Glauben Sie an die Dreieinigkeit?

Leser fragen, wir antworten

Frage: Ich beziehe Ihre Zeitschrift und höre auch Predigten von Ihren Predigern. Alles, was ich höre und lese, prüfe ich am Wort unseres Herrn. Ich habe kein falsches Wort gefunden. Wie also kommt man im Internet (Wikipedia) bei der Vorstellung Ihrer Lehre dazu, die Vereinte Kirche als „nichttrinitarisch“ einzuordnen? Können Sie in einer der nächsten Ausgaben zu dieser Feststellung Stellung beziehen?

Antwort der Redaktion: Wir danken Ihnen für Ihre positive Einschätzung unserer Arbeit und freuen uns besonders über Ihre Bereitschaft, alles anhand der Bibel zu überprüfen. Damit folgen Sie dem Beispiel der Juden zu Beröa, die in ähnlicher Weise die Predigten des Apostels Paulus analysierten (Apostelgeschichte 17,11).

Mit „nichttrinitarisch“ werden diejenigen Christen identifiziert, die sich im Gegensatz zum abgewandelten Christentum unserer Zeit nicht an die Lehre der Dreieinigkeit halten. Wir lehnen den heiligen Geist als dritte Person der Gottheit ab. Daher gelten wir als „nichttrinitarisch“.

Als Erstes stellen wir fest, dass das Wort „Dreieinigkeit“ nirgends in der Bibel vorkommt. Es wurde als religiöser Begriff in der christlichen Theologie erst nach dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) allgemein gebräuchlich, mehr als 200 Jahre nach der Abfassung der letzten Bücher der Bibel. Geht man also von der Bibel aus, so war dieser Begriff zur Zeit Jesu Christi unbekannt – eine Tatsache, die heutige Theo­logen wissen.

Das heutige Christentum lehrt die Drei­einigkeit, obwohl viele seiner geschulten Vertreter sehr wohl Kenntnisse da­rüber haben, dass die Bibel die Dreiei­nigkeit nicht ausdrücklich lehrt. In der 1989 von insgesamt über 80 Mitarbeitern bzw. Gutachtern mit hoher akademischer Aus­bildung (47 Dok­toren, 29 Professoren) erarbeiteten und ergänzten 5. Auflage des Evangelischen Erwachse­nen Katechis­mus (1989, Güters­loher Verlagshaus Gerd Mohn, Seite 465) beginnt der einleitende Satz zum Thema Dreieinigkeit: „Im Neuen Testament fehlt zwar eine ausdrück­liche Lehre von der Dreieinigkeit (Trinität) . . .“

Als weiteres Beispiel sei das Werk Kirchliche Dogmatik (EVZ-Verlag, 1964, Zürich) vom bekannten Theologen Karl Barth erwähnt. Darin heißt es in dem Abschnitt „Wurzeln der Trinitätslehre“ (Seite 325): „Die Trinitätslehre ist ein Werk der Kirche . . . ein Dokument der Theologie . . . Der Text der Trinitätslehre . . . ist nicht etwa identisch mit einem Stück des Textes des biblischen Offenbarungszeugnisses. Dass die Trinitätslehre ‚nicht in der Bibel steht‘, das haben natürlich die Kirchen- und Konzilsväter und erst recht später die Reformatoren . . . auch gewusst. Sie haben aber mit Recht in Abrede gestellt, dass es für die Legitimität, d. h. Biblizität, darauf ankomme.“

Mit Hinweis auf eine Reihe von Dogmen im traditionellen Christentum (z. B. Maria, Fegefeuer, Siebenzahl der Sakramente, Unfehlbarkeit des Papstes sowie spezifische Dogmen des protestantischen Modernismus wie z. B. von der geschichtlichen Entwicklung der Offenbarung usw.) erklärt Barth weiter: „Wir sehen die Wurzeln nicht, die diese Lehren in der Offenbarung bzw. in deren biblischer Bezeugung haben müssten, um Dogmen sein zu können“ (ebenda, Seite 327).

Anerkannte einflussreiche Theologen erklären also freimütig, dass von Kirchen- und Konzilsvätern, von Reformatoren und von heutigen Theologen etablierte Dogmen Gültigkeit haben – auch wenn sie nicht in der Bibel stehen und ausschließlich menschliche Überlegungen und Schlussfolgerungen sind. Mit diesem offenen Geständnis dürfte verständlich werden, warum das heutige Christentum in vielen seiner Lehren anders ist als das des Neuen Testamentes.

Die Zeitschrift Gute Nachrichten orien­tiert sich an den Lehren der ersten Christen. Die Gemeinde zur Zeit der Apos­tel kannte die Lehre der Dreieinigkeit nicht. Ihre Lehren gründeten sich auf die Heilige Schrift.

Statt eine bestimmte Person zu sein, wird der heilige Geist in der Bibel als göttliche Kraft offenbart (Sacharja 4,6; Micha 3,8). Paulus schrieb Timotheus, dass der hei­lige Geist ein Geist „der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ ist (2. Ti­mo­theus 1,7; alle Hervorhebungen durch uns). Lukas hält fest, dass Jesus sein Predigeramt „in der Kraft des Geistes“ aufnahm (Lukas 4,14). Seinen Jüngern sagte Jesus Christus bezüglich des Geistes, den sie nach seinem Tod erhalten sollten: „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird“ (Apostelgeschichte 1,8).

Wäre der heilige Geist eine Person, so hätte Jesus im Gebet die „falsche“ Person angerufen. In Matthäus 1, Vers 20 lesen wir, dass Jesus vom heiligen Geist gezeugt wurde: „. . . denn das von ihr [Maria] zu erwartende Kind stammt vom heiligen Geist“ (Menge-Übersetzung). Jesus stellte den heiligen Geist niemals als seinen Vater dar. Stattdessen sprach er nur den Vater als seinen Vater an und betete ständig zu ihm, nicht zum heiligen Geist.

In seinen Briefen benutzte der Apostel Paulus diese Grußformel: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ (Römer 1,7). Paulus erwähnt den heiligen Geist nicht – ein unglaubliches Versäumnis, wenn der heilige Geist eine gleichrangige Person wie der Vater und Jesus Christus wäre.

Solche biblischen Beispiele ver­anlassen uns, die Dreieinigkeit als Lehre des modernen Christentums abzulehnen.

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