Göttliche Liebe und die Agape-Liebe

agape © Gerd Altmann/Pixabay
Gott ist die Liebe, wie uns der Apostel Johannes berichtet. Das Motiv Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel hindurch, im Alten und im Neuen Testament.

Es fällt uns als physischen Menschen schwer, die Liebe Gottes zu verstehen. Unsere Aufgabe als Christen besteht darin, sie zu verinnerlichen. Wie gut gelingt uns das?

Von Don Hooser

Gott ist die Liebe, wie uns der Apostel Johannes berichtet. Gottes Liebe zu uns ist viel tiefer, als wir uns vorstellen können. Sie geht weit über Agape hinaus. Ein Merkmal davon ist, dass sie eine Entscheidung bedeutet, einen Menschen zu lieben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie setzt keine Gegenseitigkeit voraus.

Das Motiv Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel hindurch, sowohl durch das Alte als auch durch das Neue Testament. Die beiden höchsten Gebote haben mit Liebe zu tun: im einen Fall mit der Liebe des Menschen zu Gott, im anderen Fall mit der Liebe des Menschen zu seinen Mitmenschen. Jesus sagte:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Matthäus 22,37-40).

„Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe“ (1. Johannes 4,8). Darum ist es unbedingt erforderlich, dass wir in unseren Gedanken, Worten und Taten die Liebe Gottes verstehen, lehren und umsetzen.

„Liebe“ hat als Begriff in der deutschen Sprache viele Schattierungen. Demgegenüber ist göttliche Liebe eine besondere Art von Liebe, die alle anderen Arten überragt. Weil sie so wichtig ist, liegt es nahe, einen anderen Ausdruck als den weitgespannten Begriff Liebe dafür zu finden. In unserer Gemeinde ist das griechische Wort Agape dafür in Mode gekommen. Manche Glaubensgemeinschaften führen das Wort sogar als Teil ihres Namens.

Das griechische Wort Agape ist ein Hauptwort und bedeutet Liebe. Das entsprechende Zeitwort, agapao, bedeutet lieben. Probleme im Verständnis sind aber dadurch entstanden, dass Agape als Fremdwort in die deutsche Sprache Eingang gefunden hat, aber mit einer Bedeutung, die sich nicht hundertprozentig mit der Bedeutung des griechischen Wortes deckt, wie das bei manchen Fremdwörtern der Fall ist.

Das Duden Fremdwörterbuch definiert Agape als „die sich in Christus zeigende Liebe Gottes zu den Menschen, besonders zu den Armen, Schwachen u. Sündern“ und als „abendliches Mahl der frühchristlichen Gemeinde [mit Speisung der Bedürftigen]“. Die erste Definition ist mit der Bedeutung des griechischen Wortes verwandt, die zweite hingegen kommt in dieser Weise in der Bibel nicht vor.

In diesem Beitrag wollen wir auf die Bedeutungen von Agape und agapao in der griechischen Sprache eingehen.

Ist Agape eine religiöse Liebe?

Wenn das Wort „Liebe“ bzw. „lieben“ in einer deutschen Übersetzung des Neuen Testamentes vorkommt, liegt ihm meistens das griechische Wort Agape oder agapao zu Grunde. Und da in vielen dieser Fälle von der Liebe Gottes zum Menschen die Rede ist, kann man nachvollziehen, warum die griechischen Wörter Agape und agapao als Ausdrücke verstanden werden, die sich nur auf göttliche Liebe beziehen.

Diese Schlussfolgerung aber, dass Agape und agapao sich nur auf göttliche Liebe beziehen, beruht auf einem Missverständnis. Denn diese Begriffe werden selbst im Neuen Testament für andere Arten von Liebe verwendet. Hier einige Beispiele:

Lukas 6, Vers 32: „Denn auch die Sünder lieben [agapao] ihre Freunde.“

Johannes 3, Vers 19: „[Die] Menschen liebten [agapao] die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“

Johannes 12, Vers 43: „Denn sie hatten lieber [agapao] Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott.“

2. Timotheus 4,Vers 10: „Denn Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen [agapao].“

2. Petrus 2, Vers 15: „Sie verlassen den richtigen Weg . . . und folgen dem Weg Bileams . . . der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte [agapao].“

1. Johannes 2,Vers 15: „Habt nicht lieb [agapao] die Welt noch was in der Welt ist.“

Als das Neue Testament geschrieben wurde, waren Agape und agapao die gewöhnlichsten und allgemeinsten Wörter in der griechischen Sprache für „Liebe“ und „lieben“.

Andere griechische Wörter für Liebe

Im Neuen Testament wird ein weiteres Begriffspaar für Liebe/lieben verwendet: philos [Liebe] und phileo [lieben]. Als Hauptwort kommt philos 29 und agape 116 Mal im Neuen Testament vor. Das Zeitwort phileo erscheint an 25, agapao an 137 Stellen.

Philos/phileo erscheint auch in deutschen Wörtern griechischer Herkunft. Beispiele hierfür sind zum Beispiel:

Philosophie: Liebe zur Weisheit (sophia);

Philanthropie: Liebe zum Menschen (anthropos);

Philologie: Liebe zum Wort (logos);

Philharmonie: Liebe zur Fügung (harmonia).

Zwei andere altgriechische Wörter, die als „Liebe“ übersetzt werden können, eros und storgos, werden im Neuen Testament überhaupt nicht verwendet.

Agapao und Phileo als Synonyme

Ein Vergleich verschiedener Bibelstellen im Neuen Testament zeigt, dass agape/agapao und philos/phileo oft mit der gleichen Bedeutung verwendet werden. Beispiele sind:

Johnannes 21, Vers 7: „Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte [agapao] ...“

Johannes 20, Vers 2: „Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte [phileo] ...“

Hebräer 12, Vers 6: „Denn wen der Herr lieb hat [agapao], den züchtigt er.“

Offenbarung 3, Vers 19: „Welche ich lieb habe [phileo], die weise ich zurecht und züchtige ich.“

Phileo als göttliche Liebe

Wenn im Neuen Testament von göttlicher Liebe die Rede ist, haben wir es nicht immer mit agape/agapao, sondern hin und wieder auch mit philos/ phileo zu tun. Hier einige Beispiele:

Johannes 5, Vers 20: „Denn der Vater hat den Sohn lieb [phileo] ...“

Johannes 16, Vers 27: „[Der] Vater hat euch lieb [phileo], weil ihr mich liebt [phileo] ...“

1. Korinther 16, Vers 22: „Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat [phileo], der sei verflucht.“

Titus 3, Vers 15 „Grüße alle, die uns lieben [phileo] im Glauben.“

Im Griechischen besteht kein großer Unterschied zwischen agape/agapao und philos/phileo, außer dass agape/agapao manchmal die Nebenbedeutung hat, dass keine Gegenleistung erwartet wird.

Ein Beispiel dieser Nebenbedeutung finden wir bei Johannes 3, Vers 16: „Denn also hat Gott die Welt geliebt [agapao], dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Gott hat alle Menschen geliebt, obwohl sie nicht besonders liebenswürdig waren, und ohne irgendeine Gewähr dafür zu haben, dass sie ihn im Gegenzug lieben würden, wie in Römer 5, Verse 6-8 näher erläutert wird:

„Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe [Agape] zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Der Begriff Liebe im Alten Testament

Viele Stellen im Neuen Testament, in denen von Liebe die Rede ist, sind Zitate aus dem Alten Testament, wo der Begriff Liebe ebenfalls eine Hauptrolle spielt. Das häufigste Zeitwort für „lieben“ im Hebräisch des Alten Testaments ist ahaw, das mit seinen verwandten Formen 250 Mal vorkommt.

Beispiele für seine Verwendung sind die beiden höchsten Gebote:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben [ahaw] von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,5). „Du sollst deinen Nächsten lieben [ahaw] wie dich selbst; ich bin der Herr“ (3. Mose 19,18).

Wichtig ist auch chesed, ein Hauptwort, das im Alten Testament 248 Mal vorkommt. Damit ist eine unverbrüchliche Liebe gemeint, die von Mitgefühl und Barmherzigkeit gekennzeichnet ist. Am Häufigsten wird chesed verwendet, um die Liebe Gottes zu seinem Volk zu bezeichnen, aber es wird auch für seine Liebe zu allen Menschen benutzt, zum Beispiel in Psalm 36 (Güte) und Psalm 103 (Güte, Gnade).

Göttliche Liebe geht weit über Agape hinaus

Wenn wir die Gesinnung und die Auswirkungen göttlicher Liebe verstehen wollen, ist es mit einem Verständnis einzelner griechischer und hebräischer Vokabeln nicht getan. Vielmehr müssen wir uns in der ganzen Bibel auskennen.

Die ausführlichste Erklärung göttlicher Liebe finden wir im 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dieses eine Kapitel offenbart mehr über göttliche Liebe als es die Beschäftigung mit der Bedeutung eines einzelnen Wortes tun könnte. So zu tun, als könnte die Liebe Gottes in der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke zusammengefasst werden, ist eine Beleidigung Gottes und eine Verniedlichung seiner Liebe.

Es ist traurig, dass manche versuchen, göttliche Liebe von der Einhaltung der Zehn Gebote zu trennen, denn gerade durch Gehorsam drücken wir unsere Liebe und Treue zu Gott aus.

Es ist in unserer Gesellschaft Mode geworden, Liebe als ein Gefühl zu verstehen. In der Bibel wird Liebe jedoch mehr im Sinne von Taten bzw. einer Handlungsweise gesehen. Wie wir mit Gott und unseren Mitmenschen umgehen, was wir tatsächlich tun – darauf kommt es Gott an. Weil das griechische Wortpaar agape/agapao nichts über Gehorsam aussagt, können wir davon ausgehen, dass es nicht auf göttliche Liebe beschränkt ist.

Ein „neues Gebot“ als Merkmal eines Jüngers

Johannes, der „Apostel der Liebe“, hat für uns die wichtigsten Aussagen Jesu zur Liebe aufgezeichnet. Zum Beispiel: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt“ (Johannes 13,34).

Wenn nun das Alte Testament uns schon zur Liebe anhält, was soll denn an einem Liebesgebot neu sein? Die Liebe, die Jesus forderte und selbst zeigte, war auf einem Niveau, das noch nie da gewesen war. Diese Liebe war selbstlos, vorbehaltlos und sich aufopfernd.

Jesus sagte: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Johannes 13,35). Das überzeugendste Merkmal der wahren Nachfolger Jesu ist die christliche Liebe, welche sie zueinander haben.

Und wie sieht denn christliche Liebe aus? „Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Johannes 15,12-13; vgl. dazu 1. Johannes 3,16-18).

Der Apostel Petrus legt ebenfalls Wert auf eine besondere Liebe unter den Jüngern Christi: „Habt ihr eure Seelen gereinigt im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe [philadelphia], so habt euch untereinander beständig lieb [agapao] aus reinem Herzen“ (1.cPetrus 1,22).

Göttliche Liebe rächt sich nicht und drückt sich sogar gegenüber Feinden aus (Matthäus 5,43-48).

Die Liebe Gottes in uns

Als physische Menschen können wir die Fülle der Liebe Gottes zwar nie ganz erfassen, aber es ist unsere freudige Pflicht, danach zu streben. Es ist ebenfalls unsere freudige Pflicht, diese Liebe zu verinnerlichen und eine ähnliche Liebe in unserem Verhältnis zu Gott und unseren Mitmenschen zum Ausdruck zu bringen.

Der vielleicht stärkste Lobpreis auf die Liebe Gottes findet sich in Epheser 3, Verse 16-19:

„Ich bitte ihn, dass Christus durch den Glauben in euch lebt und ihr fest in seiner Liebe wurzelt und auf sie gegründet seid. Ich bitte ihn, dass ihr zusammen mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen lernt, wie unermesslich reich euch Gott beschenkt. Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.“

– INTERN März-April 2018 PDF-Datei dieser Ausgabe

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