Welcher Kalender ist in Gottes Augen gültig?

Hat Gott irgendeinen der zahlreichen „heiligen“ Kalender, die heute im Umlauf sind, genehmigt? Welchen Kalender sollen Christen für die biblischen Festtage verwenden?

Von Raymond McNair

Gott gebot Israel, seinen wöchentlichen Sabbat (2. Mose 20,8-11) und die sieben jährlichen Festtage (3. Mose 23; Hesekiel 20,12-34) zu halten. Daher muss Gott seinem Volk einen zuverlässigen Kalender gegeben haben, nach dem man wissen kann, wann diese Sabbate zu halten sind.

Obwohl es zahlreiche Bezugsstellen zu dem gibt, was man „Gottes Kalender“ nennen kann, beinhaltet die Heilige Schrift nach dem Anchor Bible Dictionary nicht ausreichende Informationen, um die Festlegung eines genauen heiligen Kalenders vorzunehmen: „Kein Teil der Bibel oder gar die Bibel als Ganzes legt den vollständigen Kalender dar“ (Stichwort „Calendars“, Band 1).

Außerdem erfahren wir, dass „moderne Bibelstudenten erkennen sollten, dass es nicht möglich ist, von einem [ausschließlich] biblischen Kalender zu reden“ (The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Stichwort „Calendar“, Band 1).

Welche Probleme stellen sich demjenigen, der den heiligen Kalender allein nach der Bibel zu erstellen versucht?

1. Problem: Die Bibel sagt uns nicht genau, wann jeder Monat des heiligen Kalenders beginnen soll. Die Schrift offenbart, dass jeder Monat zur Zeit des „Neumondes“ beginnen muss, aber das Wort Gottes definiert diesen Begriff nicht ausreichend. Ist der biblische Neumond der astronomische Neumond (auch als Konjunktion oder „dunkler Mond“ bekannt)? Oder ist der Neumond die Sichel des Neumondes, die immer „einige Tage“ zu sehen ist?

Wenn zum Beispiel die Neumondspäher im alten Israel die Sichel des Neumondes über dem westlichen Horizont nur wenige Minuten vor Sonnenuntergang sahen, riefen sie dann jenen Tag – der gerade zu Ende ging – als ersten Tag des nächsten Monats aus? Oder legten sie den nächsten Tag als ersten Tag des neuen Monats fest?

2. Problem: Die Heilige Schrift sagt uns nirgends, wie viele Tage jeder Monat in Gottes heiligem Kalender haben soll. Sind es 29? Sind es 30? Oder mehr? Wir müssen außerbiblische Quellen heranziehen, um diese Information zu ermitteln.

3. Problem: Die hebräischen Schriften sagen uns auch nicht, wie viele Monate es im Jahr geben soll. Das Sonnenjahr (ca. 365 ¼ Tage) ist ungefähr elf Tage länger als das Mondjahr (ca. 354 ¼ Tage). Wie sollen da das Sonnen- und Mondjahr miteinander harmonisiert werden? Durch welches Mittel können die Monate in Gottes heiligem Kalender in der richtigen Jahreszeit gehalten werden, damit das Passah und das Fest der Ungesäuerten Brote immer im Frühling stattfinden und das Laubhüttenfest immer im Herbst stattfindet? (Alle erwähnten Jahreszeiten beziehen sich auf die nördliche Hemisphäre.)

Die Antwort lautet, dass man einen Schaltmonat (einen dreizehnten Monat) siebenmal in jedem neunzehnjährigen Mondzyklus – der immer 235 Neumonde oder Mondmonate enthält – einführen muss. Aber die hebräische Bibel sagt uns nicht, wie viele Monate das Jahr haben soll oder wie lange das heilige Jahr zu sein hat.

Die Bibel erwähnt einen zwölften Monat (Ester 3,7), aber nie einen dreizehnten Monat. Doch zeigt uns eine gründliche Untersuchung der Zeitangaben in den ersten acht Kapiteln von Hesekiel (1,1-2; 3,15; 4,5-6; 8,1), dass ein dreizehnter Monat von den Juden benutzt wurde, als Hesekiel im frühen sechsten Jahrhundert vor Christus schrieb. Da die Bibel diesen Schaltmonat gar nicht erwähnt, legt sie auch nicht fest, wann er einzusetzen ist.

4. Problem: Die Bibel legt nicht genau fest, wann das heilige Jahr beginnen soll. Obwohl die Schrift klar offenbart, dass das heilige Jahr in der Zeit der Frühjahrstagundnachtgleiche beginnen muss (Hebräisch: tekufah; 2. Mose 12,2; 23,16; 34,22), enthält sie darüber hinaus keine genauen Anweisungen. (Die Tagundnachtgleiche umfasst eine Zeit, wenn Tag und Nacht gleich lang sind und das Jahr einen vollständigen Kreislauf vollendet hat, z. B. von Frühling zu Frühling. Es gibt zwei Tagundnachtgleichen – im Frühjahr und im Herbst –, die Frühjahrs- und Herbsttagundnachtgleiche genannt werden. Dazu später mehr.)

5. Problem: Das unüberwindbarste aller Hindernisse für diejenigen, die sich allein auf die Bibel zur Festlegung eines heiligen Kalenders verlassen wollen, ist die unbestreitbare Tatsache, dass das Mond- und Sonnenjahr (ohne periodische Justierungen oder Verschiebungen im Hinblick auf bestimmte Monate und Jahre) nicht genau harmonisiert werden können, was aber eine biblische Notwendigkeit ist. Der Kalender muss auch unter bestimmten Bedingungen um einen oder zwei Tage justiert werden. Sonst würden das Mond- und Sonnenjahr auseinanderdriften.

Keines der fünf aufgezeigten Probleme wird in der Bibel gelöst! Da weder die hebräischen noch die griechischen Schriften uns genügend Informationen geben, um den heiligen Kalender festzulegen, wo können wir herausfinden, wann wir Gottes sieben jährliche Festtage halten sollen?

Wie Gott seinem Volk den Kalender gab

Wer – wenn überhaupt jemand – war von Gott bevollmächtigt, einen heiligen Kalender zu erstellen und diesen dem Volk Gottes zu übermitteln? Im Jahr des Auszugs der Israeliten aus Ägypten (ca. 1446 v. Chr.) fing Gott an, den Israeliten wichtige Aspekte seines Kalenders zu offenbaren – eines Kalenders, der das Halten von Gottes Festtagen in ihren richtigen Jahreszeiten ermöglichte (2. Mose 12; 3. Mose 23).

„Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen“ (2. Mose 12,1-2). Beachten wir, dass Gott „Mose und Aaron“ diese wichtigen Anweisungen gab. Aaron wurde später als Gottes Hohepriester ordiniert, und nur seine Söhne durften in diesem Amt seine Nachfolger sein (4. Mose 16 und 17).

Wem offenbarte Gott seine Festtage? Gott gebot seinem Volk, diese Tage als „ewige Ordnung“ zu halten (3. Mose 23,14. 21. 31. 41). Beachten wir jedoch, dass Gott Mose diese Tage offenbarte und ihm gebot, sie den Israeliten zu geben: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage den Israeliten und sprich zu ihnen: Dies sind die Feste des Herrn, die ihr ausrufen [Hebräisch: qara, „offiziell verkünden“] sollt als heilige Versammlungen; dies sind meine Feste“ (3. Mose 23,1-2).

Vers 4 sagt uns, dass die Feste „an ihren Tagen“ [Hebräisch moadim, „festgesetzte Jahreszeiten“ nach der Übersetzung der Jewish Publication Society] auszurufen waren. Israels religiös Verantwortliche sollten den Anfang von Monaten und die genauen Tage, an denen Gottes Feste zu halten waren, ausrufen, verkündigen oder offiziell bekanntgeben.

Was meinte Gott, als er Israels geistlichem Führer, Mose, gebot, seine Feste auszurufen (qara)? Mose berief tatsächlich eine Versammlung des Volkes Gottes ein, um diese Tage zu halten: „Wenn heilige Versammlungen ausgerufen werden, hat qara [zum Beispiel in 3. Mose 23,2] die Bedeutung einberufen“ (The International Standard Bible Encyclopedia, Band 3).

Mit anderen Worten: Gottes geistliche Führer in Israel hatten die Autorität, eine heilige Versammlung für Gottes Volk einzuberufen, als sie unter Gottes Führung die Tage festlegten, an denen Gottes Feste gehalten werden sollten.

Wie haben Israels geistliche Führer in späteren Zeiten Gottes Feste ausgerufen? Das Encyclopaedia Judaica berichtet, dass die „Aussonderung des 30. [Tages] als Neumond von Augenzeugenberichten über den Zeitpunkt und die Umstände des Sichtens der Neumondsichel abhängig [war]. Solche Berichte wurden von einem kompetenten Gericht untersucht und wurden nur dann akzeptiert, wenn sie miteinander übereinstimmten und der astronomischen Vorhersage nicht widersprachen. Darüber hinaus musste das Gericht zustimmen und die formelle Ausrufung der Aussonderung vor Sonnenuntergang [vornehmen]“ (Stichwort „Calendar“, Band 8).

Beachten Sie, dass ein besonderes Kalendergericht als Erstes den Tag der Neumondsichel festlegen und sodann eine formelle Ausrufung der Aussonderung vor Sonnenuntergang vornehmen musste.

Sowohl die weltliche als auch die biblische Geschichte zeigt, dass die jüdischen religiösen Führer (die Priester) die ernste Pflicht und die göttliche Autorität hatten, verbindliche Entscheidungen bezüglich des hebräischen Kalenders zu treffen. Sie allein riefen die Neumonde (den ersten Tag jedes Monats) aus, und sie waren es, die über die Notwendigkeit und den Zeitpunkt für die Einführung eines dreizehnten Monats entschieden.

„Der Monatsanfang wurde durch direkte Beobachtung des Mondes festgelegt. Die neuen Monate wurden ausgesondert und deren Anfang vom Sanhedrin bekanntgegeben [ausgerufen]“ (Arthur Spier, The Comprehensive Hebrew Calendar, 1952, Seite 1).

Das Detailwissen um Gottes Kalender wurde von der jüdischen Priesterschaft geheimgehalten. Aber als sich die Juden immer weiter von Jerusalem ausbreiteten, wurde es schwieriger, Entscheidungen über den Kalender an die entfernten Gebiete weiterzuleiten. Diese Situation führte zu einer bedeutenden Änderung.

„Wegen des ernsthaften Zustands der Gemeinden . . . Israels [im vierten Jahrhundert nach Christus] und des Niedergangs des galiläischen Zentrums stimmte Hillel II. prinzipiell zu, die Autorität des nasi [der führenden jüdischen Autorität] und seine Funktionen zu beschränken im Hinblick auf 1) die Ausrufung des Neumondes; 2) die Festlegung der Festtage; und 3) die Festlegung von Schaltjahren. Daraufhin veröffentlichte er Sod ha-ibbur [„Das Geheimnis der Schaltjahre“] . . . Dies geschah im Jahre 385 unserer Zeitrechnung“ (Judaica, „Hillel II.“, Band 8).

Das Judaica führt weiter aus, dass vor der Zeit von Hillel II. „der Sanhedrin zusammen mit dem Gericht den Kalender durch die Ausrufung des Neumondes und die Berechnung von Schaltjahren festlegte“. Auf diese wichtige Änderung wird noch näher in diesem Beitrag eingegangen werden.

Wann beginnt der Monat?

Doch zunächst zu der Frage, wann genau Gottes heilige Monate und Jahre beginnen sollen. Insoweit herrscht viel Verwirrung. Die Bibel offenbart klar, dass jeder Monat mit einem Neumond (Psalm 81,3; Jesaja 66,23; Hesekiel 46,1) oder – um es genauer auszudrücken – mit dem ungefähren Neumond beginnt. Die Juden und auch die Muslime beginnen ihre Neumonde auf diese Weise: „Das islamische Jahr richtet sich nach dem Mondzyklus, und jeder Monat beginnt ungefähr mit dem Neumond“ (Merriam Webster’s Collegiate Dictionary, 10. Ausgabe, Seite 755).

Arthur Spier stellt fest: „Seit biblischen Zeiten sind die Monate und Jahre des jüdischen Kalenders nach den Mond- und Sonnenzyklen festgelegt worden. Das traditionelle Gesetz schreibt vor, dass sich die Monate eng an den Verlauf des Mondes anlehnen sollen, von dessen Molad (Geburt, Zusammentreffen) an bis zum nächsten Neumond“ (Spier, Seite 1).

Jeder, der mit dem hebräischen Kalender vertraut ist, wird erkennen, dass es oft Gründe gibt, die von vielen für gültig gehalten werden, um den Anfang eines Monats um einen Tag – oder in einigen Fällen um zwei Tage – zu verschieben. In der Tat stimmt der Monatsanfang des hebräischen Kalenders mit dem sichtbaren Neumond nur zu 40 Prozent und mit dem ungefähren Neumond zu 60 Prozent überein.

Diejenigen, die Einwände gegen diese „Verschiebungen“ haben, müssen erkennen, dass es absolut unmöglich ist, einen Sonnen-Mond-Kalender zu haben, der nicht bestimmte Justierungen oder Verschiebungen erfordert. Alle, die mit dem jüdischen Kalender vertraut sind, wissen, dass die Juden von alters her immer jeden Monat mit der sichtbaren Neumondsichel beginnen lassen, nicht mit dem astronomischen Neumond (auch als „dunkler Mond“ bekannt). Die sichtbare Mondsichel kann etwa drei Tage lang als „Neumond“ bezeichnet werden.

Werfen wir einen kurzen Blick auf einige der schwierigen Probleme, denen diejenigen gegenüberstehen, die davon ausgehen, dass sie den astronomischen Neumond (das Zusammentreffen, molad oder dunkler Mond) benutzen müssen, um Gottes Festtage in ihren von Gott verordneten Jahreszeiten halten zu können.

Heute gibt es bei einigen Verwirrung darüber, was ein Neumond wirklich ist. „Neumond: 1) die Mondphase, bei der der Mond in Konjunktion mit der Sonne ist, sodass seine dunkle Seite zur Erde gerichtet ist; auch die dünne Mondsichel, die einige Tage lang nach dem wirklichen Anfang der Neumondphase kurz nach Sonnenuntergang zu sehen ist; 2) der erste Tag eines jeden jüdischen Monats, gekennzeichnet durch eine besondere Liturgie“ (Webster’s, 10. Ausgabe).

Die dünne Mondsichel kann eigentlich einige Tage lang gesehen werden! Wie wir bereits festgestellt haben, fangen die biblischen Monate immer mit dem Neumond an, aber die Bibel sagt nicht, dass jeder Monat immer entweder am molad (astronomische Konjunktion) oder am ersten Tag des Sichtbarwerdens der Mondsichel beginnen muss.

Tatsächlich „ist es für jeden Beobachter aufgrund der Nähe des Mondes zur Sonne eine Herausforderung, den Mond zu sehen, wenn er weniger als zwei Tage alt ist [weniger als zwei Tage nach dem astronomischen Neumond, d. h. dem Zusammentreffen bzw. dem molad]. Der französische Astronom Andre Danjon (1890-1967) hält anscheinend den Rekord für das Sichten des Mondes inne, als er 1931 den Mond nach nur 16 Stunden und 13 Minuten nach der Neumondphase sah“ (Burrus und Spiegel, Earth in Crisis, Seite 408-409).

Fachkundiges hebräisches Kalenderzeugnis

In The Comprehensive Hebrew Calendar schreibt Arthur Spier: „Mondmonate müssen immer den Jahreszeiten entsprechen, die von der Sonne bestimmt werden. Der Monat Nisan mit dem Passahfest muss zum Beispiel im Frühling und der Monat Tischri mit dem herbstlichen sukkot [Laubhüttenfest] im Herbst stattfinden“ (1952, Seite 1).

Dieser Autor und jüdische Gelehrte im Allgemeinen glauben nicht, dass der Monatsanfang genau mit dem astronomischen Zusammentreffen übereinstimmen muss, das oft einen Tag oder mehr vor dem Sichtbarwerden der Neumondsichel stattfindet. Stattdessen müssen die Monate „eng dem Verlauf des Mondes . . . folgen“.

Spier fügt hinzu: „Der jüdische Kalender muss sowohl Anforderungen der Sonne als auch des Mondes genügen. Das ist der Grund für seine verhältmäßig komplizierte Struktur. Da das Sonnenjahr von ca. 365 Tagen ungefähr 11 Tage länger ist als zwölf Mondmonate [ein Mondjahr], muss der jüdische Kalender das Problem des Balancierens des Sonnenjahres mit dem Mondjahr [lösen]“ (Seite 1). Einige sind irrtümlicherweise der Meinung, dass es einfach ist, den Sonnenkalender mit dem Mondkalender in Einklang zu bringen.

Denken Sie bitte daran, dass Gott sowohl die Sonne als auch den Mond am Himmel gesetzt hat, um alle Kalenderberechnungen zu bestimmen: „Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten [hebräisch moadim, verordnete Festzeiten], Tage und Jahre“ (1. Mose 1,14).

Über die Sonne und den Mond heißt diese Bibelstelle in der Elberfelder Bibel: „Sie sollen dienen als Zeichen und Zeiten und Tagen und Jahren.“ Wenn man einen reinen Sonnenkalender benutzt, ist es nicht möglich zu wissen, wann Gottes Festtage zu halten sind.

Der in der heutigen christlichen Welt weitverbreitete gregorianische Kalender hat keinen Bezug zum Neumond und kann daher nicht offenbaren, wann Gottes sieben jährliche Festtage zu halten sind. Wenn man aber einen reinen Mondkalender benutzt – wie den islamischen Kalender –, werden Gottes Festtage über ca. 33 Jahre alle zwölf Kalendermonate durchwandern.

Spier fährt fort: „In der frühen Zeit unserer Geschichte wurde die Lösung [zur Abstimmung der Sonnen- und Mondjahre] durch den Einsatz dieser praktischen Vorgehensweise gefunden: Die Monatsanfänge wurden durch die direkte Beobachtung des Mondes bestimmt. Die Neumonde wurden [von den von Gott eingesetzten Priestern] ausgesondert und ihre Anfänge vom Sanhedrin, dem höchsten Gericht in Jerusalem, ausgerufen [Hebräisch: qara], nachdem Zeugen ausgesagt hatten, dass sie die neue Mondsichel gesehen hatten und ihr Zeugnis gründlich untersucht, durch Berechnung bestätigt und offiziell angenommen worden war.

Jüdische Gemeinden wurden in vergangenen Zeiten über den Anfang eines neuen Monats (Rosch Hodesch) durch Leuchtbrände auf den Bergen bei Nacht und danach durch Boten informiert“ (Seite 1).

Biblische Gründe für eine 30-tägige Verschiebung

Hatten die jüdischen Priester die Befugnis, den Anfang des Jahres um einen ganzen Monat zu verschieben? Dazu sagt Spier: „Ein Sonderausschuss des Sanhedrin mit dem Präsidenten des Sanhedrin als dessen Vorsitzender hatte den Auftrag, das Sonnenjahr mit dem Mondjahr zu regulieren und auszugleichen. Dieser sogenannte Kalenderausschuss (Hebräisch: sod haibbur) berechnete den Beginn der Jahreszeiten auf der Basis astronomischer Formeln, die von alters her als Tradition weitergegeben worden waren.

Wenn nach zwei oder drei Jahren der Jahresüberschuss von elf Tagen ca. 30 Tage erreicht hatte, wurde ein dreizehnter Monat Adar II. vor Nisan eingeschoben, um sicherzustellen, dass Nisan und das Passah im Frühling und nicht im Winter stattfinden würden“ (Seite 1).

Eine ununterbrochene Reihenfolge von Priestern hatte wichtige Informationen von Mose und Aaron bezüglich der Berechnung von Gottes heiligem Kalender erhalten. Obwohl sie sich noch auf visuelle Beobachtung verließen, bestätigten sie immer Augenzeugenberichte über das Sichten der neuen Mondsichel durch ihre eigenen groben astronomischen Berechnungen.

Die jüdischen Hohepriester und ihre Gerichte waren autorisiert, einen dreizehnten Monat einzuführen, wenn die Agrarzustände im Gelobten Land anzeigten, dass das Auslassen eines solchen Monats (wodurch der Anfang des neuen Jahres hinausgezögert würde) bedeuten würde, dass die Gerste nicht reif genug wäre, um das vorgeschriebene Schwingopfer (Hebräisch: omer) an dem Sonntag während der Tage der ungesäuerten Brote zu bringen (3. Mose 23,9-14).

Diese landwirtschaftliche Überlegung wird von der Encyclopaedia Judaica bestätigt: „Das Sonnenjahr hat 365 Tage, 48 Minuten und 46 Sekunden. Das bedeutet, dass ein Sonnenjahr ungefähr elf Tage länger ist als ein Mondjahr (von zwölf Monaten). Die Zyklen der zwölf Mondmonate müssen daher auf das Sonnenjahr abgestimmt werden, denn, obwohl die jüdischen Feste nach Monatsterminen festgelegt werden, müssen sie auch in bestimmten [landwirtschaftlichen] Jahreszeiten stattfinden, die von dem tropischen Sonnenjahr abhängen.

Ohne jegliche Justierung würden die Feste die Jahreszeiten ,durchwandern‘ und das ,Frühlingsfest‘ [z. B. Passah] würde allmählich im Winter und später im Sommer gefeiert. Die erforderliche Justierung findet durch die Einfügung eines Schaltmonats (Adar II.) statt . . . Zur Zeit des Tempels [bis ca. 70 n. Chr.] wurden Schaltjahre in den einzelnen Jahren nach landwirtschaftlichen Bedingungen entschieden . . . jedoch wurden Schaltjahre später in den Jahren 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19 des Zyklus festgelegt“ („Calendar“, Band 5).

Festlegung der Festtagstermine

Wie bereits erwähnt, erfolgte im 4. Jahrhundert unter Hillel II. eine wichtige Änderung bei der Bestimmung der Termine für die Festtage. Spier schreibt hierzu: „Diese Methode von Beobachtung und Schaltjahren wurde in der ganzen Zeit [der Existenz] des zweiten Tempels (516 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und ca. drei Jahrhunderte nach dessen Vernichtung benutzt, solange es einen unabhängigen Sanhedrin gab. Als im 4. Jahrhundert [ca. 358 n. Chr.] jedoch Unterdrückung und Verfolgung die fortgesetzte Existenz des Sandredin bedrohten, tat der Patriarch Hillel II. einen außergewöhnlichen Schritt, um die Einheit Israels zu bewahren.

Um zu verhindern, dass die auf der ganzen Welt verstreuten Juden ihre Neumonde, Feste und Feiertage zu unterschiedlichen Zeiten feierten, veröffentlichte er das System der Kalenderberechnung, die bis dahin ein sorgsam gehütetes Geheimnis gewesen war. In der Vergangenheit war sie nur benutzt worden, um die Beobachtungen und Aussagen von Zeugen zu bestätigen und um den Anfang des Frühlings zu bestimmen“ (Seite 2).

Keiner kann mit Gewissheit sagen, wann astronomische Berechnungen erstmalig in Verbindung mit buchstäblicher visueller Beobachtung benutzt wurden. Anscheinend wurden sie von dem Zeitpunkt an benutzt, als Gott seinem Volk seinen heiligen Kalender offenbarte (2. Mose 12; 3. Mose 23; 1. Samuel 20,5. 24-27).

„Obwohl es durch zahlreiche alttestamentliche Stellen offensichtlich ist, dass die alten Hebräer zumindest einen grob gerechneten Kalender besaßen [siehe hierzu 1. Samuel 20,5-27], überlieferten sie uns an keiner Stelle einen vollständigen Bericht über ihr [Kalender-]System“ (The Interpreter’s Dictionary of the Bible, „Calendar“, Band 1).

Die außergewöhnliche Entscheidung von Hillel II. hat seit mehr als sechzehn Jahrhunderten weitreichende Konsequenzen gehabt. Seine Kalenderberechnungen werden immer noch von den Juden und den meisten Mitgliedern der Kirche Gottes benutzt, die auf der ganzen Welt zerstreut sind.

„Hillel II. sonderte formell alle Monate im Voraus aus und legte alle zukünftigen Schaltjahre fest, bis ein neuer, anerkannter Sanhedrin in Israel eingesetzt wird. Dies ist der permanente Kalender, nach dem die Neumonde und Festtage Gottes berechnet und von den Juden weltweit gefeiert werden. Wie das frühere System der Beobachtung gründet er sich auf das Prinzip des Sonnen-Mond-Jahres. Außerdem wendet er bestimmte Regeln an, nach denen die astronomischen Tatsachen mit den religiösen Vorschriften zusammengelegt werden, woraus ein bewundernswertes Kalendersystem entsteht“ (The Comprehensive Hebrew Calendar, Seite 2).

Die Encyclopaedia Judaica fügt hinzu: „Die allmähliche Standardisierung der Abstände von Schaltjahren musste im Rahmen des siebenjährigen Zyklus des Sabbatjahres erfolgen, da keine der Berechnungsmöglichkeiten im 19-jährigen metonischen Zyklus [zum metonischen Zyklus siehe bitte den Rahmenartikel „Der 19-jährige Zeitzyklus“ in dieser Ausgabe] mit der Regel vereinbar gewesen wäre, kein Schaltjahr in einem Sabbatjahr oder in dem Jahr nach einem Sabbatjahr zu haben.“

Manche nehmen an, dass der permanente Kalender von Hillel II. die Termine für Gottes Festtage auf ganz andere Tage des Monats festsetzt, als ein Kalenderrat dies täte, wenn es heute einen solchen Rat gäbe. Dies ist aber nicht notwendigerweise der Fall. Nach Spier beinhaltet der Kalender von Hillel II. grundsätzlich die gleichen Tage, die die Juden halten würden, wenn sie einen Kalenderrat hätten, der alle Festtage bestimmen würde.

Es ist möglich, dass ein Kalenderrat den Zeitpunkt für das Einfügen eines Schaltmonats justieren würde. Das Urteil eines solchen Rates über Agrarzustände könnte die bereits erwähnten, von Hillel festgelegten Schaltjahre (Jahre 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19) überstimmen. Trotzdem würden die Festtage an den gleichen Terminen im jeweiligen Monat stattfinden.

Auf jeden Fall war es nicht die ursprüngliche Absicht von Hillel, die Festtage allein nach der astronomischen Konjunktion zu bestimmen.

„Ganz offensichtlich war es nicht die Absicht der Kalenderberechnung [von Hillel II.] Rosch Haschanah [den ersten Tag des Monats Tischri] und den Anfang der [nachfolgenden] Monate am Tag der Konjunktion festzulegen. Stattdessen scheinen [in dem permanenten hebräischen Kalender] die Anfänge von Jahren und Monaten im Allgemeinen so justiert zu werden, damit sie mit den Terminen übereinstimmen, die der Sanhedrin auf der Grundlage des Sichtens der Neumondsichel geheiligt hätte“ (Seite 219).

Wann beginnt das heilige Jahr?

Nach dem Wort Gottes fängt jeder Tag mit Sonnenuntergang und jede Woche am „Sonntag“, unmittelbar nach Sonnenuntergang am Ende des Sabbats, an. Jeder Monatsbeginn hat sich, wie gezeigt, am Neumond zu orientieren.

Aber wann beginnt Gott das religiöse Jahr? „Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen“ (2. Mose 12,2). Doch die Bibel sagt uns nicht genau, wann dieser erste Monat im Verlauf des Jahres beginnen soll.

Manche meinen, dass der erste Monat des heiligen Kalenders mit dem Neumond, der unmittelbar vor der Frühjahrstagundnachtgleiche stattfindet, beginnt. Andere meinen, dass es mit dem Neumond unmittelbar nach der Frühjahrstagundnachtgleiche beginnt. Wieder andere meinen, es fängt mit dem Neumond an, der der Frühjahrstagundnachtgleiche am nächsten ist.

Wie beginnen die Juden, die als einzige Gottes Kalender bewahrt haben, den ersten Tag des ersten Monats ihres religiösen Jahres?

Dazu stellt Arthur Spier fest: „Der Monat Nisan [bzw. Abib] mit dem Passahfest zum Beispiel muss im Frühjahr stattfinden“ (Seite 1). Die Tatsache, dass das hebräische Wort für den ersten Monat, Abib, die Bedeutung „grüne Ähren“ hat, zeigt, dass dieser Monat im Frühling stattfindet, wenn die grünen Ähren überall erscheinen.

Der erste Monat im hebräischen Kalender heißt auch Nisan, mit der Bedeutung „anfangen“. Der Monat Abib oder Nisan ist der Anfang des religiösen Jahres (2. Mose 12,2).

Der Comprehensive Hebrew Calendar listete alle jüdischen Festtage für das ganze 20. Jahrhundert auf, von September 1899 bis einschließlich September 2000 n. Chr. Er zeigt, dass das Passah jedes Jahr im 20. Jahrhundert immer im Frühjahr und nie im Winter stattfand. Obwohl der erste Tag des Monats Nisan gewöhnlich nach der Frühjahrstagundnachtgleiche stattfindet, ist dies nicht immer der Fall. Zum Beispiel war der erste Tag von Nisan 1994 am 13. März, aber der Frühling begann erst am 21. März.

Die Bibel offenbart, dass das Passah und die Tage der ungesäuerten Brote immer während des „ersten Monats“ (2. Mose 12; 3. Mose 23) stattfinden müssen. In der Praxis finden sie ebenfalls immer nach der Frühjahrstagundnachtgleiche statt.

Das Laubhüttenfest findet nie ganz im Sommer statt

Schreibt die Bibel vor, dass das Laubhüttenfest immer zur Zeit der Herbsttagundnachtgleiche stattfinden muss? „Das Fest der Lese [sollst du halten], wenn das Jahr um ist“ (2. Mose 34,22). In der jüdischen Übersetzung heißt es: „Und du sollst halten . . . das Fest der Lese zur Jahreswende [tekufah, die Herbsttagundnachtgleiche].“ Wann war „das Jahr um“? Was war die Jahreswende? Dieses hebräische Wort (tekufah oder tekufot in der Mehrzahl) bedeutet „eine Umdrehung, d. h. die Bahn [der Sonne], das Vergehen [der Zeit]“ (Strong’s Exhaustive Concordance).

Die Juden haben dies traditionell so verstanden, dass die Herbsttagundnachtgleiche während oder vor, aber nie nach dem Laubhüttenfest stattfinden soll! Nur die Frühjahrs- und die Herbsttagundnachtgleiche (tekufot) werden in der hebräischen Bibel erwähnt (vgl. 2. Chronik 24,23; 2. Mose 34,22).

„Tekufot (,Jahreszeiten‘): Wie bereits ausgeführt, heißen die vier Jahreszeiten im jüdischen Jahr tekufot . . . (wörtlich: ,Bahn . . . umkreisen‘), das tekufah [die Jahreszeit] von [dem Monat] Nisan [dient] als Hinweis auf die Sonne zur Frühjahrstagundnachtgleiche, von dem Monat] Tammuz [dient] als Hinweis auf die Sonnenwende im Sommer, von [dem Monat] Tischri auf die Herbsttagundnachtgleiche und von [dem Monat] Tevet auf die Sonnenwende im Winter“ (Judaica, „Calendar“, Band 5).

Heute werden im Zusammenhang mit unserem gregorianischen Kalender zwei Begriffe (Tagundnachtgleiche und Sonnenwende) benutzt, um die Anfänge der vier Jahreszeiten zu kennzeichnen. Es gibt zwei Tagundnachtgleichen – im Frühjahr (ungefähr am 21. März) und im Herbst (ungefähr am 23. September). Der gregorianische Kalender hat zwei Sonnenwenden: Sommer (ungefähr am 21. Juni) und Winter (ungefähr am 22. Dezember). Der hebräische Kalender jedoch hat nur ein Wort, tekufah, um alle vier dieser Ereignisse zu kennzeichnen.

Die Juden erkannten, dass es eine Tagundnachtgleiche sowohl im Frühjahr als auch im Herbst gibt – eine Zeit, wenn, wie erwähnt, Tag und Nacht gleich lang waren und das Jahr einen vollständigen Kreislauf vollendet hatte (von Frühling zu Frühling oder von Herbst zu Herbst). Psalm 19, Vers 7 beinhaltet eine weitere Erklärung des Wortes tekufah: „Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um [tekufah] bis wieder an sein Ende.“

Was ist die wirkliche Bedeutung von 2. Mose 34, Vers 22? Es offenbart, dass das „Fest der Lese“ während oder nach der Jahreswende stattfinden sollte, d. h. zu der Zeit, wenn die Herbstsonne ihren jährlichen Lauf vollendet, indem sie in südlicher Richtung den Äquator überquert und damit den Herbst einleitet.

Nach dem permanenten hebräischen Kalender findet das Laubhüttenfest immer während und nach dieser Zeit des Jahres statt. Obwohl das Fest gelegentlich einige Tage vor der Herbsttagundnachtgleiche beginnen kann, findet der restliche Teil des Laubhüttenfestes immer nach der Herbsttagundnachtgleiche statt, womit die biblischen Erfordernisse in 2. Mose 23, Vers 16 und 34, Vers 22 erfüllt werden.

Das Laubhüttenfest darf nie vor der Herbsttagundnachtgleiche (tekufah tischri) enden, die in der nördlichen Hemisphäre gewöhnlich am 23. September stattfindet. Dieses Fest darf nie ganz im Sommer stattfinden!

Lehren ablehnen, die nicht biblisch sind

Wenn wir die hebräischen Schriften richtig verstehen, sehen wir, dass Gott seinen Kalender „Mose und Aaron“ gab (Brüder des Stammes Levi). Aaron und seine Nachkommen wurden später als Gottes priesterliche Familie ausgewählt (alle Hohepriester stammten von Aarons Familie ab). Nur ihnen wurde das zum Bewahren anvertraut, „was Gott geredet hat“.

Dazu gehörte das Bewahren von Gottes wahrem Kalender. Ohne einen solchen Kalender würde Gottes Volk nicht wissen, wann es die sieben jährlichen Festtage Gottes in ihren richtigen Jahreszeiten halten soll, wie dies von den hebräischen Schriften vorgeschrieben wird.

Leider werden manche Angehörige von Gottes Volk durch falsche Lehren bezüglich seines heiligen Kalenders verwirrt. Es gibt heute mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Kalender im Umlauf, von denen alle angeblich „Gottes Kalender“ sein sollen, doch stimmen keine zwei von ihnen miteinander überein!

Einige, die ihren eigenen Kalender gebastelt haben, behaupten, dass man das Passah am 14. Tag des ersten Monats, der während oder nach der Frühjahrstagundnachtgleiche beginnt, halten muss. Jedoch halten die Menschen, die sich nach dieser Regel richten, gelegentlich die ganzen sieben Tage des Laubhüttenfestes und den „achten Tag“, der sich gleich an das Fest anschließt (3. Mose 23,36), im Sommer anstatt – wie in 2. Mose 34, Vers 22 vorgeschrieben wird – im Herbst!

Gelegentlich wird die Broschüre des Ambassador College mit dem Titel Wie oft sollten wir das Abendmahl des Herrn feiern? von einigen zitiert, um ihre Behauptung zu untermauern, dass „der erste Tag des neuen Jahres immer mit dem Tag anfängt, der der Frühjahrstagundnachtgleiche am nächsten ist, wenn der Neumond in Jerusalem dem bloßen Auge erst sichtbar wird“ (Ausgabe 1952, Seite 6).

Diese Aussage ist gewöhnlich richtig, aber nicht immer! Wenn diese Regel in diesem Jahrhundert in den Jahren 1905, 1932, 1943, 1951, 1970, 1989 und 2000 gültig gewesen wäre, hätte das gesamte Laubhüttenfest im Spätsommer stattgefunden, was – wie wir gerade gesehen haben – nicht vorkommen darf!

Aus diesem Grund stehen diejenigen, die der Regel folgen, dass das Passah immer am ersten Vollmond nach der Frühjahrstagundnachtgleiche beginnt, ebenso einem Dilemma gegenüber wie jene, die meinen, dass das neue Jahr immer mit dem Tag beginnt, der der Frühjahrstagundnachtgleiche am nächsten ist, wenn also der Neumond in Jerusalem erst dem bloßen Auge sichtbar wird.

Was bedeutet dies alles? Gott hat seinen heiligen Kalender (gewöhnlich der hebräische oder der jüdische Kalender genannt) durch die Juden (Römer 3,2) bewahrt. Zu den Juden gehören die Leviten sowie viele Priester, die Aarons Nachkommen sind. Gott vertraute ihnen das Bewahren und das Lehren dessen an, was er geredet hat – sein Wort, die hebräische Bibel, und das Wissen um den hebräischen Kalender, der notwendig ist, um Gottes gebotene Feste in ihren festgelegten Jahreszeiten zu halten.

Jeder, der sich selbst ernennt, seinen eigenen Kalender zu basteln und das Zeugnis der Juden abzulehnen, denen Gott das, was er geredet hat, anvertraute, wäre gut beraten, sich an das zu erinnern, was Gott über diejenigen sagt, die sich das Amt bzw. die Funktion von Gottes Priestern anmaßen, wenn Gott sie nicht zu diesem Amt berufen hat (vgl. 4. Mose 16 und 17)!

Jesus hielt die Festtage nach den Terminen, die die Priester damals ausriefen. Heute soll Gottes Volk Jesu Beispiel folgen und den Kalender benutzen, dessen Bewahrung Gott durch die Juden zum Wohl all derjenigen veranlasste, die ihm gehorchen und seine gebotenen Feste halten wollen.

Wann wurde der „biblische“ Kalender eingeführt?

Als Gott den Israeliten in Ägypten sagte, „dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen“ (2. Mose 12,2), brauchten die Israeliten nicht zu fragen, „Herr, was ist ein Monat?“, denn der Begriff „Monat“ war ihnen offensichtlich schon bekannt. Als Gott Mose diese Anweisung gab, sagte er nicht „Monat“ oder „Mond“. Stattdessen benutzte er das hebräische Wort für „Neumond“. Dieses Wort wird im Alten Testament immer wieder benutzt und kennzeichnet den Anfang des hebräischen Monats. Interessant ist, dass fast alle Zivilisationen der Antike den Neumond statt den Vollmond als Ausgangspunkt für den neuen Monat benutzten.

Die Wahrheit ist, dass das Gesetz, das Gott Mose gab, die Existenz eines Kalenders voraussetzt. Für die Herkunft dieses Kalenders gibt es mindestens zwei Möglichkeiten. Wir wissen zum einen, dass Abraham und seine Nachkommen aus Mesopotamien stammten. Ihnen war von Mesopotamien her ein Jahreskalender mit zwölf Mondmonaten bekannt, der gelegentlich justiert wurde, um den Jahreszeiten Rechnung zu tragen. So gesehen kann Gott den Kalender gemeint haben, der Abrahams Nachkommen bekannt war.

Es kann aber auch sein, dass Gott den Israeliten mit dem Auszug aus Ägypten einen neuen, eigenen Kalender gab. So oder so enthält die Bibel keine Details über diesen Kalender und seine Festlegung! Die Bibel sagt nämlich nicht genau, was ein Neumond ist, wie viele Tage es im Monat gibt, wie viele Monate das Jahr hat oder wie das Mondjahr dem Sonnenjahr anzupassen ist. Es klingt unglaublich, aber die einzige klare Anweisung Gottes bezüglich des Kalenders haben wir schon in 2. Mose 12, Vers 2 gelesen: „Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein.“

Fast alles andere, was wir über den Kalender wissen, wissen wir anhand von Schlussfolgerungen über biblische Aussagen oder durch die Tradition. Zum Beispiel: Woran erkennt man in dem eben zitieren Vers, dass es Frühling war? Jüdische Tradition sagt uns das, aber was sagt die Bibel? Den einzigen Hinweis, den die Bibel uns gibt, finden wir in 2. Mose 13, Verse 3-4: „Da sprach Mose zum Volk: Gedenket an diesen Tag, an dem ihr aus Ägypten, aus der Knechtschaft, gezogen seid, denn der Herr hat euch mit mächtiger Hand von dort herausgeführt; darum sollst du nicht gesäuertes Brot essen. Heute zieht ihr aus, im Monat Abib.“ So erfahren wir den hebräischen Namen für diesen Monat. Abib bedeutet „grüne Ähren“, und andere Bibelstellen weisen auf Gerste hin, also ziehen wir daraus den Schluss, dass der Monat Abib der Monat im Jahr ist, wenn es grüne Gerstenähren auf dem Felde gibt – im Frühling.

Warum sind wir auf unsere eigenen Schlussfolgerungen angewiesen, um eine Antwort zu finden? Warum gab Gott uns nicht detaillierte Informationen im Gesetz, wie er es beispielsweise bei den Tieropfern tat? Bei dem Namen Abib bleiben viele Fragen unbeantwortet. Gerstenähren können in zwei aufeinanderfolgenden Monaten grün sein. Welcher Monat ist dann Abib? Ist es der erste Monat? Was ist, wenn die Ähren erst in der zweiten Hälfte des Mondzyklus grün werden? Wenn dieser Monat der erste Monat sein soll, dann hätte man die Festtage bereits zum Teil verpasst.

Eine andere Frage: Wie sieht es mit der Länge des Monats aus? Soll ein Monat, der sich auf den Mondzyklus gründet, nur volle Tage enthalten, oder soll man streng nach dem Mond gehen und mitten am Tage einen neuen Monat ausrufen, wenn der Neumond eintritt? Das hieße z. B., in der Nacht und vormittags könnte noch der alte Monat sein, am Nachmittag dann der neue Monat – das, weil der durchschnittliche Mondzyklus einen Bruch von etwas mehr als einem halben Tag aufweist. Auf diese und andere Fragen zum Kalender gibt uns die Bibel keine Antworten. Antworten sind aber notwendig, um einen Kalender zu haben.

Wie soll der Monatsanfang bestimmt werden?

Diejenigen, die die Berechnung der Neumond-Konjunktion ablehnen, argumentieren in etwa wie folgt: „Zur Bestimmung des Neumondes geht man einfach nach draußen und schaut, ob man schon die Neumondsichel sehen kann. Sieht man sie, so ist das der erste Tag des Monats. Sieht man sie nicht, ist noch kein Neumond bzw. Monatsanfang.“

Sehr einfach! Nur, keine Stelle der Bibel sagt das aus. Sich ein paar Bücher angesehen zu haben und der Zugang zum Internet sind kein Ersatz für die Recherchen seriöser Bibelforscher, die sich ausgerechnet in diesem Punkt gegenseitig bestätigen. Dazu einige Beispiele:

Aus Astronomy in the Old Testament von G. Schiaparelli: „Im Alten Testament gibt es keinen Hinweis, wie der Anfang des Monats festgelegt wurde“ (Seite 103).

Aus Empires of Time von Anthony F. Aveni: „Die Frühjahrstagundnachtgleiche wurde beim hebräischen Kalender mit dem Mond als seine Grundlage nicht präzise beobachtet. In der Tat sind uns die Details nicht bekannt, wie man den Monat Nisan festlegte“ (Seite 115).

Aus The Universal Jewish Encyclopedia, Stichwort „Kalender“: „Wenig ist bekannt über die Prozedur zur Festlegung des Monatsanfangs.“

Aus The Anchor Bible Dictionary, Stichwort „Kalender“: „Biblische Literatur aus der Zeit vor, in und nach dem Exil enthält viele Termine und Hinweise auf einen Kalender, bietet aber keine systematische Aussage über das Wesen des in Juda benutzten Kalenders . . . Kein Teil der Bibel oder gar die Bibel als Ganzes legt den vollständigen Kalender dar.“

Aus The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Stichwort „Kalender“: „Moderne Bibelstudenten [sollten] erkennen, dass es nicht möglich ist, von einem [ausschließlich] biblischen Kalender zu reden.“

Eigentlich könnte man behaupten, dass es heute, wenn die Bibel den Begriff „Neumond“ klar definiert hätte – wie z. B. beim siebten Tag der Woche als Sabbat –, keine Meinungsverschiedenheiten in diesem Punkt gäbe. Die unterschiedlichen Meinungen beweisen ja gerade, dass die Bibel keine klare Aussage macht!

Der Kalender als Machtinstrument

Es ist eine merkwürdige Besonderheit der langen Geschichte des Judentums, dass viele jüdische Splittergruppen bemüht waren, den jüdischen Kalender zu verändern. Dazu ein Zitat aus dem Buch Intercalation and the Hebrew Calender: „Es hat fast keine Dissidentengruppe im Judentum gegeben, die nicht mit dem Versuch in Verbindung gebracht wurde, den Kalender zu manipulieren“ (Seite 260).

Ob bewusst oder unbewusst, waren solche Bemühungen jener Splittergruppen ein Versuch, eine eigene Legitimation zu etablieren, und zwar nach dem Motto: „Wir sind die richtigen, denn wir können euch sagen, wann Gottes Festtage zu halten sind.“ In diesem Denken ist auch der Vorwurf enthalten, ganz gleich, ob er ausgesprochen wird oder nicht: „Wenn ihr andere Tage haltet als wir, irrt ihr euch, denn wir haben den richtigen Kalender.“

Die Vorfälle dieser Art in der langen jüdischen Geschichte haben einen interessanten Präzedenzfall, der sich bei der ersten großen Spaltung in der Geschichte Israels ereignete. Fünf Jahre nach König Salomos Tod spaltete sich das Volk Israel in zwei getrennte Nationen, das Haus Israel – die zehn Stämme – im Norden, und das Haus Juda im Süden.

Der König vom Haus Israel, Jerobeam, hatte Angst, sein Volk würde ihm abtrünnig, wenn es wie gewohnt jedes Jahr zu den großen Festen nach Jerusalem reisen würde. Deshalb verlegte er den Termin für das Herbstfest. Er schuf sozusagen seinen eigenen Kalender:

„Und Jerobeam dachte in seinem Herzen: Das Königtum wird nun wieder an das Haus David fallen. Wenn dies Volk hinaufgeht, um Opfer darzubringen im Hause des Herrn zu Jerusalem, so wird sich das Herz dieses Volks wenden zu ihrem Herrn Rehabeam, dem König von Juda, und sie werden mich umbringen und wieder Rehabeam, dem König von Juda, zufallen . . . Und der König . . . sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, dass ihr hinauf nach Jerusalem geht . . . Und er machte ein Fest am fünfzehnten Tag des achten Monats wie das Fest in Juda und opferte auf dem Altar“ (1. Könige 12,26-28. 32; Hervorhebung durch uns).

Diejenigen, die die Festtage halten, jedoch einen anderen Kalender als den jüdischen benutzen, sind in vielen Fällen geistliche Einzelkämpfer oder Einsiedler, die sich der Disziplin der Gemeinschaft entziehen, wie auch jüdische Sekten zu Jesu Lebzeiten dies taten. Sie wollen Lehrer sein, und ihre Fragen zum Kalender, wie Paulus schrieb, bringen nur „mehr Streitfragen“ hervor.

Zu Jesu Lebzeiten war es nicht anders. Ab und zu hört man die Behauptung dilettantischer Bibelforscher, die Gemeinde des Neuen Testamentes wäre von der jüdischen Sekte der Essener beeinflusst worden oder mit ihr liiert gewesen. Die Essener lehnten jedoch die Entscheidungen des Sanhedrin ab; ihr Name leitet sich von einem Wort ab, das „Außenseiter“ bedeutet.

Ausgrabungen in Qumran weisen auf einen eigenen Kalender der Essener hin, der im Gegensatz zum jüdischen Kalender eine volle Anzahl von Wochen im Jahr enthalten musste. So gesehen hielten die Essener andere Termine für die Festtage als die Juden in Jerusalem.

Deshalb ähnelt die Wahrscheinlichkeit, dass die Essener in Qumran im Kreuzigungsjahr Jesu das Passah am gleichen Termin hielten wie die übrigen Juden, der Wahrscheinlichkeit eines Volltreffers im Mittwochslotto. Jesus wurde hingegen an dem Tag gekreuzigt, den der Sanhedrin in Jerusalem als 14. Tag des ersten Monats ausgerufen hatte.

So gesehen bestimmte Jesus den Termin seines Todes nicht selbst, sondern er starb an dem Tag, den der Sanhedrin als Passah festgelegt hatte. Wird Jesus den Posaunentag, den möglichen Tag seiner Rückkehr, selbst bestimmen, oder wird er sich wieder nach dem Termin richten, der als Posaunentag ausgerufen wurde? Wenn ja, wer wird diesen Termin festlegen? Wird ihn eine unbedeutende christliche Sekte bestimmen, der überhaupt keine Juden angehören? Oder wird es der Termin sein, den die überwiegende Mehrheit der Juden und wahren Christen anerkennen?

Und die Rückkehr zum Kalender des Mose?

Wie sieht es aus mit der Mahnung derjenigen, die den jüdischen Kalender ablehnen, man solle zu „dem Kalender, den Gott Mose gab“, zurückkehren? Tatsache ist, dass der Kalender, den Israel im Laufe seiner Geschichte benutzte, justiert wurde. Diejenigen, die seriöse Forschung auf diesem Gebiet machen, sind sich zum Beispiel einig, dass der Kalender, der von den Juden zu Jesu Lebzeiten benutzt wurde, nicht genau derselbe Kalender war, den die Israeliten unter Mose benutzt haben.

Aus dem bereits zitierten Astronomy in the Old Testament von G. Schiaparelli (Seite 104): „Zu verschiedenen Zeiten benutzten die Israeliten unterschiedliche Systeme für die Monate.“

Aus The Calendar of the Book of Jubilees, Its Origin and Character: Astronomy in the Old Testament von Julian Morgenstern (Seite 35): „Israel benutzte mindestens drei und möglicherweise vier verschiedene Kalender während seiner langen Geschichte.“

Mit anderen Worten: Auch Jesus hätte man den Vorwurf machen können, er habe Festtage nach einem Kalender gehalten, der nicht genau der Kalender war, den Mose benutzte!

Beim Kalender hatten die ersten Christen, die alle Juden waren, keinen Konflikt mit dem Kalender, den der Sanhedrin festlegte. Wie bereits erwähnt, hatte Jesus diesbezüglich auch keinen Konflikt mit dem Sanhedrin.

Heute haben die Ältesten der United Church of God den jüdischen Kalender eingehend untersucht und keinen Handlungsbedarf für die Schaffung eines neuen Kalenders erkannt. Selbst die Weltweite Kirche, die die biblischen Feste nicht mehr als verbindlich ansieht, hat die Gültigkeit des jüdischen Kalenders nicht in Frage gestellt. Wie Paulus in Römer 9, Vers 4 schrieb, gehört den Israeliten „der Gottesdienst“, zu dem auch Gottes angeordnete Festtage und folglich auch der Kalender, der diese Festtage festlegt, gehören.

Der 19-jährige Zeitzyklus

Der hebräische Kalender bringt das Mondjahr mit dem Sonnenjahr dadurch in Einklang, dass es ca. alle drei Jahre einen dreizehnten Monat hinzufügt. Dieser zusätzliche Monat (wodurch ein „Schaltjahr“ entsteht) wird siebenmal in jedem 19-jährigen Zyklus des permanenten hebräischen Kalenders eingefügt. Das heißt, alle 19 Jahre fallen die Neumonde auf die gleichen Tage des Sonnenjahres.

Auch die Griechen hatten einen 19-jährigen Zeitzyklus, der nach dem griechischen Astronomen Meton benannt wurde, der den „metonischen“ Zyklus ca. 432 vor Christus entdeckte. Obwohl der griechische Zyklus gleich lang ist wie der jüdische 19-jährige Zyklus, werden seine sieben „Schaltjahre“ anders eingefügt: nämlich in Jahren 3, 5, 8, 11, 13, 16 und 19, statt nach dem jüdischen Kalender in Jahren 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19.

Nur vier Jahre des metonischen Zyklus stimmen mit dem jüdischen Zyklus überein. Das bedeutet, dass drei der sieben Schaltjahre im metonischen Zyklus mit den entsprechenden Schaltjahren des jüdischen Kalenders nicht übereinstimmen.

Bei der Anwendung des metonischen Zyklus wären viele der Termine für Gottes Festtage anders als beim 19-jährigen jüdischen Zyklus. Darüber hinaus trägt der metonische Zyklus dem siebenjährigen Sabbatjahr (vgl. 3. Mose 25) keine Rechnung. Doch Gott gab sein Gesetz bzw. seinen Kalender nicht den Griechen, sondern seinem Volk Israel.

– INTERN November-Dezember 2016 PDF-Datei dieser Ausgabe

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