Ist das Grab des Königs Kyrus bald für immer verloren?

Ist das Grab des Königs Kyrus bald für immer verloren? © Wikimedia Commons
Die Städte Persepolis, die alte Hauptstadt des persischen Reiches, und Pasargad, der Ort des Grabmals des Kyrus befindet, sollen durch einen neuen Staudamm unter Wasser gesetzt werden.

Nachrichten über die Bibel
aus den Naturwissenschaften

Von Mario Seiglie, Tom Robinson und Scott Ashley

Der persische Herrscher Kyrus II. des 6. Jahrhunderts v. Chr., der als Kyrus der Große in die Geschichte eingegangen ist, gehört zu den faszinierenden Persönlichkeiten der Bibel. Er ist als ein für seine Zeit aufgeklärter Herrscher bekannt und spielte auch eine Schlüsselrolle bei der Erfüllung einer wichtigen biblischen Prophezeiung.

Seine Geschichte beginnt etwa ein Jahrhundert vor seiner Geburt, als Gott den Propheten Jesaja dazu inspirierte, Folgendes niederzuschreiben: „So spricht der Herr . . ., der zu Kyrus sagt: Mein Hirte! Er soll all meinen Willen vollenden und sagen zu Jerusalem: Werde wieder gebaut!, und zum Tempel: Werde gegründet!“ (Jesaja 44,24. 28).

Etwa ein Jahrhundert später, im Jahre 586 v. Chr., fiel das Königreich Juda durch babylonische Invasoren. Jerusalem wurde dem Erdboden gleichgemacht, seine Stadtmauer und der von König Salomo errichtete herrliche Tempel wurden völlig zerstört. Die meisten Einwohner von Jerusalem und Juda wurden als Gefangene nach Babylon verschleppt. Aber Gott hatte seine Verheißung nicht vergessen, sein Volk eines Tages wieder nach Jerusalem zurückzuführen (Jeremia 29,10-14).

Ironischerweise wurde Kyrus als Sohn von Eltern, die Mitglieder der königlichen Familien der Meder und Perser waren, gerade um die Zeit geboren, als Jerusalem im Begriff war, den Babyloniern in die Hände zu fallen. 558 v. Chr. wurde er zum persischen König und bereits 548 v. Chr. regierte er über ganz Persien und Medien.

539 v. Chr. eroberte Kyrus Babylon. Dadurch erfüllte er Jesajas Prophezeiung, dass durch Gott „vor ihm Türen geöffnet und Tore nicht verschlossen bleiben“ würden (Jesaja 45,1). Das war eine erstaunlich zutreffende Beschreibung der Eroberung der scheinbar uneinnehmbaren Stadt Babylon durch Kyrus. Der Fluss Euphrat floss durch massive Tore in die Stadt Babylon. Kyrus ließ den Fluss durch seine Truppen umleiten, indem er alte Deiche entfernen ließ, die ihn in seiner Bahn gehalten hatten (wir finden einen Hinweis darauf in Jesaja 44,27). Es gelang Kyrus auch, einen Spion in die Stadt einzuschleusen, der die inneren Tore entlang des Flusses aufschließen ließ. Dann wateten die Streitkräfte des Königs im Schutz der Dunkelheit unter den Toren hindurch im trockengelegten Flussbett in die Stadt. Noch vor Sonnenaufgang war die große Stadt Babylon erobert – genauso wie es prophezeit worden war.

Kyrus gliederte Babylon in sein wachsendes Reich ein. Zu einer Zeit, als Eroberer gewöhnlich mit ihren Gefangenen sehr grausam umgingen, erwies sich Kyrus als ein wohlwollender Herrscher, der den Völkern, die zuvor von den Babyloniern erobert worden waren, beachtliche Freiheit zugestand.

In Esra 1 sind die Erlasse aufgezeichnet, durch die Kyrus es den Juden gestattete, nach Jerusalem zurückzukehren und ihren Tempel wieder aufzubauen. Das schuf die Grundlage für den Wiederaufbau von Jerusalem und den Tempel, wie es Jesaja ungefähr eineinhalb Jahrhunderte zuvor prophezeit hatte, lange bevor die Stadt und der Tempel auch nur angegriffen und zerstört worden waren. Diese Geschichte finden wir in den biblischen Büchern Esra und Nehemia.

Leider haben die heutigen Nachfolger des Kyrus, die modernen Machthaber im Iran, seine Weitsicht und Toleranz nicht übernommen. Berichte aus dem Iran beschuldigen die herrschenden religiösen Autoritäten, eine Kampagne durchzuführen, um die vorislamische Vergangenheit des iranischen Volks auszumerzen, ähnlich wie das auch die Taliban im benachbarten Afghanistan getan haben.

Die Städte Persepolis, die alte Hauptstadt des persischen Reiches, und Pasargad, der Ort, an dem sich das Grabmal des Kyrus befindet, sollen bald durch einen neuen Staudamm unter Wasser gesetzt werden. Ob das ein absichtlicher Versuch ist, Belege der historischen Vergangenheit des persischen Reiches zu vernichten oder nicht, das Resultat wird das Gleiche sein. Die regierenden religiösen Machthaber scheinen nur allzu gerne bereit zu sein, es zuzulassen, dass diese Stätten von unschätzbarem historischem Wert für immer in den Wasserfluten verschwinden.

Nehemias Mauer entdeckt?

„Und die Mauer wurde am fünfundzwanzigsten Tage des Monats Elul in zweiundfünfzig Tagen fertig“, schrieb Nehemia, der im 5. Jahrhundert v. Chr. ein Statthalter über Judäa war (Nehemia 6,15).

Bis heute sind nur wenige Überreste aus Nehemias Zeit (444-432 v. Chr.) in Jerusalem entdeckt worden. Aber nun glaubt Eilat Mazar, eine Archäologin der Hebrew University, Überreste dieser berühmten Mauer gefunden zu haben, die, nachdem die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt waren, zum Schutz Jerusalems errichtet worden war. Die Mauer war schon früher entdeckt worden, doch die Archäologen hatten sie auf die hasmonäische Zeit (141-37 v. Chr.) datiert, viel später als die Zeit von Nehemia. Als man aber einen Turm, der Teil der Mauer war, stützen wollte, um ihn vor dem Einsturz zu bewahren, fanden sich bei den Erdarbeiten direkt unter dem Turm Töpferwaren und Pfeilspitzen, die auf die Zeit der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 586 v. Chr. datiert wurden, sowie Tonwaren und ein Siegelabdruck aus der persischen Periode (6. und 5. Jahrhundert v. Chr.).

Es wurden keine zeitlich jüngeren Überreste gefunden, was darauf hinweist, dass der Turm und die Mauer auf die Zeit zurückgehen, als Nehemia Verteidigungsmauern um die Stadt errichten ließ. Zu der Zeit war Juda eine Provinz des persischen Reiches, weshalb archäologische Überreste aus der damaligen Zeit der sogenannten persischen Zeitperiode zugeordnet werden. „Dieser Fund eröffnet ein neues Kapitel in der Geschichte Jerusalems“, sagt Dr. Mazar. „Bisher hatten wir noch nie so reichhaltige archäologische Fundstücke aus der Zeit Nehemias“ („Nehemiah‘s Wall Uncovered“, The Jerusalem Post, 28. November 2007).

Die Bibel berichtet, dass Nehemia, der Mundschenk des persischen Königs Artaxerxes, vom König die Erlaubnis erhalten hatte, die Mauern um Jerusalem, das eineinhalb Jahrhunderte zuvor von den Babyloniern zerstört worden war, wieder aufzubauen. Als Jesus etwa vier Jahrhunderte später geboren wurde, war Jerusalem wieder eine Stadt voller Betriebsamkeit.

Der hier angesprochene Turm befindet sich hinten an den Mauern eines großen steinernen Gebäudes, das Dr. Mazar 2005 ausgegraben hat und von dem sie vermutet, dass es sich um den Palast des Königs Davids handelt. Das deutet darauf hin, dass das Gebäude zuerst errichtet worden ist. Es unterstützt ihre Sichtweise, dass es sich dabei um König Davids Palast handelt. Während ihre Schlussfolgerungen noch nicht endgültig belegt sind, scheinen diese Funde einen weiteren Beweis für die historische Zuverlässigkeit des biblischen Berichts darzustellen.

– Gute Nachrichten November-Dezember 2008 PDF-Datei dieser Ausgabe

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