Die Prophezeiung auf dem Ölberg: Wurden Jesu Worte wahr?

Die Prophezeiung auf dem Ölberg: Wurden Jesu Worte wahr? © Walkerssk/Pixabay
Im Matthäusevangelium, Kapitel 24, gab Jesus Christus seinen Jüngern eine detaillierte Prophezeiung über die Zukunft Judäas und Jerusalems. Ist diese Prophezeiung bereits erfüllt?

Zu Jesu Lebzeiten interessierten sich seine Jünger für die Wiederherstellung des Reiches Israel als eigenständige Nation, wie sie es in der Zeit der Könige David und Salomo gewesen war. Ihre Neugierde veranlaßte sie, Jesus nach dem Zeitpunkt dieser Wiederherstellung zu fragen. Nach fast 2000 Jahren ist Jesu Antwort auf ihre Frage immer noch aktuell.

Von der Redaktion

Seit Jahrhunderten spekulieren gläubige Menschen über die „Endzeit“, die in der Bibel beschrieben wird. Solche Überlegungen sind nichts Neues, denn vor fast 2000 Jahren stellten auch die Jünger Jesu Christi Fragen zu diesem Thema. Einmal fragten sie ihn danach, als sie mit ihm vom gegenüberliegenden Ölberg aus auf den Tempel und das umliegende Gelände in Jerusalem schauten. In einer in Matthäus 24 niedergeschriebenen Prophezeiung sagte Jesus die Zukunft Judäas und Jerusalems im Detail voraus.

Zur Zeit Jesu war der Tempel das prominenteste Bauwerk in Jerusalem, das Reisende aus einiger Entfernung sehen konnten, wenn sie sich der an einem bekannten Kreuzweg der Antike gelegenen Stadt näherten. Einige Jahrzehnte früher hatte Herodes der Große einen grandiosen Plan zur Erweiterung des Tempels und zur Verschönerung seiner unmittelbaren Umgebung gefaßt. Er ließ sogar 1000 Priester als Bauleute ausbilden, um so dem Vorwurf zu entgehen, er hätte „unreine Hände“ am Ausbau des Tempels mitarbeiten lassen. Mit der Umsetzung seines Plans wurde 19 v. Chr. begonnen, und das Projekt wurde erst 63 n. Chr. fertig, lange nach dem Tod von Herodes.

Jesus sagt die Zukunft voraus

Durch maßgefertigte Marmor- und Kalksteinblöcke, die zum Teil bis zu 30 Tonnen wogen, waren der Tempel und sein großangelegter, unterirdisch gestützter Platz mit den verschiedenen Vorhöfen eine architektonische Meisterleistung. Der Schock der Jünger Christi war daher verständlich, als er ihnen sagte: „Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde“ (Matthäus 24,2).

Jesu Feststellung ließ einige seiner Jünger die Fragen stellen: „Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?“ (Vers 3).

In Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 können wir Christi Vorhersage der Zukunft Jerusalems lesen. In der Tat ereignete sich viel von dem, was er seinen Jüngern beschrieb, in den 40 Jahren unmittelbar nach seiner Ankündigung.

Was genau sagte Jesus voraus? Welche Ereignisse fanden in den Jahrzehnten unmittelbar nach seinem Tode statt, und welche sind noch nicht in Erfüllung gegangen? Haben seine Worte mit den zukünftigen Geschehnissen zu tun, die vor seiner Wiederkehr stattfinden werden?

Falsche Propheten und Lehrer

Jesus begann seine Schilderung der Zukunft mit einer Warnung vor Verführung: „Seht zu, daß euch nicht jemand verführe“ (Matthäus 24,4). Diese Warnung war keine direkte Antwort auf die Fragen, die seine Jünger gestellt hatten.

Er fuhr fort: „Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen“ (Vers 5). Daß sich viele auf Jesus berufen und sich als seine Vertreter ausgeben würden, sollte keine Seltenheit sein. Diese falschen Lehrer sollten „viele verführen“.

Kurze Zeit später warnte Jesus in seiner Vorhersage wieder vor dem Auftreten falscher Propheten – falscher religiöser Lehrer. „Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen“ (Vers 11).

Das Neue Testament berichtet von einigen der vielen falschen Lehrer und charismatischen Führer, die die allgemeine Unzufriedenheit der unter römischer Herrschaft lebenden Menschen zu ihrem eigenen Vorteil nutzen wollten.

In Apostelgeschichte 5, Verse 36-37 werden zwei Beispiele dieser Art erwähnt. Ein gewisser Theudas hatte eine Gefolgschaft von ungefähr 400 Männern, aber er „wurde erschlagen, und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut und vernichtet“. Judas der Galiläer war ein weiterer Anführer, der einen Aufruhr anzettelte, aber „der ist auch umgekommen, und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut“. Apostelgeschichte 8 beschreibt Simon, einen Zauberer mit einer großer Anhängerschaft. Er versuchte, den Aposteln die Kraft des Geistes Gottes abzukaufen. Petrus wies ihn aufgrund seiner falschen Geisteshaltung scharf zurecht.

In seinen Briefen an die Korinther, Thessalonicher und Galater warnte der Apostel Paulus vor falschen Lehrern. Gegen Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung stellte der Apostel Johannes in einem Brief fest, daß „der Geist des Antichrists ... jetzt schon in der Welt“ war.

Die durch falsche Lehrer ausgelöste Verwirrung scheint ihren Höhepunkt unter den Juden in den 60er Jahren des ersten Jahrhunderts erreicht zu haben. Josephus, ein jüdischer Historiker jener Zeit, schrieb folgendes zu diesem Thema: „Die Verhältnisse Judäas wurden inzwischen von Tag zu Tag zerrütteter. Denn das Land war abermals voll von Räubern und von Betrügern, die das Volk irreleiteten“ (Jüdische Altertümer, 20. Buch, 8. Kapitel, 5. Abschnitt; Hervorhebung durch uns).

Jesus Christus warnte auch, daß „falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten“ (Matthäus 24,24). Diese Verführer waren anders als diejenigen, die Jesus predigten, aber ihre eigenen Auslegungen seinen Lehren hinzufügten, indem einige dieser Scharlatane behaupteten, selbst der Messias zu sein. Geschichtlichen Aufzeichnungen zufolge sollen nicht weniger als 60 Personen im ersten Jahrhundert die Bezeichnung Messias für sich in Anspruch genommen haben.

Kriege und Kriegsgerüchte

Jesus setzte seine Vorhersage mit einer Beschreibung weiterer Trends fort: „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da“ (Vers 6). Die von Jesus vorausgesagte Entwicklung schien in der Mitte der 60er Jahre ihren vorläufigen Höhepunkt zu erreichen.

Bald nach dem Tode des in Judäa herrschenden Königs Agrippa (44 n. Chr.) begann die Unzufriedenheit unter den Juden zu wachsen, als ein korrupter römischer Verwalter nach dem anderen in der Region eingesetzt wurde. Als Bevollmächtigte des Kaisers erwiesen diese Verwalter den religiösen Praktiken der Juden keinen Respekt.

Das Einfordern eines hohen Tributs vom Gold der Tempelschatzkammer gab den Juden endgültig den Rest. Als sie gegen diese Entweihung ihres Tempels und ihrer Glaubensausübung protestierten, ließ Florus, der römische Statthalter in Judäa, seine Truppen den Protest gewaltsam beenden. In dem resultierenden Blutbad starben 3600 Juden in Jerusalem, und der Widerstand artete in offener Rebellion aus und verbreitete sich schnell. Jüdische Fraktionen stritten beim Aufstand um die Führungsrolle.

Zur damaligen Zeit fand der Krieg nicht nur in Judäa, sondern auch in anderen Teilen des Römischen Reiches statt. Josephus beschreibt die Situation so: „Aber nicht in Judäa allein tobte Aufruhr und Bürgerkrieg, sondern auch in Italien. Galba [der nach dem Selbstmord Neros Anspruch auf den Thron des Kaisers erhob] nämlich war mitten auf dem Forum zu Rom ermordet worden. Zum Imperator wurde Otho ausgerufen, der indes mit seinem von den germanischen Legionen erwählten Nebenbuhler Vitellius im Kampfe lag. Bei Bedriacum in Gallien kam es zwischen Otho und den Heerführern des Vitellius, Valens und Caecinna, zur Schlacht, in welcher am ersten Tage Otho, am zweiten das Heer des Vitellius die Oberhand behielt. Nachdem viel Blut geflossen war, tötete Otho ... sich selbst“ (Geschichte des Jüdischen Krieges, 4. Buch, 9. Kapitel, 9. Abschnitt).

Genau so, wie Jesus es vorausgesagt hatte, wurde die Welt – das Römische Reich – von Krieg und Kriegsgerüchten erschüttert. „Denn das muß so geschehen“, fügte er hinzu, „aber es ist noch nicht das Ende“, nach welchem seine Jünger ihn gefragt hatten (Vers 6). Jesus sagte nämlich weitere Ereignisse voraus.

Hungersnot, Seuchen und Erdbeben

Fast immer sind Lebensmittelknappheit und Seuchen eine Begleiterscheinung des Kriegs. Säen, Ernten und der normale Handel werden erschwert bzw. unterbrochen. In der Antike wurden bei Kriegen oft Städte belagert. Ihr Überleben hing von dem Haushalten mit den Nahrungsvorräten ab, die innerhalb der Stadtmauern gelagert waren. Jesus beschrieb die Zustände, die das Resultat von Krieg und sozialer Unruhe sind.

„Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen“ (Matthäus 24,7-8; Hervorhebung durch uns). Das römische Heer isolierte Jerusalem systematisch von seinem Umfeld, indem die umliegenden Städte und Dörfer nach und nach belagert und besetzt wurden.

Als Titus, der römische General, die Belagerung Jerusalems einleitete, ließ er einen 8 km langen Schutzwall rings um Jerusalem errichten, um das Entkommen der Einwohner und das Schmuggeln von Lebensmitteln zu verhindern. Langsam gingen die Vorräte in der Stadt zur Neige, und als erste verhungerten die Schwachen.

Ein Großteil des Leidens in Jerusalem erfolgte, als seine Bürger sich gegenseitig bekämpften, eine Konsequenz ihrer alptraumartigen Situation. Jesus sagte auch diese Entwicklung voraus: „Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen ... Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten“ (Matthäus 24,10. 12).

Josephus berichtete, daß die in Jerusalem streitenden Fraktionen sich gegenseitig die Getreidevorräte vernichteten, mit deren Hilfe sie sich jahrelang hätten ernähren können. Die Vernichtung ihrer Lebensmittelvorräte begünstigte die später einsetzende Hungersnot. Unter Historikern wird die Meinung vertreten, daß in den drei Jahren der Belagerung Jerusalems mehr Juden durch Untaten ihrer eigenen Landsleute als durch das Einwirken der römischen Soldaten umgekommen sind.

Das Greuelbild der Verwüstung

Im weiteren Verlauf seiner Prophezeiung beschrieb Jesus eine ominöse Entwicklung. „Wenn ihr nun sehen werdet das Greuelbild der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel, – wer das liest, der merke auf! –, alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist“ (Matthäus 24,15-16). Ungefähr dreieinhalb Jahrhunderte nachdem Daniel seine Prophezeiung niederschrieb (Daniel 11,31; 12,11), drang das Heer von Antiochus Epiphanes 168 v. Chr. in Jerusalem ein, tötete viele Einwohner der Stadt und opferte Schweine auf dem Altar des Tempels.

Was war jedoch das Greuelbild der Verwüstung in den späten 60er Jahren des ersten Jahrhunderts? Der Historiker Josephus schrieb dazu: „Als ... der Tempel mit allen seinen Nebengebäuden in Flammen stand, brachten die Römer ihre Feldzeichen in die geweihten Räume, pflanzten sie gegenüber dem östlichen Tore auf, opferten ihnen daselbst und begrüßten unter lauten Jubelrufen Titus als Imperator“ (Geschichte des Jüdischen Krieges, 6. Buch, 6. Kapitel, 1. Abschnitt). Wieder wurde ein grauenhaftes Opfer am Tempel dargebracht, der diesmal von den römischen Soldaten verwüstet wurde.

In seinem Parallelbericht über die Prophezeiung Jesu fügt der Evangelist Lukas ein weiteres wichtiges Detail hinzu: „Wenn ihr aber sehen werdet, daß Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, daß seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein. Denn das sind die Tage der Vergeltung, daß erfüllt werde alles, was geschrieben ist“ (Lukas 21,20-22).

Im Jahre 66 n. Chr. rebellierte ein Teil der Juden aufgrund der zunehmend unterdrückenden und korrupten Herrschaft der Römer. Cestius Gallus, Militärgouverneur in Syrien, leitete die zwölfte römische Legion, die den jüdischen Aufstand niederschlagen sollte. Er plünderte und brannte die Stadt Sebulon in Galiläa nieder und zog weiter nach Jerusalem.

Bemerkenswert war nach dem Bericht von Josephus, wie der römische Befehlshaber seine Belagerung Jerusalems vorzeitig beendete: „Cestius nämlich, der weder von der Verzweiflung der Belagerten noch von der Stimmung des Volkes Kenntnis zu haben schien, ließ plötzlich seine Soldaten den Rückzug antreten ... und verließ unbegreiflicherweise die Stadt“ (Geschichte des Jüdischen Krieges, 2. Buch, 19. Kapitel, 7. Abschnitt).

Eusebius, der im vierten Jahrhundert lebte, berichtete, daß die Mitglieder der Kirche in Jerusalem in dieser Zeit ein Zeichen erhielten, „das durch Offenbarung denen in Jerusalem gegeben wurde, die ,auserwählt‘ waren, wonach sie die verhängnisvolle Stadt verlassen und in Pella Zuflucht suchen sollten“ (F. F. Bruce, New Testament History, 1980, Seite 375). Pella lag jenseits des Jordans in einer relativ sicheren Gegend.

Zeichen am Himmel

In seinem Bericht zitiert Lukas Jesus wie folgt: „Es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte und Seuchen; auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen“ (Lukas 21,11). Weiter heißt es bei Lukas: „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres“ (Vers 25).

61 n. Chr. suchte ein Erdbeben Phrygien in Kleinasien heim und richtete erhebliche Verwüstungen an. Ein oder zwei Jahre später zerstörte ein Erdbeben in der Nähe des Vesuvs in Italien die halbe Stadt Pompeji. (Siebzehn Jahre später wurde die Stadt bei einem Vulkanausbruch vollständig begraben.) Zwischen 66 und 70 n. Chr. gab es nach Josephus erschreckende Erscheinungen am Himmel in der Gegend in und um Jerusalem:

„Ein schwertähnliches Gestirn [stand] über der Stadt und ein Komet [blieb] ein ganzes Jahr lang am Himmel, und ferner, als gerade vor dem Aufstand und den ersten kriegerischen Bewegungen, da das Volk beim Fest der Ungesäuerten Brote am achten des Monats Xanthikos versammelt war, um die neunte Stunde ein so starkes Licht den Altar und den Tempel umstrahlte, daß man hätte glauben sollen, es sei heller Tag, eine Erscheinung, die fast eine halbe Stunde anhielt ... Wenige Tage nach dem Fest, am einundzwanzigsten des Monats Artemisios, zeigte sich eine gespensterhafte, kaum glaubliche Erscheinung.

Was ich erzählen will, könnte man für ein Märchen halten, wäre es nicht auch von Augenzeugen berichtet und von dem Unglück gefolgt worden, das nach derartigen Zeichen einzutreten pflegt. Vor Sonnenuntergang nämlich sah man über der ganzen Gegend in der Luft Wagen und bewaffnete Scharen durch die Wolken dahineilen und Städte umkreisen. Weiterhin vernahmen am sogenannten Pfingstfest ihrer Versicherung gemäß die Priester, als sie in der Nacht, wie ihr Dienst es mit sich brachte, in den inneren Vorhof traten, zuerst ein Getöse und Rauschen, und später auch den vielstimmigen Ruf: ,Lasset uns von hinnen ziehen!‘ “ (Geschichte des Jüdischen Krieges, 6. Buch, 5. Kapitel, 3. Abschnitt).

Bei Matthäus setzen wir unsere Lesung der prophetischen Worte Jesu fort: „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird“ (Matthäus 24,21). Als nächstes folgte in der Tat eine große Bedrängnis. Im Spätsommer des Jahres 70 n. Chr. durchbrach das Heer des Titus die letzte noch verbliebene Stadtmauer Jerusalems. Der großartige Tempel, der nur sieben Jahre zuvor fertiggestellt worden war, wurde verbrannt, als die Kriegsmaschinerie des Titus die heilige Stadt in einen Schutthaufen verwandelte.

Man schätzt, daß zwischen 600 000 und einer Million Männer, Frauen und Kinder in der Belagerung und anschließenden Eroberung Jerusalems starben. Die Überlebenden wurden gefangengenommen, und von ihnen starben viele als Teil der Unterhaltung der Zuschauer im römischen Circus zu Cäsarea.

Zukünftige Erfüllung

Viele Gelehrte erkennen das Prinzip der Dualität in den Prophezeiungen der Bibel. Das heißt, viele Prophezeiungen haben eine erste Erfüllung, der eine spätere, zweite Erfüllung folgt. Jesus selbst bestätigte dieses Prinzip, als er die Prophezeiung Daniels in bezug auf „das Greuelbild der Verwüstung“ erwähnte (Matthäus 24,15). Die Juden seiner Zeit verstanden sehr wohl, daß Antiochus Epiphanes den Tempel entweiht und damit die Prophezeiung Daniels ca. 200 Jahre vor Christus erfüllt hatte. Doch Jesus machte klar, daß Daniels Prophezeiung nochmals erfüllt werden sollte.

Die Ereignisse in der Zeit zwischen 66 und 70 n. Chr. sind ein Vorgeschmack dessen, was noch stattfinden muß. Wie lautete denn die Frage, die Jesu Jünger stellten? „Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?“ (Vers 3). Jesu Wiederkehr fand nicht 70 n. Chr. statt.

Diese Tatsache beweist, daß die damaligen Ereignisse nicht die primäre Erfüllung seiner Prophezeiung sind. Die Jahrzehnte unmittelbar nach dem Tode Jesu leiteten nicht die Endzeit ein, die in der Wiederkehr Jesu gipfeln wird. Damals war die Zeit noch nicht reif für die Ereignisse, die zum Eingreifen Gottes in das Weltgeschehen führen werden. Was wird dieses Eingreifen auslösen?

Noch ist nicht alles erfüllt

Eine gründliche Untersuchung der Worte Christi ergibt, daß nicht alle seiner Prophezeiungen erfüllt wurden, noch konnten sie damals erfüllt werden. Jesus warnte uns, daß die Zeit unmittelbar vor seiner Rückkehr einmalig in der Geschichte sein wird. „Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden“ (Verse 21-22; Elberfelder Bibel).

Zur Zeit Christi war das Überleben der gesamten Menschheit durch die Unruhen in der römischen Provinz Judäa nie in Frage gestellt. Heute hingegen ist die Möglichkeit gegeben, daß alles Leben in einem katastrophalen Krieg ausgelöscht werden könnte. Vor 2000 Jahren konnte man sich, menschlich gesehen, unsere heutige Situation überhaupt nicht vorstellen. Daß Jesus die heutige Lage voraussagte, ist in sich ein Beweis für die göttliche Inspiration und die Zuverlässigkeit der Bibel!

Jesus Christus wußte, daß seine Kirche in der Zeit vor seiner Wiederkehr aktiv sein wird: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen“ (Vers 14). Es dauerte nicht lange, bis die Kirche mit dem Predigen des Evangeliums begann. Zu Pfingsten, nur sieben Wochen nach der Auferstehung Jesu, war es soweit. Christus hatte ihnen nämlich gesagt, daß sie seine Zeugen sein sollten: „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 1,8).

Durch ihr Wirken wurden viele neue Bücher der Bibel geschrieben, die zusammen das Neue Testament umfassen. Viele Menschen hörten durch ihre Verkündigungsarbeit das Evangelium vom Reich Gottes, das Jesus selbst predigte. Es sind noch viel mehr Menschen, die in der vor uns liegenden Zeit dieselbe Botschaft hören werden!

Zum richtigen Zeitpunkt wird Gott seinen Sohn in Macht und Herrlichkeit wieder zur Erde senden, um das Reich Gottes auf der Erde zu etablieren. Mittels einer Vision durfte der alttestamentliche Prophet Daniel die „Krönung“ Jesu vor seinem himmlischen Vater beschreiben: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende“ (Daniel 7,13-14).

Hunderte von Versen in der Bibel bestätigen diese wunderbare Zukunft. Dazu sagte Jesus: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Matthäus 24,35). Jedes einzelne Wort der Ölbergprophezeiung Jesu Christi wird in Erfüllung gehen!

– Gute Nachrichten September-Oktober 2003 PDF-Datei dieser Ausgabe

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