„Kampf der Religionen“ als Definitionssache

Kampf der Religionen als Definitionssache © Unsplash
Wenn der Feldzug in Afghanistan wie behauptet nur der Beseitigung des Terrorismus gewidmet ist, wäre eine Diskussion um einen vermeintlichen „Kampf der Religionen“ für uns eine Definitionssache.

Von der Redaktion

Die Ereignisse vom 11. September in New York und Washington und der zu erwartende Gegenschlag der von den USA zusammengeschmiedeten Koalition gegen den Terrorismus lösten unterschiedliche Reaktionen aus. Einige Beobachter befürchteten, der Kampf gegen den Terrorismus könnte als Kampf der Religionen gewertet werden: Christentum kontra Islam. Schließlich stammten die Terroristen vom 11. September aus Ländern, in denen der Islam zweifelsohne die dominante Religion ist. Hinzu kamen die Verlautbarungen der Taliban- bzw. Al Qaida-Führung, mit den Anschlägen habe der Kampf gegen die Ungläubigen begonnen.

Besonderes Lob verdienen deshalb die besonnenen Stimmen im Westen wie auch im Orient, die davor warnten, die Lage stereotyp als Kulturkampf zwischen dem Christentum und dem Islam darzustellen. In diesem Sinne beteuert US-Präsident George W. Bush seit Wochen, auch bei Treffen mit Vertretern der muslimischen Gemeinde in den USA, der Militärschlag der Koalition sei nicht gegen Araber oder den Islam schlechthin, sondern allein gegen den Terrorismus gerichtet.

Auch wenn der gegenwärtige Feldzug in Afghanistan wie behauptet nur der Beseitigung des Terrorismus gewidmet ist, wäre eine Diskussion um einen vermeintlichen „Kampf der Religionen“ für uns eine Definitionssache, zumindest bezüglich des „Christentums“. Was meinten diejenigen mit dem Begriff Christentum, die in den Tagen nach der zweiten Septemberwoche ihre Sorge verbreiteten?

Wir gehen davon aus, daß sie damit das Christentum unserer Zeit meinten, das in starkem Kontrast zu den Glaubensinhalten, Praktiken und der Überzeugung der ersten Christen steht. Als Beispiel für diesen Kontrast gilt das Ergebnis einer Umfrage, wonach einerseits für 70 Prozent der Deutschen das Weihnachtsfest im Kreise der Familie „heilig“ sei, andererseits nur 20 Prozent der Befragten eine „Heiligkeit“ des Neuen Testamentes anerkennen.

Die unterschiedliche Bewertung des Weihnachtsfestes und des Neuen Testaments ist in sich eine Erklärung für das Christentum unserer Zeit. Es ist eine Religion, die sich auf viele Traditionen, Bräuche und Ansichten stützt, die Jesus, seinen Aposteln und den ersten Christen unbekannt waren und die deshalb in der Bibel nicht zu finden sind. Das Christentum der ersten Christen hingegen findet man in der Bibel.

So ist es erklärlich, daß das Fest, mit dem angeblich der Geburtstag Jesu als Sohn Gottes gefeiert wird, einerseits für das moderne Christentum wichtig ist, während andererseits nur eine Minderheit der Konfessionschristen in Deutschland glaubt, daß Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist und wie verheißen auf die Erde zurückkehren wird. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, daß vor Weihnachten Spielfilme wie Harry Potter und Der Herr der Ringe die Faszination der heranwachsenden Generation – und deren Eltern – mit bezaubernden Wundern eroberten.

In der vorliegenden Ausgabe greifen wir zwei dieser Themen auf. Auf Seite 4 stellen wir Ihnen eine Zukunftsprognose über das Ende des Leidens vor, und auf Seite 8 gehen wir auf die „Potter-Mania“ ein, die unsere abendländische Gesellschaft in den Wochen zum Schluß des vergangenen Jahres heimsuchte. Darin finden Sie unsere Antworten bzw. unseren Standpunkt: Christentum, wie wir es meinen.

– Gute Nachrichten Januar-Februar 2002 PDF-Datei dieser Ausgabe

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