Was ist das Reich Gottes?

Was ist das Reich Gottes? © lilkar/123rf.com/Wikimedia
Es ist erstaunlich, dass unter den etwas mehr als zwei Milliarden Christen auf der Welt nur wenige sich Gedanken über das Reich Gottes machen.

Manche glauben, es sei der Himmel. Andere sagen, es befände sich hier auf Erden und sei die Kirche. Einige meinen, es gehe um die Verbrüderung unter christlichen Gläubigen. Andere halten es für völlig apokalyptisch. Was hat es mit Jesu Lieblingsthema auf sich?

Von Tom Robinson

Es ist erstaunlich, dass unter den etwas mehr als zwei Milliarden Christen auf der Welt nur wenige sich Gedanken über das Reich Gottes machen. Noch weniger haben auch nur eine Ahnung davon, was es wirklich ist. Erstaunlich, weil Jesus Christus, der Begründer des christlichen Glaubens, uns lehrte, dass das Reich Gottes die oberste Priorität für alle Christen haben sollte. Wie er sagte: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Matthäus 6,33).

Jesus sprach über das Reich in einem Gleichnis nach dem anderen und erklärte, dass nichts wertvoller ist oder größere Bedeutung hat (siehe Matthäus 13,44-45). Dieses Reich war das Hauptthema des Evangeliums – der guten Nachricht –, das Jesus predigte (Markus 1,14-15).

In seiner Anleitung, wie wir beten sollten, lehrte er, dass wir Gott gegenüber diesen inbrünstigen Wunsch zum Ausdruck bringen sollten: „Dein Reich komme“ (Matthäus 6,10; alle Hervorhebungen durch uns).

Was also ist das Reich Gottes? Existiert es zurzeit? Wenn ja, wo befindet es sich? Oder ist es erst zukünftig? Und warum ist es so wichtig?

Himmel oder Hoffnung für die Endzeit?

Ein Grund für die Verwirrung liegt in dem Begriff „Himmelreich“, der mehrmals im Matthäusevangelium vorkommt. Einige haben das als einen Hinweis darauf gesehen, dass wir nach dem Tod in den Himmel kommen – ein weitverbreitetes aber irriges Missverständnis. (Lesen Sie dazu unsere kostenlose Broschüre Nach dem Tode – was dann?, die Sie bei uns bestellen oder im Internet als PDF-Datei herunterladen können.)

Die Parallelstellen in Markus und Lukas verwenden den Ausdruck „Reich Gottes“. Die Begriffe „Himmelreich“ und „Reich Gottes“ sind also bedeutungsgleich. Matthäus schrieb hauptsächlich für eine jüdische Leserschaft, bei der es üblich war, die direkte Erwähnung von Gottes Namen aus Ehrerbietung zu vermeiden. Matthäus hat deshalb den Begriff „Himmelreich“ anstelle von „Reich Gottes“ verwandt. „Himmel“ bedeutet lediglich den Ort, an dem sich Gott befindet.

Die biblischen Propheten bezogen sich sowohl auf die Königsherrschaft Gottes als auch auf seine Herrschaft über den Himmel und die Erde bzw. seine letztendliche Herrschaft über alle Nationen auf Erden. Viele Juden des ersten Jahrhunderts warteten auf das Reich Gottes, wie Josef von Arimathäa (Markus 15,43). Das heißt, dass es für sie etwas Zukünftiges war.

Allgemein glaubte man, dass es dann einen militärischen Umsturz ihrer römischen Besatzer und die Errichtung eines unabhängigen israelitischen Königreiches unter dem von Gott gesandten Messias geben würde. Nach ihrem Verständnis biblischer Prophezeiungen würde dieses irdische Reich gegen Ende dieses gegenwärtigen Zeitalters alle Feinde unterwerfen und dann in einem kommenden glorreichen Zeitalter uneingeschränkt herrschen. Für manche war das gleichbedeutend mit der Zeit des göttlichen Gerichts und der Auferstehung der Toten.

Innerliche Akzeptanz und die Kirche?

Andere begannen jedoch, das Reich Gottes in einem persönlicheren Sinn zu sehen. Laut einer rabbinischen Interpretation bedeutete dieses Reich, dass man Gott als persönlichen König anerkennt. Dies und bestimmte Bibelverse, wie die gelegentlich als „das Reich Gottes ist in euch“ übersetzte Aussage Jesu (Lukas 17,21), haben manche zu der Schlussfolgerung geführt, dass sich der von Jesus gebrauchte Ausdruck „Reich Gottes“ heute grundsätzlich auf die innerliche Anerkennung und persönliche Unterordnung unter Gott als Herrscher bezieht.

Diese Vorstellung hat wiederum viele dazu geführt, die Kirche – den kollektiven Leib aller christlichen Gläubigen – als das Reich anzusehen. Gemäß dieser Auffassung existiert das Reich Gottes bereits auf Erden, und zwar seit fast 2000 Jahren. Indem immer mehr Menschen evangelisiert und dadurch Teil der Kirche werden und so die Herrschaft Gottes in ihrem Leben akzeptieren, so die Sichtweise, breite sich das Reich Gottes zunehmend auf Erden aus.

Einige sind noch weiter gegangen, indem sie behaupteten, dass es die Aufgabe der Kirche sei, die Macht über die gegenwärtige Welt zu übernehmen und überall in der Welt eine biblische Regierung als das Reich Gottes zu etablieren. Man hat sogar militärische Eroberungen vorgeschlagen, während sich andere eine Machtübernahme durch einen politischen Prozess vorgestellt haben. Doch diese Vorstellungen stehen im Gegensatz zu Christi Lehren über das Reich.

Bei unserer Auseinandersetzung mit diesem Thema sollte uns bewusst sein, dass Jesus vom Reich Gottes als einer echten, in einem zukünftigen Zeitalter kommenden Regierung sprach. Er hat auch deutlich gemacht, dass es mehr als das war.

Die Definition und der König über alle Schöpfung

Wenn wir versuchen, das Reich Gottes zu definieren, dann ist es sinnvoll mit der Definition des Wortes Reich zu beginnen. Der Begriff bezieht sich entweder auf die Regentschaft oder Herrschaft eines Monarchen oder den Bereich dieser Herrschaft – das Reichsgebiet.

In beiden Fällen liegen vier Bestandteile vor:

1. der Herrscher selbst;

2. das Herrschaftsgebiet, über das der Monarch regiert;

3. Untertanen bzw. Bürger des Reiches;

4. eine Rechtsordnung und eine Regierung, durch die das Reich verwaltet wird.

Der Begriff „Reich Gottes“ muss sich also im Grunde auf die Führung oder die Regierung Gottes beziehen. Gemäß dieser Definition existiert das Reich heute, da Gott der Herrscher über die gesamte Schöpfung ist, wobei alle ihm von Gesetzes wegen untertan sind. „Der Herr ist König“, verkünden die Psalmen (93,1; 96,10; 97,1; 99,1). Die Bibel bietet aber auch eine Vorschau auf eine Zeit, zu der Gottes Herrschaft allgemein akzeptiert sein wird, was heute noch nicht der Fall ist.

Der heutige Herrscher dieser Welt

Vor der Erschaffung des Menschen erfolgte eine Rebellion gegen Gott durch ein Drittel der Engel unter der Führung eines Erzengels, der jetzt als Satan bezeichnet wird, ein Name, der Widersacher bedeutet (vergleiche Jesaja 14; Hesekiel 28). Satan wurde zusammen mit seinen Kohorten, die als Dämonen bezeichnet werden, auf die Erde niedergeworfen (siehe Lukas 10,18; Offenbarung 12,4). Sie beherrschen heute die Erde.

Unsere ersten menschlichen Eltern entschieden sich dafür, im Garten Eden Satans Verlockungen nachzugeben. Damit sündigten sie gegen Gott (1. Mose 3). Seither herrschen Satan und seine Dämonen über die menschliche Zivilisation.

Die Heilige Schrift sagt uns, dass Satan die gesamte Welt verführt (Offenbarung 12,9) und seine falschen Stimmungen und Einstellungen an eine empfängliche Menschheit „sendet“ (siehe Epheser 2,2). Jesus nannte ihn „Fürst dieser Welt“ (Johannes 12,31; 14,30; 16,11) und bestätigte, dass er ein „Reich“ hat (siehe Matthäus 12,26; Lukas 11,18). Der Apostel Paulus nannte ihn den „Gott dieser Weltzeit“ (2. Korinther 4,4; Einheitsübersetzung).

Diese gegenwärtige Welt ist im Grunde das Reich Satans. Gott hat das jedoch zugelassen, damit die Menschen die Lektionen über ihren falschen Lebensweg lernen und erkennen, was es bedeutet, von Gott abgeschnitten zu sein.

Gott behält aber die übergeordnete Herrschaft über seine Schöpfung (Psalm 29,10; 89,10; Hiob 38,8. 11). Gelegentlich greift er ein, um den letztendlichen Kurs der Nationen gemäß seinem prophezeiten Plan zu bestimmen (siehe Daniel 2,20-21; 4,14. 29. 31-34). Aber das meiste, was persönliche und nationale Angelegenheiten anbelangt, ist auf den mächtigen Einfluss des Teufels zurückzuführen. Das gilt vor allem für das, was im menschlichen Herzen, das „bösartig“ ist, vor sich geht (Jeremia 17,9; Schlachter-Bibel).

Gott, der König Israels

Von der Zeit des Mose bis zur Errichtung der Monarchie unter König Saul regierte Gott selbst das Volk durch seine Richter und Priester. Gegenüber seinem Volk beschrieb der Richter und Prophet Samuel diese Phase der israelitischen Geschichte als eine Zeit, zu der „der Herr, euer Gott, euer König“ war (1. Samuel 12,12). Die Nation Israel war also zu der Zeit in einem gewissen Sinn das Reich Gottes auf Erden.

Aber die Herzen des Volkes waren immer noch stark vom König dieser Welt beeinflusst – von Satan, dem Teufel. Israel lehnte Gottes direkte Herrschaft zugunsten eines menschlichen Monarchen ab, wie ihn die anderen Nationen der Umgebung hatten (1. Samuel 8,7).

Der menschliche König sollte aber Gott repräsentieren und saß sogar „auf dem Thron des Herrn“ (1. Chronik 29,23). Die meisten israelitischen Könige waren schlechte Herrscher. Selbst die gerechteren Könige versagten dabei, Gott immer zu gehorchen und ihn richtig zu repräsentieren.

Die Geschichte des alten Israels und seiner Monarchie enthält eine wichtige Lektion für uns. Selbst wenn eine Nation Gottes Gesetze kennt und seine Gegenwart bei sich und seinen Führern hat, reicht es nicht aus, um den Menschen die Utopie zu ermöglichen, nach der sich die Menschheit sehnt. Das menschliche Herz muss verändert werden. Ebenso muss der Feind Gottes und der Menschen von der Bildfläche verschwinden.

Dieser Tag kommt! Von Anfang an war es Gottes Plan, sein Reich letztendlich über alle Nationen auszudehnen. Dann werden das Volk Israel und seine Führer ein verändertes Herz haben, damit die Israeliten ein gerechtes Vorbild für alle Welt sein können.

Der Messias bzw. Christus wird auf dem Thron Davids regieren

In vielen Prophezeiungen wird ein zukünftiger König vorhergesagt, der von dem Geschlecht König Davids abstammen, als der Messias oder Christus bezeichnet und die Welt regieren wird.

Der Prophet Jesaja schrieb: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit“ (Jesaja 9,5-6).

Ebenso hat der Erzengel Gabriel Maria direkt vor ihrer Empfängnis von Jesus verkündet: „Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob [Israel] in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lukas 1,32-33).

Hier ist eindeutig von einem echten Thron, einer echten Dynastie, einem echten Reich die Rede – das israelitische Reich Gottes wird zum herrschenden Reich über die gesamte Welt.

Als der römische Statthalter Pontius Pilatus Jesus während seines Verhörs fragte, ob er ein König wäre, antwortete Jesus: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll“ (Johannes 18,37). Jesus redete hier nicht von irgendeinem sentimentalen symbolischen Führen von Menschen. Wie viele Bibelstellen verkünden, bezog er sich auf eine Umgestaltung der Weltordnung durch die Ausdehnung seiner Herrschaft auf alle Nationen!

Menschliche Reiche gibt es nicht mehr

In der Antike geriet Israel oft unter die Herrschaft von heidnischen Reichen, die von Satan beherrscht wurden. Die Prophezeiungen haben aber vorhergesagt, dass auf eine Abfolge von großen heidnischen Reichen ein anderes Reich folgen wird, das von Gott kommt.

Wie in Daniel 2 aufgezeichnet ist, gab Gott dem babylonischen König Nebukadnezar einen lebhaften Traum über ein großes, menschenähnliches Bildnis, das aus einer Abfolge von Metallen von Kopf bis Fuß bestand. Seine Füße wurden von einem Stein getroffen, der das Bildnis zu Staub zermalmte und dann zu einem großen Berg wurde, der die gesamte Erde erfüllte (Verse 31-36).

Die unterschiedlichen Teile verkörperten eine Abfolge von vier großen Reichen im Verlauf der Geschichte. Das erste wurde als das babylonische Reich Nebukadnezars beschrieben, während die anderen der Reihe nach folgen würden – das medo-persische Reich, das griechisch-mazedonische Reich und dann das Römische Reich. Das letztere würde in irgendeiner Form bis zum Ende des Zeitalters Bestand haben und dann unter einer Vereinigung von zehn Königen eine Wiederauferstehung erleben. Die gleiche Abfolge wird durch die Vision, die Daniel von vier Tieren in Daniel 7 hatte, beschrieben.

Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass diese Prophezeiungen von buchstäblichen irdischen Reichen handeln. Dann tritt ein fünftes Reich in Erscheinung. Wir sehen es in Daniel 2 in Form des Steins, der wächst, bis er die gesamte Erde erfüllt. Sehen wir hier die Interpretation, die Gott gibt: „Aber zur Zeit dieser Könige [die zehn Könige, die die letzte Auferstehung des Römischen Reiches darstellen] wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen [wie es bei den früheren geschehen war]. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben“ (Vers 44).

Das fünfte Reich, das so wächst, dass es die Erde erfüllt, ist das Reich Gottes – und es ist ein sehr wirkliches Reich, das an die Stelle der früheren irdischen Reiche treten wird. Dies wird in Daniel 7 bestätigt. Dort wird gezeigt, dass die Herrschaft der früheren Reiche abgeschafft und einem „wie einem Menschensohn [der Messias]“ übergeben wird. „Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter“ (Verse 13-14; Einheitsübersetzung).

Hier ist von Jesus, dem Messias, die Rede, der vom Himmel herabfährt, um die Herrschaft über die Welt zu übernehmen. Das ist eine wunderbare, gute Nachricht – die einzige Hoffnung für eine Welt, die kopfüber der eigenen Zerstörung entgegeneilt!

Die verwandelte Welt des kommenden Zeitalters

Die Herrschaft des gegenwärtigen Königs der Welt, Satan, wird dann zu Ende sein. Er wird für eintausend Jahre verbannt werden (Offenbarung 20,1-3), eine Zeitspanne, die oft das Millennium genannt wird.

Viele Prophezeiungen handeln von der herrlichen Transformation, die die Welt erleben wird, nachdem Satan entfernt worden ist und Jesus Christus seine Herrschaft als König der Könige antreten wird.

Jerusalem wird zur Welthauptstadt – dann „des Herrn Thron“ genannt (Jeremia 3,17). Gottes Gesetz und Wort werden von dort aus an alle Nationen ergehen. Die Menschen werden danach streben, von Gott belehrt zu werden (Jesaja 2,2-3). Sie werden sich nicht länger bekriegen, sondern alle werden lernen, friedlich miteinander zu leben (Vers 4).

Sogar die Wesensart der Tiere wird verändert. So wird in diesem kommenden göttlichen Reich nichts Böses mehr getan und kein Schaden mehr angerichtet werden (Jesaja 11,6-9; „Hoffnung für alle“-Übersetzung). Das ist das Ergebnis davon, dass die Erde „voll der Erkenntnis des Herrn“ sein wird, „wie Wasser das Meer bedeckt“ (Vers 9).

Die Wüsten und Einöden werden so umgeformt, dass sie wie der Garten Eden sein werden (Jesaja 35,1-2. 7; 51,3). Und die Landwirtschaft wird enorm produktiv werden (Amos 9,13). Die Menschen werden geheilt – sowohl physisch als auch geistlich. Die Blinden werden sehen, die Tauben werden hören, die Lahmen werden springen, die Stummen werden sprechen (Jesaja 35,5-6).

Manche sehen das lediglich als eine metaphorische Beschreibung einer besseren Welt aufgrund der Verbreitung des christlichen Glaubens. Aber damit wird der klare Sinn vieler Schriftstellen verneint. Es mag symbolische Anwendungen für einige dieser Schriftstellen geben, aber das geschieht dann mit dem Verständnis, dass sie hauptsächlich im buchstäblichen Sinn zu verstehen sind.

Christi Nachfolger regieren mit ihm

Es ist auch unglaublich zu erfahren, dass der Messias seine Herrschaft über die Erde mit seinen Nachfolgern teilen wird. Sie werden bei seiner Wiederkehr entweder dazu auferweckt oder verwandelt werden und so die Unsterblichkeit erlangen (1. Korinther 15,50-53; 1. Thessalonicher 4,16-17).

So wie die Prophezeiung in Daniel 7 über das fünfte Reich nach den vier heidnischen Reichen dieses Zeitalters sagt: „Das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen“ (Vers 27).

Die Offenbarung zeigt zusätzlich, dass die Heiligen, das sind Christi Nachfolger im heutigen Zeitalter, mit ihm im kommenden Zeitalter als Könige und Priester herrschen werden (20,4. 6). Sie werden „auf Erden“ (5,10) herrschen – nicht im Himmel.

Jesus sprach mit seinen Jüngern über diese zukünftige Belohnung. Er sagte: „Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels“ (Matthäus 19,28).

Dieser Bibelabschnitt ist besonders aufschlussreich, denn hier wird das Reich Gottes mit einer tatsächlichen Regierung identifiziert, die in der Zukunft eingesetzt wird. Es wird verdeutlicht, dass das „im“ Reich sein zu jener Zeit erfolgen wird. Dieser Bezug auf das Reich geht hier eindeutig über die Akzeptanz von Gottes Herrschaft in unserem Leben heute hinaus (siehe auch Lukas 22,16. 18; 19,11-27; 21,31).

Eine Botschaft von großer Tragweite

Das Reich Gottes zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Daran erkennen wir Gott als König über die gesamte Schöpfung und als König Israels. Wir sehen seine Herrschaft in unserem persönlichen Leben heute und später bei der Wiederkunft Christi, um alle Nationen in einem kommenden wunderbaren Zeitalter zu regieren. Wir sehen es an unserer Verwandlung zu Geistwesen, die notwendig ist, damit wir auf ewig mit Gott in seiner göttlichen Familie regieren können.

Es ist wichtig, all diese Elemente zu verstehen. Manche Christen konzentrieren sich nur auf die zukünftigen Aspekte von Gottes Reich und ignorieren damit seine gegenwärtige Realität im Leben der Berufenen. Für andere Gläubige ist die Problematik jedoch gerade das Gegenteil. Sie behaupten, das Reich Gottes sei bereits jetzt da. Deshalb machen sie sich wenig Gedanken über das zukünftige Kommen des Reiches – möglicherweise wissen sie auch gar nichts davon! Dieser Aspekt ist aber ein grundlegender Gedanke in der Bibel.

Was Jesus mit dem Reich Gottes meinte, ist in erster Linie, dass die Herrschaft Gottes über alle Menschen etabliert werden wird. Jesus wird alle Nationen Gottes Wege lehren und sie so zur zukünftigen göttlichen Herrlichkeit führen. So haben Jesu Apostel seine Botschaft auch noch nach seiner Auferstehung verstanden. Kurz vor seiner Himmelfahrt lautete ihre letzte Frage an ihn: „Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?“ (Apostelgeschichte 1,6).

So haben sie seine Botschaft über das Reich verstanden. Jesus hat ihrer Vorstellung nicht widersprochen, sondern sagte ihnen lediglich, dass es ihnen nicht zustand, den Zeitpunkt zu wissen, da Gott, der Vater, diesen bestimmen wird (Vers 7).

Warum ist dieser zukünftige Aspekt des Reiches wichtig? Warum sollten wir uns darüber Gedanken machen? Tatsache ist, dass wir für unser Leben als Christen ein Ziel brauchen – eine Vision der Zukunft. Wie Paulus sagte: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen“ (1. Korinther 15,19). Ohne dieses große Ziel werden wir uns nicht um die Nachfolge Christi bemühen (vgl. dazu Verse 30-34). Die Wahrheit ist, dass alles, was wir tun, entweder der Zukunft dient, die Gott bringen wird, oder es ist alles vergeblich.

Die gegenwärtige Bedeutung des Reiches Gottes zu verstehen, ist ebenfalls entscheidend. Wenn wir die von Gott verheißene Zukunft erreichen wollen, müssen wir uns heute dem Reich Gottes – der Herrschaft Gottes – unterordnen.

Das Reich Gottes heute annehmen

Wir können nicht bereits jetzt in das Reich Gottes eingehen, denn dafür ist ewiges Leben notwendig! Wir können das Reich aber in dem Sinn empfangen, dass wir uns ihm demütig unterordnen. Das müssen wir tun, denn sonst werden wir in der Zukunft nicht in das Reich eingehen! Jesus sagte: „Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Markus 10,15). Wir müssen es jetzt mit kindlichem Vertrauen und Demut akzeptieren.

Wir können bereits jetzt die Gesetze des Reiches in unser Herz schreiben und den König dieses Reiches in unserem Herzen leben lassen, damit er uns dabei helfen kann, diesen Gesetzen zu gehorchen (Hebräer 8,10; Galater 2,20).

Wir können heute schon die Zukunft erleben. Wir können das zukünftige Zeitalter in unser Leben eintreten lassen, genauso wie es geschah, als Christus vor 2000 Jahren kam, um zu lehren und Wunder zu wirken. Die Bibel beschreibt diejenigen, die mit Gottes heiligem Geist bekehrt sind, als diejenigen, die „das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt“ geschmeckt haben (Hebräer 6,5).

Wenn wir täglich zu Gott beten „Dein Reich komme“ (Matthäus 6,10), sehnen wir die Herrschaft Gottes über alle Nationen herbei. Wir bitten aber auch darum, dass seine Herrschaft mit uns beginnt – hier und heute! Wenn wir uns wirklich nach der Zukunft sehnen, die Gott verkündet, dann werden wir damit beginnen, schon heute nach deren Bedingungen zu leben.

Wenn wir dann weiter beten, „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“, erkennen wir an, dass Gottes Reich jetzt im Himmel herrscht, wo die Engel seinen Willen in vollkommenem Gehorsam ausführen. Und wir bitten, dass das auf Erden auch so sein möge – letztendlich bei allen Menschen, aber dass es jetzt mit uns seinen Anfang nehme.

Und zu guter Letzt bedeutet das Trachten nach Gottes Reich (Matthäus 6,33), dass wir es zum Grund unseres Lebens machen. Gott hat uns schließlich dazu erschaffen, dass wir in sein Reich eingehen!

– Gute Nachrichten November-Dezember 2012 PDF-Datei dieser Ausgabe

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