Apostel haben nach Jesu Tod und Auferstehung den Sabbat weiter gehalten.

• Nirgendwo erklären Jesus oder die Apostel den Sabbat für aufgehoben oder gebieten, dass zu Ehren Jesu ein anderer Tag gehalten werden soll.

• Der Sabbat am siebten Tag der Woche verweist auf die Vollendung des Heilsplans Gottes für die Menschheit und unser Eingehen in die Gottesruhe (siehe Hebräer 4).

• Der Sabbat bietet allwöchentlich eine willkommene Ruhepause von der körperlichen Arbeit. Ferner gibt er uns Zeit zur Andacht, zum Bibelstudium und Meditieren, zur Pflege der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und zur Vorfreude auf die geistliche Ruhe, in deren Genuss die ganze Welt bei der Wiederkehr Christi kommen wird.

• Der Sabbat verweist auf das Heilswerk, das Christus für uns ausführt, und feiert ihn als Schöpfer, Erlöser, Herrn und Spender der geistlichen Ruhe, die alle Menschen so dringend brauchen.

Christen verehren und preisen Gott und Christus durch die Sabbatfeier. Unsere Achtung vor diesem Tag und unsere Freude an ihm sind schriftgemäß.

Gott selbst hat an diesem Tag geruht; sein Sabbatgebot verlangt das auch von uns. Der Prophet Jesaja rief Israel auf, den Sabbat zu heiligen und ihn mit Freude, ja mit „Lust“ zu feiern. Es war kein Tag, an dem man normalen Geschäften nachgehen oder tun und lassen konnte, was einem gefiel (Jesaja 58,13-14).

Jesus Christus rückte für seine Gläubigen die geistliche Bedeutung des Sabbats in den Vordergrund und zeigte durch sein persönliches Verhalten, dass der Tag ideal ist für Nächstenliebe und für die Verkündigung der guten Nachricht, des Evangeliums vom Reich Gottes.

Keinesfalls dürfen wir für den Sabbat eine umfassende Liste mit Geboten und Verboten aufstellen, sonst gehen wir in die gleiche Falle wie die Juden des ersten Jahrhunderts n. Chr. Auch glauben wir nicht, unsere Befolgung des Sabbatgebots verdiene uns Gottes Gunst. Wir nehmen vielmehr den Tag freudig als Gelegenheit wahr, in Demut den Gott anzubeten, der uns errettet.

Der Sabbat ist für den Christen ein echter Segen. Wir feiern ihn auf eine Weise, die seinem Sinn gerecht wird.

Der Sabbat ist ein Tag der physischen und geistlichen Ruhe und Erholung. Er ist ein Tag, der uns Gott näher bringt durch Bibelstudium, Gebet und Meditation. Er ist ein Tag, den Berufs- und Alltagsstress hinter sich zu lassen und die Familienbande zu stärken. Er ist ein Tag, Gott zu preisen und von Gottes Dienern im Gottesdienst unterwiesen zu werden und Gemeinschaft zu pflegen mit anderen Gläubigen.

Der Sabbat ist auch ein Tag für tätige Nächstenliebe, etwa Kranken und anderen Notleidenden gegenüber. Er ist ein Tag, an dem unser Glaube gestärkt wird, damit wir jederzeit das Evangelium mit anderen teilen können – durch unser persönliches Vorbild und unsere Anteilnahme am Nächsten.

So ist der Sabbat ein festlicher Tag im wahrsten Sinne. Gott hat ihn aus den Werktagen herausgehoben – ein Tag von sieben –, damit wir einmal in der Woche Abstand gewinnen von unserer alltäglichen physischen Arbeit.

Der Sabbat gestattet uns, über den Sinn des Lebens nachzudenken – den Sinn, der im Trubel des Alltagslebens allzu häufig in Vergessenheit gerät. Die allwöchentliche Ruhe gibt Gelegenheit, in Dankbarkeit unseres liebevollen Schöpfers zu gedenken und uns geborgen zu fühlen in der Erkenntnis der bevorstehenden Ruhe, die durch das Reich Gottes realisiert wird.

Wann ist der biblische Sabbat zu halten?

Es ist ein von Menschen erdachter Brauch, die Tage der Woche jeweils um Mitternacht beginnen zu lassen. Gott hat die Himmelskörper erschaffen und in Bewegung gesetzt, damit wir die Zeit bestimmen können (1. Mose 1,14). Er bemisst die Tage anders als die Menschen, nämlich „vom Abend an bis wieder zum Abend“ (3. Mose 23,32).

Einen ersten Hinweis darauf erhalten wir bereits im ersten Kapitel des Schöpfungsberichtes (1. Mose 1). Nachdem er Tag und Nacht voneinander getrennt hatte, sprach Gott: „Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag“ (Vers 5). Er nennt zuerst den „Abend“, dann erst den „Morgen“. Auch die weiteren Schöpfungstage werden so beschrieben (Verse 8, 13, 19, 23 und 31).

Die Bibel zeigt uns, dass der Abend dann begann, wenn die Sonne unterging (Josua 8,29; 2. Chronik 18,34; Nehemia 13,19; Markus 1,32). Zugleich brach damit ein neuer Tag an. Es war in jener Zeit üblich, den Anfang und das Ende von Tagen so festzulegen (2. Mose 12,18). Auch zur Zeit des Neuen Testamentes wurden die Tage auf die gleiche Art und Weise bestimmt.

Als Schöpfer des Sabbats bestimmt Gott, wann dieser Tag beginnt und wann er endet. Gott gebietet uns, seine Sabbate „vom Abend an bis wieder zum Abend“ zu halten (3. Mose 23,32). Nach der Bibel wurde angeordnet, einen jährlichen Sabbat von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang zu halten. Das Muster dafür ist der wöchentliche Sabbat, der am Freitagabend mit dem Sonnenuntergang beginnt und Samstagabend mit Sonnenuntergang zu Ende geht. Es ist dieser Zeitraum, den wir jede Woche aussondern sollen.

Der siebentägige wöchentliche Zyklus ist seit der Schöpfungswoche erhalten geblieben, obwohl die Menschen den Kalender wiederholt verändert haben. Die Wochentage sind immer in ihrer richtigen Reihenfolge geblieben, mit dem Sonntag als erstem und dem Samstag als dem siebten Tag jeder Woche. Die Bezeichnung des Tages „Mittwoch“ [Mitte der Woche] gibt auch einen sprachlichen Hinweis aus der Antike, welcher Tag der siebte ist, trotz der Entscheidung des deutschen Normenausschusses (DIN 1355), wonach ab Januar 1976 nach menschlichen Maßstäben eine künstliche Festlegung des Wochenbeginns mit Montag beschlossen wurde.

Es war das jüdische Volk, das das Wissen um den Sabbat als den siebten Wochentag aus der Zeit lange vor Christi Geburt bis heute treu bewahrt hat. Ihm war anvertraut, „was Gott geredet hat“, d. h. seine göttlichen Worte und Anordnungen (Römer 3,1-2).

– INTERN März-April 2014 PDF-Datei dieser Ausgabe

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