Erleben wir das Ende der Dollar-Dominanz?

Erleben wir das Ende der Dollar-Dominanz? © Fran Hogan/Unsplash
Viele wollen ein Ende der Ära des Dollars als weltweite Reservewährung. Falls das geschieht, wird sich Ihre finanzielle Welt für immer verändern.

Wird der US-Dollar als Weltleitwährung bald ersetzt? Vor nur wenigen Jahren wäre die Ablösung des Dollars unvorstellbar gewesen. Die Finanzkrise nährt Forderungen nach einer Neuordnung des Währungssystems.

Von Darris McNeely

In der Financial Times in London wurden kürzlich Schlagzeilen veröffentlicht, die auf die anhaltende Schwäche des US-Dollars hinweisen. „Brasilien und China begutachten Pläne, den Dollar loszuwerden“ heißt die eine, „China greift die Vormachtstellung des Dollars an“, lautet eine andere. Bei einer anderen Schlagzeile war die Rede von der „Entdollarisierung der Welt und dem Ende der amerikanischen finanziell-militärischen Hegemonie“. Eine weitere hob den Mangel an Vertrauen in die amerikanische Führungsrolle im Finanzbereich hervor: „Der Dollar sinkt während [der amerikanische Finanzminister] Geithner die Hoffnung auf einen Aufschwung begrüßt“ (Hervorhebung durch uns).

Es gibt also Warnungen, die über den Bug Amerikas abgefeuert werden. Viele wollen ein Ende der Ära des Dollars als weltweite Reservewährung. Falls das geschieht, wird sich Ihre finanzielle Welt für immer verändern.

Ist so etwas überhaupt möglich?

Die Vereinigten Staaten sind mittlerweile mit 10,6 Billionen Dollar die größte Schuldnernation der Welt. Die Volksrepublik China ist mit US-Staatsanleihen im Wert von mehr als 800 Milliarden Dollar der größte Gläubiger der USA. Der chinesische Premierminister Wen Jiabao hat in diesem Jahr bereits öffentlich „Bedenken“ wegen Chinas Besitz von umfangreichen amerikanischen Staatsschulden geäußert. Dadurch ist China eng an Amerika gebunden, in guten und in schlechten Zeiten. China macht sich Sorgen, dass die US-Staatsanleihen und sonstigen Schuldverschreibungen viel an Wert verlieren werden, wenn der Dollar entwertet wird oder die Finanzkrise nicht bald ein Ende findet.

China, Russland und andere Nationen fordern die Schaffung einer neuen Reservewährung für den Welthandel. Damit wollen sie sich vor den Problemen schützen, die für sie auftreten, wenn die US-Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät. Sie wollen auch den dominanten Einfluss Amerikas auf die Weltwirtschaft schmälern. Der Niedergang Amerikas und der Aufstieg Chinas passt zudem zu dessen geopolitischen Ambitionen.

Die Funktion des Dollars als Weltleitwährung zu beenden ist keine einfache Angelegenheit. Im Frühjahr schrieb das Wall Street Journal dazu: „Die technischen und politischen Hürden für die Implementierung von Chinas Vorschlägen [zur Schaffung einer neuen Weltleitwährung als Ersatz für den Dollar] sind enorm. Deshalb werden diese Vorschläge, auch wenn sie von anderen Nationen unterstützt werden, die Rolle des Dollars kurzfristig kaum verändern können.

Zentralbanken auf der ganzen Welt besitzen mehr amerikanische Dollar und Dollar-Wertpapiere als Anlagen in irgendeiner anderen einzelnen Fremdwährung. Diese Reserven können dazu genutzt werden, die landeseigenen Währungen der Zentralbanken zu stützen“ („China Takes Aim at Dollar“, 24. März 2009).

Wie lange kann sich der Dollar halten?

Vor dem Dollar hat das britische Pfund Sterling die Grundlage der Weltwirtschaft gebildet. Es erforderte zwei Weltkriege und mehrere Jahrzehnte, bis sich der Weltstandard vom Pfund auf den Dollar verlagerte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist der Dollar die Weltleitwährung.

Auch wenn die gegenwärtigen Finanzprobleme, die in Amerika ihren Anfang nahmen, zu einer weltweiten Krise geführt haben, reicht das noch nicht aus, um Amerikas gegenwärtige Führungsrolle wirklich zu unterminieren. Das soll aber nicht heißen, dass so etwas nicht geschehen könnte oder eines Tages geschehen wird.

Die Schaffung einer neuen Weltleitwährung hängt davon ab, dass bestimmte Faktoren vorliegen. Analysten des privaten Forschungsunternehmens Stratfor haben diese Faktoren zusammengefasst:

„Was eine Welt jenseits des Dollars anbelangt, geht es um die Tatsache, dass eine Reservewährung nicht per Beschluss festgelegt wird, sondern sie etabliert sich von sich aus. Zwei Dinge sind für die Einführung einer Reservewährung erforderlich. Zum einen muss es eine ausreichende Liquidität zur Unterstützung eines weltweiten Systems geben. Dazu ist eine Zentralbank mit sehr viel Unabhängigkeit von staatlichem Einfluss erforderlich und die amerikanische Notenbank ist in dieser Hinsicht beispiellos. Nicht einmal die europäische Zentralbank kommt dem nahe.

Zweitens muss die Wirtschaft, auf der die Währung basiert, groß genug sein, um Schwankungen zu verkraften, die von anderen Wirtschaftsräumen ausgelöst werden, die ihre Anleihen in großem Umfang aufkaufen oder veräußern. Erneut sind die Vereinigten Staaten der einzige Wirtschaftsraum, der zurzeit diese Voraussetzungen erfüllt.

Ein wesentlicher Bestandteil für die Ablösung des US-Dollars wäre dabei eine umfassende Ablehnung amerikanischer Staatsanleihen als Kernelement der chinesischen Währungsreserven, was – nach der gängigen Meinung – den USA schwerwiegende wirtschaftliche Probleme bereiten würde. Aber bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass das nicht unbedingt der Fall wäre.

Zum einen ist ein umfassender Verkauf von amerikanischen Staatsanleihen nicht möglich. Jeder Verkäufer braucht einen Käufer. Die vorhandene Menge lässt sich daher nicht so schnell verkaufen. Zweitens würde eine solche Aktion den Wert dieser Wertpapiere ins Bodenlose absinken lassen und damit die Rücklagen vernichten, die sich die Chinesen über die Jahre erwirtschaftet haben. Die sogenannte ,atomare Option‘ ist in Wirklichkeit keine echte Option“ („China‘s Calculated Currency Rhetoric“, 25. März 2009).

China hat auch seine eigenen Probleme. Die wachsende Mittelklasse, die durch den Aufschwung in China entstanden ist, erlebt zurzeit Arbeitslosigkeit und finanzielle Einbrüche. Die kommunistische Partei kann sich keine Unzufriedenheit bei dieser Bevölkerungsgruppe leisten. Sobald Menschen sich an Materialismus gewöhnt haben, werden sie diesen nicht wieder aufgeben. Gegenwärtig ist es im Interesse Chinas, eine ausländische Macht (Amerika) zu beschuldigen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit von hausgemachten Problemen abgelenkt.

China spielt damit aber auch klar ein gefährliches geopolitisches Spiel, indem das Land nach einer neuen Reservewährung ruft.

Was wären die Folgen für Amerikaner?

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Dollar die vorherrschende Weltwährung. Für die meisten heute lebenden Amerikaner ist das die Welt, in die sie hineingeboren wurden. Das ist alles, was sie je gekannt haben. Amerikaner genießen aufgrund der Stabilität und des Wohlstands durch Amerikas vorherrschenden wirtschaftlichen Einfluss einen der weltweit höchsten Lebensstandards.

Was würde es also für amerikanische Konsumenten bedeuten, wenn der Dollar nicht länger die Reservewährung der Welt wäre?

Alles, was die Amerikaner importieren, würde teurer werden – alles. Die Amerikaner würden diese neue Währung erwerben müssen, um auf dem Weltmarkt Handel zu treiben. Die hohen Benzinpreise vom letzten Jahr würden da wie ein Sonderangebot aussehen.

Der Kreditmarkt würde einbrechen. Investoren würden sich von toxischen Vermögenswerten fernhalten und damit die Wirtschaft noch weiter bremsen.

Die amerikanische Notenbank würde noch mehr Geld drucken müssen, um die Kreditklemme zu bekämpfen, was höchstwahrscheinlich zu Hyperinflation führen würde. Man braucht da nur an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland zu denken, als Schubkarren voller Geldscheine notwendig waren, um nur einen Laib Brot zu kaufen – wahrhaft keine erfreuliche Perspektive!

Die Macht und der Einfluss Amerikas auf die Welt würden ernsthafte Einbußen erleiden. Nur die wenigsten Menschen verstehen den Einfluss, den wirtschaftliche Faktoren bei der allgemeinen geopolitischen Entwicklung spielen. Die Stellung des Dollars in der Welt bedeutet großen Einfluss für die USA. Russland und China warten auf die Zeit, wenn sie selbst solche Macht ausüben können, wobei sie aber sicher auf Konkurrenz vonseiten der Europäischen Union stoßen würden.

Die großen Verlierer eines Niedergangs des Dollars wären unter anderem Japan und Lateinamerika. Weil sie so viele amerikanische Schulden übernommen haben, würden auch China und die ölreichen Staaten im persischen Golf große Verluste hinnehmen müssen. Auch Israel und Ägypten würden darunter leiden, weil sie dadurch viele der amerikanischen Hilfeleistungen verlieren würden. Was das an Folgen im Nahen Osten haben würde, ist ungewiss, aber Ägypten könnte dadurch destabilisiert werden.

Die Weltpolitik würde dadurch verändert werden. Das dann entstehende Machtvakuum würde Begehrlichkeiten wecken. Die EU, die von einem Verfall des Dollars profitieren würde, wäre sicher einer der großen Anwärter. Auch China würde zweifellos davon profitieren wollen, aber eine Reihe von Faktoren würde das erschweren. Nach dieser möglichen Zeit des Chaos würde sich sicher wieder Stabilität einstellen, sobald eine andere Macht sich als treibender Motor der Weltwirtschaft etablieren würde. Amerikas sonnige Tage wären dann aber vorbei.

Die amerikanische Lebensweise würde sich grundlegend verändern. Das Ende von billigem Benzin, niedrigen Zinsen und dem Schuldenmachen würde eine geringere Lebensqualität und höhere Steuern mit sich bringen. Was das für das Sozialgefüge der Nation bedeuten würde, ist ungewiss.

Dieser letzte Punkt bezieht sich auf den Charakter der Amerikaner. Haben sie die gleichen Eigenschaften, die einer früheren Generation dabei geholfen haben, die Umbrüche während der großen Depression und des Zweiten Weltkriegs zu überstehen?

Verliert Amerika das Bewusstsein für seinen Führungsanspruch?

Diejenigen, die eine andere Welt schaffen wollen, sind zweifellos dabei, den Niedergang des Dollars und das Ende von Amerikas vorherrschender Rolle in der Welt herbeizuführen. In früheren Beiträgen haben wir bereits den prophezeiten Verlust von Amerikas „stolzer Macht“ angesprochen (3. Mose 26,19; Einheitsübersetzung). Während wir dabei meist zuerst an militärische Macht denken, sind auch wirtschaftliche Faktoren hier maßgebend. Wenn der Dollar seine Stellung als Reservewährung verlieren würde, würde das auch Amerikas führende Rolle in der Welt radikal verändern.

Zum einen würden Amerikas lähmende Auslandsschulden durch eine verminderte Fähigkeit, diese Last zu tragen, die Lage nur noch schlimmer machen. Nach einer gewissen Zeit würde das Land von denjenigen abhängen, die im Besitz seiner Schuldverpflichtungen sind und hätte nur noch wenig Bewegungsspielraum. Eine wirtschaftliche Versklavung durch andere Nationen wäre vorhersehbar.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dies sehr bald geschehen wird. China und mehrere arabische Staaten besitzen zu viele auf Dollar basierende Schuldverschreibungen, um so etwas zuzulassen. Wie bereits erwähnt, würden sie dabei zu viel verlieren. Zurzeit sind die USA immer noch zu groß, zu reich und zu mächtig, als dass diese Staaten den Niedergang Amerikas zulassen würden. Dafür steht auf der globalen Bühne zu viel auf dem Spiel.

Das bedeutet aber nicht, dass sich die Dinge nicht ändern könnten – und das vielleicht schneller als erwartet. Die Umstände müssen jedoch dafür geeignet sein.

Es wird nicht geschehen, bevor der Gott des Himmels es zulässt. Gott hat Amerika mit Reichtum, Macht und dem daraus folgenden Ansehen gesegnet. Er wird diese Situation dann ändern, wenn es seinem großen Zeitplan für alle Nationen entspricht.

Bis zum Eintreffen dieser Entwicklung haben wir noch unser Leben zu führen und unseren Weg mit – oder ohne – Gott zu bestimmen. Wir müssen Charakter entwickeln und eigene Fehler korrigieren. Wir haben noch die Tage, um die uns nahestehenden Menschen zu lieben und vor allem Zeit, Gott zu entdecken und zu erkennen, welche Aufmerksamkeit er den Details, die die Ewigkeit, die Geschichte und unser eigenes Leben betreffen, widmet. Lassen Sie uns das Beste aus der Zeit machen, die uns noch gegeben ist.

– Gute Nachrichten November-Dezember 2009 PDF-Datei dieser Ausgabe

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