Die Ewigkeit im Visier

Das neue Jerusalem © Steve Creitz/GoodSalt.com
Gottes Wunsch, bei seinem Volk zu wohnen, wird eines Tages auf ewig wahr werden. Den Augenblick der Erfüllung dieses Wunsches beschreibt der Apostel Johannes in Offenbarung 21.

Die Heilige Schrift bietet uns ein beeindruckendes Bild vom Ziel unserer lebenslangen Reise – die ewige Zukunft mit unserem himmlischen Vater und seinem Sohn.

Von Robin Webber

Vor etwa 3000 Jahren gab Israels König David, der in seiner Jugend Hirte war, zwei gewaltige Erklärungen ab, die wir in dem bekanntesten und beliebtesten Psalm der Heiligen Schrift finden – Psalm 23.

Als Erstes verkündet er in Vers 1: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Und zum Schluss des Psalms stellt er voller Zuversicht fest: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar“ (Vers 6).

Der einleitende und der abschließende Vers dieses Psalms fassen zusammen, was bisher in dieser Reihe über die Ewigkeit dargelegt wurde. Zwischen diesen beiden Versen beschreibt David auch unsere Erlebnisse, sei es „eine grüne Aue“ oder „das finstere Tal“ (Psalm 23,2. 4). Davids Worte umfassen manches, was wir in diesem Leben durchmachen.

Was bedeutet es, „immerdar im Hause des Herrn“ zu bleiben? Wir werden einen Blick darauf werfen und dabei auf zwei früheren Beiträgen dieser Reihe aufbauen. Der erste, „Unsere Augen auf die Ewigkeit richten“ in der Ausgabe Mai-Juni 2020, behandelte die Suche des Menschen nach einem Lebenssinn und bot eine biblische Perspektive an, die weit über unsere sehr realen Momente menschlicher Frustration und Verzweiflung hinausgeht.

Der zweite Beitrag, „Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten“ in der letzten Ausgabe von Gute Nachrichten, definierte die Ewigkeit nicht nur als ein Ziel, sondern als eine Art Reise, bei der wir in eine enge und herzliche Beziehung zu Gott, dem Vater, und Jesus Christus eintreten (Johannes 17,1-3).

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass die Bibel die Tatsache, dass die Ewigkeit Gottes Geschenk an die Menschheit ist, häufiger erwähnt als die Beschreibung dessen, was die Ewigkeit eigentlich ist. Gott gibt uns biblische Momentaufnahmen dazu auf der Grundlage dessen, was wir menschlich von dieser grenzenlosen Existenz begreifen könnten, während wir zurzeit unsere begrenzte menschliche Sphäre erleben.

Ein solcher „Blick in die Ewigkeit“ kann für uns, die wir durch Gottes Gnade in das endgültige „Haus des Herrn“ eintreten werden, sehr motivierend sein. Er bestärkt uns darin, der Einladung Jesu „Folgt mir nach!“ (vgl. Matthäus 4,19; Johannes 21,22) treu zu bleiben. Lassen Sie uns nun in unserer Vorschau auf die Ewigkeit ein Stück weitergehen.

Heimat ist, wo das Herz ist

„Zuhause“ wird manchmal als die Stätte beschrieben, wo das Herz ist. Und das ist der Schlüssel zur Ewigkeit. Hebräer 11 definiert die treuen Diener Gottes durch die Jahrhunderte hindurch als diejenigen, die „im Glauben gestorben sind und haben die Verheißungen nicht erlangt, sondern sahen sie von fern und begrüßten sie“ (Hebräer 11,13; Elberfelder Bibel).

Diese geistlichen Pilger gaben sich nie mit dem Umfeld ihres eigensinnigen Zeitalters zufrieden, sondern „sehnten sich nach einer besseren Heimat, nach der himmlischen, und deshalb schämt Gott sich auch nicht, ihr Gott – der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – zu heißen. Er hatte ja auch schon eine Stadt für sie gebaut“ (Hebräer 11,16; Gute Nachricht Bibel).

Wie lautete nochmals der Schluss von Davids Psalm 23? Seine Perspektive orientierte sich daran, „immerdar im Hause des Herrn zu bleiben“. Wie wird das nun sein?

Als David in Bethlehem aufwuchs, erlebte er die eher rauen und funktionalen Behausungen der Menschen seiner Zeit, aber es war sein Zuhause! Warum? Zuhause ist dort, wo die Menschen sind, die man liebt. Es mag nicht mit allem Komfort ausgestattet sein, aber wenn die Liebe da ist, ist es auch ein Zuhause!

Außerdem wäre David mit der Stiftshütte in Gibeon vertraut gewesen, deren Allerheiligstes als irdische Heimat des Gottes Israels galt. Dort berührte sozusagen der Himmel die Erde, was auf Gottes Wunsch nach Nähe zu seinem Volk hinweist. Als die Israeliten noch als Sklaven in Ägypten waren, hatte Gott ihnen gesagt: „Ich will euch annehmen zu meinem Volk und will euer Gott sein“ (2. Mose 6,7).

Das „Haus des Herrn“ und die Ewigkeit auf Erden

Gottes Wunsch, bei seinem Volk zu wohnen, wird eines Tages auf ewig wahr werden. Den Augenblick der Erfüllung dieses Wunsches beschreibt der Apostel Johannes wie folgt:

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein“ (Offenbarung 21,1-3).

Hier ist die „bessere Heimat“, nach der sich die in Hebräer 11 aufgeführten Personen sehnten. Hier ist die himmlische Heimat – ja, Heimat! Hier ist die himmlische Stadt, die auf die Erde herabkommt. „Willkommen in der Ewigkeit!“, wäre ein geeigneter Gruß an alle, die dieses Ereignis erleben werden.

Wir können zu denen gehören, die diesen Gruß erleben! Ja, wir können eines Tages persönlich miterleben, wie die biblische Beschreibung vom Anbruch der Ewigkeit Wirklichkeit wird. Jesus forderte uns in der Bergpredigt dazu auf, für das Eintreffen dieses Ereignisses zu beten: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“ (Matthäus 6,10).

Johannes hat unseren Eintritt in die Ewigkeit auch in einem seiner Briefe festgehalten: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht. Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Johannes 3,1-2).

Gottes Verheißung, dass diejenigen, „die reinen Herzens sind, Gott schauen“ werden, wird endlich wahr werden (Matthäus 5,8), und zwar auf eine Weise, die Mose nicht vergönnt war, als der „Ich bin“ ihm sagte: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht“ (2. Mose 33,20).

Wie wird es möglich sein, dass wir das Licht, „zu dem niemand kommen kann“, sehen und in die Gegenwart Gottes treten werden (siehe 1. Timotheus 6,16)? Vom Apostel Paulus wissen wir, dass kein Mensch die Dinge gesehen oder gehört hat, die „Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9).

Um es ganz offen zu sagen: Wir sind in diesem Leben einfach nicht in der Lage, die Ewigkeit in ihrem vollem Umfang zu erfassen. Als physische Menschen sind wir dafür ungenügend „ausgerüstet“, aber Gott natürlich schon!

Und er wird diejenigen, „die die Gebote Gottes halten und den Glauben an Jesus“ (Offenbarung 14,12), eine wundersame Verwandlung erfahren lassen. Wie Paulus weiter schrieb: „Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit“ (1. Korinther 15,53).

Ja, wir werden als unsterbliche Kinder Gottes Teil der Familie Gottes sein, was der Höhepunkt von Gottes erklärter Absicht für die Menschheit sein wird. Wie das alte Sprichwort sagt: „Wie der Vater, so der Sohn.“ Gottes Geschenk der Unsterblichkeit wird es uns erlauben, an seinen Eigenschaften teilzuhaben, wie Johannes sagte: „Wir werden ihm gleich sein.“ Der Apostel Petrus sagte sogar, dass wir „Anteil an der göttlichen Natur“ bekommen sollen (2. Petrus 1,4).

Das bedeutet freilich nicht, dass wir dann hinsichtlich unserer Stellung und Autorität unserem nicht erschaffenen himmlischen Vater und Jesus gleichgestellt sein werden. Nein, denn im Gegensatz zu ihnen sind wir aus Staub geschaffen und wurden Raum und Zeit unterworfen. Wie viele Verheißungen offenbaren, werden wir mit ihnen herrschen und ihnen doch unterstellt sein. Gott, der Vater, und Jesus werden für immer die Höchsten sein. Welch ein Privileg ist es doch, Teil der Familie Gottes sein zu dürfen! In der Liebe und Gnade des Vaters und Christi uns gegenüber öffnen sie uns die Tür zur Ewigkeit und erlauben uns, einzutreten – und was am wichtigsten ist – in der Ewigkeit zu bleiben!

So wird die Ewigkeit zu unserer Heimat werden – und nicht nur zu einem vorübergehenden Gastaufenthalt oder Teilzeitwohnrecht. Hier finden wir uns bei Davids Zuversicht wieder, dass er letztendlich „immerdar im Hause des Herrn bleiben“ würde.

Seit Jahrhunderten lesen Jesu treue Nachfolger sein Versprechen: „Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen“ (Offenbarung 3,12). Das Fazit? Durch Gottes Gnade gehen wir in die Ewigkeit hinein, um sie zu erleben und in ihr zu bleiben.

Eine Rückkehr in den Garten Eden vor dem Fluch

Ein Naturgesetz lehrt uns, dass es für jede Wirkung eine Ursache gibt, und die Ewigkeit für uns widerspricht nicht diesem Gesetz. Das, was uns das Erleben der Ewigkeit ermöglicht – die Wirkung –, ist die andauernde Gegenwart von Gott, dem Vater, und dem auferstandenen und verherrlichten Jesus Christus – die Ursache (siehe Johannes 17,1-3).

Die Beschreibung der Ewigkeit in Offenbarung 21-22 liest sich auf eine Art wie eine Rückkehr in den Garten Eden, und zwar bevor der Fluch, der aufgrund der Einnahme der verbotenen Frucht jetzt auf der Menschheit lastet, wirksam wurde. Gott und der Mensch werden endlich in vollkommener Harmonie zusammengeführt werden. Offenbarung 22, Vers 3 vermittelt uns eine Vorstellung von Gott inmitten seiner Schöpfung: Der Vater und das Lamm, Jesus Christus, sitzen auf ihren Thronen inmitten der auf der Erde herbeigeführten Ewigkeit.

So wie die Stiftshütte in der Wüste und der Tempel in Jerusalem inmitten des Bundesvolkes Gottes errichtet wurden, so wird auch dieses letzte „Haus des Herrn“, dieses heilige Reich, diese ewige Heimat, inmitten der unsterblichen Diener Gottes errichtet werden. Und ein weiteres Sinnbild der Gerechtigkeit und des Segens Gottes wird auch hier sein – der Baum des Lebens (Offenbarung 22,2).

Die Gegenwart von Gott, dem Vater, und dem Lamm schafft eine unglaubliche Umgebung, die mehrmals mit dem Wort „Nein“ beschrieben wird. Menschlich zucken wir oft beim Klang von „Nein“ zusammen, verärgert über die Ablehnung dessen, was wir wollen. Aber Gott gebraucht hier das Wort „Nein“, um uns wunderbare, positive Dinge über die Ewigkeit zu sagen.

Es wird keinen Tod mehr geben, keine Trauer, Tränen oder Schmerzen. Und das ist nur der Anfang von Offenbarung 21, Verse 1-3. Gott fährt mit dem „Nein“ fort, indem es keine verschlossenen Tore geben wird, weil es keine Nacht geben wird (Offenbarung 21,25; 22,5). Und wiederum wird es keinen Fluch mehr geben (Offenbarung 22,3), denn es wird nichts Falsches geben, das verunreinigt (Offenbarung 21,27).

Nichts mehr wird zwischen uns und unserem Gott stehen, der uns liebt und den wir wiederum lieben dürfen: „Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm“ (Offenbarung 21,22-23; vgl. Offenbarung 22,5).

In der letzten Nacht seines menschlichen Lebens sagte Jesus: „Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“ (Johannes 14,2). Hier in der Offenbarung sehen wir die Erfüllung der Verheißung Christi durch Gott und sein erlöstes Volk, das endlich für immer gesegnet sein und mit Gott zusammen in unendlicher Freude leben wird.

Aber jetzt haben wir in diesem Leben noch unsere Hausaufgaben – und ich möchte sagen, harte Arbeit und Herzensarbeit – zu erledigen, wenn wir die Einladung Christi „Folgt mir nach!“ befolgen wollen. Halten wir stets an der Vision der Ewigkeit fest. Lassen wir uns von ihr motivieren, damit wir, wie König David, auf die Zeit zusteuern, wenn wir „immerdar im Hause des Herrn bleiben“ werden.

– Gute Nachrichten September-Oktober 2020 PDF-Datei dieser Ausgabe

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