Die Lehren und Praktiken der ersten Christen

Die Lehren und Praktiken der ersten Christen © Geuiwogbil/CC BY-SA 3.0
Ausbreitung des Christentums bis 325 n. Chr. (orange), bis 600 n. Chr. (gelb). Mit der Ausbreitung des Christentums distanzierte man sich immer mehr von den Lehren der Apostel Jesu Christi.

In der Apostelgeschichte lesen wir einen Augenzeugenbericht über die Entwicklung in der Kirche in den ersten drei Jahrzehnten ihrer Existenz, angefangen mit der Zeit unmittelbar nach dem Tode Christi bis hin zu ca. 60 n. Chr. Das zweite Kapitel beschreibt den Gründungstag der neutestamentlichen Gemeinde.

Viele Bibelleser kennen die wunderbaren Ereignisse jenen Tages – die Versammlung der Nachfolger Christi an einem Ort, als das Rauschen eines gewaltigen Windes wahrgenommen wurde und sich Feuerzungen auf die Anwesenden setzten. Ein weiteres dramatisches Wunder fand statt, als diese Menschen, vom Geist Gottes jetzt erfüllt, in den Sprachen der in Jerusalem versammelten Juden zu sprechen begannen, damit diese sie verstehen konnten.

Gelegentlich gerät der Tag selbst, an dem diese Ereignisse stattfanden, in Vergessenheit – Pfingsten (Apostelgeschichte 2,1), das eines der Feste war, die Gott viele Jahrhunderte zuvor seinem Volk zu halten geboten hatte (3. Mose 23). Bei der Verkündigung dieser Feste hatte Gott gesagt: „Dies sind die Feste des Herrn, die ihr ausrufen sollt als heilige Versammlungen; dies sind meine Feste . . ., die ihr ausrufen sollt als heilige Versammlungen an ihren Tagen“ (Vers 2 bzw. 4). Gott sagte seinem Volk, dass die Feste „eine ewige Ordnung“ sind, auch bei den „Nachkommen“ der Israeliten (Verse 14, 21, 31 und 41).

Feste in der frühen Kirche

Die Evangelien zeigen uns, dass Jesus Christus die gleichen Feste hielt (Johannes 7,10-14. 37-38; Matthäus 26,17-19). Sowohl die Apostelgeschichte als auch die Paulusbriefe berichten, dass die Apostel diese Feste in den Jahrzehnten nach dem Tode Christi hielten. Die meisten Kirchen vertreten jedoch die Auffassung, dass diese Feste „ans Kreuz genagelt wurden“, d. h., dass sie durch den Tod Jesu Christi annulliert wurden. Doch der unverkennbare Bericht der Bibel ist, dass die frühe Kirche sie nach wie vor hielt, aber mit einem tieferen Verständnis ihrer geistlichen Bedeutung.

Der Apostel Paulus legte der Gemeinde zu Korinth nahe – einer gemischten Gruppe von Heiden- und Judenchristen –, eines dieser von Gott gegebenen Feste zu halten: „Darum lasst uns das Fest feiern nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern im ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit“ (1. Korinther 5,8). Welches religiöse Fest meinte Paulus? Freilich war es das Fest der Ungesäuerten Brote. Er erklärte ihnen auch die Bedeutung des Passahs (Vers 7) und gab ihnen Anweisungen darüber, wie man diese Zeremonie in der richtigen Weise begehen soll (1. Korinther 11,23-28).

Da Jesus, die Apostel und die ersten Christen diese Feste hielten und sie eine tiefe geistliche Bedeutung haben, ist es schon merkwürdig, dass die heutigen Kirchen sie weitgehend ignorieren. Unsere kostenlose Broschüre Gottes Festtage – der Plan Gottes für die Menschen enthält zusätzliche Informationen über diese Feste.

Auch der biblische Ruhetag wurde gehalten

Die Evangelien und die Apostelgeschichte sind gleichermaßen eindeutig in dem Bericht, dass Christus, die Apostel und die ersten Christen den wöchentlichen Ruhetag von Freitagabend bis Samstagabend als siebten Tag der Woche hielten (Markus 6,2; Lukas 4,16. 31; 13,10; Apostelgeschichte 13,14-44; 18,4). Jesus nannte sich sogar den „Herrn über den Sabbat“ (Markus 2,28).

Es war Jesu Christi Gewohnheit, jeden Sabbat in die Synagoge zu gehen, um Gott anzubeten (Lukas 4,16). Im Gegensatz zur Lehre derjenigen, die meinen, Paulus hätte den Sabbat verworfen, war es auch seine Gewohnheit, jeden Sabbat in die Synagoge zu gehen und dort die Gelegenheit zu nutzen, über Jesus Christus zu predigen (Apostelgeschichte 17,1-3).

Der wöchentliche Ruhetag ist ein weiteres der Feste Gottes. Eigentlich steht er an erster Stelle in der Auflistung der biblischen Feste (3. Mose 23,1-4) und ist Teil der Zehn Gebote (2. Mose 20,8-11; 5. Mose 5,12-15). Der Sabbat wurde jedoch lange vor Sinai geschaffen (1. Mose 2,2-3), und dessen Einhaltung wurde vor der Verkündung der Zehn Gebote geboten (2. Mose 16,23-30).

Wie bei den anderen Festen Gottes wird auch der Sabbat von der überwiegenden Mehrheit der heutigen Kirchen ignoriert. Statt Gottes Ruhetag an dem von ihm gebotenen siebten Tag der Woche zu halten, halten die meisten Kirchen den ersten Tag der Woche – Sonntag –, der nirgends in der Bibel als Tag der Anbetung vorgeschrieben wird. Warum? Wenn wir einen Tag in der Woche als Tag der Ruhe und Anbetung Gottes halten wollen, sollte es nicht der gleiche Tag sein, den Jesus Christus und die Apostel hielten?

Weitere abweichende Lehren

Wir stellen auch andere Unterschiede in der Lehre fest. Viele Kirchen lehren, dass der Gehorsam gegenüber dem Gesetz Gottes nicht mehr notwendig ist, dass Christus das Gesetz für uns hielt oder dass es „ans Kreuz genagelt“ wurde bei Christi Tod. Diese Ideen widersprechen Christi eigenen Worten (Matthäus 4,4; 5,17-19) und der Lehre und der Handlungsweise der Apostel (Apostelgeschichte 24,14; 25,18; Römer 7,12-22; 1. Korinther 7,19; 2. Timotheus 3,15-17).

Dem Beispiel Christi folgend predigten die Apostel kraftvoll über die Rückkehr Jesu Christi zur Erde, um das Reich Gottes aufzurichten (Lukas 4,43; 8,1; 21,27. 31; Apostelgeschichte 1,3; 8,12; 14,22; 19,8; 28,23. 31). Aber Paulus musste schon zu seinen Lebzeiten vor denjenigen warnen, die ein anderes Evangelium predigten (2. Korinther 11,4; Galater 1,6). Auch heute gibt es viel Verwirrung über den Inhalt des Evangeliums. Die meisten sehen es als Botschaft über Christi Geburt, Leben und Tod, jedoch predigen sie nicht das Evangelium vom Reich Gottes, das Jesus selbst predigte (Markus 1,14-15).

Ein weiteres Beispiel ist die Tatsache, dass Jesus und die Apostel nicht lehrten, die Gerechten würden beim Tod in den Himmel fahren (Johannes 3,13; Apostelgeschichte 2,29. 34). Sie verstanden, dass der Mensch keine unsterbliche Seele hat (Hesekiel 18,4. 20; Matthäus 10,28).

Darüber hinaus werden nirgends in der Bibel die beliebten religiösen Feiertage unserer Zeit wie Weihnachten, Ostern und die Fastenzeit erwähnt, geschweige denn geboten. Jesus, die Apostel und die ersten Christen kannten diese Bräuche nicht.

Damit weisen wir auf einige der Hauptunterschiede zwischen dem heutigen Christentum und dem Glauben zur Zeit Jesu und der Apostel des Neuen Testamentes hin.

– INTERN Juli-August 2014 PDF-Datei dieser Ausgabe

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