Die Übergabe des Panamakanals:
Ein „Tor“ der Weltmeere wird aufgegeben

Der Panamakanal ist ein Wunder der Technik und ein Symbol des sogenannten „amerikanischen Jahrhunderts“. Wie bedeutend ist die Entscheidung Amerikas, die Hoheitsrechte über den Panamakanal an die Republik Panama abzutreten?

Von Melvin Rhodes

Der spanisch-amerikanische Krieg von 1898 bedeutete den Auftritt der USA auf der Bühne der internationalen Großmachtpolitik. Der Friedensvertrag, der diesem Krieg folgte, machte die USA durch den Erwerb von eigenen Stützpunkten an strategisch wichtigen Orten zu einer großen Seemacht. Die Philippinen und Guam sicherten Amerika eine wichtige Präsenz im Pazifik, während Puerto Rico und eine Militärbasis auf Kuba den amerikanischen Einfluß in der Karibik ausweiteten. 1898 wurde auch Hawaii annektiert. Aber das Wichtigste sollte noch kommen.

Der spanisch-amerikanische Krieg hatte den Amerikanern eine Schwäche ins Bewußtsein gerückt, die aber mit Hilfe der modernen Technologie gelöst werden sollte. Amerikas Schwäche lag in seiner geographischen Ausbreitung zwischen zwei Weltmeeren. Es dauerte daher sehr lange, bis ein Schiff von einer Küste des Landes zur anderen gelangte. Alle Schiffe mußten das Kap Hoorn an der südlichen Spitze von Südamerika umsegeln, eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Erde. Selbst wenn das kein Problem gewesen wäre, nahm eine Seereise von Küste zu Küste allein aufgrund der Distanz sehr viel Zeit in Anspruch.

Der spanisch-amerikanische Krieg von 1898 offenbarte eine militärische Schwäche der USA, als sie schnell das Kriegsschiff Oregon nach Kuba entsenden mußten, nachdem das US-Kriegsschiff Maine im Hafen von Havanna zerstört worden war. Statt der 4000 Seemeilen von San Franzisko nach Kuba, die auf der Reise heute durch den Panamakanal zurückzulegen sind, mußte die Oregon 12 000 Meilen um das Kap Hoorn segeln, eine Reise, die ungefähr zwei Monate dauerte. Es gab lange keine Nachrichten von dem Kriegsschiff, und die Amerikaner verfolgten die Entwicklung mit wachsender Besorgnis und Aufregung. 67 Tage nachdem es die Westküste verlassen hatte, wurde es endlich vor Floridas Küste gesichtet. Die Oregon kam gerade noch rechtzeitig, um eine wichtige Rolle in der entscheidenden Schlacht der Santiago-Bucht zu spielen. Diese 67 Tage zeigten, wie wichtig eine Wasserstraße zwischen dem Pazifik und dem Atlantik war, die der langen und gefährlichen Reise um das Kap Hoorn ein Ende setzen würde.

Roosevelts ehrgeizer Traum

Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt sollte zur treibenden Kraft hinter dem Bau des Panamakanals werden. Der Bau wird als die größte Leistung seiner Amtszeit gesehen, sein größter Stolz, welche aber auch eine der größten Debatten hervorrief. „Roosevelt kämpfte weder für ein kommerzielles Unternehmen noch für einen universellen Nutzen des Kanals. Er sah in dem Kanal zuallererst einen wichtigen Faktor für die globale Bedeutung der USA. Er stellte sich die USA als eine Seemacht auf zwei Weltmeeren vor, die durch einen Kanal miteinander verbunden waren. Dieser Kanal sollte von seinem eigenen Heimatland besessen, bewirtschaftet, überwacht und militärisch verteidigt werden. Er sollte die amerikanischen Vorherrschaft auf See einleiten“ (The Path Between the Seas [„Der Weg zwischen den Meeren“] von David McCullough, 1977). McCullough fügt hinzu: „Alle weiteren Vorteile, die durch den Bau resultieren sollten, so wichtig oder gut wie sie auch sein mochten, waren für ihn von zweitrangiger Bedeutung.“

Roosevelt behielt Recht. Der Bau des Kanals bedeutete die Geburtsstunde der USA als neue Weltmacht und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs auch die Ablösung Großbritanniens als größte Seemacht, was dem „Pax Americana“ den Weg bereitete, der der Welt in den letzten 50 Jahren einen nie dagewesenen Wohlstand beschert hat.

Bevor er plötzlich nach der Ermordung von Präsident William McKinley auf der panamerikanischen Ausstellung in Buffalo, New York, ins Präsidentenamt berufen wurde, war Theodore Roosevelt sehr durch seine eigenen Erfahrungen 1898 im Krieg gegen Spanien geprägt worden. Außerdem beeinflußte ihn ein Buch, das von einem Fakultätsmitglied der US-Marinekriegsschule in Newport, Rhode Island, geschrieben wurde. Roosevelt hatte den Autor Alfred Thayer Mahan getroffen, als er von der Marinekriegsschule eingeladen wurde, als Historiker einen Vortrag über sein Spezialgebiet zu halten, den Krieg Amerikas gegen England (1812-1814).

Mahans Buch, The Influence of Sea Power Upon History [„Der Einfluß der Seemacht auf die Geschichte“] wurde 1890 veröffentlicht und wurde zum internationalen Bestseller. Interessanterweise gab 1890 das Statistische Bundesamt der USA bekannt, daß das Land keine kontinentalen Landesgrenzen mehr zwischen den der Altantik- und der Pazifikküste hatte. Die kontinentale Ausbreitung Amerikas war abgeschlossen.

Mahans Ansichten wurden mit großem Interesse auch außerhalb der USA gelesen. So erhielt er die Ehrendoktorwürde von den Universitäten Oxford und Cambridge. Kaiser Willhelm II. veranlaßte, daß Mahans Buch an alle Kapitäne und Offiziere seiner Marine verteilt wurde. Für japanische Militärhochschulen wurde das Buch zur Pflichtlektüre. Zu Hause wurde Mahan von Mitgliedern des amerikanischen Kongresses begeistert unterstützt. „Die Seemacht ist es, die für jedes hervorragende Volk von Bedeutung ist“, erklärte dazu der US-Senator Henry Cabot Lodge.

Erfüllung eines Traums

Der Bau des Panamakanals wurde zu einer der größten technischen Leistungen der Geschichte. Schon bald nach Vollendung des Suezkanals 1869 stieg das Interesse an diesem Projekt. Der Suezkanal, eine Schlagader des britischen Empires, der Großbritannien mit Indien und anderen asiatischen Kolonien verband, war von einem französischen Ingenieur, Ferdinand de Lesseps, gebaut worden. Als sich der Internationale Kongreß der Geographischen Wissenschaft 1879 in Paris traf und beschloß, den Bau des Panamakanals zu unterstützen, übernahm der 74jährige de Lesseps die Aufgabe, diese Wasserstraße zu bauen. Das Projekt scheiterte einige Jahre später und wurde im nächsten Jahrhundert von den USA wieder in Angriff genommen.

Die USA warteten zuerst auf die Zusage des kolumbianischen Kongresses, einen Kanal durch das kolumbianische Territorium bauen zu dürfen. Durch die Bürgerkriege von 1899 und 1903 abgelenkt, zögerten die Kolumbianer. Als das Volk von Panama gegen ihre kolumbianischen Herrscher rebellierten, nahmen die USA das Vertragsangebot der Rebellen an, das den Vereinigten Staaten die Hoheitsrechte über eine zehn Meilen breite Kanalschneise garantierte. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA der neuen Republik Panama eine jährliche Entschädigung zu zahlen. Obwohl die USA jeglichen direkten Einfluß auf den Aufstand gegen Kolumbien leugneten, leiden deshalb die bilateralen Beziehungen der USA und Kolumbiens bis auf den heutigen Tag. Die Beziehung zu Panama erwies sich auch nicht als einfach.

Die Arbeit am Kanal begann 1904, aber aufgrund von Streitigkeiten über die Art des Kanals, der gebaut werden sollte, kam man mit den Bauarbeiten bis 1906 nur langsam voran. Der 51,2 Meilen lange Panamakanal wurde 1914 fertiggestellt. Ironischerweise begann im Jahr der Vollendung der Erste Weltkrieg in Europa und unter den europäischen Kolonien weltweit. Dieser Krieg verstärkte Amerikas Einfluß auf das Weltgeschehen und machte es zur konkurrierenden Seemacht gegenüber Großbritannien.

Roosevelt hätte den Kanal vielleicht gar nicht erst gebaut, wenn er gewußt hätte, daß er nur ein knappes Jahrhundert lang in amerikanischem Besitz bleiben würde. Am 31. Dezember 1999 traten die USA die Hoheitsrechte über den Kanal an Panama ab. Die Übergabe des Kanals resultierte aus den Bedingungen des Vertrages, der 1977 unter der Carter-Regierung zwischen den USA und Panama unterzeichnet worden war. Panama hat nun die Bewirtschaftung der an beiden Enden des Kanals gelegenen Häfen einem privaten Hongkonger Unternehmen übergeben, welches – wie alle anderen Firmen in China – der Kontrolle der chinesischen Regierung unterliegt.

In den letzten Jahren machte China beachtliche Gewinne auf Kosten der USA und Großbritanniens. Der Abzug der amerikanischen Streitkräfte von ihren Stützpunkten in den Philippinen verstärkte die Machtposition Chinas in dieser Region. 1997 machte die Übergabe Hongkongs durch Großbritannien an China die Volksrepublik China zum zweitreichsten Land der Welt bezüglich seiner Gold- und Devisenreserven. Somit kann China heute einen größeren Teil seines Wohlstandes für militärische Projekte ausgeben. Die Rückgabe Macaus an China am selben Tag der Übergabe des Panamakanals gab China die Freiheit, seine Bemühungen auf die Wiedervereinigung mit Taiwan zu konzentrieren, ein Zug, dessen Erfolg China zum Land mit den größten internationalen Devisenbeständen auf Erden machen würde. Im neuen Jahr hat China erneut seine Bereitschaft bekundet, die Wiedervereinigung mit Taiwan notfalls auch mittels Waffengewalt herbeizuführen.

Die Unruhen in Indonesien könnten zu einer zusätzlichen Stärkung Chinas führen. Jeder Machtverlust Indonesiens würde die Macht und den Einfluß der Volksrepublik China ausbauen. Indien, ein potentieller Rivale, ist zu sehr mit seinem Erzfeind Pakistan beschäftigt, um sich auf einen Streit mit China einzulassen.

Mit der Übergabe des Panamakanals kann sich der Einfluß Chinas auf Zentral- und Südamerika ausweiten. Es wäre Peking unter den neuen Bedingungen möglich, Militärgüter zunächst unbemerkt nach Panama zu bringen und in Mittelamerika eine eigene militärische Infrastruktur aufzubauen. Vor nicht ganz vierzig Jahren führte ein ähnlicher Versuch der Sowjetunion zur Kubakrise und brachte die Welt an den Rand eines Dritten Weltkriegs.

Der kürzlich abgeschlossene Handelsvertrag, der China den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) sicherte, wird der schnell wachsenden Wirtschaft Chinas wahrscheinlich zu einem weiteren Aufschwung verhelfen. Es wird aber auch befürchtet, daß das Abkommen, das China gegenüber größerer ausländischer Konkurrenz öffnen wird, zu inneren Unruhen führen könnte, wenn Hunderttausende von Chinesen ihre Arbeit aufgrund der Umstrukturierung, die stattfinden wird, verlieren werden. China ist ein aufwachender Riese. Ein instabiler Riese könnte in der ganzen Region Instabilität verbreiten.

Vor einhundert Jahren, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ging die britische Vorherrschaft ihrem Ende zu. Die USA standen als neue Supermacht schon am Horizont. Heute scheint sich die Geschichte wieder einmal zu wiederholen. Diesmal kämpfen die USA gegen die Realitäten des „imperial overreach“ [etwa: „übermäßige imperialistische Ausdehnung“] an, während China und andere danach streben, ihren Einfluß auszubauen.

Durch sein Empire gelangte Großbritannien einst in den Besitz strategisch wichtiger geographischer Knotenpunkte, ebenso die USA. Der Erwerb solcher „Tore“ sicherte diesen zwei Nationen wichtige Stützpunkte weltweit, durch die sie ihre eigenen Interessen wirksam vertreten und auch entscheidenden Einfluß auf das Weltgeschehen ausüben konnten.

Genauso wie der Erwerb dieser Stützpunkte den zwei Nationen weltweit eine Überlegenheit sicherte, sollte deren Verlust den Verfall der Macht und der militärischen Stärke auf dramatische Weise illustrieren. Wichtige Wendepunkte im Untergang von Großbritannien führten zum Verlust zweier der wichtigsten strategischen Stützpunkte. Die Vereinigten Staaten bestreiten einen ähnlichen Weg wie ihr Bruder, indem sie genauso Stützpunkte verlieren, die von den vorangegangenen Generationen Amerikas für die nationale Sicherheit als wichtig erachtet wurden.

Zwei der wichtigsten Wendepunkte im Abstieg des britischen Empires waren der Verlust Singapurs an die Japaner 1942 und der Verlust des Suezkanals an Ägypten vierzehn Jahre später. Singapur war Großbritanniens wichtigster Marinestützpunkt im Fernen Osten und wurde für uneinnehmbar gehalten. Es erwies sich jedoch für die Japaner als Leichtes durch den Dschungel von Malaysia in den Norden einzumarschieren, eine Richtung, aus der die Briten keinerlei Bedrohung befürchtet hatten. Für das britische Volk bedeutete dies einen großen psychologischen Schlag auf den nationalen Stolz, die größte Niederlage, die das Empire je durch eine asiatische Nation erhalten hatte. Der Sieg Japans sandte den anderen asiatischen Ländern eine starke Botschaft, daß es doch möglich war, die scheinbar unbesiegbare Supermacht zu bezwingen. Nach der Niederlage Japans 1945 konnten die Briten die Kontrolle über Singapur wiedergewinnen. Ironischerweise zogen sie sich 25 Jahre später freiwillig von der Militärbasis zurück, weil sie den Unterhalt ihres dortigen Stützpunktes nicht mehr finanzieren konnten.

Suez wurde dann zum letzten Todesstoß aller Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des Empires. Eine Gruppe radikaler Armeeoffiziere stürzte 1952 Ägyptens König Farouk und versprach, das Land von ausländischen Einflüssen zu befreien. Sie propagandierten für die ägyptische Kontrolle über den Kanal und eroberten ihn dann 1956. Britische, französische und israelische Truppen marschierten in Ägypten ein. Daraufhin wurde internationaler finanzieller Druck gegen Großbritannien ausgeübt, und die US-Regierung des Präsidenten Eisenhower verweigerte Großbritannien militärische Unterstützung. Damit war die britische und französische Kontrolle über den Suezkanal beendet.

Könnte das gleiche Schicksal auch die Vereinigten Staaten von Amerika befallen? In den knapp 25 Jahren seit dem Abkommen von 1977 über den Panamakanal haben die USA ihre Militärbasen in den Philippinen verloren und ihre Truppenkontigente in anderen Teilen der Welt reduziert. Zur gleichen Zeit sind die US-amerikanischen militärischen Verpflichtungen angestiegen. Immer mehr kleinere Staaten weltweit bitten die USA um ihre Unterstützung und ihr Eingreifen; eine Bürde, die die USA immer mehr mit seinen NATO-Partnern und den Vereinten Nationen zu teilen versuchen. Dieses Paradox wird manchmal auch als „imperial overreach“ bezeichnet, das gleiche Problem, daß Großbritannien in den Jahren seines Abstiegs befiel. Es bedeutet die Tendenz einer Supermacht, sich mit Verpflichtungen zu überlasten, um seine Führungsrolle zu erhalten. Irgendwann führen immer mehr globale Verpflichtungen zu einer Situation, in der die Supermacht dann gar keiner Verpflichtung nachkommen kann, da ihre Streitkräfte in jeder Gegend nicht mehr genügend Schlagkraft besitzen, um wirksam eingesetzt werden zu können. Gegenwärtige Trends scheinen darauf hinzudeuten, daß die USA den gleichen Weg als Supermacht beschreiten werden wie ihr Vorgänger Großbritannien.

Gott lenkt das Weltgeschehen

Mächtige Nationen hat es auch in der Vergangenheit gegeben: Ägypten, Assyrien, Babylon, Medien, Rom usw. Alle erschienen auf der Weltbühne und schienen auf dem Höhepunkt ihrer Macht unbesiegbar zu sein. Zur Zeit Nebukadnezars, des Königs des babylonischen Reiches auf dem Zenith seiner Macht, wirkte Gott durch seinen Propheten Daniel, um die Zukunft bis auf die Zeit der Rückkehr Jesu Christi vorauszusagen. Nebukadnezar mußte erfahren, daß Gott „Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und sie geben kann, wem er will“ (Daniel 4,14).

Gottes Eingreifen in das Weltgeschehen in vergangenen Zeiten und in der Zukunft dient seinem Vorhaben, sein Reich auf dieser Erde aufzurichten. Das Reich Gottes als Mittelpunkt der Botschaft Christi ist deshalb auch ein Hauptmotiv der Prophezeiung. Viele biblische Prophezeiungen beschreiben die noch in der Zukunft liegende Aufrichtung dieses Reiches auf Erden.

Die Zukunft der USA als Supermacht – wie die Zukunft aller anderen menschlichen Staaten – kann nur in Verbindung mit den Prophezeiungen der Bibel gesehen werden, in denen ein Grundriß des Weltgeschehens dargelegt wird. Die Prophezeiungen Daniels vermitteln uns einen Einblick in diese Ereignisse.

König Nebukadnezar hatte einen bemerkenswerten Traum, den Daniel mit Gottes Hilfe auslegen konnte (Daniel 2). Der Traum offenbart uns „Gottes Plan für alle Zeitalter bis zum Endsieg Christi“. Er „zeigt, welche Weltmächte in welcher Reihenfolge im Nahen Osten führend sein werden, bis der Messias in den letzten Tagen den endgültigen Sieg davonträgt“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 39, 46).

Daniel erklärte Nebukadnezar, sein Reich sei durch das goldene Haupt versinnbildlicht (Verse 37-38). Die anderen Teile des Standbildes – aus Silber, Kupfer sowie Eisen und Ton – stellten drei mächtige Reiche dar, die nach dem Niedergang Babylons aufsteigen sollten (Verse 39-40). Diese um 600 v. Chr. zu datierende Traumdeutung bot eine erstaunliche Vorschau der nachfolgenden Weltgeschichte. Das Standbild stellte eine Abfolge großer Reiche dar, die über mehrere Jahrhunderte hinweg die Weltpolitik bestimmen sollten.

„Das Silberreich symbolisierte Medo-Persien, dessen Epoche unter Cyrus dem Großen mit der Eroberung Babylons im Jahre 539 v. Chr. begann ... Dieses Silberreich dominierte zweihundert Jahre lang im Mittleren und Nahen Osten“ (The Expositor’s Bible Commentary, Band 7, Seite 47).

„Das Kupferreich war das von Alexander dem Großen gegründete griechisch-mazedonische Reich ... Es bestimmte 260 bis 300 Jahre die Geschichte, ehe es vom vierten Reich verdrängt wurde ... Eisen steht für rücksichtslose Härte, ein Merkmal des Römischen Reiches, das seine größte Ausdehnung unter dem Kaiser Trajan erreichte“ (ebenda). Trajan war römischer Kaiser von 98 bis 117 n. Chr., und das Römische Reich hatte insgesamt mehrere hundert Jahre Bestand.

Zum Sinnbild des vierten Reiches gehörten zehn Zehen. Die Füße und Zehen bestanden teils aus Eisen und teils aus Ton (Daniel 2,41). „Vers 41 hat mit einer späteren Phase dieses vierten Reichs zu tun, die durch die Füße und die zehn Zehen symbolisiert wird. Diese Körperteile aus Ton und Eisen gaben dem ganzen Standbild ein äußerst wackliges Fundament. Offensichtlich wird diese Endphase eher durch einen Völkerverband als durch ein einzelnes mächtiges Reich gekennzeichnet sein“ (ebenda).

Der durch die zehn Zehen versinnbildlichte „Völkerverband“ stellt die letzte Phase in der Reihenfolge der durch Nebukadnezars Traum beschriebenen Weltreiche dar. Die Staaten bzw. Völker, die diesem Völkerverband angehören, werden auch „Könige“ genannt und werden zu der Zeit an der Macht sein, wenn Gott sein Reich auf Erden etabliert: „Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben, wie du ja gesehen hast, daß ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte“ (Daniel 2,44-45).

Da die zehn Zehen zum unteren Teil des Standbildes gehören, das das römische Reich darstellt, deuten die Zehen als Völkerverband auf eine endzeitliche Wiederbelebung des Römischen Reiches hin. Die Entstehung dieser Weltmacht, die, wie jedes andere Land, ihre eigenen Interessen verfolgen wird, wird unweigerlich eine Neuordnung der geopolitischen Strukturen bedeuten.

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