Haben Ehen zwischen Engeln und Frauen Riesen hervorgebracht?

Engel heiraten Menschen © VKG
Wer waren die „Gottessöhne“ in 1. Mose 6, Vers 2? Wie können sie Engel gewesen sein, wie manche behaupten, da Jesus Christus sagte, dass Engel nicht heiraten können?

Wie sollen wir das Wort „Gottessöhne“ in 1. Mose 6, Vers 2 verstehen? Finden wir eine Erklärung in anderen Versen der Heiligen Schrift?

Von der Redaktion

Manche Prediger lehren, dass sich die ersten Verse in 1. Mose 6 auf gefallene Engel beziehen, die menschliche Frauen heirateten und mit ihnen halbdämonische Riesen zeugten. Aber es gibt eine rationalere Erklärung für diese Verse.

Dieses Kapitel beschreibt die Zeit vor der Sintflut Noahs wie folgt: „Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten ... Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten" (1. Mose 6,1-2. 4).

Halleys Bible Handbook, ein bekanntes biblisches Nachschlagewerk, besagt, dass „die ,Söhne Gottes‘ (Vers 2) entweder gefallene Engel gewesen sein sollen ... oder Führer unter den Sethiten (die von Adams Sohn Set abstammten) waren, die mit gottlosen Nachkommen von [Adams Sohn] Kain verheiratet waren“ (25. Ausgabe, 2000, Seite 96).

Die hier angebotene erste Möglichkeit ist eigentlich gar keine Möglichkeit, auch wenn Engel in Hiob 38, Vers 7 als „Söhne Gottes“ bezeichnet werden, da Gott durch die Schöpfung ihr „Vater“ ist. Engel sind Geistwesen (Hebräer 1,7), keine fleischlichen Geschöpfe. Sie heiraten nicht und können sich nicht sexuell vermehren (Lukas 20,34-36). Diese Erklärung würde auch gegen das in 1. Mose 1 dargelegte Prinzip verstoßen, dass sich jede lebende Art nur „nach ihrer Art“ vermehrt.

Darüber hinaus erklärte der auferstandene Jesus, dass gefallene Engel oder Dämonen nicht in der Lage sind, sich materiell zu manifestieren, wie er und die rechtschaffenen Engel es können (Lukas 24,39; vgl. 24,40-43; 1. Mose 18,1-8. 16; 1. Mose 19,1). Vielmehr sehen wir in der Schrift Dämonen, die nur in Besessenen wirken oder aber als geisterhafte Erscheinungen auftreten.

Die zweite Erklärung Halleys ist viel vernünftiger. 1. Mose 4 erzählt die Geschichte von Kain und Abel und enthält auch die genealogische Nachkommenschaft Kains. 1. Mose 5 wird „das Buch von Adams Geschlecht“ genannt (Vers 1). Es beginnt mit Gottes Erschaffung Adams und setzt sich mit der Linie Adams durch seinen Sohn Set fort. Wie bei den Engeln war Adam durch die Schöpfung ein „Sohn Gottes“ (vgl. Lukas 3,38) – umso mehr, da Adam nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde (1. Mose 1,26; 1. Mose 5,1-3).

Von dieser Familienlinie durch Set heißt es: „Zu der Zeit fing man an, den Namen des Herrn anzurufen“ (1. Mose 4,26). Mehreren Kommentaren zufolge könnte dies aber auch wie folgt wiedergegeben werden: „Zu der Zeit begannen die Menschen nach dem Namen des Herrn benannt zu werden.“ Als Nächstes sehen wir in 1. Mose 6 „die Gottessöhne“ (Männer von Sets göttlicher Linie nach dieser Erklärung), die sich mit „den Töchtern der Menschen“ (Frauen von Kains gottloser Linie) vermählen.

Es gibt auch eine andere Möglichkeit zum Verständnis der ersten Verse in 1. Mose 6. Das Wort in Vers 2, das mit „Gottessöhne“ wiedergegeben wird, ist das hebräische Wort elohim, das manchmal auf falsche Götter anstelle des wahren Gottes verweisen kann.

In dieser Erklärung haben böse Männer, die als „Gottessöhne“ bezeichnet werden, unschuldige Frauen gewaltsam „genommen“ – ein Beispiel für das böse Verhalten der Menschen damals. Diese „Gottessöhne“ waren entweder heidnische Anbeter oder vielleicht Männer, die man als Halbgötter bezeichnete, wie es Herrscher in der Antike oft von sich selbst behaupteten.

Auf jeden Fall waren hier eindeutig Menschen gemeint, nicht Engel. Als Kommentar zu dem Verhalten der Menschen damals sagte Gott: „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten“ (1. Mose 6,3; Schlachter-Bibel) und „Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde“ (1. Mose 6,7). Deshalb müssen die in Vers 4 erwähnten „Riesen“ auch menschliche Nachkommen von Adam und Eva gewesen sein (vgl. Apostelgeschichte 17,26).

Es ist möglich, dass das hebräische Wort nephili, das hier mit „Riesen“ übersetzt wurde und von der Wurzel her „fallen“ oder „zu Fall bringen“ bedeutet, sich auf Tyrannen beziehen könnte. In 4. Mose 13, Vers 33 sind mit nephili Menschen von riesiger Statur gemeint. Die mächtigen und möglicherweise sehr großen Menschen von 1. Mose sind alle in der Sintflut gestorben. Später gab es andere Riesen, die wie alle anderen Menschen nach der Sintflut die Nachkommen von Noah waren – nicht von Engeln (vgl. 5. Mose 2,20-21; 3,11). Wir haben auch das Beispiel des philistinischen Riesen Goliat, den David getötet hat. Obwohl Goliat ca. 2,75 m groß war (1. Samuel 17,4), war er trotzdem nur ein Mensch (1. Samuel 17,24-25. 33) und keine menschlich-dämonische Hybride.

– INTERN November-Dezember 2018 PDF-Datei dieser Ausgabe

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