Gute Freunde wirken sich positiv auf unsere Zufrieden­heit und unsere Gesundheit aus. Sie machen die schönen Momente des Lebens noch besser und helfen uns durch schwere Zeiten. Das wurde mittlerweile in unzähligen Studien untersucht. Doch es ist nach wie vor nicht selbstverständlich, dass wir solche Freunde überhaupt finden.

Von Dan Preston

Eine meiner aktuellen Lieblingssendungen ist die RTL+-Produktion „Alone – Überlebe die Wildnis“. In dieser Reality-Show werden zehn Kandidaten mit nur zehn selbstgewählten Gegenständen in der kanadischen Wildnis ausgesetzt. Sie müssen sich eine Unterkunft bauen, Nahrung beschaffen, dem rauen Wetter trotzen und sich gelegentlich gegen aggressive Wildtiere verteidigen.

Es gibt keinen Strom, keine Handys und keine Kameracrew – alles wird von den Teilnehmern selbst gefilmt. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Notfallfunkgerät. Wer am längsten durchhält, gewinnt 75.000 Euro.

Während einige Teilnehmer wegen Verletzungen oder gesundheitlicher Probleme ausscheiden – regelmäßige medizinische Checks sorgen für Sicherheit –, geben andere auf, weil sie einfach nicht genug Nahrung finden oder die Kälte nicht ertragen. Bei den letzten Verbliebenen entscheidet jedoch fast immer etwas anderes über Sieg oder Niederlage: Wer die gnadenlose Einsamkeit am längsten aushält.

Das Bedürfnis nach Gesellschaft

Ich muss zugeben: Manchmal genieße ich es richtig, allein zu sein. Diese ruhigen Stunden schenken mir wertvolle Zeit zum Nachdenken, zum Reflektieren über das Leben und einfach nur zum Entspannen. Ich bin nicht der Typ, der jedes Wochenende auf Partys muss oder täglich mit Freunden telefoniert. Solche Momente mag ich zwar sehr, aber ich bin auch die meiste Zeit über vollkommen zufrieden, wenn ich allein bin. Dennoch ist mir klar, dass das nicht immer die gesündeste Wahl ist.

In Sprüche 27, Vers 9 heißt es: „Das Herz freut sich an Salbe und Räucherwerk, und süß ist der Freund, der wohlgemeinten Rat gibt.“ Wir alle brauchen hin und wieder Rat – ob wir es zugeben wollen oder nicht. Ein guter Freund schenkt uns genau das: aufrichtigen, wohltuenden Rat.

Manchmal ist dieser Rat allerdings nicht das, was wir hören möchten. Denken wir nur an die bewegende Szene in 1. Samuel 20, als Jonathan David warnte, dass er um sein Leben fliehen müsse, weil Saul zornig auf ihn war. Ein guter Rat bleibt wohltuend – auch wenn er im ersten Moment unangenehm ist.

Freunde geben aber mehr als nur Ratschläge. Sie spenden auch Trost. In 1. Thessalonicher 5 spricht der Apostel Paulus über die schweren Zeiten, die Christen durchmachen müssen. Ähnlich wie die harten Prüfungen, denen sich die Teilnehmer in „Alone – Überlebe die Wildnis“ in der kanadischen Wildnis stellen, gehören solche Herausforderungen zum Leben dazu.

Paulus erinnert uns daran, dass wir als Gläubige diese Prüfungen nicht mit Angst und Sorge betrachten sollten, wie es manche tun. In Vers 11 schreibt er: „So ermutigt und tröstet einander, wie ihr es ja auch bisher getan habt“ („Hoffnung für alle“-Bibel). In anderen Übersetzungen wird das Wort „trösten“ im Sinne von „ermutigen“ bzw. „erbauen“ widergegeben. Unabhängig vom genauen Wortlaut ist die Aussage klar: Wir sollen einander in schweren Zeiten ermutigen und stärken.

Ein weiterer großer Vorteil von Freunden ist, dass sie uns oft helfen, bessere Menschen zu werden. In Hebräer 10, Vers 23 heißt es: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.“ Der Verfasser des Hebräerbriefs erinnert uns damit eindringlich daran, dass wir Gott und seinen Lehren treu bleiben sollen – weil er uns zuerst treu ist.

In Vers 24 fährt er mit der klaren Mahnung fort: „Lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken.“ Er zeigt uns damit: Freunde können sich gegenseitig ermutigen, liebevoller zu leben und Gutes zu tun.

Wer schon einmal an einer unserer kirchlichen Freizeiten für Jugendliche teilgenommen hat – mit ihrem starken Fokus auf christliche Lebensführung –, kennt diesen positiven Einfluss nur zu gut. Wie viel leichter fiel es plötzlich, „gut zu sein“, wenn man von Gleichgesinnten umgeben war, die ebenfalls versuchten, bessere Menschen zu werden und dem Beispiel Jesu Christi zu folgen!

Natürlich brauchen wir alle gute Ratschläge, Ermutigung und Unterstützung, damit wir motiviert bleiben, Gutes zu tun. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass auch unsere Freunde genau das brauchen. In Sprüche 27, Vers 17 lesen wir: „Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff durch Umgang mit anderen“ (Gute Nachricht Bibel). Unsere Freunde brauchen diese gegenseitige Stärkung genauso dringend wie wir – vielleicht sogar noch mehr.

Jetzt denken Sie wahrscheinlich: „Jeder möchte Freunde haben – aber wie findet man welche?“ Hier sind ein paar praktische Tipps, die nicht nur das Finden von Freunden erleichtern, sondern uns helfen, wirklich gute, tiefgehende Freundschaften aufzubauen.

Möchten Sie Freunde gewinnen? Dann seien Sie selbst ein Freund!

Das Schwierigste beim Kennenlernen neuer Menschen ist oft der allererste Schritt. Man weiß nie im Voraus, ob aus einem Gespräch ein echter Freund wird – aber man wird es garantiert nie erfahren, wenn man es nicht wenigstens versucht.

Jesus hat uns klar gesagt: Behandle andere so, wie man selbst behandelt werden möchte (Lukas 6,31). Die Bibel lehrt uns außerdem, dass wir ernten, was wir säen – spärlich oder reichlich, positiv oder negativ (2. Korinther 9,6; Galater 6,7). Mit anderen Worten: Wir bekommen genau das zurück, was wir in unsere Beziehungen investieren.

Wer anderen mit Freundlichkeit begegnet, wird meist auch Freundlichkeit ernten. Das bedeutet nicht, dass wir etwas vortäuschen sollen, sondern dass wir uns bewusst bemühen, neue Freundschaften zu knüpfen. Ein herzliches Lächeln und eine einfache Frage wie „Hallo, wie geht’s dir heute?“ oder „Hast du in letzter Zeit etwas Interessantes erlebt?“ reichen oft schon aus, um ein Gespräch zu starten.

Möchten Sie Freunde finden? Dann gehen Sie dorthin, wo die Fische sind!

So simpel es klingt: Sie würden ja auch nicht in einer Schlammpfütze angeln gehen, oder? Selbst wenn dort Fische schwimmen würden – sie wären winzig und ungenießbar. Viel besser ist ein klarer Gebirgsbach oder ein unberührter See. Genauso findet man die besten Freunde nicht durch Zufall im Supermarkt oder – noch schlechter – an Orten, an denen man sich eigentlich gar nicht aufhalten sollte.

Stattdessen lohnt es sich, gezielt dorthin zu gehen, wo Menschen mit ähnlichen Werten und Interessen zusammenkommen: in die Bibliothek oder auf einen Jahrmarkt. Am allerbesten jedoch ist es, echte Gemeinschaft mit unseren Glaubensgeschwistern zu pflegen. Der Hebräerbrief ermahnt uns genau dazu: „Versäumt nicht die Zusammenkünfte eurer Gemeinde, wie es sich einige angewöhnt haben. Ermahnt euch gegenseitig dabeizubleiben“ (Hebräer 10,25; „Hoffnung für alle“-Bibel).

Achten Sie auf Ausgewogenheit

Wenn Sie sich mit anderen unterhalten, achten Sie darauf, nicht die ganze Zeit selbst zu reden. Manche Menschen haben Schwierigkeiten, echte Beziehungen aufzubauen, weil sie zu wenig von sich preisgeben – andere hingegen, weil sie zu viel reden und ihrem Gegenüber kaum Raum lassen.

König Salomo mahnt in seinen Sprüchen: „Wo viele Worte sind, da mangelt es nicht an Sünde; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug“ (Sprüche 10,19). Auch wenn übermäßiges Reden nicht zwangsläufig eine Sünde ist, so ist es doch oft klüger, sich bewusst zurückzuhalten. Wer anderen die Möglichkeit gibt, ihre Gedanken, Gefühle und Erfahrungen einzubringen, zeigt Respekt und schafft die Grundlage für tiefere, ausgeglichene Gespräche.

Erzwingen funktioniert nicht

Noch ein letzter wichtiger Punkt, den Sie bei der Suche nach neuen Freunden beachten sollten: Niemand kann und sollte gezwungen werden, Sie zu mögen.

Zeigt jemand kein echtes Interesse daran, Sie kennenzulernen, dann lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Vielleicht hat die Person einfach einen schlechten Tag, vielleicht passt die Chemie nicht – oder sie wäre ohnehin nicht die richtige Freundin oder der richtige Freund für Sie. Um bei unserer Metapher des Angelns zu bleiben: Es gibt noch sehr viele andere Fische im Meer.

Neue Freunde zu finden, fällt vielen von uns nicht leicht. Ich bin selbst eher introvertiert und habe es noch nie besonders einfach gefunden, auf fremde Menschen zuzugehen und mich vorzustellen. Aber mit der richtigen Herangehensweise und ein bisschen Geduld können Sie trotzdem Menschen treffen, die wirklich zu Ihnen passen – vielleicht sogar Ihren neuen besten Freund. Das ist auf jeden Fall möglich, wenn Sie selbst ein guter Freund sind!