GN-Interview mit Juraprofessor Phillip Johnson

Gute Nachrichten: Sie sind Rechtsanwalt und Juraprofessor. Was hat Sie bewogen, ein Buch über den Darwinismus zu schreiben?

Phillip Johnson: Ich habe mich 1987/88 während eines Sabbatjahres in das Thema eingelesen. Es hat mich so sehr gefesselt, dass meine Beschäftigung mit dem Darwinismus zu einer gründlichen Untersuchung wurde. Dabei sind mir viele interessante Dinge aufgefallen. So haben Wissenschaftler am Museum für Naturgeschichte in London Aussagen getroffen, die im Widerspruch zur Evolutionstheorie standen. Ihnen wurde jedoch der Mund verboten. Ich wollte wissen, was da los ist, und bin der Sache nachgegangen.

Ich besorgte mir verschiedene naturwissenschaftliche Bücher und las die entsprechenden Fachzeitschriften an der Universität von London, an der ich als Gastprofessor tätig war. Rückblickend erscheint es mir naheliegend, dass ich mich gerade mit diesem Thema befasst habe, denn im Grunde geht es um das Verhältnis zwischen Annahmen und Beweisführungen. Konkret meine ich damit, dass es häufig versäumt wird, Annahmen als solche zu bezeichnen.

Evolutionisten stellen ihre Annahmen als Tatsachen dar. Sie tun so, als seien ihre Annahmen selbstverständlich, wenn nicht gar beweiskräftig. Mir fiel ganz früh auf, dass Evolutionisten, mit denen ich mich unterhielt, nicht zwischen dem, was sie bewiesen, und dem, was sie lediglich angenommen hatten, unterscheiden konnten. Der Unterschied zwischen Annahme und Beweis war ihnen nicht klar. Das war der Grund, warum ich das Buch Darwin im Kreuzverhör verfasste. Ich wollte darlegen, wie schlechte Argumentationen als legitime Wissenschaft ausgegeben werden.

GN: Wenn Sie über die Auswirkungen der Evolutionstheorie auf das Bildungswesen schreiben, verwenden Sie den Begriff „intellektueller Aberglaube“. Was bedeutet dieser Ausdruck?

PJ: Die darwinistische Evolutionstheorie ist nur dem Namen nach eine Naturwissenschaft. Sie gründet auf ein materialistisches Weltbild, das selbst dann nicht infrage gestellt wird, wenn ihm handfeste Tatsachen entgegenstehen. Was uns also geboten wird, kann man als materialistische Mythologie bezeichnen. Das ist es, was ich mit dem Begriff „intellektueller Aberglaube“ meine.

GN: Könnten Sie bitte die Themen Ihrer Bücher Darwin im KreuzverhörReason in the Balance und Defeating Darwinism by Opening Minds in knapper Form umreißen?

PJ: Das Buch Darwin im Kreuzverhör behandelt die Evolutionstheorie aus naturwissenschaftlicher Perspektive. Es geht ins Detail und zeigt, dass die Tatsachen auf Schritt und Tritt gegen die Theorie sprechen. Daraus kann man folgern, dass die Evolutionsgemeinde ihre treibende Kraft nicht im Beweismaterial, sondern in ihrer Weltanschauung findet, an der sie trotz aller Gegenbeweise festhält. Das Buch wendet sich somit an alle, die sich mit der Theorie selbst auseinandersetzen möchten.

In meinem zweiten Buch Reason in the Balance bespreche ich die Folgen des Darwinismus für unsere Kultur. Zwar enthält es mehrere Kapitel, die den naturwissenschaftlichen Hintergrund beleuchten, doch in diesem Buch geht es mir darum, nachzuweisen, dass der Materialismus bzw. der Naturalismus, auf denen die Evolutionstheorie beruht, faktisch zur führenden Religion in unserem Land geworden sind.

Dies hat weitreichende Folgen für Themen wie Recht und Ethik. Wenn Gott tot ist und ein unbeseelter Entwicklungsprozess unser Schöpfer ist, haben göttliche Verhaltensnormen nämlich keinerlei Bedeutung mehr. Somit können Werte und Regeln nach Lust und Laune geändert werden. Dies ist auch der Ausgangspunkt des sittlichen Relativismus in unserer heutigen Gesellschaft.

Das dritte Buch mit dem Titel Defeating Darwinism by Opening Minds wendet sich an Schulabgänger, Studienanfänger sowie deren Eltern und Lehrer. Es soll vor allem das Bewusstsein der jungen Leute für die Beeinflussung schärfen, der sie an der Hochschule – unabhängig davon, ob sie Natur- oder Geisteswissenschaften studieren – ausgesetzt sein werden.

Denn dort wird einfach davon ausgegangen, dass die Natur alles ist, was existiert. Übernatürliche Eingriffe werden ins Reich der Fabeln verwiesen und Gott selbst dem Bereich „religiöser Glaube“ zugeordnet, das heißt, er wird als subjektive Einbildung betrachtet.

Dieses Buch soll Studierenden helfen, das, was ihnen an der Hochschule geboten wird, zu durchschauen. Denn dort werden die Karten nicht auf den Tisch gelegt. So wird ein Professor beispielsweise nicht offen sagen, dass er die Studierenden vom Naturalismus überzeugen will. Er setzt voraus, dass der Naturalismus der Wahrheit entspricht, und baut alles andere auf dieser Annahme auf. Nur wenn Studierende diese Vorgehensweise durchschauen, können sie erkennen, was an dem ganzen System faul ist.

GN: Wie können junge Menschen von diesen Zusammenhängen erfahren? Wenn sie nicht auf Ihr Buch stoßen, wie sollen sie erfahren, dass das heutige Bildungswesen auf dem Naturalismus beruht?

PJ: Hier müssen die Eltern die Verantwortung übernehmen. Man kann nicht erwarten, dass Lehrkräfte an öffentlichen Schulen Schüler über die Mängel der Weltanschauung aufklären, die ihnen selbst eingeschärft wurde und die sie ihnen nun weitervermitteln wollen. Christliche Eltern müssen also sehr darauf achten, ihren Kindern den Durchblick zu verschaffen. Es reicht, wenn sie sich selbst informieren und ihre Kinder nach der Schule aufklären. Eine Alternative sind entsprechende Programme, die von Kirchen und anderen Einrichtungen angeboten werden.

Die christliche Gemeinschaft verfügt über die Mittel, um diese Aufklärungsarbeit zu leisten – ob es den öffentlichen Schulen gefällt oder nicht. Das Problem war bisher nur, dass es den Eltern, Pastoren, Jugendarbeitern und Lehrern an einschlägiger Erkenntnis gefehlt hat. Man hat ihnen nämlich eingeredet, dass die weltliche Bildung, die heute an Schulen vermittelt wird, mit dem christlichen Weltbild im Einklang stehe und die Evolution eine Randerscheinung der Naturwissenschaften sei, die mit den großen Lebensfragen nichts zu tun habe.

Das ist jedoch ein großer Irrtum. Es kommt also darauf an, dass Eltern, Lehrer, Jugendarbeiter und Pastoren die Thematik beherrschen und planmäßig darauf hinarbeiten, unsere jungen Leute aufzuklären. Die Mittel und Möglichkeiten sind vorhanden. Es muss nur die richtige Erkenntnis hinzukommen.

GN: Als Professor auf Lebenszeit an einer renommierten Universität haben Sie sicherlich aus nächster Nähe miterlebt, wie das vorherrschende Weltbild als selbstverständlich vorausgesetzt wird und sich auf die Denkweise der Studierenden auswirkt.

PJ: In der Tat. Dieses Weltbild prägt unsere gesamte Kultur. Das Tückische daran ist, dass die Manipulierten nicht merken, wie ihr Denken beeinflusst wird. Es geschieht unterschwellig durch das, was einfach vorausgesetzt wird, und ist gerade dadurch wirksam. Wenn man jemanden von etwas überzeugen will, darf man die eigene Absicht nicht offenbaren, da dies eine Abwehrreaktion hervorruft. Der andere findet dann für jedes Argument ein Gegenargument.

Viel wirksamer ist es, die betreffenden Ansichten stillschweigend vorauszusetzen und sie sozusagen im Gepäck der offen geäußerten Gedanken in den Geist des Gesprächspartners einzuschmuggeln. Genau das geschieht in unserem Bildungswesen, und genau darauf versuche ich die Leute aufmerksam zu machen.

GN: Das klingt ein wenig revolutionär.

PJ: Ja, ich versuche eine Revolution zu veranstalten, allerdings mit friedlichen Mitteln und auf geistiger Ebene.

GN: Sie erwähnen, dass 90 Prozent der Amerikaner an Gott glauben.

PJ: Das behaupten 90 Prozent der Amerikaner, wenn sie in Umfragen Auskunft geben. Inwieweit der Glaube an Gott ihr Denken tatsächlich beeinflusst, steht auf einem anderen Blatt. Bei Umfragen geben Menschen Antworten, die ihrer Meinung nach von ihnen erwartet werden. Man darf nicht alles für bare Münze nehmen.

GN: Nehmen wir also an, dass tatsächlich 90 Prozent der Amerikaner an Gott glauben. Dann gibt es höchstens zehn Prozent Agnostiker, die – wenn auch vielleicht unbewusst – den Naturalismus fördern. Ist es möglich, dass eine solche winzige Minderheit den Ton angibt? Und wenn ja, wie?

PJ: Selbstverständlich ist es möglich, vor allem, wenn sie an den Schaltstellen des geistigen Lebens sitzt. Tatsächlich sind alle staatlichen Einrichtungen in unserem Land – wie Bildungswesen, Verwaltung und Gesetzgebung – vom Standpunkt dieser zehn Prozent geprägt. Die Öffentlichkeit erkennt das nicht, da dieser Standpunkt einen religiösen Glauben nicht ausschließt.

Es gibt also Leute, die dem Naturalismus anhängen, aber nichts dagegen haben, ständig von Gott zu reden. Sie haben einen Gottesbegriff, der sich mit ihrem Glauben verträgt. Aus ihrer Sicht darf jeder einen eigenen Gott haben. Für sie ist jeder Gott ein Produkt menschlicher Fantasie. Man darf nicht behaupten, dass es einen bestimmten Gott wirklich gibt. Demgegenüber besitze die Evolutionstheorie einen für alle Menschen gültigen Wahrheitswert. Sie würden sagen, ihr Gottesbegriff sei gültig, wenn er ihnen nützt.

Wenn also eine Person des öffentlichen Lebens in Amerika von Gott spricht, muss man bedenken, dass es sich dabei um ein rein gedankliches Gebilde handelt. Diese Leute, die mit aller Ernsthaftigkeit betonen, sehr religiös zu sein, haben aber ein grundlegend naturalistisches Verständnis der Dinge.

Ein solcher Gottesbegriff wird im öffentlichen Leben vorausgesetzt. Das ist auch der Grund dafür, dass die Toleranzidee derart in Mode gekommen ist. Wahre Religion bedeute, so heißt es, man dürfe nicht am Weltbild eines anderen rütteln, und eine Weltanschauung sei nur für den gültig, der sie vertrete. Daher dürfe sich auch der Staat keine Weltanschauung zu eigen machen.

Das hat zur Folge, dass der Standpunkt der Agnostiker, denen zufolge wir keine Kenntnis von Gott besitzen, auch zum neutralen Standpunkt des Staates wird. Dies spiegelt sich auch in den Urteilen des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten zu Fragen der religiösen Freiheit wider.

Unabhängig davon, ob sich auf Staatsebene etwas ändert oder nicht, ist es wichtig, dass die Menschen verstehen, wie die Dinge laufen und warum wir die Gesetze haben, die wir haben. Genau das ist das Thema des Buchs Reason in the Balance.

Zwar bekennen sich neunzig Prozent der Bevölkerung zum Glauben an einen intelligenten Schöpfer, aber in den Schulen und Hochschulen wird das Gegenteil gelehrt. Der Grund dafür ist nicht, dass es handfeste Beweise für das Gegenteil gäbe, sondern dass eine kleine Minderheit an die Macht blinden Zufalls und natürlicher Kräfte glaubt.

Die Allgemeinheit bestimmt nicht mehr, was an staatlichen Schulen gelehrt wird. Die Macht darüber liegt in den Händen der Lehrergewerkschaften, der Lehrplanverantwortlichen und der Verwaltung. Die meisten Bürger lehnen die Lehrinhalte an staatlichen Schulen ab, bekommen aber zu hören, dass sie sich nicht darum kümmern sollen.

GN: Wie planen Sie, Ihre Botschaft an das Volk zu vermitteln?

PJ: Dies ist das Thema meines dritten Buches Defeating Darwinism by Opening Minds. Besonders die Kapitel sechs und sieben erklären meine sogenannte „Keilstrategie“. Es geht darum, eine geistige Bewegung zu bilden, evolutionskritische Haltungen an weltlichen Hochschulen durchzusetzen und grundlegende Kenntnisse dieser Frage in der christlichen Welt zu vermitteln.

GN: Wie würden Sie das Thema der Ursprünge im naturwissenschaftlichen Unterricht behandeln, wenn es nach Ihnen ginge?

PJ: Am wichtigsten ist, dass das Thema ehrlich und offen behandelt wird. Ich bin mit den Darwinisten einer Meinung, dass Schüler und Studenten mehr über die Evolutionstheorie lernen sollten. Wir unterscheiden uns jedoch darin, dass die Darwinisten einen unkritischen Glauben an die Evolution erzeugen wollen, während ich möchte, dass die Studierenden die Mängel der Theorie kennenlernen.

Ich möchte, dass sie erkennen, wie wenig die Theorie Darwins mit dem Fossilienbericht harmoniert, mit welch dürftigen Beweisen die Evolutionisten aufwarten, um ihren Standpunkt durchzusetzen, und mit welcher Selbstverständlichkeit alle Fakten übersehen werden, die zur Theorie im Widerspruch stehen.

Wenn im naturwissenschaftlichen Unterricht die Frage besprochen wird, ob es einen Schöpfer gibt oder nicht, sollten beide Sichtweisen in einer sachlichen Diskussion zu Wort kommen. Die Verantwortlichen behaupten zwar, religiöse Fragen zu meiden, tun dies aber nicht. Wenn sie den Schülern und Studenten nämlich erzählen, es habe keinen intelligenten Schöpfer gegeben, sondern nur physikalische, materialistische Mechanismen seien am Werk gewesen, dann befassen sie sich sehr wohl mit religiösen Fragen. Sie weigern sich jedoch, die stichhaltigen Beweise für die Existenz eines aktiven, intelligenten Schöpfers anzuerkennen.

GN: Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, ist von Satan die Rede, der die ganze Welt verführt, wenn es um die biblische Sicht von Wahrheit und Täuschung geht. Passt das biblische Bild eines unsichtbaren Verführers der Menschheit zur Weltanschauung des Naturalismus, die Sie als Rückgrat unseres Bildungswesens darstellen?

PJ: Ganz gewiss, ja. Allerdings berufe ich mich ungern auf das Buch der Offenbarung, da dies viele Leute abschreckt. Wenn ich öffentlich über dieses Thema spreche, zitiere ich lieber die Stelle in Römer 1, Verse 20-23: „Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken.“

Die Schöpfung weist uns auf den Schöpfer hin. Aber „obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere.“

Um die Existenz des Schöpfers nicht anerkennen zu müssen, haben sie laut der Bibel „Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient ... statt dem Schöpfer“ (Römer 1,25).

Die Evolution ist eine Form der Naturanbetung – und genau das ist das Thema dieser Stelle im Römerbrief. Sie ist eine Methode, Gott aus dem Bild zu entfernen bzw. den wahren Gott durch einen Gott zu ersetzen, der aus der Fantasie der Menschen stammt. Die Kernaussage der Evolutionstheorie ist, dass Gott den Menschen nicht geschaffen habe.

Vielmehr sei es umgekehrt: Der Mensch habe Gott geschaffen, und zwar nach seinen eigenen Vorstellungen. Wenn der Mensch nun der Schöpfer ist, dann führt er auch Regie. Das ist der springende Punkt. Deshalb zitiere ich lieber Römer 1, Verse 20-23, in denen diese Gedanken zum Ausdruck kommen.

GN: Zitieren Sie diese Stelle, wenn Sie sich mit Naturwissenschaftlern auseinandersetzen?

PJ: Wenn ich vor einem akademischen Publikum spreche, erwähne ich die Bibel nicht einmal indirekt. Denn wenn eine Aussage von der Bibel unterstützt wird, gilt das als Grund, ihr gerade nicht zu glauben. Diese Leute lassen sich nicht mit Schriftstellen überzeugen. Die Bibel kann man nur zitieren, wenn man es mit einem christlichen Publikum zu tun hat, mit Leuten also, die ausdrücklich wissen wollen, wie etwas mit der Bibel zusammenhängt. Denn nur wer die innere Bereitschaft mitbringt, an die Wirklichkeit und die Offenbarungsfähigkeit Gottes zu glauben, wird die Bibel ernst nehmen.

GN: Professor Johnson, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Wer ist Phillip Johnson?

Phillip Johnson war Jefferson-E.-Peyser-Professor für Rechtswissenschaft an der Berkeley Universität in Kalifornien (USA) und ist Autor von drei Büchern über Schöpfung und Evolution: Darwin im KreuzverhörReason in the Balance und Defeating Darwinism by Opening Minds. Er ist Absolvent der Harvard Universität und schloss sein Jurastudium an der Universität Chicago ab.

Die Feindseligkeit des Menschen gegenüber Gott

Warum weist der Mensch den Schöpfer zurück? Der Mensch weist Gott vornehmlich deshalb zurück, weil die Gesetze Gottes Ausdruck einer Moral sind, die nach außen hin gerichtet ist und die die Sorge um den anderen vor die eigenen egoistischen Interessen stellt. Wir sind jedoch in erster Linie durch selbstsüchtige Sorgen motiviert, um das zu bekommen, was unserer Meinung nach für uns am besten ist.

Warum besitzen wir eine solch egoistische Haltung? Wie entstand sie? Die Bibel nennt uns den Ursprung für unser gottfeindliches und argwöhnisches Verhalten. 1. Mose, Kapitel 3 erklärt, dass der Teufel in der Gestalt der Schlange zuerst diesen Argwohn und die Rebellion gegen Gott in den Verstand des ersten Mannes und der ersten Frau pflanzte. Er sagte ihnen, dass Gott nicht vorrangig in ihrem Interesse handeln würde. Er überzeugte sie, dass es ihnen ohne Gott ebenso gut, wenn nicht sogar viel besser ginge.

Als Eva von der verführerischen Überlegung des Teufels überzeugt war und Adam dann mit ihr rebellierte, zwang sich Gott ihnen nicht auf. Er erlaubte ihnen, eigene Wege zu gehen. Mit ihren Nachkommen ging es schnell bergab: In einem Anfall von Eifersucht tötete der erstgeborene Sohn von Adam und Eva seinen jüngeren Bruder (1. Mose 4).

Neid, Eifersucht und Gier sind in der menschlichen Natur jetzt tief verwurzelt, genauso wie Gewalttätigkeit der allgemeine Lösungsweg für Konflikte geworden ist. Die Nachkommen von Adam sind selten freiwillig zu Gott zurückgekehrt, um bereitwillig auf ihn zu vertrauen.

Beachten Sie, wie der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde zu Rom die Motivation der Menschheit beschreibt: „Wenn jemand nach seiner Natur lebt, liegt ihm alles daran, die eigenen Wünsche zu befriedigen“ (Römer 8,5; Gute Nachricht Bibel). Die fleischlichen Begierden beeinflussen unseren Verstand so, dass er sich gegen Gott und die Moral seiner Gesetze richtet.

Deshalb fährt Paulus fort: „Der Mensch, so wie er von sich aus ist, lehnt sich gegen Gott auf. Er gehorcht nicht dem Gesetz Gottes, ja er kann es gar nicht“ (Vers 7, ebenda).

Der Mensch meint, dass er einen besseren, aufgeklärteren Weg hat, der dem anmaßenden, rohen und tyrannischen Moralgesetz der Bibel weit überlegen ist. Dennoch überragt das Gesetz Gottes weit die alternativen Moralvorstellungen des Menschen. Es ist, wie der Apostel Paulus schrieb: „Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott“ (1. Korinther 3,19).

In der Menschheitsgeschichte wollte sich niemals eine Nation oder Volksgruppe allen zehn Geboten Gottes unterordnen, da diese der menschlichen Natur gegen den Strich gehen. Es hat zu allen Zeiten Menschen gegeben, die die moralischen Vorzüge einiger der Zehn Gebote erkannt haben, wie z. B. diejenigen, die Mitmenschen nicht zu belügen, zu bestehlen oder zu töten.

Das Höchstmaß menschlicher Akzeptanz ist jedoch, dass er sich nach eigenem Gutdünken einige der Gesetze Gottes herauspickt. Selbst wenn die Menschen dem Buchstaben nach die Gesetze Gottes halten, verstehen sie oft ihre geistliche Dimension und die dahinterstehende Absicht nicht, die Jesus Christus in den beiden großen Geboten als Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten definierte (Matthäus 22,37-40).

Durch die Zurückweisung der Lebensweise Gottes schneidet sich der Mensch unwissentlich von Segnungen ab, die aus dem Halten der Gebote Gottes resultieren, und wählt damit automatisch den Weg des Leidens. „Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. Wenn du gehorchst den Geboten des Herrn, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, dass du den Herrn, deinen Gott liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der Herr, dein Gott wird dich segnen“ (5. Mose 30,15-16).